Beiträge von Hempel

    Habe ich's übersehen, oder ist noch niemand auf Händels op.5 eingegangen?
    Diese prächtige Sammlung von sieben Sonaten mit variabler Besetzung, also nebst zwei Violinen und B.c. auch Traverso und Violine.
    In denen Händel sich nicht an formelle Schemata bindet, sondern durchaus auch siebensätzige Werke vorkommen, mit ausgedehnten, wunderschönen Tanzsätzen.


    Meine Referenzeinspielung ist die mit Siegbert Rampe, so um 1990 herum bei Intercord erschienen und seit ewigen Zeiten nicht auf dem Markt.
    (Darum hier auch kein verlinktes Cover, sorry.)
    Besonders reizvoll für mich an dieser Einspielung, dass Rampe die Werke vom Bass her musiziert, den er sehr farbig besetzt, auch mit Laute, aber natürlich vor allem vom Cembalo her. Das er natürlich selbst spielt- und seinen Part reich und geschmackvoll verziert.
    Kaum sonst wird so deutlich hörbar, dass der B.c. eben mehr ist als die Begleitung der Melodiestimmen, sondern selbst eine eigene Stimme innehat, Fundament der gesamten Architektur ist.
    So übernimmt bei Rampe öftermal der Bass die musikalische Führung und rückt die Melodieinstrumente in Begleiterfunktion.


    Sehr reizvoll musiziert, farbig und abwechslungsreich; dem Ausdrucksspektrum der Musik gerechtwerdend und sie in die Nähe der Concerti Grossi rückend.


    Herzliche Grüße,
    Mike

    ...waren jetzt zwei erhellende Hörabende: Janssons versus Maxim Schostakowitsch.
    Etwas länger liegt zurück, dass ich Kondraschin hörte, den als LP in einer britischen Pressung, die viele der Mängel der russischen nicht aufweist.


    Vorab: ein wenig habe ich Unverständnis dafür, dass Maxims Aufnahme so gern beiseite gelegt wird wegen ihres "schlechten" Klangbildes.
    Sicher doch: Janssons klingt besser!
    Aber wie vielmehr Farben Maxim nutzt und das sinnvoll, das hört man auch bei Supraphon.
    Diese Vierte Sinfonie ist eben mehr als Klangbewältigung.


    Oftmals gewann ich im direkten Hörvergleich den Eindruck, Janssons und MS spielten ein anderes Werk.
    Wo MS bissig daherkommt und Dissonanzen nicht glättet, stattdessen Ironie und Sarkasmus ausgedrückt werden, bleibt im Ausdruck Janssons schwach, obwohl er stärker klingt.
    In allen Piano-Facetten wird das weitaus deutlicher, da hat Maxim eben Facetten zur Verfügung, wo Janssons zur wohlklingenden Blässe neigt.


    Viele andere Aufnahmen hörte ich schon lange nicht mehr. Haitink vor Jahrzehnten mal angehört und sofort abgelegt als Missverständnis dieser Musik, die von Herzen kommt und zu Herzen gehen sollte.
    Für mich lebt diese Musik aus ihren Zwischentönen, Misstönen und ihren modernen Aspekten, die doch persönlich sind und mehr als nur Zitate, so dass ich, alles Klangbild beiseite, geneigt bin, die Aufnahme Maxims als die gelungendste zu betrachten.
    Vielleicht auch deshalb, dass er die Musik seines Vaters als persönliches Anliegen zu dirigieren scheint und versucht, den Spagat zu schaffen zwischen subjektiver und objektiver Sicht: als eines der großartigsten sinfonischen Werke der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.


    Herzliche Grüße,
    Mike