Beiträge von Felix Meritis

    Normalerweise wäre eine Allemande wohl schneller als bei Rannou, aber die verschiedenen Tänze haben nicht immer dasselbe Tempo. Sarabanden sind meistens langsam, aber es gibt auch ausgesprochen rasche (etwa bei Albinoni). Gigues sind immer rasch, Bourreen und Gavotten aber nicht. Eine Allemande würde ich am ehesten mit der Vorschrift "moderato" assoziieren.

    Bei der nachfolgenden Courante bietet sich ein ähnliches Bild. Wieder ist Belder zu schnell (3:48). Hier gefällt mir Rowland (4:07) besser - Rannou mit 5:10 wieder klar langsamer, aber nicht in so einem Ausmaß wie bei der Allemande. Dieses Stück, mehr als die Allemande, zeigt mir wieder, dass ich diese Musik für Klavier für nicht so geeignet halte. Der Bass hat hier auch eine perkussive Funktion, und die Umsetzung davon gelingt mit Cembalo einfach viel besser als mit Klavier. Ich bin kein Purist und höre mir Bach gerne auf dem Klavier an, aber bei den französischen Cembalisten, und eigentlich auch bei Händel, passt das für mich einfach nicht.

    Ich bin fast überrascht, dass so viele hier mit Rameaus Musik für Tasteninstrument noch nie in Berührung gekommen sind. Offensichtlich habe ich ihre Bekanntheit überschätzt. Da ich selbst sehr viel Barockmusik höre, gehören Rameaus Cembalowerke für mich seit langem zum Kernrepertoire. Ich glaube, man kann wirklich sagen, dass diese Werke zum Bedeutendsten gehören, was für Cembalo geschrieben wurde. Ich habe mir nun die Allemande aus der Suite vergleichend in meinen drei Aufnahmen angehört:

    1. Gilbert Rowland (Naxos)

    2. Pieter-Jan Belder (Brilliant)

    3. Blandine Rannou (Alpha)


    Alle drei Einspielungen sind natürlich gut, aber Rowland spielt mir tendenziell zu schmucklos. Belder verziert deutlich mehr, was bei dieser Musik mMn wichtig ist. Allerdings spielt mir Belder wiederum etwas zu schnell (er braucht genau 7 Minuten, Rowland 7:28), was bei den schnelleren Abschnitten der Allemande in meinen Ohren fast gedrängt klingt. Rannou ist mit 11:25 ganz klar am anderen Ende des Spektrums. Allerdings empfinde ich die Interpretation nicht als schleppend, eher als majestätisch. Rannou spielt mit viel Agogik, was in Verbindung mit dem wunderbaren Klang ihres Instruments auf mich einen bewegenden Eindruck macht. Für mich ist Rannou bei der Allemande also eindeutig die erste Wahl.

    Die Angelegenheit beim SWR ist eine andere.

    Ja, um darum geht es ja. Der SWR ist bereit jemanden als Dirigenten einzustellen, der sein Problem mit sexueller Belästigung noch nicht therapeutisch angegangen ist. Das ist keine Frage von zweiter Chance oder nicht, denn hier ist die Voraussetzung für eine zweite Chance mMn noch nicht gegeben.


    Vermutlich wird irgendjemand auch diesen Transfer nicht nachvollziehen wollen.

    Das ist eine sehr komplizierte Frage, ich denke aber, dass der Mensch eher befähigt ist eine einmalige moralische Entscheidung mit klarer Konsequenz zu treffen, als dieselbe jeden Tag, ohne dass es eine Konsequenz gäbe. Die Pornos gehen nicht weg, wenn Du an einem Tag sagst "das will ich nicht unterstützen",die Entscheidung, eine gewisse Tat nicht zu setzen, hat hingegen die klar nachvollziehbare Konsequenz, dass die Tat nicht gesetzt wird.

    So glatt wie Mauerblümchen sehe ich die Sache nicht. Es zeigt sich, dass Roth über Jahre hinweg dieses Fehlverhalten gezeigt hat. Nun hat er eine Mini-Entschuldigung angeboten, nämlich "sollte sich jemand verletzt gefühlt haben, tut es mir leid". Das impliziert, dass er sein Verhalten nicht per se als falsch ansieht. Er willigt zwar ein, eine Therapie zu machen, zieht sich für diese Zeit aber nicht aus dem Business zurück, sondern möchte gleich wieder mit untergebenen Orchestermusikern arbeiten. Das halte ich für sehr dubios. Zweite Chance gut und schön, aber dann muss man auch zeigen, dass man sie überhaupt will.

    Pornografiekonsum hat sicherlich eine moralische Komponente, da hat MB wohl recht, trotzdem ist es eben ein Unterschied, ob man Leute aktiv sexuell belästigt, oder ob man passiv davon profitiert.

    Hier scheint Schubert, Beethovens Sonata quasi una Fantasia op.27 Nr 2 in cis-moll - die nach Beethovens und Schuberts Tod den Namen Mondscheinsonate bekam - als Inspirationsquelle gehabt haben. Eine verwandte Tonart, die in Schuberts Klaviermusik selten zu finden ist - auch weil sie für die Klavierbauer der Zeit Temperierungsprobleme brachte - eine Verwandtschaft im Duktus, in der Atmosphäre, die womöglich beim Zuhören eher als beim Lesen auffällt.

    Interessanterweise hat auch Mendelssohn eine Klavierwerk geschrieben, das sich an die Mondscheinsonate anlehnt und ebenfalls in fis-Moll steht (statt cis-Moll): die Fantasie op. 28. Diese ist aber mMn sehr viel deutlicher an Beethovens Werk angelehnt (nicht unbedingt ausdrucksmäßig aber strukturell).

    ... ich will das Verhalten Roths ja in keiner Weise rechtfertigen. Ich sage nur, dass der Auswahlprozess es begünstigen könnte, dass Menschen mit stark ausgeprägtem Hormonhaushalt solche Stellen bekommen.

    Ich bin mir nicht so sicher. "Gelegenheit macht Diebe", und eine Machtposition ist eben eine Gelegenheit. Mit Genialität hat das wenig zu tun.

    Das macht das System automatisch so. Wie Mauerblümchen schon an anderer Stelle erklärt hat, kann man das umgehen indem man die Kennummer aus der Browserzeile herauskopiert. Funktioniert immer.

    aber sexuelle Belästigung in machthierarchisch strukturierten Umgebungen ist wirklich häufig.

    Das glaube ich hingegen sofort. Mir fällt auf, dass Menschen in Führungspositionen generell ihre Attraktivität überbewerten, da sie über Ressourcen und Einfluss verfügen. Dementsprechend benehmen sie sich dann. Das erinnert mich an Leute, die Alkohol trinken und dann beginnen, Frauen anzumachen.

    Ich denke, dass man da im Vorfeld schon eingreifen könnte, indem man dem leitenden bzw. angehenden leitenden Personal auferlegt, Schulungen zu besuchen, die auch diesen Aspekt ausdrücklich behandeln. So etwas gibt es mW in Österreich nicht.