Beiträge von Khampan

    letzter Versuch mit dem Emerson Quartet. Ich erinnere mich dass ich die Aufnahme vor vielen Jahren mal angespielt und nach ein paar Minuten kopfschüttelnd ausgemacht habe.
    Es ist immer noch das gleiche. Intonatorisch stimmt nichts wirklich (immerhin: kein Ton zu tief...), immer wieder werden Töne nach oben "korrigiert" und dadurch erst so richtig schräg, also könnte dem Ganzen eine mir nicht verständliche Absicht zugrunde liegen. Ausuferndes Vibrato (nicht durchgängig, immerhin, dadurch aber erst recht heikel bei intonatorischer Schwäche).

    In op. 131 gibt es keine Expo-Wiederholung, die man kopieren könnte, daher wollte ich den Emersons mal eine Chance geben. Muss leider passen. Zur Interpretation kann ich nichts sagen.

    mit Kopfhörer kurz angefangen und dann rasch abgebrochen. Da muss ich mal nach der Mono-Version suchen.

    da kann ein Mono-Schalter am Kopfhörerverstärker ein Segen sein. Noch besser eine stufenlose Überblendung zwischen Stereo und Mono, weil auch bei manchen (guten) Stereoaufnahmen das Klangbild für die Kopfhörerwiedergabe zu weit auseinander gespreizt ist. Bei der Aufnahme wird ein gewisses Maß an Übersprechen zwischen den Lautsprechern mit einkalkuliert, das beim Kopfhörer aber nicht stattfindet. SPL bietet eine solche "crossfeed" genannte Regelung an.

    Hervorragend remastert von Praga Digitals, was mich angeht.

    Dies zur stereophonisch aufbereiteten Aufnahme des Vegh-Quartetts. Auch wenn ich die intensive Spiel durchaus überzeugend finde - mit der technischen Seite habe ich Probleme: Das klingt teilweise zu rechtslastig und das Cello, als ob es in einem eigenen Raum spielen würde, jedenfalls über meine Kopfhörer. Vielleicht ist das über Lautsprecher anders?

    Hab das eben ein wenig analysiert. Leider hat Gurnemanz recht, es handelt sich um typisches Pseudo-Stereo, dass dadurch hergestellt wird dass die hohen Frequenzen von links und die tiefen von rechts kommen. Auf den ersten Lausch scheinen tatsächlich die Violinen links zu erklingen und das Cello rechts, dem ist aber nicht so. Wehe man sitzt genau zwischen den Lautsprechern oder hört gar über Kopfhörer, dann nervt es gewaltig. Dieses Verfahren zur Aufbereitung von Mono-Aufnahmen gehört eigentlich verboten.

    nochmal zu Idiomatik (sorry eigentlich wollte ich das Thema hier nicht zu breit treten)...

    Die Frage der Idiomatik hatten wir bei Dvorak schonmal. Idiomatik in der Interpretation ist doch ein eher vage umrissenes Konzept und gibt sich mE eine Art objektiven Anspruch, den es nicht hat und nicht haben kann. Es bleibt Geschmacks- oder Ansichtssache, wie idiomatisch eine Interpretation nun ist und auch, ob man es als Kriterium anwenden möchte oder nicht. Ich zB mag dieses Idiomatische weniger. mir geht es sogar oft auf die Nerven

    Ich weiß dass wir diese Diskussion schon mal hatten. Du schriebst seinerzeit "Idiomatik schränkt ein". Ich war ehrlich gesagt perplex, musste lange nachdenken, wie man zu so einer Meinung kommen kann, die zu meiner Überzeugung konträr liegt. Für mich gilt ganz klar: Idiomatik bereichert, bringt Vielfalt ins Musikleben, macht die Welt bunter. Aber so allmählich verstehe ich, dass manche eben ganz andere Hörerwartungen haben als ich. In Ordnung.
    Immerhin bestreitest du nicht dass es Idiomatik überhaupt gibt, auch das ist schon vorgekommen.

    Die Frage ist nur, ob sie für eine Interpretation eine Rolle spielen sollte oder auch gerade nicht.
    Ich bin eben extrem auf der einen Seite, genauso wie ich gesungene Sprache möglichst akzentfrei hören will. Schon höre ich den Einwand dass man das bei einer nicht vertrauten Sprache gar nicht beurteilen kann, aber Vorsicht: im direkten Vergleich geht das mit etwas Übung doch überraschend gut. Zudem bin ich ziemlich geübt im Hören auf kleine Details wie die Behandlung von Synkopen oder die Bildung der Phrasen, um zwei der wichtigsten Kriterien zu nennen, was tschechische und ungarische Musik (und Sprache) betrifft.

    Umgekehrt habe ich in diesem Thread auch mal angemerkt, dass mir das Streichquartett op. 3 von Alban Berg am besten gefällt, wenn die wienerischen Anklänge herauszuhören sind, wie beim ABQ.

    Das Parkanyi Quartet reduziert das Werk auf gloirifizierte Volksmusik. Das Hagen Quartett hebt es an auf eine Kunstmusikebene, die dem Werk gebührt.

    "Um es mal etwas sehr überspitzt zu sagen (und bitte nicht ganz wörtlich nehmen):"
    Bei Bartok pfeife ich herzlich auf diese Kunstmusikebene :pfeif:

    Khampan

    ... dieses Mal von den Párkányis. Meine Güte, ist das gut ... feinstens ausgehört, perfekt gespielt

    boah, geil, in der Tat.

    Ich glaube inzwischen zwar, dass man bei Bartok 4 mit keiner Aufnahme wirklich was falsch machen kann. Das Ding scheint so eine Sogwirkung auf die Musiker (auf die Hörer sowieso) auszuüben, dass man es gar nicht anders als auf der Stuhlkante spielen kann. Darin vielleicht nur noch dem Sacre du printemps ähnlich.

    Nichtsdestotrotz gibt es Unterschiede, die je nach den persönlichen Vorlieben entscheiden können ob einem eine konkrete Aufnahme zusagt oder eher nicht. In meinem Fall, wie bekannt, gibt es die Kriterien Klangqualität, Intonation, Stimmtonhöhe, aber auch Authenizität/Idiomatik (falls dem Werk angemessen), Natürlichkeit, Spontaneität.

    Eine gute Kombination von allem bietet für mich das Takacs Quartet, weshalb ich diese Aufnahme (als ausgesprochener nicht-CD-Sammler) als einzige physisch besitze. Auf der Suche nach Konkurrenten habe ich bisher ganz gehört (d.h. hat mir gefallen):
    Parkanyi - trotz gelegentlicher kleiner Intonationsunsicherheiten gewinnt hier der Punkt Authentizität, Spontaneität. Klangqualität sehr gut.
    Vertavo - sehr gut
    Belcea - sehr gut, negativ aufgefallen ist mir nur der klangtechnisch störende Eingriff, den Pizzicato-Satz direkter auszusteuern als den Rest. In Maßen angewendet ist dieser Kniff Standard, hier aber übertrieben, der folgende Satz wirkt dadurch plötzlich zu entfernt (gehört bei Spotify. Auf der CD eventuell weniger auffallend)

    Nicht ganz gehört weil...

    Arcadia - ohne Gründe, einfach nicht meins
    Chiara - trotz sehr guter Intention... klangtechnisch etwas seltsam; in dem werbewirksamen Auswendigspielen kann ich keinen Vorteil erkennen, im Gegenteil es entsteht unterschwellige Unsicherheit durch ständiges aufeinander-Achten etc.
    Mikrokosmos - klanglich unmodern, tiefe Frequenzen und Räumlichkeit fehlen; schade um um die (vermutlich sehr gute) Interpretation

    gar nicht gehört, weil...
    Hagen - deren Programm hat mit Idiomatik nichts am Hut. Und ich mit ihnen nicht.
    Emerson - (wann hört dieser Spuk endlich auf...)
    ältere Aufnahmen aus Sorge vor schlechter Intonation und/oder Klangqualität.

    Natürlich habe ich einige weitere Aufnahmen irgendwann gehört, aber wenn sie so genial wären (wie das Parkanyi Quartet) hätte ich mir das gemerkt oder sie gekauft.

    Bin gespannt auf weitere Anregungen,
    :wink: Khampan

    Ich halte es für sehr wahrscheinlich, dass Gabriela Demeterova diese Version spielt. Wenn diese Vermutung (!) richtig ist: warum sagt man das nicht?

    Diese Vermutung ist auch nicht richtig. Was Frau Demeterova spielt, hat Tamas Tschabrendeki schon ausreichend erläutert und belegt: Sie spielt die Luntz-Ausgabe, in der die Sonate XI (Auferstehung) aufgrund seines fehlenden Verständnisses unbrauchbar falsch ist. Und zwar hat er die Überkreuzung der d- und a-Saite nicht berücksichtig. Dadurch werden alle Töne, die auf diesen beiden Saiten gespielt sind, falsch. Und zwar grottenhaft, eindeutig, unerträglich, unmusikalisch... man nenne es wie man will, ich für meinen Teil bin da nicht zimperlich. Jedenfalls ist es schon mehr als ein Missverständis, auch wenn die Ursache auf eine jahrzehntelang zurückliegende fehlerhafte Ausgabe zurückzuführen ist. Frau Demeterova (oder sonst irgend jemand an der Aufnahme beteiligte!) hätte durch das Anhören einer einzigen (!) damals schon verfügbaren (!) Aufnahme merken müssen, dass der von ihr benutzte Notentext fehlerhaft war. Sowas ist hochgradig unprofessionell, da mag sie ansonsten noch so schön spielen.

    habe eigentlich nur die Sinfonietta, Taras Bulba und die beiden Streichquartette häufiger gehört. Das, was mir dort charakteristisch und spannend vorkommt, höre ich im Evangelium weniger deutlich

    wenn man sonst keine oder kaum Vokalmusik / Opern von Janáček kennt, ist Věčné evangelium vieleicht wirklich nicht der optimale Einstieg. Umgekehrt, wenn man die Opern einigermaßen gut kennt, stört wiederum das Opernhafte daran... so geht es mir jedenfalls.
    Hinzu kommt bei CDs das Kombinationsproblem. Auf den beiden CDs, die ich habe (Netopil und Leoš Svárovský - letztere von 1999, wenig verbreitet, gleichwohl sehr gut), ist das Werk ein Füllstück nach der Glagolitischen Messe. Nett gedacht, aber das geht nicht gut aus. Erst mal will ich nach der Glagolitischen Messe gar nichts mehr hören, bin oft sogar unfähig, aufzuspringen um auf Stop zu drücken...

    Ich finde auch spannend, dass Janáček im Věčné evangelium ein sehr mittelalterliches Thema gewählt hat, wenn auch vermittelt durch Verse des 19. Jh. - wie oft wird im Konzertsaal mittelalterlicher Mystizismus behandelt?

    Dazu passt, dass in zeitlicher Nähe Taras Bulba (1915-1918) entstanden ist, das zumindest auch einen historischen Stoff verarbeitet (zwecks Verklärung/Mystifizierung ist ebenfalls die Orgel eingesetzt). Und vor allem ist es die Zeit der mühevollen Beschäftigung mit "Die Ausflüge des Herrn Brouček" (1908-1917), darin enthalten sowohl ätherische, glorreiche, hymnische Szenen (auf dem Mond geht es ausgesprochen abgehoben, glorreich, hymnisch zu, die weibliche Hauptfigur heißt Etherea), wie auch im zweiten Teil ein dezidiert mittelalterlicher Stoff.

    (Ich liebe ja den Brouček, aber ohne minimale Sprachkenntnis kann man die Oper leider niemand empfehlen.)

    Das "Vecné Evangelium" ist viele Jahre kaum aufgeführt und aufgenommen worden und daher auch kaum bekannt, aber auf YouTube gibt es dann doch ein paar Mitschnitte:

    die beiden Youtube-Mitschnitte taugen leider nichts. Beim ersten hört man die Solisten kaum, der zweite ist Mono.
    Zur Poesie der tschechischen Sprache: für mich ist es die musikalischste Sprache überhaupt. Ja sie ist reich an Konsonanten, aber auch an langen Vokalen. Im Unterschied zu den anderen slawischen Sprachen ist die Vokallänge unabhängig von der Betonung (die Betonung ist immer auf der ersten Silbe; sehr häufig ist die letzte oder/und die vorletzte Silbe lang, in längeren Wörtern können die langen und kurzen Vokale scheinbar zufällig verteilt sein), dadurch entsteht eine natürliche Rhythmisierung und Synkopierung.

    Ich habe mir den tschechischen Text eben durchgelesen. Verstehe zwar nur wenig davon, aber es liest sich schön. Das Reimschema habe ich nicht genauer analysiert, es gibt sich reimende Zweizeiler und Dreizeiler, dazwischen wieder Zeilen ohne Reim. Fast alle Zeilen enden auf einem Vokal, das geht eben mit Tschechisch sehr gut. Und weil die Grammatik ähnlich reich deklinierend und flektierend aufgebaut ist wie Latein, lassen sich gleichlautende Endsilben einfach herstellen. Poesie, was willst du mehr...

    Janáček: Věčné evangelium

    Ich habe die Aufnahme von Tomáš Netopil mit dem Prager Philharmonischen Chor und den Prager Philharmonikern. Pavel Černoch singt einen jugendlich-heldischen Joachim, Alžběta Poláčková den Engel.

    Die Netopil-CD empfehle ich vor allem wegen der fantastischen Urfassung der Glagolitischen Messe (gleichauf mit Bělohlávek und besser als alles andere incl. Mackerras).

    Das ewige Evangelium ist natürlich hörenswert, kam mir aber auch etwas zu affirmativ vor, weshalb ich mich nicht besonders mit dieser "Beigabe" beschäftigt habe. Vielleicht ein Fehler.
    Bei Harnoncourt dauert das Werk 5 Minuten länger als bei Netopil. Ich glaube nicht dass ich dafür die Geduld hätte...

    Ich finde es ja witzig, dass in der Partitur, die ich mithgelesen habe, die Hauptstimme gekennzeichnet wird - als ob man es sonst nicht erkennen könnte :D . Frage in die Runde: ist diese Kennzeichnung Original von Schoenberg? Von Alban Berg Partituren kenne ich es ja auch, aber ist das wirklich vom Komponisrten selber schon eingetragen?

    Eine Erklärung von einem meiner Professoren (der auch mit 12 Tönen komponiert hat, wie er selbst zu sagen pflegte): Schönberg konnte nicht instrumentieren. Deshalb kam er auf die Idee, Haupt- und Nebenstimmen in den Partituren zu kennzeichnen (anstatt dies durch die Instrumentation zu verdeutlichen). Zumindest was die Orchesterwerke betrifft, tendiere ich dazu dieser Erklärung zuzustimmen :saint:

    Spätestens im 4. Satz habe ich freilich aufgegeben, bis heute kann ich mir nicht vorstellen wie man das überhaupt bewältigen kann

    Dann kannst du sicherlich erahnen , warum ich mich mit dem 4. Satz bei Afanssiev so schwer tue .

    lass mich raten: dich stört dass er schonungslos die Schwierigkeiten zur Schau stellt. Das sagt er selbst, es gehört bei ihm zum Programm. Ein Satz voller Haken und Widerstände. Das muss einem nicht gefallen, gebe ich zu ( Braccio : bloß nicht versuchen!). Ich erfahre aber dabei mehr über die Struktur und den Inhalt als bei Frau Rana.