Beiträge von Hempel

    Das ist richtig, aber ich habe es nicht erwähnt, weil die DG sie gewiß nicht berücksichtigen wird; es ergibt dann auch keinen Sinn, sie zu erwähnen. Sie sind uralt und nicht wirklich gelungen.

    Genau das ergibt keinen Sinn. Wie gelungen sie sind, spielt doch keine Rolle. Es sind historische Dokumente.
    Genau deshalb von Interesse. :cincinbier:
    Bleibt mir nun die Frage: woher kannst Du wissen, welche Aufnahmen die Decca für nennenswert hält, sie in die Box aufzunehmen?


    Wenn es um Historie geht, spielt "gelungen" doch wirklich keine Rolle, es geht um viel mehr.


    Wenn Du aber weißt, was die Decca vorhat, warum eröffnest Du Dein Wissen nicht?
    Gehst Du von Annahmen aus, dann lass uns auf dieser Basis weiter schreiben.
    Auf eben der spekulativen, die der Decca die Hoheit überlässt, die Box zu füllen.


    Aus meiner Sicht eine Diskussion um ungelegte Eier und somit überflüssig.
    Zum :cincinbier: angetan, sonst aber völlig sinnfrei.

    Muss das jetzt so hochkochen?


    Dass Gardiners Aufnahmen eigentlich kaum zur Debatte stehen, sollte doch klar sein. Sein: "SDG" heißt ja auch: "Scheiß Deutsche Grammophon".
    Dass Robert von Bahr Lizensierungen nach denen zu Brilliant kritisch gegenübersteht, ist auch bekannt.
    Dagegen hat Vanguard eine derart wechselvolle Geschichte hinter sich, dass ich es für ebenso wahrscheinlich halte, Deller- Aufnahmen von dort zu rekrutieren wie oben genannte Gardiners oder Suzukis. Nämlich eher nicht, aber nichts ausschließe.


    Worum es mir ging: es existieren Bach- Aufnahmen Dellers über die des "Magnificat" hinaus.
    Welche nun Eingang finden werden in die "333- Box", ist Politik der Labels und doch für uns müßig, darüber zu streiten.


    Zur Behebung meiner begrenzten Verständnismöglichkeiten bin ich jederzeit offen, so sie nicht spekulativ sind. Darum nochmals :cincinbier: .

    Schon zum zweitenmal in Folge:


    McGegan kann ja ein schrecklicher Erbsenzähler sein, hier aber klingt alles total entspannt ohne Details zu unterschlagen.
    Leidet nicht an Sperings 'Kurzathmigkeit' in der Phrasierung, um bei HIP- Aufnahmen zu bleiben.
    Allein der etwas hallige Klang stört mich, der wahrscheinlich dem Live- Mitschnitt geschuldet ist.
    Besonders gelungen finde ich die "Schmankerl", die Art, wie McGegan Portamenti doch sehr natürlich ins Geschehen einbindet.
    Muss Erwähnung finden, weil derlei hedonistische "Schlampigkeiten" ja nun wirklich untypisch sind für HIP- Vertreter.


    Andererseits bläst McGegan die Werke inhaltlich auch nicht auf wie z.B. Haitink, er lässt laufen und hat Freude an allergelungendster, höchster Form der Unterhaltung.


    Wenn ich Haydn als meine "Große Liebe" bezeichne, könnte diese Aufnahme der Serenaden Brahms' einen "Kurschatten" abgegeben.

    Diese und die 1955er aus Amsterdam und es reicht fürs Glück.
    Gäbe es beide nur in angemessener Tonqualität!

    Wahre Worte! Auch wenn ich manch andere Einspielung nicht missen möchte, Hand aufs Herz: wielange brauchst Du, um bei diesen beiden Mitschnitten den Klang zu 'vergessen'?
    Fünf ungefähr? Wenn überhaupt?


    Manchmal stelle ich mir die Frage, wie wir wohl z.B. Gardiners Einspielung werten würden, klänge sie technisch so wie eben jene Klemps....

    Im ersten Satz gibt es einige Stellen, die klingen für mich hektisch - und nicht dringlich und wichtig, wie in den besten Aufnahmen. - Ansichtssache, bzw. Anhörssache, wie immer.

    Dem zweiten Teil Deiner Aussage kann ich nur zustimmen.
    Hörte gerade Järvi und Savall im Vergleich- und nehme das völlig anders wahr als Du.
    Vielleicht habe ich auch zuviel CPE Bach gehört in letzter Zeit und finde darum überzeugender, dass Savall auch mal Entspannung zulässt statt stets angespannt zu musizieren?
    Merkwürdigerweise klingt für mich Järvi eher "singspielig" geschäftig nach "Bastian und Bastienne" als Savall, der mir flexibler scheint als "Dauerdruck" zu wollen.


    Leider finde ich kein Cover, hörte dagegen Klemperer aus Bonn von 1970.
    Puh! Fast 'ne Stunde dauert die "Eroica". Leerlauf aber gibt es nicht. Schnelle Tempi sind wohl wirklich schwerer zu machen als langsamere?
    Wobei "old Otto" 1970 ja wirklich an die Schmerzgrenzen geht in jeder Hinsicht.
    Gegenprogramm zu allem HIP- und für mich eine Aufnahme für meinen Olymp.

    Übers Wochenende verteilt sah ich zwei Netflix- Produktionen nach Stephen King.
    "1922" und "Das Spiel". Und beide haben mich positiv überrascht.


    Insbesondere "Das Spiel" galt als nicht verfilmbar, da im Grunde alle "Handlung" sich im Kopf der Hauptperson abspielt.
    Will nicht spoilern, darum nur wenige Worte: der Zuschauer wird irritiert zwischen Realität und Vision belassen bis zum Schluss.
    Bis dorthin wirklich gut gelungen.


    Besser noch gefiel mir "1922". Das Buch kenne ich nicht, vielleicht deshalb?
    Lakonisch knorrig erzählt, der Hauptdarsteller bekommt beim Reden die Zähne nicht auseinander und so ist es auch synchronisiert.
    Großartige Gesellschaftsstudie des harten Amerika, fernab vom "Tellerwäscher zum Millionär".


    Beide Filme kein 'Horror" im Sinne von "Friedhof der Kuscheltiere", eher introvertiert und auf Stimmungen bauend wie "Hearts in Atlantis".
    Beiden Filmen gelingt, was der Verfilmung des "Dunklen Turm" nicht recht gelang: die Darstellung des "Ausfransens" der Realität an den Rändern, die Unschärfe der Wahrnehmung.


    Daraus die Bach- Kantaten BWV 54 & 170 und das "Agnus Dei" aus der h- moll-Messe.
    Wahrscheinlich ist die Aufnahme eingegangen in die 333- Box von Decca, las im Thread dazu, es gäbe nur das Magnificat mit Deller. Stimmt nicht.


    Was Deller und das Leonhardt- Consort hier machen 1954, ginge heute nicht mehr "durch". Intonationsprobleme, schlechtes Deutsch, eher befremdliche Orgel....
    Trotzdem! Mit dieser Hingabe, sich Versenken in den Ausdruck, das scheint heute nicht mehr en vogue zu sein.
    Ein Bach, der mir zutiefst unter die Haut geht und alle Unzulänglichkeiten vergessen lässt.

    Lieber JD,
    danke für Deine Cover- Suche. Ja, man muss wissen, welche Ausgabe es ist- die von Dir gefundene ist es eben nicht, leider.
    Ich kenne drei verschiedene Ausgaben des Zyklus und jede ist klanglich verschieden zu den anderen. Darum verwies ich explizit auf die japanische Ausgabe, die am natürlichsten klingt in meinen Ohren.
    Aber gerade zu dieser finde ich wirklich kein Cover.

    Ein Cover zu suchen, habe ich jetzt aufgegeben.
    http://www.hmv.co.jp/artist_%E…%BC%886CD%EF%BC%89_110301


    Höre gerade die "Eroica" aus Lugano, heute nachmittag Leibowitz.
    Mag sein, dass beide ähnlich herangehen, für mich bleibt Leibowitz seltsam unverbindlich und glatt- was den Rang der Aufnahme nicht schmälern soll.
    Scherchen hingegen setzt Akzente TROTZ und WEGEN des Tempos, artikuliert und lässt die Musik atmen- oder auch atemlos sein, um das aber wieder aufzufangen.
    Scherchens Gestaltungswille schafft durchaus unschöne Momente, siehe/höre die Durchführung des ersten Satzes.
    Ist eben eine völlig andere Lesart als die des "Wohlstands- Beethoven" wie ein Rezensent Karajans Lesart bezeichnete im Vergleich.


    Fazit bleibt, dass Scherchens Zyklus von 1965 für mich noch immer einer der spannendsten überhaupt ist.
    Selten perfekt, immer überaus wach, immer wie eine Uraufführung wirkend.
    "Auf Stuhlkante" wie MB es zur Studio- "Eroica" beschrieb.
    Nur ohne die dortige Hast.


    Mag vielleicht seltsam anmuten, wenn ich Scherchen und Furtwängler hier in einem Atemzug nenne, beider Hochdruck- Musizieren, beider Existenzialismus bei Beethoven scheint mir gar nicht so sehr entfernt.
    Der eine sucht allenthalben eine Art Meta- Ebene, eine Philosophie, Scherchen sucht danach nicht, er lässt sie aus dem Werk entstehen, und das so nahe wie (ihm) möglich am Notentext.


    Mit den Büchern tat ich mich schwer und hoffte nun, der Film könnte mir helfen.
    Hm, so manche King- Verfilmung leidet an Überlängen, diese hier ist wohl zu knapp geraten.
    Ist der Film gar so überflüssig wie manche Kritiker behaupten?


    Nicht zwingend, schlaflose Nächte betreffend :/ .


    Mache weiter mit so seltsam schweigender Musik.


    Händels "The Triumph of Time ans Truth" hört man wirklich selten, die früheren Fassungen werden bevorzugt.
    Dabei ist dieses Spätwerk nicht weniger reizvoll!
    Natürlich fehlen Ohrwürmer wie "Lascia la spina", dafür gibt es konzentrierte Musik ohne Theaterdonner.
    "Ludus Baroque" trifft den Ton der Musik sehr schön, auch in Chören mit Blech und Pauken bleibt der "Sound" intim.


    Ich kann wirklich nicht nachvollziehen, warum die Musik des greisen Händel so selten aufgenommen und aufgeführt wird, birgt sie doch eine Art Weisheit, indem sie Frühwerke aufnimmt, zitiert und verbindet mit abgeklärter Musiksprache.
    Zumal das Sujet selbst Händel eine Herzenssache zu sein scheint, drei Vertonungen existieren insgesamt.


    Was für eine sanfte Musik!
    Der zweite Satz des Konzerts für zwei Violinen ist ein 'Soave', so könnte die ganze CD benannt sein.


    Die drei Kantaten, darunter eine: "Ach Gott, wie manches Herzeleid", sind Choralkantaten. Wobei Graupner mit dem Material sehr anders umgeht als Bach.
    Introvertiert, demütig.
    Dorothee Mields singt herzzerreißend schön, ebenso feinsinnig begleitet vom Ensemble.


    Eine ganz feine, stille Aufnahme, in die ich nur mal eben reinhören wollte und sofort gefesselt daran hängenblieb.

    Zerknirscht, ja,. Die Aufnahme ist mir zu maniriert. Erst Alessandrini hat mit seiner Aufnahme den Rundumschluss geleistet, detailliert zu sein und doch großzügig sein zu können.

    Insbesondere bei BWV 1044 war ich zutiefst enttäuscht, alle Affektgeladenheit geht mir unter in Subtilität über alle Maßen.


    Dabei stimme ich Dir zu: ein größeres Ensemble vermisst man nicht.
    Ich nur eben einen konzentrierteren Zugriff, der sich nicht verliert im Manirismus.


    Bin ich zickig? :D


    Danke für Deine Antwort!


    Was hört man nicht alles bei Schlaflosigkeit?! Goldberg hier und da, aber eben auch CPE Bach <X .
    Hier versammelt die beiden Doppelkonzerte um ein eigentlich schwaches, aber lärmiges Konzert, Wq. 27, herum, das mit Trompeten und Pauken seine Gefälligkeit zu kaschieren sucht.


    Anders die beiden Doppelkonzerte. Das erste für zwei Cembali F- Dur, komponiert noch in Berlin.
    Die Ecksätze sind typisch Berliner Bach, der Mittelsatz hingegen stark individuell. Mit seinen gedämpften Streichern und seinen Girlanden in den Cembalostimmen ein durchaus schmerzhaft zu vernehmender Satz, der in einer Oper Platz haben könnte als Duett zweier Liebender, denen ein Fürscht im Wege steht :S , Graun also.
    Bei aller Konvention ein tief erfühlter, erfüllter Satz, der gesprächig wirkt und darum Schweigen zulässt.


    Unkonventionell dagegen das späte Konzert für Cembalo und Hammerflügel. CPE ist längst hinaus über Gefallenwollen oder Aufreger zu sein.
    Eigentlich krass: im selben Jahr schreibt Mozart sein KV 488!
    Beide Werke sind Meisterwerke, genial auf ihre Art. Benutzen dasselbe musikalische Vokabular und trotzdem klingt der entstandene "Text" kolossal verschieden.
    Beide von solch Reichtum, dass man nur staunend davorstehen kann.
    Frage eigentlich, ob eines ohne das andere überhaupt möglich gewesen wäre.
    Ohne die Spiellust CPEs mit Instrumenten, mit Emotionen, immer kleiner werdend ins Gefühlige und Seziererische- Mozart hingegen, CPEs Werke kennend und aufführend, auf größere Bögen setzend und eine andere Art von Individualismus.
    Zwei Personalstile nebeneinander.


    Vielleicht ist es so einfach?
    Vielleicht Haydn eher in der Rolle des Verbindenden....immer wieder für mich jedoch: nichts scheint festgelegt, in der Musik jener Zeit ist alles möglich. Das macht sie mir so spannend und wirft mehr Fragen auf als Antworten zu erwarten sind.
    Nie endenwollende Auseinandersetzung, ein Grundmuster aller Kunst.
    CPE Bach ist für mich immer wieder der Auslöser, der Garant, schließlich nichts zu wissen, dafür aber stets Neues zu entdecken.

    Und?


    Wie gefällt Dir die Aufnahme?
    Ich frage, weil ich bei ihrem Erscheinen Vorschusslorbeeren vergab und dann enttäuscht blieb.
    Mir einfach zu maniriert- wenn auch mit schönen Ansätzen, die jedoch nicht "durchgezogen" werden.

    Seit Wochen schon bin ich weiter unterwegs in Sachen CPE, in Worte gefasst hier etwas geballt.


    Immer wieder ein etwas heikles Unterfangen, ein Clavichord gut aufzunehmen!
    Ich bekam hier bereits Rüffel für diese Aussage, ich wiederhole sie dennoch.
    Denn hier wieder: auch als DVD- Audio erhältlich und mit der Werbung, audiophil zu sein.
    Aber trifft das zu?
    Der Raum für das Instrument doch zu groß dimensioniert, es klingt übergroß und Details ertrinken in der großzügigen Akustik.


    Gespielt sind die Werke jedoch phänomenal virtuos!
    Ueo scheint ca. 30 Finger zu besitzen. Die "Folia"- Variationen haben auf dem Clavichord auch ihren besonderen Reiz, da es durchaus gitarrenähnlich zu klingen in der Lage ist.
    Reizvoll auch, dass Stücke aus dem "Clavierbüchlein für Anna Magdalena Bach" aufgenommen sind, also wirklich auch kompositorisches Laufenlernen CPEs neben der "Württembergischen Sonate" Nr.1 und wieder der späten fis- moll- Fantasie.
    Auch diese grandios gespielt in ihren Schattierungen, Ausbrüchen, ihrem Schweigen. Nur säße ich gern fünf Meter dichter dran am Instrument als Zuhörer um nicht ständig den Eindruck zu haben, ich würde die Details überhören im Raumklang.


    Aber ganz fest vorgenommen: ich werde diese Aufnahme wiederhören. Dann nachts, ohne Straßenlärm und Kinder auf dem Spielplatz hinterm Haus.


    Um es vorwegzunehmen: der "Star" dieser Aufnahme ist für mich das Instrument.
    Ein Nachbau eines Stein- Claviers mit seinem silbrigem Klang, der doch nie an Substanz und Körper zu vermissen lässt, sondern bei Extremen, auch in der Dynamik, immer noch erstaunliche Reserven hat.
    Ein fortissimo- Anschlag auf einem Stein vermag mich weitaus mehr zu überrumpeln als der auf einem "modernen" Klavier, eben weil es ein so sanft scheinendes Clavier ist, das aber auch anders kann.
    Beim heutigen Klavier sind alle begeistert, welch Pianissimo möglich ist- beim Stein ist der sensible, farbige Klang die Basis und man muss überrascht sein, welch Forte möglich ist!


    Richard Fuller scheint auch die Musik CPEs eher als Vehikel zu nutzen, den Klang des Instruments herauszustellen. Er spielt unprätentiös, uneitel, lässt die Musik sie selbst sein.
    Einzige Ausnahme die Fantasie fis- moll Wq. 67, die er außergewöhnlich gedehnt angeht ohne sie jedoch zerfallen zu lassen.
    Ausnahmekomposition, auf einem Ausnahmeinstrument gespielt.


    Am frühen Morgen Abendmusiken....dieser Musik kann ich mich wirklich nur selten entziehen.
    Mir lieber als sogar Buxtehude....Interpretation fast egal.
    Mit den Sängern bin ich hier auch nicht so völlig glücklich, die Ensembleleistung aber, angeführt von "Les Cyclopes", ist umso überzeugender. Dicht, immer am Affekt, auch bei speziellen Besetzungen.
    Kernig, zu (emotionalen) Ausbrüchen bereit im Rahmen der Textdeutung, sehr anders als Herreweghe oder auch Suzuki bei dieser Art Musik.


    Das vielbemühte Bild von der harten Schale und dem weichen Kern trifft hier sehr genau.
    Gefällt mir sehr!