Beiträge von Hueb'


    Jean Sibelius (1865-1957)
    Symphonie Nr. 2
    + En Saga op. 9; Luonnotar op. 70

    Ute Selbig, Staatskapelle Dresden, Colin Davis
    Profil, DDD, 2005

    Das zuvor zu Elgar gesagte kann man fast ein 1:1 hier übernehmen. Davis hat Sibelius (2.) vielfach aufgenommen und live dirigiert und wie er das Werk hier fließen lässt, dynamische Bögen spannt und aus der Stille heraus entstehen lässt, das ist einfach großartig. Bewegend und begeisternd, egal, wie abgenudelt, durch- und totgehört die 2. auch sein mag.

    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:


    Edward Elgar (1857-1934)
    Symphonie Nr. 1
    Hector Berlioz (1803-1869)
    Le Roi Lear op. 4; Beatrice & Benedect-Ouvertüre

    Staatskapelle Dresden, Colin Davis
    Profil, DDD, 1997/1998

    Eine bereits mehrfach mit größtem Vergnügen gehörte Scheibe und ein in Dresden in diesen Tagen vermutlich nicht mehr gebotenes Programm. Elgars' 1. wird ganz wunderbar gespielt. "Süffig", feinsinnig, tief empfunden, mit dem spezifischen, leicht dunklen, daher zu Elgar so gut passenden, etwas besonderem Klang der "Wunderharfe". Für mich eine Elgar-Sternstunde, die man kaum erwartet, wenn man Elgar überwiegend mit Orchestern von der Insel im Fokus hat. Und bei Berlioz ist Davis natürlich nicht minder zu hause.

    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:


    Sergej Rachmaninoff (1873-1943)
    Symphonie Nr. 2
    + Vocalise op. 34 Nr. 14
    Valer Sabadus, Gürzenich-Orchester Köln, Dmitri Kitaenko
    Oehms, DDD, 2013

    Und ich bleibe dabei, dass Kitaenko mit dem Gürzenich-Orchester einige wirklich großartige Einspielungen russischen Repertoires hinterlassen hat, die dazu wirklich famos klingen. Dazu gehört diese 2. Rachmaninoff, denn auch hier kommen das idiomatische Werksverständnis des Dirigenten, die Spielkultur eines absolut erstklassigen Orchesters und ein wunderbar dunkel-erdiger, gleichwohl leuchtender Klang zusammen. Man möge mir das blumige Geschwurbel entschuldigen... :pfeif:

    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:


    Joachim Raff (1822-1882)
    Klaviertrios Nr. 2 & 3

    Trio Opus 8
    CPO, DDD, 99

    Auch Joachim Raff ist so ein weitgehend vergessener Komponist der Spätromantik, hier mit zwei seiner vier Klaviertrios. Er war hoch produktiv und hat zahlreiche Sinfonien, Orchester- und Kammermusikwerke hinterlassen, die allesamt lohnende Begegnungen darstellen. Die Klaviertrios liegen sogar in mindestens zwei Gesamtaufnahmen vor, was innerhalb des Nischenrepertoires eine absolute Ausnahmen sein dürfte.
    Wer sich für Brahms, Schumann, vielleicht Fauré, begeistern kann, erhält hier die Möglichkeit zur Erweiterung seiner Hörmöglichkeiten. Wenn man den Stil als solches mag, gehört Raff für mich zu den Komponisten, die man gehört haben sollte, wenn man sich an den "Großen" satt gehört hat.

    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:


    Anton Rubinstein (1829-1894)
    Streichquartette op. 17 Nr. 2 & 3

    Reinhold-Quartett
    CPO, DDD, 2020

    Sehr hörenswerte Spätromantik und eine gerne genommene Erweiterung des Repertoires. Für meinen Geschmack unbedingt empfehlenswert.

    Zitat

    klassik-heute.com 06/2023: »Viel Schönes und Attraktives in klangvollem Quartettsatz. Unterhaltsame und sehr ansprechende Quartette, Musik eines Könners, die ihre Einflüsse nicht leugnet, ohne bei ihnen zu verharren. Bleibt also zu hoffen, dass drei weitere CDs mit den übrigen sechs Quartetten folgen werden.«


    Hier die komplette Besprechung.

    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:


    Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
    Klaviertrios Nr. 1 & 2

    Sitkovetsky Trio
    BIS, DDD, 2014

    In meinen Ohren eine sehr schön aufgenommene, energiegeladene, spannende Deutung. Vielleicht liegt es daran, dass ich die Werke länger nicht gehört habe? Jedenfalls hat mich diese Einspielung sehr für die Musik eingenommen und ich erinnere gerade keine "bessere" Aufnahme (was natürlich nichts heißen will). :)
    Kritiken: 1, 2.

    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:


    Anton Bruckner (1824-1896)
    Symphonie Nr. 9
    Pittsburgh Symphony Orchestra, Manfred Honeck
    Reference Recordings, DDD, 2018

    Honeck bietet für mein Empfinden eine sehr fein ausbalancierte Deutung, mit vollem Klang und eindrucksvollen Spannungs- und Entwicklungsbögen, bei typisch amerikanisch-exzellenter Orchesterkultur. Hinzu kommt ein warmes, gleichwohl transparentes und dynamisches Klangbild, dass mancher vielleicht sogar als idealtypisch empfinden mag. Einzig der nicht reduzierte Preis für diese rd. 60 Minuten Musik und den physischen Tonträger ist mit 29 EUR - weil "audiophiles" Label - reichlich überzogen, in Anbetracht der nicht geringen Anzahl von Konkurrenzeinspielungen.
    Auch die Reviews, die ich finden konnte, scheinen durchweg begeistert: 1, 2, 3.

    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:


    Franz Schubert (1797-1828)
    Klaviertrio Nr. 2 D. 929

    Heimbach Chamber Music Festival 2005
    Lars Vogt (Klavier), Christian Tetzlaff (Violine), Tanja Tetzlaff (Cello)
    CAvi, DDD/LA, 2005

    Inniges, spannendes Musizieren auf höchstem Niveau. Klanglich nicht perfekt, der Location und dem Umstand "live" geschuldet. RIP, Lars Vogt! :(
    2 Kritiken: 1, 2.

    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:


    Mieczyslaw Weinberg (1919-1996)
    Symphonie Nr.12 "In Memoriam Dmitri Shostakovich"
    + Symphonische Dichtung op. 60 für großes Orchester "Dawn"

    BBC Philharmonic Orchestra, John Storgards
    Chandos, DDD, 2022

    Noch eine ziemlich neue Einspielung - und physisch seit Oktober 2023 erhältlich - ist jede Bemühung um die Diskographie Weinbergs IMHO begrüßenswert, zumal man befürchten musste, dass es beim Sinfonien-Zyklus auf Chandos (Svedlund, Chmura) nicht so recht weiter geht (die ersten Aufnahmen sind nun auch schon wieder >20 Jahre alt).
    Die 12. ist, dem Subtitel entsprechend, Schostakowitsch gewidmet und ein eher kontemplatives, ruhiges Werk. Toll, dass sich Hochkaräter wie Storgards und das BBCPO diesen Werken annehmen. Die Kritik schien jedenfalls sehr angetan. In meinen Ohren eine sehr gelungene, klanglich gewohnt (Chandos) hervorragende Begegnung mit einem immer noch recht unbekannten Komponisten.

    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:


    Johannes Brahms (1833-1897)
    Symphonien Nr. 1-4
    + Tragische Ouvertüre op. 81
    Pittsburgh Symphony Orchestra, William Steinberg
    Command Classic Recordings/DGG, ADD, 1961-1965

    Ich habe diese GA jetzt komplett durchgehört und bin damit sehr zufrieden. Das Alter hört man ihr überwiegend nicht an und Steinberg liefert eine schöne, straff-zügige Deutung. Siehe auch https://orchestergraben.com/cd-review-will…rigiert-brahms/oder notfalls Grins1 hier, gerne auch dort. Keine one-and-only-Deutung, wie ja meistens, aber andererseits wirklich keine unnötige "alles muss ans Licht"-Ausgrabung.

    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:


    Alfredo Casella (1883-1947)
    Konzert für Orchester op. 61
    + A notte alta op. 30; Symphonische Fragmente aus "La donna serpente" op. 50

    Martin Roscoe, BBC Philharmonic Orchestra, Gianandrea Noseda
    Chandos, DDD, 2011

    Casella ist "immer eine Reise Wert". ;)
    Tolle Musik, super gespielt und aufgenommen. Wurde ja hier vermutlich auch schon mehrfach gehört?

    Zitat

    Seit den 1920er Jahren hatte Casella in einem an Strawinsky gemahnenden Neoklassizismus seinen eigenen Stil gefunden, den er allerdings in den darauffolgenden Jahrzehnten durch vielfältige weitere Einflüsse weiterzuentwickeln wusste. Die zweite Folge stellt Orchesterwerke aus den Jahren 1921-1937 vor, die dies sehr schön nachhörbar machen.


    Wobei Casella meinem Empfinden nach mehr den Geist der Romantik atmet, als das obige Zeit nahelegt.
    Egal. Jedenfalls ein aus der "Nische" sehr deutlich herausragender Komponist, IMHO.

    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:


    Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847)
    Symphonie Nr. 5
    Tonhalle Orchester Zürich, Paavo Järvi
    Alpha, DDD, 2022

    Straff, packend und zügig gespielt. Bin mir jedoch nicht sicher, ob dieser Ansatz dem Werk so richtig gerecht wird. Emotional hat mich diese Deutung leider nicht so sehr angesprochen. Ist die (meine) Tagesform Schuld?

    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:


    Andrzej Panufnik (1914-1991)
    Orchesterwerke Vol.1:
    Tragische Ouvertüre; Nocturne; Heroische Ouvertüre; Katyn Epitaph; A Procession for Peace; Harmonie

    Polish Radio Symphony Orchestra, Lukasz Borowicz
    CPO, DDD, 2008

    Sehr lohnend, dieser Einblick in das orchestrale Schaffen mit diesen abwechslungsreichen, kürzeren Werken Panufniks (besser auf englisch). Klanglich sehr schön eingefangen. Allein die Spieldauer erscheint mir mit rd. 60 Minuten etwas mager, gemessen am "Marktüblichen".

    Zitat

    Pizzicato 02/10: »Wenn dieses Niveau gehalten wird, steht eine starke Panufnik-Gesamtaufnahme in Aussicht. Wir können daher diese erste CD mit einer Stunde ausdrucksstarker und ergreifender Musik nur wärmstens empfehlen. Panufnik sollte eh jeder Freund guter Klassik kennen.«

    *** Pizzicato Supersonic Award Mai 2010

    Neue Presse 08/10: »Großartiger Querschnitt durch Panufniks bemerksenwertes Schaffen. Eine echte Empfehlung für diese ebenso ausdrucksstarke wie ergreifende Musik.«


    Viele Grüße
    Frank

    :cincinbier:


    Bela Bartok (1881-1945)
    Konzert für Orchester
    + 4 Orchesterstücke op. 12

    Netherlands Radio Philharmonic Orchestra, Karina Canellakis
    Pentatone, DDD, 2022

    Bartoks berühmtes Konzert höre ich eher (zu) selten, so dass mir mal wieder kaum ein qualifiziertes Urteil oberhalb des Niveaus "hat mir gut gefallen" obliegt. Diesem Rezensenten erscheint die Aufnahme ebenfalls als "gelungen", wenn auch ein etwas zu "weicher" Ansatz der Klangtechnik bemängelt wird. Die Dirigentin war mir bisher unbekannt. Mal sehen, was da noch kommt :) . Seit 2019 ist sie Chefin des Radio Filharmonisch Orkest.

    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:


    Joseph Haydn (1732-1809)
    Streichquartette Nr.37-39 (op.33 Nr.1-3)

    Chiaroscuro Quartet
    BIS, DDD, 2021

    Vor Ideen gerade zu Funken sprühende Musik, die hier für meinen Geschmack mit großer Lebendigkeit und sehr anspringend dargeboten wird. Großartig!

    Zitat

    »Von einem Glücksfall kann man eigentlich nur sprechen, wenn ein Ensemble gestalterische Eloquenz mit hörbarer Spielfreude verbindet, instrumentales Können mit selbstverständlicher Lässigkeit, tiefes Eintauchen in eine Klangwelt, ohne dabei im Schlamm falscher Gefühligkeit zu versinken. Beim Chiaroscuro Quartett ist das alles der Fall. Die Vier integrieren dabei Erkenntnisse der historischen Aufführungspraxis, auch in der Instrumentenwahl. Alles in allem zieht ihr Spiel auch auf ihrer jüngsten CD mit Haydns ersten drei Quartetten op. 33 vergnüglich an den verschiedensten Nervensträngen seiner Zuhörerschaft. Das kann süchtig machen.« (Preis der Deutschen Schallplattenkritik)

    »Der Komponist spitzt die musikalischen Ideen zu, er geht noch ein paar Schritte weiter als früher, und das Chiaroscuro Quartet geht mit. Auch bei den Schein-Enden des Es-Dur-Quartetts, mit denen Haydn seine Hörerinnen und Hörer so herrlich foppt. Ich finde: der vielleicht witzigste Moment der klassischen Kammermusik.« (FONO FORUM, August 2023)


    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:


    Ludwig van Beethoven (1770-1827)
    Streichquartette Nr. 14 & 15

    Quartetto Italiano
    Philips, ADD, 1967-69

    Klassiker in klassischer Aufnahme.

    Zitat

    Gramophone 9/76: "Musik für die einsame Insel! Alle 16 Quartette, sowie die Große Fuge werden wunderbar interpretiert und die Klangqualität steht auf höchstem Niveau.Transparenz und Frische sind so bemerkenswert, dass der Eindruck entsteht, die Musiker stünden im eigenen Wohnzimmer."


    Ich fände es mal interessant, zu wissen, wie viele GE in den vergangenen >47 Jahre entstanden sind. Beim Anhören habe ich jedenfalls den Eindruck unveränderter Gültigkeit. Nach wie vor gefallen mir die Aufnahmen sehr gut :)

    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:


    Dmitri Schostakowitsch (1906-1975)
    Klavierquintett op. 57
    + Streichqartett Nr. 3 F-Dur op. 73

    Piotr Anderszewski, Belcea Quartet
    Alpha, DDD, 2017

    Durch Zufall heute ein sehr russisches Programm. Seltsam, dass der Wiki-Eintrag zu op. 57 so schmallippig ausfällt, handelt es sich mAn doch um ein in seiner emotionalen Wirkung unfassbar großartiges Werk, hier perfekt dargeboten.

    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier:


    Serge Prokofieff (1891-1953)
    Klaviersonaten Nr. 1 f-moll op. 1 & Nr. 3 a-moll op. 28 "Aus alten Skizzenbüchern"; Nr. 5 C-Dur op. 135 (Version 1953)
    + Visions fugitives op. 22

    Alexander Melnikov (Klavier)
    harmonia mundi, DDD, 2021

    Ich höre zu wenig Klavier (solo), um wirklich etwas dazu sagen zu können. Bei Kammermusik und Konzerten haben mir Aufnahmen mit Melnikov an den Tasten immer sehr gut gefallen. So auch hier.

    Zitat

    »Ein prächtiges Serienfinale, das auch aufnahmetechnisch das hohe Niveau der ersten beiden Folgen hält.« (Fono Forum, September 2022)

    »Zum Abschluss seines Zyklus der Klaviersonaten von Sergej Prokofjew legt Alexander Melnikov den poetischen Kern der Werke frei.« (concerti)


    Viele Grüße
    Frank
    :cincinbier: