Beiträge von Gurnemanz

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    Interessant ist natürlich schon, warum die Intendanz es nicht versucht hat, die ganze Angelegenheit intern zu regeln und wenn sie es versucht hat, warum sie dann offensichtlich unter solch einen Druck geraten ist, dass sie zu dieser wellenschlagenden Entscheidung greifen musste (oder wollte). Und das alles immerhin zwei Wochen vor der Premiere!

    Ja, das finde auch ich unklar. Und ich vermute, daß es da irgendwann noch öffentliche Erklärungen geben wird.


    :wink:

    Daran ist nichts reißerisch, es ist auch kein Schlagwort, sondern eine schlichte Tatsache.

    Das von Dir behauptete "Sprechverbot" ist keine Tatsache, sondern lediglich Deine Meinung, geäußert in polemisch zugespitzter Form.

    All das hat die Intendanz vermissen lassen. Mit dem Rausschmiß hat sie sich blamiert.
    M.E. ist die Intendanz fehl am Platz, nicht der Regisseur.

    Kennst Du die Hintergründe, um ein solches Urteil fällen zu können?


    :wink:

    Für mich macht er in diesem Interview eine sehr gute Figur.

    Das teile ich. Konwitschnys Äußerungen habe ich ebenso wie Du aufgenommen und verstanden.


    Ob seine Bemerkung in der Probe ein "Fauxpas" bzw. eine "verbale Entgleisung" war, würde ich nur beurteilen wollen, wenn mir der Kontext bekannt wäre. Was wurde da sonst noch gesagt? Wie war die Stimmung, entspannt oder angespannt? Ohne die internen Verhältnisse näher zu kennen, läßt sich das Ganze m. E. nicht seriös beurteilen.


    :wink:

    Ich habe mir das oben verlinkte Interview mit Konwitschny ("Kulturzeit" im BR) angesehen. Die Erläuterungen des Regisseurs wirken auf mich glaubwürdig.


    Gibt es denn Darstellungen von anderer Seite, z. B. von der angesprochenen Chorsängerin oder von weiteren Zeugen? Ich finde es problematisch, einen Fall zu beurteilen, in dem ich nur eine Sichtweise kenne.


    :wink:

    Anderenorts wurde angemerkt, daß es noch keinen Thread zu Walter Gieseking gibt. Dem ist leicht abzuhelfen. Hier die aktuellen Beiträge, über die sich bestimmt weiter diskutieren läßt:

    Walter Gieseking geriet eigentlich immer mehr an den Rand der Aufmerksamkeit . Sein Debussy und Ravel wurden gelobt , aber sonst ? Seine kompletten Mozart-Sonaten , seine (fast) kompletten Beethoven-Sonaten , sein Brahms , Schubert , Schumann , Grieg , Mendelssohn , die Rachmaninoff - Konzerte mit Barbirolli und Mengelberg , seine Aufnahmen als Kammermusiker - alles irgendwie kaum beachtet , und nur von wenigen geschätzt . Das gilt auch für seinen Bach . Bereits in den 20ern spielte er Stücke aus dem WTK ein , hatte ihn immer im Repertoire , galt als einer der besten Bach - Spieler .1950 nahm er für den Rundfunk beide Teile des WTK auf , entsprechend müssen Abstriche bei der Aufnahmequalität gemacht werden , es war keine Schallplattenproduktion . Und was heraukam , ist schwer zu beschreiben , ich finde es irritierend . eine Berg - und Talfahrt . Mal finde ich es heruntergespielt , um in nächsten Moment verblüfft zu stocken : was macht der da ? Klingt irgenwie - ja , wie ? Ich finde es fesselnd . Das ist keine "große Aufnahme" , mehr Gieseking'scher Alltags-Bach - gespickt mit vielen kleinen Überraschungen - den ich gewiß nicht alle Tage hören muss . Dafür aber schon seit Jahrzehnten hören mag .


    .

    zu Giesekings WTK 1 - So geht das also, das alte Testament.


    Das ist kein Alltagsbach. Es ist eine fantastisch gute Version. Völlig auf das Minimum reduziert. Das zwingt mich, nein, es erlaubt mir, mich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Nach einer Weile kommt es zum Vorschein.
    Auf alles, was stören könnte, ist verzichtet worden.


    Pianistisch finde ich nur F Dur und G Dur schwach. Heruntergespielt finde ich nichts. Es ist voller ganz feiner Facetten. Wenn ich die Beschreiben würde, würde ich es totreden. Es ist eine fantastisch gute Version.Berg und Talfahrt - anders gemeint - soll es ja sein. So ist es komponiert. Der Wechsel des Ausdrucks ist so komponiert. Manches versteht man daran nur im Ablauf, im chronologischen Nacheinander oder sogar erst im Nachhinein, im Rückblick. Wie im Leben. Gieseking spielt nur, was da steht.

    Wer mag , kann mit mir Radio hören . Eine Übertragung aus Montevideo im Jahre 1952 . Walter Gieseking spielt ein Recital mit folgendem Programm und eingeschaltetem Fingerpedal :


    1. Mozart: Piano sonata n° 11 in A Major K.331 I Andante graziosoII MenuettoIII Alla turca – Allegretto2. Beethoven: Piano sonata n° 30 op. 109 I Vivace ma non troppo — Adagio espressivoII PrestissimoIII Gesangvoll, mit innigster Empfindung. Andante molto cantabile ed espressivo3. Schumann: Symphonic Etudes op. 134. Ravel: Miroirs (‘the eye sees not itself / but by reflection, by some other things.’ Shakespeare, Julius Caesar, act I, Scene 2) I "Noctuelles" ("Moths"). D♭ major. Dedicated to Léon-Paul Fargue.II "Oiseaux tristes" ("Sad Birds"). E♭ minor. Dedicated to Ricardo Viñes.III "Une barque sur l'océan" (in English "A Boat on the Ocean"). F♯ minor. Written for Paul Sordes.IV "Alborada del gracioso" (Spanish: "The Jester's Aubade"). D minor — D major. Dedicated to Michel-Dimitri Calvocoressi.V "La vallée des cloches" ("The Valley of Bells"). C♯ minor. Dedicated to Maurice Delage.Encores:5. Ravel: Jeux d'Eau 6.Ravel: Sonatine – II Mouvement de Menuet


    https://www.youtube.com/watch?v=uBgsQrcMB-k

    Angeblich hat Gieseking das Wohltemperierte Klavier abends nach langen Unterrichtstagen in Saarbrücken eingespielt, nachdem er es zum großen Teil jahrelang nicht mehr gespielt hatte. Geübt hat er sowieso eher wenig ("Wer badet, hat's nötig, wer übt auch."). Insofern passt das mit dem "Alltags-Bach" schon. Gieseking war wahrscheinlich einer der begabtesten Pianisten seiner Zeit, dem auch das Schwerste leicht fiel. Allerdings hört man an der ein oder anderen "Wurschtigkeit" auch, dass er sich in seiner Freizeit lieber mit Schmetterlingen als mit Klavierspielen beschäftigte.

    Danke , das ist mir neu , wundert mich aber bei ihm nicht . Und so genau hat er es auch nicht immer genommen . Aber wer nur die Kreisleriana vom BBC 1953 mit der Aufnahme Anfang der 40er vergleicht , wird sogleich feststellen , daß Schwankungen bei ihm nicht ausblieben , Ungeübt . Schmetterlinge gingen halt vor .

    Da Walter Gieseking gerade Thema ist, möchte ich auf ein neu erschienenes Buch über ihn aufmerksam machen:

    Es wurde mir vor ein paar Tagen geliefert.


    Ein Thread über Gieseking fehlt übrigens noch in unserem Forum.

    Hier muss ich mich korrigieren. F Dur finde ich nicht pianistisch schwach, sondern tatsächlich heruntergespielt. Aber das ist die einzige Stelle. Hört sich so an als habe er die Konzentration verloren. Im G Dur Präludium verliert er auch kurz die Konzentration und hudelt etwas links.

    Es kommt darauf an, von welchem Verstehen du sprichst. Natürlich kann man immer noch mehr lernen.Aber es ging um Herunterspielen, also darum, dass Gieseking dem Werk nicht genug Bedeutung gibt. Ich behalte mir tatsächlich das Recht vor, so einiges verstehen zu dürfen - mein persönliches Verständnis des Werks. Und daran gemessen bin ich zu dem Urteil gekommen, dass er das WTK1 hervorragend spielt. Könnte ich auch ausführlich begründen. Er gibt dem Werk die grösste Bedeutung, die man ihm imho geben kann, nämlich indem er vermeidet es zu offensichtlich mit einer eigenen Interpretation zu belasten. Es ist für das WTK ein sehr interessanter und ich meine passender Ansatz. Man könnte natürlich behaupten, das sei nicht absichtich so von ihm gedacht, sondern er spiele es tatsächlich nur so herunter, weil er es nicht besser wisse.

    :wink:

    Der 87jährige wird nächste Woche in Newcastle sein letztes Konzert mit der Royal Northern Sinfonia geben.


    https://slippedisc.com/2021/11…res-for-his-last-concert/


    Cheers,
    Lavine :wink:

    Diese Meldung aus unserer "Presseschau" sei hier zitiert. Zum Konzert:


    Norrington Presents: Dr Haydn’s London Academy


    Haydn: Symphony No.103 ‘Drumroll’, movements 1 & 2 (17 mins)
    Haydn: Set of English Canzonettas (15 mins)
    Haydn: String Quartet Op.76 No.5 (19 mins)
    Haydn: Symphony No.103 ‘Drumroll’, movements 3 & 4 (10 mins)


    Interval


    Haydn: March for the Prince of Wales (5 mins)
    Haydn: Set of English Canzonettas (14 mins)
    Haydn: Symphony No.101 ‘The Clock’ (29 mins)


    Sir Roger Norrington conductor
    Susan Gritton soprano
    Steven Devine fortepiano
    Royal Northern Sinfonia


    Da wäre ich gern dabei.


    :wink: