Beiträge von AlexanderK

    Christoph Eschenbachs 1974 auf Gran Canaria im Zuge einer Aufnahmereihe von Studienwerken entstandene Einspielung von Ludwig van Beethovens Klaviersonate f-Moll op. 2/1 höre ich als Vorführaufnahme verschiedener Ansätze, wie man diese Sonate interpretieren kann. Den 1. Satz spielt Eschenbach ähnlich Gulda mit linearem Drive. Umso poetischer und geheimnisvoller interpretiert er den 2. Satz. Danach überrascht der allzu buchstabierte 3. Satz, in dem Eschenbach allerdings das Trio im Gegensatz dazu schön "aussingt". Wird er danach im Prestissimo zeigen, was Pianisten so draufhaben? Nein, er spielt diesen Satz etwas schulmeisterlich brav, sehr sorgfältig und "nachvollziehbar". Die unterschiedlichen Interpretationsansätze machen diese Aufnahme etwas uneinheitlich, aber in ihren Kontrasten spannend unerwartet.

    Habe heute (genau zum chronologisch richtigen Zeitpunkt!) festgestellt, dass ich ja noch weitere Aufnahmen mit Clementi-Klavierwerken habe, daher muss op. 40/2 bei mir noch etwas warten...

    Christoph Eschenbach hat 1974 im Haus Eschenbach in Monte León auf Gran Canaria allerlei Klavierübungsmusik aufgenommen, darunter von September bis November auch Sonatinen von Friedrich Kuhlau und Muzio Clementi.

    Von Clementi spielt er die Sonatinen op. 36/1-6, op. 37/2 und op. 38/1-3.

    Clementis Sonatinen op. 36 können sicher viele, die hier mitlesen oder -schreiben und jemals Klavier gelernt haben, selbst gut spielen. Bis auf die letzte (die nur zwei Sätze hat) sind alle dreisätzig, sie sind freundlich-schlicht und sicher in bestem Sinn kindgerecht zum Lernen und Üben, mit ihrer vielfach einfachen wie eingängigen Melodieführung und Begleitung. Spieldauer bei Eschenbach zwischen 3:43 und 7:17 Minuten.

    Habe die Sonatinen op. 36 jetzt so gehört:

    Die Sonatine C-Dur op. 36/1 (Allegro/Andante/Vivace) gehört sicher zu den Klassikern des Klavierlernens, ich habe sie als Kind sehr gerne gespielt. Ihre freundlich-schlichte, eingängige Komposition hat mir durchaus auch die Ohren geöffnet für Bedeutenderes dieser Art von Mozart und Beethoven.

    Bei der Sonatine G-Dur op. 36/2 (Allegretto I/Allegretto II/Allegro) sticht der wiegende 2. Satz heraus.

    Noch mehr aufhorchen durfte ich mit der Sonatine C-Dur op. 36/3 (Spiritoso/Un poco adagio/Allegro), in dessen 1. Satz sich für mich Papageno auf den Weg zu Rossini macht, dessen 2. Satz schlicht gesanglich bleibt und dessen 3. Satz nahezu eine kleine Buffo-Bravourarie vorführt (nicht die letzte in op. 36).

    Am meisten gestaunt habe ich aber mit der Sonatine F-Dur op. 36/4 (Con spirito/Andante con espressione/Rondo. Allegro vivace) mit ihrem Kleinod des 2. Satzes, einem sehr angenehm beruhigenden C-Dur Gesang. Was für eine kleine große Entdeckung an wunderschöner, schlichter klassischer Klaviermusik!

    Die Sonatine G-Dur op. 36/5 (Presto/Air suisse. Allegretto moderato/Rondo. Allegro di molto) ist wohl mit der nächsten zusammen die klavieristisch ergiebigste. Der 2. Satz kommt wieder wiegend, und im 3. Satz reist Papageno schon wieder zu Rossini.

    Die Sonatine D-Dur op. 36/6 (Allegro con spirito/Rondo. Allegretto spiritoso) kommt mit zwei fröhlich gesanglichen Sätzen aus.

    Vladimir Martynov:(geb. 1946 in Moskau)
    Der Abschied (2006)
    Kronos Quartet

    Diese fast 40 Minuten durchlaufende Streichquartettkomposition entstand, nachdem der Komponist 2003 seinen mit 96 Jahren verstorbenen Vater verloren hatte. Der rote Faden sind sich durchs ganze Werk ziehende düstere Trauerakkordfolgen, in die aber immer wieder Gustav Mahler-Zitate eingeflochten werden, bis zum "Ewig, ewig..." aus dem "Lied von der Erde". Am Ende ist der Verstorbene wohl im ewigen Licht gelandet, aber es bleibt mit den letzten Akkorden die Trauer des Hinterbliebenen.

    Von 13. bis 16.12.2010 nahm das Kronos Quartet (Skywalker Sound, Nicasio, CA) für Nonesuch eine CD mit Werken des 1946 in Moskau geborenen Komponisten Vladimir Martynov auf, darunter auch das 2009 entstandene Schubert-Quintet (unfinished).

    Habe dieses Werk so gehört:

    Das zweisätzige, 23 1/2 Minuten lange Werk (was für Anspielungen auf Schuberts h-Moll Symphonie allein schon mit diesen Details!) mit zusätzlichem Cello zum Streichquartett (hier das ehemalige Quartettmitglied Joan Jeanrenaud) ist wahrlich im Geiste Schuberts komponiert.

    Zentrales Motiv im Movement 1 ist ein Sprung aufwärts, meist ein Oktavsprung. Dieses Motiv setzt sich sofort fest und erzeugt eine "Alles oder nichts"-Atmosphäre. Es fesselt geradezu, droht ins Mantra-Artige zu binden, wirkt bald statisch Aber es atmet gleichzeitig eine "Erlkönig"-Nervosität. Nach etwa neun Minuten kommt es zu einem "Todesmoment". Dann geht es weiter, aber durchsetzt mit Generalpausen. Die wirken auf mich nun wie Schocks. Offenes Ende von Movement 1.

    Movement 2 arbeitet daran, das Motiv zu harmonisieren, mit tröstender, Schubert-liebender Innigkeit. Schon meint man, alles ist gut, da verweigert Martynov die allerletzte Kadenz hin zum Grundakkord. Wir bleiben unerlöst, das Ende ist erst recht offen.

    Das Werk hat auf mich einen verstörend guten Eindruck gemacht.

    so dass ich diese Auswahl nebst Einleitung und improvisierter Coda (das Echo der beiden Primgeigen geht nicht gut auf der Orgel) heute sub communione spielte.

    Viel Rückmeldung bekommst Du als Organist nicht immer, aber heute gab es Rückfragen ... "Herr W., was war denn das beim Abendmahl ...?"

    Wow! Wow1:top::spock1:

    Ich höre diese fünfeinhalb Minuten tröstend, harmonisierend. Es könnte der Vorwurf kommen, das sei Kitsch in minimalistischer Gleichförmigkeit, die suggestive Wirkung sei zu deutlich evoziert, eine Diskussion, wie sie auch vielfach um Philip Glass Musik geführt wird. So ein Werk wie "The Beatitudes" erfordert also die Bereitschaft, sich auf so etwas einlassen zu wollen. Um den außermusikalischen Anlass der Bearbeitung für Streichquartett wissend, ging es mir jedenfalls so, dass der Aspekt eines vom Kronos Quartet gut verkaufbaren Werks gegenüber dem Anliegen, in Gedenkkonzerten zu 9/11 den Menschen sanft suggestiv etwas Hoffnung mit neuer Musik zu vermitteln, für mich doch in den Hintergrund trat.

    Die CD, auf der "The Beatitudes" enthalten ist, enthält übrigens zwei weitere Martynov-Werke, die vielleicht lohnen, kennengelernt zu werden, ein "Schubert-Quintet (unfinished)" und ein 40 Minuten langes Streichquartett "Abschied" mit ganz viel Gustav Mahler Bezug. Ich schreibe in den passenden Threads was dazu.

    Und ab jetzt also auch eine Orgelfassung, Gratulation noch mal!

    Habe heute zweimal die DVD-Aufnahme mit Hardenberger/Nelsons/Wiener Philharmoniker durchgehört, das erste Mal auch gesehen, das zweite Mal nur gehört.

    Wie beim Streichquartett der Woche (Martynovs "The Beatitudes") steht ein außermusikalisches, humanistisches Anliegen dahinter. Dieses (bei Zimmermann das Leid der rassisch Unterdrückten) im Hinterkopf, stellt sich bei mir durchaus das "gewünschte" Mitgefühl ein.

    Interessant war es für mich, die Aufführung auch zu sehen. Da wird die kammermusikalisch herausfordernde Komposition noch verdeutlicht, wie die Gruppen, Solistinnen und Solisten in dem auf mich rezitativisch wirkenden, farbig instrumentatorisch erweiterten, symphonisch jazzoiden Werk um die Solotrompete genau aufpassen und aufeinander hören müssen.

    Erst beim zweiten Mal Hören, weniger aufs Bild schauend, habe ich aufgepasst, wann erstmals das "Nobody Knows" Thema deutlich zu hören ist und war überrascht, erst nach einigen Minuten, und dann nicht einmal vom Solisten gespielt.

    Der ausdrucksstark (mir jedenfalls) zu Herzen gehende rezitativische Solistenpart stellt sicher eine spieltechnisch wie musikalisch enorme Herausforderung dar, zumal es wohl gilt, hier nicht als herausragender Könner zu glänzen, sondern die humanistische Botschaft zu transportieren.

    Hoffentlich haben die Salzburger Festspielbesucher 2018 diese Aufführung nicht nur als Vorprogramm zu Mahlers "Zweiter" Richtung Pausendrink, sondern auch das Anliegen des Werks aufgenommen.

    So sammeln wir Clementi-Klaviersonaten zusammen! :top::wink:

    Verweise dazu auch auf einen Eintrag (Edit: plus Folgebeitrag) von b-major im Jedentageineklaviersonatethread:

    Ein weiterer persönlicher Höreindruck:

    Muzio Clementis 1793 entstandene Klaviersonate g-Moll op. 34/2 breitet sich bei Maria Clementi (CD siehe oben) im vollen Klang am Bösendorfer-Flügel stolze 31 Minuten aus, dank Expositionswiederholung und der epischen Durchführung im 1. Satz, der mit einer kurzen Largo e sostenuto-Einleitung fugatorisch beginnt und im ausgiebigen Allegro con fuoco Sonatensatz von einem "Beethoven Fünfte"-Klopfmotiv beherrscht wird. Und dann eben - die Durchführung ist ganz großes Kino. Der 2. Satz (Un poco adagio) schreitet würdig bis elegant und dann auch neugierig voran. Und das Finale (Molto allegro) greift unter anderem das Klopfmotiv wieder auf und läuft und stöckelt vielfach auch damit bei Maria Clementi hell und quirlig dahin.

    Vladimir Horowitz (CD Horowitz Plays Clementi, RCA, Aufnahme 1954) wiederholt bei dieser Sonate weniger als Maria Clementi und ist daher bereits nach knapp 22 Minuten durch. Sein Clementi-Klavierspiel kommt filigraner und schroffer und schattiert dabei spannend ins Unheimliche. Da wirkt das Klopfmotiv teilweise bedrohlich wie das "Mephisto"-Motiv in Liszts h-Moll Sonate.

    Eine weitere erstaunliche, richtig große klassische Klaviersonate!

    So fleißig war George Onslow! Nachdem Anfang 1834 die drei Streichquartette op. 46 in Druck gingen, komponierte er in den zwei Jahren danach, wie das cpo-Booklet zur dritten Mandelring Quartett-Aufnahme verrät, neun weitere Streichquartette, darunter das Streichquartett Nr. 25 B-Dur op. 50.

    Ich habe es so gehört:

    Der 1. Satz (Allegro moderato) ist ein ernster Sonatensatz, gezeichnet von feiner Motiv- und Verarbeitungsarbeit. Ungewohnt schroff auffahrend ist das Hauptmotiv des nervös durchlaufenden 2. Satzes (Scherzo. Vivace assai). Darauf folgt der erhaben gesangliche 3. Satz (Andante grazioso). Das nervös-erregte Finale (Allegro vivace e scherzo) ist ein sehr grimmiges, äußerst ernstes Schlussplädoyer. Spieldauer beim Mandelring Quartett: 26:41 Minuten.

    Trios, Quintette, das Nonett - jedenfalls auf mich wartet, was Onslows Kammermusik betrifft, noch viel Entdeckenswertes.

    Vielen Dank nun auch von mir. Ich habe dieses Werk auf DVD.

    Håkan Hardenberger spielte Bernd Alois Zimmermanns ja 1954 entstandenes, nur etwa eine Viertelstunde kurzes Konzert für Trompete und Orchester "Nobody Knows de Trouble I See" am 28. und 29.7.2018 im Großen Festspielhaus in Salzburg in Konzerten der Wiener Philharmoniker unter der Leitung von Andris Nelsons vor Mahlers "Auferstehungs-Symphonie". Der Konzertmitschnitt wurde von Cmajor auf DVD veröffentlicht. Ein hochkulturelles Plädoyer gegen die Rassendiskriminierung, das ich dieser Tage gerne wieder in den DVD-Player einlegen werde.

    Zu Klavierwerken, die man als Jugendlicher einstudiert hat, hat man (ich jedenfalls) doch eine innigere Beziehung. Mir geht es unter anderem mit Ludwig van Beethovens Klaviersonate f-Moll op. 2/1 so. Mit jeder Neubegegnung über Aufnahmen werden viele Details umso lebendiger. Wie toll war es, als jugendlicher Klavierspieler den Prestissimosatz bald recht schnell durchlaufen zu lassen und immer wieder (fast enttäuscht) zu staunen, dass Beethoven der Versuchung widerstanden hat, die Durchführung umso wilder auszuloten und er dort stattdessen arios aussingen lässt.

    Bin sehr froh (nach einem Tipp aus dem Forum,) die Scribendum-34-CD-Box der aus der Ukraine stammenden Pianistin Maria Grinberg (1908-1978) zu besitzen, musikalisch wie ich meine ein pianistisches Füllhorn vom Besten, editorisch leider wenig ergiebig, fehlt doch ein Booklet, und sind Aufnahmedaten nur angedeutet, etwa Liveaufnahmen nur mit Datum ohne genauere Details.

    Die Box enthält einige Beethoven-Sonaten in mehreren Aufnahmen, op. 2/1 gleich dreimal, Studioaufnahmen von 1959 und 1966 sowie eine Liveaufnahme von 1968. Ich habe die Aufnahmen chronologisch gehört. Die Aufnahme aus dem Jahr 1959 höre ich kontrolliert-empfindsam, pianistisch über jeden Zweifel erhaben, eine Pianistin von immens hoher Musikalität und auch (was mir wichtig ist) mit dem Sinn für den natürlichen Fluss der Musik. Für mich nahezu eine Musteraufnahme dieser Sonate, umso gespannter war ich auf jene von 1966. Hier spielt Maria Grinberg eine Spur energischer, forcierter, kehrt mehr den forschen Beethoven heraus. Die Offenbarung war dann für mich die Entdeckung der Pianistin Maria Grinberg als Konzertkünstlerin. Der Livemitschnitt vom 29.10.1968 (sie spielte da alle drei op. 2 Sonaten) lässt mich sofort mit der Sonate aus dem Augenblick mitleben, Maria Grinberg spielt mitreißend und gestaltet dabei auch und gerade im Konzert hochmusikalisch differenziert. Ich meine zu spüren, da gibt jemand vor Publikum wirklich alles, Herz und Seele.

    George Onslows 1834 gedrucktes Streichquartett Nr. 20 F-Dur op. 46/2, beim Mandelring Quartett (auf der CD mit op. 8/1 enthalten) 26 1/2 Minuten lang, startet mit einem freundlich-lebendigen Allegro-Sonatensatz, bei dem die Verdichtungen zwischendurch das Geschehen dramatisieren. Eine echte Entdeckung für mich ist der 2. Satz (Andante. Sostenuto semplice), wie er innig-elegisch geprägt ist, mit der Pizzicato-Begleitung dazu, und im Mittelteil hellt sich das Geschehen auf wie ein Sonnentrahl, für mich nahezu schubertisch schön. Das Menuetto (Vivace) höre ich als euphorischen Tanz, das Trio eng umschlungen. Ausgelassen keck geht´s im rondozügigen Finale (Allegro vivace e scherzo) zu, da können Streichquartette auch so richtig zeigen, was sie mitreißend draufhaben.

    Den 2. Satz musste ich sofort noch einmal hören. Einmalig gute Streichquartettmusik! Es hat sich für mich wirklich gelohnt, angeregt durchs Streichquartett der Woche, auch noch die dritte Mandelring Quartett CD mit Onslow Quartetten zu erwerben.

    Das cpo-Booklet bietet zu den Werken der dritten Mandelring Quartett-CD sehr genaue Verlaufsschilderungen, an denen man sich sicher gut orientieren kann.

    Maria Clementi (CD siehe oben) spielt die Sonata quasi Concerto C-Dur op. 33/3 meinem Hörempfinden nach als große klassische Klaviersonate, aufgenommen mit vollem Raumklang mit einem Bösendorfer 280 Konzertflügel. Es ist eine kontrollierte Studioaufnahme. Horowitz spielt überraschender, facettenreicher, aber mir sagt auch Maria Clementis vollblütig-klanggroße Aufnahme sehr zu. Vor dem Schlussakkord des 2. Satzes spielt Maria Clementi im Gegensatz zu Horowitz nur eine ganz kurze freie Kadenz.

    Ist die Bearbeitung nicht für zwei Streichquartette, d. h., das Kronos Quartet hat mit sich selbst per overdubbing gespielt?

    Beatitudes - (for String Quartet) - String Quartet - Sheet Music | Sheet Music Plus

    Mit mehr Streichern gibt´s das etwa hier:

    Dudok Kwartet & Viride Quartet - The Beatitudes - Martynov | Podium Witteman
    Dudok Kwartet & Viride QuartetVladimir MartynovThe BeatitudesPodium Witteman omarmt de wereld van de klassieke muziek, maar zoekt ook de grenzen op met ander...
    www.youtube.com

    Das Streichquartett der Woche ist diesmal:

    Vladimir Martynov (geb. 1946 in Moskau): The Beatitudes

    Vladimir Martynov: The Beatitudes
    Provided to YouTube by NonesuchVladimir Martynov: The Beatitudes · Kronos QuartetMusic of Vladimir Martynov℗ 2012 Nonesuch Records Inc. for the United States...
    www.youtube.com

    Von Martynovs Seligpreisungs-Chorkomposition aus dem Jahr 1998 erbat der Gründer des Kronos Quartets David Harrington für das Finale des die Terroranschläge vom 11.9.2001 reflektierenden Konzertprogramms "Awakening" ein Arrangement für Streichquartett. Harrington sieht diese Musik als eine ganz große Glaubensmusik. 2012 entstand ein Martynov-Album des Kronos Quartets, auf dem "The Beatitudes" enthalten ist. "The Beatitudes" wurde im Film "La Grande Bellezza – Die große Schönheit" eingesetzt, der 2014 den Oscar für den besten fremdsprachigen Film erhielt. Es gibt auch eine Bearbeitung für Klavier solo von V. Bobrakov aus dem Jahr 2006. Auf youtube findet man diverse Arrangements, auch einen kurzen Filmausschnitt.

    Eine erbauliche Woche mit diesem Werk sowie mit aller anderer Musik!

    1796 hat Clementi die Sonata quasi Concerto C-Dur op. 33/3 dann doch auch für Klavier und Orchester orchestriert. Beim Pianoforte-Festival Flügelschläge wurde diese Fassung am 13.11.2022 in der Bühlkirche in Zürich mit Els Biesemans am Fortepiano und der von Rüdiger Lotter geleiteten Hofkapelle München aufgeführt und fürs Fernsehen mitgeschnitten. Ich finde, das gibt schon tüchtig was her.

    Clementi Piano Concerto in C Major - Els Biesemans, Hofkapelle München
    http://www.elsbiesemans.beLive @ FLÜGELSCHLÄGE 202213.11.2022 Bühlkirche Zurichhttp://www.fortepiano-festival.comEls Biesemans, FortepianoHofkapelle Münchenc...
    www.youtube.com


    Finde es sehr erfreulich, dass sich junge Menschen von heute so aktiv auch für selten gespielte Werke wie dieses einsetzen.

    Ach, es gibt so viel Musik zu entdecken...

    Ein weiterer persönlicher Höreindruck auf meiner Clementi-Klavierwerk-Entdeckungsreise:

    Mit ihrem festlich-konzertanten Anspruch weist Clementis Sonata quasi Concerto C-Dur op. 33/3 aus dem Jahr 1794, auch wenn sie noch etwas steifer wirkt, auf Beethovens Sonaten op. 2/3 und op. 53 ("Waldstein") voraus. Der prunkvoll konzertante 1. Satz (Allegro con spirito) wartet einmal mehr auch mit einer ausführlichen Durchführung sowie mit einer auskomponierten Kadenz auf. Rezitativisch expressiv erzeugt der 2. Satz (Adagio e cantabile, con espressione, F-Dur) erzählerische Intensität. Und das Presto-Finale ist ein klavieristisch auftrumpfendes Fest in C-Dur. '

    Vladimir Horowitz hat die Sonate op. 33/3 am 7., 8. und 15.4.1979 in der Orchestral Hall in Chicago aufgenommen, auch auf der RCA-CD "Horowitz Plays Clementi" enthalten. Sie hat bei ihm eine Spieldauer von 21 1/2 Minuten. Man hört kein Publikum, die Aufnahme wird aber vielfach als Liveaufnahme geführt. Mit seinem facettenreichen Anschlag am etwas scheppernd klingenden Flügel zaubert er ins Prunkvolle auch viel spielerische Leichtigkeit und kann immer wieder ins Geheimnisvolle schattieren. Horowitz wiederholt die Exposition im 1. Satz. Am Schluss des 2. Satzes spielt Horowitz eine freie, geheimnisvolle Kadenz, und er lässt es sich nicht nehmen, ganz am Ende noch ein paar mehr C-Dur-Schlussakkorde hinzuwerfen.

    Auf Youtube gibt es die Horowitz-Aufnahme auch mit Noten zum Mitlesen.