Beiträge von Hempel

    bin mal wieder zu blöd für'n Bildchen:
    ASIN: B005N64H7S


    Carlos Kleiber mit den Berlinern 1994.


    Was für ein grandioses Konzert!
    Die "Coriolan"- Ouvertüre war für ihn ohnehin eher Jazz, der Mozart gelingt ihm feinsinnig und doch warmblütig- fernab allen "HIP" ausgeleuchtet ohne Manirismen....und zum Schluss der Brahms!
    Die Berliner spielen mit vollem Einsatz, so hörte ich sie selten. So gar nicht distinguiert, sondern wirklich auf der Stuhlkante.
    War ihr Ansinnen, Kleiber doch noch zum Chefposten zu bewegen?
    Und Kleiber schöpft aus dem Vollen, das ist fett wo es sein soll, aber auch ganz kammermusikalisch, introvertiert.


    Ist ein "Hosentaschenmitschnitt"- was man trotzdem alles hört!
    Wie blass dagegen die Aufnahme mit den Wienern, die sich zu begnügen scheint im "alles richtig" machen.


    Schrieb ich letztens von Stokis "Vollblut- Brahms", von dem Kleiber träumen könne?
    Hier hat Kleiber seinen Traum verwirklicht!


    Kleine technische Details: ist inhouse mitgeschnitten, nicht wirklich mono wie das Cover ankündigt.
    Aus großer Entfernung zwar und somit nicht ideal, weil zuviel Hall, wenn auch echter, aufgenommen wurde.
    Soviel Rauminformation jedoch enthalten, dass Software wie "K-Stereo" von Algoritmix sie nutzen kann, ein nahezu natürlich klingendes Stereo- Abbild zu erzeugen.
    Etwas Hall entfernen um anschließend mittels "Altiverb" die Akustik der Berliner Philharmonie zu implementieren.
    Klingt nicht wie eine Studio- Aufnahme, aber doch so, dass das Ohr nicht gekränkt wird, recht natürlich.
    Wichtig nur dabei: all das zu erhalten, was Kleiber und die Berliner da spielen und so mitreißen, dass mir die Spucke wegbleibt.

    https://www.rtbf.be/auvio/detail_concert-du-soir?id=2614053


    Hengelbrock wieder "zu Hause"! Also nicht Elb- Phil, sondern Balthasar- Neumann- Ensemble.
    Seit nunmehr 40 Jahren konnte ich der Chorfantasie und der C- Dur- Messe wenig abgewinnen, dank Hengelbrock ist das nun anders.
    Unter Mithilfe Bezuidenhouts am Hammerflügel finde ich Zugang zu op.80. Und die Messe ist mehr als eine Fingerübung zur "Missa Solemnis", ein eigenständiges Werk, das überzeugt.


    40 Jahre Hörerfahrung mit all ihren auch negativen Seiten revidiert! Danke!

    Lieber Gurnemanz,


    ich empfinde Paavo Järvis Beethoven einfach als etwas dogmatisch, nun ganz speziell im Vergleich zu Mengelberg. Dessen Dehnungen und Stauchungen muss man ja nicht auch nicht mögen, mir sind sie lieber als den Eindruck zu haben,
    man könne den Dirigenten gegen ein Metronom eintauschen <X .
    Scherchens Lugano- Zyklus ist mir organischer gestaltet, Savalls auch, weil es auch immer noch Zeit gibt zum Luftholen für den nächsten Sprint- um es so platt zu formulieren.
    Genau das fand ich ja so spannend bei Leibowitz im Vergleich zwischen LP und CD, dass das Atmen in Artikulation und Phrasierung von der LP einfach deutlicher Gewicht in der Wahrnehmung zulässt.


    Ist aber meine subjektive Sicht und die soll nicht verallgemeinend gemeint sein.Wenn ich aber nur die 7 höre: Järvi scheint da kein Konzept zu haben, womöglich vertraut er den Noten ja einfach....Mengelberg hingegen baut das Tempo auf über die ganzen 35 Minuten und übertrifft zum Schluss die Metronomangaben sogar.
    MB ist Järvi näher, mir die Architektur Mengelbergs.
    Jeder Jeck is anders. :D .


    sehe gerade die zweite Staffel und finde sie noch spannender als die erste.
    Erzählt die Vorgeschichte zu "Misery" und lässt sich dafür viel Zeit.
    Sie endet mit dem Satz: "Ich bin Ihr allergrößter Fan" und leitet direkt somit zum Film über.


    Nun bin ich sehr wohl abgebrüht in Sachen Horror im Film, aber hier wird er derart geschickt subtil aufgebaut, getragen auch von Tim Robbins, dass sich mir Haare aufstellten, die ich längst verloren glaubte.
    Absolut sehenswert!

    Hab das jetzt auch nachverfolgt. Und mir entsteht der selbe Eindruck wie dem Doc.


    Gern würde ich den Bogen aber weiter schlagen: Maß der Dinge ist nicht mein Verständnis der Musik, sondern sie selbst. Ich weiß da gar nix!
    Das geht nur innrhalb einer gewissen Kommunikation, Maß aller Dinge aber kann nicht ich sein, nur Hörer und in der Lage, meine Eindrücke beim Höären zu formulieren, armselig wie immer.


    Ich weise auch alle Vorwürfe ab, die mir anlasten, ich würde Bachs Musik und die Mahlers mit zweierlei Maß messen: ja, das tue ich!


    Weil die Musik beider, Bachs und Mahlers, zwar ganz sicher Begegnungen erlaubt, aber insgesamt von anderen Voraussetzungen ausgeht.
    Die eine erlaubt, ja, wünscht Freiheit und Improvisation, die andere ist so penibel genau notiert, das jegliche Improvisation ausgeschlossen sein müsste.... nicht ist.


    Ich fand merkwürdigerweise die Stellen Mitropolous', in denen der das Orchester nicht im Griff hatte, als die überzeugendsten.
    Weil vielleicht die Musik davon lebt, so offen zu sein statt fest definiert?
    Mitropoulos sich erlaubt, was auch ein Bernstein nie zuließe: Musik um ihrer selbst willen.


    Und ich finde, das steht keineswegs im Widerspruch zu meiner Vorstellung von Notentreue bei Mahler!


    Mal wieder um Kopf ud Kragen....

    Archipel, Andromeda etc. bei Scherchen sind überwiegend identisch, zumindest oft von den selben Quellen gezogen, meist von LP.
    Ähäm, einiges davon stammt von mir und aus meiner Sammlung.
    Beide Labels, Archipel und Andromeda, lagen beim selben Inhaber.


    Allein Tahra hat da eigenes Material verwendet, meist aber auch die LPs als Grundlage benutzt.
    Erinnere mich noch mit Vergnügen an einen Streit mit Miriam Scherchen in einem Plattenantiquariat, in dem sie meinte, die von mir gefundene LP stünde ihr zu, da sie doch die Tochter Scherchens sei....
    Auf ihre Veranlassung hin musste dann auch Archipel und Andromeda, wie gesagt: eigentlich eins, die Veröffentlichung von Scherchen- Aufnahmen einstellen, da beide (alle drei) Labels im selben Vertrieb in den Markt gebracht wurden.


    Falls Details und Hintergründe interessieren: zur Grundlage benutzten wir die damals beste Pressung, die zur Verfügung stand. Für die Bach- Kantaten mit Scherchen, bei Archipel veröffentlicht, die japanischen Pressungen, die ich geschenkt (!) bekam vom Chef- Einkäufer von "Ludwig Beck" in München.
    Die Beethoven- Aufnahmen stammen überwiegend von US- "Westminster"- Originalpressungen; wenn ich mich recht erinnere, musste ich nur bei der 7 auf eine Heliodor- Pressung zurückgreifen, die deutlich schlechter klang.


    Technisches Äquipment war mein Thorens 3001 BC mit Korkmatte und dem Sumiko Blue als Abnehmer, dem Camtech- Phonovorverstärker und, damals noch, dem Philips- CD- Recorder, da die Soundcard im PC einfach...ohne Worte...grottenschlecht war.
    Remastert hat das dann der Labelinhaber, nur selten hatte ich zunächst Möglichkeiten und Mittel, es selbst zu machen.
    Erst den "Messiah" Scherchens bei Archipel habe ich ganz selbst zu verantworten.


    Aber das alles ist mehr als zehn Jahre her. Ich verfolge natürlich die Arbeit der DG bei den Wiederveröffentlichungen des Westminster- Katalogs und finde auch hier wieder: keine der alten Aufnahmen klingt gleich. Eine jede hat verdient, dass man ihr mit Respekt begegnet und sie individuell berarbeitet.
    Irgendwelche Standardeinstellungen zerstören mehr als sie nutzen.


    Aus dem Nähkästchen geplaudert, der zeitliche Abstand mag es erlauben?
    Aber leider, leider sind diese Spiele ja vorbei, da das Urheberrecht ausgedehnt wurde.
    Das Friemeln an historischen Aufnahmen geht heute nur noch im privaten Bereich.
    Mein Spaß, mein Vergnügen, meine Art, mich mit derlei Historischem zu befassen als mit bloßem Hören und beklagen, wie "schlecht" da was klänge.
    Jegliche Motivation, da Hörbares zu produzieren, ist ja ausgebremst mittels des Urheberrechts.


    Persönlich bastele ich weiter an Mengelbergs Beethoven und es kann sehr wohl gelingen, den historischen Klang in den Hintergrund treten zu lassen, die Eigenarten der Interpretation aber zum Gegenstand zu machen.
    Bis zur Zweiten bin ich schon gelangt....aber um wieviel lebendiger ist das als P.Järvi!Lebende, atmende Musik, keinem Dogma an Tempo unterworfen...


    Jetzt werde ich aber wirklich zu ausschweifend.....

    Habt bitte ein Nachsehen mit mir, ich habe die vorhergehenden postings nur überflogen.
    Und fasse also womöglich in Worte, das längst gesagt wurde.


    Ich habe den Film gern gesehen, aber muss das kein weiteres Mal tun.
    Mir sind Charaktere und die gesamte Entwicklung zu zielstrebig aufgebaut, das läuft ja wie ein Räderwerk ab und wird irgendwann vorhersehbar (sorry, Äquivalent zu Paavo Järvis Beethoven....nicht krummnehmen bitte).


    Ich weiß auch nicht, ob das Problem des geteilten Korea da eine Rolle spielt und irgendwie der Film eine Lesart sein könnte einer Wiedervereinigungsvision wie die in D?
    Vielleicht interpretiere ich da auch zuviel hinein?
    Zuwenig?
    Mir blieben die Charaktere aber einfach zu eindimensional, Entwicklungen verlaufen ohne Zweifel und Ergebnisse sind, wie gesagt, vorhersehbar.


    Sah den Film aber auch direkt nach "Knifes Out" und zog darum womöglich unzulässige Schlüsse.
    Um "Parasite" im Bunde des Sehens von "The Good Liar", den ich danach sah, als den simpelsten wahrzunehmen.
    Wobei natürlich in " Das alte Böse" Hellen Mirren und Ian MacKellen ein Kaliber bieten, das vielleicht in "Parasite" gar nicht gewünscht ist.


    Wie es auch sei, mir ist der Film zu simpel, zu schlicht in beinahe jeglicher Hinsicht.
    Dabei muss Schlichtheit ja nicht negativ gemeint sein.


    Einer unserer Demenzkranken bedankte sich bei mir dieser Tage mit lateinischen Worten und ich fand mich in Gedanken wieder bei Bachs BWV 232.
    Kommunizierte ihm das und seine Antwort bleibt mir unvergesslich: "Mein Kopf ist wie ein Käfig, in den kein Licht mehr hineinfällt. Aber jetzt wieder Musik, Dank Ihnen."
    Und er weinte und bedankte sich, er habe sich nie Gedanken gemacht um derlei Dinge. Jetzt aber könne er schlafen und würde behütet, welch Geschenk.


    Projiziere ich solche Erlebnisse auf "Parasite", fehlt eben all die Farbe, all das Grau zwischen dem Schwarz/Weiß in solchen Abhängigkeiten.
    Eine Woche ist vergangen, dass der alte Herr und ich einander wiedersahen, aber er erinnerte sich an unser Gespräch.
    Hat emotional einen derart bleibenden Eindruck hinterlassen, den "Parasite" gewiss nicht hinterlassen hat bei mir.
    "Knives Out" oder "The Good Liar" schon eher.
    Diesen "emotionalen Fußabdruck".


    Vielleicht vermische ich auch Dinge, die nicht zusammengehören.

    Gerade ein komplettes Haydn- Programm, ist ja wirklich selten geworden im Konzertsaal:
    https://oe1.orf.at/player/20200316/591911


    Klanglich etwas unausgewogen, dass da ein Continuo- Cembalo mitspielt, ist kaum zu vernehmen.
    Insgesamt aber gefällt mir das wahrlich sehr!
    Haydn aus Sicht des "Sturm und Drang", der "Empfindsamkeit", doch nie in eine Richtung gebürstet, sondern immer organisch entwickelt.
    Darüberhinaus freut mich, dass Amandine Beyer und Gli Incogniti das reine Barock- Repertoire verlassen und nun auch Haydn musizieren.
    Mit mehr Farben zwischem dem gewissen "Schwarz/Weiß", das von Antoninis GA, den bisherigen Aufnahmen zumindest, zu hören ist.


    Noch nicht gehört, aber als nächstes anstehend: ein Mitschnitt mit Europa Galante und Biondi mit Streichquartetten Mozarts und Monzas.
    Ein kurzes "Reinschnuppern" hat Lust auf mehr gemacht, Biondis Mozart ist ja immer unorthodox- und ich mag das so.
    Zumal Biondis Truppe besonders in kleiner Formation wirklich ganz fein in der Lage ist, Quartett zu spielen auf allerhöchstem Niveau und, so finde ich, Formationen mit "großen" Namen im einander Zuhören und aufeinader Reagieren oft recht "alt" aussehen lässt.


    Noch so ein Film, der mir nachgeht.
    Ob er mit anderen Schauspielern als Hellen Mirren und Ian McKellen ebenso "funktionieren" würde, weiß ich nicht- aber sie spielen ihn!
    Und das so selbstverständlich böse, dass es den Film in die Riege der ganz großen einreihen könnte.


    Für mich: ganz großes, ganz böses Kino der besten Art!


    Gerade Beethoven mit Leibowitz von LP, jüngst erworben.
    Hatte zuvor die Chesky- CDs, die ja gut klingen, mich irgendwie aber doch nie befriedigten.


    Nun: die LPs klingen .....anders vor allem. Besser? ?(
    Im Grundtonbereich weniger konturiert, was ich bedaure, in den Höhen allerdings deutlich luftiger. Das aber irgendwie nicht relevant.
    Das Timing scheint ein anderes. Einsätze haben Biss und das Maß "Gift", das mir von CD fehlt.
    Phrasen hingegen, die auslaufen, dürfen auch an Bedeutung verlieren, um den folgenden Akzent wirken zu lassen. Von LP alles da.


    Beklagte ich doch schon mehrfach, dass dieser Beethoven mir zu "ölig" klänge, ablaufend wie ein Uhrwerk.
    Das scheint mir von LP anders, Atempausen inbegriffen und Mikrodynamik bewahrend, die ich von CD nicht hören kann.


    Dabei höre ich beides nun von Festplatte, die CD wie die LP, diese digitalisiert mit 24/192, also quasi unabhängig von CD- Player oder Plattenspieler..


    Und die ganzen Fummeleien, Plops und Klicks zu entfernen, stehen mir noch bevor: aber dafür lohnt sichs wirklich!


    (Nebenbei: die Anschaffung der Aufnahme Paavo Järvis auf LP hielt ihr Versprechen nicht gleichermaßen, wobei der Vergleich auch unfair ausfallen mag: sie ist hörbar und sichtbar im Frequenzspekrtrum digital aufgezeichnet.)


    Nach wie vor ist mir Scherchen aus Lugano lieber oder der im Entstehen begriffene Zyklus Savalls- oder die eher subjektiven Sichtweisen Klemperers (Wien 1960, die späte Siebente von 1970/71 !) oder auch Brüggens, live 1996 in Paris....aber so allumfassend, erschöpfend wird wohl
    nie eine Aufnahme sein. Die Auseinandersetzung lohnt ja immer!


    Tartini war es, der Vivaldi vorwarf, die menschliche Stimme wie die Geige zu benutzen- ich frage mich, ob der Umkehrschluss nicht ebenso gelten dürfe.
    Tartini selbst unterlegte seinen Konzerten nur zu oft Texte Metastasios .


    Höre gerade einen Mitschnitt Biondis aus Bukarest mit eben jenen Vivaldi- Konzerten, aufgemischt mit Arien, gesungen von Vivica Genaux.


    Wieder: live ist Biondi faszienierend, kleine Ungenauigkeiten in der Intonation stören nicht.
    Die Improvistationen, das Zusammenspiel....sind überwältigend überzeugend.
    Der Spieltrieb bei dieser Musik sollte so grenzenlos sein wie bei Biondi live!


    Und ja: bei dieser Musik ist jede "Sauerei" erlaubt, jeder Spaß, jede Freiheit.
    Bei Mahler nicht mehr, bei dessen Musik geht es um ganz anders.


    Biondi live- ein Fest!


    macht mir gerade große Freude.
    Die Verquickung von Virtuosität und Gesanglichkeit.
    Im langsamen Satz des A- Dur- Konzerts auf die Spitze getrieben, singt die Violine doch eine der schönsten Arien der Zeit ohne Worte.
    Die Balance von "HIP" und "Romantik", also ewigen Bögen, wird hier wirklich herzergreifend schön eingefangen.
    Nur Chiarappa konnte es noch schöner auf der CD von '93 bei Denon mit der Accademia Bizantina, noch beredter und schlichter gleichermaßen.


    so richtig lesenswert Biondis Text, in welchem er sich Gedanken macht um Aufführungspraxis und sich äußert zu I Musici und I Solisti Veniti.
    Die Musik selbst, also die Aufnahme: gelungen, ja. Nur mal wieder: ich kenne Biondi- Mitschnitte des Programms, dort wirkt nichts so abgezirkelt wie im Studio. Improvisationen, manchmal auch "große Bögen" sind ihm live leichter, selbstverständlicher gelungen- mit auch mehr Schwierigkeiten in der Intonation.
    Was ich akzeptabel finde im Rahmen eines Konzerts.


    Schön zu hören, aber ein "großer Wurf" ist die CD nicht, finde ich.
    Vielleicht hätte man besser daran getan, die Mitschnitte zu veröffentlichen zum Anlass des Jubiläums.

    Kein Bildchen, weil live: Mozarts Klavierkonzerte KV 482 und 595 mit Peter Frankl und Szell, live im Juni 1967.
    Szell im Konzert (wie immer) entspannter als im Studio. Frankl steht Casadesus kaum nach, ist etwas "sanftmütiger" als jener.
    Der eigentliche Star des Abends ist für mich ohnehin das Orchester, insbesondere bei KV 482: so famos habe ich den Bläsersatz wirklich selten gehört!
    Und dann noch in der Balance zu den anderen, also Streichern und Klavier.
    Dieses Spiel miteinander, manchmal auch gegeneinander, dann aber wieder wunderbar zu einer Einheit verschmelzend- für mich ist das perfekter Mozart.


    KV 595 kommt der live- Charakter sehr zugute, dem seltsamen Nachsinnen, das Mozart da komponiert, nur auf den ersten Blick schlicht.
    Auch hier wieder diese wunderbare Abstimmung der Stimmen, der Bläser im Kontext.


    Eigentlich mag ich das Konzert gar nicht besonders....jetzt hör ichs schon zum zweitenmal...


    ...oder so: https://www.amazon.de/Sinfonie-2-4-l-Stokowski/dp/B00000GV4J
    ...bin zu blöd, Cover einzustellen.


    Höre gerade nicht Mahler, sondern den Brahms, das auch noch von LP.


    Stoki überrascht mich mal wieder, einmal mehr. Die Gestik des Beginns der Sinfonie in eine Art des Gebens und Nehmens deutend, dynamisch, rhetorisch deutlich unterscheidend.
    Rhythmisch und tempogestaltend nimmt er sich ohnehin viele Freiheiten heraus- aber mir gefällt das sehr.
    Die Aufnahme hat die Emphase, die Carlos Kleiber gern hätte.....dass manchmal Stimmen nebeneinander zu laufen zu scheinen, statt geeint daherzukommen, ich weiß nicht, steht das vielleicht sogar in den Noten?


    Eine im besten Sinne "barock" wirkende Aufnahme für mich, wach, höchst aufmerksam und klanglich fein abgestimmt. Aufgesetzt auf der Gestik der ersten Takte des ersten Satzes.


    Hörte vor einer Weile drei Haydn- Sinfonien unter seiner Leitung- und war ganz platt. Sehr differenziert und feinsinnig, ganz fern vom "Breitwand"- Sound, den ich Stoki insgeheim immer unterstelle.
    Sein Brahms von 1974 hier passt dazu, meinem Vorurteil zu widersprechen.


    Ganz ehrlich: erinnert mich an Carlos Kleiber. Nur freier, gelöster und weniger "gewollt" . Zumindest, was dessen Studio- Platte angeht, in Ingolstadt oder mit den Berlinern legt Kleiber auch anders los.
    Die DG- Aufnahme ist für mich kein "Brahms- Himmel"- Stokowski kommt dem wirklich näher.
    Von LP stimmt auch das timing und der satte Klang, den Stoki als Maß nimmt, um ihn sofort aufzudröseln.
    Ganz andere Lesart als Paavo Järvi oder andere jüngere Einspielungen.


    Brahms': "Ich habe etwas zu sagen!, dazu aber muss ich nicht laut sein", findet Stoki beeindruckend treffend.
    Verdruckst ganz gewiss nicht wie manch neuere Aufnahme.
    Hier pralles Leben, Leidenschaft, Genuss auch bei allem Hinterfragen....


    für mich eine Art Neuentdeckung des Werkes. Man lernt halt nie aus.

    es ist merkwürdig....Szell scheint immer so kontolliert und lässt dann doch unterschwellig die Sau raus- Widerspruch in sich.
    In diesem ständigen Kontrollieren und Loslassen gleichzeitig ist mir seine Aufnahme die "mendelssohnsche" überhaupt.
    Manchmal sogar scheint dieses "Werkzeug" Szells, das Binden und Loslassen gleichzeitig, die perfekte überhaupt...denn: was anders macht Mendelssohn selbst im Rahmen von Tradition und Neuem?


    Unterschlagen hier Frans Brüggen, der auf der CD brav wirkt, live aber dieses seltsame "Reiben" von "alt" und "neu", von Emphase und Kontrolle, erschöpfend fasst.


    mal wieder....und ich werde nicht warm damit. Nix gegen Rameau, den finde ich großartig!
    Bei Brüggen aber irgendwie besser aufgehoben, bei Savall oder McGegan, bei dem zumindest in der Aufdröselung der Stimmen (ja Benno, die Fagotte!).
    Bei Savall in der Art "Humanismus", den diese Musik auch rüberbringen kann. Bei Brüggen fühle ich mich am wohlsten: da darf die Musik extrem "verrückt" sein, aber auch zutiefst anrührend.
    Theatherdonner: aber klar! Sich versenken in Verschrobenes, Verwobenes a la Voltaire: auch.


    Currentzis kratzt da in meiner Wahrnehmung nur an der Oberfläche. Das macht Spaß, aber die Musik Rameaus gibt mehr her.
    https://orchestra18c.com/videogallery/#
    Höre ich den "Sonnenaufgang" aus "Les Boréades", geht wirklich die Sonne auf, bei anderen wird eine Taschenlampe eingeschaltet- wie bei Currentzis.


    Die Musik für mich, ins Neue Jahr zu wechseln, dieser Sonnenaufgang.
    Mit allem "Heizefeitz" drumrum. Auch in der Erinnerung an Roger Willemsen, der Rameaus Musik als Vehikel nahm, Kommunikation für Manager als Seminar zu führen.
    Rameaus Musik ist, so glaube ich, mehr als "fun".


    200% zuviel salbadert....allen hier ein Gutes Neues Jahr!