Beiträge von Braccio


    Dvořáks Cellokonzert und Martinůs Cellokonzert Nr. 1.

    Christian Poltéra, DSO Berlin, Thomas Dausgaard

    Auf den ersten Lausch ziemlich energetische, packende Darstellungen.



    Und dann noch einmal Dausgaard, diesmal am Pult des Bergen Philharmonic Orchestra



    Bruckner 3 in der Erstfassung. Hat mir gleichfalls sehr gefallen. Zumal das äußerst virtuos agierende Orchester (übrigens mit antiphonisch gruppierten Violinen).

    Unglaubliche Verdichtung.

    Absolut. Das ist wohl eines der auffälligsten Merkmale dieser Stücke, oder? Natürlich wird's in den Bagatellen noch dichter.

    Bei aller Kürze nehmen die Juilliards sich Zeit.

    Ja, das ist ein Phänomen, das mich auch ganz besonders fasziniert. Ich glaube, die beiden Sätze 2 und 4 haben jeweils unter 20 Takte und dauern unter 2 Minuten. Trotzdem stellt sich bei mir beim Hören ein ähnlicher Ewigkeitseindruck ein wie bei einem Bruckner-Adagio. Na ja, fast zumindest.


    Ich habe heute die Aufnahme mit dem ABQ gehört, die Fünf Sätze, die Sechs Bagatellen und das dagegen quasi epische dreisätzige Streichquartett, soweit ich weiß Weberns einzige Zwölftonkomposition für SQ. Das war schon sehr interessant. Op. 5 ist im zeitlichen Umfeld (jedenfalls nach meiner Kenntnis) ein Schlag vor den Bug, eben "epochal", op. 9 geht noch weiter, ist noch kürzer, verdichteter, in den klanglichen Effekten vielleicht auch noch experimenteller und hat nach meinem Eindruck innerhalb der Sätze auch noch weniger Zusammenhang als op. 5, wirkt episodischer oder aphoristischer. Das offiziell als solches benannte Streichquartett nimmt sich für mein Empfinden in den Ausdrucksmitteln erheblich zurück, wirkt emotional viel distanzierter, vielleicht auch akademischer.

    Rückwärts richtet sich die Atonalität nur dahingehend, dass meines Erachtens trotz der radikal minimalistischen Abkehr der Geist einer Wiener Spätromantik noch mitschwingt.

    Da sind wir uns völlig einig, das finde ich auch einen sehr spannenden Aspekt dieser Musik.

    wenn ich ein Quartett von Ferneyhough höre -, dann fällt es mir schwer, die - vielleicht sehr wohl vorhandene - Expressivität anzuerkennen. Was ich höre, das ist Experiment, und wenn ich dann noch die Partitur dazu sehe, dann kommen mir mild moralische Kriterien in den Sinn - von wegen Hochstapelei und so.

    Empfindest Du das bei Webern auch so oder beziehst Du Dich nur auf Ferneyhough? Ich könnte mir gut vorstellen, dass so mancher Hörer 1909 bei Webern ähnlich gedacht hat.

    Auch von mir Dank für den Bericht. Ich hatte leider am Wochenende keine Zeit, mir den Livestream des Konzerts anzusehen. Was mich geärgert hat, denn das Programm klingt überaus spannend. Ich werde das dann nachholen, wenn das Konzert im Archiv angekommen der DCH ist.

    Die Zusammenstellung finde ich nicht nur spannend, sondern konsequent und überaus geglückt. Petrenko hat ja schon oft weniger bekannte Werke in seine Konzerte integriert, aber meines Wissens noch nie ausschließlich neuere, selten gespielte wie diese. Orchester und Dirigent wurden erst kürzlich von internationalen Kritikern auf Platz 1 gerankt. Wie sinnvoll diese Rankings sind - geschenkt. Aber ich denke schon, dass es ein guter ergänzender Hinweis darauf ist, in welcher Liga die Berliner weiterhin spielen. Vielleicht fällt es mit einer solchen Reputation dann auch leichter, ein dermaßen gewagtes Programm zu bringen. Meinetwegen jedenfalls gern mehr davon!

    Auf der einen Seite zeigt sich eine doch noch rückwärts gewandte Atonalität, die seltsam wienerisch im Fin de Siécle wurzelt

    "Rückwärts gewandte Atonalität" finde ich klasse. Wobei ich in Anbetracht des Entstehungsjahres rückwärts gewandt andererseits auch nicht ohne weiteres unterschreiben würde.

    Abgesehen von - in meinen Ohren - der Fortschrittlichkeit der Stücke fand ich beim nun etwas konzentrierten Wiederhören am erstaunlichsten, wie expressiv die Stücke sind, wie unmittelbar emotional sie mich ansprechen - was freilich ganz subjektiv ist.

    Streichquartett im wesentlichen Sinn...?

    Hm, da hatte ich nun gar keine Zweifel. Besetzung, äußere Struktur durch die Bogenform, dem Kopfsatz wird eine Sonatensatzform nachgesagt, Mittelsatz mit Scherzo-Charakter. Und ich glaube schon auch, dass sich Webern auf die etablierte Form Streichquartett bezieht, sich mit ihr auseinander- und von ihr absetzt.

    Für das Streichquartett der kommenden Woche machen wir einen kleinen zeitlichen, aber einen etwas größeren stilistischen Sprung. Es geht nach Wien ins Jahr 1909. Nach Abschluss der gemeinsamen Studien mit Arnold Schönberg schlägt Anton Webern nach mehreren einsätzigen tonalen Kompositionen für Streichquartett von 1905 nun mit den Fünf Sätzen für Streichquartett Op. 5 neue Wege ein. Fünf atonale Sätze, Gesamtdauer um die elf Minuten:


    I. Heftig bewegt

    II. Sehr langsam

    III. Sehr bewegt

    IV. Sehr langsam

    V. In zarter Bewegung


    In den letzten Tagen haben mich die fünf Sätze immer wieder sehr angesprochen, ich finde diese Klangwelt unheimlich faszinierend.


    In guter Tradition ein Link zu einem Video mit Partitur:


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    Es gibt viele hochkarätige Aufnahmen von Juilliard über Italiano, ABQ, Hagen, Belcea bis hin zur spannenden Scheibe des Richter Ensembles auf Darmsaiten und mit tiefem Kammerton. Die Auswahl ist groß.


    Nun bin ich auf die Diskussion gespannt.

    Und noch eine Neuerscheinung.

    Bartóks Klavierkonzerte mit Pierre-Laurent Aimard und dem SFSO unter Esa-Pekka Salonen


    Spitzenklang; klare, vielleicht sogar etwas kühle, aber allemal packende Interpretation, meine ich.


    Gegen Ende der Asrael-Runde heute nun die Aufnahme mit Tomas Netopil am Pult der Essener Philharmoniker. MB hatte sie anfangs erwähnt.


    Bin äußerst angetan. Spiel an der vordersten Stuhlkante, tolle Orchesterkultur, sehr guter Klang. Eher auf der zügigen Seite, sehr intensiv. Bei dieser Gelegenheit fiel mir wieder auf, welch unterschiedliche Wandlungen das Hauptmotiv in seinem Charakter erfährt. Genial!