Beiträge von AlexanderK

    Habe das Sibelius Quartett op. 56 nun zweimal mit dem Henschel Quartett (aus youtube) durchgehört. Die Aufnahme finde ich großartig, damit bin ich sofort fürs Werk gewonnen. Schon die Musik des 1. Satzes hat für mich etwas Schmerzerfülltes. Beim 2. Satz haben mich die zwei intensiven Verdichtungen, die zweite implodierend in den zwei Pizzicato-Akkorden, emotional stark mitgenommen. Für mich die wichtigsten Momente des Werks sind die (von Tichy in seiner Werkeinführung auch hervorgehobenen) jeweils drei isolierten Akkorde im großen, expressiven langsamen Satz, sie stechen als Fremdkörper gespenstisch, fahl heraus, bald nach Beginn in e-Moll, gegen Ende in cis-Moll. Der 4. Satz hat für mich zunächst etwas Brahmsisch-Moll-Trotziges und hebt dann ins schwirrende Schweben, verklärt Walzertänzerische ab. Ich verschlinge mich dann aber ganz und gar ins immer dichtere Rankenwerk der Linien, das sich dann aber doch noch entwirrt. Das abgehobene, nordisch schwebende Quartettfinalfurioso hat´s dann auch ganz schön in sich. Ich bin jetzt jedenfalls auch für dieses Streichquartett sofort gewonnen, mit all seinem Schmerz, seiner expressiven Unentschiedenheit, seinen psychischen Tiefen und trotzigen Aufschwungskraftakten wie dem Finale.

    Vielen Dank auch von mir für diese spannende Inspiration, was das zweite ausgewählte Streichquartett betrifft. Ich habe Sibelius´ op. 56 live kennengelernt - in einem Abonnementkonzert des Küchl-Quartetts im Brahms-Saal des Wiener Musikvereins am 4.12.1987. Als bemerkenswert notiert habe ich damals den auch bei Sibelius ausgekosteten Wiener Streicherwohlklang des Quartetts, das sich ja aus Wiener Philharmonikern zusammengesetzt hat, den langsamen Satz und das wilde Furioso des Finalsatzes. Seither habe ich das Werk aber nicht mehr gehört. In meiner mittlerweile ziemlich angewachsenen Streichquartett-CD-Sammlung hat bis gestern auch zwischen Schumann und Spahlinger ein Loch geklafft. Bei Beck am Rathauseck, so dachte ich, wird es sicher eine Aufnahme geben, die man gleich mitnehmen kann. Es musste aber danach gesucht werden.



    Die Henschel Quartett CD (dessen Mendelssohn-Gesamtaufnahme ich sehr gerne höre) habe ich bestellt, und dann wurde doch eine lagernde CD gefunden, einsortiert bei Verdi - mit dem norwegischen Vertavo String Quartet, das die Voces Intimae mit Verdis Streichquartett gekoppelt hat (in diesem Thread von Amethyst bereits genannt).



    Mit diesen Aufnahmen sowie tlw. den hier bereits empfohlenen werde ich mich sehr gerne die nächsten Abende befassen. Danke noch einmal für die Anregung und für die bisherigen Impulse!

    Vielen Dank auch von mir für diesen Thread!



    Ich habe Franz Schuberts so ungewohnt fast durchgehend heiteres Forellenquintett in den 80er Jahren aus einer von meinem Großvater geerbten DGG-LP-Kassette "Franz Schubert Kammermusik" in der 1965 erstveröffentlichten Aufnahme mit Rudolf Koeckert (Violine), Oskar Riedl (Viola), Josef Merz (Cello), Georg Maximilian Hörtnagel (Kontrabass) und Christoph Eschenbach (Klavier) kennen- und schätzen gelernt.


    Der Beipacktext zur Hagen/Schiff-Aufnahme verweist zum Scherzo auf Schuberts Violinsonate A-Dur D 574. Und beim Finalsatz meine ich, an dessen mehrmaligen "Achtung"-Stillstand (gleich zu Beginn!) mag Schubert im letzten Satz seiner Klaviersonate B-Dur D 960 wieder erinnert haben.


    Im Konzert konnte ich das Forellenquintett am 14.1.1988 in einem Abonnementkonzert des Küchl-Quartetts im Brahms-Saal des Wiener Musikvereins mit den Gästen Johannes Auersperg (Kontrabass) und Helmut Deutsch (Klavier) erstmals live erleben.


    Zuletzt gehört habe ich Schuberts Forellenquintett in der am 22.11.2022 gesendeten Ö1-Konzertaufnahme vom 8.7.2022 aus der Stiftskirche in St. Paul mit Daniel Froschauer (Violine), Michael Strasser (Viola), Raphael Flieder (Cello), Michael Bladerer (Kontrabass) und Maximilian Flieder (Klavier).



    Die 2019 veröffentlichte Decca-CD-Box "Willi Boskovsky Waltzmeister" enthält zwei Aufnahmen des Forellenquintetts, eine (erstmals auf CD veröffentlichte) Mono- und die (von Braccio schon genannte) Stereoaufnahme. Bei beiden spielen Mitglieder des Wiener Oktetts, Willi Boskovksy (Violine), Günther Breitenbach (Viola), Nikolaus Hübner (Cello) und Johann Krump (Kontrabass). Pianist in der Victoria Hall in Genf im Mai 1950 war Walter Panhofer, im Wiener Sofiensaal im Oktober 1957 Clifford Curzon. Vorgestellt wird mit beiden Aufnahmen bei unbeschwert dahinlaufendem Wiener Musikantentum der weiche, harmonisierende, durchaus etwas süße Wiener Klangstil. Nicht nur des Stereoklangs wegen wirkt die Stereoaufnahme auf mich aber doch etwas farbiger. Wie auch bei Sofiensaal-Aufnahmen der Wiener Philharmoniker und von Friedrich Gulda aus dieser Zeit besticht zwar der tolle Raumeffekt, mit dem man sich mittendrin unter den Musikanten wähnt, der Gesamtklang hat aber auch etwas seltsam Versunkenes. In beiden Aufnahmen werden die Expositionen in den Sätzen 1 und 5 nicht wiederholt.



    Ans Herz gewachsen ist mir die (wie ich sie höre) musikantisch jugendlich frische Decca-Aufnahme von 1983 mit den Hagen Geschwistern, Alois Posch (Kontrabass) und Andras Schiff (Klavier). Diese (sie berücksichtigt alle Wiederholungen) habe ich nun mit großer Freude wieder gehört.

    Mendelssohn - String quartet n°3 op 44 n°1 - Juilliard SQ
    Felix Mendelssohn-BartholdyString quartet n°3 op.44 n°1The Juilliard String Quartet (Robert Mann - Isidore Cohen - Raphael Hillyer - Claus Adam)Studio record...
    www.youtube.com


    Beim Juilliard Quartet (danke auch für diese Hörempfehlung!) höre ich die Ecksätze überhitzt, aber enorm spannend - und die Mittelsätze nach den Aufnahmen davor umso überraschender berückend schön, wunderbar innig.


    Meine Favoriten nach dieser Woche (was op. 44/1 betrifft) sind Henschel, Van Kuijk, Stradivarius und Juilliard. Spannend "anders" finde ich die Cherubinis, fremd bleiben mir die Emersons.


    Bin sehr gespannt, welches Streichquartett nun folgen wird und freue mich sehr auf den Austausch dazu und den Hörvergleich.

    Cherubini-Quartett: Mendelssohn String Quartet No. 3 In D Major, Op.44/1
    1. Molto Allegro Vivace 2. Menuetto: Un Poco Allegro 3. Andante Espressivo Ma Con Moto 4. Presto Con BrioCherubini-Quartett:Christoph Poppen, 1st ViolinHaral...
    www.youtube.com


    Die Aufnahme mit dem nun schon mehrmals hier hervorgehobenen Cherubini-Quartett habe ich soeben auch gehört. Ich werde hier mit dem für mich schon sehr bewundernswerten besonders fein gesponnenen Klangansatz insgesamt aber nicht recht warm. Interpretatorisch finde ich es spannend kontrastiv, aber "ganz in der Musik" bin ich da nicht drin, es ist für mich eher eine Aufnahme, bei der ich gespannt beobachte, wie sie das machen, als mit der Musik voll und ganz mitzuleben. Mir ist es wie für motiaan zu trocken.

    Auch ich bin schon sehr gespannt, wie es weiter geht und danke noch einmal den Initiatoren.


    Zu op. 44/1 von mir weiter:


    Liebe Amethyst!

    Vielen Dank fürs Aufmerksammachen auf die historische Aufnahme mit dem Stradivarius String Quartet. Habe diese Aufnahme nun aus den dankenswerterweise mitgelieferten youtube Links angehört. Das leidenschaftliche, beherzte Spiel dieses Quartetts geht mir auch sehr nahe.

    Nach dem Henschel Quartett gestern nun das Emerson String Quartet, mein Höreindruck:



    Das Emerson Quartet verdeutlicht mir mit seiner Aufnahme die (mir sofort sehr nahe) Emotionalität der Aufnahme des Henschel Quartetts. Es spielt meinem Hörempfinden nach glatter, äußerlicher brillant und zu zielgerichtet geradlinig angespannt. Nicht nur etwa die „Schubert-Passagen“ im 1. Satz haben für mich ungleich mehr Psychologie bei den Henschels.


    Laura Cox

    Head Above Water


    G´rader Hardrock. Laura Cox (geboren 1990) stammt aus Frankreich und wurde durch youtube bekannt (2008 Homevideo mit E-Gitarren-Covers). "Head Above Water" ist ihr drittes Album.

    Gestern nun meine durch diesen Thread inspirierte Wiederbegegnung (nach 2007) mit der Aufnahme des Henschel Quartetts, hier mein Eindruck:


    Der 1. Satz hat bei den Henschels für mich etwas verbissen Getriebenes. Ein Seitenthema (in der Emerson-Aufnahme erstmals ab 01:50 zu hören) wirkt auf mich schubertisch. Markant auch das Erschlaffen der Musik am Ende der Durchführung. Den 2. Satz, das Menuetto, höre ich bei den Henschels melancholisch. Am ehesten einen Sommernachtsraum assoziiere ich in der für mich wahrlich traumhaften Atmosphäre im Trio. Markant auch der archaisch, aber bewegt schreitende Duktus im 3. Satz. Das Spannungsfeld, in dem sich diese Musik bewegt, finde ich sehr inspirierend. Das Finale höre ich als einfach mitreißende, spritzig konzertante Streichquartettmusik. Heute versuche ich es am Abend mal mit der von Wieland verlinkten Emerson Aufnahme, bin schon gespannt.

    Vielen Dank auch von mir für diese schöne Threadidee und den Start. Bitte mich auch aufzunehmen.

    Habe diesen Thread (unten unter "Vermischtes") und dazu extra die Diskussion zu op, 44/1 (beim Komponisten) nun auch im Inhaltsverzeichnis eingebaut und werde dort gerne weiter aktualisieren, sobald jeweils die Diskussion zu einem neuen Quartett begonnen wird.

    Habe seit Jahren die Gesamtaufnahme mit dem Henschel Quartett:



    Freue mich nun aufs Wiederhören, auf den Abgleich mit der Diskussion hier und den Hörvergleich zunächst mit den Emersons. (Danke für den Link!)


    EDIT. Übernehme selbstverständlich auch gerne das Aktualisieren der Liste im Posting 1 - kann aber sein aus Zeitgründen manchmal erst ein, zwei Tage später.

    Dieser Tage weitere Aufnahmen Debussy La Mer, interessant die unterschiedlichen Orchesterklänge und Interpretationsansätze:


       


       


    Leonard Bernstein, Pierre Boulez, Herbert von Karajan, Lorin Maazel, Claudio Abbado, Gustavo Dudamel...


    Da mich die emotionale Herangehensweise mehr anspricht, sind mir die Aufnahmen mit Bernstein und Abbado die nächsten. Klanglich sind aber auch die anderen jede auf ihre Art spannend.

    Der Schönberg war bei ihrem Berliner Auftritt ein Highlight. Sehr ärgerlich, dass er in dieser Aufzeichnung fehlt.

    Ich hoffe darauf, dass die Deutsche Grammophon das Konzert vollständig veröffentlicht. In 3sat wurde es in der Reihenfolge umgeschnitten, das erkennt man auch an den Kostümwechseln. Es wurden auch nicht alle Zugaben gesendet.

    Die komplette Konzertabfolge findet man auf der Homepage des Wiener Konzerthauses:

    Klavierabend Yuja Wang
    Wiener Konzerthaus - Dienstag, 26. April 2022, 19:30 Uhr, Großer Saal
    konzerthaus.at


    Und danke Wieland für den CD-Hinweis!

    Ich lerne auf meine älteren Tage endlich mal etwas Musikgeschichte ;). In "musikexpress" gab es Mitte 2020 "Die 40 besten Discosongs von Rockbands". Habe mit youtube zunächst mal die ersten 10 gehört, manche lerne ich erst kennen:


    01 Roxy Music - Love Is The Drug (1975)

    02 Can - I Want More (1976)

    03 Wings - Silly Love Songs (1976)

    04 ABBA - Dancing Queen (1976)

    05 Elton John & Kiki Dee - Don´t Go Breaking My Heart (1976)

    06 Rolling Stones - Miss You (Special Disco Version, 8:37 Minuten) (1978)

    07 Rod Stewart - Da Ya Think I´m Sexy (1978)

    08 Ian Dury & The Blockheads - Hit Me With Your Rhythm Stick (1978)

    09 Toto - Georgy Porgy (1978)

    10 Blondie - Heart Of Glass (1978)


    Und als geborener Österreicher die beiden persönlichen (stilistisch passenden) Zugaben:


    Wolfgang Ambros - Nie und nimmer (1979)

    Udo Jürgens - Ich weiß, was ich will (Maxi Single Version, 8:18 Minuten) (1979)


    Demnächst dann weiter, die Liste geht bis 2019, da habe ich noch viel zu lernen.

    Gestern noch:



    Claude Debussy: La Mer


    Klavierduo Hélène Mercier und Louis Lortie

    Transkription für 2 Klaviere: André Caplet


    Leonard Bernstein

    New York Philharmonic


    Persönlicher Höreindruck: 1:0 für die Originalfassung, noch so gutes, perfekt aufeinander abgestimmtes Klavierduospiel kann die phantastischen Orchesterfarben nicht ersetzen, trotz des etwas versunkenen Bösendorfer-Klavierklangs.

    Ildebrando Pizzetti


    Er schrieb 11 Opern

    Lieber b-major, lieber Maurice, lieber Agravain und einige andere, ich finde es großartig, dass Ihr oft, beim Jazz genauso wie hier und an anderen Orten, zu den gehörten Aufnahmen ein paar Informationen zusätzlich gebt, biografisch und/oder zu den Werken selbst. Vielen Dank an dieser Stelle wieder einmal dafür!


    Herbert von Karajan hat als Direktor der Wiener Staatsoper ja eine der Opern Pizzettis dirigiert.