Beiträge von Nocturnus

    Antheil war ein Bürgerschreck und offenbar sehr erpicht auf das Prädikat "Bad Boy of Music" (so der Titel seiner Autobiographie von 1945).
    Edwin hat ja hier und anderswo immer wieder darauf hingewiesen, dass Zwölftontechnik und Tonalität sich nicht ausschließen.
    Kann man vielleicht sagen, Schostakowitsch war auf einer nichttechnischen Ebene fortschrittlich, sondern auf einer Ebene des Ausdrucks oder des Zitierens / Collagierens von Musik?


    Nur mal so als ein paar lose Gedanken.

    Lieber Tyras,


    es wäre tatsächlich ein Fortschritt, wenn als Kriterium für Fortschrittlichkeit nicht immer nur zwölftontechnische oder serielle Verfahren genannt würden. Das ist ja lange so etwas gewesen wie die Gretchenfrage: "Wie hast du's mit den 12 Tönen?" Und dann ging der Daumen entweder nach oben oder nach unten.


    Etwas von dieser einseitigen Bewertungsfrage ist sogar in deinem Beitrag noch zu spüren, wenn du von einer "nichttechnischen Fortschrittlichkeit" sprichst - als läge der technische Fortschritt in der sog. "Materialbehandlung" ausschließlich auf Seiten der Schönbergschule. Selbstverständlich ist Zitieren und Collagieren auch eine Technik. In der Romankunst des 20. Jahrhunderts ist es sogar die entscheidende Technik, die einen modernen Roman auszeichnet. (Typisch z.B. Döblins "Berlin Alexanderplatz" oder die Romane von Joyce.) Kein Literaturwissenschaftler ist da je auf die Idee gekommen, diese Verfahren als nichttechnisch zu bezeichnen.


    Also, da hat sich leider ideologisch etwas sehr verengt. Fortschrittlich ist es z.B. auch, neue Töne mit neuen Instrumenten zu erzeugen (auch elektronischen), neue Instrumentenkombinationen und damit neue Klangfarben zu wagen, der Improvisation einen anderen Stellenwert einzuräumen, und und und.


    Es kann auch schon fortschrittlich sein, den reichen Schatz volkstümlicher Musikkulturen in die klassische Musik zu tragen, wenn dies bislang nicht geschehen ist. Ich denke da ganz stark an Villa-Lobos und die südamerikanische Musikkultur.


    Grüße,
    Jürgen

    SATIE, ANTHEIL, NEUWIRTH: "KLOING" - Kölner Philharmonie, 30. Januar 2010

    Kloing!


    Marino Formenti Klavier
    Peter Plessas – IEM Graz Klangregie und Programmierung
    Lillevan Live-Film


    Erster Teil:


    Klaviermusik von Erik Satie und George Antheil


    Erik Satie (1866 – 1925): Trois Gnossiennes (1890)


    George Antheil (1900 – 1959): Jazz Sonata (1923)


    Erik Satie: Gnossienne Nr. 4 (1891)


    George Antheil: Death of Machines (1923)


    Erik Satie: Danses de travers, aus: 6 Pièces froides (1897)


    Erik Satie: Cinéma (1924), Entr’acte symphonique aus dem Ballett »Relâche«
    Fassung für Klavier solo


    George Antheil: Sonata Sauvage (1923)


    Zweiter Teil:


    Olga Neuwirth (*1968): Kloing! (2008) für computergesteuertes Klavier, Live-Pianisten und Live-Film



    Die eigentliche Entdeckung dieses Konzertabends war für mich die "Maschinenmusik" von George Antheil, von der ich bislang nur gehört hatte. Was sind das für wahnwitzige Läufe und verrückte Rhythmen! Ein deutlicher Ragtime-Einschlag ist nicht zu überhören. Antheils Klaviersonaten haben eine Collagen-artige Struktur, darin den zeitgenössischen bildenden Werken von Braques und anderen ganz verwandt. Und es sind unglaublich effektvolle Stücke, bei denen der optische Genuss der flinken, sich ständig überkreuzenden Pianistenhände den akustischen Genuss noch steigert. Marino Formenti hatte eine solche Spiellaune, dass ich bei einigen besonders artistischen Stellen auflachen musste. In Antheils Sonaten drückt sich ein futuristisches Begeistertsein von Geschwindigkeit und Maschinenlärm aus, mit ironischer Brechung.


    Saties Klavierstücke fungierten als Kontrastfolie zu Antheils Sonaten, Formenti hat sich ganz auf seine ruhigen, meditativen Stücke beschränkt, zunächst einige Gnossiennes, dann die drei "Danses de travers". Obwohl ich diese Stücke schon oft gehört habe - so frisch und neu habe ich sie noch nie gehört! Formenti nimmt Satie as slow as possible, erzeugt aber durch untrügliches rhythmisches Timing und eine geschickte Hervorhebung der rhythmischen Grundfiguren eine zauberhafte Binnenspannung.


    Die Attraktion des Abends war dann das multimediale Konzeptstück "Kloing!" für selbstspielendes Klavier, Live-Pianist und Live-Film, von Olga Neuwirth (Komponistin), Peter Plessas (Klangregie und Programmierung) und Lillevan (Live-Film). Die Kölner Aufführung war erst die zweite Aufführung nach der Uraufführung auf dem Kunstfest in Weimar 2008; nach der Konzertpause kamen noch etliche neue Besucher, die wohl eigens zu diesem Event gekommen oder angereist sind. Internationales Publikum, wie deutlich zu hören war, aber ein paar Sitze neben mir auch ein Rockmusiker in der entsprechenden Rockmusikerkluft (Strickkäppi, Jeans, schwere Stiefel), ich meinte, der könnte von BAP gewesen sein. Ein paar Sitze vor mir entdeckte ich auch den Komponisten Matthias Pintscher.


    Zuerst sah man auf der großen, hinter dem Podium aufgespannten Leinwand einen sehr informativen Film über die Geschichte der Welte-Mignon-Rollen, mit denen die selbstpielenden mechanischen Klaviere aus der Zeit vor der Erfindung der Schellack-Platte bestückt wurden. Eine Rolle mit Busoni-Klaviermusik war zu sehen und zu hören. Dann sah man zu dieser Musik ein Klavier, dessen Tasten sich selbstätig bewegten. Die Musik klang auf einmal deutlich realistischer, nicht mehr von Konserve, was sehr irritierend war. Erst nach einiger Zeit bemerkte ich, dass jetzt das elektrisch betriebene mechanische Klavier auf der Bühne zu spielen anfing - die Leinwand zeigte dieses Klavier! Im Verlauf des Stückes nahm Marino Formenti den Kampf mit diesem mechanischen Klavier auf, das teils romantische Welte-Mignon-Stücke spielte, aber dann auch die hörbar gemachten Daten eines geodynamischen Pendels wiedergab, das die Wellenbewegungen und Erschütterungen des Sumatra-Erdbebens von 2004 registrierte. Der Pianist bemühte sich, den Klängen der Natur und der Maschinenwelt, die teilweise eine überraschende Schönheit aufwiesen, "menschliche" Klänge entgegenzusetzen, was ihm deutlich misslang! Nicht nur, dass sich ihm manche Tasten einfach verweigerten, indem sie sich kurz zuvor selbst senkten und er also immer die gerade freien Lücken auf der Klaviatur suchen musste; auch die Musik, die er spielte, darunter auch die Revolutionsetüde von Chopin, war seltsam verzerrt, als hätte sich die fühllose Natur über die menschliche Phantasie gelegt und sie sich angeglichen. Olga Neuwirth hat diesen ungleichen Dialog zwischen Mensch und Natur, dessen Spielregeln die Natur festlegt, musikalisch sehr einfühlend gestaltet. Am Ende hat die Natur das letzte Wort, indem sie die gesamte Tastatur wellenhaft zum Erklingen bringt, was auch optisch sehr eindrucksvoll ist. Der gehetzte Pianist, der keinen eigenen Ton mehr spielen kann, resigniert und wirft sich flach ausgestreckt auf den Boden ...


    Wesentlich für "Kloing!" ist aber nicht nur das musikalische, sondern auch das filmische Geschehen. So wie man oft nicht sofort weiß, woher die Musik kommt - Tonband, elektrische Signale, Pianist?, genauso überschneiden sich auch die filmischen Ebenen: Zu sehen sind Welte-Mignon-Rollen, uralte Pianisten-Aufnahmen, der absurd-komische Tom-und Jerry-Film (Jerry gibt einen Konzertpianisten, Tom manipuliert das Klavier von innen) und die Live-Aufnahmen des Klaviers und des Pianisten Formenti auf dem Podium der Philharmonie.


    "Ist das denn noch Musik?", hat mich meine Begleiterin Theodora nach der Aufführung gefragt und für sich diese Frage verneint. Auch ich bin mir unschlüssig. Was ich gehört habe, war musikalisches Geschehen, aber inhaltlich nicht selbsttragend wie die Chopinetüde und die Liszt-Rhapsodie (bei Tom und Jerry), die von Neuwirth zitiert wurden. Die Musik ist hier Dienerin einer Konzeptkunst, die zu ihrer Wirkung auch auf gedankliche Durchdringung angewiesen ist. Vorbilder sind Videoinstallationen und Fluxus. Ich muss gestehen, dass "Kloing!" als Gesamtkunstwerk so auf mich wirkte, wie viele Installationen auch: zitatverliebt, medienverliebt, beliebig. Statt Inhalt nur unverknüpfte, unverbindliche Gedankenangebote, "Konzepte" eben. Das ist eigentlich sehr schade, weil das rein musikalische Geschehen alleine tragfähig gewesen wäre - der Dialog und Kampf zwischen Mensch, Maschine und Tradition, die der Mensch nicht unverändert übersteht und der er am Ende unterliegt. Die ineinander geschnittenen Filme sollten wohl dieser Grundaussage zusätzliche Deutungsebenen verleihen, aber diese unbewältigte Multimediavielfalt hat der Kunst nicht gut getan. Es wäre meines Erachtens besser gewesen, nach dem einleitenden Film über die Welte-Mignon-Rollen nur das Bühnengeschehen auf der Leinwand zu zeigen.


    Grüße,
    Jürgen


    P.S.: Noch ein paar Links. Hier das Programmheft der Kölner Philharmonie zum Download, den sehr informativen Arbeitsbericht des Klangregisseurs Peter Plessas über "Kloing!" (insbesonders über die Audifizierung der seismographischen Erdbebendaten), sowie die "Kloing!"-Einführung des Berliner Videokünstlers Lillevan.

    USTWOLSKAJA: Klaviersonaten 1-6 - Kölner Philharmonie, 26. Januar 2010

    Kölner Philharmonie, 26. Januar 2010


    Galina Ustwolskaja (1919 – 2006) Klaviersonaten Nr. 1 - 6


    Sonate Nr. 1 für Klavier (1947)
    Sonate Nr. 2 für Klavier (1949)
    Sonate Nr. 3 für Klavier (1952)
    Sonate Nr. 4 für Klavier (1957)
    Sonate Nr. 5 für Klavier (1986)
    Sonate Nr. 6 für Klavier (1988)


    Markus Hinterhäuser, Klavier



    Liebe Leute,


    dieses Konzert vom Dienstag vergangener Woche, bei dem ich mit Frank1970 war, ist nichts für schwache Nerven gewesen. Dabei sind die Klaviersonaten von Ustvolskaya nicht einmal übermäßig kompliziert gestrickt, keine Überforderung durch "zu viel Töne" findet statt. Sie sind praktisch nicht durch die westliche Moderne nach dem 2. Weltkrieg beeinflusst. Nicht atonal oder seriell also, sondern so etwas wie "modal mit vielen Dissonanzen". Aber mit solchen Floskeln ist das Eigene, frappant Originäre dieser Tonsprache nicht einmal annähernd beschrieben. Der Spezialist für moderne Klavierliteratur Markus Hinterhäuser, derzeit auch Konzertleiter der Salzburger Festspiele, hat in einem klugen einleitenden Vortrag die musikalische Position Ustwolskajas durch einen Vergleich mit Olivier Messiaen umrissen. Beide Komponisten stehen wie ohne Vorbilder dar, beide bekennen sich auch zu einem religiös-spirituellen Hintergrund ihrer Musik.


    Ustwolskajas Religiosität kann ich mir allerdings, nehme ich ihre Klaviersonaten als Zeugnis, nur als eine unbarmherzig-unerbittliche vorstellen. Diese Musik klingt nach Apokalypse, Jüngstem Gericht, Verzweiflung, Schrei nach Gnade und Buße. Allerdings auch nach einer fast übermenschlichen, kompromisslosen Selbstbehauptung. "Hier stehe ich, ich kann und will auch nicht anders." Zwar wechseln in den Sonaten gehämmerte, repetitive Staccatopassagen mit leiseren, rhythmisch flexibleren Strecken, aber auch letztere sind nicht eigentlich lyrisch, keine idyllischen Verschnaufpausen. In dieser Musik gibt es keine Erlösung, sondern nur ein trotzig-verzweifeltes Immer-weiter-Gehen, wie in einem dunklen Höhlensystem, bei dem es weder Lichtschächte noch Ausgänge gibt.


    Über die einzelnen Sonaten könnte ich nur das wiedergeben, was an klugen Worten im Programmheft steht, das ihr euch von den Seiten der Kölner Philharmonie herunterladen könnt:
    http://www.koelner-philharmoni…ogrammheft/2010-01-26.pdf
    Lest am besten selber nach.


    Das Spiel von Markus Hinterhäuser war exzellent. Er hat es hervorragend verstanden, die Spannung bis zum Ende aufrechtzuerhalten. Bei ca. 70 Minuten ohne Pause und bei häufigem Fortissimo in den letzten beiden Sonaten eine große sportliche und künstlerische Leistung. Ich fand das Konzert noch intensiver als seine CD-Aufnahme der Sonaten. Er hat die Ankündigung eingelöst, die Fortissimopassagen so brutal wie möglich zu spielen, dass man die "Knochen auf den Tasten" spüren kann - so stehe das in der Partitur stehe. Hätte Hinterhäuser dies nicht gesagt, möglicherweise hätten noch mehr Konzertbesucher als das geschätzte Dutzend den Saal verlassen ... Nun gut, die haben die Elementarkraft dieser Musik auch wahrgenommen, wenngleich offensichtlich nicht geschätzt.


    Ich kann nicht sagen, dass ich mich mit Ustwolskajas Musik angefreundet hätte. Aber vielleicht kann man das auch gar nicht. Dieser Musik wurde "Kommunikationsverweigerung" vorgeworfen. Das nun trifft es auch nicht. Ustwolskajas kommuniziert durchaus, aber nicht unbedingt das, was man gerne hören möchte, sondern das, was nur schwer erträglich ist. Große Einsamkeit, die Unmöglichkeit des Verstehens, das Scheitern der Liebe? Für mich trägt ihre Musik ein schreckliches, faszinierendes Geheimnis in sich.


    Grüße,
    Jürgen


    P.S.: Wer sich über Ustwolskajas Werk und Leben möglichst umfassend informieren möchte, sollte unbedingt ihren Eintrag auf den "Musik und Gender im Internet"-Seiten der Hochschule für Musik und Theater Hamburg besuchen:


    http://mugi.hfmt-hamburg.de/gr…rundseite.php?id=ustv1919


    Neben einem ausführlichen Werk- und Literaturverzeichnis plus einer Menge Internetlinks erfährt man dort auch viel Biographisches. U.a. dass zwar Schostakowitsch ihre Musik sehr geschätzt hat, möglicherweise sogar höher als seine eigene - aber Ustvolskaja sich im Alter sehr herabschätzend über die Musik ihres einstigen Lehrers geäußert hat. Und dass beider Verhältnis wohl mehr war als nur eines zwischen Lehrer und Schülerin.

    Gibt es einen passenderen Tag als das heutige Wiegenfest unseres geschätzten Capriccios Christian, um seine eigene Einspielung von Klebes "Wiegenlieder für Christianchen", Op. 13 aufzulegen? Nein, gibt es nicht! Also höre ich sie gerade schon zum zweiten Male:





    Wer hört noch mit? Das sind kleine Charakterstückchen in 12-Ton-Manier; lustig, verhalten, forsch, übermütig, zögerlich-tastend, halt so, was kleine Kinder alles sein können. Klebe hat die Wiegenlieder aus Anlass der Geburt seiner Nichte Christiane komponiert. Für heute taufe ich sie in "Wiegenlieder für Christian" um. :)


    Liebe Grüße,
    Jürgen

    RE: Ustvolstkaja

    Gna gna, kaum guckt man mal ein, zwei Tage nicht ins Forum, schon vergißt man seine Termine :(
    Ich war gestern allerdings krankheitsbedingt auch gar nicht auffe Arbeit, also auch nicht in Köln.
    Macht einer von den dagewesenen einen Kurzbericht?


    Lieber Bernd, Hinterhäusers Darbietung von Ustvolkayas Klaviersonaten war sehr beeindruckend, noch intensiver als auf seiner CD-Einspielung. Einen kleinen Konzertbericht werde ich noch nachreichen.


    Ankündigen möchte ich ein Konzert mit Klavierstücken von Eric Satie, Georges Antheil und Olga Neuwirth in der Kölner Philharmonie, das ich gemeinsam mit Theodora besuchen werde:


    30.01.2010 Samstag 20:00 Uhr
    Kölner Philharmonie
    Kloing! M. Formenti, P. Plessas, Lillevan: Antheil, Neuwirth, Satie
    Kölner Philharmonie


    Marino Formenti Klavier
    Peter Plessas IEM Graz - Klangregie und Programmierung
    Lillevan Live-Film


    Der erste Teil verspricht viel schönes Bekanntes, aber besonders auf den zweiten Teil bin ich gespannt.


    Olga Neuwirth
    Kloing! (2008)
    für computergesteuertes Klavier, Live-Pianist und Live-Film


    Das computergesteuerte Klavier simuliert die seismographischen Aufzeichnungen des Tsunamis vor Sumatra, und Marino Formenti, im Kampf Mensch gegen Natur/Maschine, versucht entgegenzuhalten und nämlichem Klavier humanere Töne abzugewinnen. Klingt irre!


    Grüße,
    Jürgen

    Schön, lieber Graf,


    dass du den Thread aus der Versenkung geholt hast. Während ich gerade im Hintergrund Ornette Coleman genieße, in der Interpretation von Aki Takase und Silke Eberhard, muss auch ich mich als ABBA-Fan outen. Wie Coleman und ABBA zusammen passen? Ist mir doch egal! :P


    Hier meine Best Five:


    1. Thank you for the music
    2. One of us
    3. I have a dream
    4. Like an Angel passing through my room
    5. The day before you came



    Begründen kann ich die Reihenfolge nicht wirklich, nur damit, dass mir die ersten drei Titel nicht aus meinem jugendlichen Kopf gingen, und ich sie auch sehr gern dort hatte. Geliebte Ohrwürmer eben. Die beiden letzten Titel sind mir v.a. durch die Interpretation von Anne Sofie von Otter ans Herz gewachsen. "The day before you came" befindet sich auf der von Rideamus oben vorgestellten Otter-ABBA-CD, "Like an Angel passing through my room" auf der Otter-Costello-CD, die ich nicht müde werden kann zu preisen:





    Tut euch mal die Hörprobe an: Singt Madame Otter ABBA nicht göttlich? :juhu: Ans Piano hat Produzent Costello für diesen Song übrigens Benny Andersson locken können, der mit Otter sehr befreundet ist (auch auf der "Let the music speak"-CD wirkte er mit).


    Sowie Freddie unersetzlich ist, so sind auch Agneta und Annifried (schreibt sie sich so?) nicht zu ersetzen. Die ganzen Coverversionen der ABBA-Songs sind bestenfalls nette Versuche.
    Auch hier gilt, wie überall in der Musik: je leichter die Muse, umso größer muß der Künstler sein, der sie zu Gehör bringt.
    Eine Traviata kann zur Not auch mit der dritten Garnitur bewegen, beim Zigeunerbaron dagegen wird es dann oft eher peinlich.
    Genauso ist es bei Popmusik, daher: für mich nur das Original.


    Liebe Mina, keine Regel ohne Ausnahme, und die Ausnahme ist A. S. Otter! Die ABBA-Stücke, die sie singt, gewinnen durch ihre Interpretation noch an seelischer Tiefe. An Otter ist eine Popsängerin verlorengegangen, und man wünschte, so mancher Popsong hätte eine stimmlich ähnlich gut ausgebildete Interpretin gefunden. Hör dir auf der Costello-CD auch mal die Coverversionen der Brian-Wilson-Songs "Don't talk" und "You still believe in me" an (Beach Boys, "Pet Sounds)! Und auch die übrigen Songs auf dieser CD ... :juhu: :juhu: :juhu:


    Habe gerade auf YouTube eine Live-Aufführung von "Like an Angel" gefunden, sehr berührend, obwohl die Klangqualität nicht optimal ist. Und am Klavier sitzt wieder Benny.


    "http://www.youtube.com/watch?v=lA7-JvKMSwg&feature=related"



    Nächtliche Grüße,
    Jürgen

    Danke für den Tip: Ein nettes Interview, mit knackigen Sätzen, z. B.: "Zeffirelli ist der Henze unter den Regisseuren." Boulez trug sich also damals mit dem Gedanken, eine Oper zu schreiben; statt Zeffirelli hätte er dann lieber Ingmar Bergman als Regisseur gehabt. Schade, daß es nicht soweit kam...


    Jean Genet, der ausersehene Librettist, ist leider zu früh gestorben. Viele Jahre später wollte Boulez mit Heiner Müller eine Oper verfassen, der ist ihm aber auch unter der Hand verstorben. Jetzt traut sich Boulez nicht mehr, neue Anfragen zu starten ...


    Doch im Ernst: Boulez' Thesen ließen sich heute noch gut diskutieren. Oder ist das alles kalter Kaffee? Doch damit bin ich jetzt eindeutig im falschen Thread.


    Vielleicht erbarmt sich ja ein Moderator, das provokante SPIEGEL-Gespräch wäre ein prima Aufhänger für einen Thread zu Boulez, der vielleicht einflussreichsten Persönlichkeit der zeitgenössischen Musik und des zeitgenössischen Musiklebens.


    Grüße,
    Jürgen

    Liebe Christel,


    hab ich dich mal gesiezt? :hide: Wenn ja, dann nehme ich alles zurück und behaupte das Gegenteil! :vv:


    Gibt's was Neues oder Neuigkeiten von der Mijanovic? Mir gefällt ihre CD immer noch sehr gut, auch wenn meine Bekannte da bekanntlich anderer Ansicht ist (war?). :D


    Cheers,
    Jürgen

    Liebe Leute,


    nicht nur in der Oper spielen verrückte Geschichten. Was ich jetzt zu berichten habe, ist extraverrückt.

    Lieber Nocturnus, ja, Deine Bekannte hat nicht unrecht. Ich habe Marijana Mijanovic in Zürich in Händels Il trionfo del tempo e del disinganno gehört. Ihre androgyne Stimme war einfach wundervoll, dazu eine starke Bühnenpersönlichkeit. Ihre CD affetti barocchi habe ich dann blind gekauft und war doch ziemlich enttäuscht.


    Seit gestern weiß ich, dass diese Bekannte, die ich vor 2 Jahren in Berlin als große Opern- und Barockliebhaberin kennen lernen durfte, hier im Forum schreibt und auf den Nick "Calisto" hört. :faint: :faint: :faint:


    Liebe Calisto, jetzt weiß ich also, warum du meiner Bekannten mit Worten recht gegeben hast, die mir eigentlich ziemlich bekannt hätten vorkommen müssen, aber darauf war ich einfach nicht gefasst. :faint: :) :mlol: Da schreiben wir schon seit einem halben Jahr gemeinsam im Forum und ich weiß erst jetzt, wer sich hinter Calisto verbirgt.


    Noch immer leicht aus der Fassung,
    Jürgen

    Lieber Bustopher,


    leider kann ich dir nicht mehr ausführlich antworten, weil ich gleich los muss, aber es gibt natürlich einiges zu deinen Anmerkungen zu sagen und sicher auch noch das eine oder andere Haar zu spalten, was ich nach den Feiertagen noch gern nachholen möchte. :D


    Grüße,
    Jürgen

    BWV 199 passt auch trefflich zu deinem PC-Problem: "Stumme Seufzer, stille Klagen", so kann ich mich dich gut vorstellen, als dein PC abschmierte. "Tief gebückt und voller Reue" - keine Sicherungskopien gemacht? :whistling: "Wie freudig ist mein Herz" - mein Herz würde auch vor Freude in die Luft hüpfen, wenn meine Festplatte gerettet worden wäre. :jub:


    :wink:
    Jürgen

    "Ich habe genug" - paßte irgendwie ;( :D "Doch Gott muß mir gnädig sein" - ja, genau :yes: Aber. "Ich freue mich auf meinen Tod" - Nee, so schlimm war's dann doch nicht. Außerdem liegt bei mir noch zu viel Unabgehörtes rum.


    Auch "Schlummert ein, ihr matte Augen" könnte deinen Seelenzustand nach der dramatischen PC-Rettungsaktion, die ja glücklicherweise gut gelaufen ist, beschreiben. :)


    Weil ich diese Bach-Kantate, von Lorraine Hunt Lieberson gesungen, nie oft genug hören kann, habe ich sie auch gleich selbst eingelegt. Mir wird immer anders, wenn ich diese Musik höre. Untröstliche Musik, die unruhige Seelen beruhigen kann.


    :wink:
    Jürgen

    "Ave Maria" (Ave Marias fällt wohl aus... Auch wenn es gerne verwendet wird. "Fünf Ave Marias...")


    "Ave Marias" finde ich gar nicht anstößig. Warum soll etwas ausfallen, was gerne verwendet wird? Gibt's da noch einen höheren Richter als die Sprachgemeinschaft bzw. den Teil davon, der da schamlos an die Maria ein Plural-s hängt?


    Tja. Wie setzt man einen Text, und wenn's nur ein Fragment daraus ist, in den Plural? Was ist der Plural von "Die Würde des Menschen ist unantastbar"? "Die Würden des Menschen sind unantastbar"? Kann einer mehrere haben? Oder "Die Würde der Menschen ist...? Haben mehrere eine Würde? "Die Würden der Menschen sind unantastbar..? Oder gar "Die Würde des Menschen ist unantastbars"? (So würde das wohl im Duden stehen. wenn es dort stehen würde. Österreichisch dann vermutlich "Die Würde des Menschen ist unantastbaren"...)


    Gegenfrage: Warum möchtest du diesen Satz in den Plural setzen? Kannst du "Die Würde des Menschen ist unantastbar." zählen? ?( Zählen kann ich allerdings Hans-guck-in-die-Lufte ... :D


    Nochmal zurück zum Anfang. Selbstverständlich heißt es "Fünf Ave Maria...", Fünf Pater noster..." "Fünf O salutaris hostia..." (&cetera &cetera)


    Boah, woher nimmst du die Selbstverständlichkeit her? Sitzt du an ganz geheimen Quellen des Wissens? :D


    So gesehen: "fünf Reqiem..." auch wenn's der Duden nicht wahrhaben will.


    Wer es noch nicht wissen sollte: es steht hin und wieder auch ungereimter Unfug im Duden... :stumm:


    Nönö, nicht der Duden ist schuld, sondern der Sprachgebrauch bzw. die Prinzipien, welche die deutsche Grammatik steuern und die wissenschaftlich erforscht werden können. Wird schon seinen Grund haben, warum kaum jemand den Plural "Requiem" verwendet anstelle von "Requien" oder "Requiems".


    Mit Mozart und Verdi haben mindestens zwei Komponisten ein Requiem komponiert.


    Hm. Ist dem Verdi der Geist Mozarts während einer Séance erscheinen? Damit die beiden ein Requiem schreiben konnten? ?( (Wußte gar nicht, daß der Verdi so spiritistisch veranlagt war...?)


    Von Mozart und Süßmeier weiß ich, daß die ein Requiem geschrieben haben... :D


    Haarspalter, jetzt hab ich dich entdeckt! :D Du weißt schon, dass "ein-" sowohl Zählwort als auch Artikelwort sein kann? Wahrscheinlich weißt du das, und willst die Linguisten unter uns nur ärgern! :wut2: :wut2: :wut2: :D


    Grüße,
    Jürgen

    Eggebrecht war als deutscher Soldat in der heutigen Ukraine stationiert und musste mit seiner Abteilung an Erschießungen von Gefangenen teilnehmen. Was ist das, wenn nicht eine "einfache NS-Verstrickung, wie etwa die Mitgliedschaft in einer NS-Organisation"?


    Lieber Cherubino,


    langsam scheint es sich in diesem Thread zu verfestigen, dass Eggebrecht nach den vorliegenden Dokumenten ein einfacher Wehrmachtssoldat gewesen sei, wie er auch nach dem Krieg in einem Fragebogen angegeben hat, und nur als solcher möglicherweise an den Wehrmachtsverbrechen auf der Krim-Halbinsel beteiligt war. Dem war aber nicht so. Eggebrecht war Angehöriger der Feldgendarmerie, die zur Hälfte aus Polizisten und aus politisch zuverlässigen Wehrmachtssoldaten gebildet wurde. Bis zum Beweis des Gegenteils dürfte davon auszugehen sein, dass die Mitgliedschaft in dieser Einheit so wie in anderen vergleichbaren Elite-Einheiten freiwillig war. Für diese Freiwilligkeit spricht bei Eggebrecht seine Zugehörigkeit zu NS-Organisationen, in die man nach meinem Wissen nicht gezwungen war, einzutreten. Zitat aus dem ZEIT-Artikel von Boris von Haken:


    Zitat

    Am Tag, an dem er sein Studium an der Hochschule für Lehrerausbildung in Hirschberg aufnimmt, schließt er sich dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund an. Zudem ist er als Musikreferent der Hitlerjugend tätig und betreibt Jugendarbeit in der HJ-Organisation der Hochschule.


    Eggebrecht war also nicht der sprichwörtliche "Soldat Arsch", der mit der ganzen Hitlerei und dem Weltkrieg nichts zu tun haben wollte. Sicher ist aber seine Jugend und die Indoktrinierung schon durch das Elternhaus (Vater war Pfarrer der NS-nahen "Deutschen Christen"), aber natürlich auch im totalitären Staat ein wichtiger Grund für uns Nachgeborene, um nicht den moralischen Zeigefinger zu heben. Wir wissen auch nichts über seine konkreten Beteiligungen an Mordaktionen, nichts Belastendes, allerdings auch nichts Entlastendes.


    Um es klar zu sagen: Wenn etwas Beweisbares an dieser These ist, bin ich der Erste, der sich da vernehmlich zu Wort meldet. Aber die bloße Zugehörigkeit zu einem Truppenteil und (zynischerweise muss man es sagen) fehlende Augenzeugenberichte reichen über Verdachtsmomente nicht hin. Und das ist eben zu wenig, Ich hoffe, dass da von Haken nachlegt und konkrete Belege bringt.


    Hakens Argumentation beruht im ZEIT-Artikel auf einem Indizienbeweis, den er leider nicht als solchen benennt, sondern die hohe Wahrscheinlichkeit der Teilnahme Eggebrechts am Judenmord auf der Krim suggestiv als Tatsache hinstellt. Das ist nicht in Ordnung. Wenn Eggebrecht etwas nachweisbar anzulasten ist, dann ist es die Mitgliedschaft in einem Truppenteil, der u.a solche "hübschen" Aufgaben zu erledigen hatte wie Partisanenbekämpfung, Verfolgung von Deserteuren und Durchführung von Polizeiaktionen in besetzten Gebieten. Das allerdings ist schlimm genug, und ich bin nach der Lektüre des ZEIT-Artikels auch davon überzeugt, dass in diesem Punkt die Beweisführung durch von Haken sich als stichhaltig herausstellen wird.


    Ich habe auch Eggebrechts "Musik im Abendland", darin aber nur sporadisch gelesen, weil mich die Gedankenwelt des Autors vor enorme Rätsel stellt. Seine "Reflexion XIII" über "Sinn und Gehalt in der Musik" ist mir völlig unverständlich. Eggebrecht beharrt darauf, dass Musik mehr ist als l'art pour l'art, sondern auch eine Aussage habe. Mit Sinn und Gehalt meint Eggebrecht allerdings nicht das, was üblicherweise darunter verstanden wird, nämlich eine außermusikalische Bedeutung, sondern etwas innermusikalisches. So schreibt er bspw. über einen "Klang" aus einem Webern-Lied,


    " ... so kann ein derartiger Klang eine Devise der atonalen, funktionalen Komposition genannt werden. Das liegt in seiner Formung beschlossen, das ist sein musikalischer Sinn.
    Was ist bei diesem musikalischen Gebilde der Gehalt? Er ist - wie immer, so auch hier - an die Formung, den Sinn gebunden und in seiner Benennung zunächst wiederum sprachbegrifflich ineinander mit der Benennung des Sinn: Der Klang hat zu seinem Gehalt die Befreiung der Tonkonstellation aus den Vorentschiedenheiten des tonalharmonischen Gefüges." (S. 680)


    In diesem schlechten Heidegger-Stil geht das seitenweise und auch das ganze Buch hindurch. Mit wissenschaftlicher Semantik haben die Ausführungen von Eggebrecht null zu tun, "Sinn" und "Gehalt" sind bei ihm völlig undefinierte Begriffe, ich habe nicht einmal eine rudimentäre Zeichentheorie bei ihm finden können. Also liegt der Verdacht unseriösen Geraunes, um Eindruck zu schinden, doch sehr nahe.


    Aber warum ist das so? Wollte Eggebrecht mit der Betonung auf dem Aussagegehalt der Musik Anschluss an die in der Nachkriegszeit durch die Besatzungsmacht USA geförderte Avantgardemusik und ihrer Theoretiker (Adorno) finden? Aber gleichzeitig durch den von ihm gepflegten existentialistischen Jargon möglichst unpolitisch erscheinen, um bei keiner Seite ideologisch Anstoß zu erregen?


    Grüße,
    Jürgen

    Nimmt denn keiner von euch daran Anstoß, dass der elegante Plural Requien angeblich österreichisch sein soll? ?( :D Da war wohl ein Ösi-Lexikograph am Werk, der wohl meinte, die musikalische Bildung der nördlichen Brüdern und Schwestern auf eine ziemlich feinsinnig-hinterhältige Weise abqualifizieren zu müssen. :pfeif: Sind halt die besseren Lateiner, die Österreicher. ;+)


    Demnächst werden unsere südlichen Nachbarn behaupten, auch Studien, Gymnasien, Kolloquien, Museen, Alben etc. seien österreichisch, während wir barbarisch an alles, was nicht deutsch zu sein scheint, ein uniformes -s dranklatschen würden, auf Beispiele verzichte ich gerne. ;+)


    Zitat

    Die "deutsche" Pluralbildung ist bei Requiem - Requiems üblich.


    Äächt? Ich hab eher den Eindruck, dass Requiems eher von Leuten gebildet wird, die nur vom Hörensagen wissen, was ein Requiem ist. Übrigens ist auch die Endung -en ziemlich deutsch, sie wird allerdings nicht an den deutschen Wortstamm Requiem gehängt (also nicht *requiem-en), sondern behandelt die Wortendung -em als Deklinationssuffix, das ersetzt werden kann.



    Zitat

    requiem ist der Akkusativ Singular von requies. Naheliegend wäre es demnach, für den Plural der musikalischen Gattung Requiem den Akkusativ plural von requies zu verwenden, also (schnell ein Wörterbuch herbeigegoogelt): requietes... (was gleichzeitig der Nominativ Plural von requies ist)


    Hmja, wenn man's korrekt und bierernst nimmt, ist Requiem ein Nominativ Singular Neutrum, dessen Akkusativ ebenfalls Requiem lautet. Wie das im Lateinischen ist, weiß ich nicht, aber die Sitte, Texte nach dem ersten Wort zu zitieren und auf diese Weise ein neues Wort zu prägen, kommt jedenfalls aus dem lateinischen Sprachraum, man denke auch an die Zitierweise päpstlicher Enzykliken.


    Grüße,
    Jürgen

    Höre eben zum zweiten Mal eine Neuerwerbung von heute, die durch Jean Baptiste Antoine Forqueray für Cembalo überarbeiteten Gambenkompositionen seines Vaters Antoine Forquerey:



    Ganz spritzige Charakterstücke, sehr unterhaltsam. Und die Doppel-CD für 2,99.- EUR aus der Kölner 2001-Sonderangebotskiste! Seh ich da einige grün vor Neid werden? :D


    Zitat

    Seit ihrem Recital mit Duetten aus Händel-Opern höre ich Joyce Di Donato ausgesprochen gerne.


    Diese Händel-CD gehört zum Hammersten, was ich je gehört habe! :jub: (Toller Superlativ, was? Leider nicht von mir.)


    Zitat

    Vivicia Genaux singt Vivaldi:


    [...]


    Begleitet von Fabio Bondi und seinem Ensemble brennt die Sängerin hier ein richtiges Feuerwerk ab- gefällt mir besser als Cecilia Bartolis Vivaldi-Recital.


    Wenn du durch die Pyromanin Genaux Feuer gefangen hast, dann empfehle ich dir sehr eine CD aus der naive-Kollektion, die bei mir ein Vivaldi-Arien-Fieber ausgelöst hat und die ich vor der Bartoli-CD kennengelernt habe, die mir nicht so recht gefiel. Gestern hörte ich also mal wieder diese CD mit Sandrine Piau (s), Ann Hallenberg (ms), Paul Agnew (t) und Guillemette Laurens:





    Die 16 Arien dieser CD entstammen einer von Vivaldi selbst zusammengestellten Kollektion von Arien und Ensemblestücken, die er wohl auf Reisen als eine Art Musterkatalog mit sich trug, um ganz schnell durch Imitation neue Stücke für Kunden fabrizieren zu können. Es handelt sich hier also um eine Blütenlese des Meisters selbst, dessen vokales Schaffen hier so vielfältig wie möglich präsentiert ist, sowohl hinsichtlich der Stimmlagen als auch der dargestellten Affekte und Stimmungen. Die CD kann ich für den Einstieg in Vivaldi wärmstens empfehlen!


    Grüße,
    Jürgen

    Bei 2001 gab's eine - ich glaube 40 CD-Box - von Brilliant Classic, und wohl auch eine Einzel-CD-Box mit beiden Klaviertrios und dem Notturno, es spielt ein Klaviertrio Amsterdam. Da ich die Werke dadurch kennengelernt habe, bin ich wahrscheinlich voreingenommen, ich fand es also ganz gut. Außerdem habe ich auch die Aufnahme mit dem Beaux Art Trio, da ist das Notturno ja auch bei.


    Liebe Chris, die 40-CD-Brilliant-Box habe ich auch, aber bei mir werden die beiden Trios sowie das Notturno und der Sonatensatz D28 vom Israel Piano Trio (Volkov/Breuer/Bergman) gespielt. Wohl auch bei dir, denn ich habe eben herausgefunden, dass die Aufnahme des Klaviertrio Amsterdam eine brandaktuelle Neuproduktion von Brilliant ist. Die können also auch anders als nur Lizenzen kaufen.





    Produziert 2008, Erscheinungsdatum 4.12.2009. Das ist doch glatt ein Weihnachtsgeschenktipp! Über das Klaviertrio Amsterdam konnte ich herausfinden, dass Klára Würtz am Piano sitzt, und das ist doch schon mal eine Verheißung für ein sehr temperamentvolles, akzentuiertes Spiel. Klára Würtz hat für Brilliant schon einiges eingespielt, u.a. Schumann und v.a. die sehr gelungenen Mozartsonaten.

    Zitat

    Die Frage hat sich mir auch gestellt! :D Aber lasst uns das doch in einem eigenen Thread zu den letzten drei Sonaten im Klavierforum machen! Wer hat Lust eine kurze Einführung zu schreiben? Vor morgen habe dazu leider keine Zeit.


    Sicherlich gehöre ich zu den von Mozart so genannten "Langohren", die mit Oberflächenreizen, etwa durch eine farbige Instrumentation, unterhalten werden müssen, damit sie bei längeren, komplexen Stücken nicht den Überblick und die Geduld verlieren. :pfeif:


    Grüße,
    Jürgen

    Danke, Christian, dass du mir die Schubert-Trios wieder in Erinnerung gerufen hast, die ich schon lange nicht mehr gehört habe. Eben läuft bei mir das Es-Dur Trio D 929, und versetzt mich zurück in den Schubert-Rausch, dem ich vor ein paar Jahren erlegen bin. Diese Aufnahme ist es, die mich glücklich gemacht hat:





    Ich kenne keine echten Alternativen zum Trio Fontenay, aber so schlecht können die drei nicht sein, wenn sie meine Schubert-Begeisterung anfachen konnten.


    Schuberts Kammermusik, etwa auch seine Quartette und Quintette, sagen mir weitaus mehr zu als seine Klaviersonaten, die nicht schlecht sind, aber sich deeehhhhnen und mich den Schluss herbeisehnen lassen, weil ich die Stuhlkante spüre ... ;+)


    Grüße,
    Jürgen

    Lieber Micha,

    20.1. Gergiev mit Tschaikowsky und Schnittke in Köln - wohl eher nicht, sauteuer.
    26.1. Markus Hinterhäuser spielt die Ustvolskaya-Sonaten in Köln - da gehe ich sicher hin!
    29.1. Ensemble Resonanz mit Schubert, Cage und Feldman in Essen - auch so gut wie gebucht
    2.2. Borodin-Quartett mit Schostakowitsch und Schnittke in Köln


    zur Ustvolskaya möchte ich unbedingt hin, Theodora werde ich hoffentlich auch überzeugen können (evtl. mit deiner Hilfe). Frank1970, den ich letzten Freitag beim Klavierabend mit Elisabeth Leonskaja getroffen habe (Programm siehe hier), kann sich auch vorstellen, zu kommen.


    Aber vorher gehe ich hier hin:

    Zitat

    10.01.2010 Sonntag 20:00 Uhr


    Kölner Philharmonie
    Alfred Brendel Lesung
    Pierre-Laurent Aimard Klavier


    Alfred Brendel liest aus seinem Gedichtband "Ein Finger zuviel"
    Pierre-Laurent Aimard spielt Werke von György Ligeti und György Kurtág


    Auf diesen Abend freue ich mich besonders. Nicht so sehr wegen Brendels Gedichten, da lasse ich mich überraschen, aber wg. Aimard mit Ligeti, dessen Etüden ich sehr schätze und mit Kurtág, den ich endlich mal kennen lernen möchte. Wer kommt mit? Theodora und Frank1970 haben schon ihr Interesse bekundet.


    Grüße,
    Jürgen