Beiträge von Antracis

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.

    Nilsson war offenbar eine sehr schlagfertige, paradefreudige Frau. Ich erinnere noch die Anekdote, als H.v. Karajan während einer Probe zur Präzisierung einer seiner weihevollen Regieanweisungen quer durch den Saal rief "Frau Nilsson, das Herz ist da, wo sie ihre Geldbörse haben".


    Prompte Antwort: "Ach Herr von Karajan, dann haben wir ja wenigstens etwas gemeinsam" :D

    Ich bin heute mit Bellini zum Frühstück in den Tag gestartet:


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    Sutherland verleidet mir die Aufnahme ziemlich, weil sie sich trotz aller technischen Perfektion weigert, einen Text auch als solchen zu behandeln. Das fällt vor allem im Kontrast zum so sorgfältig artikulierenden, obendrein glänzend aufgelegten Pavarotti doppelt unangenehm auf.


    lg aus Bärlin
    Sascha

    Da blickt er vom Gebirge her,
    Es dampft das Tal, mich graust es sehr.
    Ich schaue still, bin wenig froh,
    Und der Seufzer bleibt mir, wo ? - buchstäblich im Halse stecken!


    Die Sonne dünkt mich hier so kalt,
    nur draußen strahlts, weshalb ich bald
    zum Ende kommen muß,
    deshalb der Sprung zum Gedichtsschluß:


    Falls jemals Tote auferstehn,
    und sie dann dieses Cover seh´n:
    Mit Geisterhauch tönt's dann zum Glück
    "Zeig Gnade Herr, lass uns zurück"!


    Der triffts aber ganz gut.


    Und sofort die Scott-Ross-Live-Aufnahme aufgelegt. Da ist alles ganz anders.

    Ein bisschen weniger Hall hätte es bei Jarrett vielleicht auch getan. Kann sein, dass es Scott-Ross nur noch in einer Box gibt ? Habe die Aufnahme jetzt gar nicht finden können.


    thx for tips
    Sascha

    Eines meiner Lieblingsgedichte stammt von Hermann Hesse:




    Die Philister, die Beschränkten,
    [...]
    Lieb und Freundschaft zu entdecken.




    Es gibt zwar sicher Gedichte mit mehr Anmut in den Versen, dafür ist dieses ungemein praxistauglich und wurde von mir schon oft bei passender Gelegenheit rezitiert. :whistling:

    Ich starte in den Tag mit


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    Erstkontakt mit der Aufnahme, leider kenne ich keine Vergleichsaufnahmen mit Cembalo.
    Jarretts Spiel wirkt auf mich stellenweise irgendwie gehemmt, wie buchstabiert. Keine Spur von der federnden, rhythmischen Energie, die man beispielsweise bei Gould oder Richter hören kann. Andererseits dann wieder ein so freier Umgang mit der Zeit, dass es nicht belebend, sondern lähmend wirkt.
    Aber wie gesagt, nur der Spontaneindruck.


    :wink: aus Bärlin
    Anti


    8| Du weißt aber schon, dass das sieben CDs mit überschlägig 150 Einzelaufnahmen sind, oder? Wolltest Du nicht demnächst anfangen zu arbeiten?

    Ja ich weiß, sie liegen ja alle hier. :D
    Ich kann ja ein paar Balladen zusammenfassen... :whistling:


    Ernsthaft: Ich werde natürlich die CDs Schwerpunktmäßig besprechen, also zwar jede Ausgabe und auch detailliert, aber ausführlich sicher nur die maßgeblichen Arien und vor allem auch diejenigen, welche mir besonders gut gefallen. Und es ist als langfristiges Projekt geplant. Und ich hoffe auf ein paar langweilige Nachtdienste... :whistling:

    In Vorbereitung auf einen McCormack-Thread:


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    Aufnahmen von 1910-1911. Qualitativ erstaunlich gut gelungen, wobei man vom Stimmcharakter eigentlich eher davon ausgehen könnte, dass das Aufnahmehorn den Iren nicht besonders mögen würde. Auf der Platte befinden sich einige der besten Aufnahmen des Ausnahmesängers, also auch für den Einstieg nicht verkehrt. Ich plane, im Rahmen des Threads sämtliche Aufnahmen anhand der kompletten Naxosveröffentlichungen zu besprechen - und bekomme von Claus Heymann keinen cent dafür. :D

    Ich starte heute mit Verdi:


    "http://www.jpc.de/image/w600/front/0/0636943124024.jpg"


    Zweifellos eine tolle Aufnahme, wobei ich mit der Oper an sich irgendwie nicht so warm werde. Ich ziehe von den drei Verdi-Bestsellern eindeutig die anderen beiden vor. Etwas schade auch, dass Björling zwar wunderbar singt, die Aufnahme aber in den Zeitraum fiel, in dem seine Stimme leider erste Verschleißspuren zeigte. Das so wunderbar lyrische Timbre ist angeraut. Dieses Phänomen bildete sich dann in den folgenden Jahren wieder zurück, leider waren und dann ja aber keine weiteren Projekte mehr vergönnt.

    Das Thema wäre aber fast schon einen eigenen Thread wert. Ich erinnere mich, dass es an anderer Stelle einmal einen gab, wenn auch unter einem bereits leicht tendenziösen Titel: "Schluchzen, Heulen, Zähneklappern – so scheußlich ist der Verismo" oder so ähnlich. Antracis weiß, welchen ich meine. :D

    Lieber Zauberton,


    ich glaube, ich hatte vom "Schauerkabinett" des Verismo gesprochen. Das könnte man in der Tat leicht tendenziös auffassen. :whistling:
    Ich gestehe aber in der Tat ein, dass ich da sehr intolerant bin und auch auf Carusos Schluchzer leicht verzichten könnte, auch beim 20ten Anhören konnte ich die von Kesting erfühlte Echtheit dieses Effektes nicht nachvollziehen. Aber egal und leider OT.


    Um auf Callas zurückzukommen: Ich habe leider die Box noch nicht, gibt es die noch für 30€ irgendwo ? Ansonsten kaufe ich wohl die teurere Variante, obwohl ich schon einiges habe. Gerade ärgere ich mich über die Besetzung der 54er Studio-Norma unter Serafin. Mario Fillipeschi schaffts dort, mir echt den Spaß zu verderben mit seinem Rumgeholze, im "eben gehört" nachzulesen. Da hätte ich mir beispielsweise wirklich di Stefano gewünscht, trotz stilistischer Bedenken.
    Callas ist natürlich großartig. Hoffe also, demnächst hier mitmischen zu können. Viele Aufnahmen habe ich ja auch schon, kann dann ja auch partiell einsteigen.


    Grüße aus Bärlin
    Sascha

    Und weiter gehts:


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    Ganz ehrlich, vor allem Serafin und Callas machen aus dieser Aufnahme etwas ganz Besonderes. Aber schon Nicola Rossi-Lemeni ist für mich schwer erträglich. Zwar gibt er dem Oroveso durchaus ein Profil, aber sein Gesangston ruht nicht auf einem soliden Fundament. Die Töne sind einfach nur technisch unzureichend produziert. Anstelle einer soliden "Stütze" habe ich da ein wackeliges Holzgerüst vor Augen, was weder einen klangschönen Ton, noch natürlich einen gebundenen Vortrag erlaubt. Aber immerhin erkennt man deutlich den Gestaltungswillen.
    Als Katastrophe empfinde ich allerdings die Besetzung mit Mario Filippeschi. Der Pollione ist zwar ein grober Gesell, aber Ihn mit so groben Mitteln gesungen zu hören, beleidigt echt die Ohren. Wenn sein Singen in dieser Aufnahme eine Konstanz hat, dann die, dass er fast jede Gesangslinie zerhackt und durchweg mit unattraktiver rissiger Tongebung singt. Ein echtes Ärgernis. Di Stefano mag man vorwerfen, dass er stilistisch in diesem Repertoire deplaziert ist, aber zu diesem Zeitpunkt wäre er als Vocalist deutlich die bessere Wahl gewesen. Auch Corelli ist in der späteren Aufnahme deutlich besser. Aber das hier ist echt ein Ärgernis, die mir den Genuß an einer der schönsten Normas trübt.


    :wink: aus Bärlin
    Sascha

    So, am Tag eins nach dem Staatsexamen macht Musikhören - so ich überhaupt in den letzten Monaten dazu kam - wieder viel mehr Spaß.
    Intuitiv aus dem Schrank gegriffen:


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    Störend an dieser Aufnahme ist die Klangqualität, irgendwie seltsam spröde und scharf, aus meiner Sicht ein typisches Beispiel für die Probleme der Aufnahmequalität aus der frühen Digitalära. Auch Perlmans Ton fand ich irgendwie ungewöhnlich trocken. Nun, diese Aufnahme konnte mich vor Jahren nicht begeistern, ich empfand auch Giulinis Dirigat zu Spannungsarm. Heute morgen aber hat sie mich mitgerissen, wie selten. War das nun das trockene Stück Brot, dass dem Halbverhungerten Mundet wie ein Festtagsbraten ? Ich weiß es nicht. 8)


    lg
    Sascha


    ... auch sind die kolaraturen im Sempre Libera sicher nicht so gestochen scharf, wie bei einer Dessay. Aber die kolaraturen machen musikalisch Sinn, so wie sie das singt- das finde ich wichtig- ich geh nicht in die Oper, um ein paar saubere Tonleitern zu hören. - und ich nehme ihr die Violetta voll ab- auch die Sterbeszene (gibts auch auf youtube)

    Lieber Syrinx,


    ich habe mir jetzt den Ausschnitt auch mal angehört, und das Problem der Szene ist, dass aus meiner Sicht gerade gestochen scharfe Tonleitern notwendig sind, um den Gefühlsausdruck der Violetta musikalisch zu realisieren. Verdi greift hier nochmal eindeutig auf seine Wurzeln zurück und bedient sich des verzierten Gesangs als emotionales Ausdrucksmittel. Spielerisch leicht, sozusagen mit todesverachtendem Lächeln, in den Abgrund tanzt aber nur eine Violetta, für die die technischen Hürden des Finales von Sempre Libera keine sind, sie spielt mit den Tönen wie mit den Männern. Die Noten machen ihr ebenso wenig bang, wie ihre Gesundheit. Das Kichern in der Szene hat für mich mehr Wirkung in diesem Sinne, als die Koloraturen - und so sollte es gerade nicht sein.
    Allerdings sehe ich hier kein spezielles Problem von Fleming, es ist schlicht so, dass die Szene einfach eine deutlich höhere Agilität verlangt, als der Rest der Partie - und deshalb ist die Besetzung immer Problematisch gewesen. Vor allem, wenn man beispielsweise an die Anforderungen des letzten Aktes denkt, die wieder ganz anders geartet sind. Selbst große Interpretinnen der Rolle wie Ileana Cotrubas stoßen technisch an ihre Grenzen.


    :wink: aus Bärlin
    Sascha

    Auf dem Weg in die Träume...ich denke mal, ganz werde ichs nicht schaffen zu hören:



    Eine großartige Einspielung, und ich gestehe, dass ich den wirklichen Zugang zu dem Werk erst über die Streichquartettfassung bekommen habe.


    lg
    Sascha

    Was immer man gegen del Monaco sagen mag(und ich habe bisher wenig Positives von ihm gesagt) als Othello ist er auf dieser Einspielung eine Referenz!


    Er trifft genau den richtigen Ton, hat genau das richtgie Timbre- ich nehme mal an , das war seien Paraderolle?


    Schreien darf er ja kräftig "Il fazoletto! Il fazoletto!!!!!!!!!!!

    Liebe Fee,


    Der Otello war in der Tat del Monacos Paraderolle, er hat Ihn einige hundert Mal auf die Bühne gebracht, viele Gesamtaufnahmen und vor allem Livemitschnitte hinterlassen - und in allen ist er leider defizitär. Aber das sage ich als ein Otellomane. :D
    Unter Erede ist er in der Tat vocal in Hochform, viel besser, als später schon angestrengt unter Karajan. Er weiß den lauten Stellen Gewicht zu geben, ebnet aber leider eine der beiden anspruchsvollsten Tenorpartien der Operngeschichte (neben dem Tristan) künstlerisch ein. Für die Zwischentöne hat er weder das Piano noch die Farbnuancen - und leider auch nicht den künstlerischen Willen. Es gibt da Stellen im Otello, da ist die Gesangspartie derartig dicht von Vortragsanweisungen gespickt, man würde es nicht glauben, wenn man Monaco hört. Nun, schlecht ist er nicht. Allerdings im Vergleich mit den größten Vertretern der Rolle auf Gesamtaufnahmen - Ramon Vinay und Jon Vickers - besitzt er nur das stimmliche Kaliber, beim Sänger und Interpret fehlt einfach das Format.
    Der beste Otello der letzten 30 Jahre - Domingo - hat ebenfalls nicht das - übermenschliche - vokale Format, dass diese Rolle eigentlich braucht. Aber er realisiert wunderbar, was in der Partitur steht.
    Nun, Du weißt ja, ich bin streng und unerbittlich. Beim Otello steigert sich dass dann aber fast zum Wahn. 8)
    Die Partie hats mir angetan, ich halte die Titelrolle - und die Musik, da stimme ich dem Amfortas zu - für einen Höhepunkt des Verdischen Schaffens.


    Aber oh weh, die Bücher rufen leider und die Zeit tickt unerbittlich...aber Rezensionen zu den Aufnahmen von Vinay, Vickers und Domingo sind angedroht. Ebenso die unerlässlichen Ausschnitte mit Caruso und Ruffo und die Ausschnitte mit Martinelli...und dann ist da ja noch Melchior...acht Minuten und zwei Szenen, die Aufnahmegeschichte geschrieben haben.


    :wink: aus Bärlin
    Sascha