Beiträge von Felix Meritis

    Gestern habe ich auch noch die "klassische Einspielung" des Hungarian String Quartet gehört. Diese Aufnahmen empfinde ich als quasi didaktisch, im Sinne von "hör her, so schlimm ist es wirklich nicht!". Tendenziell viel weniger Dampf als andere Einspielungen, dafür Klangschönheit und Detailreichtum. Für mich sind diese Aufnahmen immer ein sehr hörenswerter Gegenentwurf.

    Bei aller Dissonanz hört man im ersten Satz sehr viel thematische Arbeit, sodass ich es im Vergleich zum 3. SQ beinahe als "easy listening" empfinde (was auch daran liegt, dass ich nach vielen Jahren intensiven Bartókhörens die Dissonanz kaum mehr als solche wahrnehme). Immer wieder fasziniert mich, wie Bartók hier die Sprache und Mittel der Streichinstrumente erweitert hat. Vielleicht lehne ich mich zu weit aus dem Fenster, aber ich habe den Eindruck, dass das 4. SQ in der Streichermusik des 20. Jahrhunderts eine Zeitenwende darstellt.

    Soeben wieder in meiner Lieblingseinspielung gehört

    Bartóks 4. Quartett ist jedenfalls einer der ganz großen Brummer und definitiv nicht von der Sorte "ganz nett".:schwitz1:

    Zusammen mit dem 5. SQ Bartóks gehört das 4. zu meinen absoluten Lieblingswerken der Gattung Streichquartett, wobei für mich dasselbe gilt für MB: bewusst verstehe ich wenig, trotzdem empfinde ich es als fantastisch. Genauso geht es mir mit Bartóks Violinsonaten.

    Das finde ich selbst überhaupt nicht, v.a. weil die Durchführungsarbeit bei Boccherini viel weniger prominent ist als bei Haydn oder Mozart. Für mich führt das zu weniger Vielfalt, weil sich Abschnitte im selben Satz daher tendenziell öfter wiederholen. Es ist auch auffällig, dass Boccherini im Durschschnitt deutlich kürzere Sätze komponiert als Haydn oder gar Mozart.

    Die Vielfalt bei der Zahl der Sätze finde ich nicht so außergewöhnlich. Viele Abweichungen entstehen ganz einfach dadurch, dass Boccherini langsame Einleitungen als eigenständige Sätze führt. Jedenfalls sind 4 Sätze die in den "großen" Werken die häufigste Organisationsform.

    Ich finde schon, dass die Themen sehr häufig wiederkehren und weniger individuell sind als bei Mozart und Haydn. Gleichwohl sind sie sehr typisch. Boccherini hat also hohen Wiedererkennungswert - im Gegensatz zu vielen anderen Komponisten aus der Zeit. Die von mir genannten Stücke empfehle ich auf jeden Fall jedem zum Anhören, da sie meisterlich komponiert sind aber auch eine gewisse italianitá aufweisen, die den Werken der wiener Meister abgeht.

    Es ist aber schon etwas seltsam, wie Boccherini über Jahrzehnte einen technisch meisterhaften, farbigen, aber häufig irgendwie oberflächlich-verbindlichen wirkenden Stil beibehält, egal ob 2,3, oder 4sätzig, ob Quartett, Quntett, Sextett. Alles hübsch, ein einzelner Satz oder 2 auch mal mehr als das, aber es fällt schwer, wirkliche Favoriten zu finden. Vor einigen Wochen habe ich je über ein dutzend Quartette & Quintette gehört und es fällt sehr schwer, Favoriten zu finden. Außer dem A-Dur op.39 würde ich noch 5+6 aus op.32 für etwas gewichtigere Stücke empfehlen.

    Ich möchte dem nicht vollkommen widersprechen, denn über das ganze Œvre gerechnet kann Boccherini an Haydn und Mozart nicht heranreichen. Tatsächlich klingt vieles ähnlich, vor allem in den kleineren Werken, und oft hört man gut gemachte aber eben nicht mitreißende Musik. Allerdings habe ich mit Boccherini vor einiger Zeit sehr eingehend beschäftigt und kann daher ohne Probleme einige Lieblingswerke nennen, welche ich zumindest mit Haydns op. 17 und 20 auf eine Stufe stelle (allerdings nicht etwa mit Haydns opp. 50, 54, 76, 77). Neben den von Dir genannten op. 32 Quartetten und eben op. 39 wären das bspw. das f-Moll Quartett aus op. 52, das d-Moll Quartett aus op. 13 oder das a-Moll Quintett aus op. 25.

    Das finde ich jetzt doch etwas unfair, den gesamten Boccherini an diesem Quartettino zu messen. Boccherini schrieb mit voller Absicht gewichtigere und leichtere Quartette und Quintette. Opus 2 gehört zur leichteren Muse. Boccherini konnte aber wesentlich mehr, was man zum Beispiel in seinem A-Dur Quartett aus op. 39 heraushören kann

    Externer Inhalt m.youtube.com
    Inhalte von externen Seiten werden ohne deine Zustimmung nicht automatisch geladen und angezeigt.
    Durch die Aktivierung der externen Inhalte erklärst du dich damit einverstanden, dass personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr Informationen dazu haben wir in unserer Datenschutzerklärung zur Verfügung gestellt.

    Für mich steht das mit Haydns op. 20 durchaus auf einer Stufe.

    Im Unterschied zu den anderen slawischen Sprachen ist die Vokallänge unabhängig von der Betonung (die Betonung ist immer auf der ersten Silbe; sehr häufig ist die letzte oder/und die vorletzte Silbe lang, in längeren Wörtern können die langen und kurzen Vokale scheinbar zufällig verteilt sein), dadurch entsteht eine natürliche Rhythmisierung und Synkopierung

    Hm, das ist im Slowakischen nicht anders, trotzdem klingt der Sprachrhythmus ganz anders, nicht so gesungen. Das ist schon eine Eigenart der Tschechen, aber nicht unbedingt auf diese Vokallängen alleine zurückzuführen. Die gibt es nämlich außer im Slowakischen auch noch im Ungarischen und Finnischen, ohne das dies zu einem "musikalischen Klang" führen würde.

    Bei mir ist es so, dass der Link zunächst nicht funktioniert. Wenn ich dann den Beitrag bearbeite ist die Syntax total verändert worden. Ich korrigiere* dann wieder auf [jpc]12345678[\jpc] und dann frisst er's.:/


    *der Schrägstrich muss natürlich in die entgegengesetzte Richtung weisen!

    ziemlich calvinistisch in meinen Ohren ...

    Viellekcht solltest Du BWV dann einfach nicht mehr bevorzugt solistisch besetzt hören, wie hier angedeutet:

    Mauerblümchen
    8. März 2014 um 23:56

    Grins1


    Allerdings muss ich sagen, dass eine solistisch besetzte Aufnahme derzeit auch mein Favorit ist (Christoph Spering & Co.).

    Die beiden letzten Sätze finde ich einfach meisterhaft und auf sehr hohem Niveau befindlich. Das ist bereits Musik eines großen Meisters. Das Finale würde ich am ehesten mit einer tschechischen Skočna assoziieren. Der erste Satz beeindruckt mich vor allem als Vorbote der großen Meisterwerke der späten Jahre.

    Der einzige Satz, der mich nicht begeistert, ist der langsame Satz. Witzigerweise ist er in seinem Duktus, seiner Rhythmisierung sehr ähnlich dem langsamen Satz in Mendelssohns Jugendquartett aus 1823.


    Alles in allem: Hut ab!