Beiträge von Paulus

    Lieber Michael,


    ganz herzlichen Dank für Deine Antwort und Deinen Fingersatz.

    Zitat

    Das ist doch gar nicht besonders hoch.....

    Ja, weil die Ausgabe bei Petrucci die ganze Stelle ab Takt 85 eine Oktave nach unten transponiert. Dann geht das natürlich leicht. Merkwürdig. Meinen Henleausgabe enthält in ihrem kritischen Apparat keinen Hinweis auf eine andere Lesart.



    Wenn ich mit Henle eine Oktave höher gehe, gibt es wenigstens kein Problem mit leerer A Saite ;+)



    Aber doch ein artistisches Kunststück... ?( . Oder kann man das irgendwie fingersatzmäßig vereinfachen?



    Schöne Grüße



    Paulus

    Fingersatz Cello Debussy Klaviertrio

    Liebe Cello spielende Foristen,


    ich habe ein kleines Fingersatzproblem beim ersten Satz des Debussy Klaviertrios.


    Dieses Trio ist ein m.E. wunderschönes Jugendwerk von Debussy, seine erste reine Instrumentalkomposition überhaupt, die er mit 18 Jahren in Fiesole Italien komponiert hat. Es ist relativ unbekannt. Dem Henle Vorwort entnehme ich, dass die autographe Partitur der letzten drei Sätze erst über 100 Jahre nach seiner Komposition aufgefunden worden ist, nämlich 1982. Es klingt noch nicht sehr nach Debussy, dafür sehr nach jugendlich melodiösen Überschwang, vielleicht im langsamen Satz manchmal ein kleines wenig zu süsslich. Ich spiele es mit meinem Klaviertrio gern, es ist für alle Stimmen sehr dankbar und für engagierte Hobbymusiker noch gut zu "machen". Aber: Es sind doch ein paar Schmankerln drin und vielleicht weiß ein Cellist Rat zu Takt 88 f. Dort geht es unisono mit der Geige hoch hinauf, muss daher extrem sauber gespielt sein. Takt 88 ist noch kein Problem, aber wie komme ich dann an das a ´´
    Bisher fingere ich auf der A beginnend mit den letzten drei Achteln 1,2, 1 und dannein wagemutiger Sprung auf das a´´ mit dem dritten und dann weiter 2,3, Daumen u.s.w. Eine halsbrechererische Übung.


    Vielleicht gibt es einen Cellisten im Forum, der eine bessere Lösung kennt? Michael?


    Sonst wäre meine kleine Anfrage eher eine Anregung, sich mit diesem Jugendwerk hörend oder spielend zu beschäftigen: Es lohnt sich. Eine schöne Aufnahme gibt es mit dem Trio Fontenay.


    Schöne Grüße


    Paulus

    Liebe Fairy,


    natürlich ist es richtig, das der Mensch nicht vom Brot allein lebt und schon deshalb ist mir die Geschichte vom Mäusedichter Frederick sympatisch.


    Wie aber sollen Künstler von der Gemeinschaft mitgetragen werden? Durch Sonderumlage etwa zur Einkommenssteuer? Wer bestimmt dann, wer Künstler und was Kunst ist?


    Es geht doch wohl nur so, dass jeder selbst entscheiden muss, was ihm wichtig erscheint: Etwa durch Kauf von Gedichtbänden. Durch Beitritt zu fördernden Vereinigungen. Durch Sponsorentum vielleicht.


    In der Musik ist das ja ähnlich......Man sollte nicht aus Raubdrucken spielen.


    Paulus

    Zitat

    'Ist das kurz vor Beginn der Coda?

    Ja. Genauer gesagt Takt 332. Die eigentliche Entwicklung geht bei 327 los. Sempre pp steht in meinem Notentext. Und das cresc. beginnt erst in 340, mögen sich die ausübenden Musiker dran halten. Das Münchener Klaviertrio auf meiner Aufnahme tut dies z.B. nicht.


    Überhaupt ist wohl umsichtiger Umgang mit der Dynamik hier besonders empfehlenswert. Allegro energico e con fuoco ist zwar angesagt. Aber dynamische genaue Differenzierung auch. Sonst gesteht die Gefahr, dass der erste Satz fast bollerig wird.


    Ähnliches gilt für den zweiten, der im Wesentlichen in p teilweise sogar in pp gehalten ist. Hält man sich nicht daran, gerät er leicht in die Nähe eines Schmachtfetzen...

    Zitat

    Welche Aufnahmen muss ich zum Beispiel nun noch unbedingt mit ABM haben

    Neben den bereits gezeigten von Children´s Corner m.E. diese hier:



    [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/615MX7ZXH7L.gif]


    Und zwar nicht nur wegen der letzten Beethovensonate. Auch der Galuppi und der Scarlatti haben es in sich. Die ganze Aufnahme mochte ich jedenfalls zu Studententagen sehr und werde sie mir, dank dieses Threads morgen noch einmal anhören.

    Zitat

    Vermutlich hat sie aber einfach gar keinen Beschluss eingeholt

    Genau das ist der Fall. Jedenfalls nach der heutigen Darstellung von Herrn Barlach in der FAZ.


    Der gleichen Quelle entnehme ich, das Herr Barlach nicht eine Einziehung der Beteiligung des Mehrheitsgesellschafters oder eine Ausschließung des Mehrheitsgesellschafters gerichtlich verfolgt, sondern eine Auflösung der Gesellschaft. Mit einer Klage auf Auflösung hätte er Erfolg, wenn ein wichtiger Grund vorliegt. Der wäre insbesondere bei schwer wiegenden Pflichtverletzungen oder unredlicher Geschäftsführung oder der Verfolgung eigennütziger Zwecke zulasten der Gesellschaft gegeben.


    Herr Barlach hat in dem Interview übrigens ausdrücklich mitgeteilt, er würde die Auflösungsklage zurückziehen, wenn die Gegenseite davon absehen würde, seine Ausschließung aus der Gesellschaft weiterzubetreiben.


    Schöne Grüße


    Paulus

    Es wundert mich sehr, dass die Anwälte von Frau Berkewicz erstaunt über das Urteil sind. Aus meiner Sicht lag die Entscheidung jedenfalls aufgrund der Tatsachen, die ich der Presse entnehmen, auf der Hand.


    Frau Berkewicz hat als Geschäftsführerin und Mehrheitsgesellschafterin dafür gesorgt, dass Räume Ihrer Villa zumsatten Preis von 6500 € pro Monat an die Gesellschaft vermietet wird, und zwar für nur gelegentliche Tagungen. Sie hat damit dafür gesorgt, dass Gelder der Gesellschaft auf Ihr Konto fließen und somit der Gewinnanteil des Mitgesellschafters zu ihrem Nutzen geschmhlert wird. Der Presse entnehme ich, dass es insgesamt um einen satten sechsstelligen Betrag geht, um den das Gesellschaftsvermögen gemindert worden ist. Dass der Mitgesellschafter hierüber nicht glücklich ist, wird man verstehen können. Das Gericht hat jedenfalls offensichtlich Verständnis für die Position des Mitgesellschafters gezeigt. Bei richtiger Beratung hätte auch Frau Berkewicz besser schon weit im Vorfeld des Prozesses entsprechendes Verständnis aufbringen sollen.


    Ich gehe weiter davon aus, dass es in der Satzung der Gesellschaft so genannte Einziehungstatbestände gibt. Geschäftsanteile eines Gesellschafters, der die Gesellschaft mutwillig im Eigennutz schädigt, können eingezogen werden. Die Einziehung kann auch durchaus von einem Minderheitsgesellschafter gegen den Mehrheitsgesellschafter durchgesetzt werden. Ich könnte mir vorstellen, dass dort noch eine Überraschung auf Frau Berkwicz oder ihre Anwälte wartet.


    Auch als Mehrheitsgesellschafter kann man eben nicht mit der Gesellschaft so verfahren, als sei sie das Alleineigentum.


    Schöne Grüße


    Paulus

    Zitat

    Aber warum nur einem Hobbymusiker ?

    War mein Satz so zu falsch verstehen?


    Ein Beispiel zur Arpeggione: Im Netz findet sich eine Anfrage von Tabea Zimmermann bei Henle, wie denn die Akzente der Klavierbegleitung im Rondothema des dritten Satzes liegen, auf dem ersten oder dem zweiten Achtel. Eine überaus sorgfältige Erforschung dessen, was Schubert wohl gewollt hat. Henle meint, aus der Notierung Schuberts entnehmen zu können, dass der Akzent auf dem 2. Achtel liegt, m.E. mit überzeugenden Gründen. Ein Beispiel für das Wissen um den Willen des Komponisten aus der Partitur.


    Ich denke, von einem Hobbymusiker kann man eine so genaue Erforschung nicht unbedingt erwarten, von einem Berufsmusiker schon. Der Hobbymusiker mag das auch tun, wenn er Zeit und Lust dazu hat und sonst eben nach seinem hoffentlich musikalischen Gefühl entscheiden. Dieses setze ich bei einem Berufsmusiker ohnehin voraus, aber eben auch das Wissen und Können....


    Gibt es übrigens eine Aufnahme von Tabea Zimmermann von der Arpeggione?


    Paulus

    Zitat

    Oder: wie man die Büchse der Pandora öffnet ... Dies ist ein ständiges
    Streitthema der Schubert-Literatur. Ich glaube, hier hilft nur Gefühl
    ....

    Um Himmels willen. Ich ziehe die Frage zurück. Einem Hobbymusiker mag man ohnehin gestatten, Wissen und Können durchs Gefühl zu ersetzen. ;)



    Paulus

    Zitat

    Was hier auffällt: die meisten Stücke sind in a-moll.


    Ob das wohl die am leichtesten zu spielende Tonart für den Arpeggione ist ?

    Zumindest ist der Arpeggione E-A-d-g-h-e' gestimmt. Jede leere Saite enthält also einen Ton der a moll Tonleiter.


    Das ist bei der Bratsche und dem Cello allerdings ebenfalls so mit C G d a:-) Aber leicht??? Nun in cis moll wärs jedenfalls nicht einfacher :)


    Eine völlig andere Frage zu dem Stück: Kennt sich jemand damit aus, wie genau Schubert die Artikulation in seinen Urschriften bezeichnete?


    Kleines Beispiel: Bei ersten Nebenthema des Satzes in d sind im ersten Takt die beiden ersten Sechzehntel gebunden die beiden nächsten Sechzehntel Stakkato geschrieben. So auch in der nächsten Vierergruppe des gleichen Taktes. Das gleiche Motivchen aus Oktave und Terz erscheint hingegen im folgenden Text ohne jede Artikulationsbezeichnung, also schlicht hin- und her gestrichen. Das ist aber offenbar nicht gemeint. Denn wenn dann viel später das Thema zum zweiten Mal in a- moll nach dem zweiten Nebenthema erscheint, ist es fast vollständig wieder zwei gebunden zwei gestoßen notiert. Es ist wohl selbstverständlich, dass an all den Stellen des 1. Nebenthemas gleich gespielt werden soll... und so hat denn auch Henle in der Urtext entschieden. Es ist aber nicht überall so - relativ - eindeutig.


    Schöne Grüße ins Forum


    Paulus

    Lieber Philbert,


    eine großartige Aufnahme, finde ich!


    Ohne Temposchwankungen und übertriebene Agogik wie bei Bashmet/Argerich, ohne jedes Herausstellen von Virtuosität, statt dessen mit wunderbarer Musikalität und Schlichtheit.


    Nehmen wir nur das 1. Thema ab dem Celloeinsatz. Der Beginn bewegt sich innerhalb einer kleinen Terz und ganz allmählich erweitert sich im Fortgang der Tonraum vom ausgehenden a bis zum f´´ um dann wieder nach der Doppelschlagverzierung zum a zurückzukehren. Das alles gehört thematisch unbedingt zusammen und darf m.E. nicht durch Agogik zerstückelt werden. Und auch der folgende Notentext ist kein Geplänkel, dass nur dazu dient, zu einem schelleren Tempo bei Thema 2 zu gelangen, wie Perenyi eindrucksvoll - auch mit der Verwendung des dortigen Motivs am Beginn der Reprise und vor allem am Schluss! zeigt.




    Virtuosität gegen Texttreue: Viele Cellisten spielen in Takt 57 ff die Stelle die absteigende Tonleiter nach der aufsteigenden Tonleiter in einem stakkato auf einen Bogen: Sicher, das klingt virtuos und sieht auch gut aus. Im Text schreibt Schubert aber einen Bindebogen über die Tonleiter, eine Gesanglichkeit, die dann im Kontrast zum folgenden gebrochenen aufsteigenden Akkord - hier stakkato mit Akzenten! steht. Und so macht es auch Perenyi. (5.16 in dieser Aufnahme "http://www.youtube.com/watch?v=NNcQuY1isEI" Nur als Beispiel.


    Auch im dritten Satz stellt Perenyi mühelos das gesamte Rondothema in einem riesigen Bogen als Einheit dar und stellt seinen Charakter in Kontrast zu den Nebenthemen.
    .


    Das einzige, was mich ein ganz klein wenig wenig gestört hat, sind, Bogenwechsel auf einigen langgezogenen Tönen in Satz 2. Wer die ersten vier Noten des zweiten Satzes (zwei Takte) so ausdrucksvoll auf einen Bogen hinbekommt, sollte eigentlich eine andere Möglichkeit finden..


    Wunderbar auch die vornehm zurückhaltende aber wunderbar diffenzierte Klavierbegleitung. Man höre nur einmal die Gestaltung in 12.20 ff mit der Basslinie in 12.57ff oder die gehaltene Spannung in 14.00 ff mit der Basslinie in 14.35: hervorragende dynamische Gestaltung....

    Wie auch immer man das Tempo in jedem Satz nehmen mag: Es möge einheitlich sein. Was Yuri Bashmet hier "http://www.youtube.com/watch?v=rSjeHGysdpM" mit Martha Argerich gemeinsam bietet, gefällt mir persönlich jedenfalls nicht. Argerich beginnt mit einem äußerst variablen Tempo von ca. 80 bis 100 dann steigert sich das Tempo zum Höhepunkt der Exposition Takte 60ff bis ca. 130 um dann wieder auf das Tempo des Beginns zurückzufallen. Man wird zwischen den Anforderungen der Gesanglichkeit und denen der Virtuosität eine gewisse Waage halten müssen.


    Bei der Aufnahme gut zu hören ist, dass die Bratsche die gewissermaßen umgekehrten Oktavierungsprobleme des Cellos hat: Der Cellist müsste sich bis hoch zum ewigen Schnee des Kolophoniums bewegen um die Originalstimme zu spielen, der Bratschist müsste hingegen eigentlich teilweise hinunterstimmen (was natürlich überhaupt nicht machbar ist) und oktaviert daher die tiefen Stellen munter nach oben (Die Flötisten, die das Stück auch liebend gern spielen, haben mit ihren drei Oktaven eh keine andere Chance, als zu oktavieren)


    Die Stimme ohne Veränderung spielen kann wohl keins der genannten Melodieinstrumente: Spätestens bei den Akkorden wird es eng.


    Paulus

    Zitat

    ältere Cellisten haben auch Oktavierungen vorgenommen

    In diesem Zusammenhang:


    Selbst die Urtextausgabe bei Henle weist in der Cellostimme einige Oktavierungen aus. Und im Appendix finden sich weitere zahlreiche spielerleichternder Varianten. Nicht umsonst ist die Arpeggionesonate unter anderem auch ein gefürchtetes Virtuosenschmankerl, bei dem der Cellist zeigen mag, was er drauf hat.


    Beim Tempo bin ich gespalten: Einerseits liebe ich die Virtuosität, die in dem Stück gefordert wird. Andrerseits gibt es wunderbare Cantilenenlust, etwa zu Beginn des ersten Satzes oder beim Rondothema des dritten. Sie hört sich IMHO besser im gemächlicheren Tempo an. Ist aber nur eine Ausrede, mit der ich mir die Sonate als Hobbycellist spielbarer mache....


    Paulus

    Und selbst von Mozart gibt es etwas Originales für die Besetzung, wenn auch nur 33 Takte:

















    KV 374 g Anh. 46



    Andantino






    Leider bricht die Komposition nach den 33 Takten unvermittelt ab. Es gibt verschiedene moderne Ergänzungsversuche, aber ich finde es am Schönsten, wenn das Fragmentarische auch im Konzert erhalten bleibt.


    Paulus

    Petersen mögen ja von mir aus auch mit dem Rücken zueinander spielen, die können das, verstehen sich blind. Was mich Hobbymusiker angeht: Ich will schon hören und spüren, was die anderen machen, habe auch daran meinen Spaß und von Angesicht zu Angesicht bleiben wir besser zusammen.


    Für uns hat sich die übliche Quartettformation bewährt. Im häuslichen Musizieren sitzt man allerdings dabei im Kreis. Und da ist aus meiner Sicht sinnvoll, dass Erste und Zweite nebeneinander sitzen können. Sehr häufig wechseln sie sich ab, übernehmen jeweils des anderen Spiel. Ebenso scheint mir vom Kompositorischen, vom Zusammengehen der Stimmen sinnvoll, dass jeweils die beiden Innenstimmen und jeweils die beiden Außenstimmen nebeneinander sitzen. Für den Bereich der Klassik gilt das jedenfalls allemal.


    In einer anderen Quartettformation spielen wir so, dass sich Cello und Erste gegenüber sitzen, Bratsche und Zweite ebenfalls. Die Erste mag das so. Ich selbst fühle mich in dieser Kombination nicht so wohl. Die Zweite hat nach meinem Eindruck seltener mit dem Cello zu tun und sitzt so doch neben mir.


    In der Aufführungspraxis kommt natürlich noch der Aspekt der klanglichen Ausgewogenheit hinzu. Bei der üblichen Aufstellung mag da zweite und Bratsche zunächst im Nachteil sein. Profis werden die Ausgewogenheit dennoch erreichen.


    Paulus