Beiträge von leverkuehn

    Im Deutschlandradio-Artikel wird nicht behauptet, sie habe "autistisch" gesagt, sondern "irgendwie autistisch" (vermutlich: "We musicians are somehow autistic"). Das ist etwas anderes, jedenfalls nicht die Mitteilung einer medizinischen Diagnose. Von daher erübrigt sich die hier geführte Diskussion.

    Sicher meint sie das nicht medizinisch wörtlich, sondern im übertragenen Sinn. Trotzdem finde ich ihre Bemerkung für unhaltbar, weil sie ihre Sicht / ihre Haltung auf andere Musiker überträgt, und das stimmt so nicht. Sie hätte nicht von "wir" reden dürfen, sondern von "ICH".

    Konzertmeister Matthew Truscott "heimlich" dirigierte!?

    Der Konzertmeister hat immer die Aufgabe zu koordinieren ohne Dirigent. Der/die PianistIn kann bei längeren SoloPassagen ja nicht richtig leiten. Die Abstimmung erfolgt in den Proben, damit alles wie aus einem Guss ist. Und das klappte zwischen Matthew und Leif Ove Andsnes eben phänomenal gut. Das MCO spielte übrigens bei der „Beethoven Journey“ außer den Klavierkonzerten auch noch Orchesterstücke von Strawinsky, dann natürlich ohne Andsnes. Und auch da war Matthew ein hervorragender Leiter vom ersten Pult aus.

    Geoffroy Schied (first violin in the MCO).

    Geoff ist der „Hausfotograf“ des Orchesters und macht vorzügliche Aufnahmen, nicht nur bei Proben.

    Angeregt durch einen Querverweis aus dem Wang-Thread

    Beethoven op. 15, L. O. Andsnes, Mahler Chamber Orchestra. Frische Angelegenheit, feine Einspielung!

    Ich habe zwischen 2013 und 2015 das Beethoven-Projekt von Andsnes und MCO in vielen Städten von Bergen über Reggio, Lugano und Wien bis zum Finale bei den London Proms und dabei vor allem bei den Arbeitsproben miterlebt und es war außergewöhnlich, wie hier Pianist und Orchester zu einer Einheit verschmolzen sind. Ich kann mir seitdem eine Aufführung der Konzerte mit „zusätzlichem“ Dirigent überhaupt nicht mehr vorstellen.

    Es wäre schön, wenn sich die Yuja Wang-Skeptiker mal ein klein bisschen - okay, vielleicht zuviel verlangt, aber sagen wir mal: wenigstens ein winziges, winziges bisschen über ihr wahnwitziges Repertoire informieren würden, bevor sie hier kritische Postings absetzen.

    Natürlich kann sie Beethoven spielen (warum hat sie da noch ein iPad stehen? :/), aber es ist für mich nicht die göttliche Offenbarung, zumal sie anscheinend keine Wiederholungen kennt.
    Ich habe auch op. 106 angehört und da hat mir nicht gefallen, dass sie vor allem im Adagio sostenuto oft mit der rechten Hand um Bruchteile nachklappt. Beim Seitensatz gibt es eigenartige Verzögerungen, die für mich den Melodiefluss irgendwie stören. Ja, die Fuge ist sehr transparent, aber das Zwischenspiel mit der Themenaugmentation (T. 96-129) ist mir zu statisch und hört sich wie buchstabiert an.
    Summa summarum halte ich da Schnabel, Solomon oder Gulda für wesentlich spannender.

    Es zählt allein ihr Klavierspiel. Und das ist fast schon konkurrenzlos gut (allenfalls Hamelin kann an ihre pianistischen Fähigkeiten heranreichen, übertrifft sie vielleicht sogar ein klein wenig).

    Deine Begeisterung in Ehren, aber diese Verabsolutierung kann ich nicht nachvollziehen.
    Und was heißt “pianistische Fähigkeiten” ?? Ist die technische Perfektion das einzige Kriterium??
    Es kommt doch auf wesentlich mehr an als auf Tastenakrobatik und fehlerloses Spiel. Mich würde interessieren, wie sie ein Mozart-Klavierkonzert spielt oder beispielsweise die Sonaten op. 31 von Beethoven. Das ist in meinen Augen mindestens so schwer wie ein Rachmaninow-Konzert, auch wenn es technisch einfacher ist.
    Die Beethoven-Klavierkonzerte mit ihr haben mich jedenfalls nicht überzeugt.

    Um einmal vom Outfit wegzukommen, so habe ich aber jenseits der unwidersprochen pianistischen Perfektion trotzdem ein distanziertes Verhältnis zu ihren Interpretationen. Ich habe sie nur 2x gehört, einmal mit Prokofiev 3. Klavierkonzert unter Abbado in Luzern - das erschien mir einfach seelenlos - , und dann zusammen mit dem Mahler Chamber Orchestra mit dem 1. und 2. Klavierkonzert von Beethoven. Das MCO spielt bevorzugt ohne Dirigent (so z.B. bei Projekten mit Uchida und Andsnes), und so war es auch mit Yuja Wang. Ich war damals in der Probe im Gasteig dabei und entsinne mich, dass der Konzertmeister Matthew Truscott relativ genervt war, weil Wang keine klare Vorstellung von den Stücken hatte und immer wieder mit ihm sprach und Dinge fragte. Das Konzert lief dann auch irgendwie belanglos und uninspiriert ab und war für mich eine herbe Enttäuschung im Vergleich zu der fulminanten “Beethoven Journey”, die das Orchester in den Jahren zuvor mit Leif Ove Andsnes durchgeführt hatte. Nun mag sie vielleicht zwischenzeitlich reifer geworden sein, zumal sie offensichtlich auch Kammermusik macht, wo sie nicht das uneingeschränkte Primat der Tastenakrobatin hat.

    Ich freue mich schon sehr auf eine großartige nächste Woche im Konzertsaal von Schloss Elmau. [...]. Es ist schon erstaunlich, was die zusammenbekommen, zumal die Musiker kein Honorar bekommen.

    Die Musiker empfinden das dort als Urlaub und nicht als "Arbeit". Sie bekommen ja auch einen kostenlosen High-End-Aufenthalt, wenn sie dort auftreten.

    am Freitag beendet Olafsson seine Welttournee mit den Goldbergvariationen

    Wenn dort das Abschlusskonzert stattfindet, stimmt es nicht, womit Elbphilharmonie und Laeiszhalle in Hamburg seit einem Jahr werben: Víkingur Ólafsson eröffnete diese Welttournee im Oktober 2023 in Hamburg (Laeiszhalle) und beendet sie neun Monate später am 24. und 25. Juni wiederum in Hamburg (Elbphilharmonie). Der Kreis öffnete sich also in Hamburg, aber er schließt sich im Schloss Elmau.

    Dazu muss man sagen, dass die Konzerte auf Schloss Elmau zwar öffentlich sind, aber nicht vergleichbar mit "normalen" Konzerten, wo immer auf der Welt. Denn man ist verpflichtet, zwei Übernachtungen im Luxus-Hotel zu buchen, sonst bekommt man keine Karten (es sei denn, man wohnt im Umkreis). Damit ist man dort für eine Konzertkarte geschätzt 800 Euro oder mehr los. Sollte man Anhang haben, wird's noch teurer, da die Zimmerpreise pro Person berechnet werden...

    Insofern würde ich nicht sagen, dass die Aussage in Hamburg völlig falsch ist, denn die Elmau-Konzerte sind unter diesen Konditionen eher halb-privat als richtig öffentlich.

    Von einer mit mir gut befreundeten Pianistin weiß ich, dass sie einmal von Hapag-Lloyd zu einer Kreuzfahrt eingeladen wurde, um dann auf dem Schiff zu konzertieren. Sie hat das aus familiären Gründen nicht angenommen. Aber solche Auftritte irgendwo auf einem Weltmeer würde ich dann auch nicht als "öffentlich" bezeichnen.

    Selbstinsznierung der Künstlerin und Ihres Managements einerseits und Erwartungshaltung des Publikums

    In den großen Häusern wird fast alles jetzt zum “Event” hochstilisiert, wo nur noch der Name eine Rolle spielt.
    Ich tendiere immer mehr dazu, nur noch Konzerte und dabei speziell Kammermusikfestivals in kleinem Rahmen mit nicht weltweit, sondern eher lokal bekannten Künstlern zu besuchen. Dort wird noch mit Herzblut musiziert, und auch wenn PianistIn A vielleicht nicht ganz die Qualität eines Hamelin oder Ólafsson oder Wang errreicht, so gibt mir das trotzdem wesentlich mehr.

    nur eine Aufnahme bei mir, mit Tabea Zimmermann und Hartmut Höll:

    Ich habe keine Aufnahme im Schrank, aber ich habe die Violasonate in den letzten zwei Jahren zwei Mal mit Tabea Zimmermann in wirklich eindrucksvoller Interpretation gehört: 2022 beim Rosendal Festival (Norwegen) mit Leif Ove Andsnes und dann erst vor kurzem, im Januar 2024, mit Javier Perianes im Boulez-Saal Berlin. Das waren unvergessliche Momente mit dieser so außergewöhnlichen und sympathischen Musikerin.

    nur eine Aufnahme bei mir, mit Tabea Zimmermann und Hartmut Höll:

    Ich habe keine Aufnahme im Schrank, aber ich habe die Violasonate in den letzten zwei Jahren zwei Mal mit Tabea Zimmermann in wirklich eindrucksvoller Interpretation gehört: 2022 beim Rosendal Festival (Norwegen) mit Leif Ove Andsnes und dann erst vor kurzem, im Januar 2024, mit Javier Perianes im Boulez-Saal Berlin. Das waren unvergessliche Momente mit dieser so außergewöhnlichen und sympathischen Musikerin.

    Beethoven: Streichtrio c-moll, op. 9/3

    Leonid Kogan / Rudolf Barshai / Mstislav Rostropovich

    Achtung: Der Titel der CD-Beschreibung auf der Webseite ist falsch. Es sind nur die Streichtrios op.9/1 und 9/3 enthalten, aber statt op. 9/2 das Streichtrio op. 3