Beiträge von gruppetto

    An der Saarbrücker Basis ist eigentlich nichts zu belächeln und ich habe keinerlei Grund, das Lokalprogramm der Saarbrücker abzuwerten, im Gegenteil. Das RSO hat unstreitig eine Tradition, die sich sehen lassen kann. Skrowaczewski, Zender und Carl Ristenpart haben mit dem Orchester Spitzenleistungen erbracht. Die Oper ist halt leider eine typische Sprungbrett-Oper. Die wirklich guten Leute werden nach ein bis zwei Spielzeiten an andere Häuser gelockt, was eine kontinuierliche Arbeit nicht gerade leicht macht. Auf Homburg habe ich vor allem deshalb hingewiesen, weil die Meisterkonzerte noch nicht einmal im Saarland richtig bekannt sind. Da kann es schon vorkommen, daß Künstler vor einem halbleeren Saal spielen, die in New York ausverkaufte Häuser haben.


    Liebe Grüße
    Peter Wollenberg

    Also gut, ich gebe es zu, ich bin auch ein Cohen-Fan. Frau und Sohn haben mir Eintrittskarten für die Köln-Arena in diesem Sommer geschenkt, nachdem ich das Konzert letztes Jahr in Frankfurt wegen dienstlicher Verpflichtungen sausen lassen mußte. Mich hat der Abend ein wenig wehmütig gemacht. Trotz aller scheinbarer Leichtfüßigkeit war deutlich zu merken, daß da ein sehr alter Mann singt. Schmerzhaft die Verabschiedung, bei der L.C. die Namen einiger Leute seiner Crew nicht eingefallen sind. Trotzdem möchte ich das Erlebnis nicht missen, denn so habe ich wenigstens die zweite Stimme von L.C. live gehört, die erste, viel hellere, kenne ich nur von meinen Platten. Ja, Platten! Cohen muß knistern :D , das bringt keine CD 'rüber.
    Da ich hier nicht der einzige Cohen-Verehrer bin, habe ich Hoffnung, daß jemand das Original-Gedicht von Federico Garcia Lorca (Kleiner Wiener Walzer) besitzt, das Cohen für "Take this waltz" verwendet hat, und mir den Text zur Verfügung stellen kann. In meiner deutschen Lorca-Anthologie ist dieses Gedicht leider nicht enthalten. Eine englische Interlinearversion (vermute ich) habe ich im Web gefunden, ich hätte aber lieber das Original. ('http://www.webheights.net/speakingcohen/waltz.htm')



    Liebe Grüße,
    Peter Wollenberg

    Insgesamt kann man also mehr als zufrieden sein.

    Kann man wirklich. Saarbrücken hat zwar in zwei Kriegen schwer gelitten und wurde in den fünfziger Jahren besonders lieblos wieder aufgebaut, es hat aber hübsche Vororte: Metz, Luxembourg, Trier, Wiesbaden, Frankfurt, Mannheim/Schwetzingen und Strassbourg sind jeweils nur eine knappe bis gute Autobahnstunde entfernt, so daß man das ganze Jahr über eine reiche Auswahl an kulturellen Großereignissen hat, von den Konzerten im Arsenal in Metz über die schöne neue Philharmonie in Luxembourg, die Konzerte im Rosengarten in Mannheim und im Feierabendhaus der BASF in Ludwigshafen bis zu den Rheingau- und den Schwetzinger Festspielen. Seit der TGV in 1.40 h nach Paris fährt und Ryanair vom Flughafen in Zweibrücken in der gleichen Zeit nach London-Stanstead fliegt, läßt sich hier, nicht nur vom Kulinarischen, das im Leben der Saarländer seit jeher die zentrale Rolle spielt, in wirklich jeder Hinsicht gut leben. Neben den landesweit ausgerichteten Musikfestspielen im Sommer finden im Winter in Homburg, keine 30 km von Saarbrücken entfernt, die Meisterkonzerte statt, zu denen vorwiegend Künstler aus der zweiten Liga anreisen, aber auch immer einzelne von Weltklasse. Grigory Sokolov war in diesem Jahr wieder einmal hier, im nächsten Winter spielt Sol Gabetta.


    Liebe Grüße aus dem Saarland
    Peter Wollenberg

    Privilegien gegenüber dem Rest der Bevölkerung zu ergattern

    Lieber ThDeck!
    Die Mehrwertsteuer spart nicht der Künstler, der zahlt auf sein Einkommen ganz normal Einkommensteuer. Die Mehrwertsteuer spart der Käufer, genau wie bei Büchern, die ebenfalls dem verminderten Steuersatz unterliegen. Sinn der Sache ist wohl, Kultur für breitere Gesellschaftsschichten bezahlbar zu machen. Das kommt zwar indirekt auch den Kulturschaffenden zugute, weil die paar Prozent den Unterschied zwischen erschwinglich und unerschwinglich ausmachen können und damit zwischen Verkauf und Verhungern, aber in erster Linie den Käufern, also Kunstkäufern wie der Deutschen Bank oder Herrn Burda. Du hast demnach Dein Bein an der völlig falschen Laterne gehoben. Unser unglückseliger Schmiedekünstler hat seinen Kunden! die verminderte Steuer in Rechnung gestellt und der Fiskus will jetzt von ihm den vollen Steuersatz abgeführt bekommen. Das bedeutet, der Mann muß anstelle seiner Kunden für diese dem Staat entgangene Steuer einstehen. Das dürfte ihn ruinieren und deswegen ist er verständlicherweise vor den Kadi gezogen.
    Die Richter haben da natürlich ein Problem, denn wenn sie den Kunstbegriff auf das Design von Gebrauchsgegenständen ausweiten, könnten Villeroy & Boch auch ihre, immerhin von Colani entworfenen, Kloschüsseln mit einem Verweis auf Duchamp als Kunstwerke mit mehr als halbiertem Mehrwertsteuersatz verticken. Daß das Gericht sich da auf die Zweckbindung zurückgezogen hat, scheint mir pragmatisch und nachvollziehbar. So funktioniert Rechtsprechung eben, die ja auch schon mal ein Pferdegespann als Ochsengespann im Sinne einer Verordnung definiert hat. Sie versucht, die Zielsetzung des Gesetzgebers, der sich um eine Definition seines Kunstbegriffs natürlich gedrückt hat, möglichst gut auf die Realität abzubilden und findet die Grenze der Kunst halt im Design.


    Duc de Berry
    Dein Urteil über Adorno kann ich nachvollziehen, allerdings hat der Mann tatsächlich Komposition nicht nur studiert, sondern auch komponiert und sich vielleicht sogar eher als Künstler gesehen denn als Philosoph. Damit taugt er nicht so gut als Beispiel für einen Kopftäter, der über Dinge urteilt, für die er nicht qualifiziert ist.



    Liebe Grüße,
    Peter Wollenberg

    eug

    Das Moralaposteln einschliesslich Schadenfreude der restlichen Protagonisten halte ich für ein Zugeständnis, das die (inwendige oder äussere) Zensur der Zeit Mozart und Da Ponte abgerungen hat.

    Liebe Fairy,


    ich erlebe den letzten Akt des "Don Giovanni" wie einen pervertierten Sexualakt, in dem ein Tod gezeugt wird statt neuen Lebens. Da ist das Vorspiel, die langsame, sich beschleunigende Steigerung und die Klimax des Todes- und Entsetzensschreies, der Juans Rendezvous (sic!) mit dem Komtur beendet. Es ist die einzige Tändelei in dieser Oper, in der der Große Liebhaber nicht scheitert. Das Abreißen der Szene am Höhepunkt empfinde ich deshalb wie einen, mit Verlaub, Coitus interruptus. Das Abschlaffen in der Schlußszene bedeutet mir kein plattes Moralgesumse, ich lese es als subversiv, denn es zeichnet die Leere, in welche die letztlich banalen Figuren der Oper zurückgeworfen sind, sobald die Zumutung des Undomestizierten von ihnen genommen ist. Die Frauen in der Inszenierung, die hier zur Rede steht, haben versucht, ihre Kleidung, Symbol dieser Domestikation, loszuwerden und zu einem Naturzustand zurückzufinden, der ihnen von Don Juan angeboten wurde und den der Wald symbolisiert. Sie waren aber zu feige, die letzte Konsequenz zu ziehen und sind gescheitert. Der da gerade zur Hölle gefahren ist, hat ein entgrenztes Leben geführt und bis in den Tod verteidigt. Wir, die wir ins Kloster gehen, einen neuen Patron suchen oder im Parkett sitzen, sind im Vergleich zu ihm armselige Würstchen. Der Große wird größer vor der Folie der Banalität. So lese ich diese Schlußszene.


    Liebe Grüße,
    Peter Wollenberg

    modern/heutig oder unmodern/gestrig

    Dieser Streit ist anscheinend ein Perpetuum mobile, bei dem die Kontrahenten sich hartnäckig und mit Liebe zum Verdruß gegenseitig zu mißverstehen suchen. Da ich aber mühsam und unter Schmerzen den 2. Hauptsatz der Wärmelehre verinnerlichen mußte, beharre ich darauf, daß es so etwas wie ein Perpetuum mobile nicht gibt. Bevor mißlaunige Exegese und Unterstellungen schon wieder überborden, deute ich Nocturnus mal so:
    Wer im modernen Musikleben, sei es im Radio, von CD oder im Konzertsaal, geschult vor allem am klassischen und (spät)romanitschen Material, bestimmte Hörgewohnheiten entwickelt hat, der hat "moderne Ohren", und mit solchen gestraft, hat er es schwer, Cembalomusik auf Anhieb zu genießen.
    Lieber Nocturnus. Mit HIP ist es wie mit Austern, erst kommen sie einem kalt, glitschig und schlicht ungenießbar vor, vielleicht sogar ekel- oder gar Brechreiz-erregend. Wenn man sie aber mit ausreichend Champagner und in der richtigen Gesellschaft wieder und wieder genießt, lernt man ihre Köstlichkeit schätzen und mag süchtig nach ihnen werden. Laß Dich einfach in die Cembaloklänge fallen, lockere Hammer, Amboß und Steigbügel und Du wirst Dich über kurz oder lang gut aufgehoben fühlen. Und wenn Musik, gespielt auf Instrumenten, "selbst gebastelt und mißgestimmt von Nikolaus Harnoncourt" [W. Hildesheimer] Dir tatsächlich auf Dauer nicht gefallen sollte, hindert Dich niemand daran, die Couperin-Einspielungen von Frau Hewitt oder Herrn Tharaud mit Genuß zu hören, sicher auch keiner der hier anwesenden HIPpies. Die Musik ist auf jeden Fall wunderbar, geistvoll und witzig. Lassen wir uns doch alle vom Humor des Komponisten anstecken und begraben die diversen Tomahawks, deren Stiel und Schneide ich hüben wie drüben schon wieder aus der Erde ragen sehe. Howgh!
    So weit ich als blutiger Laie das überblicke, war es übrigens fast durch die gesamte dokumentierte Musikgeschichte nicht nur gang, sondern überraschenderweise auch gäbe, Musikstücke umzuinstrumentieren. Opernkomponisten rechneten fest mit den Einnahmen aus dem Verkauf von Klavierauszügen, Geistliche Herren schufen "Harmoniemusiken" nach den nämlichen Opern, heute spielt ein Herr de Maistre alles auf der Harfe, was bei "fünf" noch kein Versteck gefunden hat, und der unter Diskussion stehende Francois Couperin wurde von Herrn Paniagua nun schon vor einigen Jahren für einen bunten Haufen von historischen Instrumenten bearbeitet. Es gibt die "Kunst der Fuge" in einer Bearbeitung für vier Saxophone und die Goldbergvariationen auf der Orgel. Mit derlei blamieren sich aber doch schlimmstenfalls die Interpreten, die Werke halten das allemal aus. Noch nicht mal die Umarbeitung von "Gualtier Maldé" in "Juanita Banana" oder der Traviata-Ouverture in den Schlager "Ich hab' dein Knie gesehn..." konnten dem Werk Verdis etwas anhaben. Da kann man doch den Anspruch auf Werktreue ruhig auch ein paar cm tiefer hängen, oder nicht?


    Liebe Grüße
    Peter Wollenberg

    Die ganze Doppel-CD ist eine Sternstunde der Kunstliedinterpretation

    Dazu sage ich mal: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:
    Damrau, Paley und Lademann haben übrigens noch einmal zusammen eine CD gemacht : Robert und Clara Schumann, Songs and Letters, wobei Martina Gedeck und Sebastian Koch aus dem Briefwechsel der Schumanns zitieren.

    Ich habe Diana Damrau einmal als Liedsängerin erlebt, letzten Sommer bei den Rheingau-Musikfestspielen. Kurz vor einem Liedeinsatz klingelte in einer der ersten Reihen ein Handy. Während viele Interpreten wohl den Faden verloren hätten oder verärgert gewesen wären, meinte Frau Damrau nur leicht amüsiert, daß die Tonart stimmen würde. Der Saal lachte, nach kurzer Pause ging es weiter, so schön wie vor der Unterbrechung.


    Um nicht ganz off topic zu sein, ich habe da noch eine Einspielung der Lieder mit FiDi und Elisabeth Schwarzkopf, beide singen äußerst kultiviert und so diszipliniert, wie man das von ihnen gewohnt ist.



    Liebe Grüße
    Peter Wollenberg

    Lieber Micha,


    vielen Dank für diese überzeugende Analyse. Ich möchte nur noch eine Spekulation anfügen, nämlich über das "Woher" Gildas. Ich könnte mir denken, daß sie im Kloster aufgezogen wurde, wodurch auch ihre Weltfremdheit und das Nichtwissen um ihre Familienverhältnisse plausibel würden. Daß solches, auch ich erlaube mir hier eine Unflätigkeit, "Frischfleisch" eine enorme Anziehungskraft auf die Roués ausübte, können wir etwa bei de Laclos nachlesen. Dem Duca ist Gilda ja sofort nach ihrer Ankunft aufgefallen, er beobachtete sie "Da tre mesi ogni festa".
    Was Du über den Stand des Herzogs geschrieben hast, möchte ich noch ergänzen um die Antwort, die Giovanna auf ihre Vermutung erhielt, es könnte sich um einen Adligen handeln. Gilda sagt da ja ausdrücklich: "Signor né principe - io lo vorrei; Sento che povero - più l'amerei", sie will also keinen Fürsten. Am liebsten wäre ihr ein armer Bursche. Ihre ihr unbekannte Mutter hat, wie wir erst kurz zuvor von Rigoletto erfahren haben, den armen Krüppel geheiratet, der inzwischen ja immerhin ein bürgerliches Leben führen und sich Angestellte leisten kann. Damit bietet die Mutter ein romantisches Rollenmodell für Gildas eigenes Leben.
    Ich habe mir inzwischen eine Ausgabe von "Le Roi s'amuse" bestellt, vielleicht finden sich dort noch Hinweise, die für die Deutung des Rigoletto herangezogen werden können.


    Liebe Grüße
    Peter Wollenberg

    und rational handelt


    Lieber Cherubino,


    darüber läßt sich natürlich trefflich streiten. Ein Selbstmord kann durchaus die Konsequenz rationaler Überlegungen sein, Psychiater sprechen von einem "Bilanzselbstmord", den etwa ein schwer krebskranker 80-Jähriger begehen mag, der einen schnellen, sanften Tod einer Kette von Chemotherapien und dem langsamen Ersticken vorzieht. Für jemanden, der nicht religiös gebunden ist, sicher eine durchaus bedenkenswerte Alternative. Ein kluger Arzt wird in so einem Fall auch bei der Reanimation, zu der er verpflichtet ist, eher bedächtig vorgehen.
    Ganz anders bei einem als pathologisch anzusehenen Suizidversuch, der zum Beispiel eine Kurzschlußhandlung darstellen oder aber appelativ gemeint sein kann: Schaut her, wie ich leide! Eine Kurzschlußhandlung fände ich im Falle unserer unglückseligen Gilda durchaus plausibel. Glaube mir, meine Frau, die Psychiaterin ist, und auch meine toxikologischen Kollegen waren nicht selten mit jungen Leuten befaßt, die, manchmal leider erfolgreich, versucht hatten, ihr Leben wegzuwerfen, weil ihr Parnter sie im Stich ließ.
    Gilda ist eine Kunstfigur und wir können ihre Motive nicht kennen. Die Frage war ja, ob der dritte Akt des Rigoletto einfach nur eine Schmonzette ist oder ob sich das Verhalten der Protagonisten psychologisch deuten ließe. Letzteres habe ich versucht.


    Liebe Grüße
    Peter Wollenberg

    Die schöne Hortense

    Jacques Roubaud ist 77 Jahre alt, Mathematiker, Lyriker, Freund der Alten Musik und Mitglied des Oulipo (Ouvroir de Littérature potentielle), dem auch Raymond Queneau, Georges Pérec, Marcel Duchamp, Oskar Pastior und Italo Calvino angehören (einige der Genannten momentan wegen Todes entschuldigt). Er hat theoretische Schriften zur Lyrik, aber auch zum Roman oulipien verfasst und auch einige Romane geschrieben. Bekannt ist etwa La grande Incendie de Londres. Fast sechzigjährig hat er einen Zyklus begonnen, der wohl auf sechs Bände angelegt war, von denen bisher aber nur drei erschienen sind: Die schöne Hortense, Hortenses Entführung und Hortense im Exil (alle Übersetzungen in diesem Text von mir).
    Die schöne Hortense ist Studentin der Philosophie, sie arbeitet an ihrer Dissertation, eine Tochter aus reichem Haus (der Vater ist ein großes Tier in der Fleischindustrie), die ihre Eltern haßt, gleichwohl aber bedenkenlos von deren Geld lebt. Das mag damit zu tun haben, daß ihr Doktorvater, Professor Oursells (es ist nie verkehrt, in einem Roubaud'schen Namen nach einem Anagramm zu suchen!) eine Philosophie vertritt, die man auf den Punkt eines platten Utilitarismus bringen kann, die Onthetique (Wer in Onthetique die Wörter Honte - Schande und Ethik findet, bekommt einen Keks). Neben Hortense tritt ein bunter Strauß an Personen in dem Roman auf, darunter der Autor, Jacques Roubaud selbst, ein Ich-Erzähler mit Namen Romancier ach nein, Mornacier, der Leser, weiterhin ein Kriminieller, ein Inspektor der nur Lakritze aus einer bestimmten Londoner Quelle kaut, ein anderer Inspektor, dessen Hobby es ist, Eier zu schälen - rohe natürlich, ein Kater mit Namen Alexander Vladimirovich, von so edler wie zweifelhafter Herkunft
    "http://www.physiologus.de/bankert.htm"
    Auch ein trunksüchtiger Organist spielt eine nicht unwichtige Rolle, der Vater Sinouls und sein alter Hund Balbastre, dem wir gerne folgen (dem Organisten natürlich, nicht dem Hund), wenn er einer alten Freundin die Vorzüge Telemann'scher Kompositionskunst vor Augen führt, in einem Kapitel, dessen Komposition eben diese exemplifiziert.
    Das aber ist das Wunderbare an diesem Roman. Der Ahnungslose legt ihn vergnügt weg, wenn er ihn ausgelesen hat, er mag ihn gerne auch etwas albern finden wie der Rezensent bei Amazon, ein Stückchen Prosa, einige Verrücktheiten, Absurdes, das Ganze kurz, leicht und dünn wie das Kleidchen, das die Heldin sich an dem Morgen übergestreift hatte, an dem wir sie kennenlernen. Aber dieses Baiser hat es in sich. Der Roman ist außerordentlich komplex konstruiert, er ist ein einziges, riesiges Rätsel, das den Leser ständig in die Irre führt und ihm, will er das Werk durchschauen, im wahrsten Sinne des Wortes eine Menge Dechiffrierarbeit aufbürdet, denn Zahlen spielen eine wichtige Rolle in dem Roman. Es gibt Bezüge, vor allem zu Pierrot mon Ami von Queneau und zu der Grande Incendie de Londres von Roubaud selbst, auch einen überdeutlichen Bezug zu Perecs hinterlassenem Roman "53 Tage", den Roubaud mit zu Ende gebracht hat. Nichts darf ungeprüft so genommen werden, wie es harmlos geschrieben steht. Wer sich auf den Roman ernsthaft einläßt, den beschäftigt er auf lange Zeit, und er wird kaum je die letzten, die am feinsten gesponnenen Fäden entwirrt haben.
    Wer des Französischen mächtig ist, dem empfehle ich zwei kurze Texte zur Dechiffrierung einzelner Aspekte:


    "http://edel.univ-poitiers.fr/licorne/document.php?id=3338"
    "http://edel.univ-poitiers.fr/licorne/document.php?id=3337"


    Der Roman wurde von Eugen Helmlé ins Deutsche übersetzt. Da ich das Original gelesen habe, kann ich zur Qualität der Übersetzung nichts sagen, Helmlé war aber Spezialist für die Oulipiens und hat das sicher gut gemacht. Manches ist aber definitiv nicht übersetzbar, denn Roubaud pflegt einen äußerst subtilen Umgang mit der Sprache und scheut auch vor Neologismen nicht zurück.
    Wer im Urlaub gerne ein Literatur-Sudoku der Sumo-Klasse lösen mag, sollte die schöne Hortense im Auge behalten. Es lohnt sich, ihr Kleid ist sehr transparent, wenn wir sie kennenlernen, und dummerweise hat sie heute morgen in der Eile vergessen, an ihre Dessous zu denken...


    Liebe Grüsse
    Peter Wollenberg

    Le Journal des Goncourt

    Der Prix Goncourt ist wohl jedem ein Begriff. Weniger bekannt mag sein, auf wen dieser Preis zurückgeht. Es sind dies die Brüder Edmond und Jules de Goncourt, die vielfältig als Schriftsteller und Kritiker tätig waren und kunst- und kulturhistorische Schriften von erheblichem Umfang verfasst haben. Sie gelten als die Begründer des Naturalismus in Frankreich und haben, Edmond etwa mit seiner Monographie über Utamaro, wesentlich dazu beigetragen, die Kunst des Ukiyo-e in Frankreich bekannt zu machen, deren Spuren sich von Manets Portrait seiner Frau im Kimono über van Goghs Kirschbaum und die Nabis bis in die Gegenwart hinein verfolgen lassen.
    Es geht mir hier aber um ihre Tagebücher, das "Journal des Goncourt". Die beiden haben ab der Mitte des 19. Jahrhunderts ein Tagebuch geführt, das eine vorzügliche Quelle für jeden ist, der einen authentischen und ohne didaktische Ambitionen festgehaltenen Blick in die Pariser Gesellschaft des zweiten Kaiserreiches werfen möchte. Da die Brüder zunächst nicht an eine Veröffentlichung gedacht haben, nahmen sie kein Blatt vor den Gänsekiel und schrieben unbefangen auch über heikle Themen, wie ihre sexuellen Erlebnisse.
    Leider gibt es anscheinend keine vollständige Ausgabe in der Originalsprache und schon gar keine vollständige deutsche Übersetzung. Ich habe mir die französische Gesamtausgabe vor ein paar Jahren antiquarisch über amazon.fr besorgt, nachdem ich vorher schon mit Gewinn eine knappe Zusammenstellung einzelner Teile gelesen hatte, die der Insel-Verlag dankenswerterweise in deutscher Übersetzung auf den Markt gebracht hat. Die letzte Auflage des Insel-Bändchens ist inzwischen anscheinend auch bereits vergriffen. Es gibt aber noch ein paar neue und einige antiquarische Exemplare bei Amazon-Drittanbietern zu kaufen.
    Warum ich dieses Büchlein empfehle? Bei der Lektüre des Threads über die Traviata sind mir einige merkwürdige Vorstellungen über die französische Gesellschaft jener Zeit untergekommen. Wer Näheres wissen will über die Umstände, unter denen die Mimis und Violettas tatsächlich gelebt haben, der wird aus dem Bändchen Gewinn ziehen.



    Liebe Grüße
    Peter Wollenberg

    Lieber Symbol,


    vielen Dank für Deinen Hinweis und den Link.
    Inzwischen habe ich mich über Beurmann schlau zu machen versucht. Leider habe ich keine Quelle für seine CDs gefunden und sein Buch auch nur in einer gebrauchten Ausgabe für rund 200 Euro. Anscheinend gibt es aber Klangsamples von verschiedenen seiner Cembali, mit denen man einen Synthesizer füttern kann. Ich wußte gar nicht, daß es so was gibt(solche Samples natürlich, daß es Synthis gibt, wußte ich schon vorher).
    Bei Amazon habe ich jetzt ein amerikanisches Buch bestellt: Edward L. Kottick: "A history of the harpsichord" (mit CD). War zwar unangenehm teuer (53,65 €) aber - wie sagte mein alter Chef immer - "Men differ from boys mainly by the prize of their toys".


    Liebe Grüße,


    Peter Wollenberg

    Cembali, Cembalo hör ich an, das macht mich froh (EAV)

    Liebe Alte-Musik-Profis,
    nachdem mein neues Hörzimmer nun einigermaßen eingerichtet ist, und ich mit dem Klang meiner Anlage fast zufrieden bin, habe ich - aus gegebenem Anlaß - einige Cembaloaufnahmen intensiver gehört, z.B. die vom Merle Bleu empfohlene Staier-Einspielung von Scarlatti, Händel-Suiten in Einspielungen von Gould, Sophie Yates und Ottavio Dantone, Hille Perls Einspielung der Bachschen Gambensonaten :hide: und auch etwas Couperin. Mir ist dabei aufgefallen, daß Cembali anscheinend eine ausgeprägte Persönlichkeit haben. Keines klingt wie das andere und der Klang selbst ist äußerst obertonreich, entsprechend komplex und wohl auch schwer von einer Stereoanlage zu reproduzieren. Ich wäre Euch sehr dankbar, wenn Ihr mir ein bißchen Nachhilfeuntericht in Cembalokunde erteilen könntet. Und was meint ihr, ist eine Musikanlage im Gegenwert eines Mittelklassewagens nötig, um ein Cembalo einigermaßen glaubhaft ins Wohnzimmer zu bringen? Ich könnte mir gut vorstellen, daß manche Aversionen gegen das Instrument einfach darauf zurückzuführen sind, daß es auf einer Feld- Wald- und Wiesenanlage nervig klingen kann. MDG hat vor einigen Jahren ein paar CDs herausgebracht, auf denen der Klang unterschiedlicher Flügel verglichen wird - sehr lehrreich. Gibt es so etwas auch für das Cembalo?


    Liebe Grüße
    Peter Wollenberg

    Jetzt willst du wissen, welche von Verdis Frauen ich heiraten würde (in alfabetischer Reihenfolge):
    Aida
    Alice Ford
    Amneris
    Leonora de Vargas
    Maria Boccanegra

    Egal in welcher Reihenfolge Du sie heiratest, Du machst Dich in Deutschland auf jeden Fall strafbar :D .


    Zum Thema:
    Für mich ist die Selbstaufopferung Gildas keine Selbstaufopferung sondern ein "Suicide by Proxy" und wahrscheinlich der einzige Ausweg, der ihr aus ihrer Sicht blieb. Als abgelegtes Liebchen des Herzogs hätte sie, an dem Ort und zu der Zeit, keine Chance auf eine Ehe, für das Kloster fehlt ihr die Mitgift, es bleibt ihr eigentlich nur noch der Weg in die Prostitution oder in eine Lohnabhängigkeit, die auf ein ähnliches Schicksal hinauslaufen würde. Selbst umbringen darf sie sich als (angenommene) gläubige Katholiken in dieser ausweglosen Situation nicht, und da bietet sich ihr die einmalige Chance, ihr ruiniertes Leben zu beenden, ohne selbst Hand an sich legen zu müssen, und zugleich noch den Mann zu retten, den sie sicher noch liebt. An eine Vergewaltigung glaube ich nicht, wie das in Dresden suggeriert wurde. Dafür müßte sie sich bei ihrem Vater nicht entschuldigen. Sie hatte an diesem Tag ihr erstes Rendez-Vous mit ihrem Geliebten. Man hat sie brutal entführt und plötzlich findet sie sich ihm erneut gegenüber. Daß er der Herzog ist, daß es seine Hofschranzen waren, die sie, wenigstens ohne sein Wissen, entführt haben, das merkt sie erst später. Sie ist bestimmt, als sie ihn in ihrer Angst plötzlich vor sich sah, in seine Arme gerannt und lag, unter seinen Zärtlichkeiten, schneller in seinem Bett, als sie denken konnte. Vertrauen wir auf seine Professionalität und gehen davon aus, daß sie noch einmal für ein paar Minuten getröstet und im Himmel war. Was danach kam, hat ihr mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit jeden Lebensmut genommen. Ist es denn so unwahrscheinlich, daß sie sich angesichts seiner Untreue das Leben nehmen wollte?


    Liebe Grüße
    Peter Wollenberg


    PS "Bigamy is having one wife too many, monogamy is the same" - Oscar Wilde

    Manche sind richtig bissig (ich würde den VETTER AUS DINGSDA meines Namenspatrons Rideamus sehr wohl dazu zählen)

    Lieber Rideamus,


    kein Grund, die Stimme zu heben :D. Da habe ich den Vetter wohl falsch in Erinnerung. Um mich zu exculpieren kann ich nur anführen, daß er und ich uns das letzte Mal vor ungefähr 45 Jahren begegnet sind, im Fernsehen und in Schwarzweiß. Ich meine, daß es da um ein Ehepaar geht, das am Vermögen eines fernen Verwandten schmarotzt, der genau dort ist, wo sie ihn auch hinwünschen, nämlich in Batavia, wo der Pfeffer wächst. Des Weiteren erinnere ich mich an ein Verwechselungsspiel aus falschem und echtem Vetter und die Liebeshändel, in die beide mit der "tragischen" Heldin, die ihre Jugendliebe zum Batavier bewahren will, schließlich aber doch, genretypisch, den Richtigen bekommt, also den Falschen, während der Falsche, also der Richtige, die zugehörige Soubrette erobert. Ich hoffe, ich habe mich klar ausgedrückt.
    Dann erinnere ich mich noch an unsterbliche Texte wie "Noch ein Stück Fricandeau, noch ein Gläschen Bordeaux ...", "Onkel und Tante, ja das sind Verwandte, die man am liebsten nur von hinten sieht...", und das mit zwingender Logik vorgetragene "... sieben Jahre bracht ich in der Einsamkeit zu. Viele schöne Mädchen sah ich da...". Eine Traumeinsamkeit ist das, in der man viele schöne Mädchen trifft.
    Wahrscheinlich habe ich aber den Subcode einfach nicht mitbekommen, jung und unerfahren, wie ich damals war. Verrätst Du mir, was ich übersehen und überhört habe?


    Liebe Grüße
    Peter Wollenberg

    nur eine kleine Korrektur: Nestroy war Dramatiker und schrieb Komödien, die ganz im Stile der "Zauberpossen mit Gesang" mit Quodlibets, die dem Gaudium des opernkundigen Publikums dienten, und Couplets garniert waren, letztere immer mit tagespolitischen Anspielungen, um die strenge Zensur auszubremsen. Die Musik dazu stammte in den meisten Fällen von Adolf Müller. Mit Operette hat unser Nestroy also nichts zu tun, leider nicht einmal als Librettist.

    Liebe Severina,


    es wird Dich schockieren, und es läuft der herrschenden Streitkultur in Capriccio diametral entgegen, aber da gebe ich Dir völlig recht! Ich habe Nestroy und eigentlich auch Offenbach, dessen Werke ich auch nicht vorbehaltlos dem Genre der klassischen Operette zuschlagen würde, mit etwas Bauchweh und nur um des Arguments willen, in meine Aufzählung aufgenommen, weil mir nicht allzu viele Beispiele für Operetten mit "Biß" für meine Aufzählung eingefallen sind.
    Es sollte sich doch übrigens lohnen, da mal Struktur hineinzubringen und den Knoten aus komischer Oper, Singspiel, Posse mit Gesang, Musikfilm, Operette, Musical und Drei- oder Mehrgroschenspektakeln aufzudröseln. Auf dieser Basis ließe sich dann auch besser über unser Threadthema diskutieren. Das wäre, wie ich meine, eine schöne Aufgabe für Rideamus, der aber, wie die übrige Moderation, gegenwärtig leider vorwiegend mit der Pflege eines Narzissenbeetes beschäftigt ist.


    Liebe Grüße
    Peter Wollenberg

    Gegenfrage, auch als Diskussionsbeitrag: wie hättest Du auf einen solchen Text reagiert, der mich nicht anonym erreichte, aber natürlich den Vertrauensschutz der PN verdient, und die ich deshalb auch nur auszugsweise zitieren möchte:
    "... ich möchte noch einmal nachdrücklich darum bitten, dass dieser Thread entweder gestoppt wird oder dass innerhalb des Threads die Möglichkeit zur Gegenrede eingeräumt wird. ... Findet ihr, dass der Liberalismus eine politische Plattform darstellt, die für das "Töten unschuldiger Babies" plädiert???

    Lieber Rideamus,


    man hätte das Forumsmitglied erst mal vorsichtig darauf hinweisen können, daß das "liberal" hier die amerikanische politische Linke meint und nichts mit den europäischen Liberalen oder dem Liberalismus zu tun hat. Davon abgesehen, hätte man ihr/ihm empfehlen können, sich mal mit der Biographie o'Rourkes auseinanderzusetzen, um den Kontext des Zitats und die politische Positionierung des Autors besser einschätzen zu lernen. Schließlich hätte ich sie/ihn darauf hingewiesen, daß es kein feiner Zug ist, Texte zitierend so zu verkürzen, daß man ihren Sinn entstellt. Hinter dem Vorwurf an die Linke, sie sei gegen das Töten überführter Verbrecher, habe aber kein Problem mit der Abtreibung, steht doch ganz klar, daß ein Pragmatiker beides verteidigen, ein Christ sich beidem widersetzten würde. Das ist, für mich einigermaßen nachvollziehbar, das für o'Rourke denkbare Spektrum an konsistenten weltanschaulichen Haltungen. Er reibt sich an einer Einstellung, die Mörder leben läßt und dies mit deren Menschenrecht begründet, zugleich aber Embryonen eben dieses Menschenrecht abspricht, indem man biologisch nicht haltbare Konstrukte über den Beginn des Menschseins fabriziert. Natürlich kann man, könnte ich, gute Argumente gegen diese Position formulieren, aber das ist hier nicht der Punkt.
    "Der Threadstarter" zitiert übrigens nicht nur konservative bis reaktionäre Autoren, sondern auch mal Wiglaf Droste oder Helmut Qualtinger, die eher nicht im Verdacht rechtspopulistischen Gedankenguts stehen. Außerdem kommentiert er die Zitate nicht, so daß man seine Position nicht kennt. Deshalb ist auch ein Stellvertreterkrieg zum Inhalt der Zitate gegen "den Threadstarter" aus meiner Sicht nicht sonderlich sinnvoll. Ich lese diese Zitate, stelle fest, daß die meisten zwar geistvoll, dabei aber perfide verfälschend formuliert sind und daß ich eine andere Meinung zu den abgehandelten Themen habe. Ich sehe nicht, daß "der Threadstarter" in irgend einer Richtung missionarisch tätig sein will, wenn ich natürlich auch aus seinem Thread Vermutungen über seine Weltanschauungen ableite. Er isoliert seine Zitatliste in einem Thread, den zu lesen jeder und jedem freisteht und möchte nicht, daß dieser über einer exzessiven Diskussion, die zu praktisch jedem einzelnen Zitat denkbar wäre, zur Unleserlichkeit verkommt. Wer sich an den Texten reiben will, kann das ja anderswo tun. Das ist doch wirklich eine pragmatische Lösung. Bei "Malsehn" ist die Moderation genau umgekehrt vorgegangen. Die Metadiskussion wurde vom Thread getrennt, was ich gut fand. Hier führt man Thread und Metadiskussion mit mehr oder weniger den gleichen Argumenten zusammen (Viele Capricciosi haben sich an uns gewandt ...). Sonderlich stringent erscheint mir das nicht.
    Ich hatte mir eigentlich vorgenommen, bis auf weiteres die Aktionen der Moderation nicht zu kommentieren, weil ich denke, daß allzu viele Euch in den letzten Wochen ohne Grund, Sinn und Verstand auf den Füßen herumgetrampelt sind, aber Du hattest ausdrücklich nach Meinungsäußerungen gefragt. Deshalb, nichts für ungut.


    Liebe Grüße
    Peter Wollenberg

    Wie klingt eine historisch informierte Spielweise der Operette

    Lieber Lars,
    meine Beziehung zur Operette ist eher problematisch. Ich wurde mit dem Phänomen ausgiebig in meinem Elternhaus konfrontiert und es gibt nur wenige Operetten, die ich mir noch einmal anhören würde.
    Damit sind wir auch schon an meinem Punkt. Daß Operette gesellschafts- und teils sogar regimekritisch gedacht war, trifft sicher für Jacques Offenbachs Opus zu. Auch Nestroys Singspiele sind oft hübsch vergiftet, und so mag sich manches auch gut modernisieren lassen. Vor einigen Jahren, so meine ich mich zu erinnern, wurde das in Wien unter Beteiligung von Größen wie Schmiedinger auch recht erfolgreich mit dem "Land des Lächelns" praktiziert. Für das von Micha erwähnte "Weiße Rössl" hätte ich es nicht unbedingt erwartet. In Werken wie dem "Schwarzwaldmädel", dem "Vetter aus Dingsda" oder dem "Vogelhändler" finde ich nicht ohne weiteres einen Ansatz für eine Aktualisierung des Stoffes ohne allzu große Verbiegungen, während das bei der "Lustigen Witwe" oder dem "Bettelstudenten" eher gelingen könnte. Kurz, ich meine schon, daß man diese oder jene Operette mit Gewinn neu inszenieren könnte, viele sind aber doch recht belanglos, sowohl musikalisch, als auch vom Libretto her.
    Was die Sängerqualitäten angeht, möchte ich noch anmerken, daß Nestroy nicht nur seine eigenen Werke sang, sondern auch einen veritablen Sarastro abgegeben haben soll, also sicher kein sängerisches Leichtgewicht war. Ich kann mir auch z. B. nur schlecht vorstellen, wie man die Fledermaus ohne hochklassige Sängerriege überzeugend auf die Bühne bringen will.


    Liebe Grüße
    Peter Wollenberg