Beiträge von Hempel

    Äh, mei Gudsder,
    dis Vergnüchen hadde ich, weil zehn Jahre Leipzsch Deil meiner Biographie sin'.


    In denen ich Frau Schornsheim auch persönlich kennenlernte und schätzen- umso mehr verwundert mich ihre Wahl des Ruckers.


    Nu aber lass uns das klären mit dem "Babbelboom-B" un dem "Bernboom- B" und sie weiter gute Musik spielen :verbeugung2: .


    Herzliche Grüße,
    Mike

    Lieber Christian,
    nö. Es ging mir nicht um diese Ausschließlichkeit.


    Dein Satz aber:


    Tja, darum ging es hier aber nun einmal gerade nicht:

    überrascht mich, denn dann habe ich ganz sicher ....wie hieß es in der Schule?: das Thema verfehlt.
    Deiner Meinung aber bin ich, dass es eher sinnfrei ist, darüber überhaupt zu streiten; nämlich über die vielen Unbekannten der Gleichung.
    Über das, was der Komponist wünschte, was er zur Verfügung hatte auf der einen Seite der Wagschale- und dem, was wir in unsere werfen: unsere Wünsche und Klangvorstellungen.


    Was uns hier gelang, ist doch vor allem, Partei zu ergreifen für vor allem unseren jeweils eigenen Geschmack! Davon nehme ich mich nicht aus und, Du sei ehrlich zu Dir, tust das genausowenig.
    Ästethik bedeutet nunmal Wahrnehmung, oder, wie Kant es zu differenzieren weiß, die Art und Weise der Wahrnehmung.
    Meine Art und Weise wird stets der Versuch bleiben, Musik etc. aus dem zu verstehen und zu begreifen, was zur Zeit ihrer Entstehung objektiv vorhanden war.
    Alles andere ist Interpretation, derer ich mich auch gern hingebe und erst gestern erst wieder die GBV mit der Yudina hörte und es mir an nichts mangelte.
    Außer vielleicht an einem besser klingenden Flügel :D .



    Und ich fasse den Begriff "Ästethik" auch gern größer und setze musikalisches Erleben ins Verhältnis, z.B. eben auch zum Sterben und der Kunst, das würdevoll und mit angemessenen Mitteln zu tun. Ästethik ist mehr als Schönheit, als Perfektion; ist eine übergreifende Disziplin, die sich für mich nicht in einzelnen Noten verliert.



    Was für Dich Inbegriff von Schönheit ist, mag auf mich nicht zutreffen- umgekehrt ebensowenig.
    Der Reichtum ergibt sich daraus, den eigenen Standpunkt nicht zu verteidigen, sondern ihn zu erweitern.


    Herzliche Grüße,
    Mike

    ...eine Praxis, die auch Vivaldi schon kultiviert hat: nix mehr drucken lassen, sondern als Einzelstück verkaufen: kommt mehr Schotter rüber, wenn man sich rar macht.


    Möchte aber doch nochmal auf die Ästethik zurückkommen.
    Andernorts enstand ja ein ähnlicher Thread und auch dort geht es um die Frage, ob "historische" Instrumente in der Lage seien, das wiederzugeben, was der Komponist wünschte.
    Anhand eines Chopin wurde verneint: ein Hammerflügel sei unzureichend. Erst das moderne Klavier könne dem genügen.
    Kaum neu, aber ich teile diese Meinung eben nicht und füge hier, wenn gestattet, meinen dortigen Beitrag hier ein. Das Thema ist derart verwandt, dass ich mir das zu erlauben gedenke:
    "...etwas schmunzelnd, aber ernsthaft gemeint:
    Ich habe heute meine Musiksammlung auf Festplatten, CDs, DVDs, BDs, da
    klingt alles perfekt, ausgewogen, fehlerfrei. Mein Verstärker arbeitet
    mit überdimensionierter Leistung, ohne Rauschen und Klirr und linearem
    Frequenzgang von 20Hz bis 20kHz.
    Also glaube ich nicht, dass mit einer Schallplatte und einem
    Röhrenverstärker überhaupt möglich ist, Musik adäquat wiederzugeben.
    Oder etwa doch?
    Und überhaupt: wie haben die früher überhaupt Kaffee gekocht, so ohne
    High-Tech-Automaten....tz tz tz....muss doch gräuselig geschmeckt
    haben....


    Will aber sagen, dass sich jeder von uns schonmal gefragt hat, wie "die
    das früher" überhaupt gemacht haben. Sei es im Buchdruck, in der
    Architektur oder sonstwo.
    Statt Perfektion ist Kunst entstanden. Sowie ein wirklich schöner Mensch mehr ist als hübsch und ebenmäßig.
    So eben unsere Enkel und Kinder uns verlachen und der Meinung sind, man
    könne ohne Handy nicht kommunizieren: "krass, echt, so mit Stift auf
    Papier einen Brief schreiben? Was' n "Brief"? Hier, guckst du, Whats
    App".
    Sie tun das, was wir selbst gern tun über die Möglichkeiten Älterer, die
    wir doch gar nicht einschätzen können und urteilen und verurteilen
    schlimmstenfalls.
    Nur beim Sterben sind sich wieder fast alle einig: am liebsten zu Hause
    und ohne die ganze Perfektion, die Maschinen und somit alle verfügbaren
    Möglichkeiten mit sich bringen, da darfs dann wieder imperfekt sein.


    Etwas selbstironisch grinsend, weil so vieles durcheinanderwürfelnd,
    Mike

    Lieber MB,


    siehst/ hörst Du also so ähnlich wie ich...dennoch sei mir die Frage erlaubt, so gut der Ruckers klingt: warum Bach auf einem Ruckers und nicht auf einem sächsischen Instrument? Oder wenigstens einem deutschen?


    Herzliche Grüße,
    Mike

    Lieber MB,
    eigentlich glaube ich nicht, das erklären zu müssen.
    Ein Instrument kann die Möglichkeit haben, allen Aspekten der Wiedergabe gerecht zu werden.
    So liest das Christian, so lese ich das auch, wenn auch unter völlig verschiedenen Voraussetzungen.


    Ich würde sagen: höre dieses Insrtument und Du weißt, wie "autoritär" ein Instrument klingen kann.


    Darüberhinaus; nicht nur Menschen, Gruppen etc. erschaffen Autorität. Mach Dich nicht kleiner als Du bist. Da gibt es Gesetze, Berge, einen Himmel...was darin auch immer verborgen sein mag.
    Komm nicht so krümelig bitte.


    Und was Bach erwartete, weiß ich ohnehin nicht. Was aber in seinem "Dunstkreis" an Instrumenten zu spielen war, das möchte ich sowenig leugnen wie das, alles darüber zu wissen.


    Mein Gott, sind Grauzonen denn nicht gestattet?
    Nochmals: höre dieses Instrument und erlaube, es wirklich ...äh....falsch... autoritär klingen zu lassen ohne zu mäkeln.


    Eigentlich wollte ich diesen Beitrag löschen. Zu persönlich, zu weing objektiv, zu wenig sendungsbewusst...darf ich mal einfach was genießen ohne Kritik?

    ..nicht ganz passend zur Frage des Generalbassspiels, aber dennoch ein Beispiel, das zum ureigentlichen Thema der Ästethik zu passen scheint:

    Eine außergewöhnliche Aufnahme!
    Puyana spielt auf einem Instrument mit bewegter Geschichte, nachzulesen auf der Homepage des Labels.
    "http://sanctusrecordings.com/"
    Klanglich jedenfalls ein Instrument mit absoluter Autorität!
    Puyana erliegt der zweifellos reizvollen Versuchung nicht, nun jeden Satz neu zu registrieren oder ein "Klanggewitter" vorzuzeigen.
    "Vorzeigen" ist seine Sache nicht, eher geht er die Werke mit großer Gelassenheit an, artikuliert überlegt, oft auch großzügig- und überlässt das Klingen seinem Instrument.
    Das an Registern und Klangfarben einen Reichtum zur Verfügung hat, auf dass diese drei Stunden vergehen wie im Fluge. Und nie eingeschränkt sind durch klanglich mangelnde Ressourcen, ganz im Gegenteil.
    Eine kluge, klangschöne und auch durchaus emotionale Einspielung. Eine Entdeckung für mich.


    Steht völlig im Gegensatz zur Aufnahme von BWV 1079, das ich gestern zu hören versuchte: mit Ramin Bahrami. Bachs Musik ist zu umfassend, um sich vom Klavier negativ beeindrucken zu lassen. Doch in den Canons, der Sonate, in der Klangmischungen gefragt sind wie ich es höre, klingt das alles sehr synthetisch und unausgewogen.
    Eigentlich eine Aufnahme, die ich Christian empfehlen wollte, da ich dessen Vorliebe für "moderne" Instrumente durchaus respektiere- aber angesichts des klanglichen Ergebnisses tue ich das nicht, weil ich nichts übrig habe für Sarkasmus bei Empfehlungen.

    Man sehe mir den leicht ironisch gebrochenen Respekt nach, dass ich Klangwelten für relativ und eine persönliche Entscheidung halte, nach.


    Herzliche Grüße,
    Mike


    ...die Zweite.
    Die Kritik der Uraufführung mit den Worten von "crassen Lärm" für den wachen Hörer eine Bereicherung.
    Nirgends Schönklang, immer Suche nach dem richtigem Tempo, immer mit Mut, Neuland zu entdecken, Stimmführungen geradezu exhibitionistisch offenzulegen....für mich eine der ganz wenigen Aufnahmen, bei denen ich auf der Stuhlkante sitze und gespannt bin auf das, was als nächstes kommt.
    Fernab davon, die Werke zu kennen zu glauben.

    ...gerade Schuberts "Winterreise"


    Eine irgendwie... brüchige Aufnahme, mit einem Sänger, der über siebzig ist und einem Hammerflügel als Begleitinstrument.


    Haefligers Stimme ist erstaunlich intakt, Piani gelingen und gelegentliche Forte- Highlights ebenso.
    Vor allem aber singt ein lebenserfahrener Mensch, der "nichts machen muss", sondern meist einfach singt.
    Und Dähler? Ja, er begleitet und noch mehr: übernimmt schonmal die Linie.
    Und das mit allem Farbreichtum, den sein Graf- Clavier hergibt, schnarrende Register, una corda- Zug....,Reichtümer, die späteren Instrumenten abgehen.


    Was an Klang andere als Armut empfinden, kann für mich ein Reichtum sein.


    Herzliche Grüße,
    Mike

    ...geht jetzt der Sinn für Ironie und Sarkasmus- also letztlich Humor, vollständig flöten?
    Humor schafft Abstand! Den suchte Accidental herzustellen: einen Schritt beiseite gehen und mal kurz Luftholen.
    Zumindest verstehe ich seinen Beitrag derart und nicht verbissen immer tiefer zweifelhafte Thesen aufstellend.


    Dass ich das, was er eigentlich meiner Meinung nach sagen möchte mit seiner Ironie, sehr ähnlich sehe, wird niemanden hier wundern.
    Meine Sicht auf die Goldbergs- und nicht nur die-, ist der Christians diametral verschieden.
    So sehe ich eben nicht vorrangig technische Gründe für Manualwechsel, sondern vor allem farbliche und bin ebenso der Meinung, dass farbliche Charakterisierung der Einzelstimmen besonders in mehrstimmigen Fugen bei Bach geradezu angelegt ist. Die allein technische Machbarkeit ist dabei eher eine Art Nebeneffekt in der Verteilung auf mehrere Manuale.
    Weder bin ich fortschrittsgläubig, noch Instrumentenfetischist und verteidige daher nur bis zu einem gewissen Maße meine Vorlieben.
    Bin allerdings überzeugt, dass Bach, und nicht nur der, sozusagen im Hinterkopf hatte, wie er seine Musik realisiert haben möchte und bezweifle im Allgemeinen Visionen.
    Meine also, dass für Bach Komposition und die für ihn bestehende Klangwelt zunächst kongruent seien.
    Das ist, was ich meine mit: "In den Schuhen des anderen gehen".
    Was jeder heute, mit anderen Instrumenten, anderen Hörem und Hörern etc. daraus macht, ist ein anderes Thema.


    Dennoch ist es für mich zunächst eine Frage des Respekts vor Bach oder sonstwem, den Versuch zu unternehmen, die Klangwelt des Komponisten möglichst vorbehaltlos zu ergründen. Erst daraus entwickeln sich für mich dann Tendenzen und Vorlieben und interpretatorische Sichtweisen.
    Als Basis dafür, auch auf Instrumentarien Bach zu spielen, die Bach nicht kannte.


    Womöglich legt man mir zur Last, ich würde "das Pferd von hinten aufzäumen" und würde entgegnen, andersherum sei das der Fall- von Heute schließen auf damals, während ich den gewagten Versuch mache, von damaliger Realität auf Heute zu schließen.
    Mit allen Unwägbarkeiten und Beweislücken.
    Wird stets ein Versuch bleiben, eine Annäherung mit großer Unsicherheit.


    Darum bedanke ich mich für den Beitrag von Accidental, der versucht hat, Abstand zu schaffen, was den Blick schärft.
    Ich weiß, dass ich nichts weiß- und wenn ich Wissen zu erwerben trachte um Bach herum, bin ich auf dessen Angaben und die seiner Zeitgenossen angewiesen.
    Mein heutiger Standpunkt, der heutige technische Standpunkt, ist allenthalben relativ und kann nichts sagen über damalige Gegebenheiten.
    Ich erlaube mir also diese Großzügigkeit, nichts zu wissen, in Maßen zu argumentieren und meinen Standpunkt nur sehr selten zu verallgemeinern.
    Vielleicht glaube ich das auch nur von mir- wie manch anderer womöglich von sich.
    Wenn jemand etwas zu verteidigen hat, dann liegt eben auch ein Schwachpunkt vor.
    Wovon ich mich keineswegs ausnehme!


    Darum nochmals danke für Ironie, Spott und Sarksamus!


    Herzliche Grüße,
    Mike

    zum zweiten Male diese hier:

    Als Cembalosonaten ausgewiesen bei jpc, spielt Bogner doch Clavichord, in Klammern ausgewiesen.
    Eine Kopie eines Instruments von Christofori, von dessen Handwerkskunst sich wohl einige Instrumente in der Sammlung befanden, die Scarlatti zur Verfügung hatte.
    Skeptisch war ich selbst ja zunächst: Scarlatti und Clavichord...hm.
    Aber Bogner spielt derart klug disponierend und nutzt auch über große Flächen die Möglichkeiten dynamischer Abstufungen und Steigerungen, dass es mir große Freude bereitet- ohne alle "Biestigkeit" des Ästethik-Threads.
    Für mich die erste Entdeckung des Neuen Jahres!


    Herzliche Grüße,
    Mike

    ..zu konstatieren bleibt wohl, dass hier sehr unterschiedliche Ansichten- Absichten womöglich?- vertreten werden und ein Konsens nicht möglich ist?
    Oft genug das Respektieren der Meinung anderer kaum möglich scheint.


    Für meinen Teil habe ich nicht vor, Christian davon zu überzeugen, dass ein Cembalo oder ein Fortepiano wohlklingende Instrumente sind, wenn mit entsprechender Kunstfertigkeit traktiert- ebensowenig wie ich ihm folgen werde, dass modernes oder "modernes" Instrumentarium die perfekte Lösung sein kann für jede Art von Musik.
    Er schreibt von "mickrigem Klang" historischer Instrumente und offenbart damit seine Vorstellung von Ästethik, der ich nichts entgegnen kann ohne mit gleicher Wortwahl zu antworten, so geringschätzend wie er, was mir abgeht.
    Für mich gilt allenthalben, dass ich "moderne" Instrumente mehr als angemessen finde bei "moderner" Musik und also per se nichts gegen den Steinway als solchen einzuwenden habe.


    Völlig ernüchtert hat mich der Beitrag Dufays. Ich kenne Clavichord-Aufnahmen anders als er.
    Da hört man nicht nur das Atmen des Spielers, da hört man Windböen um das Aufnahmegebäude streifen und eine morgendliche Lerche zwitschern und Spatzen fiepen, auch erste Autos und Motorräder von Frühaufstehern. Denn die Umgebungsgeräusche relativieren die Lautstärke des Instruments innerhalb einer lebendigen "Oberfläche".
    Und ich mag das! Meine Ästhetik ist nicht die, Umgebungsgeräusche auszublenden- und teile die Ansicht nicht, dass das Kappes ist.
    So wie mit der Aussage von "Kappes" impliziert, meine Sätze zu Clavichord und Aufnahmetechnik.


    Ein lieber Freund, der hier mitlas, murmelte etwas von "..Brett vor'm Kopf"- woraus ich Konsequenzen ziehe und mich zumindest hier nicht mehr zu Wort melden werde.


    Um dem vorzugreifen: beleidigt fühle ich mich nicht. Nur um eine sachliche Disskussion betrogen.

    ...mich plagt gerade der Tinitus, darum höre ich Flöte lieber nicht, sondern schreibe anhand von Erinnerungen: Jed Wentz steht zu nahe am Mikrophon, spielt noch dazu seine Cabassa- Flöte, schon deshalb gelingt eine Balance nicht wirklich gut.


    Insgesamt finde ich jedoch, dass Bach einen wachen, mündigen Hörer voraussetzt, der nicht jede Stimme immer gleichberechtigt "aufgetischt" bekommen muss, sondern fähig ist, zu abstrahieren und ein mehrmals vorgestelltes Thema auch erkennt, wenn es klingend nicht jederzeit im Vordergrund steht.
    Die Flute traversiere ist ein eher leises Instrument, das sich aber anhand seiner Klangfarben Gehör verschafft- und ein Cembalo kann richtig laut sein.
    Ich glaube immer wieder, dass Bach eben auch damit spielt, Stimmen in den Hintergrund treten zu lassen, statt sie ständig omnipräsent hörbar zu wollen.
    Wie gesagt, der "wache Hörer" nimmt sie auch wahr, wenn sie nicht ins Ohr gedrückt werden.
    Gleichberechtigung aller Stimmen heißt für mich nicht, jederzeit alles auf gleichem Lautstärkeniveau hören zu müssen, sondern deren Gewicht fexibel verlagert.
    In einem Gespräch zwischen drei Menschen kann ich auch nicht jedem gleich gut zuhören, da wähle ich auch aus und setze Prioritäten- genau das tut Bach in seinem Konzept innerhalb der Komposition, indem er den Gesprächscharakter auch klanglich so differenziert, dass es stets spannend bleibt, aber nicht alle Stimmen gleichzeitig sozusagen "das letzte Wort" haben. Es reden eben nicht alle gleich laut und intensiv und damit aneinander vorbei, sondern nehmen sich zurück oder spielen sich ins Zentrum, hören auch mal zu und schweigen, um dann wieder das Wort zu ergreifen.
    Bachs Musik ist doch nicht allein "Strukturmusik", sie lebt auch von Rhetorik und von Klang, die er alle drei sehr wohl zu nutzen weiß, wohlabgewogen und sinnfällig.


    Herzliche Grüße,
    Mike

    ..und ich höre gerade:

    Kommen teils noch in recht barockem Gewand daher, sind aber doch schon "empfindsam", erinnern an so manche Triosonate CPE Bachs.
    Der gute, alte Kontrapunkt wird angenehm verbunden mit "modernem" Ausdruckswillen- besonders hörenswert in Folge 1 die Sonate "O Haupt voll Blut und Wunden".


    Sind allesamt, inzwischen besitze ich alle drei Folgen, klangschön gespielt und mit Gespür für diese "Musik zwischen den Stilen".


    Herzliche Grüße,
    Mike

    <p>Lieber MB,</p><p><br></p><p>natürlich stimme ich Dir zu und das Formulieren von "man" ist eher unzulässig.</p><p>Allzu schnell aber wird "man" auch der Arroganz bezichtigt, wenn "man" ein Mittelmaß, einen Kompromiss, sucht.</p><p>Schreibe ich aber allzu persönlich und mit vermeintlichem Verlust von Abstand, wird es wieder schwierig, weil hoffnungslos subjektiv.</p><p><br></p><p>Dabei neige ich eher zum letztgenannten Weg und nehme inkauf, angreifbar zu sein.</p><p>Selbst Dein Schlusssatz: "Wer kennt das nicht", verallgemeinert.</p><p>In Foren schreiben ist verantwortungsvolles, wohlüberlegtes Formulieren. Darum Danke für Deinen Einwurf.</p><p"Man" grüßt, Mike

    ...mal wieder Rundfunk: HR 2 vom 02. März 2015.
    C.P.E.Bachs "Auferstehung und Himmelfahrt" unter Leitung von Diego Fasolis.


    Die Solisten sind nicht immer adäquat, dafür aber Chor und Orchester um so mehr.
    Wichtiger noch: die Tempi sind stimmig.
    So manchen Satz nimmt Fasolis eine Spur langsamer als alle, die ich kenne- und schafft sich Raum für Kontraste und das Rhetorische dieser Musik.
    Wahrscheinlich sogar schwerer zu singen so, was aber in dieser Aufführung kein Problem darstellt.
    Ein "alla breve" zu treffen, ist eine große Kunst- und vom Hörer abhängig, der dieses Tempo sicher oft anders als richtig empfindet. Für mich hier ein Kleinod, das überzeugender ist mit allen Schwächen als alle Aufnahmen, die ich kenne, Herreweghe, Max, Kuijken und noch eine alte Carus-LP.


    Herzliche Grüße,
    Mike
    "http://intoclassics.net/news/2016-01-27-40033"

    ...auch aus meiner Sicht spricht da der Pianist.
    Mein Hörempfinden ist da ein ganz anderes.
    Die Traversflöte mischt sich mit Cembalo und Cello/Gambe eben viel sinnvoller als "Silberflöte" und Steinway.
    Ist aber mein Hörempfinden und soll nicht dazu dienen, jemandem sein eigenes auszureden.
    In meinen Ohren ist Flöte und Klavier die denkbar unglücklichste Variante, Bachs Sonaten zu Leibe zu rücken- aber jedem nach seiner Fasson.


    Nun kam die Frage auf nach dem Clavichord.
    Vorangestellt: ich mag dieses Instrument besonders!
    Kenne aber auch Cembalisten und Hammerflügelspieler, die auf Distanz gehen.
    Nicht, weil ES nicht genügen würde, sondern weil SIE selbst nicht genügen würden.
    Jede Fingerbewegung wird auf die Saite übertragen und somit jeder fehle Anschlag als solcher entlarft.


    Dazu kommt, dass es, heute zumindest, ein "Nachtinstrument" ist.
    Man muss es wirklich leise hören, ungestört von Außengeräuschen- was heute wirklich schwierig ist.
    Die allgemeine Geräuschkulisse macht beinahe unmöglich, sich auf die Stille eines Clavichord einzulassen- mit dem Ergebnis, dass man es zu laut aufgeregelt hört am Verstärker und somit seinen Klangcharakter- und Reichtum nur verkennen kann.
    Selbst die heutige digitale Aufnahmetechnik scheitert hie und da daran, Umgebungsgeräusch in angessenem Abstand zum Klang des Instruments abzubilden.


    Kein anderes Instrument verlangt soviel vom Hörer, sich auf diesen Klang einzulassen- auf die Schwäche, keine Lautstärke zu produzieren, dafür aber Vibrato zu ermöglichen und Klangfarben wie kein anderes Tasteninstrument.
    Mir ist bewusst, dass ich mit meiner Liebe zum Clavichord in extremen Widerspruch stehe zur allgemeinen Meinung und kann daher kaum argumentieren, sondern nur von einer Liebe sprechen, die Stille und Schweigen für wichtig hält in Musik.
    Eine Liebe, die sich innerhalb von Jahrzehnten entwickeln musste und auch diese Zeit benötigte.
    Gut aufgenommen war zu LP-Zeiten selbst das Plattenrauschen oft lauter als das Instrument- man benötigt wirklich viel guten Willens, den Reichtum des Instruments zu entdecken.


    Will sagen: ich verstehe jeden, der mit diesem Klang heute nicht zurechtkommt- und genieße ihn selbst, da ich nunmal Nachtmensch bin und diese absolute Stille gegen 04.00 Uhr gern nutze, Clavichord zu hören- bis fünf, wenn schon wieder die ersten Autos fahren und Geschäftigkeit ins akustische Leben tritt und das Getrappel von früh ausgeführten Hunden laut sein kann.
    Kennt jemand das auch? Dass ein Blatt Papier, das zu Boden fällt, in dieser "magischen Stunde" um vier Uhr herum Lärm verursacht? Genau in diese Zeit gehört der Klang des Clavichord.


    Herzliche Grüße,
    Mike

    ...richtig- sollte aus dem Kontext zu entnehmen sein.
    "Was Alternativen nicht ausschließt und die "Übersetzung" nicht, "Alte Musik" mit heutigen Mitteln adäquat umsetzen zu können."


    Lieber zabki,
    ohne Dich persönlich zu meinen: dieses Zitieren von Halbsätzen ohne Kontext, ist echt......lästig und kontraproduktiv; dazu angetan, jeden Halbsatz missverstehen zu können/wollen.
    Zumindest meine Intention ist das nicht. Sowenig wie Rechthaberei.
    Bin hier, schreibe hier, weil ich auch immer noch Fragen habe!


    Herzliche Grüße,
    Mike

    Und ich dachte, ich sei als gebürtiger Preuße Erbsenzähler :D .
    Nee, natürlich nicht in allen je 48 Präludien und Fugen. Alles in allem aber schon.
    Und wo wird hier, in "Eben gehört", schon "substantiiert" formuliert außer von MB?


    Darum nun also:
    Feinberg hat mich schon beim ersten Hören überrascht. Klingt oft romantisch, wirkt auf mich aber eher logisch durchdacht.
    Oft genug habe ich seine Aufnahme gegengehört mit für mich überzeugenden Cembaloaufnahmen- und war immer wieder "platt", dass er zu ähnlichen Ergenissen gelangt wie Cembalisten.
    Natürlich nicht im Klangbild, aber in Artikulation und Intelligenz, Formbewusstsein und Klangsinn eben auf seinem Instrument.
    Ja, er spielt Klavier- aber eben so völlig. Ohne die Attitüde, ein Cembalo imitieren zu wollen.
    Und er hat stets einen Plan, wie sich ein Präludium, eine Fuge, das Paar entwickelt: woher und wohin.
    Darum ist das für mich eine Aufnahme eines überragenden Musikers- nicht die eines Pianisten in erster Linie.


    Jetzt besser?
    :etsch1: Mike


    Verlinkung klappt nicht: "http://www.amazon.de/J-S-Bach-Samuil-Feinberg-1929-1962-4CD/dp/B009YJE0XG/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1453598055&sr=8-3&keywords=feinberg+bach"


    darf man hier Unzufriedenheit äußern?
    Frau Schornsheim spielt ein schönes Instrument, sehr wohlklingend eigentlich und luftig- aber ohne Biss. In den Präludien eher zu frei, in den Fugen verlässlich.


    Irgendwie bin ich eher enttäuscht und krame mir lieber den Feinberg mal wieder raus.
    Ja! Ich! Den! Feinberg hat was zu sagen und das so überzeugend, dass die Wahl des Instruments völlig in den Hintergrund rückt.


    Herzliche Grüße,
    Mike