Beiträge von Walter Heggendorn

    Und ich finde es überheblich, Posts anderer Leute oberflächlich zu lesen und dann rumzupöbeln.

    Lieber Felix Meritis


    Habe ich wirklich rumgepöbelt?


    Habe ich Deinen Post allzu oberflächlich rezipiert, weil ich nicht erwähnt habe, dass Du Medtner tatsächlich durchaus als "Geheimtip" beurteilst, was ich bemerkenswert finde, aber in der Tat letztlich als eine überhebliche Beurteilung betrachte.


    Bitte, Felix Meritis, das ist keine tadelnde Besserwisserei meinerseits.


    Ich respektiere Deine Einschätzung. Medtner lässt sich schwerlich einordnen und schon gar nicht bewerten.

    Felix Meritis: :cincinbier:

    Wobei Medtner für mich kein Geheimtipp ist. Der wird schon seit Jahrzehnten eingespielt und hat sicher eine Fangemeinde. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Medtners opulente (Zu-)Spätromantik die Bekanntheit bspw. der einfachen aber atemberaubenden Schönheit Schuberts Ges-Dur Impromptus erreichen kann.

    Sorry, aber ich gehe nicht davon aus, dass Nikolaj Medtnner je einmal die Ambition hatte, das Niveau von Schuberts Ges-Dur-Werk zu erreichen oder gar zu toppen.


    Ich finde Deinen Post sehr seltsam.


    Medtner komponiert im Stil der Spätromantik, ohne Zweifel, (Das tut auch sein Freund Rachmaninoff).


    Aber keinesweg agiert er im Stil der (abwertendenden) "zu-spät Romantik".


    Diese Kathegorisierung finde ich mit Verlaub überheblich. Nikolaj Medtner ist imho ein GANZ GROSSER!

    Wozu ist sie da? Was gibt ihr die Existenzberechtigung, wenn solche fulminanten Konzertberichte, wie sie der werte thomathi (hier einmal mehr) treu-regelmässig und fundiert-elaboriert anbietet, so völlig ohne Resonanz bleiben?

    Ich verstehe Deinen Punkt, aber ich hätte einfach selbst eine Reaktion geschrieben anstatt mich zu beklagen, dass Reaktionen bisher ausgeblieben sind? Und wenn einem nichts einfällt, was man dazu schreiben kann, dann ist doch besser, man belässt es dabei.

    Lieber Sadko


    Ich wollte es nicht beim Schweigen belassen, auch wenn ich zugegebenermassen einen Kommentar zum Kommentar hätte absondern können, richtig. Ich habs nicht geschafft.


    Aber erstens ist meine Schreibkapazität beschränkt (gesundheitliche

    Gründe), und zweitens habe ich mir schon bei Frau Wang über die Massen die Fingerkuppen malträtiert. Und drittens stecke ich mitten in einem Umzug.


    Dass ich hier überhaupt noch schreibe, beweist den Umstand, dass mir das Forum gleichsam zur zweiten Heimat geworden ist und mir eine gewisse Stabilität verleiht. Dafür danke ich Euch allen ganz herzlich.


    Mit Gruss (noch) aus Bern,


    Walter

    Was ist das eigentlich für eine Plattform?

    Wozu ist sie da? Was gibt ihr die Existenzberechtigung, wenn solche fulminanten Konzertberichte, wie sie der werte thomathi (hier einmal mehr) treu-regelmässig und fundiert-elaboriert anbietet, so völlig ohne Resonanz bleiben?


    Eine Schande ist das und eine jämmerlich Visitenkarte, meint der Walter (sich Asche aufs Haupt streuend!)


    D A N K E !

    Es wäre falsch, mir deshalb die Mutmassung unterzujubeln, dass ich die Musik nur deshalb als zweitklassig taxieren möchte, weil ich zu deren technischer Realisierung nicht in der Lage war

    Oh ha,

    Lese ich da etwa etwas von Thomas Bernhard ‚Untergeher‘ heraus.

    Liebe Grüße aus Kiel

    Das mutmassest Du sehr richtig, lieber Doc.


    Ich bin vor 50 Jahren jämmerlich untergegangen im Ringen mit der H-moll-Sonate. (Allerdings waren erhebliche gesundheitliche Probleme mit im Spiel)


    Ansonsten möchte ich mich mit der Romanfigur von Thomas Bernhard mitnichten verglichen wissen.


    Ich habe mich immer bemüht, mit meinen bescheidenen Leisten zu schustern ...😎😆 und der olle Franz war mir leider immer eine Schuhnummer zu gross ...

    Werden im obigen Artikel aus der Süddeutschen von 2018 etwa die Klischees: asiatisch=seelenlos und russisch=seelenvoll bedient?

    Diese Klischees wurden damals in der Tat bedient, aber das ist, was Yuja Wang betrifft, auch bei der Süddeutschen längst nicht mehr Stand der Dinge. Ihr außerordentlicher künstlerischer Rang ist auch in dieser Zeitung mittlerweile anerkannt. Kann man alles nachlesen, wenn man es will.


    Und ein Vergleich von Yuja Wang mit Lang Lang, die zwar beide chinesischer Herkunft sind und mit Gary Graffman sogar denselben Klavierlehrer hatten, aber sonst rein gar nichts miteinander gemein haben, entstammt nun wirklich der Klamottenkiste der Vorurteile, die man mal 2011 aufgemacht haben mag, aber der sich inzwischen nun wirklich niemand mehr bedient.

    Das war mit gar nicht einmal bewusst, dass Yuja Wang einst in diese Kiste gesteckt wurde...


    (und von solchen medialen Kästnern halte ich eh nichts, und zwar GAR nichts!)


    Im Gegensatz zum langen Lang erschien mir die yujige Wang nie als Repräsentanz eines fernöstlichen Klavierroboters.


    Ich habe hinter ihrer capricciösen Spielerei immer die cosmopolitische Weiblichkeit erspürt, ein Ausdruck menschlichster Menschlichkeit und ursprünglichster Natürlichkeit.


    Gruss aus Bern vom Walter

    Ach, liebes üppig-buntes Mauergeblüme:


    warum bloss musst Du so akribisch die political correctness verteidigen? Sie ist doch so irrelevant!


    Ich gebe es ja zu: ich bin in der Tat zwischenteitlich und situationsbedingt - wegen meinem Umzugsstress - auf Rebellion gebürstet:


    Quallen und Molche sind erstens ehrenwerte Geister der Mittel-Erde/des Mittel-Wassers, denen die Extreme schnurzpiepegal sind:

    Ihnen fühle ich mich verwandt.


    **


    Ich habe während meines Klavierstudiums die lisztschen Etuden bis zur transzendentalen Ohnmacht üben müssen, um sie mangels Talent und Motivation nur einfach jämmerlich zu schreddern, weil meine technischen Kapazitäten zu deren Realisierung schlichtweg nicht zu mobilisieren waren.


    Es wäre falsch, mir deshalb die Mutmassung unterzujubeln, dass ich die Musik nur deshalb als zweitklassig taxieren möchte, weil ich zu deren technischer Realisierung nicht in der Lage war.


    Franz Liszt ist und bleibt ein Genie! Seine Werke sind das Mass aller Dinge im Kosmos der Klavieristik.


    Gruss aus Bern vom Walter

    Die Dante-Sonate habe ich drin in der Liste von meinen Lieblingen!


    Da gibt es KEINEN Schund!


    Ach, Liebes Mauerblümchen, so habe ich es nicht gemeint! Liszt ist KEIN Kleinmeister. Das weiss ich doch!


    Aber manchmal muss man vereinfachen, damit die Quallen und Molche mitkommen.


    Liszt ist ein universaler Geist, ja, er ist wohl eines der wenigen menschlichen Genies, dessen Höhen und Tiefen wir flachen "Salieris" niemals erfassen können.


    Ich möchte Sokrates/Platon dazu zählen und Cleopatra von Alexandria, und Hildegard von Bingen und Leonardo da Vinci und Blaise Pascal und Ludwig van Beethoven und Allan Watts, und und und )


    Gruss vom Walter

    Schmid ist mMn kein unbekannter Geiger. Er hat zahlreiche Einspielungen bei Oehms bspw. Gegenüber Zimmermann oder Tetzlaff mag sein Ruhm etwas verblassen, aber in der zweiten Reihe ist er ein durchaus bekannter Mann.

    So ist es.


    Doch zurück zu Goldmark.


    Dieser Drückeberger hat sich kleiner gemacht als er ist. Wahrscheinlich hat er sich zu sehr beeinflussen lassen vom Urteil des damalig unangefochtenen Kritikerpapstes Eduard Hanslick (der stets - und nicht nur bei Bruckner - bestrebt war, die Fliegen zu verscheuchen, die sich anmassten um seinen Säulenheiligen "Brahms" zu schwirren ...)


    "Mehr Korn als Gold" war sein übles Verdkikt bei einem seiner Werke (ich werde den genauen Topos nachliefern).


    Gruss aus Bern vom Walter

    Was mir bei Doc's verlinktem Ausschnitt - (nichts gegen den Doc :cincinbier:) - missfällt,


    ist die unverschämte "Vorführung" des armen Xylophonisten ganz zu Beginn der Konzertübertragung:


    der Cymbalist, der dann im 3. Satz des Liszt Konzerts seinen (alles andere als grossen - aber ohne Witz sehr wichtigen - ) Auftritt hat.


    Das ist Boulevard at his worst! Lächerlichkeiten auf tiefstem Niveau! Hässliches Gekicher in der Loge. Widerlich! (Statler and Waldorf-Style aus der Muppet-Show...)


    Nun wen wunderst's an den Proms: "Jedem Tierchen sein Pläsirchen"!


    Wer hat denn eine Ahnung davon, was für einen hohen Puls diese heikle, ja neuralgische Stelle bei dem zur Exekutierung verdammten Musiker generieren wird: Hochspannung bis zum Herzinfarkt:


    Liszt war ein Sadist! Nein wirklich:

    Liszt war ein Tastenexekutantinnenquäler.


    off topic:

    von Liszt's Werken lasse ich gelten:

    die Faust-Symphonie

    Die Dante-Symphonie

    Die h-moll Klaviersonate

    Die Klaviersonate "Apres une lecture de Dante"


    Der Rest ist imho zweitklassig.


    ****


    Zurück zu Wang/Liszt:


    Der Xylophon-Hoax ist jedenfalls nix, um sich darüber lustig zu machen und das Ereignis imperial zu highlighten in Stilo BBC-TV.


    Schickt doch diese süffisanten Kommentatoren-Schranzen in die Wüste. Wer will sie denn noch hören? Wer will sich noch gängeln lassen durch angeblich "politisch korrekte" VorbeterInnen, die uns zu sagen vorgeben, was wir zu denken haben.


    Aber sorry, ich rede mich in Rage.


    Gruss aus Bern vom Walter

    Ja, der Goldmark hat wirklich ein formidables Geigen-Konzert geschrieben.


    Die Aufnahme mit Schmid unter dem Sukkurs von Daniel Raiskin und der " Witold Lustoslawski-Philharmonic " Warschau, gilt als Meilenstein in der Aufnahmetradition dieses Violinkonzerts.


    Was den Geigenspieler Benjamin Schmid, betrifft empfinde ich seine Laufbahn alles andere als düster. Zudem widmet er sich angeblich reizend um seine Kinder, wenn seine Frau, die Pianistin Ariane Haering gerade auf Tournee ist.


    Er wohnt am Neuenburgersee und betreut wohl noch immer eine Solistenklasse an der Hochschule für Musik in Bern. Er war der inspirierende Prof.meines Sohnes.


    Zudem tanzt er auf zwei Parketts (oder sagt man Parketten?): dem jazzigen und dem klassischen.


    Und wo immer er auftritt, hat er grossen Erfolg,

    in welchem Stil er auch immer spielt


    ME ist er einer jener raren vollkommenen/vielseitigen Musikern, welche uns allezeit Freude bereiten können.


    Gruss aus Bern vom Walter

    Diesem grossartigen Beitrag von Amethyst ist imo nichts hinzuzufügen. Wunderbar! Danke!

    Himmel ja, den tapferen Recken und Reckinnen, die sich um die Performance des 18.13 minütigen Werkes des Muskelprotzes Franz Liszt bemühen und schwitzend der mühelos-agilen Yuja Wang nachhecheln (Klavierkonzert Nr.1/Proms 2022) sei im Anschluss an die Klangorgie eine 4.33 minütige Pause (die keine Pause ist, sondern ein Intermezzo kryptotonalis) gegönnt...

    Genial?


    Nun ja: genial gestört, möchte ich einwenden.


    Ich verstehe nicht, wie ein Spitzenorchester und ein wahrlich genialischer Dirigent sich solchermassen entblössen kann.


    Und bitte, es komme mir jetzt niemand mit dem Argument, das "Werk" sei eine einzigartige Kulturtat, eine "Komposition" aus NICHTS, die ich (bei aller angesagter Pop-Art) allerdings einfach nur als eine unverschämte Verarschung empfinde!


    Bitte, erkläre mir jemand das ereignisfreie Geschehen! Was soll es? Was hat es mit "Musik" zu tun? Nichts! Es ist kein musikalisches Statement, sondern ... was?


    Ich anerkenne den "genialen" Einfall (Non-Fall) von John Cage, finde aber dessen reale Performence schlichtweg einfach nur oberpeinlich und schlichtweg lächerlich!


    (Nennt mich einen Hinterwäldler: es ist mir egal!)


    Das muss doch einmal gesagt werden dürfen: der Kaiser ist nackt!


    Gruss aus Bern vom

    Walter

    was schlichtweg die komplette Idiotie des "Kulturellen Aneignungs-Verbots" offenbart.

    Dein Verdikt kommt meinen Brägen höchst ungerecht rüber. :heul1: :heul1: :heul1:

    Denn Kulturelle-Aneignung-Phobie (KAP) erweist fürs Forum beinahe sich gleich falls fruchtbar, wie RT-Phobie bzw. eingefleischte RT-Hasser*innen. :thumbup: :thumbup:
    Denn ohne derartige Phobien, wüchsen hier wesentlich weniger unterhaltsamer Threads/Posting und auch geringerer Spaßfaktor rüber.
    Manfrau sollten KAP-Repräsentanten*innen endlich dafür erforderliche Dankbarkeit und Respekt zollen. :jaja1: :jaja1:

    Lieber Amfortas09


    Ich kann Dir nicht folgen.


    Ich kann nicht nachvollziehen, was Du meinst.


    Du sprichst in Rätseln, die ich nicht verstehe. (Kein Vorwurf!)


    Du meinst es sicherlich gut: Ein Mensch, der Schönberg's Streichtrio liebt, ist ein empfindsamer Mensch!


    Bitte erkläre Dich.


    Gruss aus Bern vom


    Walter

    Aber es sollte nicht zu einer generellen Lust- und Lebensfeindlichkeit ausarten.


    maticus

    Tut es aber, dieses überambitionierte und überreizte, zeitgeistige Gewoke!


    (Selbstredend sind patriarchale Gentlemens-Attitüden out und deshalb heftig zu verurteilen!)


    Danke, lieber Maticus, für Dein ausführliches Statement.


    Erfreulich, dass Du Yuja Wang auch als eine authentische Frau und Künstlerin wahrnimmst.


    Gruss von Walter

    Vielleicht hat das Ganze auch noch was mit kulturellem Austausch zu tun oder Aneignung oder so.

    Ich bin mir nicht ganz sicher, was Du meinst: Gestreng nach "kultureller Aneignungsnorm" dürfte Frau Wang - Repräsentantin Chinesischer Werte - keinen Liszt und keinen Messiaen aufführen ... was schlichtweg die komplette Idiotie des "Kulturellen Aneignungs-Verbots" offenbart.

    Ich glaube, so weit können wir uns doch einigen:


    das Outfit ist in diesem Faden keineswegs "off topic", auch wenn ich mir gerne wünschen würde, dass die Klavierkunst von Frau Wang ins Zentrum gerückt wird.


    Ich finde es köstlich - ohne Ironie - wie die outfittigen Topoi der Wonderwoman Yuja Wang ungleich mehr zu reizen scheinen als deren intrinsischen Qualitäten, die halt eben schier unbeschreiblich sind (mit unseren dürren Worten).


    Es ist schwierig, zurückfinden zum Inhalt und sich zu enteisen von der Verpackung. Frau Wang hat unzweifelhaft ihren Anteil daran. Sie ergötzt sich schelmisch darob, wie mir scheint:


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    Dennoch - oder gerade deswegen - zweifle ich ihre Seriosität/Authentizität keineswegs an.


    Grundsätzlich empfinde ich Frau Wang schlichtweg als umwerfendes Gottesgeschöpf, sei es in ihrer exceptionellen (mE unerreicht vollendeten) Performence und Darstellung des Komponistenwillens, wie auch in ihrer exhibitionistischen (ungemein hemmungslosen) Direktheit und Offenheit der Darstellung ihrer selbst.


    Ja, es gibt mE kein grösseres Kompliment an einen Menschen. Für mich ist sie die vollkommenste Klavierspielerin unserer verrückten Zeit. Ich bin ein Fan.


    ***


    Es ist unvermeidlich: sie reizt auch die BBC-Boulevard-Kommentatoren (anlässlich der Proms 2022 in London) zu genüsslichen Kalauereien der einschlägigen Art (Manfrau höre gut zu!)


    Wer wollte es ihnen verargen. Alles Show!

    Und Show sei gegönnt, wem Show gebürt - und wer sie sucht! Und Yuja Wang sucht sie zweifelsohne - und sie tut es mit Erfolg, und die Freude daran lasse ich mir nicht verbeckmessern.


    Denn: manfrau verfolge bitte auch (und erst recht) die fulminante Liszt-Performence:

    (mit der Oslo Philharmonic unter Klaus Mäkelä) Kann die vertrackte Partitur denn vollkommener tastifiziert werden? Wohl kaum. Stunning! Es ist in meiner Wahrnehmung und Einschätzung eine Show zu Ehren der Schöpferin.


    meint - mit Gruss aus Bern - der

    Walter

    Hier ein substanzieller Beitrag zur Musik:


    Messiaen's megalomane Symphonie mit dem Motto "Turangalila" ist ein umfassendes Gesamtkunstwerk (wie Yuja Wang herself):


    Koussewitzky hat das Werk bei Messiaen bestellt und dem Vogelliebhaber alle Freiheiten der Gestaltung gelassen, was Olivier in 10 Sätzen (!) ausgekostet hat.


    Das Werk nimmt Bezug auf den Tristan-Mythos, transferiert diesen aber in indische Gefilde.


    Turanga-Lila ist Sanskrit und bedeutet in etwa:


    Turanga: stetiger Puls, heftiger Rhythmus

    Lila: Liebesspiel zwischen Leben und Tod


    Der berühmt berüchtigte Horowitz spricht von: "Cosmic-Love-Death-Play-Creation-Distraction of the universe".


    Begehren, Lieben, Vereinigung, Orgasmus (kleiner/grosser Tod), Weltenschöpfung, Weltenzerstörung, das sind die universalen Themen, die in diesem Opus Magnum messianisch, ähm messiaenisch in Klang gesetzt werden.


    Es geht um nicht weniger als um die orgiastische Verschmelzung (der kosmische Orgasmus), wie er etwa in der traditionellen tantrisch-buddhistischen Praxis, aber durchaus auch im Neotantra angestrebt wird.


    Erleuchtung durch Vereinigung!


    Wobei ich klarstellen will, dass es das Phänomen der "Erleuchtung" im erdgebundenen Leben mE nicht gibt (oder es ereigne sich denn in Gestalt einer "Verstrahlung" - mit Endstation Klapse ...)


    Die Klangsprache von 1948 ist durchaus gewöhnungsbedürftig. Ich kann nicht umhin, zu gestehen dass mich das sirenenhafte Teremin-Gejaule (Ondes Martinot) gewaltig nervt. Eigentlich gefällt mir das Werk überhaupt nicht, ausser vielleicht der meditative 6. Satz: "Garten des Liebesschlafs"


    ***


    Sorry für den Ausschweif.


    Wir sind hier ja im Faden zu Ehren von Yuja Wang. Der Exkurs scheint mir aber hilfreich zu sein, um zu verstehen, weswegen ich versucht war, zu bourleskem Vokabular zu greifen.


    Wang hat das beschriebene Werk zusammen mit der Ondes-Martonistin Cecile Lartigau und den Wiener Philharmonikern unter Esa-Pekka Salonen mit grossem Erfolg zweimal an den Salzburger Festspielen aufgeführt.


    Am 6.September kommt der Turangalila-Tross nach Luzern. Framan darf gespannt sein.


    Gruss aus Bern vom Walter