Beiträge von Hempel

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    Die Botschaft ist größer als der Berichterstatter Matthäus, größer als der Komponist, größer als die Interpreten und größer als der Hörer. Jede Reduktion auf individuelle Befindlichkeiten, und seien sie noch so empathisch-sympathisch (sympathisch gelesen als "mit-leidend"), steht der Botschaft im Weg, macht den Filter Botschaft -> Werk -> Interpret -> Hörer enger. "Das geht meiner Seele nah" ist bei weitem nicht der wichtigste Satz des Karfreitagsgeschehens, auch wenn er eine individuelle Wahrheit tragen mag. "Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen" aus dem Munde eines römischen Hauptmanns kommt meiner Sicht auf Botschaft und Werk wesentlich näher. Und bei Herreweghe höre ich das, bilde es mir jedenfalls ein. Zumindest fällt es mir bei ihm deutlich leichter, als wenn mir jemand beim Singen und Spielen dauernd von seiner individuellen Anteilnahme erzählen will, anstelle die Botschaft so gut er kann zu vermitteln

    Vielleicht mag es überraschend sein, dass man, ich, all das finden kann, was Du an Bachschen Interpretationen kritisierst, bei Herreweghe immer wieder höre- das, das Du wünschst aber bei Savall?
    Mir erscheinen Herrewghes Aufnahmen in dem Sinne "klein", von dem Du schreibst- und die Savalls gehen an das, wovon Du schreibst und meine Gedanken besser formulierst als ichs könnte.
    Dazu brauchst Du gar nicht so "giftig" formulieren.


    Im Grundgedanken sind wir einander halbwenig einig, glaube ich.


    Ein sehr lieber Freund, der oft unter Herrwege spielete meint dazu: "Schön ist es immer, aber nicht immer gut".
    Aber wir sind befreundet! Da darf man. Deine Zeilen aber, beider Namen ausgetauscht, Savall gegen Herrweghe....und ich möchte Deine Reaktion nicht lesen.


    Verzeih mir, dass ich eine andre Sicht vertrete als Du...wird zunehmend seltener.

    und jetzt ganz historisch unterwegs mit Mengelberg:


    Unglaublich spannend, auf Stuhlkante, gar nirgends ein "Ländlern"....ich kenne keine "HIP"- Aufnahme, die so nahe dran wäre....und Temporückungen dienten, dem Werk nahezukommen.
    Nein, das ist erstaunlich hart musiziert und unsentimental, flüssiger in kleinem Hinhalten.
    Der zweite Satz schneller als der erste....einfach richtig erfühlt.



    Kenne die Aufnahmen schon sehr lange....und schätze Schubert nicht sehr.


    Diese Aufnahmen aber sind die vielleicht wichtigsten Schubertscher Musik, die je entstanden. Für mich jedenfalls.
    Das ganze Gedöns um das Innere Schuberts Musik spielt keine Rolle, die Musik geht einfach, spricht durch sich selbst.
    Das ganze Geschwurbel eines Fischer- Dieskau muss nicht sein, Schubert nahezukommen.
    Recht krass hier und auf Tempo reduziert, auch im Sinne, es freizulassen....ich wüsste niemanden heute, keinen Holliger oder Jüngeren, auch Manacorda nicht, der derart wach an diese Musik ginge.
    Um im Gehen deutlich zu machen, was Schubert sagt, statt es umgekehrt zu versuchen.
    Mengelberg scheint nicht zu interpretieren, sondern eben: Laufenzulassen und auf Zentren hingedacht, Ohne das ganze Verquaste.


    Für mich, der ich Schubert nicht besonders mag, eine Jahrhundertaufnahme.
    Differenzierter und das auch hörbar, trotz des Alters der Aufnahme, als in den meisten jüngeren. Den meisten? Allen?
    Naja, ich will ja nicht provozieren.....nö, nie.

    Mehrfachwerte: das letzte Konzert von 1971 bei Testament, die Video- Mitschnitte der BBC. Besonders angetan hat es mir aber die späte Siebente von LP, die so auf völlig andre Art als über das Tempo Drive erzeugt und zum Zuhören zwingt.
    Hörenswert natürlich der Zyklus aus Wien von 1960.
    So verstörend aber wie die 7 von der ganz späten LP finde ich die Lesart Ottos nur selten.
    Stellt alles auf den Kopf, was Metronom etc. angeht und ich finde die Aufnahme fesselnder als jeden Parforce- Ritt jüngeren Datums.
    Fatalistische Leidenschaft....oder so....zwing mich nicht, Worte zu finden X/ .

    Angesichts der neuen Fußnote MBs erscheint Händels "La Resurezzione" auch in anderem Licht :D .
    Höre gerade einen Mitschnitt aus dem Jahre 2010 mit Vaclav Luks- und bin ganz schwer begeistert:


    Händel: "La Resurrezione"
    In allen Aufnahmen, die ich kenne, fehlt irgendwas, mal sind sie zu fitzlich, weil ja Frühwerk, manchmal zu wenig dramatisch...weil ja Frühwerk.
    Luks gelingt hier Händel. Fett und genau gleichermaßen, emotional und konstruiert ohne Widerspruch.
    Im Frühwerk schon dramatisch und emotional "übergriffig".
    Alles, was Händels Musik ausmacht, ist 1707 schon da.

    Du solltest Paavo Järvis CD-Aufnahmen nicht mit dem vollendeten Abschluss bei Beethovenfest 2010 in der Bonner Beethovenhalle verwechseln.

    Lieber Teleton,
    wie so oft: Studio vs live.
    Danke für den Tip und ich werde nachhören.
    Im Moment aber klebe ich am gaaaanz späten Klemperer von 1970, der ja selbst ein wenig klebt.
    Spannend finde ichs trotzdem, weil zwar manchmal unendlich langsam, aber immer wach und nie routiniert.
    Anders als eben schnell und rotiniert.

    von LP:
    https://www.discogs.com/de/Car…-Klavierk/release/9857320


    CPE Bach Clavierkonzerte und damals, 1970, eine echte Entdeckungsreise.
    Das Ehepaar Küchler an sehr verschieden klingenden Hammerflügeln, das Orchester manchmal nicht aufmerksam genug, die beiden Solisten nicht doch zuzudecken....
    Dem musikalischen Gehalt aber kommt die Aufnahme näher als manch jüngere, perfektere...mich schmerzt manche Phrase, die nicht perfekt sitzt, aber der Musik dient, wirklich sehr.
    Eine Aufnahme, die mich ganz tief anrührt.
    Bei CPE nicht eben selbstverständlich, dieses Herzblut, mit dem hier musiziert wird.

    Bachs Matthäus- Passion mit Savall von 2019.


    Womöglich verzapfte ich hier Formulierungen, die unangemessen zu neuen Threads führen könnten.


    https://www.deutschlandfunkkul…ml?dram:article_id=474259


    Ich höre einfach. Gestern mit Gardiner aus Brüssel, einen Tag nach dem Anschlag dort 2016.
    Gardiner in Brüssel mit einer Schweigeminute.


    Savall braucht derlei Feststellungen gar nicht.
    Schon lange ist es her, dass mich eine Bachsche Matthäus- Passion zu Herzen gerührt hat und nicht nur "glückliches Gelingen" vermittelte, so viel das allein schon ist.
    Fernab von Suzukis Kontrolle, abseits von Herreweghes Schönheit.....sucht. Und findet.


    Savalls Zugang ist für mich immer besonders und in gewisser Weise nonkonform- auch da, wo er der Norm folgt.
    Es geht ihm nie um eine Selbstdarstellung, sondern um die Darstellung eines Werks.


    Wo könnte man das hörbarer machen als an BWV 244?

    Danke für Deine Ausführungen!
    Ich sah diese "neue" Aufnahme auch- und war eigentlich nicht gewillt, sie zu hören. Zu sehr schien Bruno Walter mir Bruno Walter zu sein.....und immer gleich im "Sing, sing". Ohne Klippen, was bei Brahms so wenig funktioniert wie bei Mahler, nur da noch weniger.
    Vielleicht ändert sich meine Sicht ja? Werde diesen Mischnitt auf Deine Empfehlung hin anhören.

    Bin mal wieder unterwegs in der "vergessenen Generation" zwischen Bach und dessen Söhnen :D .
    Volle Ladung, die Cembalokonzerte Friedemann Bachs mit Claudio Astronio zunächst.
    Sind nicht schön aufgenommen, Streicher sägen, das Clavicimbel zirbt....
    leider. Denn gespielt ist es gut. Kommt nicht ran an die Aufnahme mit Il Fondamento unter Paul Dombrechts Leitung, ist dafür aber vollständig.
    Will die Brilliant- CDs auch gar nicht kleinreden. Ist ein Verdienst, immer wieder, derart unerschlossenes Repertoire zugänglich zu machen.
    Ein wenig mehr Sorgfältigkeit wünschte ich mir, mehr liebevolle Hingabe an die Musik. Seitens der Musiker ja gegeben, meist seitens der Produktion eher lieblos gemacht.


    Zweiter Genuss Magdalena Hasibeder:

    "Dunstkreis Bach" eben. Sie spielt richtig Cembalo als würde das Klavier nie erfunden sein.
    Ihr Klangverständnis kommt nicht so horizontal daher wie beim Klavier, macht Zwischentöne hörbar, die sonst dem Cembalo auch eher selten anzuhören sind.
    Fettes "Flatschen" im Bass gelingt ihr, aber auch feine Rethorik und sinnlicher Gesang.
    Eine der grandidiosten Cembalo- Aufnahmen, die ich kenne!


    Und zuletzt eine Aufnahme, die "Sturm und Drang" heißt mit Marek Toporowski und einem polnischen Barockorchester.
    Motto ist Riga. Viele Bach- Schüler hatten ja einen Bezug zu Riga, diese Konzerte sind hier versammelt.
    Johann Christian Bach noch im "Sturm und Drang", also vor seiner galanten Zeit. CPE und WF Bach, die älteren Brüder mit jeweils eigenen, sehr individuellen Konzerten.
    https://www.amazon.com/Concert…III-Allegro/dp/B00AFINJL4


    Bissel hemdsärmelig gespielt, was mich nicht stört, ist ja auch ein wenig durchgeknallte Musik.


    Hatte gerade drei Stunden höchst abwechslungsreicher Musik und bin wacher als vor dem Hören, auch nach einem Nachtdienst.

    Hatte gerade diese :
    https://www1.wdr.de/radio/wdr3…assik-zimmermann-100.html


    Wie üblich in Köln zu der Zeit nicht wirklich live, aber auch nicht Studio.....
    Vor Beethovens Siebter gabs Haydn und Berg.


    Auf dem "grauen Markt" gab es den Mitschnitt schon ewig, hier klingt er dann aber auch ganz passabel- weitaus besser als auf den "Grau- Labels".


    Und auch ein Kleiber fiel nicht von Himmel. Bis zu seiner Studioplatte vergehen noch einige Jahre.
    Mir ist der Mitschnitt sogar lieber, weil spontaner, nicht so auf Perfektion getrimmt, die ohnehin nicht gelingt.


    Eigentlich ist der Haydn der wichtigste Programmpunkt für mich: elegant und doch eloquent. Nicht auf den Effekt aus wie Szell- der dem womöglich auch besser gelang, weil er selbst von anderer Mentalität war und in der Lage über sich zu grinsen, Kleiber eher weniger.
    Ein gelungenes "Geisterspiel" ohne Publikum, aber auch ohne grobe Schnitte.
    Der Berg sagt mir sogar mehr zu als der spätere aus München.....aber das geschmäcklerisch.

    Die Expo-Wiederholung im Finale aber nicht, oder?

    oje, das weiß ich wirklich nicht mehr. Zuletzt vor etwa zwölf Jahren gehört und die LP befindet sich nicht mehr in meinem Besitz.
    Dass die Aufnahme aber nach so langer Zeit noch im Gedächtnis haftet, sagt mir aber auch etwas :) .
    Die frühen Boulez- Aufnahmen haben für mich größeren Reiz als die späten, das schrieb ich ja bereits.
    Sein CPE Bach ist sehr reizvoll, aufgenommen zu einer Zeit, als CPE eher Unikum war
    https://slippedisc.com/2016/01/boulez-conducts-bach/.....eine Rameau- Oper habe ich noch mit ihm, auch vom Anfang der 70er.
    Mein Eindruck ist, dass er als (junger) Dirigent zu erforschen suchte, woraus seine eigenen Kompositionen sich eigentlich speisen.
    Seine Beethoven- Entdeckungen tasten in die selbe Richtung, so wie ich sie wahrnehme.
    Eher autark gelesen, keiner "Linie" zuzuordnen, sei es nun die der eines Leibowitz oder Lugano- Scherchens, ganz sicher aber nicht dem "Mainstream".


    Wie gesagt, so nahm ich das wahr.....


    als die "beste Fünfte" würde ich sie nicht betrachten, kann aber nachvollziehen, dass jemand zu diesem Schluss findet.

    Hatte ich auf LP. Mit allen Wiederholungen gespielt- nicht gebastelt, sondern gespielt- und so gar nicht Bild des "nüchternen" Boulez.
    Klar, logisch aufgebaut, aber nie so kühl wie auch mein Vorurteil ihm gegenüber geprägt ist.
    Eher ganz schön "losgelassen" in entsprechenden Phrasen.
    Ist, wenn ich mich recht erinnere, von 1975, Boulez selbst noch nicht so festgelegt wie der, zu dem ihn die DG später machte auf den Analytiker.
    Mich erinnerte die Aufnahme an eine Art Kreuzung von Szell und Bernstein.....mit sehr wohl eigener Intention.
    Und ja, eine der beeindruckendsten "Fünften", die ich kenne, trotz des eher gezügelten Tempos.
    Nicht so leicht zu erobern wie Carlos Kleiber, aber eben auch sorgfältiger und nicht nur auf Mitreißen aus.
    (Auch wenn mich immer der Eindruck beschleicht, dass Kleiber da der DG mehr folgte als seinem eigenen Wunsch, aber das ein anderes Thema.)
    https://youtu.be/Zpe6VO3XajE


    Im Konzert hat das ja nicht besonders funktioniert, die Konzerte sind eben unbequem.
    Nachgebessert hier aber rundum gelungen, der "Sturm und Drang" eingefangen wie alle "Empfindsamkeit".
    Sogar verspielt hie und da, wenn auch so "locker" nicht herangehend wie Altsteadt und Cohen bei Hyperion.
    Mir ist diese Lesart sogar lieber, das ist keine "leichte" Musik und sie muss auch so nicht klingen.


    Wird mir aber Bylsma und Leonhardt nicht ablösen in ihrer Gesprächigkeit, Alternative sein zu Altstaedt in dessen "Geschwätzigkeit".


    So ein Eintopf aus allen, das wäre was!

    bin mal wieder zu blöd für'n Bildchen:
    ASIN: B005N64H7S


    Carlos Kleiber mit den Berlinern 1994.


    Was für ein grandioses Konzert!
    Die "Coriolan"- Ouvertüre war für ihn ohnehin eher Jazz, der Mozart gelingt ihm feinsinnig und doch warmblütig- fernab allen "HIP" ausgeleuchtet ohne Manirismen....und zum Schluss der Brahms!
    Die Berliner spielen mit vollem Einsatz, so hörte ich sie selten. So gar nicht distinguiert, sondern wirklich auf der Stuhlkante.
    War ihr Ansinnen, Kleiber doch noch zum Chefposten zu bewegen?
    Und Kleiber schöpft aus dem Vollen, das ist fett wo es sein soll, aber auch ganz kammermusikalisch, introvertiert.


    Ist ein "Hosentaschenmitschnitt"- was man trotzdem alles hört!
    Wie blass dagegen die Aufnahme mit den Wienern, die sich zu begnügen scheint im "alles richtig" machen.


    Schrieb ich letztens von Stokis "Vollblut- Brahms", von dem Kleiber träumen könne?
    Hier hat Kleiber seinen Traum verwirklicht!


    Kleine technische Details: ist inhouse mitgeschnitten, nicht wirklich mono wie das Cover ankündigt.
    Aus großer Entfernung zwar und somit nicht ideal, weil zuviel Hall, wenn auch echter, aufgenommen wurde.
    Soviel Rauminformation jedoch enthalten, dass Software wie "K-Stereo" von Algoritmix sie nutzen kann, ein nahezu natürlich klingendes Stereo- Abbild zu erzeugen.
    Etwas Hall entfernen um anschließend mittels "Altiverb" die Akustik der Berliner Philharmonie zu implementieren.
    Klingt nicht wie eine Studio- Aufnahme, aber doch so, dass das Ohr nicht gekränkt wird, recht natürlich.
    Wichtig nur dabei: all das zu erhalten, was Kleiber und die Berliner da spielen und so mitreißen, dass mir die Spucke wegbleibt.

    https://www.rtbf.be/auvio/detail_concert-du-soir?id=2614053


    Hengelbrock wieder "zu Hause"! Also nicht Elb- Phil, sondern Balthasar- Neumann- Ensemble.
    Seit nunmehr 40 Jahren konnte ich der Chorfantasie und der C- Dur- Messe wenig abgewinnen, dank Hengelbrock ist das nun anders.
    Unter Mithilfe Bezuidenhouts am Hammerflügel finde ich Zugang zu op.80. Und die Messe ist mehr als eine Fingerübung zur "Missa Solemnis", ein eigenständiges Werk, das überzeugt.


    40 Jahre Hörerfahrung mit all ihren auch negativen Seiten revidiert! Danke!