Beiträge von fahl5

    Oh wenn wir schon mal bei "interessiert, wenn keine anderen Aufnahmen vorhanden sind", dann gäbe es also für einen wesentlichen Teil meines Projektes doch eine Übereinstimmung darüber, dass "tendenziell sinnlos" wohl eher tendenziell ziemlicher Quatsch ist.
    Das einzige was dann überhaupt "tendenziell sinnlos" ist sind dann ja wohl vor allem diese immer wieder aufgewärmten "echt/nicht echt", "Maßstab", "konkurrieren", "Simlation" etc.bla bla Debatten .
    Ich wusste eines Tages kommt die Einsicht dann doch...

    Zitat

    tendenziell für sinnlos

    Oh, da waren wir allerdings doch schon um einiges weiter.
    Und so eindrucksvoll einschüchternd oder absolut mehrheitlich sind jene, die derlei hier versuchen auszubreiten nun wirklich nicht.
    Da gibt es sowohl im hiesigen als auch vorhereigen Thread genug, die sich zu einer "tendenziell" weitaus differenzierteren Würdigung durchaus getraut haben.
    Soll ich Dir wirklich nachlesen helfen?

    Das Quadrivium ist der übergeordnete Teil der Septem Artes Liberalis, die das Bildungswesen des Mittelalters bis in die frühe Neuzeit beherrschten und in wesentlichem auf antiken Vorstellungen basieren, weit vor der theoretischen Durchdringung und Verschriftlichung des monastischer Choralgesangs. Wenn ich das recht erinnere war Augustinus z.B. nicht nur sehr ärgerlich über jedes lüsterne Spielen von Instrmenten und Klängen in der Kirche, sondern ging wie die Musikgelehrten vor ihm und noch Jahrhunderte nach ihm, maßgeblich von einer allem übergeordneten musica coelestis aus, deren angenommener Vollkommenheit und Harmonie der Mensch in erster Linie mit seinem ganzen Leben sittlich nachzueifern habe und dem gegenüber jeder klingende Ton eigentlich überhaupt nur oberflächlich frivoler Abklatsch sei. - Wie gesagt: auch nicht unbedingt meine Vorstellung, aber doch für Jahrhunderte unsere Musikgelehrsamkeit bestimmend. Derlei findet sich wenn ich das recht erinnere noch bei Musikgelehrten des 16. Jahrhunderts.


    Tatsächlich haben es dann bekanntlich nicht nur die Instrumente bis in die frühe Neuzeit gebraucht um das Odium des damit assozierten unsoliden fahrenden Gesindels los zuwerden um zunächst nur als Ersatz für Gesangstimmen ihren Weg in unsere gehobene Musikkultur zu finden.


    Wie ich sehe haben es die Rechner heute (zumindest bei den Cappriciosi) offennbar auch nicht viel leichter...

    Hallo Christian,
    Mir liegt es fern, irgendwem hinreinreden zu wollen wie seine Musikalischen Grundüberzeugungen zu sein haben.


    Für mich persönlich ist das was ich musikalische imaginieren kann (um "vor"-Silbenspiele zu vermeiden), tatsächlich wesentlich sowohl für den schöpferischen und interpretierend nachschöpferischen Teil der Musik als auch für den hörenden Nachvollzug. Denn auch für den Hörer ist das Spiel mit der Antizipation möglicher Fortsetzungen z.B. bei der klassischen Sonatenhauptsatzform wesentlich und immer wesentlich an die Fähigkeit gebunden, Musik vor ihrem erklingen imaginieren zu können.


    Ich möchte niemanden absprechen, dass ein gelungenes Konzert eine wunderbare Gelegenheit zur Kommunikation solcher musikalischen Imagination sein kann. Jeder weiß aber, dass Konzertee nicht per se gelingen und etliche weniger geglückte auch überflüssig sind wie nur was.


    Ich persönlich sehe für mich aber heute auch durchaus andere interessante Formen um musikalische Imagination zu kommunizieren, die ebenso wenig wie irgend ein Konzertbetrieb für sich per se absolute Perfektion oder garantiertes Gelingen beanspruchen können, wie jede andere Form des Musizierens.


    Es hat hier zurecht jemand darauf hingewiesen, dass auch vor der Nutzung des Rechners für musikalische Zwecke ganz verschiedene Formen musikalischen Denkens gegeben hat deren eigene Berechtigung man kaum mit Hinweis auf ein behauptetes Primat irgend eines Konzertbetriebes bestreiten kann.


    Wer sich etwas mit der Geistesgeschichte der Musik auskennt, weiß ohnehin, das die Musik als Teil des Quadriviums schon lange vor überhaupt jedem auch nur irgendwo hörbaren Klang in aller erster Linie eine der höchsten Disziplinen des abendländischen Denkens war und dieses allen weltlichen Lärm übersteigende Primat gegenüber dem seinerzeits lange eher herablassend bedauerten Geschäft der Spielleute bei den Musikgelehrten auch über Jahrhundert behielt.


    Auch wenn sich die Zeiten und Einstellungen seither wesentlich geändert haben, hat es nicht nur eine Berechtigung in diesen historischen Vorstellungen gegeben, wir können auch davon ausgehen, dass sich auch die unsere Zeiten beherrschenden Vorstellungen und Grundüberzeugungen weiter ändern werden. Dass die Möglichkeiten digitaler Technik da völlig folgenlos daran vorbei gehen sollten,, halte ich für ziemlich unwahrscheinliche bis vollkommen ausgeschlossen.



    Hallo Jürgen,
    Einen Teil der von Dir genannten Libraries habe ich ohnehin und tatsächlich auch in einigen Aufnahmen erprobt, ob ich möglicherweise mit der Kombination verschiedener Libraries besser arbeiten kann. Ich sehe das derzeit ehrlich gesagt nicht.


    Abgesehen, dass ich ohnehin etwas genervt reagiere, wenn man Pauschalbefunde über 70 Stunden Musik formuliert und dafür auch noch irgend welche Mehrheiten beansprucht, statt einfach zu sagen, in welcher Aufnahme genau einem was genau gefällt und was nicht, ist es in Bezug auf die Raumakustik wirklich ein ziemliches Problem allgemein über "meine Produktionen" zu reden, da sie was die Orchesteraufnahmen angeht sich über eine Reihe von Jahren verteilen, und jede Aufnahme fast immer wieder vollkommen neue technische Voraussetzungen hatte.


    Und nochmal ich kann und will mit meinen Mitteln nichts ersetzen oder von irgendwem irgendetwas anderem gegenüber vorgezogen werden. Was soll ich dagegen haben, wenn andere wie auch immer guite Musik machen. Ich nehme derzeit außer im Bereich der Klaviermusik und einzlnen Übungsaufnahmen wennn ich mich mit neuen Besetzungen oder Libraries befasse nicht systematisch Standardrepertoire auf, sondern nutze meine Möglichkeiten primär dafür, so gut ich kann um Dinge zu machen, die mich musikalisch interessieren und da gibt es dann eben einfach oft rein überhaupt nichts, was da auch nur irgendwer vorziehen könnte. Mag der Klassik-Betrieb doch seine "besser als - schlechter als" Spielchen treiben. Mir fehlt daran ehrlich gesagt nun wirklich jedes originär musikalische Interesse.


    gruß
    fahl5

    Hallo Jürgen,

    Ich kann mich erinnern, dass ich damals, als ich spaßeshalber etwas Ähnliches versucht habe, für knapp eine Stunde Musik ca. ein halbes Jahr gebraucht habe. Und das Ergebnis war noch ziemlich bescheiden, ich hätte da auch locker die doppelte Zeit reinstecken können.

    Also nehmen wir an, dass ich die letzten 10 Jahre an diesen knapp 70 Stunden gearbeitet habe.
    Dann müsste das was du in einem halben Jahr an einer Stunde Musik genacht hast, also rein rechnerisch demnach ca. 3,5 mal so gut gelungen sein, wie alles was du auf klassik-resampled.de hören kannst. Kannst du das bestätigen? Es wäre für mich sicher wirklich sehr lehrreich, so hochwertig produzierte Musikprodktionen hören zu können. Oder könnte es sein, dass du auch einen guten Teil dieser Zeit gebraucht
    hast, um überhaupt deine erste Erfahrungen im Umgang mit einer für solche Aufgaben Dir noch ungewohnte Technik
    zu sammeln, die natürlich nicht mehr anfällt, wenn man überJahre
    regelmäßig in dieser Weise damit arbeitet.


    Interessanter als summarische Mutmaßungen über nicht ganz 70 Stuinden, die hier ja
    wahrscheinlich doch wohl noch keiner überhaupt auch nur einmal gehört
    hat, fände ich ehrlich gesagt, konkrete Aspekte im Vergleich mit entsprechenden traditionellen (Youtube)Aufnahmen zu diskutieren, in denen z.B. der eine oder andere findet, dass in bestimmten Aufnahmen von mir mehr Arbeit zu investieren wäre, um das Niveau der jeweiligen konkreten Youtube.Aufnahme zu erreichen.


    Hallo Christian,
    Ich finde da hört sich doch manches schon um einiges differenzierter und verständiger an.


    Dass du allerdings eine Komposition als "überhaupt kein klingendes Gebilde" bezeichnest, scheint mir nicht nur der über jahrhunderte erbrachten immensen Leistungen der Komponisten unserer Tradition gegenüber nicht ganz angemessen, nicht zu letzt deswegen, als wohl jeder ernstzunehmende Komponist unabhängig von jeder Vortragssimultaneität durchaus von einer klaren und überzeugenden "Klangvorstelllung" ausgeht.


    Kein Dirigent würde ohne hochrot zu werden von sich behaupten, er würde nicht schon angesichts einer Partitur auch schon einen entsprechenden Klang hören und sei tatsächlich darauf angewiesen, dass ihn seine Orchestermusiker erst darüber informieren, worum es in der zu interpretierenden Partitur überhaupt geht.


    Kurz, nach meiner bescheidenen Einschätzung, hängt die musikalische Vorstellung, die jede Interpretation allein zusammen halten kann nicht vom Vortrag ab, sondern der Vortrag eher von der musikalischen Vorstellung, die selbst z.B. bei der Komposition eben auch ganz unabhängig vom Moment der Aufführung entwickelt und ausgestaltet werden kann und muss


    Gruß
    fahl5

    Hallo zabki,
    Ich sehe große Parallelen zum Orgelspieler hinsichtlich der "Organ"isation komplexer musikalischer Partituren durch (bei der Orgel noch technisch ziemlich schlicht) abrufbare Klnagereignisse.
    Der Hinweis auf die Midi-Orgeln ist wirklich interessant, insofern damit auch die von manchen offenbar zur eigentlichen Kriterium musikalischer Gestaltung erklärten Simultaneität aus dem "Spiel" ist.


    Ich denke, dass die hohe (für mein Gefühl zu hohe) Bewertung der Simltaneität aus der Sicht des klassischen Instrumentalisten verständlich ist.
    Sie übersieht aber vollkommen, dass gerade in der klassischen Musik am Anfgang jedes originär musikalischen Schaffens genau diese Simultaneität praktisch überhaupt keine Rolle spielt:


    Bei der Komposition, die allein schon durch die Anfertigung des Notentextes und Aufführungsmaterials zumindest in der abendländischen Kunstmusik diese Simultaneität vollkommen ausschließt.
    Die Bearbeitung einer Interpretation auf der Ebene von Mididaten und Samplezuordnung verschiebt den Charakter der interpretierenden Gestaltung eher in die Nähe des Kompositionsprozesses.


    Zumindest in meinen Augen widerspricht das "dem Wesen von Musik"... "im Grunde überhaupt" nicht.
    Aber das ist bekanntlich eine individuell ganz unterschiedlich beurteilte Frage.


    gruß
    fahl5

    Hallo Christian
    Das hier ist ein durchaus sehr interessanter Irrtum über einige nicht unwesentliche "Tatsachen":

    Zitat

    Hier ging es aber um manuell per Software erstellte Musik, und das ist etwas völlig anderes, denn da fehlt wie gesagt die Wechselwirkung zwischen Hören und Reagieren, die zu jedem Musizieren dazugehört.

    Tatsächlich ging mein Projekt von vier Projekten aus, die ebenso konventionell am Instrument von mir einstudiert wurden, wie sie im von Jürgen genannten Sinne dann in "Echtzeit" mit dem Klang der betreffenden Sample auf dem Kopfhörer über ein Yamaha-Midi-Klavier"eingespielt" und dann (wie bei den Welte Mignon Aufnahmen) nachträglich gestaltend weitereditiert wurden. Wenn du einfach die paar Inforrmationen auf meiner Seite gelesen hättest, wärst auch du darüber informiert ("http://klassik-resampled.de" => Information =>Digitale Interpretation =>Interpretation):

    Zitat

    Einige hier zu hörende Aufnahmen (Bach WTK 1,& 2, Haydn , Liszt, Messiaen ) sind am Midikeyboard wie an einem Klavier real gespielt und die dabei aufgenommenen Mididaten danach editiert worden.

    Am Ausgangspunkt stand also genau diese Art "Einspielung" in "Echtzeit" und deren Bearbeitung.


    Ich habe Verständnis dafür, dass jemand, dem die Erfahrung fehlt auf diese Weise klassisches Repertoire im midieditor bearbeitet zu haben, als rein theoretische Überlegung einen kategorischen Unterschied annehmen wird.
    Ich habe auch Verständnis dafür, dass sich man sich ohne entsprechende eigene Erfahrung nicht vorstellen kann, dass es eine andere als die eigene vertraute gestalterische Wechselwirkung von Klang und Gestaltung sinnvoll geben kann. Meine realen Erfahrungen waren aber eben doch durchaus anderer Natur.


    Hinsichtlich der Umsetzung gestalterischer musikalischer Intentionen habe ich den Schritt von der Tastatur tatsächlich nicht als kategorischen sondern vielmehr als graduellen Unterschied erlebt, der die eigentliche Gestaltungsaufgabe nach meiner ganz realen Erfahrung nicht in dem von Dir angenommenen Maß tangiert. Wesentlicher als das Maß an Echtzeitreaktionen, erwies sich mir tatsächlich schlicht die Gestaltung der jeweiligen musikalischen Gedanken eines Stückes, ganz unbenommen davon, wie gut oder schlecht man die von mir erzielten Ergebnisse beurteilen mag, schon gar wenn gerade hinsichtlich der Klaviermusik auf klassik-resampled.de deine bislang formulierte Beurteilung von durchaus vielen in so nicht geteilt wird.


    gruß
    fahl5

    Hallo Gurnemanz,


    Ich habe Christian nicht zitiert.
    Der von Dir zitierte Satz ist eine Frage kenntlich am Satzendzeichen, die signalisiert, dass es mir persönlich fraglich erscheint, ob die von mir zuvor hinsichtlich des Unterschiedes der verschiedenen Fomen Musik hervorzubringen zusammengefassten Aspekte wirklich ausreichen, um auch nur irgendeine grundsätzliche, kategorisch Ablehnung oder Herabsetzung der von mir verfolgten Form der Hervorbringung von Musik damit zu rechtfertigen.


    (Abgesehen von chKöhn's ersten gleich sachfremd und ausschließlich gegen meine Person als solche gerichtete herabsetzenden Auslassungen ) erkenne ich persönlich in chKöhn's Formulierung, die von mir verfolgte Praxis, Musik am Computer hervorzubringen widerspreche "im Grunde überhaupt dem Wesen von Musik " , durchaus eben eine solche grundsätzliche kategorische Ablehnung der hier diskutierten Form Musik hervorzubringen.


    Dies sei chKöhn ja persönlich unbenomen.
    Ich habe mit dieser Frage und meiner eigenen Antwort darauf lediglich darauf hingewiesen, dass ich in diesem Punkt wesentlich anderer Ansicht bin.


    gruß
    fahl5

    Hallo Christian,
    Ich bin ganz deiner Meinung, dass es ein Unterschied ist, wenn man eine Komposition spieltechnisch und interpretatorissch studiert um damit vorzubereiten, sie in Echtzeit vorzutragen, oder wenn man sie nur interpretatorisch studiert und technisch einrichtet um diesen Musik dann einfach einmal hören zu können.


    Der Unterschied besteht ganz sicher in vielen Einzelaspekten, die an den Vortrag in Echtzeit gebunden sind, die dem Vortrag der Komposition durchaus zuträglich und bereichernd sein können z.B. hinsichtlich der kommunikatorischen Aspekte, die sich aus der Vortragssituation ergeben oder der Simultaneität von Gestaltung und Wahrnehmung des Gestalteten.


    Ich habe gerade bei jenen deren musiikalische Praxis in hohem Maße mit dem musikalischen Vortrag verbunden ist, und dazu gehhören sicher die aller meisten Instrumentalisten, diese Aspekte unverzichtberer Teil ihres Musikverständnisses sind.


    Ich würde und werde nicht behaupten, dass meine Weise Partituren zu realisieren, diese Aspekte enthält.
    Aber reicht das aus, um alles was ich mache kategorisch als nichtig, wertlos, keine Musik etc zu behandeln?
    Ich denke dass es Dich nicht überrascht, wenn ich das anders sehe.
    gruß
    fahl5

    Aaaaaaargh, jetzt habe ich eine Idee für Sample-Datenbank.
    Garage-Band müsste reichen, aber - gibt's eine Sample-Datenbank gratis online?
    :whistling:

    Ich nehme an für Orchester.
    Rudimentäres gibt es schon in Finale (in etwas Garritan Niveau)


    Vielleicht dies hier
    - Total Composure Orchestra 1,5 Gb, wenn du NI/Kontakt hast (habe ich aber nicht getestet)
    "http://download.cnet.com/The-Total-Composure-Orchestra/3000-2170_4-75807687.html"


    - Sonatina (440mb Soundfont)
    "http://sso.mattiaswestlund.net/"


    - Philharmonia allerdings nur in Form von Rohaudios, die man selbst zur Library zu sammenbauen muss.
    gezippt hier "http://www.mediafire.com/download/7ysbgzwaa0kucb7/Philharmonic_Orchestra_Samples.zip"


    Ich fürchte aber da gibt es schon gewisse Einschränkungen in den Mäglichkeiten im Vergleich mit VSL
    Gruß
    fahl5

    Wow das fängt ja langsam an richtig Spaß zu machen. wie hier diskutiert wird.


    Hallo Putto
    Ich denke du hast einen großen Teil ziemlich gut beschrieben. Tatsächlich ist der auf Orchestersampels gerichtete Teil der Computermusik wirklich nicht so sehr auf Erprobung neuer digitaler Audiotechnik als solche gerichtet, sondern wie VSL selbst es formuliert hat, setzt sich eine möglichst detaillierte und genau digitale "Imitation" des klassischen Instrumentariums zum Ziel.


    Wie gesagt, da spielt Skripting zur Organisation eben all dessen was in einer einzelaufnahme nicht adaequat abzubilden ist eine viel größere Rolle. Die Möglichkeit da heute tatsächlich über eine Millionen Orchestersamples zu haben und diese zu organisieren ist tatsächlich eine andere technische Herausforderung als die Klangbeeinflussung. Dass dies aber mit durchaus originär Softwareseitigen Mitteln überhaupt erst zu bewältigen ist würde ich schon als eine Computerspezifische Technik ansehen, die über die Möglichkeiten des Tonbands weit hinaus gehen. Lediglich was eben den physikalischen Charakter der jeweiligen Aufzeichnungen/Samples angeht, tendiere/t ich(man) wohl eher dazu die ursprünglichen Aufnahmen möglichst unbeeinflusst zu halten.


    Ja, je größer die verfügbare Anzahl Samples ist, umso anspruchsvoller auch die Arbeit damit, auch wenn ein guter Teil dieser Millionen von Samples gleich in Patches organisiert sind, bei denen der Nutzer mithilfe der verschiedenen Layer klangliche Veränderungen gestalten kann, ohne dafür selbst immer umständlich zwei passende Samples zu suchen und dann überzublenden (was er natürlich auch kann). Auch die erforderliche Rechenpower und Hardware liegt (zumindest beim vollen verfügbaren Umfang) immer noch deutlich über dem was normale PC's leisten müssen.


    Da ich praktisch alles von VSL habe, habe ich ziemlich schnell die Notwendigkeit gesehen, mir die vielen (selbst in den oft bereits zahlreiche Sampledetails und varianten umfassenden) Patches systematisch so zu organisieren, dass sich aus verschiedenen auf bestimmten Klangmerkmalen bezogene Midchannels zur Patchauswahl eine art Multidimensionale Matrix ergibt, in deren Zusammenspiel verschiedener Auswahlentscheidungen ich dann ohne viel wühlen zu den passenden unter tausenden verfügbaren Patches komme. Ich habe nicht behauptet, dass es trivial ist eine leistungsfhige Samplelibrary zu bedienen. - Jedes Instrument hat eben seine eigene Herausforderungen auch der Musik-PC.


    Was du "nicht verstanden" hast ist eine wohl zu flüchtig geratene Eklärung eines Aspektes der jüngsten VSL Streichersamples (Dimensionstrings). Das sauber zu erklären, ist eine Menge Stoff und mit etwas Geduld auf der VSL-Seite sicher besser dargestellt, als ich das hier kann. Kurz: Es ist die Idee den Klang einer Instrumentengruppe klang nicht mehr als ganzen zu samplen, sondern zugleich individuell zu mikriphonieren und durch individuelle Samples für jeden Instrumentalisten seperat gestalten zu können. Das zielt besonnders auf das lebendige einer zusammenspielenden Instrumentenguppe, das hier in ganz anderem Maße als früher mit dem Sample der gesamten Grruppe abgebildet wird. Aber für weitere Details bitte lieber hier mal nachsehen "http://www.vsl.co.at/de/65/71/2523/2171.vsl".


    Du fragst nach eine einigermaßen gelungenen Solostreicheraufnahme. (Bei den kritischen Ohren hier, will ich ja nicht unbescheiden werden)
    Ravels "Tzigane" für Geige und Lutheal
    Man findet die Aufnahmne hier "http://klassik-resampled.de/ravel".


    Ravels Tzigane ist ursprünglich nicht für Geige und Klavier komponiert sondern für Geige und "Lutheal". Das ist ein von einem Belgischem Klavierbauer inder 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts entworfene Form eines Flügels mit verschiedenen Effektzügen. Ein bisschen vielleicht zwischen Cembalozügen und Cages Klavierpräparationen angesiedelt. Der damit u.a. erreichbare Zymbal-Charakter hat Ravel sehr passend für Tzigane gefunden und dieses Stück modernisiertes Zigeunerklischee damit versucht authentischer klingen zu lassen. Leider gibt es von diesem Instrument überhaupt nur noch ein einziges Exemplar im Musikinstrumentenmuseum in Brüssel (MIM). Die Leute da haben wirklich keine Lust, das Instrument in der Weltggeschichte herrumreisen zu lassen. Daniel Hope hat - wie mancher weiß - daher versucht, sich etwas ähnliches nachbauen zu lassen, mit nach meinem Eindruck nicht so überragendem Erfolg. Das MIM entschloss sich deswegen vor einiger Zeit, die Firma Realsamples ein Sampleset dieses Intstrumentes anfertigen zu lassen, das ich so ziemlich als erster auf meinem Bildschirm hatte, weil ich fast alle Klangbeispiele für realsamples zu verantworten habe.
    Natürlich konnte ich der Versuchung nicht widerstehen dann auch Tzigane damit zu machen, obwohl es als Klangbeispiel für die Werbung wirklich super ungeeignet ist, da die Geige erstmal minutenlang Solo spielt, und man erst nach langer Zeit überhaupt etwas von Lutheal hört, und das dann doch immer nur begleitend.


    Dass die Aufnahme aber nicht ganz Mist sein kann, habe ich gemerkt, als mir die Californischen Sample-Produzenten "EastWest"daraufhin mir das klassische Demo für ihre Sologeige anvertrauten. (Die Tzigane-Aufnahme ist aber wohl interessanter). Die Aufnahme ist auch kein so schlechtes Beispiel für einen sinnvollen Einsatz von Sampleinstrumenten (hier das Lutheal), die anders kaum mehr zugänglich sind.


    @ Kompositionen, die unsere Interpreten überfordern
    Das sehe ich auch als einen guten Grund für die Verwendung von Samples an. Beispiele sind nicht nur Nancarrow auch Nicodés Symphonien "Das Meer" und "Gloria!" gehören absolut in diese
    Kategorie und ich habe den Eindruck, als wenn Klengel es seinen Pianisten auch nicht gerade leicht gemacht hat. Kurz derlei Repertoire sehe ich schon bevorzugt und ausgesprochen gerne als "mein Revier" und denke da auch noch einige Sachen für die nächsten Jahre auf dem Stapel zu haben.


    Hallo Christian
    Vielleicht kriegen wir das ja doch mit dem Gedankenaustausch hin, daher versuche ich mal ob wir da nicht die Vorzeichen gleich so setzen können, dass Missverständnisse ausgeschlossen sind:

    Zitat

    Wenn ich mir jetzt wieder vier oder fünf Beispiele vornehme, wird mir garantiert erneut vorgehalten, dass es ja über tausend gibt, dass ich zu pauschal und gleichzeitig (!) zu detailliert kritisere, dass man sich nur wundern kann, wie jemand mit meinem beschränkten Horizont es überhaupt in der Musikwelt zu irgendetwas gebracht haben kann usw. ;+) . Das brauche ich nicht noch einmal.

    Wenn du Dir vier oder fünf Beispiele vornimmst und daran belegen willst, dass der Computer kein Instrument ist und dass, was ich damit so an Aufnahmen produziert habe einfach alles und grundsätzlich keine Musik ist. Sei Dir das doch unbenommen. Ich denke niemanden hier wird es überraschen, wenn dies vielleicht deine Einstellung sein mag, für die du eintrittst, so wie andere möglicherweise in diesem oder jenem Punkt einfach anderer Ansicht sind.


    Trotzdem ist es sicher lohnend vor der Fomulierung der Kritik alles den inneren kategorischen Imperativ testen zu lassen, ob du selbst eine Kritik in der Form in der du sie formlierst und in den Schlussfolgerungen, die du daraus ziehst deinen eigenen Leistungen gegnüber als respektvoll empfinden würdest. Ich glaube das wird umso leichter, je besser erkennbar ist, dass es sich um deine Sicht auf sicher interessante Detailbeobachtungen handelt und deren Bewertungen nicht automatisch von allen als "objektive" Sachverhalte angesehen werden müssen.


    Ich denke, dass uns allen klar ist, dass die Art in der ich mich musikalisch betätige, in für dich wesentlichen Punkten offenbar völlig inakzeptabel, total wertlos etc. ist. Ich denke sobald erkennbar ist, dass es da möglicherweise unterschiedliche Ansichten geben könnte, die man bei allen Meinungsunterschieden zumindest respektieren kann, wird es schon ein ganzes Stück leichter sich auch über kontroverse Fragen auszutauschen.


    Das nach dem missglückten Start hier doch zu erreichen, war eigentlich mein Hauptinteresse an dem Versuch den Thread neu zu starten, und wenn sogar wir beide das hinkriegen sollten, wäre ich da schon ziemlich froh darüber.
    Gruß
    fahl5

    Hallo mootian hallo Symbol,
    Ich glaube mootian, Symbol hat hier schon bewusst darauf hingewiesen, dass er hier keine Wertung mit seiner Unterscheidung verbindet.
    Insofern kann ich seine Unterscheidung eigentlich ziemlich gut nachhvollziehen.
    Das mit der Leihmutter klingt jetzt vielleicht deshalb etwas unpassend, weil das für sich ein wikrliches doofes Randphänomen des eigentlich menschlich verständlichen Kinderwunsches ist.


    Ich glaube wir kommen vielleicht mit der Analogie zur Arbeitsteilung der Manufakturen weiter. Natürlich bestand bis dahin auch die Ehre jedes Handwerksmeisters darin vom rohen Holz bis zum fertigen Schrank alles aus einer Hand selbst gemacht zu haben. Er hatte dann einfach alles selbst geschaffen und stand dafür gerade. Finde ich gut. Ich denke im guten Sinne verkörpert ein guter Instrumentalist auch diese Fähigkeit eine ganze Menge Einzelaufgaben in seiner Interpretation zusammenzuuführen.


    Dass nun mein Vorgehen den Arbeitsschritt die einzelnen Töne hervorzubringen ausgesucht guten erfahreren Instrmentalisten überlässt, die auf sehr guten Instrumenten ihre Arbeit gut machen und an den Toningenieur weitergeben, der daraus mit dem Softwareentwickler Samplelibraries maccht, heißt natürlich nicht, dass ich die musikalischen Entscheidungen wie meine Aufnahme klingen soll jemandem anderes überlasse der dann wie eine Leihmutter ein fremdes Kind austrägt, für mich die Musik spielt.


    Aber es ist natürlich anderesals beim Instrumentalisten, der alle sein Instrumentbetreffenden Gestaltungsentscheidungen während er spielt selbst trifft.
    Ich denke in dieser Hinsicht, ähnelt die Arbeit mit Samplen vielleicht eher dem Spiel ander Orgel. Früher mussten da auch andere Pumpen für den Organisten, der genauso an einem "Keyboard" saß wie ich heute an einer PC-Tastatur (bloß dass ich auc noch eine Maus habe). Auch der Organist hat unterschiedliche ihm vom Orgelbauerbereit gestellte Klänge lediglich organisiert, von denen etliche tatsählich durchaus schon als imitationen anderer "echter" Klänge verstanden wurden.


    Symbol wird jetzt natürlich einwenden, dass dem Organisten immer noch die Simultaneität von Ausführung und Klang bleibt. Ja, das stimmt und genau in diesem Punkt ähnelt mein Vorgehen dann eher dem Studiomusiker und Tonmeister (oder auch der späte Glenn Gould), der gemessen an der vorliegenden Aufnahme weitere gestalterische Eingriffe vornimmt.


    (So absurd die Idee auch irgendwie war, als völliger Gould-Höriger habe ich selbst sein Klaviermeistersingervorspiel gemocht, ganz egal wie es auch immer zustande gekomen sein mag. - Vielleicht fehlen mir deshalb ja heute alle Hemmschwellen beim Umgang mit Sampülelibreries....)


    gruß
    fahl

    Hallo Putto,
    Sorry ich wollte auch deine Kenntnisse nicht in Abrede stellen.
    Ich glaube da haben sich unsere letzten Postings etwas überschnitten. Es kann also sein, dass ich vielleicht schon beantwortet habe, wonach du gefragt hast.


    Ich versuche das trotzdem noch einmal zusammen zu fassen.
    - Ich neige dazu so wenig wie nur irgend möglich äußeren Einfluss auf die Klanggestalt von Samples nehmen zu wollen. Daher ziehe ich es vor wenn ich Patches habe, die für eine bestimmte Note einen bestimmten Verlauf schon als solchen vom Cellisten aufgenommen bieten.
    - Die zweite Wahl ist es die per Crossfade die "Intensität" über Midichannel zu modulieren. Wie gesagt da habe ich etwas mehr Kontrolle über den tatsächlichen Verlauf.
    Vor Änderungen an der Lautstärkeregelung scheue ich sehr zurück. Das ist höchsten bei Dynamischen Entwicklungen wo "nichts anderes mehr hilft" um zu einem bestimmten Klang zu kommen sozusagen die letzte Rettung.


    Auch wenn ich natürlich auch in jedem Sampler den Klang mit Filtern oder Equalizern malträtieren könnte, hasse ich das so, dass ich das soweit ich weiß eigentlich nur ein einziges Mal überhaupt gemacht habe. Dieses einzige Beispiel war eine Sologeigenpassage im 2. Orchesterstück op.6 von Alban Berg, vor ca. 7 Jahren, als die VSL noch keine Samples für Solovioline mit Dämpfer hatten - (Mir schauert jetzt noch vor derart brachialen Eingiff in den Klang der Samples).


    Prinzipiell kann man natürlich mit Samplen alles machen, was einem Syntheziser so alles zu einer reinen unmodulierten Klangwelle einfällt. Der Native-Instruments-Sampler-Kontakt ist da besonders offen für wirklich jede nur irgend erdenkliche Einflussnahme.


    Bei Orchestersamples ist es soweit ich sehen kann wohl eher Usus lieber so wenig wie irgend möglich an der Originalufnahme schrauben zu wollen. Daher hat sich da auch meines Wissens kaum irgendetwas über die Aufnahme hinausgeehendes etabliert (Abgesehen von der mikrotonalen Alteration der verschiedenen Intonationsphasen der einzelnen Instrumentalisten in den "Dimensionstrings", einer Streichersammplelibrary in der man von Einzelaufnahmen jedes Streichers des Ensembbles im Gesamtklang aus geht und so auch bewusste und unbewusste Differenzen zwischen den Musikern einer Stimmmgruppe bis auf den einzelnen Instrumentalisten abbilden kann) .


    Wichtiger ist eher das "Scripting" was die sinnvolle Kombination von Samples z.B. bei Legatospiel bewerkstelligt.
    Das ist aber weniger ein Eingriff in das jeweilige Klangspektrum der Samples.


    Etwas ganz anderes ist das beim "Physical Modelling" (z.. synful orchester, pianoteq Klaviere) das zwar ohne zugrundeliegende Samples trotzdem wirklich erstaunliche gut erkennbare Ergebnisse hervorbringt, für meinen persönlichen Geschmack aber mindestens noch soviel digitalen Nachgeschmack enthält, wie ihn hier viele bei den Samplerealisationen empfinden.


    Ich hoffe ich konnte deine Frage einigermaßen beantworten.
    Gruß
    fahl5

    Hallo Putto,
    Wie gesagt es gibt da ganz verschiedene Möglichkeiten.
    Crossfaden ist eine Möglichkeit die mir die größte Kontrolle über den Klangverlauf gibt. Das ist z.B. hinsichtlich von Veränderungen der Klangintensität (anderes als der unmusikalischen bloßen Veränderung der Lautstärke) wirklich recht brauchbar. Ich finde es aber oft ebenfalls sehr brauchbar, dass ich eine ganze Palette an Klangverläufen in ganz unterschiedlichen Dauern habe, die als solche komplett vom Cellisten aufgenommen wurden, sowohl was z.B. ganz unterschiedliche Einschwingphasen, Crescendi- Decrescendi, Sforzandi, Fotepianos, Vibratos und deren verlauf gibt.
    Gar nicht so selten passt ein solches Sample in einen gewünschten Zusammenhang, ich ziehe persönlich dann gerne solche Samples dem eigenen Gestalten durch Crossfaden vor.
    Grundsätzlich ist beides möglich und wird auch beides von mir verwendet.
    Gruß
    Fahl5

    Hallo Symbol,
    Ich glaube da liegt doch technisch ein Missverständnis vor:

    Zitat

    Im ersten Fall wird z. B. bei einer Geige mechanisch eine Schwingung
    erzeugt, und das Bedienen des Instruments wird direkt in ein akustisches
    Phänomen übersetzt. Im zweiten Fall wird das akustische Phänomen zuvor
    programmiert und dann zu einem späteren Zeitpunkt über einen
    Lautsprecher, in dem eine Schwingung erzeugt wird, ralisiert.

    Programmiert wird die Schwingungserzeugung bei Samplelibraries nicht. Den Samplelibraries liegen vielmehr Aufnahmen zugrunde die z.B.die von "einer Geige mechanisch erzeugten Schwingungen" einfach nur sowiedergeben, wie sie aufgenommen wurde. Darin liegt der wesentliche Unterschied zwischen samplebasierter Musik am Computer und einer auf Ozillatoren basierten Klangsynthese:


    - Nur in der Klangsynthese, ist die Hervorbringung der Schwingugen selbst Gegenstand der Programmierung.
    - Bei der Arbeit mit Samples dagegen wird (z.B. von mir) am Rechner lediglich organisiert, welche Aufnahme wlches Einzeltones bzw. welches Verbidungsstückes zum folgenden Ton genau wann in welcher Form wiedergegeben wird. Das eigentlich zugrunde liegende Klangereignis jedes Einzeltons aber geht auf das ganz physische Spiel z.B. eines Wiener Orchestermusikers mit seinem Instrument zurück.


    Hallo putto,
    Es liegt mir wirklich fern, dir in deine Beurteilung irgend einer Aufnahme auf meiner Seite irgendwie hineinreden zu wollen. Rein in der Sache trifft aber deine folgende Vermutung nicht zu:

    Samples sind nicht "elektronischer" als jede andere Aufnnahme eines gespielte Instrmentes, da die Aufnahme einfach so abgespielt wird, wie sie aufgenommen wird also sowohl mit samt des jeweils ganz unterschiedlichen Einschwingvorganges z.B. bei einem Portato, Marcato oder Legatospiel unterscshiedlicher Intensität als auch hinsichtlich des im Laufe auch eines einzelnen Tones vom Cellisten bereits z..B. aus Gründen der Bogenführung aber auch des musikalischen Ausdrucks veränderten Klangqualität eines Tones. Samples sind keine Wavetable, die lediglich ein Schwingungsmodell für einen Oszillator liefern, die dieser dann statisch ausführt. Es sind Aufnahmen. Außer einer breiten palette von Aufnahmen mit ganz unterschiedlicher bereits auf der Aufnahme vom Cellisten ausgeführten Klanggestaltungen, gibt es zusätzlich auch die möglickeit während des Klingen eines Tones durch verschiedene Samples dieser Tonhöhe mit z.B. unterschiedlichen Obertongehalt hindurch über zu blenden und damit auch eine physkalisch den "klanggestalterischen Möglichkeiten" z.B. des Cellisten sehr ähnliche zusätzliche frei dosierbare Modulationsmöglichkeit des hörbaren Klanges.
    Wie gesagt, das kann und soll dir überhaupt nicht was auch immer für ein Urteil absprechen, dass dein Geschmack fällt. Es ist lediglich die technische Begründung dieses Urteils, die in der Sache nicht zutrifft.



    Vielleicht hilft das ja einige Missverständnisse zu klären
    gruß
    fahl5

    Hallo Fairy Queen,
    Grundsätzlich möchte ich ausdrücklich meinen Respekt vor deiner Sicht der Dinge nicht in zweifel geraten lassen.
    Hinsichtlich deines Hinweises auf Obertöne, schien es mir so, als wenn du darin einen wesentlichen Unterschied zwischen den von Dir damit auch qualitativ unterschiedenen Formen musikalischen Gestalten mache würdest.


    Hinsichtlich einer auf Oszilatoren beruhenden Klangsynthese kann ich das vielleicht insofern nachvollziehen, als die Hervorbringung und Modulation des entsprechenden Obertonspektrums zumindest zumeist einen der schwingenden Saite oder den Luftschwingungen eines Blasinstrmentes gegenüber ziemlich anderen Charakter der Hervorbringung hat. (Es gibt allerdings durch auch Syntheseformen, die genau die physikalischen Vorgänge der Schwingungseigenschaften von Saiten und Luftschwingungen in entsprechenden Hohlkörpern nachbilden und damit auch zu physikalisch ganz ähnlich generierten Obertonspektren und Verhalten kommen.)


    Schon in Bezug auf die E-Gitarre sehe ich da wie Philmus weniger Anlass, da deren Obertonspektrum ja überhaupt erst nach der Klangerzeugung weiter alteriert wird. Es also eigentlich selbst keine synthetische oder elektronische Klangerzeugung gibt.
    Noch mehr gilt dies meines Erachtens für Samplelibraries, die ja schlicht genau das an Obertonspektrum und Verhalten zur Grundlage haben, was die klassischen Instrmente nun einmal haben, deren Aufnahmen "Samples" der Samplelibrary zugrunde liegen.


    Ist es nicht vielleicht eher so wie z.B. ein Sonnenaufgang in ansprechender Umgebung ein den ganzen Menschen erhebendes einzigartiges Gefühl auslösen kann, dessen eigenen Wert wohl niemand ernsthaft besteiten würde, ohne dass deswegen irgendwer den Maler oder Fotografen als minderwertig, "intellektuell" nicht "echt", "Simulation (Vortäuschung)" etc. abwerten würde, der mit seinen Mitteln auf dieses Erlebnis reagiert, ja vielleicht auch in dem einen oder anderen Betrachter seiner Werke wachrufen kann.


    gruß
    fahl5

    Hallo Christian,
    Ich hatte gehofft auch wir würden hier zu einem grundsätzlich respektvolleren netten Umgang kommen.
    Was genau aber dies der Sache nach zu dieser Diskussion hier beisteuert, verstehe ich ehrlich gesagt einfach gar nicht:

    Zitat

    zitat chKöhn:
    Das ist aber auch wirklich eine Pechsträhne! Irgendwie erwischen alle hier immer gerade die falschen Beispiele aus Deiner Sammlung.

    Falsch wofür genau?
    Worin genau soll nun das "Pech" bestehen, wenn ich selber eine Aufnahme nicht so gut finde, die jemand anderes auch nicht so gut findet?


    Vielleicht wäre ein etwas sachbezogenerer Beitrag doch auch besser nachzuvollziehen.


    Hallo Peter

    Zitat

    Ein Konzerterlebnis mit lebendigen Künstlern, mit denen ich in
    künstlerischer Kommunikation stehe, ersetzt sie aber mE nicht, kann und
    (nehmich an) will sie auch nicht ersetzen.

    Was mein Projekt Klassik-resampled an geht hast du vollkommen recht. Es hat überhaupt keinen Anspruch irgendetwas zu ersetzen und schon überhaupt nicht etwas, wie das Konzerterlebnis, dass ganz einfach eine vollkommen andere Form musikalischer Gestaltung ist.
    Wenn es überhaupt einen Anspruch hat, dann den mit seinen Mitteln (soweit es möglich ist) einen Beitrag zur Pflege unserer musikalischen Tradition zu leisten.


    Hinsichtlich der Musik, die man sonst einfach überhaupt nicht hören könnte, scheint das bei mehreren auch nicht so sehr in Abrede zu stehen. Das ist auch eben ein ganz gutes Beispiel dafür, das das was Klassik-resampled bietet, oft schon deshalb überhaupt nichts "ersetzen" kann, weil es das was es anbietet anderweitig überhaupt garnicht gibt.


    Aber auch bei Literatur, bei der es bereits Aufnahmen gibt, "ersetzt" Klassik-resampled genauso wenig, wie auch nur irgendeine der vielen hundert Interpretationen von Beethoven Sonaten auch nur irgend eine andere je "ersetzt" hätte.


    Jeder versucht sein bestes, jeder Hörer entscheidet selbst was ihm wie gefällt. Ich persönlich weiß zumindest ganz gut ganz verschiedene Interpretationen desselben Stückes zu schätzen, wenn sie in sich stimmig sind, ohne mir darüber den Kopf zerbrechen zu müssen, welche jetzt welche ersetzt.
    Gruß
    fahl5

    Hallo Tyras
    Vielen Dank für deine ausführliche Reaktion.
    Nur um selbst nicht zu viel Text zu produzieren versuche ich mich auf einzelne dinge zu beschränken:

    Zitat

    Nur habe ich noch nicht ganz verstanden, ob du den Computer nur als
    Instrument siehst oder ihm auch eine Interpretationsleistung zuweist.
    Bei Letzterem würde ich sagen, dass das gar nicht geht. Das macht m.E.
    ausschließlich der Verstand (meinetwegen auch: Geist).

    Dafinitiv ausschließlich als Instrument. Ich bin wahrscheinlich was die tatsächliche Gestaltung der musikalischen Ereignisse angeht sehr konservativ und liebe es da wirklich Ton für Ton selbst in den Fingern zu haben. Notationsprogramme schreiben tatsächlich für alle Anweisungen und darüber hinaus sogar einige angenommene Interpretationskonventionen in Mididaten. Ich lösche derlei alles samt und sonders bevor ich an die Gestaltung gehe und ziehe meine eigene Lektüre der entsprechenden Partitur vor.
    Wenn schon Geist, dann nur in einem lebenden Wesen, zu denen ich hoffentlich auch noch ein weilchen gehöre.


    @"per se"
    "per se" ist für mich rein gar nichts. Das was ich mache sind auch immer nur Versuche nach besten Wissen und Gewissen.


    @ "konsequent"
    Ich habe das nicht gemessen an irgend einem "Maßstab" gemeint. Ich denke die Terassendynamik des Cembalospiels oder die Unterscheidung von Figuration und motivischem Gehalt oder die Dynamische Gestaltung des Phrasenbaus würde auch jeder Pianist hinkriegen und machen. Es hat sich aber am Rechner unkompliziert ergeben, dass die Dynamischen Level sowohl komplett unterschieden werden konnten, und immer noch genug Gestaltungsspielraum war zwei weitere Strukturebenen des Tonsatzes seperat dynamisch zu differenzieren, ohne dafür Abstriche in einer anderen Ebene zu machen.


    @"Anscheinend wird es immer leichter seine eigenen Vorstellungen von einem
    Musikstück hörbar zu machen, ohne dass man dafür eine entsprechende
    Berufslaufbahn eingeschlagen hat."
    Das sehe ich nicht so. abgesehen davon, dass auch bei mir die entsprechende Berufslaufbahn hinter dem steht was ich tue, sehe ich die Aufgabe dieser Berufslaufbahn nicht zuletzt darin Schwierigkeit zu bewältigen sochen Vorstellungen in Bezug auf einen Notentext überhaupt erst einmal sinnvoll zu entwickeln. Diese Schwierigkeit stellt sich ganz unabhängig davon welches Instrument man für deren Umsetzung wählt


    @"die Wiedergabe der Struktur scheint weitestgehend der Computer zu
    bewältigen. Default-Einstellung statt Verständnis und Durchdringung der
    Musik und davon ausgehende Interpretation. Einzelne Manipulationen hier
    und dort, die man natürlich ohne Weiteres anbringen kann, sind m.E. noch
    keine Interpretation."
    Nein, das kann der Computer eben wirklich noch überhaupt nicht. Es gibt keine musikalische Defaultinterpretation, wie geagt schon gar nicht auf Klassik-resampled.de. Es geht nicht "um einzelne Manipulationen" sondern um die bewusste Gestaltung von jedem ton. Das ist einfach Arbeit, aber kein Rechner.


    @ "kein Manngel an präzision"
    Es geht aber um die Möglichkeit zu größerer Präzision. Ganz richtig: Muss man nicht, aber könnte trotzdem spannende Resultate zeitigen.


    @ Musik für Streichinstrumente, Schlagzeug & Celesta
    Ich glaube ich muss mal eine Chronologie meiner Aufnahmen aufstellen. Es gibt insgesamt weit weniger Orchestersachen von mir, und da hast du etwas ziemlich frühes erwischt.
    Ich glaube dass Nicodés Gloria dagegen in vielen Dingen schon einige Fortschritte zeigt.


    @"Na ja, einige Jahrzehnte hat maschinelle Musik, die über Möglichkeiten von Instrumentalisten hinausgeht, schon auf dem Buckel."
    Die natürlich. Ich spreche von dem Versuch die Interpretation von Werken der Tradition am Rechner, die (abgesehen von eher verzweifelten Synthiversuchen) eigentlich erst mit den ersten Anspruchsvolleren Orchestersamplelibraries überhaupt und das bis heute nur ganz spärlich ergeben hat. Das was ein Instrumentalprof mitzuteilen hat, wie konkret mit veschiedenen Spielanweisungen in verschiedenen musikalischen oder Spieltechnioschen Situationen umgegangen werden kann und muss, ist hinsichtlich der technischen Praxis noch nicht irgendwo tradiert und beadarf zweifelsohne viel zusätzliches Lernen.


    @"Das wäre sozusagen die Funktion eines verfeinerten Metronoms. Aber
    vielleicht hat die Schallplatte bei der Internationalisierung des
    Niveaus der Spieltechnik schon genug geleistet."
    Es ist schon weit mehr als nur die Mikroagogik und Mikrodynamik. Der Unterschied zu den sicher sehr anregenden Platten guter Interpreten ist, dass ich dem Rechner wirklich alles bewusst mitteilen muss. Dies kann helfen unterbewusste Konventionen und Gewohnheiten klar anzusprechen, die teils für die Interpretation unverzichtbar sind, dem Rechner aber erst mitgeteilt werden können, wenn man sich darüber klar ist, und herausgefunden hat, was da konkret in welchem Zusammenhang für Auswirkungen auf den Vortrag noch aus dem Notentext ableitbar sind.


    @ "technischer Standard für Beethoven-Symphonien"
    Die stehen wirklich bei mir gaaaanz weit hinten auf der Liste, wenn überhaupt. aber die Orchester dieser Welt spielen auch nicht alles, was einmal für sie komponiert wurde... da gibt es schon einiges sinnvoll zu tun.
    Aber dass ich rein der Interpretation wegen Orchestermusik mache, wie ich das bei Klaviermusik schon hier oder da interessant finden könnte, das sehe ich für Orchestermusik bei mir auch noch so ziemlich weit weg.




    Hallo Michael,
    Ich bin überhaupt nicht traurig sondern habe mich ausgesprochen über dein nettes Posting gefreut.
    Die Richtung stimmt absolut. Eklärungen schienen mir solange da einfach nochh so viele grundsätzliche Fragen auftauchen leider nicht ganz unumgänglich.


    Eigentlich würde ich gerne, wenn ich mal wieder ein Projekt zu einem gewissen Punkt gebracht habe derlei konkret zur Diskussion stellen.
    Ich denke, dann erübrigen sich zumindest einige Grundsatzfragen und andere wären dann auch für mich interessanter weil vielleicht konkret nützlicher.


    Danke für den Chapeau, und entschuldige vielmals, wenn meine zugegeben Lapidare verwendung des Begriffes Holz es Dir und deinem Musizieren gegenüber an Respekt hat missen lassen. Das sei mir fern dazu bin ich in dem was ich mache viel zu Begeistert von der anspruchsvollen Instrumentalmusik unserer Tradition, als dass ich mir irgendetwas jenen gegenüber herausnhmen wollte, die diese Tradition aktiv pflegen.


    Aber ehrlich gesagt klingt das von den Details, die man ansprechen und angehen könnte tatsächlich ziemlich interessant.
    Ich würde mich freuen der Diskussion diese Wendung zu geben.


    Gruß

    Hallo Norman,

    Ehrlich gesagt, ist doch klasse wenn Musiker möglichst viele Orchester spielen lassen, was sie gerade hören wollen, dann habe ich mehr Zeit dafür mit meinen Möglichkeiten die Sachen zu machen, die mich interessieren. Ich will ehrlichgesagt nichts von Pop-Produzenten und auch keinen Musikern ihre Notenpulte nehmen. Mich interessiert einfach das was ich mache und dafür finde ich persönlich die bislang erreichten Ergebnisse und Rückmeldungen auch nicht gerade all zu verheerend. (Cappricio mag zwar lebhaft sein, aber die Welt sieht schon noch ein bisschen größer aus ...)


    Hallo zabki und Philmus,


    Ich glaube ich kann nur allem beipflichten:
    Ja, Echtzeit ist etwas anderes.
    Ja, Studioarbeit geht auch über nachträgliche Hörkontrolle


    Ja Gute Liveaufführungen sind klasse, aber schlechte trotz aller "Echtzeit" Zeitverschwendung...
    Manchmal ist auch die "psychische Stabilität" eines Interpreten nicht unbedingt dem Reichttum seiner musikalischen Auffassung zuträglich.
    Dann entwickeln sich bei mir spontan Fluchtinstinkte und eine unstillbare Sehnsucht nach meinem Rechner.


    gruß
    fahl5

    Hallo Philmus,


    Ein bisschen zwischen den Stühlen stimmt...
    Aber das muss zumal für den auch gelernten Musikwissenschaftler nicht gleich auch doof und uninteressant sein.


    Ich denke ich habe u.a. mit den Erstaufnahmen von Nicodés "Gloria!" oder Klengels 120 Canons und Fugen schon an zwei "Heldentaten" gezeigt, dass zwischen den Stühlen auch Schnittmengen zu finden sind, die sonst bei den anderen immer auf die eine oder andere Weise hinten runter fallen, und ich habe noch ein paar solche Projekte im Köcher, die mich interessieren, und von denen ich weiß, dass sie (in aller Unbescheidenheit) wohl einstweilen kaum jemand anderes überhaupt jemals realisieren kann außer mir.


    Aber das ist ja der bereits mehrfach bestätigte Punkt des für mich aus der MuWi attraktiven Nutzens für die musikalische Archäologie. Ich war aber immer der Meinung, dass ich um derlei ungehobene Schätze einigermaßen präsentieren können möchte, mein "Instrumentarium" auch am standardrepertoire entwickeln bzw. schärfen muss.


    gruß
    fahl5