Beiträge von Felix Meritis

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    Mord war es oder Tötung nach damaligen Verständnis, aber ich glaube nicht, dass jemand aus der Antike die Begriffe 'Massenmörder' oder 'Genozid', also hinsichtlich dessen verwandt hätte, weil sie das anders gesehen haben. Das ist Neuzeit.


    Aber das führt wirklich vom Thema des Threads weg, weil es Shakespeare darum nicht ging.


    :wink:Wolfram

    Diese Diskussion gehört dahingehend zum Thema, als dass sich die Engländer zu dieser Zeit und v.a. ab dem 18. Jahrhundert sehr gerne mit den Römern identifizierten. Dementsprechend sind die Figuren römischer Provenienz anglisiert/christianisiert. Ein Völkermord war aber für die Römer kein Verbrechen - für die Engländer war das schon schwieriger, da das Christentum im Weg stand. Natürlich kam es aber trotzdem zu Genoziden und ähnlichen Untaten - allerdings musste man dann Doppelstandards bemühen oder lügen, dass sich die Balken bogen.

    Wenn Du schon historisch argumentieren willst, dann solltest du aber auch beachten, dass diese Barbaren eben genau in den Augen der Römer eigentlich keine gewesen sein sollten, denn sie waren Griechen, die sich auf Alexander den Grossen beriefen. Deshalb spreche ich dauernd von double standards. Es waren eben nur Barbaren, wenn es einem in den Kram passte, wie ich schon schilderte.

    Deine Sätze unterstreichen genau, was ich sagte. Was militärisch vonnöten war, um die eigene Überegenheit zu sichern, wurde in moralische Kleidung gepackt.

    Kleopatra und Co. waren gräzisierte Ägypter aber weder in Augen der Römer noch in denen der tatsächlichen Griechen wirkliche Griechen. Sie hingen ja auch weiterhin dem ägyptischen Glauben an. Die Griechen waren für die Römer zwar keine Barbaren, aber auch keineswegs gleichberechtigt. Die meisten Griechen lebten in Rom als Händler (verachtet) oder Sklaven und Freigelassene (noch mehr verachtet). Ansonsten hatten die Römer null Probleme, ihr brutales Vorgehen gegen anderen Völker zu rechtfertigen - sie waren ja keine Christen. Am ehesten kann man sie mit den Japanern im WKII vergleichen.

    Das ist doch klar. Also falls Du mich meinst...aber das kann eigentlich gar nicht sein, denn da hättest du mich völlig missverstanden. Ok, vielleicht my bad. Also nochmal:

    Du schriebst jedenfalls von double standards, welche Du auch in der historischen Caesarepisode gegeben siehst. Das halte ich für unwahrscheinlich, denn die Römer hatten völlig andere Moralvorstellungen als wir. Auf den Mord eines römischen Feldherren und hohen Politikers durch Nichtrömer mit Abscheu zu reagieren, ist aus römischer Sicht völlig logisch und eher nicht gespielt. Außerdem ist die Chance, dass Caesar Pompeius mochte - sie waren ja jahrzehntelang Verbündete gewesen - gar nicht so klein - zumal Sentimentalität bei grausamen Menschen ja ohnehin häufig auftritt.

    Ich würde davor warnen, Shakespeare als Zeugen für römische Geschichte heranzuziehen. Dass Ägypter, also "minderwertige Barbaren" in römischen Augen, einem römischen Feldherren den Kopf abschnitten war für einen anderen Römer, selbst wenn dieser der Rivale des Geköpften war, ein Affront und eine gefährliche Präzedenz. Viele Erfolge der Römer beruhten auf ihrer Propaganda der Überlegenheit. So etwas wie die Ermordung des Pompeius in aller Öffentlichkeit zu zelebrieren, war von römischer Seite keinesfalls zu tolerieren. Das ist von der Person Caesars, der ein brutaler Massenmörder war, im Wesentlichen unabhängig.

    Das Ensemble Nevermind hat eine fantastische Telemann CD gemacht, also griff ich auch bei ihrer neuen Einspielung der späten Klavierquartette von CPE Bach zu:


    Das ist wieder absolut wunderbar gespielt. Am besten gefallen mir allerdings, wie immer bei CPE, die früheren Werke, so wie das hier eingespielte Andante aus Wq. 65/32. Für mich klingt das wie ergreifendster französischer Barock. Von Mozart, wie im Booklet behauptet, höre ich allerdings nichts.

    Für CPE Fans sicher ein Fest, diese Aufnahme!

    Zugegebenermaßen habe ich mir diese Doppel-CD nicht unbedingt wegen D87 gekauft, sondern wegen dieser ABQ Aufnahmen von D 887 und D 810, die ich noch nicht hatte:

    Aber ich muss sagen, dass mir dieses Quartettchen, das ich bisher eher gleichgültig zur Kenntnis nahm, hier sehr gut gefällt. Irgendwie fand ich D 87 bisher als Mittelding zwischen den spannenden frühen Quartetten und den späten Meisterwerken unbefriedigend, aber hier hat es wirklich unglaublich viel Charme. Herzerwärmend!

    Für mich sind alle Götter im Ring nur Abbilder von Menschen.

    Mir fällt hier eine sehr deutliche Parallele zu Goethes Ballade Prometheus auf. Prometheus musste natürlich auch von den Göttern erschaffen werden, und Zeus, der seinen Himmel mit Wolkendunst behängt und Berge zertrümmert, muss Prometheus vermeintlich dennoch "die Hütte stehen lassen". Ein Irrtum, wie wir wissen. So wie Zeus ein Sinnbild für den Herrscher des 18. Jahrhunderts ist, so ist Wotan und seine Mischpoche eben ein Sinnbild für die Mächtigen des 19. Jahrhunderts, hier wohl nicht nur Adelige. Jedenfalls: ancient régime.

    Von Dausgaards Sommernachtstraum vor ein paar Jahren war ich irgendwie enttäuscht gewesen, aber diese Aufnahme der Schottischen hat mich richtig begeistert:


    Das ist mal wirklich etwas Neues! Wie zu erwarten lässt Dausgaard das Swedish Chamber Orchestra sehr schnell spielen. Das wäre aber nicht das Spannende - denn Geschwindigkeitsrekorde wurden in den letzten 20 Jahren immer wieder gebrochen. Nein, es ist nicht nur das Tempo an und für sich, sondern die Gestaltung desselbigen. Gerade im ersten Satz ist es sehr auffällig, dass Dausgaard das Tempo immer wieder beschleunigt (nicht auf kleinem Raum) und so ein Gefühl der rhythmischen Unruhe schafft. Dadurch entwickelt das Geschehen viel mehr Dynamik als in anderen Einspielungen, in denen der erste Satz manchmal geradezu dröge und tranig daherkommen kann. Nicht hier, zumal auch die Durchhörbarkeit hervorragend ist. Das Swedish Chamber Orchestra ist ein wahrhaft virtuoser Klangkörper, der offensichtlich eine perfekte Symbiose mit Dausgaard eingegangen ist. Wie eindringlich gelingt das "Gewitter", also die Coda des ersten Satzes. Nicht so sehr durch Lärmigkeit, sondern durch Virtuosität. Perfektes Zusammenspiel gibt es auch im Scherzo. Der langsame Satz wird de facto Andante gespielt, also deutlich schneller als normal - passt aber gut zu Mendelssohn. Das Finale kann wieder mit einer Überraschung aufwarten. Der erste Teil wird im Wesentlichen "normal" gegeben (etwas weniger wuchtig als sonst vielleicht), aber der zweite Teil, der so oft Kritik auf sich gezogen hat, wird vollkommen umgedeutet. Dausgaard ignoriert die "Allegro maestoso" Vorschrift und behält das ursprüngliche Tempo bei. Dadurch bekommt der "Triumphgesang" einen völlig neuen Charakter, wird dadurch aber natürlich sehr schwer zu spielen, zumal er dann da facto mit einer Stretta endet. Bedeutungsschwere wird mit Temporausch ausgetauscht. Wow!

    Zwei der drei stehen für mich schon fest, bei der dritten erbitte ich noch Bedenkzeit für den Selektionsprozess.


    1. Weber mit Eschenbach - toll gespielter Weber (der Jahresjubilar). Mitreißend.


    2. Mozarts Klarinettenquintett mit dem Klenke Quartett (und Nicola Jürgensen, Klarinette). Eine weitere zauberhafte Aufnahme dieser Mozartianerinnen.

    Ha ha, das war wirklich das Highlight des Jahres 2016. Ich hoffe nur, dass diese - GsD nur kurz lesbare - "Rezension" niemanden davon abgehalten hat, Bancius wunderschöne CD zu kaufen.

    Für mich gewinnt das Stück jedenfalls dadurch, und das gibt mir persönlich mehr, als Schwächen zu belächeln oder gar moralische Entrüstung zu entwickeln. Aber sofern "Schund" ohne moralischen Beigeschmack verwendet war und nur künstlerische Wertlosigkeit bedeutet, kann ich das auch gut mitvollziehen. Ich würde nur eher "wenig" künstlerischen Wert sagen statt "kein" künstlerischer Wert.

    Dem kann ich mich anschließen. Im Grunde ist es ja auch objektiv gesehen egal, weshalb man selbst das Stück nicht mag und es ist auch egal, wohin man das Stück platziert. Ich finde auch die meiste Popmusik stinklangweilig, aber nicht, weil sie der "populären Musik" zugeordnet wird, sondern weil mich das musikalische Geschehen meistens nicht interessiert. Bob Dylan z.B. höre ich mir freiwillig keine fünf Minuten an.

    Mir ist ähnliches aus Mendelssohns Biografie bekannt. Königin Victoria mochte einige seiner Lieder besonders gerne (die teilweise tatsächlich von Fanny waren), was natürlich die Beliebtheit dieser Lieder in der britischen Bevölkerung enorm steigerte. Das sind sicherlich nicht so schlagende Beispiele wie das "Gebet", aber möglicherweise fallen mir noch ein paar andere Beispiele ein. Aber im Falle vom Gebet scheint das ja auch logisch, da das Stück eines von 35 gedruckten ist. Es muss ja jemand dieses eine Stück rausgefischt und als besonders toll angesehen haben. Ich nehme an, dass vergleichbare Stücke oft eben nicht entdeckt wurden.

    Es ist in sich und mit seiner "Funktion" gelungen, wirkt, ist daher "gut".

    Das wissen wir nicht wirklich, obwohl sich die Erklärung anbietet. Die Beliebtheit eines Stückes kann auch außermusikalische Gründe haben, zufällig zustande gekommen sein, etc..Es brauchte nur irgendeine bekannte Persönlichkeit bei irgendeiner Gelegenheit das Stück spielen, erwähnen, etc.. und somit einen unglaublichen Werbeeffekt auslösen. Ich meine, wir sollten uns auch die 34 anderen Stücke aus op. 4 ansehen, um nachempfinden zu können, ob dieses eine Stück wirklich so hervorragt. Wissen werden wir's eh nie. Jedenfalls: ist ein Stück mal bekannt, kann es bekannt bleiben, selbst wenn das nicht auf intrinsischen Qualitäten beruht.