Beiträge von tOm~!

    Musikalische Vagabunden wie Martha Argerich fühlen sich überall und nirgends zu Hause. Einmal hier, einmal dort. Heute Mozart, morgen Franck. Oder genauer: Bach, Brahms und Franck an einem Abend. Im Vordergrund steht aber immer der Klimperstar, die roboterhafte Klavierspielerin, deren größte Kunst es ist, Noten abzulesen und sie schnell und präzise in die Tasten zu hauen. Niemand würde je bestreiten, dass die Argerich über eine Weltmeister-Technik verfügt. Aber die nützt einem nicht, um die Musik eines Komponisten zu entschlüsseln. Um sich Zugang zu dem Werk Francks zu verschaffen, reicht es nicht, sich an die gängigen Muster zu halten. Bestes Beispiel Francks Pianosonate in A-Dur, der zweite Satz: Allegro! Ja, Allegro, aber wieso sollte das eine Aufforderung sein, die Nummer in einem rasenden Tempo zu spielen, bei dem wesentliche und tragende Kontrapunkt-Elemente überspielt werden?


    "D'Indys Gleichsetzung der zyklischen Form mit der auf intervallischen Reihen aufgebauten Konzeption César Francks wirkt nachteilig bis heute. Interpreten spielen Themen heraus, statt die Bandbreite aller Stimmen auszuleuchten, betonen die Einzelheiten, degradieren den entscheidenden Rest zum Beiwerk." (Klp Bungert in seinem Buch "César Franck [...]", S. 13/14)


    Bei der Argerich fällt mir die Schule D'Indys besonders negativ auf. Irgendwie, irgendwo, irgendwann trat sie kürzlich mit Anne-Sophie Mutter auf, um sich auf Kosten Francks zu profilieren - während der Pandemie!

    Das Ansehen César Francks leidet darunter, dass der Klassikbetrieb einen falschen Maßstab auf seine Musik anwendet. Nämlich den von Liszt oder Chopin.


    Aber:


    "Francks Musik unterscheidet sich generell von der seiner Zeitgenossen, aber auch seiner Schüler durch eine neuartige Verwendung der Form und durch die Ablösung der begleitenden Melodien."

    [Hervorhebung von mir]

    Gibt es hier jemanden, der die Werke von César Franck seit 50 Jahren studiert? Wohl kaum. Gut Ding will Weile haben, und es gibt auf diesem Planteten sicher nicht viele Menschen, die so viel über Franck und seine Musik wissen wie Klauspeter Bungert. Ich liebe diesen Mann, und bewundere ihn für sein Lebenswerk!

    Franck selbst soll ziemlich nachgiebig gewesen sein was die Interpretation seiner Musik angeht. Bungert meinte, viele Werke seien unausgereift aufgeführt worden, mitunter von Spielerinnen mit zu kleinen Händen, die gar nicht in der Lage waren, die weiträumigen Werke Francks richtig zu spielen. Franck aber nickte es ab - warum weiß ich leider noch nicht. Aber ich gehe stark davon aus, dass Bungert mehr darüber preisgibt in seinen Büchern. Und die muss ich haben!

    Es ist so traurig, dass es neben Bungert keine Musiker gibt, die es geschafft haben, unkonventionell an das Werk César Francks heranzutreten. Leute wie Argerich oder Vengerov lassen bei ihrer Franck-Interpretation jede Gelegenheit aus, ihrem Spiel Struktur zu geben. Viele Elemente, die Bungert bei seinen Einspielungen zu musikalischen Höhepunkten treibt, scheinen in dem überhasteten und atemlos vorgetragenen Spiel der Klassikprofis nicht zu existieren, jedenfalls kann ich sie nicht raushören.


    Wegen dem Umgang mit einem grippeähnlichen Virus wird Klauspeter Bungert vielleicht nie mehr auftreten. Das wäre schlecht. Für César Franck. Und für alle, die gerne einmal das Original gehört hätten, und keinen Abklatsch von Liszt oder Chopin.

    Als Klauspeter Bungert im Jahre 1974 César Franck für sich entdeckte, war es schwer an Noten und Aufnahmen des Komponisten zu gelangen. Zufällig fiel ihm einst auf einem Flohmarkt in Paris eine alte Platte von Cortot in die Hände. Die Aufnahme fand Bungert schwach, und sie deckte sich nicht mit dem, was er in Francks Musik gefunden hatte.


    Zehn Jahre später hatte Bungert das Gesamtwerk Francks komplett durchgeackert und studiert. Da gab es noch keine Computer. Somit gilt zu betonen, dass er sich das alles aus eigenem Antrieb und aus eigener Kraft erarbeitet hat. Er hat es abgelehnt so bezeichnet zu werden, weil er der Meinung ist, niemand solle so bezeichnet werden: Aber Klauspeter Bungert ist der weltweit führende Experte von César Francks Musik. Eine Sache, von der sonst kein Musiker den ich kenne, einen blassen Dunst hat.

    Hinweis:
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    Die Moderation


    Klauspeter Bungert ist sicher kein Lang Lang, aber wenigstens ist er nicht zu blöd César Franck so zu interpretieren, das ich als Hörer nicht genug von diesem Komponisten kriegen kann. Wenn Argerich oder solche Leute Franck interpretieren kriege ich höchstens...was auf die Mütze, wenn ich es hier ausschreibe. Also muss ich das auch noch für mich behalten.


    Es klingt großspurig, aber ich habe viel verglichen und gesucht: Wer Franck nicht im Sinne Bungerts - falsch - im Sinne Wagners [sic!] interpretiert gehört hat, kennt die hochspannende Musik dieses "extrem guten" Komponisten nicht wirklich.

    Bei Arturo Toscanini war Faschismus zwar kein politisches Bekenntnis, dafür aber eine seelische Bestimmung. Ein stöckchenschwingender Zuchtmeister auf dem Podium, bei dem das Orchester-Kollektiv auf den leisesten Wink zu gehorchen hatte, um die Befehle des Führers auszuführen. Wenn man sich alte Videos unter seiner Leitung anschaut, sieht man oft, dass die Musiker im Zustand des Eingeschüchtertseins agierten.


    Im Ergebnis war die autoritäre Dressur nicht unbedingt schlecht, es gibt großartige Aufnahmen unter Toscaninis Leitung. Unbefriedigend bleiben sie, weil man rasch den krankhaften Hauch der geistig-seelischen Zwangsjacke spürt.

    Vor einigen Tagen las ich bezüglich Mariss Jansons die Überschrift "Darum darf ein Weltklasse-Dirigent niemals krank werden", und ich dachte noch bei mir: "Welch Blödsinn, warum sollte ein Dirigent niemals krank werden »dürfen«?


    Die Antwort auf die Frage gibt der Feuilletonmitarbeiter Manuel Brug hinter der Bezahlschranke von "welt.de". Der Beitrag ist mit einem Bild von Jansons versehen, unter dem geschrieben steht:


    "Großer Dirigent, krankheitsanfälliger Mensch: Mariss Jansons am Pult der Wiener Philharmoniker"


    Jetzt ist der »krankheitsanfällige« Mensch tot. Was erlaubt sich der Mann eigentlich? Erst krank werden, und dann auch noch sterben? Das geht gar nicht, in einer Welt, in der man sich als Person des öffentlichen Lebens weder Fehler noch Schwächen leisten kann. Da hat man gefälligst gesund zu sein, und seinen »Job« zu erledigen. Sonst könnte - horribile dictu - die Küche kalt bleiben, und der Klassik-Gourmet mit hungerndem Magen zurückgelassen werden.


    Es heißt, der Chefdirigent des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks sei im Kreis seiner Familie in Sankt Petersburg gestorben - wenig spektakulär. Manche Feuilletonmitarbeiter hätten es wohl lieber gesehen, wenn er am Dirigentenpult zusammengebrochen wäre, um bei der Arbeit sein Leben auszuhauchen. Vielleicht während dem Cello-Gemetzel im ersten Satz von Schostakowitschs 4. Sinfonie, wenn die Bassgeigen einsetzen: das wäre doch ein passender Moment für einen Herzinfarkt auf der Bühne.


    Möge Mariss Jansons in Frieden ruhen. Ich sah ihn immer gerne und genoss es sehr, musikalischen Darbietungen unter seiner Leitung zu lauschen. Und mir wird er in Erinnerung bleiben als großer Dirigent und großer Mensch.

    Die ganz Gewieften würden nun einwerfen, ja, warum hat denn derjenige nicht "quanta" auch hinten mit "o" betont? Bloß hat quanto eine andere Bedeutung als quanta. Das Wort "promessor" ist mit anderer Betonung immer noch promessa, nur anders gebogen, da "promessor" nicht im Sprachschatz der Italiener vorkommt. Es kann also nicht falsch verstanden werden, wenn man richtig zu-hört.

    Quanta promessor nel tuo pronto sospetto - nel tuo cor, ich denke, das ist es was sich der betreffende Sänger dabei dachte. Wie ich bereits schon einmal sagte, muß man die Reime der Baritone fischen wie Perlen. Bei dem Sänger den ich meine, hätte sich Fischer-Dieskau auch sein "capestra" abhören können. Weiß ja nicht, wie der darauf kam, das Wort capestre so zu singen.

    Quanta promessor...weiß jemand hier, wer 'promessa' klar und deutlich so gesungen hat, wie Professor?


    Doppeltes Ziel neige ich bald zu wollen, der Kopf des Rebellen, es/ist nicht das Kostbarste.


    A doppia mira tendo il voler, né il capo del ribelle è la più preziosa...


    Das è bedeutet an der Textstelle keinesfalls ein "und", wie ich bis vor kurzem leichtfertig dachte.


    "http://www.murashev.com/opera/Tosca_libretto_German_Italian"


    Hier bei Murashev werden die Worte folgendermaßen übersetzt:


    "Doppelte Beute soll mir mein Falke bringen,
    das Haupt des Rebellen ist nicht der große Preis"


    Kann sich jeder aussuchen, welche Übersetzung ihm richtiger erscheint. Wer Murashev bevorzugt, kann mir aber bitte sagen, wo dort im Original vom Preis und Falke die Rede ist?

    Riccardio - um die Ohren der Damen und Herren nicht zu überfordern, bleibt der Vorname unberührt - Stracciari, oder sollte ich besser sagen St-racci-ari, oder besser noch Stra-ccia-ri oder gar Stracci-ari? Den habe ich eben krass ge-hört, ey!

    Eben die Monterone-Szene aus Rigoletto nochmals gehört und gelesen. Und wieder einmal ist mir aufgefallen, wie wichtig es ist, rasch die italienische Sprache zu lernen.


    Rigoletto: *Voi congiuraste contro noi, signore,
    E noi, clementi invero, perdonammo...*


    Kinders, und das in Zeiten von "Fake-News" und "Verschwörungstheorien".

    So-spetto ist auch nochmal etwas völlig anderes als sos-petto. Man kann diese Wörter regelrecht sezieren. Ob das Publikum dafür noch ein Ohr hat? Hat es spezielle Erwartungen? Oder klagt niemand, gleich ob man sos-petto, sosp-etto oder so-spetto singt, solange man nur die Töne trifft?

    Enschuldigung, und an die Moderation gerichtet: Gibt es so einen Strang wie für Tosca auch für Don Giovanni? [ Suchmaschine erzielte keinen Treffer ]


    Wenn ja, kann man den folgenden Beitrag am besten auch dahin verschieben. Eben via YouTube gehört: Ruggero Raimondi als Leporello, mit dem berühmten "Madamina, il catalogo è questo".