Beiträge von Uwe Schoof

    Soeben habe ich den "Julius Caesar" von Shakespeare nach langer Zeit gerne wieder gelesen.


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    Zum ersten mal habe ich ihn mit ungefähr 16 oder 17 Jahren lesen müssen. In der Schule hat mich mein Lateinlehrer bei einer kleinen Prügelei in der Pause erwischt. Das Ergebnis war, dass ich an zwei Samstagen (ja, das war damals möglich) in die Schule zum "Nachsitzen" musste. Ich bekam die Aufgabe, Shakespeares "Julius Caesar" in Deutsch gründlich zu lesen, dies Buch sollte mir zur Bereicherung in Bereichen von Moral, Haltung etc. dienen (so drückte sich mein Lateinlehrer häufig aus), was mir damals allerdings nicht viel sagte. Am Schluss sollte ich Inhaltliche Fragen dazu beantworten, wozu es jedoch nicht kam; die Ansage war wohl lediglich eine Methode, mich zum konzentrierten Lesen zu motivieren.


    Und das war gut so. Trotz anfänglicher innerer Gegenwehr musste ich mir eingestehen, im Verlauf des Buchs zunehmende Freude am Lesen zu verspüren. Ich fand Gefallen an Sprache, Ausdruck und dieser Art der Dramatik, die mir bis dahin völlig neu waren. Ich möchte dies alles nicht überbewerten, glaube aber, dass dadurch mein Empfindungshorizont nicht unwesentlich erweitert wurde.


    Uwe

    Ok, ich habe gelesen, dass Harry Carney bei Ellington ursprünglich nicht als Baritonsaxophonist, sondern eher "allgemein" als Saxophonist bzw. mit dem Schwerpunkt Alt eingestellt wurde und erst, als er bereits in der Band war, seine Konzentration auf das Bariton vorgenommen und auch für Jahrzehnte beibehalten wurde.


    Noch eins: Maurice, Du schreibst, dass Rex Stewart immer Kornett gespielt hat. Weißt Du, ob das einen besonderen Hintergrund hatte? Ich frage mich dies, da ja Ellington sonst darauf bedacht war, eine möglichst große Klangfarbenpalette zur Verfügung zu haben und dementsprechend ja auch meist für variable Klangfarben arrangierte.

    In den Beschreibungen von Maurice konnten wir ja lesen, wann die prägenden Musiker kamen und - was ja nicht übermäßig häufig geschah - gingen. Ich habe gerade die ersten Aufnahmen nach dem Beitritt von Rudy Jackson, Wellman Braud und, endlich ist er da, Harry Carney, gehört. Carney spielte wohl anfangs noch das Alt, probierte sich jedoch schnell am Bariton, was sich wohl in der Band cool anhörte, und blieb dann bei dem größeren Sax.


    Zur Ellington Band kam in dieser Zeit auch für eine kurze Zeit die Sängerin Adeleide Hall, die für meinen Geschmack vortrefflich in das breite Klangspektrum passte. Ähnlich wie Bubber Miley konnte auch die Sängerin äußerst "growlig" klingen, als wäre sie vor den Sessions in ein Fass Whisky gefallen. Ich finde, das klingt toll, wie beispielsweise im "Creole Love Call".


    Die Victor- und Okeh-Aufnahmen, von denen ich gerade schreibe, sind von Oktober bis Dezember 1927. Die Bläser waren damals Bubber Miley (teilweise ersetzt durch Jabbo Smith) und Louis Metcalf an den Trompeten, Sam Nanton an der Posaune, Toby Hardwick, Harry Carney und Rudy Jackson am Holz.



    Uwe

    Gut, dass Du dies anmerkst. Fehler sollen natürlich nicht drin sein. Schade, weil es wirklich eigentlich gut aufgebaut ist.

    Mir gefällt auch der Polillo als Zusammenfassende ausführliche Darstellung der einzelnen Jazzentwicklungsepochen sowie wesentlicher Jazzpersönlichkeiten, beides nimmt jeweils ungefähr die Hälfte in Anspruch, ziemlich gut. Das Buch ist in seiner systematischen Darstellung übersichtlich. Häufig habe ich mich beispielsweise beim Hören eines für mich neuen Albums schnell im betreffenden Kapitel über den musikgeschichtlichen Hintergrund und die Musikerentwicklung dieser Epoche informiert.


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    Uwe

    Noch was zum Berendt, verzeiht mir meinen persönlichen nostalgischen Rückblick: In meiner Schulzeit habe ich das Buch meist in meiner Schultasche gehabt und sehr viel darin gelesen; das war wirklich meine "Bibel". Ich finde, dass er sehr mitreißend geschrieben hat, mit großer Liebe zu dieser Musik und den einzelnen Musikern. So habe ich noch das Kapitel über den "Swing" als Ausdrucksform im Kopf; da swingten schon die Worte...Aber auch die Kapitel über die Anfänge des Jazz und die ersten großen Jazzpersönlichkeiten habe ich immer und immer wieder gelesen.


    Ich wollte dem Berends immer mal schreiben, wie wichtig sein Buch für für meine Entwicklung in meiner Jugend gewesen ist, wie viele Abende ich mit meinem Freund, der Pianist ist, zusammengesessen und, damals enthusiastisch ernst gemeint, heute rückbickend jugendlich-naiv, Pläne zu einem Umzug nach New Orleans verbracht habe. Leider habe ich das immer verschoben, und dann ist er verstorben.


    Seit seinem Tod habe ich keine Neuauflage mehr gelesen. Durch diese Anregung wieder angeheizt werde ich mir eine Neuausgabe besorgen. Vielleicht warten die Jazzschuppen in New Orleans ja noch....

    Da mein Italienisch nur zum Pizzabestellen reicht, habe ich die abgebildete Ausgabe mit deutscher Übersetzung gelesen.


    Hinsichtlich des Ausbremsens der Geschichte verstehe ich, glaube ich, gut, was Du meinst. Die ausführlichen Pest- und Bäckerkrise-Ereignisse waren für mich zwar nahe an der Grenze, aber gerade noch im Rahmen. Vielmehr haben mich dagegen die zwei Kapitel der ausführlichen Lebensgeschichte einer Obernonne irritiert, insbesondere da diese Nonne danach gar nicht mehr vorkam. Dies fand ich irritierend und hinsichtlich des Gesamtaufbaus weniger fein. Das geht wohl auch etwas in die Richtung Deiner Kritik.


    Nach heutigen Maßstäben wirken Aufbau und Rhythmus wie auch Gehalt möglicherweise tatsächlich ziemlich angejahrt, was mich aber nicht stört. Die Schönheit der Sprache ist letztlich das, was das Werk für mich neben einigen lebendigen Beschreibungen besonders ausmacht.


    Uwe

    Gerade habe ich den Roman "Die Verlobten" ("Die Brautleute") von Alessandro Manzoni beendet. Er ist wohl in Italien einer der bekanntesten Romane in Italien, spielt in der Gegend Mailands um 1630.


    Die erste Hälfte des Buches habe ich geradezu verschlungen. Eine solch tolle und elegante Sprache habe ich nicht erwartet. Die Beschreibungen der politischen bzw. gesellschaftlichen Ereignisse wie das Auftreten der Pest oder, noch besser, der Bäckerkrise, sind fantastisch und ebenso lebendig wie die des Zusammenlebens der Menschen unterschiedlicher gesellschaftlichen Schichten mit all ihren Abhängigkeiten, Unterdrückung und Machtspielen. In diesem Umfeld spielt die Geschichte eines ärmlichen, aber unbeschwerten jungen Paares in dörflicher Gegend, das sich aufgrund seines geringen Stands schwieriger Hindernisse erwehren muss.


    Nach der Hälfte oder vielleicht zwei Dritteln der Geschichte ließ meine Begeisterung leider etwas nach, da die Religiosität, der Glaube, die Frömmigkeit zum zentralen Thema werden, und da ich mich nunmal der Kirche nicht mit adäquater Innigkeit verbunden fühle, wurde mir dies dann irgendwann etwas zuviel.


    Aber, wie gesagt, es ist meines Erachtens ein wirklich gutes und interessantes Buch, ein richtiger Klassiker, dessen relativer geringer Bekanntheitsgrad in Deutschland mir nicht so recht verständlich ist.



    Uwe

    Da ich sehr gerne Konzerthäuser besuche und mir es leider allzu häufig passiert, dass ich erst im Nachhinein erfahre, dass ein für mich interessantes Konzert bereits ohne mein Wissen stattgefunden hat, habe ich eine Frage: Kennt Ihr Internetseiten, bei denen ich ein Werk eingeben kann und mir daraufhin angezeigt wird, wo und wann in Deutschland / Europa dieses Werk innerhalb eines bestimmten Zeitraums aufgeführt wird?


    Schönen Dank im Voraus

    Habe gerade auch das Oscar Peterson Quartet gehört, aber diesmal in Begleitung von Anita O´Day. Das ist ebenfalls ein schönes Album. Besonders gerne höre ich hier die wunderbare Version von "Stella by Starlight". Und auch das vorbeirauschende "s´Wonderful" ist klasse.



    Uwe

    Als Jugendlicher haben mir sowohl das Buch "Solaris" von Lem wie auch der Film von Tarkovski sehr gut gefallen. Als Vorbereitung des Besuchs Glanerts gleichnamiger Oper vor ein paar Jahren in Köln habe ich, nach einigen Jahrzehnten, das Buch noch einmal gelesen sowie den Film gesehen, und zwar mit einer gewissen inneren Erregung, da ich die jugendlichen Emotionen immer noch in mir trug.


    Das Thema finde ich eigentlich sehr interessant, aber die Interpretationen in allen drei Kunstdisziplinen haben mich nicht mehr annähernd in die Entzückung versetzt wie damals. Im Buch hinderte mich die nicht allzu elegante Sprache, bis zum Ende durchzuhalten, der Film vermittelte das Konkrete als allzu Konkretes (und weniger mataphysisches), und die Musik der Oper hatte zwar intensive sinnliche und "metaphysische" Momente, die aber plötzlich zwischenzeitlich von aufweckenden Jazznummern und so destabilisiert wurden.


    Kurzum: In jugendlich-schwärmerischer Zeit hat mich Solaris im positivster Hinsicht gefangengenommen und fasziniert; als nun eher mehr auf die Zusammenhänge Achtender begeistert es mich als Idee nach wie vor, aber in der Ausführung in den drei Disziplinen, weniger.


    Uwe

    Bisher unbekannt war mir der Film, den ich mir gestern anschaute. Groß war die Überraschung darüber, wie sehr mich der Film wegen seiner atmosphärischen Dichte, tollen Schauspielern, augenblick- und gestenzelebrierenden Kameraeinstellungen sowie seiner emotionalen Musik mitnahm.


    Es geht um das filmische Kammerspiel und Psychoduell "Eine reine Formalität" von Giuseppe Tornatore aus dem Jahr 1994 mit Gerard Depardieu und Roman Polanski. Die beiden Hauptdarsteller spielen hervorragend, aber auch die kleineren Rollen sind sehr gut besetzt. Die Musik ist von Ennio Morricione. Schon einen Tag später verspüre ich die Lust, den Film bald noch einmal zu sehen.



    Uwe

    Nach den Herzkopfenerfahrungen beim Betrachten des Films in meiner Jugend habe ich mich gestern noch einmal "Wenn die Gondeln Trauer tragen" von Nicolas Roeg aus dem Jahr 1973 angeschaut. Was in solchen Situation nicht häufig geschieht, ist der Umstand, dass ich den Film auch nach Jahrzehnten mit ähnlicher Faszination wie damals verfolgen konnte.


    Die Schauspieler sind allesamt gut geeignet für diesen Film, wenngleich die "Hauptperson" die Stadt Venedig ist. Roeg stellt hierbei die kühle und bedrohliche Seite der Stadt in den Vordergrund und lässt diese als Kulisse und Inhalt gleichzeitig hervortreten.


    Ich finde den Film atmosphärisch gruselig und spannend, obwohl nicht viel geschieht. Aber das wenige geschieht eindrucksvoll und mit Breite.



    Uwe

    Seit einigen Jahrzehnten besuche ich nahezu jedes Jahr an Karfreitag den Parsifal in einem Opernhaus. Wegen der krisenbedingten Schließung der Theater war es mir in diesem Jahr leider nicht möglich. Deshalb habe ich wieder einmal meine Lieblingseinspielung aufgelegt und den Stress, den ich momentan habe, in dieser Zeit beiseite legen können. Das gelingt mir beim Parsifal sehr gut, weil mich diese Musik magisch anzieht und ich sie nun ziemlich gut kenne. Durch Solti habe ich den Parsifal in meiner Jugend kennengelernt; vermutlich deshalb ist mir seine Interpretation immer noch am nächsten.



    Uwe

    Polanskis "Tanz der Vampire" ist einer meiner Lieblingsfilme, der bestimmt zu meinen ersten 10 gehört. Ich habe ihn schon mehrere male gesehen, kann viele Passagen fast schon mitsprechen, und dennoch könnte ich ihn immer wieder anschauen.


    Ich kann mich köstlich amüsieren, besonders bei der Geschwindigkeit des Films; er eilt nie, bleibt aber auch an keiner Stelle stecken. Eine großartige Szene folgt nach der nächsten. Zum Beispiel die Spiegelszene, oder wie der Professor im Fenster stecken bleibt...und alles mit heiter-düsterer Musik untermalt. Und natürlich Sharon Tate in der Badewanne, während es im benachbarten Zimmer nach Knoblauch riecht...


    Uwe

    Gestern haben wir uns William Wylers "Ein Herz und eine Krone" von 1953 mit Audrey Hepburn und Gregory Peck in den Titelrollen angeschaut.


    Es ist schade, dass er nicht in Farbe gedreht wurde; gerade zu diesem Thema würde dies gut passen. Aber aus finanziellen Gründen soll Wyler wohl auf Schwarzweiß zurückgegriffen haben...


    Es ist ein seichter und unterhaltsamer Film ohne schwache Momente. Die Hepburn spielt fantastisch; leider empfinde ich das bei Gregory Peck nicht so sehr. Er wirkt mir, wie in mehreren anderen Filmen auch, allzu hölzern. Schade, dass Cary Grant abgesagt hat; mit ihm wäre der Film bestimmt noch lebendiger und emotionaler geworden. Aber auch so habe ich, besonders wegen des dynamischen Drehbuchs, der Hepburn und der gefühlvollen Kameraführung, 8/10 Punkte gegeben.



    Uwe

    Gestern Abend habe ich, nach Jahrzehnten wieder, "In den Wind geschrieben" von Douglas Sirk gesehen. Mein damaliger Eindruck, nah und intim am Familiengeschehen dabei zu sein, hat sich wieder bestätigt. Der Film wirkt auf mich ein wenig wie ein Kammerspiel. Auf jeden Fall war ich vom Anfang bis zum Schluss ergriffen.



    Uwe

    Mit den mir bekannten Fellinis weiß ich trotz der schönen Bilder nicht viel anzufangen. Ich verstehe sie einfach nicht und sehe nicht, worauf der Regisseur hinauswill. "Roma" habe ich allerdings noch nicht gesehen und kann das nicht beurteilen; werde ich nachholen. Vor einigen Wochen aber "Stadt der Frauen". Da habe ich nur mühsam durchgehalten, weil er so gelobt wird: wäre er in chinesischer Sprache, hätte ich aber auch nicht weniger verstanden. Die Fellini-Ausnahme ist bei mir allerdings "La Dolce Vita"; den habe ich in meiner Jugend zweimal mit einiger Faszination im Programmkino gesehen.


    In der jetzigen Zeit "mit viel Zeit" werde ich einige Filme noch einmal anschauen, die mir früher sehr gut gefallen haben.


    Heute habe ich mit Coppolas erstem Teil von "Der Pate" begonnen. Der fasziniert mich auch heute noch, ist geradezu ein Gemälde und für mich der beste der drei Teile.


    Habe vor längerer Zeit mit meinen Kindern häufig die Zeichentrickserie von Heidi gesehen. Und, ich muss es gestehen, die hat mir sehr gut gefallen. Würde ich auch wieder gerne mit meinen Enkeln sehen...Die Heidi-Geschichte erscheint mir irgendwie zeitlos. Ich glaube, dass sie auch bei den Kindern in der heutigen Zeit gut ankommt, und auch bei den Erwachsenen, die gerne in die "heile Welt" aufatmend zurückblicken.

    Bei mir ist es die Regel, dass mich Musikstücke schnell totnudeln, weshalb ich nicht viel Musik höre. Werke, die ich immer wieder hören kann, sind die absolute Ausnahme. Und diese Werke liebe ich dafür sehr und kann sie nicht oft genug hören, wie zum Beispiel die späten Streichquartette Beethovens.


    Uwe