Beiträge von zabki

    Der musikalische Salon des 19. Jahrhunderts

    Dieser Faden zum musikalischen Salon setzt sich aus Beiträgen in zwei parallel verlaufenden Diskussionen über Chopins Klaviermusik zusammen. Braccio

    halte ich es für ein weitverbreitetes und fatales Klischee, Chopin als salonesken Komponisten einzustufen. Damit wurde seine Musik in der Vergangenheit nur allzu oft abgekanzelt.

    Nur kurz bemerkt (mehr ist mir aus div. Gründen nicht möglich) - bevor man über eine solche Einstufung den Stab bricht, sollte man sich vergewissern, was für ein Begriff von "Salon" (von "Salonmusik" sprach R. glaub ich gar nicht, sondern von "salonfähiger Musik") zugrunde liegt. "Salonmusik" kennen wir wohl praktisch nur als schwer abwertende Qualifizierung. Kurz zusammen geklaubten Informationen zufolge wurde in Salons aber auch Fauré, Debussy, Ravel, ja der Sacre Kl. 4hdg. aufgeführt. Gut, das ist viel später. Jedenfalls zeigt es, daß "Musik im Salon" von höchstem Rang sein konnte, und kein Grund besteht, bei "Salon" sofort rot zu sehen.

    Das Zitat mit den Party Tricks habe ich anders verstanden.

    Rosamunde bezog "Party tricks" zunächst eindeutig auf Liszt. Dann sagt sie, daß sie den "großbürgerlichen Salon", den sie allerdings nochmal dadurch charakterisiert, daß da Liszt-Manieren vorkommen können, auch bei Chopin hört. Aus dem folgenden wird aber deutlich, daß sie gleichwohl Chopin und Liszt unterscheidet. Ich würde da einen gewissen Klärungsbedarf sehen, also Anlaß zur Nachfrage, mehr aber auch nicht.

    Ähnlich wie beim modernen Metronom könnte man die falsche Seite des verschiebbaren Gewichts ablesen.

    daß man mal irritiert ist, kann sicher vorkommen.


    Aber dann müßte einem doch auffallen, daß man bei Ablesung mit der falschen Seite das Gewicht bei sehr langsamem Schlag fast ganz von der Schiene abziehen müßte.

    Kleinmeister zur Zeit der Wiener Klassik: Versuch einer übersichtlichen Darstellung sogenannter "Kleinmeister" im Umkreis von Haydn, Mozart, Beethoven und Schubert sowie Studien zur Quellensicherung ihrer Werke (Ziffer, 1984)
    würde mich heute überraschen.
    Ob in diesem Buch Spohr nun den "Kleinmeistern" zugerechnet wurde, bekomme ich aus der google-books-Vorschau nicht heraus.

    Über BMS bekommt man hier:


    https://www.musikbibliographie.de/SET=2/TTL=1/SHW?FRST=1


    einen weiteren Link zum Inhaltsverzeichnis, das etwas seltsam aussieht.


    Unter "Anhang ... Handschriftenanalysen" sind folgende Namen aufgelistet:



    Albrechtsberger
    Assmayer
    Benda, G.
    Cramer, J. B.
    Diabelli
    Ditters v. Dittersdorf
    Eybler
    Förster, E. A.
    Freystaedler
    Gänsbacher
    Gassmann, F
    Gyrowetz
    Hüttenbrenner
    Hummel
    Lindpainter
    Müller, Wenzel
    Neukomm
    Randhartinger
    Salieri
    Schenk, J.
    Sechter
    Süssmayr
    Umlauff


    die Anzahl ist plausibel. Das große Opernverzeichnis von Franz Stieger, das Vollständigkeit aller je komponierten Opern überhaupt anstrebt, soll ca. 100.000 Opern umfassen.


    Der Wikipedia-Artikel zu "Oper" nennt eine geschätzte Zahl von über 60.000 komponierten Opern.
    de.wikipedia.org/wiki/Oper#Aufführungspraxis_der_Oper

    meine Angabe von 100.000 Opern im Stieger muß ich relativieren. Gelesen habe ich die Zahl irgendwo bei Dahlhaus, und angenommen, er habe diese vom Stieger. In zwei bei jstor zugänglichen Rezensionen wird für Stieger jedoch die Anzahl von 50.000 Opern genannt + einige 1000 Ballette u. Oratorien, und ohne noch erschienene Nachtragsbände.


    da scheint die Anzahl 60.000 Opern insgesamt besser zu passen.

    Ich wusste gar nicht, dass Du inzwischen in Kanada lebst :D . In Deutschland muss man leider noch zwei Jahre warten, bis bei Prokofieff die 70-Jahre-Schonfrist um ist.

    Wer die Schatztruhe offen stehen läßt, ist schuld, der Dieb kann nichts dafür. Außerdem hat der Dieb den Schatz bloß angeguckt ...
    :versteck1: :versteck1:

    Also erstellte er eine sogenannte C-Partitur. -> Wikipedia "Partitur"


    In der Besetzungsliste sagt er, dass die (einzige) Klarinette eine A-Klarinette sein soll.


    Prokofjew kannte aber schon B- und A-Klarinetten?

    ähnlich teilweise in der Wiener Schule. Von Bergs Violinkonzert gibts auf imslp Partitur und Stimmen, die Partitur ist klingend notiert, die Stimmen transponierend. Übrigens schreibt Berg ausdrücklich vor 1. Klarinette in B, 2. Klarinette in A, und in der Pt. beides klingend, wie gesagt.


    Ich nehme an, die Komonisten haben die Pt. klingend geschrieben, beim Herausschreiben der Stimmen wurde dann transponiert.


    wie ist das eigentlich bei "modernen" Hörnern, sofern nicht HIP-mäßig gespielt wird? Spielt man nicht alles auf einem F-Horn (oder "Doppelhorn" in B/F)? Dann müßte der Spieler jeweils "in Echtzeit" die relative Transposition machen, d.h. eine E-Stimme einen Halbton runter transponieren. Oder wie läuft das da?

    D. h., es stimmt das Gerücht, das ich erwähnte, dass Prokofjew nicht transponiert? Was schreibt er denn an der Stelle (für Klarinette)? Dass es für A-Klarinette ist? Schreibt er A-Dur oder C-Dur? Und er schreibt die Noten klingend, d. h. nicht auf die Griffe für A-Klarinette transponiert?


    maticus

    in der Partitur, die ich aus imslp rausgefischt habe, schreibt Prokofiew klingend. Die Klarinette hat dieselbe Vorzeichnung wie die Streicher (um Zif. 20 herum 2 b's). Wahrscheinl. einfach A- oder B-Klarinette nach Wahl.

    Das etwas patronisierende "lies nach" lässt sich eventuell vermeiden, wenn man sich bei der Formulierung seiner Gedanken um größtmögliche Präzision bemüht.

    Rosamunde hatte in #60 geschrieben, was sie unter "universell" versteht, das war ganz klar. Um etwas Nachsicht bei unscharfem Wortgebrauch ihrer Distanz zur deutschen Sprache wegen hatte sie schon vor langem gebeten. Das kann man doch berücksichtigen, finde ich.

    Inwiefern Wagners Musik - nicht das, was Wagner selbst behauptet hat - sich in irgendeiner Weise auf Beethoven bezieht (abgesehen von der erwähnten "Apotheose des Tanzes"), ist mir gar nicht klar.

    die Vorstellung, daß Opernmusik einen so "zwingenden" Zusammenhang entwickeln soll wie dies in Sinfonien etc. der Fall ist, ist wohl ohne Beethoven nicht denkbar.

    Sie haben sich doch auch selbst als Traditionalisten gesehen, genau wie später Brahms

    wenn Brahms sich so gesehen hat, dann doch in Abgrenzung zu denjenigen, die sich ihrerseits von ihm abgrenzten.


    zu Schumann nur auf die Schnelle ein paar Splitter:


    - gründete die "Neue Zeitschrift für Musik" (als Alternative zur verschnarchten "Allgemeinen Musik Zeitung")
    - propagierte das Heraufkommen einer "neuen poetischen Zeit"
    - ließ die virtuellen "Davidsbündler" gegen die Philister antreten

    Aber Wagner hatte doch kein Interesse mehr daran, Kontrapunkt à la Bach in seinen eigenen Werken einzubauen. Oder Sonaten zu schreiben und sie mit neuem Inhalt zu füllen.

    daß Sonaten schreiben bzw. das wesentlich an der Sonatenform orientierte Komponieren überhaupt als was traditionalistisches betrachtet wird, hat ja auch erst Wagner deklariert.