Beiträge von stimmenliebhaber

    Ich habe heute Abend auf 3Sat nur das Prolog-Duett und die Gibichungen-Halle verfolgt. Dass ich von Frau Theorin kein Wort verstanden hätte (was ja naturgegeben so sein müsste, wenn MAN kein Wort von ihr versteht), kann ich nicht bestätigen.


    Im Übrigen fand ich das sängerische Niveau (v.a. Siegfried, Gunther und Hagen, lediglich die Gutrune fand ich stimmlich enttäuschend) besser als erwartet.

    und werde hoffentlich auch ab und zu Zeit finden, mich in diesem Thread aktiv zu beteiligen.

    Das würde mich freuen. Und je detaillierter die Beschreibung der Höreindrücke, desto besser kann man die daraus resultierende Wertung nachvollziehen.


    Da ist freilich sehr zeitaufwändig und ich habe diese Zeit aktuell leider gar nicht, anderen scheint es gerade ganz ählich zu gehen. Daher ist der Thread aktuell etwas eingeschlafen, was aber auch gar nicht schlimm ist, er muss gar nicht täglich in hoher Schlagzahl frequentiert sein. Ab spätestens Montagabend werde ich hoffentlich wieder die Zeit finden, hier etwas zu schreiben.

    Elisabeth Schwarzkopf als Antonia

    Ja, das hätte für mich auch Sinn gemacht.

    Ziemlich kurzfristig tauschten dann noch Victoria de los Ángeles und Elisabeth Schwarzkopf die Rollen

    Es wäre interessant zu wissen, warum das geschah.

    Ich könnte mir aber vorstellen, dass Schwarzkopf dem Ambitus und der Tessitura der Antonia nicht (mehr) gewachsen war (die Partie geht immerhin bis zum d''', liegt zum Ausgleich aber sonst recht tief, also spart gerade die Sahnelage der Schwarzkopf aus.

    Ich denke auch, dass die Schwarzkopf damals die Antonia einfach nicht mehr packte.

    Giulietta hat mehr Mittellage

    Das stimmt zweifellos, deswegen wurde die Rolle früher(!) ja auch häufiger von Mezzos übernommen, wenn die Frauenrollen geteilt wurden.

    Es war auch ihre letzte Opernaufnahme.

    Das kann ich gut verstehen.

    Ich finde, das alles merkt man der Aufnahme aber überhaupt nicht an

    Das finde ich freilich nicht. Ihre Selbstwahrnehmung in ihrer Autobiografie und meine Fremdwahrnehmung sind hier erstaunlich deckungsgleich. Die Stimme hat nichts Körperliches, Sinnliches mehr, sie muss so ausdrucksstark sein, um ihre stimmlichen Schwächen dadurch zu kaschieren.

    Giulietta liegt ihr meiner Meinung nach sehr sehr gut in der Stimme, jedenfalls deutlich besser als ihre Mozart-Partien.

    Das finde ich nun überhaupt nicht, Fiordiligi und Contessa lagen ihr Anfang der fünfziger Jahre m.E. deutlich besser als diese Giulietta am Ende ihrer Plattenlaufbahn.


    Wie gut, dass ich es nicht war, der ausgerechnet die letzte Plattenaufnahme der Schwarzkopf ausgewählt hat. Grins2 :wink:

    Für heute schlage ich diese beiden Tenöre mit diesen Aufnahmen vor:


    Jess Thomas, Tenor, * 1927 in Hot Springs SD

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    Harald Neukirch, Tenor, * 1928 in Döbeln

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    Ich bitte darum, maximal 10 Sänger zu nennen. Wenn Ihr eine Rangfolge (1 bis 10) erstellt, werde ich am Ende auch eine Auswertung machen.

    Ich nehme mal zuerst 3 "historische", also nicht mehr live erlebte, und dann noch 7 live erlebte (wobei die ersten beiden davon auch eher wegen der "historischen" Aufnahmen als wegen der Live-Erlebnisse, die sind nur bei denen letzten fünf Genannten entscheidend):


    1. Lauritz Melchior

    2. Boris Christoff

    3. Tito Gobbi

    4. Dietrich Fischer-Dieskau

    5. Luciano Pavarotti

    6. Siegfried Lorenz

    7. Siegfried Vogel

    8. Klaus König

    9. Andreas Scholl

    10. Thomas Quasthoff

    Dann springe ich mal für Elisabeth Schwarzkopf ein. Ich bin zwar wahrlich auch nicht als übermäßiger Verehrer ihres Gesanges bekannt, aber ich bin mal gnädig und stelle ein Tondokument ihrer meiner Meinung nach besten Studioleistung ein - auch wenn das vielleicht als exzentrische Wahl erscheinen mag, aber so gut war sie meines Erachtens sonst nie:

    Danke nochmal für's Einstellen! Wenn ich gerade das eingestellt hätte, hätten mir das einige garantiert als Bosheit ausgelegt. Grins1

    Aber mal ganz ehrlich: Warum von Elisabeth Schwarzkopf gerade die Giulietta? Für die Edelkurtisane würde ich mir ein weit üppigeres, sinnlicheres, auch dunkleres Stimm-Organ wünschen. Sie ist ja von den drei Frauenrollen die tiefste Rolle und wird, wenn die Frauen geteilt besetzt werden, auch schon mal von einem Mezzo gesungen. Also für mich klingt das alles wenig sinnlich, sondern eher hart und eng - obgleich ihr Timbre zweifellos einen gewissen Reiz besitzt. Dennoch scheint sie ihren stimmlichen Zenit bereits übereits überschritten zu haben. Lieber hätte ich sie in einer Aufnahme aus jüngeren Jahren in einer der beiden anderen Rollen, also als Olympia oder Antonia, gehört - dazu passt diese gewisse Künstlichkeit ihrer Stimme doch eigentlich viel besser als zur Giulietta, oder?

    ABER: Was man ihr hier absolut nicht absprechen kann, ist eine große Energie und glaubhafte Rollengestaltung, so emotional habe ich die Schwarzkopf wirklich selten gehört. Wenn das das entscheidende Kriterium ist, dann hat sie mit ihrer Selbsteinschätzung von der besten eigenen Studioaufnahme vielleicht sogar Recht. Mir persönlich ist sie dennoch als Contessa, Fiordiligi, Marschallin oder Gräfin Madeleine weit lieber als bei Offenbach. Bei Mozart und Strauss schätze ich sie nämlich wirklich, auch wenn mir die Grümmer und die Della Casa immer noch eine Spur lieber sind. :wink:


    Aber vielleicht hätte ich aus reiner Boshaftigkeit die Venedig-Annina oder die kluge Bauerstochter eingestellt. Grins1

    Persönliche Vorbemerkung zu Uta Priew: Auch hier bin ich nicht ganz unbefangen. In meiner allerersten Opernvorstellung "Hänsel und Gretel", als Gertraud Prenzlow die Knusperhexe sang, sang Uta Priew den Hänsel. Und in meinem allerersten Sinfoniekonzert, Beethovens Neunte zu Silvester 1987 im Palast der Republik, es spielte das RSO (heute: RSB) unter Heinz Rögner, sang sie die Solo-Alt-Partie. Das alles habe ich auch erst Jahre später registriert, als ich im Elternhaus die Programmhefte wiederfand. Und so kam mir ihr Name, als ich im Februar 1990 an der Berliner Staatsoper meine erste Live-"Aida" erlebte und sie als Interpretin der Amneris las, nicht deshalb so bekannt vor, sondern weil meine erste Wagner-Operngesamtaufnahme das Dresdner Studio-"Rheingold" unter Marek Janowski war - und insbesondere das 1. Bild habe ich damals förmlich verschlungen und immer wieder gehört. Noch heute bin ich der Meinung, dass das Rheintöchter-Trio Lucia Popp, Uta Priew und Hanna Schwarz wirklich ideal und nahezu unüberbietbar ist.

    Ein Jahr nach meiner ersten "Aida", also im Februar 1991 folgten dann sowohl mein erster Staatsopern-"Lohengrin" mit Uta Priew als Ortrud als auch eine Woche später mein zweiter "Tannhäuser", in dem sie eine strahlende, umjubelte Venus sang. Auch in den drei Folgemonaten war ich jeweils 1x in dieser "Tannhäuser"-Inszenierung drin und immer sang sie damals die Venus. Zudem war sie im März 1991 meine erste Kundry, im Jahr 1992 dann auch meine erste Selika und meine erste Boulotte - dass ich diesen Felsenstein-"Blaubart" als 18-Jähriger noch 2x live erleben durfte, war nicht zuletzt auch ihr Verdienst und ich werde ihr dies immer hoch anrechnen.

    Anfang der 1990er Jahre schien mir die Priew stimmlich im absoluten Zenit ihrer Möglichkeiten zu stehen und sang die Wagner-Rollen Venus, Ortrud, Brangäne und Kundry so mühelos und unforciert, wie ich das später selten wieder so erlebt habe (sowohl von ihr als auch von anderen). Dass sie damals im Zenit ihrer stimmlichen Möglichkeiten stand, unterschied sie von einigen ihrer Ensemblekolleginnen, weshalb sie schnell zu einer meiner absoluten Lieblingssängerinnen mutierte. Dass die Karriere Mitte der Neunziger Jahre einen gewissen Knick bekam, hatte mehrere Ursachen, eine war ein Schleudertrauma, das sie nie wieder komplett los wurde, in Folge eines Autounfalls. Nach ihren Bayreuther Venus-Auftritten 1992 und 1993 war sie für die Wiederaufnahme 1995 wieder fest eingeplant, musste nach diesem Autounfall dann aber umbesetzt werden.


    Wenn ich mir diese Venus-Szene nun zum zweiten Mal (nach gestern Abend) frisch anhöre, erfüllt sie eigentlich alles, was mir idealerweise dafür vorschwebt. Eine klare, durchaus sinnlichen Stimme, durchaus etwas schwankend zwischen hell (Höhe) und dunkel (Tiefe) bei einer sehr geschmackvollen Artikulation. Natürlich kann man die Spitzentöne strahlender trompeten, aber ist das hier wirklich sinnvoll? Dass ihre etwas "weiße" Höhe im Volumen nicht ungrenzt ist, höre ich auch, kommt der Glaubwürdigkeit der Rolle meines Erachtens hier aber sehr zugute. Sie konnte Tannhäuser (stimmlich durchaus glaubhaft) verlocken, zu ihr in den Venusberg zu kommen und ihn dort eine Weile halten, aber dauerhaft kann sie ihn nicht an sich binden, etwas fehlt ihm. Und ich finde, dass sie das akustisch ziemlich glaubhaft rüberbringt. Natürlich kann man sich dunklere, größere, üppigere Stimmen für die Venus vorstellen, aber die sind dann eigentlich in der Pariser Fassung besser aufgehoben als in der Dresdner. Und wenn ich dann einige Studioaufnahmen anhöre, finde ich die Priew für die "Dresdner" Venus geeigneter als Marianne Schech oder selbst La Nilsson.


    Wer etwas mehr von der Priew hören möchte: In Harry Kupfers erster Berliner "Parsifal"-inszenierung alternierten in den ersten Jahren Ludmila Dvorakova und Gisela Schröter als Kundry, während die Priew ab und an als Kanppe, Blume und Stimme aus der Höhe mitmischte. In den letzten Jahren dieser Inszenierung, also um 1990, alternierte Uta Priew mit Ute Trekel-Burckhardt als Kundry (und sang die Rolle im Gegensatz zur Kollegin auch in der Neuinszenierung weiter). Weil wir erst vor fünf Tagen im Zusammenhang mit der Dvorakova "Ich sah das Kind an seiner Brust" angehört haben, hier mal die Priew mit gleicher Szene:


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    Die Kundry sang sie dann 1994 unter Giuseppe Sinopoli in Bayreuth.


    :wink:


    Nachtrag @ "Quasimodo": Mit der Bezeichnung "Alt" im "Historischen Kalender" bin ich nicht glücklich. Eigentlich sang sie alles von der 3. Dame bis zur 3. Norn (in Bayreuth), die bekanntlich eine Sopran-Partie ist. Und wer "Wozzeck"-Marie, Selika, Venus, Ortrud und Kundry gesungen hat, ist kein reiner Alt, sondern eher Mezzosopran. auch im Konzertsaal sang sie mitunter Partien, die als Sopran bezeichnet sind, aber natürlich auch Alt-Partien. Vielleicht könnte sie im nächsten Jahr als "Mezzosopran" erscheinen? Danke! :wink:

    Mein Vorschlag für Uta Priew ist die Szene der Venus "Geliebter, komm" aus dem 1. Akt "Tannhäuser" in der Dresdner Fassung (ab 28:37, ich habe versucht, das so einzustellen, dass man gleich an der richtigen Stelle landet):


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    Die Live-Aufnahme stammt aus dem Jahr 1991 (Staatsoper Berlin). Ein Jahr später engagierte Wolfgang Wagner die Sängerin in dieser Rolle (die sie auch im Folgejahr dort sang) nach Bayreuth.


    Als ich das erste (oder zweite?) Mal in der Villa Wahnfried war, habe ich am Ende der (alten) Ausstellung den Computer mit der Aufführungsdatenbank und den Mitwirkenden förmlich verschlungen. Von Uta Priew war damals als Hörbeispiel genau diese Szene der Venus drin, allerdings aus der ersten Bayreuther Aufführung von 1992. Offenbar scheint es diese früheren Tonbeispiele inzwischen nicht mehr zu geben:


    Aufführungsdatenbank - Bayreuther Festspiele
    www.bayreuther-festspiele.de

    Auch heute stünden uns wieder zwei Damen zur Verfügung, wieder eine lebende und eine nicht mehr lebende, wenn auch beide nicht mit "runden" Gedenktagen.


    Uta Priew, Alt, * 1944 in Karslbad (Karlovy Vary)


    Dame Elisabeth Schwarzkopf, Sopran, † 2006 in Schruns

    Ein Beispiel für Uta Priew stelle ich gleich ein.


    Und wer Frau Schwarzkopf mag, der möge rasch ein geeignetes Tonbeispiel zu ihr heraussuchen und einstellen - damit ich das nicht tue. Grins1

    Und hier ein aktueller Stand zur besseren Orientierung:


    Über diese „Jubilare“ haben wir uns bislang ausgetauscht:


    Adam, Theo (#197, 202-203, 205)


    Andrésen, Ivar (#131, 135-136)


    Dvořáková, Ludmila (#184-189)


    Elming, Poul (#2 – 21, 23-24, 26-29)


    Frick, Gottlob (#140, 142-151)


    Hajóssyová, Magdaléna (#105-112, 132, 134)


    Harteros, Anja (#82-83, 85, 91-92, 95, 98-99)


    Janowitz, Gundula (#204, 214, 216, 219)


    Keplinger, Ruth (#141, 153-154, 174)


    Lilowa, Margarita (#114, 118-119, 121, 130, 133)


    Marc, Alessandra (#160, 172-173, 177-178, 182-183)


    Prenzlow, Gertraud (#204, 213, 217)


    Priew, Uta (#223, 228)


    Prey, Hermann (#59-66, 75, 81)


    Schech, Marianne (#32, 34, 35-43, 46-48, 51, 53, 55-56, 72, 78-79)


    Schwarzkopf, Elisabeth (#225, 231-233)


    Di Stefano, Giuseppe (#93, 96-97, 100-101, 104)


    Šubrtová, Milada (#197-201, 207-209, 212, 220, 224, 226-227)


    Talvela, Martti (#31, 34, 37, 49-50, 52, 54, 57, 71, 80)


    Traubel, Helen (#141, 155-156)


    Weikl, Bernd (#157-159, 161-163, 171, 174, 180-181)


    Zobel, Ingeborg (#190-195)


    Stand: 03.08.2022, 23.50 Uhr


    Eigentlich wollte ich diesen Zwischenstand zum Monatswechsel bringen, aber da hatte ich in meiner Unterkunft leider Netzwerkprobleme.

    Gundula Janowitz mit der Kavatine der Agathe aus dem 3. Akt von Webers "Freischütz"

    Wenn eine Sängerin der Güte und mit dieser Lebensleistung einer Gundula Janowitz ihren 85. Geburtstag feiern kann, dann sollte man sie an ihren Ehrentag eigentlich feiern und nicht kritisieren. Insofern hätte ich mir gewünscht, dass jemand anderes hier den Anfang zu ihr gemacht hätte als ausgerechnet ich, der ich seit mehr als 30 Jahren nicht wirklich warm mit ihrer Stimme werde - denn als "warm" empfinde ich ihre Stimme nun wahllich nicht, viel eher als kühl und "weiß". Sie war meine erste Platten-Agathe (Carlos Kleiber) und ich kam an diese Rolle nicht ran. Dieser Knoten platzte bei mir erst mit Elisabeth Grümmer. In meiner ersten "Carmina Burana"-Aufnahme (Jochum) gefiel die Janowitz mir auch nicht übermäßig, das "Dulcissime" fand ich geradezu peinvoll. Auch ihre Ausflüge ins schwerere Fach (Leonore, Sieglinde) haben mich nicht wirklich begeistert - und als ich in der Corona-Zeit in der DCH der Berliner Philharmoniker einer Brahms-Requiem unter Karajan sah und hörte, war ich von ihrem "Ihr habt nur Traurigkeit" auch alles andere als begeistert. Stimmen sind eben auch Geschmackssache und so wie viele nur bei der Nennung des Namens Janowitz mit der Zunge schnalzen, traf sie meinen Geschmack bislang eigentlich so überhaupt nicht.


    Wenn ich mir jetzt (mehrfach) die Kavatine der Agathe aus dem 3. Akt von Webers "Freischütz" in dieser Studiaufnahme von 1967 (und damit einige Jahre früher als die Gesamtaufnahme von Carlos Kleiber) unter Ferdinand Leitner anhöre, bin ich erst einmal angetan und positiv überrascht. Zwar ist die Textverständlichkeit nicht die allerbeste und der jeweils lange Spitzenton in beiden Strophen klingt relativ gestaut und nicht so frei schwebend wie bei der Grümmer - und dennoch klingt die Janowitz in dieser Einspielung für mich doch angenehm, frisch und jugendlich - eine Prise mehr Anny Schlemm oder Grümmer bezüglich der Textbehandlung, dann wäre ich wirklich voll zufrieden, aber klanglich ist das hier schon sehr gut von der Janowitz, da glaube ich ihr akustisch auch das junge besorgte Mädchen im Försterhaus.


    Das dieser Beitrag so ziemlich das Positivste ist, was ich jemals über die Janowitz geschrieben habe, ist das dann (gemessen an meinem Ausgangspunkt) in gewisser Weise doch noch (m)ein "Geburtstagsgeschenk" für sie - und zwar deshalb, weil ich eben nicht wegen ihres heutigen Geburtstages positiv geschrieben habe, sondern weil ich zuvor frisch gehört und dabei wirklich zu einem positiven Urteil gekommen bin. Manchmal geschehen eben doch noch Zeichen und Wunder. ;) :wink:

    haben wir auf Frauenseite heute einen 100


    Gertraud Prenzlow

    Vorbemerkung: Die Mezzosopranistin Gertraud Prenzlow kam um 1950 ins Ensemble der Deutschen Staatsoper Berlin (Ost) und gehörte diesem bis zu ihrem altersbedingten Ausscheiden 1984 an. (Letzte Auftritte im Januar 1985 als Mary im "Fliegenden Holländer".)

    Als ich als 7-Jähriger im Dezember 1981 zum allerersten Mal eine Opernvorstellung erlebte, war sie in eben diesem Opernhaus meine erste Knusperhexe in "Hänsel und Gretel". Das würde ich nicht wissen, wenn sich zu Hause nicht das entsprechende Programmheft mit Besetzungszettel erhalten hätte. Erinnern kann ich mich an ihre Leistung nicht mehr wirklich, ich habe mich nur schrecklich gelangweilt und die Oper für einige Jahre gemieden. Als ich dann als 14-Jähriger (ab 1988) wieder (freiwillig und mit zunehmender Begeisterung) Opernvorstellungen besuchte, hatte sie ihre Karriere bereits beendet.


    Gertraud Prenzlow mit der Arie der Irmentraud aus Lortzings "Waffenschmied":

    Das ist ja nun eine Oper, die inzwischen eigentlich gar nicht mehr gespielt wird - und meine Versuche, mich dieser Oper über Ton- oder Bildtonaufnahmen (es gibt ja die Szenen mit Moll und Kruse) zu nähern, waren auch nicht von Erfolg gekrönt.

    Wenn ich das alles mal beiseite lasse und nur diese Arie höre, gefällt mir diese wirklich gut. Die Stimme der Prenzlow ist nicht sehr ausladend, eher etwas begrenzt, aber innerhalb dieser Grenzen kangvoll und anmutig, auch agil, was ihr bei dieser Arie sehr entgegen kommt. Wie es klang, wenn sie mit dieser Stimme Octavian, Eboli und Amneris gesungen hat, weiß ich nicht - und ich habe größere Wünsche, als den, das mal von ihr zu hören. Aber für die Irmentraud und diese Arie finde ich sie ziemlich ideal, zumal die auch sehr geschmackvoll (mit einer pefekten Mischung zwischen Linie und guter Textverständlichkeit) artikuliert. Das ist nun sicherlich keine Wow-Nummer von einer absoluten Wow-Stimme, aber ich höre sie damit gerne und bin's zufrieden. :thumbup:


    Übrigens hat die Prenzlow auf der Bühne der Staatsoper Berlin nicht nur die Hexe in "Hänsel und Gretel" gesungen, sondern auch die in "Rusalka", aber davon gibt es ebenso wenig eine Aufnahme wie von der Humerdinckschen. Höre ich auch lieber von einer größeren, dramatischeren, dukleren Stimme, aber wäre durchaus interessant. Im deutschsprachigen Operquerschnitt, der damals relativ parallel zu dieser Produktion entstand, singt Annelies Burmeister die Partie, in der beide an der Staatsoper Berlin alternieren. Es gibt noch eine Fernseh-Neunte (wohl die erste überhaupt) aus dem Beethoven-Jahr 1970 unter Kurt Masur mit ihr, und noch einige andere Konzertsachen, aber sehr üppig ist diese Sängerin in Opernrollen im Studio nicht dokumentiert. Am eindrucksvollsten ist vielleicht noch ihre Tertullia in "Die Verurteilung des Lukullus" von Paul Dessau, in der sie sowohl im Uraufführungsmitschnitt von 1951 als auch in der Studioaufnahme vom Herbert Kegel sowie in der Fernsehaufzeichnung der ersten eigenständigen Berghaus-Inszenierung (ebenfalls unter Kegel) dokumentiert ist. :wink:

    Zur "Briefszene" der Tatjana, gesungen von Milada Subrtova (die Sonderzeichen des Nachnamens lasse ich jetzt mal der Einfachheit weg, aber gesprochen wird sie vorne mit "Sch", die Frau Schubert).


    Ein bissl ist sie ja die tschechische Elisabeth Grümmer (die ich sehr verehre), hat auch so einen kleinen Kontrast zwischen einer gewissen Herbheit im Timbre und andererseits einer lyrischen Anmut und Mädchenhaftigkeit wie nur wenige andere. Tatjana und Rusalka sind natürlich wesensverwandt: ein Mädchen an der Schwelle zum Frausein - und sie ist fest entschlossen, diesen Schritt endlich zu gehen,

    Das Mädchenhafte gelingt der Subrtova vor allem deshalb so vorbildlich, weil sie nie forciert oder die Stimme abdunkelt, um künstlich ein größeres Volumen zu erreichen. Dadurch klingt das Ganze nicht so voll und "fraulich", wie die meisten Italienerinnen singen. Beinahe ist der Klang ein wenig flach, aber das stört hier überhaupt nicht, ganz im Gegenteil. Sie singt das ganz natürlich, beinahe volksliedhaft - und das steht dieser Rolle sehr gut. Dass die Tiefen dabei nicht gebrustet werden, versteht sich von selbst. Und die Höhen leuchten wunderbar. Ein bissl kurios sind die ungewohnten Synkopen im Rhythmus, was mit der tschechischen Sprache zu tun hat - aber das macht die Sache noch natürlicher und laut einer Untersuchung (die ich leider auch nur vom Hörensagen kenne, wenn auch immerhin aus dem Munde von Frau Prof. Charlotte Lehmann) soll ja jeder Sänger dann die meisten Obertöne produzieren, wenn er in seiner Muttersprache singt. Ich finde es generell bedauerlich, dass fast nur noch originasprachlich gesungen und eingespielt wird, etwas mehr Abwechslung würde ich herzlich begrüßen, auch wenn das nicht alles so gelingen wird wie dieses ganz besondere Juwel hier.

    Das Hauptthema, das oben beginnt, ist von der Subrtova ganz wunderbar innig und lyrisch gesungen, noch natürlicher geht es kaum (dabei riskiert sie auch, dass sich der Ton nicht gleich voll öffnet - und dieses Risiko lohnt!). Und was für eine wunderbare Tiefe im bewegten Zwischenteil: nicht abgedunkelt und doch sehr klangvoll. Der eine Spitzenton gegen Ende hat dann auch mal eine gewisse "slawische Schärfe" und unittelbar vor dem Orchesterteil dunkelt sie dann in der Tiefe leider doch mal ab, was sich promt nicht auszahlt. Der finale Spitzenton ist hingegen wieder wunderbar rund - da höre ich wirklich geradezu die Grümmer!


    Also: Ich liebe Milada Subrtovas Studio-Rusalka heiß und ich innig und höre auch ihrer Tatjana sehr, sehr gerne zu. :)


    Edit: Bei den letzten Korrekturen habe ich mich jetzt "festgehört" und höre gerade schon ihre wunderbare Moll-Arie im 3. Bild. Wird schwer, jetzt aufzuhören und mit den anderen fortzufahren....

    Nun wollen wir uns heute ja nicht über Klaus Mertens austauschen, zu dem hätte ich ansonsten einiges zu sagen...

    Sag doch! :P Klaus Mertens ist einer der wenigen bekannteren Sänger, die ich wirklich schon live im Konzert gehört habe (sogar mehrfach) und es würde mich sehr interessieren, was du zu ihm zu sagen hättest...

    Er hat ja meines Wissens aktuell nicht Geburtstag und ist daher nicht Gegenstand unseres aktuellen Höraustauschs. Ich habe ihn meines Wissens mit nichts live erlebt (kann mich evtl. irren), sondern mehr im Fernsehen in übertragenen Konzerten mit den Thomanern - und war mehr als ein Mal erstaunt, warum er dort immer wieder als Solist herangezogen wurde.