Beiträge von Maurice


    Count Basie : Play the Music of Benny Carter AD: 06./07.09.1960, Los Angeles 01-10

    "The Legend" AD: 30.10., 31.10. & 01.11.1961 11-19


    Während man die CD mit der Musik Benny Carters einzeln seit Jahren erwerben konnte, gab es leider das zweite Album "The Legend" überhaupt nicht mehr zu kaufen. Auch hier zeichnet sich Benny Carter für die Musik aus. Ich hatte es allerdings auf einer LP mal gekauft und nie bereut. 2012 kam dann bereits diese CD mit beiden LPs zusammen raus, leider meist nicht gerade günstig. Daher bin ich froh gewesen, als man sie nun endlich zu einem vernünftigen Preis erwerben konnte. Die andere CD mit Benny Carter habe ich schon lange im Bestand.


    Zwei Besonderheiten gibt es in der Besetzungsliste. Auf der CD mit der Musik von Benny Carter spielt dieser auch das Lead-Alto, Marshall Royal wirkt überhaupt nicht mit. Im zweiten Teil ("The Legend") wirkt dafür Freddie Green nicht mit. Für ihn, der wohl erkrankt war, sitzt der ausgebuffte Studio-Musiker Sam Herman an der Gitarre (u.a. mit Tommy Dorsey viele Jahre).


    "The Legend" ist für mich eine echte Entdeckung wert. In "Easy Money" kommt der legendäre Lead-Trompeter zu Solo-Ehren, in "Who's Blue" Neuzugang Al Aarons. Besonders gut hat mir "Amoroso" gefallen, ein Stück im Latin-Sound, eine Seltenheit bei Basie. Frank Foster und Sonny Cohn sind die Solisten hier. Auch die kurze Zeit von Budd Johnson in der Band wird hier im Ton mit drei Soli festgehalten. Er ersetzte Billy Mitchell, der mit Al Grey die Band im Frühjahr verlassen hat, um eine gemeinsame, eigene Band zu gründen (mit Dave Burns an der Trompete).


    Erschienen sind die beiden LPs damals auf Roulette, Produzent war der legendäre Teddy Reig. Zwei exzellente Bigband-Alben.

    Ich halte es für richtig, dass man 2024 auseinandergeht. Mit Roth bekommen die Musiker einen erstklassigen Dirigenten, der nicht nur in Frankreich, sondern eben auch in Freiburg und Köln einen ausgezeichneten Eindruck hinterlassen hat. Man kann nur beglückwünschen, dass der exzentrische Currentzis, dessen Putin-Nähe man sich auch nicht mehr erlauben kann, dann nur noch als Gast agieren wird.


    Dass das Orchester nach dem Zusammenschluss mit der Motivation Probleme hatte, ist menschlich sicher nachvollziehbar Ob man Currentzis mag oder nicht, er hat das Orchester wieder wachgerüttelt, dort neues Leben eingehaucht, und damit wieder salonfähig gemacht. Diese Leistung muss man anerkennen, denn das war sicher keine leichte Aufgabe gewesen.


    Georg Friedrich Händel : Die Wassermusik AD: 1996


    London Classical Players , Roger Norrington


    Auf Grund des Wetters entfällt die "Frühlings-Sinfonie" von Schumann. Dafür läuft die "Wassermusik" von Händel. Grins1

    Hier auch Dvořáks Siebte. Sir Colin Davis am Pult des London Symphony Orchestra. Hochkaräter, meine ich. Entschlossen, straff, agogisch lebendig, ohne übertrieben zu wirken. Sehr schön!

    Ich bin mit dem Dvorak nicht so recht warm geworden. Eigentlich mag ich Sir Colins Einspielungen, aber DA war ich eher enttäuscht gewesen. Frage mich bitte nicht warum. Ich weiß nicht mal, ob ich die CDs noch habe.

    Das wäre eine Uraufführung gewesen, hättest du mitgespielt. Schuberts G-Dur Messe verlangt nur Streicher und eine Orgel (neben Chor und Solisten).

    Du kennst die neueste Bearbeitung nicht für Trompete, Klarinette und Klavier? Na, sowas aber auch.

    Ja, St. Pankratius. Du kommst ja ungefähr aus dieser Ecke, Maurice, bist vielleicht sogar Offenbacher.

    So ist es. Ich kenne auch den dortigen Orchesterleiter sehr gut. Das dürfte letzten Sonntag gewesen sein, als der Bischoff da war, vermute ich mal. Die Welt ist halt ein Dorf. Vermutlich hätte ich sogar die Messe mitgespielt (als Aushilfe), wenn ich nicht fast zeitgleich woanders bereits eine Verpflichtung hatte.


    Felix Mendelssohn : Sinfonie Nr.3, a-moll, "Schottische" AD: 1989

    & Sinfonie Nr.4


    The London Classical Players , Roger Norrington (damals noch ohne den "Sir" davor)


    Bei Sir Roger Norrington kann ich alles anhören und genießen, was er bis zu Mendelssohn und Schumann eingespielt hat. Was er an Komponisten anschließend eingespielt hat, ist dann absolute Geschmackssache, bzw. auch Ansichtssache. Sein Bruckner oder Mahler kann ich mir anhören, aber so richtig glücklich werde ich damit nicht. Bei Vaughan-Williams kommt es auf die Sinfonie an, aber auch hier scheiden sich die Geister daran.


    Sein Haydn, Mozart, Schubert, Mendelssohn oder Schumann gefallen mir dagegen sehr gut. Seine Einspielung von Smetanas "Ma Vlast" ist die einzige Einspielung auf historischen Instrumenten und hörenswert. Einen direkten Vergleich dafür habe ich nicht, allerhöchstens die Harnoncourt-Einspielung, die er aber auch nicht mit einem Orchester der HIP-Bewegung gemacht hatte. Da stimmt bei Harnoncourt fast alles, nur leider hat er den "Moldau-Teil" mMn versemmelt, da die Moldau einfach zu zäh fließt und auf der Stelle klebt.


    Ernie Carson : Every Man A King AD: 1994


    Ernie Carson (Kornett) - Tom Barlett (Posaune) - Kim Cusack (Klarinette) - Pete Clute (Klavier) - Debbie Schreyer (Banjo) - Mike Wallbridge (Tuba)

    - Wayne Jones (Drums)


    Hier geht es noch melodisch und harmonisch nachvollziehbar zu. Das mag weder innovativ noch modern sein, aber es ist eben anhörbar und musikalisch fein gespielt. Es swingt, es ist keine der üblichen "Standard-Recording Sessions" mit den üblichen Stücken, sondern keines der Stücke gehört zu den Standards. Ich kannte keines davon wirklich, was in der Tat selten vorkommt bei dem Repertoire.


    Heitor Villa-Lobos : Sinfonien Nr. 6 (1944) & 7 (1946) AD: 2011


    Sao Paulo SO, Isaac Karabtchevsky


    Erstbegegnung mit den beiden Werken. Sehr farbenreich, alles weitgehend im tonalen Bereich, das gefällt mir durchaus gut. Gerade die Siebte finde ich sehr stimungsvoll geschrieben. Dass sie für einen Kompositions-Wettbewerb des Detroit Symphony Orchestras geschrieben wurde und KEINEN Preis bekam, kann ich nicht verstehen. Dagegen wurde sein Landsmann Camargo Guarnieri mit einem Preis ausgezeichnet.

    Diese Aufnahme des Deutschen Requiems von Brahms wurde 1955 unter dem Dirigat von Rudolf Kempe eingespielt. Es ist eine energische, sehr intensive Interpretation, in der starke und dramatische Gefühle vorherrschen. Dietrich Fischer-Dieskau und Elisabeth Grümmer waren damals auf dem Höhepunkt ihrer stimmlichen Form und mit großer Ausdruckskraft ausgestattet. Das ist eine hervorragende Aufnahme, die ich sehr liebe.

    Ja, eine auch für mich sehr schöne Einspielung. Da bin ich ganz Deiner Meinung.

    Ich finde es schwierig, wenn man einerseits öffentlich bejubelt, dass man diese oder jene CD mal wieder extrem günstig auf dem Zweitmarkt bekommen hat, und andererseits die Tiefstpreise solcher Editionen erschreckend findet.

    Ich finde Deinen Einwand fadenscheinig, weil es sehr wohl ein Unterschied ist, etwas "Second Hand" zu erwerben, oder als Direktkäufer (sei es über den Handel oder per Direktversand), bzw. gar nur noch per "Streaming" "erwirbt". Wer im Glashaus sitzt, sollte mit dem Steine werfen vorsichtig sein.

    Offenbar ist der Saxophonist Pharoa Sanders im Alter von 81 Jahren verstorben. Diese Info bekam ich gerade über die Duke Ellington-Facebookgruppe, allerdings nicht mit einer belegten Meldung dazu. Immerhin ist es der Moderator der Gruppe, der das gepostet hat.

    Das ist eine ganz besondere Ehre... Grins1 Nur wer verramscht wird, hat es wirklich bis an die Spitze geschafft... :jaja1:

    Viel Ehr' viel Ramsch, oder wie? Manchmal finde ich es erschreckend, für welches Geld man Lebensmittel kaufen muss (oder Energie), aber hochwertige Aufnahmen einem nachgeworfen werden.


    Duke Ellington: Bigbands Live-Duke Ellington AD: 06.03.1967, Stuttgart, Liederhalle


    1967 war das letzte Jahr, in dem die Ellington-Band noch eine Qualität hatte, dass man sie als nach wie vor eine der besten Bigbands der Welt bezeichnen konnte. Anschließend begann leider der Verfall dieser einst musikhistorisch so bedeutenden, wenn nicht DER wichtigsten Bigband überhaupt. Noch hatte der Duke einen Großteil der alten Recken bei sich (Cat Anderson, Cootie Williams, Lawrence Brown, der komplette Saxophonsatz, der seit der Rückkehr von Johnny Hodges Ende 1955 bis 1968 zusammenspielen sollte), Bassist John Lamb und Billy Strayhorn lebte da auch noch, wenn er auch bereits zu krank war, um die Tournee mitmachen zu können.


    Hier präsentierte sich die Band von ihrer besten Seite. Auch das Programm bestand nicht nur aus den "alten Schinken" im Medley-Gewand, sondern aus einer Mischung aus alten, aber weniger gespielten Stücken ("Johnny Come Lately" etwa) und Stücken, die er die letzten Jahre geschrieben hatte (das wunderschöne "La Plus Belle Africaine" , "The Shepherd" oder "Mount Harrisa" - hier als Freakish Lights" bezeichnet - etwa).


    Leider ist Drummer Sam Woodyard nicht mehr dabei. Er wurde zuerst von Louie Bellson, dann von Rufus Jones und kurzzeitig von Steve Little ersetzt. Hier spielt Rufus "Speedy" Jones, der damals als einer der besten jüngeren Bigband-Drummer galt. Jones spielte mit Lionel Hampton, Maynatd Ferguson, Woody Herman und Count Basie, war aber leider ungleich kraftvoller (oder besser gesagt, lauter) als der sensible Woodyard. Doch gerade in Stücken mit Latin-Sound oder der Far East-Suite konnte er glänzen.


    Eine auch aufnahmetechnisch gelungene Live-CD, was damals gerade auch in Deutschland nicht immer selbstverständlich war.



    Benny Bailey: The Satchmo Legacy AD: 16./17.11.1999, Van Gelder-Studio Englewood Cliffs


    Benny Bailey (Trompete, Voc.) - John Bunch (Klavier) - Bucky Pizzarrelli (Gitarre) - Jay Leonhart (Bass) - Grady Tate (Drums)


    Benny Bailey gehörte nicht nur zu den besten Trompetern der Bop-Ära, sondern zu den besten Trompeten-STILISTEN des Jazz überhaupt.Als hervorragender Satzführer in Bigbands, aber auch ein anpassungsfähiger Combo-Musiker oder Session-Musiker war er immer ein gefragter Mann.


    Hier erweist Bailey dem großen Louis Armstrong die Ehre. Selbst schon 74 Jahre alt,kann er über ein langes Musikerleben zurückgreifen. Gesundheitlich schon angeschlagen, bringt er das Kunststück fertig, alleine durch sein exzellentes Spiel die alten Stücke wie "Someday You'll be Sorry", "West End Blues" oder "After You've Gone" neu und doch stilgerecht zu interpretieren, ohne Armstrong zu kopieren.


    Klar, sein Ton ist brüchiger als früher, das Vibrato stärker, aber seine Seele und sein Herz fühlen diese Musik des großen Satchmo geradezu vom Inneren heraus. Jedes Stück erfährt eine eigenständige Interpretation.

    Seine Mitstreiter gehören zu den Großen des Jazz, gerade was die Begleitung eines Solisten angeht. Pianist John Bunch,78 Jahre jung, gehört zu den großen Meistern des Begleitpianos überhaupt.

    Gitarrist Bucky Pizzarelli,73 Jahre, ist ein Meister der Akkord-und Rhythmus-Gitarre, sorgt für ein tragendes Fundament.

    Bassist Jay Leonhart,59 Jahre, gehört zu den gefragtesten Studio-Bassisten überhaupt, ist immer zur Stelle, ohne sich in den Vordergrund zu spielen.

    Schlagzeuger Grady Tate, auch schon 67 Jahre alt, ist ein absoluter Topp-Mann an seinem Instrument, der mit so vielen großartigen Musikern gespielt hat, dass es sich fast wie eine Geschichte durch die Jazzstile hindurch lesen würde.


    Bailey, Bunch, Tateund Pizzarelli sind inzwischen leider auch verstorben. Nur noch Bassist Jay Leonhart lebt mit inzwischen 82 Jahren noch. Seine letzte Einspielung stammt allerdings von 2007, also auch schon wieder 15 Jahre zurückliegend.



    Antonin Dvorak : Sinfonie Nr.5 & Tschechische Suite,op.39


    Tschechische Philharmonie , Libor Pesek


    Ich erfreue mich auch gerne mal wieder an der Musik Dvoraks. Leider höre ich seit fast zwei Jahren kaum noch Musik zuhause, gemessen an früher. Ich hoffe sehr, dass sich das bald wieder ändert, gerade jetzt, wenn die kalte Jahreszeit ansteht.


    Da hier dankenswerterweise an die früheren Sinfonien Dvoraks erinnert wurde, fange ich auch mal mit der Fünften an. Irgendwie möchte ich diese Musik am liebsten mit tschechischen (oder doch slawischen Dirigenten, Ausnahmen bestätigen die Regel) hören. Die Kombination Tschechische Philharmonie Prag/Libor Pesek (oder auch, wenn er mit seinem langjährigen Orchester aus Liverpool solches Repertoire eingespielt hat) empfinde ich als sehr beglückend.


    An Gesamteinspielungen habe ich Belohlavek, Pesek, Neumann (auf 1981-1987, Supraphon) und Suitner vorliegen. Kubelik hatte ich mal, aber dann abgegeben. Mehr brauche ich auch nicht, da ich zusätzlich Einzelaufnahmen der Sinfonien Nr.7-9 noch habe.


    Komischerweise habe ich mich nie zu Kertesz oder Rowicki hingezogen gefühlt, von neuen Einspielungen wie jener von Bosch (dem ich damit vielleicht Unrecht tue, aber mir sind die vier GA genug) ganz zu schweigen. Vielleicht wird ja mal Hrusa in ferner Zukunft eine werden, sollte er sie je zuende machen.

    Hm etwas teuer, für das was mich daraus interessiert (Smetana, Bruckner, Wagner, Rossini). Wäre schön, wenn da manches einzeln wiederkäme. Aber wohl eher nicht.

    Den Smetana kriegst Du einzeln manchmal nachgeworfen. Ist aber nicht wirklich so doll jetzt, dass man den haben muss. Brahms als Einzel-CDs kannst Du ebenfalls sehr günstig erwerben, so habe ich mir den Zyklus auch mal gekauft. Bei Bruckner kannst Du auf die Einspielungen später aus Stuttgart vielleicht greifen, die gibt es günstig neu für unter 13 Euro bei Amazon gerade. (Nr.3,4,6,7 & 9).


    Wenn Du Smetana und Brahms unbedingt haben möchtest, schreibe mir eine PN, vielleicht kommen wir ins Geschäft (ich habe auch die Mendellsohn-Sinfonien 3-4 von ihm noch da aus der EMI-Zeit).