Beiträge von Khampan

    Karol Szymanowski, Streichquartett Nr. 2 op. 56, Eliot Quartett

    guter Tip!
    Das Werk habe ich kürzlich mit der frühen Aufnahme des Carmina Quartet (1991) mal wieder aufgelegt und fand das gemessen an modernen Ensembleleistungen recht unbefriedigend, so dass ich mich schon auf die Suche machen wollte.

    Bei der Gelegenheit sehe ich dass es zu Szymanowski, außer zur 3. Sinfonie und Król Roger, noch überhaupt keinen Thread gibt?! Ich fühle mich leider auch nicht berufen, zudem fehlt mir die Zeit. Freiwillige vor...

    Als Alternative zum Eliot Quartet höre ich wegen der interessanteren Kopplung gerade das 2. Streichquartett mit dem Silesian Quartet. Aufnahme 1997, gefällt mir sehr gut.

    Carl Nielsen 1.

    Der Beifang entwickelte sich aber zum Hauptgewinn : Die 1. Sinfonie mit Andre Previn und dem London Symphony Orchestra .

    das lese ich mit großem Interesse, nachdem du mich mit der Gibson-Vierten schon so überzeugt hast. Passenderweise habe ich heute morgen gleichfalls die 1. gehört, und zwar mit Sakari Oramo:

    Bekanntermaßen werde ich nicht müde, für die sagenhaft gute Einspielung der 3. auf dieser CD Werbung zu machen. Doch heute war die andere dran, und just dachte ich, verachtet mir die Erste nicht... :)

    Im Vergleich mit den nachfolgenden Sinfonien scheint sie mir zwar ein wenig überfrachtet, mit den Ansprüchen des aufstrebenden Komponisten an sich selbst oder was auch immer. Aber rückwärts betrachtet steckt da schon genügend Nielsen drin, um auch diesen Erstling mit Genuss zu hören (auch mit dem Genuss, die paar Eierschalen herauszusuchen, die hier noch anhaften und bei den späteren abgeworfen sind).

    Das vom SQdW induzierte Nielsen-Fieber kann noch eine Weile andauern.
    :cincinbier: Khampan

    Wurstfinger

    ich bin selbst kein Geiger, habe aber viel mit Geigern zusammengearbeitet und gespielt. Etwas dickere Finger haben den Vorteil, dass man die Intonation leichter mit kleinen Kippbewegungen korrigieren kann (mathematisch: je größer der Radius, um so kleiner der Winkel, den man verändern muss). Auch das Vibrato kann deshalb mit kleinerer Bewegung ausgeführt werden.
    Die Grenze der Vorteile liegt da, wo benachbarte Töne enger zusammenliegen, als man die Finger nebeneinander aufsetzen kann, spätestens in ganz hohen Lagen. Je dicker die Finger, umso früher müssen sie sich bei Halbtonschritten gegeneinander verdrängen.

    Das sind alles keine absolut unlösbaren Probleme, aber sie erfordern je nach Physis unterschiedlich viel Übung, bzw. begünstigen in unterschiedlichem Maß bestimmte Kunststücke.

    Ich halte es schon für sehr wahrscheinlich, dass das echt so gespielt ist. Profi-Geiger wie TwosetViolins würden es sicher bemerken, wenn z.B. irgendwo die Fingerbewegung und Töne nicht zusammenpassen würden. Das Aufnahmetempo könnte rein theoretisch etwas beschleunigt worden sein, aber die sonstigen Körperbewegungen sprechen dagegen. Außerdem, selbst in langsamerem Tempo gespielt wäre die Nummer immer noch unglaublich.

    "Nummer" ist mein Stichwort, denn musikalisch gesehen ist es natürlich nicht viel mehr als eine Zirkusnummer. Höchst beeindruckend, schier unglaublich, das ja. Aber musikalisch?

    Wenn man seine Finger ansieht, erkennt man die Besonderheit seiner sehr langen aber dünnen Finger. Ohne eine solche physische Disposition wären viele der Kunststücke vermutlich nicht ausführbar. Und auch so steckt wie bei jeder artistischen Höchstleistung sicher jede Menge Übezeit dahinter. Spätestens da darf man die Frage stellen: Warum tut er das? Hat er nichts besseres zu tun?

    Diese meine Fragen wären meine Antwort auf Alberichs Frage, ob "der Typ von der Klassik-Lobby, so es sie gibt, geschnitten" wird.

    Ich bin eher der melodiegepolte Hörer (wobei mit Bartók komme ich auch sehr gut ohne Melodie klar, aber die Themen sind trotzdem markant), und Nielsens Themen empfinde ich als völlig konturlos.

    an diesem Eindruck könnte schon was dran sein, wobei für mich gerade ein besonderer Reiz in dem engen Ineinandergreifen von thematischer / harmonischer / rhythmischer Finesse liegt.

    Auf traditionelle Weise präsentierte Melodien findet man vor allem in der (unverwüstlichen) 4. Sinfonie und noch mehr in der nicht so bekannten 3. Sinfonie. Letztere wäre mein Tip zum Einstieg, hier wieder mit Hinweis auf die m.E. unübertreffliche Aufnahme mit Sakari Oramo und Ehefrau Anu Komsi im Sopransolo des 2. Satzes.
    :wink: Khampan

    Da gäbe es noch das op. 44 mit dem Koppelkvarteten aus 1954

    das ist aber intonatorisch für mich keine halbe Minute lang zu ertragen. Wer eine wichtige Stimme hat (oder meint eine solche zu haben), spielt einen Viertelton zu hoch. Na klasse.

    Ich bin immerhin höchst beruhigt, dass diese Mode neueren Datums ist (und sich inzwischen auch wieder erledigt hat). 1940 war diesbezüglich die Welt (jedenfalls in Dänemark) noch in Ordnung. Faszinierend.

    In der Tat klingt die CD in meinen Ohren runder, weniger spitz nzw. scharf in den Höhen.

    Vielen Dank! So klärt sich der seltsame Klang bei Spotify mit der fehlenden De-Emphasis. Vom CD-Player ist die Wiedergabe sicher in Ordnung und die Aufnahme kommt auf meinen Wunschzettel. Gefällt mir interpretatorisch mindestens so gut wie das Danish SQ und ist nicht so hoch gestimmt.
    Auch wenn das andere nicht stören mag, für mich ist der Stream nicht anhörbar, was ich jetzt niemand direkt anlasten will (am ehesten Microsoft, die so tun als hätten sie das WAV-Format erfunden, aber von Emphasis keine Ahnung hatten)

    Hier lief op. 44 mit den Kontras:

    Danke für den Hinweis auf das Kontra Quartet. Wenn man den Namen eingibt findet man die Aufnahme tatsächlich auch bei Spotify (sonst wird sie ignoriert).
    Allerdings habe ich ein technisches Problem bzw. eine Frage. Bei Spotify klingt die Aufnahme sehr höhenlastig. Ich habe den Verdacht, dass es mit Pre-Emphasis aufgenommen ist aber ohne die unabdingbare De-Emphasis für Spotify digital kopiert wurde. Eine typische technische Falle, in die man leicht bei älteren BIS- oder Denon-Aufnahmen tappt (die als einzige bis in die 1990er Jahre noch mit Emphasis aufgenommen haben).

    Hat jemand die BIS-CDs physisch? Dann würde ich darum bitten, entweder
    a) im Booklet nachzusehen, ob als Aunahmegerät PCM-F1 angegeben ist (= mit Emphasis)
    oder
    b) einen Klangvergleich zwischen der CD und irgend einem Streamer zu machen -> falls die CD weniger höhenlastig/scharf/spitz klingt, ist der Stream falsch.

    Wäre schön wenn mir jemand bei der Klärung helfen könnte.
    :verbeugung2: Khampan

    Carl Nielsen: Sinfonie No. 4 . Alexander Gibson / Scottish National Orchestra . [...] bei Nielsen ist das etwas rauere Spiel grad richtig .

    oha, die kannte ich noch nicht und höre gerade hinein. Als "rau" empfinde ich das Spiel nicht, im Gegenteil, ich würde es als ausgesprochen "geschmeidig" bezeichnen: die einzelnen Orchestergruppen/-stimmen phrasieren lebhaft und häufig unabhängig voneinander (aber nicht gegeneinander), dadurch entsteht eine ganze eigene und leider seltene Spannung allein durch das engagierte Aufeinander-Reagieren. Sehr musikalisch, lebendig, mitreißend.

    Ich kenne Gibson kaum. Ist das ein Dirigent, der die Leute einfach spielen lässt? Diese Art zu musizieren fehlt mir jedenfalls bei vielen Aufnahmen (nicht speziell auf Nielsen bezogen) schmerzlich.
    Kommt bei mir unter verstärkte Beobachtung, danke für den Tip!

    :cincinbier: Khampan

    Ist schon ein verrücktes Werk, das am ehesten zur ebenfalls skurrilen 6. Sinfonie passt. Ich mag das gerne, aber ich traue dieser Musik keinen Schritt über den Weg

    das kann ich so unterschreiben.
    Für mich macht das mit den Reiz von Nielsens Musik aus, dass man immer auf der Hut sein muss, es sich auf seinem Sofaplatz nicht zu bequem zu machen.:cincinbier:

    Damit zusammenhängend könnte man dem Danish String Quartet den Vorwurf machen, dass sie etwas zu einheitlich an die Sache herangehen, immer mit relativ viel Vibrato und Espressivo. Also vielleicht zu naiv? (Das Ensemble firmierte ehedem unter dem Namen The Young Danish String Quartet - die Aufnahmen sind identisch.)

    Ich habe aber mal wieder ein ganz anderes Problem: die Stimmtonhöhe. Nachgemessen habe ich nicht, aber das Danish String Quartet ist sehr hoch gestimmt (vermutlich 444 Hz). Das wusste ich vor dem Kauf, aber ich wollte die Werke alle kennenlernen, und es gab seinerzeit ein günstiges Angebot. Doch die hohe Stimmung hält mich davon ab, die CDs regelmäßiger aufzulegen (die Suche nach einem CD-Player mit pitch control läuft. Leider bin ich auf weitere Spezifikationen angewiesen, die nur auf älteren Geräten zu finden sind).

    Eben hörte ich in das von Braccio erwähnte Zapolski Quartet hinein... solange ich es ertragen konnte -das ist nicht nur noch höher gestimmt (446 Hz?), sondern auch mit Überbetonung der hohen Frequenzen aufgenommen. Für mich doppelt unerträglich, schade um das schöne Spiel des Ensembles.
    Das Oslo String Quartet wäre im Augenblick mein Favorit, aber eher als Notlösung, da klangtechnisch ebenfalls nicht optimal (zu hallig).

    Merkwürdigerweise scheint es von den beiden früheren Quartetten op 5+13 mehr Aufnahmen zu geben, darunter z.B. vom Vertavo Quartet (1995), bei dem alles stimmt.
    :| Khampan

    Die Tonleiter bringe ich auf dem Klavier fehlerlos hin.

    aber da haben wir's schon wieder: in schnellem Tempo ist die F-Dur-Tonleiter eine der schwersten überhaupt (unbequemer Daumenuntersatz, ungewohnter Start mit 1-2-3-4).

    Echt jetzt? Cool ... sag doch mal Bescheid, man würde ja glatt kommen ...

    nee, mache ich nie wieder:versteck1:.

    War so ne Maßnahme in meinem Umfeld, um mich für die Anschaffung eines Flügels in einer Kirche zu bedanken und mich zum Üben zu zwingen.

    jaja, immer feste drauf ;)

    Cellosonate op. 5/1, Variationen op. 34

    Cellosonaten und Variationen sind nich so in meinem Focus, aber zu op 18/1 und 24 habe ich tatsächlich wegen der Tonart ein gespaltenes Verhältnis. Op. 50 und Andante favori vermute ich als Mit-Auslöser meiner Aversion.
    Gegen 59/1, 93 und 135 ist man freilich machtlos :).

    10/2 und 54 habe ich sogar vor kurzem öffentlich gespielt (jeweils mit beiden Wiederholungen).

    Dvorak 5., Brahms 3. (zum Glück nur der 1. Satz in F-Dur...) etc... kann man nix machen.

    :/ Khampan