Beiträge von leverkuehn

    Damit dürften die Spekulationen um die Hamburger Absage wohl beendet sein.


    Zu dem Thread-Thema übrigens eine eigene Erfahrung: vor kurzem saß ich nach einem Konzert in Paderborn mit den dort spielenden Musikern in gelöster Runde bei einem Bier, wo u.a. das Thema der Programmfestlegung diskutiert wurde und wo einhellig kritisiert wurde, dass heute die Veranstalter meistens schon zwei Jahre oder länger im Voraus das Programm festlegen wollen ohne Rücksicht darauf zu nehmen, dass der/die Künstler dann nach zwei Jahren zum Konzerttermin vielleicht ein anderes Programm favorisieren würden. Pollini hat sich in dieser Hinsicht ja schon vor dreißig Jahren nicht gängeln lassen und oft verlangt, dass er die Freiheit hat das Programm kurzfristig festzulegen.


    Man sollte diesen Aspekt bei aller berechtigten Enttäuschung über Programmänderungen auch mit berücksichtigen.

    Übrigens halte ich gerade Wagners Stücke für besonders geeignet, um moderne und auch kontroverse Deutungen auf der Bühne anzubieten.

    Das trifft vor allem auf den "Ring" zu. Bei fast allen anderen paßt es weniger, da sie entweder zeitlich oder mittels Personen festgelegt sind, die real existiert haben. Ausgenommen noch die Frühwerke.

    Wo ist denn bei Tristan und Parsifal etwas historisch oder durch Personen genau "festgelegt" ?? Wagner hat doch gewissermaßen nur die Namen genommen und seine eigene Story und Weltanschauung draus gemacht....

    Ob der Tristan im Mittelalter spielt oder im 19. Jahrhundert oder sonstwann ist doch schnuppe.

    Gerade bei Wagner, bei dem es um "Gesamtkunstwerke" geht. Um Musikdramen.

    Oh je, das ist ja wieder eine Menge Weihrauch.... und die anderen Komponisten sind also zweitrangig, da sie sich nicht um das "Gesamtkunstwerk" bemüht haben???

    Übrigens halte ich gerade Wagners Stücke für besonders geeignet, um moderne und auch kontroverse Deutungen auf der Bühne anzubieten.

    Ich habe auch “Drei Farben: Rot”, den letzten Teil der Kieslowski-Trilogie in guter Erinnerung, wo Trintignant den zynischen pensionierten Richter spielt, den die Studentin Valentine (Irène Jacob) dann am Ende doch etwas aus seiner eisigen Isolation befreien kann

    Unsere Reise zum diesjährigen Rosendal Chamber Music Festival (7.-10. Juli) ist jetzt unter Dach und Fach. Es wird für uns der dritte Besuch an diesem traumhaften Ort sein. Der norwegische Pianist Leif Ove Andsnes richtet das Festival seit 2016 jährlich aus und versammelt immer hervorragende Künstler und Freunde um sich. Das kleine Städtchen Rosendal liegt am Hardangerfjord und ist in knapp 2 Stunden von Bergen aus per Expressboot erreichbar. Die Konzerte finden vorwiegend auf dem Schlossgelände von Baroniet Rosendal statt, dabei wurde eine ehemalige Scheune in einen Konzertsaal ("Riddersalen") umgebaut. Zusätzlich finden Konzerte in der kleinen Ortskirche ("Kvinnherad kyrkje") statt. Die ländliche Idylle der Parklandschaft mit den hohen Bergen des Folgefonna-Massivs im Hintergrund ergeben ein ganz besonderes und familiäres Flair für dieses Kammermusikfestival.

    Da das Beethoven-Jubiläum 2020 durch die Pandemie ausfiel, wird es nun dieses Jahr nachgeholt. Es gibt insgesamt 10 Konzerte und zusätzliche Vorträge in dreieinhalb Tagen, da bleibt kaum Zeit zum Essen... Aber wir freuen uns in erster Linie, in diesen Tagen vor allem Tanja Tetzlaff, Antje Weithaas, Alina Ibragimova, Kristian Bezuidenhout, Vikingur, Ólafsson, Leif Ove Andsnes, Enrico Pace und viele mehr zu erleben


    Das Programm:


    Thursday 07 July:


    20:00-22:00 Åpningskonsert i Riddersalen

    Ketil Hvoslef: Hardingtrio (1995)

    Hilde Haraldsen Sveen (sopran), Håkon Asheim (hardingfele), Leif Ove Andsnes (piano)


    Beethoven: Sonate for piano og fiolin nr. 9 i A-dur, op. 47 "Kreutzer"

    Antje Weithaas (fiolin), Enrico Pace (piano)


    Beethoven: Strykekvartett nr. 7 i F-dur, op. 59, nr. 1

    Quatuor van Kuijk


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    Friday 08 July:


    10:15-10:45 Konsertintroduksjon

    Gunilla Süssmann


    11:00-12:30 Konsert i Riddersalen

    Beethoven: Pianosonate nr. 7 i D-dur, op. 10, nr. 3

    Kristian Bezuidenhout (fortepiano)


    Beethoven: Folkesanger

    Dorothea Röschmann (sopran), Alina Ibragimova (fiolin), Christian Poltéra (cello), Kristian Bezuidenhout (fortepiano)


    Beethoven: 12 variasjoner over 'Ein Mädchen oder Weibchen', op.66

    Christian Poltéra (cello), Kristian Bezuidenhout (fortepiano)


    Beethoven: Strykekvartett nr. 16 i F-dur, op. 135

    Quatuor van Kuijk


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    13:00-15:00 Åpent hus på slottet fra 1665


    14:45-15:45 Samtale i Riddersalen

    Foredrag, Jan Swafford, Leif Ove Andsnes

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    16:00-17:20 Konsert i Riddersalen

    Ketil Hvoslef: Beethoven-fantasi (1982)

    Sveinung Bjelland (piano)


    Beethoven: Sonate for piano og cello nr. 4 i C-dur, op. 102, nr. 1

    Tanja Tetzlaff (cello), Leif Ove Andsnes (piano)


    Ketil Hvoslef: Beethoven Trio (1997)

    Björn Nyman (klarinett), Tanja Tetzlaff (cello), Sveinung Bjelland (piano)


    Beethoven: Pianosonate nr. 30 i E-dur, op. 109

    Sveinung Bjelland (piano)


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    21:00-23:00 Konsert i Kvinnherad kyrkje

    Beethoven: Strykekvartett nr. 11 i F-moll, op. 95

    Quatuor van Kuijk


    Beethoven: Sonate for piano og fiolin nr. 10 i G-dur, op. 96

    Alina Ibragimova (fiolin), Kristian Bezuidenhout (fortepiano)


    Beethoven: Pianotrio i B-dur, op. 97 "Archduke"

    Antje Weithaas (fiolin), Tanja Tetzlaff (cello), Víkingur Ólafsson (piano)


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    Saturday 09 July


    10:30-11:45 9. Konsert I Kvinnherad kyrkje

    Marius Neset: Morning Mist

    Marius Neset (saksofon)


    Beethoven: Pianosonate nr. 21 i C-dur, op. 53 "Waldstein"

    Enrico Pace (piano)


    Beethoven: Sanger

    Dorothea Röschmann (sopran), Leif Ove Andsnes (piano)


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    14:30-15:50 11. Konsert i Riddersalen

    Beethoven: Strykekvartett nr. 6 i B-dur, op. 18, nr. 6

    Quatuor van Kuijk


    Beethoven: Septett i Ess-dur, op. 20

    Antje Weithaas (fiolin), Henninge Landaas (bratsj), Tanja Tetzlaff (cello), Callum Hay Jennings (kontrabass), Björn Nyman (klarinett), Sebastian Stevensson (fagott), Ragnhild Lothe (horn)


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    17:15-17:45 Konsertintroduksjon (på norsk)

    Gunilla Süssmann


    18:00-19:15 Konsert i Kvinnherad kyrkje

    Mozart: Adagio i Ess-dur (arr. Ólafsson fra strykekvintett nr. 4 i G-moll, K. 516)

    Víkingur Ólafsson (piano)


    J. S. Bach: Tre koralpreludier (arr. György Kurtág)

    Víkingur Ólafsson, Leif Ove Andsnes (piano)


    Beethoven: Große Fuge, op.134

    Víkingur Ólafsson, Leif Ove Andsnes (piano)


    Beethoven: Strykekvartett nr. 9 i C-dur, op. 59, nr. 3

    Quatuor van Kuijk


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    22:00-23:15 14. Konsert I Riddersalen

    Beethoven: Fantasia for piano, op.77

    Enrico Pace (piano)


    Beethoven: 7 variasjoner over 'Bei Männern, welche Liebe fühlen', WoO 46

    Tanja Tetzlaff (cello), Sveinung Bjelland (piano)


    Marius Neset: Spring Dance

    Ingrid Søfteland Neset (fløyte), Marius Neset (saksofon)


    Marius Neset: A Day in the Sparrow's Life

    Ingrid Søfteland Neset (fløyte), Marius Neset (saksofon), Sveinung Bjelland (piano)


    Beethoven: Bagatelle i Ass-dur, op. 33, nr. 7

    Leif Ove Andsnes (fortepiano)


    Beethoven: Bagatelle nr. 25 i A-moll, WoO 59 "Für Elise"

    Leif Ove Andsnes (fortepiano)


    Ketil Hvoslef: Strykekvartett nr. 3 (1998)

    Quatuor van Kuijk


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    Sunday 10 July


    11:30-13:30 16. Konsert i Riddersalen

    Beethoven: Pianotrio nr. 3 i C-dur, op. 1, nr. 3

    Alina Ibragimova (fiolin), Tanja Tetzlaff (cello), Leif Ove Andsnes (piano)


    Mozart: Pianosonate nr. 14 i C-dur, K. 457

    Víkingur Ólafsson (piano)


    Beethoven: Pianosonate nr. 8 i C-dur, op. 13 "Pathétique"

    Víkingur Ólafsson (piano)


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    14:45-15:45 Samtale i Riddersalen

    Samtale med Leif Ove Andsnes, Jan Swafford og festivalmusikere (på engelsk)


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    16:00-18:15 Konsert i Riddersalen

    Beethoven: Sonate for piano og cello nr. 2 i G-moll, op. 5, nr. 2

    Christian Poltéra (cello), Enrico Pace (piano)


    Beethoven: Folkesanger

    Dorothea Röschmann (sopran), Antje Weithaas (fiolin), Tanja Tetzlaff (cello), Víkingur Ólafsson (piano)


    Marius Neset: Who We Are (2020) bestillingsverk

    Ingrid Søfteland Neset (fløyte), Marius Neset (saksofon), Christian Poltéra (cello), Leif Ove Andsnes (piano)


    Beethoven: Pianotrio i Ess-dur, op. 70, nr. 2

    Alina Ibragimova (fiolin), Christian Poltéra (cello), Enrico Pace (piano)

    KV 365 wurde anscheinend oft als Familienprojekt angegangen.

    Es gibt eine Aufnahme von 1936 mit Artur Schnabel und seinem Sohn Karl Ulrich, die aber derzeit offensichtlich nicht mehr verfügbar ist.



    Ich besitze die Doppel-LP von EMI, wo außerdem die Konzerte KV 466, 491 und 595 enthalten sind. Habe da schon lange nicht mehr reingehört, geht in den kommenden Tagen allerdings nicht. Die sind mit den Enkelkindern total ausgebucht..


    Nachdem nun hier so viel über Mc Ferrin / Corea geschrieben wurde, habe ich auch einmal reingehört, in Ermangelung der CD (letztendlich ist es aber dann doch keine Ermangelung) nur den 1. Satz von KV 466, der in der Tube verfügbar ist. Ich muss Symbol zustimmen.

    Sinn und Zweck des "Präludiums" kann ich nicht nachvollziehen, der eigentliche Mozart ist bieder, zum Teil schwach. Vor allem stören mich Tempo-Unregelmäßigkeiten von Corea, besonders auffällig bei den Solis in der Durchführung (ab T. 192), die müssen wohl gewollt sein, erzeugen aber in meinen Ohren in keiner Weise irgendwie jazzigen Groove, sondern klingen nur wie schlampige unkontrollierte Spielweise von Vierteln und punktierten Vierteln. Und die besagten "Improvisationen" bei den Tutti-Stellen vermanschen für mein Ohr die Transparenz der Orchesterstimmen. Die Kadenz ist sowieso total daneben, ein völliger Fremdkörper, der überhaupt nicht zu Mozarts Komposition passt, dabei hat Corea in den letzten Takten meinem Gehör nach bei Beethoven abgekupfert, dessen Kadenz ja sonst meist gespielt wird, die aber für meine Begriffe auch nicht richtig passend ist, da zu schwergewichtig.


    Sorry, aber das ist nicht my cup of tea.....

    Noch eine Aktualisierung: Pierre Colombet muss sich sehr stark verletzt haben. Jetzt kam die Nachricht, dass das Quatuor Ébène auch am 4. Juli nicht auftreten wird, sondern ersatzweise Leonkoro Quartett:


    Hier das aktualisierte Programm:


    Schlosstheater Celle, 4.7.2022


    Leonkoro Quartett:

    Jonathan Schwarz - Violine

    Amelie Wallner - Violine

    Mayu Konoe - Viola

    Lukas Schwarz - Cello


    • W. A. Mozart: Streichquartett Nr. 14 in G-Dur, KV 387

    • L. v. Beethoven: Streichquartett Nr. 11 in f-Moll, op. 95

    ***

    • A. Dvořák: Streichquartett Nr. 13 in G-Dur, op. 106

    Außerdem improvisiert er frei drauf los, wenn das Orchester (an sich) ohne ihn zu spielen hat. Ungewöhnlich? Ja! Aber das tat Alfred Brendel auch, als ich ihn erstmals mit einem Orchester hörte. Ich war damals vielleicht 16, es gab ein Mozart-Klavierkonzert (ich erinnere nicht mehr welches) mit dem Sinfonieorchester des NDR. Und ich staunte Bauklötze, als Brendel schon bei der Orchestereinleitung beherzt mitspielte und dies auch während des Rests des Klavierkonzerts tat, sofern er nach Mozarts Notentext "eigentlich" nichts zu tun hatte. Und exakt dies tut Corea hier auch.

    Ich kenne die Corea-Aufnahme nicht und kann daher nichts zu dessen "Improvisationen" sagen. Aber bekanntermaßen sind in allen Klavierkonzerten Mozarts während der Tutti-Passagen Generalbassanweisungen für das Solo-Instrument angegeben, teilweise auch ausdrücklich mit dem Vermerk "tasto solo", also sollte dann auf keinen Fall akkordisch begleitet werden, sondern nur einstimmig (bei KV488 ist dieser Vermerk allerdings nicht zu finden).

    Interessanterweise gibt es in den vorhandenen Autographen der Klavierkonzerte nirgends entsprechende detaillierte Spielanweisungen für den Solisten, dort hat Mozart generell nur mit der Abkürzung "C.B." (= col basso) im leeren System fürs Klavier angewiesen, dass der Solist die Bassstimme von Violoncello e Basso übernehmen soll. Bezifferte Generalbassanweisungen gibt es nur vereinzelt, so z.B. in KV 415. Da also in den Autographen nichts derartiges enthalten ist, wurden diese Dinge erst im Druck hinzugefügt. Speziell bei KV 415 gibt die NMA (Serie V, Konzerte Band 3) in diesem Fall sogar zwei unterschiedliche Bezifferungen an: (1) die des Artaria-Drucks und (2) eine davon abweichende von Leopold Mozart. Offensichtlich war es Mozart also sehr wichtig, dass diese Dinge für den Pianisten genau vorgegeben waren.

    Allerdings hat es sich in unserer heutigen Konzertpraxis nun fast durchweg eingebürgert, dass der Solist während der Tutti-Passagen schweigt und diese Generalbassbegleitung nicht mehr spielt (v.a. bei non-HIP-Großbesetzungen). Aber wenn dies dennoch gemacht wird, so muss das mMn eben die althergebrachte Begleitung in schlanker Form sein, aber keine hervortretende solistische Art von "Improvisation".

    Habt ebenso Dank, Waldi und leverkuehn!


    Typisch wieder mal, dass Mozart nur den Text geschrieben hat. Das konnte er halt. :rolleyes:


    :) Wolfgang

    Grins2

    Beethoven hat das aber anders gesehen. :alte1: Ich zitiere mich selbst aus dem "Rückgrat der Musikgeschichte"-Thread:

    Nur der Text ist von Wolferl, nicht die Musik.

    Es gibt neben KV 233 auch die Version KV 231 mit dem kürzeren Statement. Im KV steht nichts dazu, dass die Musik nicht von Mozart ist. In der NMA wird das zwar nicht völlig ausgeschlossen, aber es steht dort:

    Zitat von NMA Serie III, Werkgruppe 10: Kanons

    "Dass sich allerdings unter den fünf Kanons KV 229, 230, 231, 233 und 234 [...] weitere unechte bzw. solche, die auf Abschriften Mozarts zurückgehen, befinden können, ist durchaus denkbar, wenn auch sichere Anhaltspunkte fehlen"


    Mozart, Werkausgabe in 20 Bänden, Band X, S. 1069 (Vorwort v. Albert Dunning), Bärenreiter/dtv (1991)

    Die Ausgabe der Kanons ist von 1974. Gibt es jetzt neuere Belege ??

    Mo. 23.5.22, Schlosstheater Celle:


    Quatuor Ébène

    • Wolfgang Amadeus Mozart: Streichquartett Nr. 14 G-Dur, KV 387
    • Dmitrij Schostakowitsch: Streichquartett Nr. 8 c-moll, op. 110
    • Johannes Brahms: Streichquartett Nr. 3 B-Dur, op. 67

    Einer der vier Jungens hat sich verletzt. Das Konzert muss verschoben werden auf den 4. Juli


    Leider bin ich da aber schon auf dem Weg zum Rosendal Chamber Music Festival … ;(