Beiträge von Michael Schlechtriem

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.

    Das fände ich sehr, sehr schade. Mach's Doch vielleicht wie ich und schreib mit den Leuten, mit denen Du Dir einen interessanten Austausch erhoffst (und es gibt einige, die Deine Beiträge gerne lesen, weil sie so erfrischend ehrlich, unverblümt und kenntnisreich sind!), und ignorier die anderen (ich nenne keine Namen, aber es sollte klar sein, wer gemeint ist). Das Forum wäre ohne Deine Mitwirkung eindeutig ärmer und inhaltsleerer.

    Das finde ich sehr lieb von Dir,und Du bist auch einer derjenigen,mit denen ich mich sehr gerne unterhalte.
    Aber es ist einfach so:
    Ich habe mich nach einer längeren Zeit wieder dazu durch gerungen, hier wieder aktiv mitzumachen und hoffentlich interessante Beiträge zu schreiben.
    Auch längere, in denen ich versuche, so viel Input wie möglich zu geben.
    In der Hoffnung auf einen schönen Austausch.
    Aber im Gegensatz zu meiner FB- Seite,wo ich sehr regen Austausch habe, ist hier anscheinend-außer einigen Grabenkämpfen,an denen ich nicht mehr teilnehme-nicht mehr viel los.


    Und da ist mir nun der Aufwand einfach zu groß.
    Gut,es gab jetzt ein paar Antworten,aber die habe ich ja nun selber provoziert.
    Damit meine ich nicht Deine,Sadko!


    Ich lege meinen Fokus jetzt doch wieder zum größten Teil auf meine FB-Seite.
    Es gibt hier viele Menschen, mit denen ich mich gerne unterhalte.
    Aber wenn fast keine Unterhaltung mehr stattfindet, dann weiß ich nicht,was mir das bringen sollte.


    Alles liebe,
    Micha

    Ich wollte nur auf diese Aussage von Dir aufmerksam machen:

    Sehr geschickt,auf meine Antwort darauf dann nicht im geringsten mehr einzugehen.
    Es ist mal wieder soweit:
    Ich mag es hier nicht mehr.
    Ganz einfach.
    Auf FB unterhalte ich mich seit Jahren sehr schön und sehr gerne mit vielen Musikern,Kennern und Enthusiasten aus der ganzen Welt.
    Und dies reicht mir, das Spektrum ist eh wesentlich größer als bei Capriccio


    Ich fühle mich auch nicht mehr willkommen,tut mir leid.
    Es gibt kaum noch Antworten auf meine Beiträge, und ich bin es jetzt einfach leid.


    Macht es mal gut, wer sich wirklich mit mir unterhalten möchte, der kann das auf FB.
    Kein Problem.


    Aber hier bin ich mal wieder weg.
    Tschüss.
    P.S.


    Es war ein Riesenfehler, wieder zurückzukommen.
    Seid wenigstens so fair und laßt mich in Ruhe!
    Ich lasse euch auch sehr, sehr gerne in Ruhe, denn der Umgang mit euch bringt mir absolut nichts mehr.
    Keine Freude, keine Erkenntnis etc.,das hier ist ein zu Tode gerittenes Pferd.

    ist das so? vielleicht ein Bildungsproblem, also dass gewisse Feinheiten von Vielen garnicht mehr( ?) erkannt werden?

    Ich denke,da geht es im Allgemeinen eher um heutiges Marketing.
    Und zwar in der ganzen Klassikbranche.


    Darüber sollte man schon mal sprechen und/oder einen neuen thread aufmachen, falls es einen alten nicht schon gibt.


    Und ja, ich denke, da hat Sadko Recht.
    Heute gelten andere Parameter als noch vor 20 Jahren.
    Und im Zuge von Corona ist das eh alles ins Wanken geraten.


    Gerade heute fände ich es wichtig, sich darüber mal wieder und völlig neu wegen der jetzigen Situation zu unterhalten.
    Und was das heutige Publikum angeht, könnte man sich auch mal wieder austauschen.


    Denn auch das hat sich in den letzten 10 Jahren durchaus geändert,von der heutigen Situation ganz zu schweigen.
    Ich meine das nur als Anstoss,mir selber fehlt das Know how mittlerweile,da ich im Moment lahmgelegt bin.
    Im Ernst, mir fehlen da jetzt vier Jahre.
    Das macht mich selber sehr nachdenklich, denn die Welt hat sich weitergedreht.
    Nur ich mich nicht.

    PS zu behaupten, daß im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit jedes Momentes die Ansprüche an technische Perfektion NICHT gestiegen seien, verrät eine ziemlich arrogante Konsumentenhaltung ein ziemliches Maß an Unkenntnis der Produktionsbedingungen der "hehren" Kunst.... (wobei nicht auszuschließen ist,dass der Vorwurf mich genauso trifft...)

    Ich glaube,da geht es Sadko um etwas anderes,ich meine es jedenfalls zu erahnen.
    Und dahingehend würde ich Ihn jetzt erstmal darin unterstützen,dies zu erörtern.
    Ich bin mir ziemlich sicher, Ihm dann Recht zu geben.

    Buhorkanen

    Ich habe jetzt 15 Minuten benötigt, um Bu-horkane zu entschlüsseln.
    Ich dachte erst, das wäre English...."Bahorkane".......
    Silly me.... :D

    größten Respekt an alle, die das schaffen.

    Man MUß das nicht schaffen!
    Es sollte nur im Hinterkopf immer parat sein.
    Man braucht ja trotzdem ein gewisses Ego, um sich überhaupt auf eine Bühne zu setzen und den Zuhörern
    eine-ja, wie soll ich es sagen- "Performance" zu geben.


    Aber die sollte niemals Selbstzweck sein.
    Das Gleichgewicht zwischen diesen Parametern sollte stimmen, um authentisch rüber zu kommen
    und sich dabei noch gesund zu fühlen.
    Die Mischung machts, und die macht auch den jeweiligen Künstler aus.

    Bratsche und Blockflöte sind die beiden Instrumente, die augenscheinlich am schwierigsten zu bezähmen sind.

    Ich habe auch mal Blockflöte gespielt.
    Bis zu Cesar Bresgens Sonatine.


    Was heute unvorstellbar ist:
    Meine Eltern sind mit der Bresgen Sonatine bei Peter Frankenfeld aufgetreten in den 60ern.


    Die Intonation im Zusammenspiel mit Blockflöten aller Art mag problematisch sein.
    Aber ich hatte immer viel Freude,zuletzt mit Gudula Rosa,die zu den führenden Blockflötistinnen und Lehrern gehört.
    Klar, man muß auf diese Intonation sehr flexibel reagieren können,aber das macht mir Spaß und die Flöte klingt durchaus nicht falsch.
    Anders halt, mir gefällt es, ich habe kein Problem damit.

    Elly Ney hat auch einmal gepatzt, in Freiburg. Sie hat einfach nochmal begonnen.

    Ja und?
    Das war "nur" ein Konzert.
    Da darf man das,wenn es denn sein muß.
    Ist mir übrigens auch schon passiert, aber ich wiederhole jetzt nicht nochmal meine Ausführung über den Unterschied zwischen einem Konzert und einem Probespiel.


    Barenboim hat übrigens bei einem Probespiel für Violine an der Staatsoper Berlin einen Aspiranten bereits beim Einstimmen nach Hause geschickt.
    Also noch vor seinem Vortrag.


    Elly Ney hätte ganz woanders noch mal von vorne beginnen sollen,bevor es zu spät war.
    Aber das ist ein anderes Thema.

    Man kann bei Nervosität nicht in Ensemble-Proben Rückhalt suchen, sondern nur in den eigenen technischen Fertigkeiten. Man wird ja nicht nervös, weil man vielleicht nicht mit dem Cello perfekt zusammenspielen wird, sondern weil man Schiss vor einem Lagenwechsel oder einer bestimmten schwierigen Stelle in der eigenen Stimme hat. Und dass man das Team dadurch hängenlässt. Oder ist das bei anderen hier nicht so?

    Hallo Rosamunde,
    ich kenne es eigentlich nur so,daß ich etwas zuhause durchaus ordentlich kann,einen schwierigen Lagenwechsel z.B. .
    Aber der funktioniert dann blöderweise in der Quartettprobe nicht mehr,was an vielen Faktoren liegen kann.
    Das geht unsere Primaria übrigens nicht anders.Und die ist Konzertmeisterin.


    Und dafür sind dann die Proben unersetzlich.
    Man benötigt vielleicht eine Zehntelsekunde mehr Luft zur Ausführung, oder im Zusammenspiel erweist sich der zuhause ausgetüftelte Fingersatz
    als nicht praktikabel.


    Ich habe oft,zuletzt beim Mozart Klarinettenquintett, Sicherheit bei einem gemeinen Lagenwechsel nur dadurch erhalten,daß wir im Ensemble
    uns mit dieser Stelle auseinandergesetzt haben, bis eine schöne gemeinsame Basis für meinen Lagenwechsel da war.
    Und dann hat diese Stelle wunderbar und vor allem ZUSAMMEN geklappt,ganz harmonisch im Zusammenspiel.
    Diese dann erreichte Leichtigkeit war die schwere Arbeit von allen und nicht nur von mir alleine.
    Diese Stelle ist übrigens gefürchtet bei allen Cellisten, im Grunde ist mir nur Clemens Hagen bekannt,der das einfach mal so spielt,wie es sein soll.
    Aber er ist eine Ausnahme.


    Und jeder Kollege im Quartett hat solch eine problematische Stelle in jedem Werk.
    Und dafür sind Proben da.
    Ich liebe diese Proben,denn für mich ist immer der Weg das Ziel.
    Und dieser Weg ist für mich,und sicherlich auch für meine Quartettkollegen,das,um was es uns geht.
    Dieses Eindringen in Verästelungen,das ausforschen von diversen Möglichkeiten etc. ,das ist es,was für uns wichtig ist am Quartettspielen.
    Die Konzerte danach sind zwar-meistens- schön,aber darum geht es uns nicht in erster Linie.


    Aber gehen wir nicht weiter in's Detail, denn das wird dann sehr ausufernd,das fängt bei der Intonation an und hört dort noch lange nicht auf.
    Über die Ausführung von Triolen kann man z.B. alt werden,sehr alt.
    Aber das ist ja klar.

    Das passt genau zu dem, was ich zum Thema gesagt habe. Die Vorbereitung auf das Werk war hier nicht da, aber es machte nichts.

    Hallo Rosamunde,
    danke für deine Antwort!
    Es gibt durchaus einen Unterschied:
    Ich hatte das Werk zwar vier Jahre nicht gespielt, aber davor sehr,sehr häufig über 15 Jahre.
    Auch in meinem Examen.


    Und da sind halt die 150% wieder,von denen ich dann 1995 in St.Petersburg noch vielleicht 80-90% abrufen konnte.
    Der dann völlig entspannten Situation am Ende des Konzertes geschuldet und mit dem Pianisten-der kurioserweise seine Noten dabei hatte warum auch immer- ,mit dem ich die Jahre vorher dieses Werk bis zum Äußersten geprobt und aufgeführt hatte.
    Es war halt eben nicht unvorbereitet, aber ich kann es heute nicht mehr glauben,dass ich den Mut hatte,es einfach auswendig zu spielen nach all den Jahren.


    Es war ein ganz besonderer Moment,denn in diesem langsamen Satz gibt es eine Stelle,zu der Ivan Monighetti einst mal gesagt hat,daß es die Hoffnung auf ein besseres Leben wäre,aber NACH dem Tode.
    Und das war der Saal,in dem Schostakowitsch quasi zuhause war, und das Publikum kannte natürlich jede Note.


    Und bei dieser Stelle hat der ganze Saal hörbar AUSGEATMET.Es war ein unglaubliches Erlebniss und ich bin
    sehr dankbar, daß ich das erleben durfte.
    Ich werde dies niemals vergessen,sowas erlebt man nur einmal im Leben.

    bewundernswert, wenn man das kann.

    Danke,aber ob ich das jemals wieder kann,das ist ungewiss.
    Und manchmal ist es auch gar nicht solch ein großer Vorteil.
    Jedenfalls muß man aufpassen, nicht zu verschlampen.
    Und um dagegen anzugehen ist Kammermusik in der Freizeit unabdingbar.


    Allerdings kommt man ohne diese Gabe z.B.in britischen Orchestern nicht weit.
    Die sind nämlich die absoluten Weltmeister darin und haben das von früh auf gelernt.
    Was die dort für Fähigkeiten haben, das ist irre.


    Das gibt es so in deutschen Orchestern zwar bei einzelnen Mitgliedern,aber nicht als ganzes.
    Jedenfalls nicht mit dieser Präzision.

    Dass man offensichtlich sehr gut im Orchester (und anderen Kooperationen) spielen kann, obwohl man unter den speziellen Bedingungen eines Vorspieles erhebliche Einbussen hat, finde ich interessant.

    Ein Probespiel ist so gut wie immer ein Gang zum Schafott.
    Die Umstände sind grausam und man steht unter einem Druck,den man in einem Konzert so nicht hat.


    Ich kann mir den Vergleich erlauben,denn ich habe z.B.in der Philharmonie St.Petersburg, am ungarischen Rundfunk und in einigen der großen Säle
    Japans solistisch gespielt.
    Klar,DAS war auch Stress,aber ein anderer,möglicherweise positiverer.
    In St.Petersburg begann ich schwach,war nervös und habe mich dann in den knapp zwei Stunden gesteigert.
    Und war dann am Schluß dermaßen selbstsicher, daß ich-was mir heute völlig abwegig erscheint- ein Werk als zweite Zugabe spielte,
    welches ich 4 Jahre nicht mehr gespielt hatte und auch die Noten nicht dabei hatte.
    Ich war so voller Adrenalin und aufgeputscht, dass ich den 3.Satz der Schostakowitsch-Sonate dann auswendig und ungeübt spielte,und dies soll der beste Teil des Konzertes gewesen sein....Ich habe die Aufnahme,und es stimmt kurioserweise.
    Allerdings hatte ich die Sonate schon vorher sehr oft aufgeführt und konnte daher noch ziemlich viel abrufen.


    Das russische Publikum ist sehr,sehr fair!
    Man darf patzen,und ich habe am Anfang massiv gepatzt!
    Aber falls man sich dann steigert,dann geht dieses Publikum mit und die Patzer am Anfang sind vergessen.
    So war das.


    Bei einem Probespiel aber entscheidet sich alles in Sekunden,und jeder Aspirant weiß,auf welche Fehler geachtet wird.
    Welche dann auch meist prompt passieren.
    Und ich muß darüber hinaus hinzufügen,dass es sich bei meinem letzten Probespiel um ein Probespiel vor dem eigenen Laden handelte,um eine
    Stelle offiziell zu bekommen,welche ich 17 Jahre kommissarisch erfolgreich innehatte.Denn so ist das Prozedere in deutschen Orchestern.
    Anderswo undenkbar.
    Entwürdigend!


    Es ist eine schreckliche Situation.
    Bei einem Konzert habe ich IMMER im Hinterkopf, dass es NUR um die Musik geht und nicht um mich,denn ich bin nur der Interpret!
    Das sollte sich jeder klarmachen,das ist mit das wichtigste überhaupt,um die Nerven zu bewahren.


    In einem Probespiel geht es aber NUR um MICH.
    Klar wird gesagt, man solle einfach Musik machen und an den Rest nicht denken.
    Da haben wir aber alle mal gelacht, denn dies ist nur Wunschdenken.
    Die Wirklichkeit sieht anders aus.


    Das einzige, was man dagegen machen kann, ist, so viele Probespiele wie möglich hintereinander zu haben,so dass es einem irgendwann egal wird.
    Klar gibt es auch immer wieder Leute,die gleich beim ersten Probespiel den Jackpot knacken oder Leute,die Nerven wie Stahl haben.
    Diese Leute sind aber die Ausnahme.


    Es gibt da ein Video vom Tschaikowsky Wettbewerb,wo ein Pianist in der Vorrunde den Saal betritt, sich an's Klavier setzt,aufsteht und wieder rausgeht.
    So in etwa fühlt man sich auch beim Probespiel, und das ist etwas völlig anderes als ein Konzert.
    Wettbewerbe übrigens auch, ich hasse diesen Zirkus und habe Ihn selber erlebt.
    Vier mal ein vierter Platz.
    Damit kann ich mir den Popo abwischen,es ist zum Glück alles vorbei.........

    Es ist überall gleich. Du entscheidest Dich für Familie, Hobbies, etc.. Verstehe ich gut, tue ich auch. Aber man kann die Entscheidung auch anders treffen.

    Das ist zutreffend.
    Wir haben ja unser "Turina Quartett" und versuchen immer-falls ich mal wieder spielen werde- auf einem für uns obszön hohen Niveau zu spielen.
    Obszön deshalb,weil der Anspruch,den wir haben,so gut wie nicht zu erreichen ist neben unserer täglichen Arbeit im Orchester.
    Aber der Anspruch bleibt,ohne den geht es überhaupt nicht!
    Das wäre nur gepflegte Hausmusik.


    Und vor vielen Jahren hat sich dann unser wirklich toller Bratschist dazu entschlossen,sich und seiner Frau einen Hund anzuschaffen.
    Und das war es dann, denn der Köter war dann immer wichtiger in der knappen Probezeit,welche wir zwischen den Diensten halt nur haben.


    Wir haben dann leider viele Bratschisten ausprobieren müssen,bis wir endlich eine ideale Neubesetzung fanden.
    Und nun falle ich seit vier Jahren aus.
    Tatsächlich warten die Kollegen darauf, dass ich wieder gesund werde und spielen nicht mit anderen Cellisten.
    Das berührt mich sehr!

    PS bedenkend, daß ich auf der Bühne nur noch ca allerhöchstens 80% dessen hinkriege, was zuhause komplett sicher funktioniert hat, wäre es fahrlässig, mit weniger als 120% Beherrschung des Stückes auf die Bühne zu gehen... das sind so Prozentrechnungen...

    Das ist mein Credo ,seit ich diese Einstellung beim Amadeus-Quartett gelernt habe.Da waren es sogar 150%.


    Deshalb ist auch mein letztes Probespiel gescheitert,da ich Zeitbedingt aus dem Dienst heraus nur in der Lage war,annähernd 100% zu erreichen,
    von denen dann beim Probespiel nur noch 50% übrig waren.Ich hätte es besser wissen sollen,wollte aber mit dem Kopf durch die Wand in dieser Situation....
    Fehler.

    Es ist leider oft sogar nur so möglich, weil vor allem bei Opernorchestern die Dichte des Spielplans nichts anderes zulässt.

    Sorry, aber da muß ich widersprechen.
    Gut, vor fast 30 Jahren,als ich in Profi-Orchestern angefangen habe, da gab es noch alte Recken,die sich geschickt
    verstecken konnten.Aber heute haben wir alle-jedenfalls in meiner Band- den Anspruch, alles so gut wie möglich und ohne
    Fuckeln zu spielen.
    Ausgenommen bestimmte Opern von R.S. natürlich,in denen man wirklich nur mit fakes durchkommt.
    Und damit meine ich nicht Salome, da kann man jede Note runterdrücken.
    Aber bei Elektra wird es sehr eng......


    Es wird sehr negativ aufgenommen, wenn jemand öfters schlampig spielt.
    Das hat erst vor wenigen Jahren einen Cellisten bei uns seinen Job in der Probezeit gekostet.
    Er hat daraus gelernt und ist jetzt in einem sehr guten anderen Orchester mit bestandener Probezeit.


    Ich bin schon der Meinung,dass sich der Anspruch sehr verändert hat und gebe natürlich zu,
    dass ein sehr guter Blattspieler dann im Vorteil ist gegenüber anderen,welche alles stundenlang zu Hause üben.


    Ich habe viele Kollegen, welche wirklich alles penibel zu Hause üben und schon Wochen vorher die
    ausliegenden Übekopien mitnehmen..


    Und ich mache mir seit Jahrzehnten einen Spaß daraus-falls gesund natürlich- einfach zum Dienst zu gehen und das Zeug zu spielen.
    Da habe ich Glück.
    Könnte ich das nicht-und vielleicht werde ich es auch nicht mehr können-dann werde auch ich üben.


    Und in jedem anderen Orchester,wo ich mal Aushilfe gespielt habe, war es wie bei uns:
    Und zwar so, dass sich die Kollegen am Pult fast immer versuchen,sich gegenseitig zu zeigen,wo es lang läuft.


    ich will damit sagen, dass die Zeiten,wo sich Tuttispieler geschickt verstecken,zu einem sehr großen Teil vorbei sind.
    Ich habe solch etwas,wie schon gesagt,vor langer Zeit noch erlebt,aber die Zeiten haben sich geändert und mit Ihnen auch der Anspruch.

    Ich finde es nicht anratenswert, das Publikum in solch pauschaler Art und Weise zu unterschätzen.

    Das finde ich auch.
    Ich finde sehr,sehr oft wirkliche Kenner unbedingt und oft nur in diesen Kreisen.


    Mein persönlicher Freundeskreis von etwa 5 Personen, welche ich seit über 40 Jahren kenne, und welche
    meinen geliebten "Finsbury Club" ausmachen-Freunde für's Leben- , besteht aus einem Küchenverkäufer, einem Buchhandel Mitarbeiter,
    einem Komponisten,einem Toningenieur und einem Leiter der "Lebenshilfe" ..
    Und deren Know How, was man so weiß über Werke, deren Darbietung, und über die ganze Musikgeschichte bis hin zur genauen Analyse, das
    läßt viele Profis alt aussehen.


    Diese Freunde besuchen auch gemeinsam-dann ohne mich,weil ich selber spielen muß- regelmäßig Konzerte im Kölner Raum.
    Und denen kann man gar nichts vormachen.


    Ich kann nur unbedachten und überheblichen Konzertveranstaltern dazu raten, sich warm anzuziehen,wenn diese Freude
    im Saal sitzen.Denn die wissen und bemerken alles.

    Sorry, aber so geht das nicht. Ein Konzertsaal ist kein Ort für Hausmusik-Qualität.

    Dieser Meinung bin ich auch.
    Es gibt vielleicht in meiner nun über 40 jährigen Konzerttätigkeit nur zwei oder drei Situationen, in denen
    ich gezwungen war,mich anders zu verhalten.
    Zum einen bei einem Quartettkonzert eines Ensembles meines Orchesters,wo ich am Konzerttag prima Vista
    einsteigen mußte wegen eines Ausfalles.
    DAS wurde übrigens NICHT angesagt und es hat geklappt.
    Ich war ja nur einer von vier und kannte meine Kollegen.
    Dann geht das auf einem gewissen Niveau.


    Zum anderen bei einem Salonorchester aus demselben Grund.
    Nur habe ich in diesem Falle,da es leichtere Musik war, aus der Not eine
    Tugend gemacht und es ansagen lassen.
    So als Show halt.


    Weil ich wußte, dass das kein Problem wird und ich auch gerne angebe.
    Dem Publikum hat es jedenfalls gefallen.
    Und der Kritik auch.
    Aber das war ja eben KEIN künstlerisch anspruchsvolles Konzert.


    https://m.azonline.de/Muenster…er-Blut-und-Berliner-Luft




    Barenboim hat übrigens ganz zum Schluß seiner GMD- Tätigkeit in Chicago
    dieses Orchester auf Europa- Tournee gebracht.
    DAS ist für mich ein künstlerisch anspruchsvolles Konzert.


    Das erste Konzert in Wien beinhaltete die 9.Sinfonie von Mahler.
    Dieses Werk hatte das Chicago S.O.damals 17 Jahre lang nicht mehr gespielt.
    Und Barenboim bestand darauf, dass es keine Proben geben wird.
    Denn er wollte anscheinend "spontan" dirigieren können und wollen.
    Die Musiker sollten wohl nur abliefern, und er wußte,dass sie das draufhatten.


    Die Musiker waren jedenfalls stocksauer damals und heilfroh,nachdem diese Tournee vorbei war
    und er dann letztendlich auch weg ging.


    Das habe ich damals zeitnah auf den Cello Chat Seiten von Cellisten des Chicago S.O.
    mitbekommen.
    Natürlich ist ein Orchester dieser Klasse-und auch ziemlich viele andere- in der Lage,
    so etwas zu stemmen.
    Andernorts,z.B. in GB, gibt es durchaus nur eine oder sehr wenige Proben.
    Das ist ja auch ok,das sind die Spielregeln.


    Aber nach Wien zu kommen und eine Mahler 9. überhaupt nicht geprobt zu haben,das war für
    die Musiker damals ein Affront.


    Auf den Rest dieser Diskussion gehe ich nicht weiter ein, denn das entwickelt sich hier
    unschön.Daran werde ich nicht teilhaben.


    Sorry,meine 2cent zum Thema.