Beiträge von Soprano

    Auch heterosexuellen Regisseuren haben darin Maßstäbe gesetzt, verborgene queere Aspekte im Opernrepertoire aufzuzeigen - wie etwa in der aktuellen Salome-Inszenierung an der Berliner Staatsoper.


    Zum Tod von Hans Neuenfels:

    Hans Neuenfels gestorben
    Der Theater- und Opernregisseur wurde 80 Jahre alt. Sein homoerotischer TV-Film "Reise in ein verborgenes Leben" wird bis heute unter Verschluss gehalten.…
    www.queer.de

    Aber man darf eben nicht zulassen, dass Afrika negativ assoziiert wird, bzw. darf man sich Afrika von rassistischen Sprüchen nicht madig machen lassen

    Ich gebe dir zu 100 Prozent recht.


    Allerdings sehen sich Menschen mit dunkler Hautfarbe, die hier geboren und aufgewachsen sind, nicht als Afrikaner.


    Vermutlich könnten alle Beteiligten nach einer Äußerung, wie sie Konwitschny von sich gab, entspannt lachen und darüber diskutieren. Schön wäre es.


    Aber es ist nun mal Tatsache, dass Rassismus in Deutschland ein Problem ist, das vielen Menschen Tag für Tag das Leben schwer macht. Ich würde davon nichts mitbekommen, wenn ich nicht selbst ab und zu mit Betreffenden unterwegs wäre oder von ihnen zu hören bekäme, was sie berichten. Dann wäre ich vielleicht auch der Ansicht, dass in der Diskussion der Bogen überspannt wird.


    Wenn jetzt beklagt wird, dass die Betroffenen hier alle auf einmal so sensibel reagieren und sich nicht haben sollen, weiß ich nur: das sind alles nur Tropfen, die das Faß zum Überlaufen bringen. Nicht zunehmende Empfindlichkeit ist das ursächliche Problem, sondern Alltagsrassismus. Das muss mit in den Kontext rein, den Gurnemanz angedeutet hat.

    Konwitschny hat einen Vergleich gebracht, der im Zusammenhang mit der Hautfarbe der Angesprochenen als unpassend gewertet werden kann

    Das stimmt. Und zwar genau deswegen, weil die Assoziation zu Afrika häufig in rassistischen Vorwürfen verwendet wird. Ich habe lediglich versucht zu erklären, warum Konwitschnys Äußerung als Faux-Pas verstanden werden kann (aber nicht muss). Es geht weniger um den Löwen, und in diese Richtung hatte sich die Diskussion verloren.

    ch fürchte, Du hast nicht verstanden, um was es geht. Aber immerhin hast Du eine Meinung.

    Immer mit der Ruhe. Ich bezog mich auf die Afrika-Metapher und keineswegs auf deinen Hinweis auf den Kontext. Da gebe ich dir recht. Wenn jedoch Konwitschny einräumt, er verstehe, warum sich die Chorsängerin verletzt fühlte, dann verlasse ich mich darauf, dass er das ernst meint.

    Hätte sich ein Asiate rassistisch beieldigt gefühlt, wenn Konwitschny als Vergleich die Begegnung mit einem bengalischen Tiger verwendet hätte...?

    Im Alltagsrassismus gegen Menschen dunkler Hautfarbe taucht häufig die Assoziation zu Afrika auf. Gerade so, als würde man signalisieren, dass ihr kulturelles Umfeld zwangsläufig dort verortet sei. Ich hab das in einem vorherigen Posting bereits angeführt: eine Nachbarin von mir wird - obgleich in Berlin geboren und im hiesigen Dialekt sprechend - immer wieder gefragt, wann sie zurück nach Afrika gehe.


    Ich fürchte, es wird hier nicht verstanden, um was es geht. Wie wir von music lover wissen, hat es Konwitschny zumindest verstanden. Das ist ihm hoch anzurechnen.

    Wo siehst Du in Konwitschnys Satz eine "verbale Entgleisung"???

    Ich verstehe nicht, wie man darin keine sehen kann.


    Aber wenn jemand wie meine Nachbarin, die berlinert und hier geboren ist, jede Woche einmal gefragt wird, wann sie wieder nach Afrika zurückkehrt, kann man sich freilich auch ahnungslos stellen und empört fragen, wie man das nun wieder als rassistisch empfinden kann.

    Aber eins steht mit absoluter Sicherheit fest: Es ist vollkommen ausgeschlossen, dass er auch nur ansatzweise oder vorübergehend rassistisch denkt. Die Intention, jemanden rassistisch zu beleidigen, kann er also niemals haben.

    Wirklich? Mit "absoluter Sicherheit" würde ich über rassistisches Denken keine Aussage machen wollen. Nicht über mich und auch nicht über andere.


    Ich bin selbst nicht frei davon (was ich früher empört zurückgewiesen hätte), auch nicht von gelegentlichen Anflügen von Misogynie oder jedweden anderen Vorurteilen, die sich in meinem Denken - wenngleich auch nur kurz und impulshaft - einschleichen. Menschen sind so. Ich bin inzwischen dankbar für jeden Hinweis und lerne gerne dazu.


    Trotzdem ist man wegen vereinzelter Äußerungen nicht gleich Rassist. Die Verknüpfung von verbaler Entgleisung und Person ist das eine Problem. Das andere hat damit zu tun, dass die Betreffenden keine Fehler eingestehen wollen.

    Im Thread der Presseschau gab es eine kurzen - freilich von dem Antwortenden nicht ganz ernstgemeinten - Dialog zur Frage (# 1.895):


    "Hatte Beethoven afrikanische Wurzeln?"


    Antwort:


    "Das wäre natürlich super: Dann könnte ich unzählige Fördertöpfe für PoC-Komponisten anzapfen Wenn sich dann noch herausstellen sollte, dass er schwul, bi- oder transsexuell, oder quer gewesen ist, dann wird sich ein warmer Geldregen über mich ergießen."


    Tatsächlich gibt es zur Sexualität Beethovens einen Textauszug aus Casta Diva, der im Nachrichtenportal queer zur Buchvorstellung von Casta Diva am 14.12.21 publiziert wurde und vollständigkeitshalber hier verlinkt werdenn soll..


    Vorab sei gesagt, dass die Frage in der Überschrift bewusst provokativ gewählt wurde.


    Wie an anderer Stelle hier im Thread bereits erörtert, macht die Spekulation über sexuelle Identität in einem Zeitalter der Zensur und der Todesstrafe für sexuelle Abweichungen keinen Sinn - allerdings schon, wenn es um das Begehren an sich geht.


    Wenn sich ein Zweig der Beethovenforschung ernsthaft der Frage widmet, um wen es sich wohl bei der "Unsterblichen Geliebten" handelte, dann muss auch die Frage legitim sein: Wen oder was begehrte Beethoven wirklich.



    https://www.queer.de/detail.php?article_id=35100

    Sonderlich viel Substanz hat der Kommentar von Sven Limbeck nicht, in der Hauptsache stellt er rhetorische Fragen. Es könnte so sein - es könnte auch ganz anders sein - aber warum nehmen wir nicht einfach mal an...

    Zu dem Zeitpunkt, als die Oper geschrieben wurde, drohte in Frankreich, Preussen und Österreich bei homosexuellen Handlungen die Hinrichtung. Erst ab 1791 wurde der entsprechende Paragraf in Frankreich mit der Revolution abgeschafft, was allerdings nicht das Ende der gesellschaftlichen Tabuisierung bedeutete (in Österreich und Preussen ersetzte man die Todesstrafe lediglich durch Verbannung, Prügelstrafe und Zuchthaus).


    In der Kunst war es aus Gründen der Zensur nicht nur unmöglich, Homosexualität als etwas Bejahendes darzustellen. Sie überhaupt - wenngleich nur am Rande - zu thematisieren, erforderte den Einsatz von Chiffren, vorsichtigen Andeutungen und des nicht Eindeutigen, des Ambivalenten. In der wissenschaftlichen Einleitung von ‚Casta Diva‘ wird das thematisiert.


    Die Erwartungshaltung einer klassischen Beweisführung in Werken wie ‚Cosi fan tutte‘ kann somit nur enttäuscht werden.


    Ganymed war über lange Zeit hinweg eine dieser Chiffren. Dominique Fernandez, Mitglied der Académie française, hat das in seinem Buch „Der Raub des Ganymed. Eine Kulturgeschichte der Homosexualität“ (1989/ deutsche Übersetzung 1992) sehr umfangreich und ausführlich beschrieben.
    Einem zeitgenössischen, halbwegs gebildeten Opernpublikum dürfte damals die Anspielung geläufig gewesen sein. Heute natürlich nicht mehr, darum sind diese Hinweise und Erläuterungen auch wichtig.


    Im übrigen hast du recht: In dem Libretto steckt noch sehr viel mehr. Gewiss auch noch mehr Ambivalentes in Bezug zu anderen Themen.


    Es geht in ‚Casta Diva’ auch nicht darum, eine wie auch immer geartete Deutungshoheit neu festzulegen.
    Ganz im Gegenteil: Der Interpretationsspielraum soll erweitert werden. Darum ging es ja eigentlich in dieser Diskussion - nicht darum, wer von den Figuren des klassischen Opernrepertoires nun „schwul“ ist oder nicht (was ohnehin in die Irre führt, denn eine schwule Identität mit entsprechendem Lebensstil konnte sich erst ab dem späten 19. Jahrhundert entwickeln), sondern wo sich homosexuelles Begehren verbirgt bzw. verbergen könnte.