Beiträge von Wolfram

    Gergiev hatte die Sinfonie in den 80ern schon einmal mit dem Rundfunkorchester der UdSSR aufgenommen. Das finde ich im Vergleich zu seiner jüngeren Aufname aus London deutlich verstörender.

    Heute ist die Aufnahme bei mir eingetroffen und ich kann Bramante nur recht geben. Bislang kann mir ja eine Interpretation nicht radikal und aufpeitschend genug sein, aber das wird sich sicherlich ändern. Von daher werden andere Deutungen noch folgen, Ozawa sicherlich auch. Eingetroffen ist bei mir indes Rostropowitsch, der mir aber - noch nicht - so richtig zusagt. Ich empfinde ihn als zu monumental und breit angelegt, da fehlt mir der schräge Biss. Aber es wird bei diesen beiden Einspielungen in meinem Regal nicht bleiben. Von daher noch einmal Dank für dieses Musikstück der Woche.

    :wink:Wolfram

    Gergiev hatte die Sinfonie in den 80ern schon einmal mit dem Rundfunkorchester der UdSSR aufgenommen. Das finde ich im Vergleich zu seiner jüngeren Aufname aus London deutlich verstörender.

    Heute ist die Aufnahme bei mir eingetroffen und ich kann Bramante nur recht geben. Bislang kann mir ja eine Interpretation nicht radikal und aufpeitschend genug sein, aber das wird sich sicherlich ändern. Von daher werden andere Deutungen noch folgen, Ozawa sicherlich auch. Eingetroffen ist bei mir indes Rostropowitsch, der mir aber - noch nicht - so richtig zusagt. Ich empfinde ihn als zu monumental und breit angelegt, da fehlt mir der schräge Biss. Aber es wird bei diesen beiden Einspielungen in meinem Regal nicht bleiben. Von daher noch einmal Dank für dieses Musikstück der Woche.

    :wink:Wolfram

    'Giulia': Live noch nie gesehen und von der Konserve her kenne ich nur eine Aufnahme und die wird natürlich sofort nominiert. Wen wundert's. Grins1

    Historisch:

    1 - Maria Callas

    By the way, ich bin froh, dass es die Aufnahme gibt, aber wenn stattdessen die 'Entführung' oder den 'Carlos' mit ihr gäbe, wäre ich auch nicht traurig. So richtig hänge ich nicht an dem Stück.

    :wink:Wolfram

    Erstmal Dank an dich, lieber Bustopher, für die ausführliche (erste) Antwort mit all den zu meinen Ideen kontroversen Sichtweisen. Worüber ich mich sehr freue.

    Verweigert sie sie wirklich? Verweigern würde bedeuten, dass sie nicht schmeicheln WILL

    Hat sie Shakespeare aber nicht ganz anders gezeichnet? Als Unschuld und Aufrichtigkeit in Person, als wahre Naive, ohne jegliche Eloquenz?

    Der Text macht das nicht klar, der ist da überhaupt nicht eindeutig. In der Regel wird Cordelia als die schüchterne, ängstliche Person gezeichnet, die mit der Situation überfordert ist. Man kann sie aber auch ganz anders anlegen und auch das geht auf. Persönlich finde ich den Blick auf Cordelia als starke Widerspenstige viel interessanter, aber dazu mehr weiter unten.

    ('What shall Cordelia speak? Love, and be silent.'). Und, weil sie ihren Vater vermutlich besser kennt ('What shall Cordelia speak?'), als der unvorbereitete Zuschauer in dieser Szene: mit dem deutlichen Wort "Opfer" auf der Stirn?

    Cordelia hat mehr Liebe von ihrem Vater genossen, als ihre Schwestern, was auch immer Lear unter Liebe verstand. Man kann diese Zeilen aber auch so lesen, dass sie eben nicht 'Opfer' auf ihrer Stirn geschrieben hat, sondern dass sie die Tochter ihres Vaters ist, ebenso stark und dominant und sich in dem Moment fragt, was der ganze Unsinn soll und sie dieses Spiel nicht mitspielt. Sie spricht von sich in diesem Moment übrigens in der dritten Person, als würde der Vater ihr eine Rolle aufzwingen, die sie nicht zu erfüllen bereit ist.

    Ich glaub, das halten alle Protagonisten auf dem Theater so, oder..?

    Lear ist einer der wenigen Hauptfiguren bei Shakespeare, die keinen Monolog sprechen. Er redet sehr viel, vor allem im Wahn, aber er offenbart sich nie (es sei denn, man versteht die Schlussrede als eine Art Monolog), findet trotz all der Worte, die er spricht, nie zu sich, umkreist sein eigenes Sein damit quasi immer nur. Und es ist insgesamt eine Riesenrolle, was den Sprachanteil angeht.

    Der zeitgenössische Zuschauer, für den das Stück geschrieben wurde (oder ein heutiger, der es nicht kennt), muss das nicht erahnen, weder, wie das alles ablaufen wird, noch daß das zwangsläufig in der Katastrophe enden muß.

    Wir "ahnen" das nur, weil wir das Stück kennen.

    Das ist richtig und das habe ich später auch noch richtig gestellt. Im ersten Text ist das missverständlich ausgedrückt.

    Wo in dem bisherigen Verlauf des Stückes hätte er (und auch sein Sohn Edgar) denn lernen können, daß die blanke Behauptung nicht reicht für eine Verurteilung?

    Das ist aber nicht im Sinne des Autors, denn dann gäb's keinen Konflikt - oder, in der Kommödie, Missverständnisse, die zu ewigen Verwicklungen führen.

    Natürlich braucht das Stück diesen Konflikt, aber der zeigt schließlich, dass Gloucester, trotz seines hohen Alters, obwohl er seine beiden erwachsenen Söhne lange genug um sich herum hat, eben nichts gelernt hat im Sinne, dass er seine Kinder nicht kennt und dass er auf das erste Gerücht hereinfällt. Klug oder geradezu weise geworden, ist er im Laufe seines Lebens nicht unbedingt.

    Nur weil der Edmund in der ersten Szene etwas wortkarg ist, verweigert er nicht das Reden. Ganz im Gegenteil: Um an sein Ziel zu gelangen, redet er ununterbrochen, schmückt er seine fake storys aus ohne Ende, verschleiert wortreich, was er vorhat und lügt dafür wie gedruckt.

    Aber Edmund verweigert das Reden auf Aufforderung hin, ähnlich wie Cordelia. Das ist der Punkt. Beide verweigern sozusagen die Aussage, lassen eine Leerstelle zurück, die von ihren jeweiligen Vätern gefüllt werden muss.

    Der Narr ist weder hilflos, noch gescheitert, und er könnte jederzeit gehen und sich einen anderen Job suchen. Tut er auch im 3. Akt - französisch....

    Auf welche Art er verschwindet, bleibt unklar. Er ist einfach weg. Dass mit Lears 'And my poor fool is hanged' (ich hoffe, es so richtig - zitiert aus dem Gedächtnis) nicht der Narr gemeint ist, sondern er liebevoll Cordelia meint, ist wohl ziemlich unbestritten. Wir wissen also nicht, was mit ihm geschieht. Aber dass er in der Situation auf der Heide mit seinem Latein auch ziemlich am Ende ist, dass er helfen möchte und es nicht kann, dass er dort zu einem ähnlich Betroffenen wird, macht ihn für mich schon zu einem Hilflosen und auch Gescheiterten.

    Selbst wenn er später die Flucht ergreift, so wird ihm die Erfahrung bleiben, dass auch er in einem Moment allem hilflos ausgeliefert war.

    Er ist der Kommentator - keine Person, die die Handlung voranträgt, nicht als Held, nicht als Bösewicht und auch nicht als Opfer. Insofern kann er auch nicht scheitern.

    Sein Beruf ist es, den König zu unterhalten und zu zerstreuen. Und selbst wenn wir seine Rolle auf diese Funktion reduzieren, ist er sicherlich gescheitert. Aber er hat eben zu 'nuncle' noch eine darüber hinaus gehende Beziehung, die sich auch darin zeigt, dass er nicht schon vorher 'Fersengeld' gegeben hat.

    Der den wahnsinnigen Spielende macht das, um sein Leben zu retten. Er ist nur temporär hilflos und gescheitert.

    Temporär - das kann Edgar in dieser Situation nicht wissen. Auch er ist an einem Tiefpunkt angelangt, von dem er nicht weiß, ob er ihn jemals überwinden kann.

    Tut er das? Lear ist ein Narziss....

    Ob und wie weit er sich darin durch seine Erfahrungen im Verlauf des Stückkes gebessert hat, bleibt offen. Wir können daher nicht wissen, ob seine Trauer über Cordelias Tod echtes, tiefes Gefühl ist oder nicht einfach nur eine letzte Selbstinszenierung...

    Alles richtig, was du über seinen Charakter schreibst. Was aber seine Trauer über Cordelias Tod angeht... Selbstinszenierung oder wirkliche Trauer? Das würde ich, wie Cordelias Äußerungen zu Beginn, der Interpretation überlassen. Man kann es sicherlich so oder so sehen oder spielen. Für meinen Teil sehe ich das als ergreifende Trauer, aber wie gesagt...

    Es gibt im 1. und 2. Akt nur die kurzen Wortwechsel mit Edmund, die legen nicht viel vom Innenleben Edgars dar.

    Hat er das zu dem Zeitpunkt denn überhaupt? Vielleicht ist die Kargheit auch Programm, vielleicht war das genau Shakespeares Absicht. Frage der Interpretation.

    Antike Dramentheorie? Katharsis? Erzeugen von großen Emotionen beim Publikum?

    Das wäre mir zu wenig. Shakespeare hat seit seiner Frühzeit (Titus, Henry VI.) auf solche Praktiken verzichtet und kommt nun plötzlich wieder darauf zurück. Die Versöhnung Gloucesters mit Edgar und sein Tod finden hinter der Bühne statt, da hätte er große Emotionen ausspielen können. Die Szene der Blendung ist auch eher eine des großen Ekels (ok, vielleicht aus heutiger Sicht), aber Shakespeare wäre nicht Shakespeare, wenn er auf solche kruden Theatermittel zu der Zeit noch zurückgreifen müssen.

    Aber vielleicht irre ich mich und er wollte wirklich dem Affen (oder Theaterpublikum) ein wenig Zucker geben.

    Was genau meinst Du damit? Welche Widersprüchlichkeiten? Und was muss zusammengeführt werden, was offensichtlich nicht zusammenpasst damit es weitergeht?

    Auch das habe ich in meiner Antwort wohl missverständlich ausgedrückt. Es ging dabei nicht um die Fortentwicklung der Geschichte, sondern um mögliche Interpretationen. Ein Beispiel an das ich dachte, wäre dabei die Ausgangslage (in meiner Sicht) von Cordelia und Edmund. Die Widerspenstigen, wie ich sie nannte, die mit ihrer Sonderrolle (geliebt und ungeliebt) dann sehr unterschiedlich umgehen. Oder eben, wurde schon erwähnt, die Blendung, das Auftauchen von Natur im Stück oder das Ausklammern des Privaten (es gibt wenig intime Szenen zwischen zwei Protagonisten), die Rolle der Frauen (aktiv auf der Bühne oder nur erwähnt) oder die Positionen der Ehemänner. Aber das sind alles weitere Interpretationsansätze, die eben unabhängig von der Handlungsebene möglicherweise bedeutsam sein können.

    :wink:Wolfram

    Nämlich die Unfähigkeit zu lieben.

    Ein wichtiger Punkt, der ja aber nicht alle gleichmäßig betrifft. Edgar kann lieben, Cordelia kann lieben, Kent kann lieben. Sie können es nur nicht entsprechend äußern. Auf der anderen Seite dann Edmund, der Liebe und Lust verwechselt und die Töchter mit ihrer Vernunftehe und ihrem Verhältnis zu Edmund. Gloucester macht hier eine gewisse Wandlung durch, in dem er seine Liebe zu Edgar, wie auch immer die zuvor ausgesehen hat, wieder findet und dann Lear selbst, der in der Schlussrede wirklich Liebe zeigt.

    Nur als Hiob Geschichte...was wären dann die Ziele der Götter/Naturgewalten? Wir haben ja hier bei Lear kein positives Ende oder keine Moral, wie bei Hiob. Es wäre also doch alles absolut zufällig und sinnlos, was den Menschen hier geschieht.

    Die Parallele geht in der Tat nicht ganz auf. Im 'Lear' gibt es eben dieses namenlose, schweigende Gegenüber, dass später ja auch nicht mehr mit Namen angeredet wird und dem man völlig ausgeliefert ist, wie es ihm gefällt. Von daher ist es eben wirklich 'alles absolut zufällig und sinnlos, was den Menschen hier geschieht'.

    :wink:Wolfram

    Vielleicht hat er auch nur ergänzt und das dann in eine Suite gepackt. Meine DVD nennt ihn jedenfalls als Komponisten.

    Sorry, ich bin gerade ein wenig im Stress, weil ich gefühlt alle 30 Sekunden aus dem Netz fliege. Leben auf dem Lande, in Deutschland nicht immer witzig. || Während ich das hier tippte, passierte es wieder zweimal. Und schon wieder raus. Hoffentlich kann ich das hier noch absetzen.

    :wink:Wolfram

    Dann wird es op.131 sein. Ich wusste bislang nur, dass er die Musik zu dem Film geschrieben hat, halt neben Meisel, dass sie erst 1966 entstanden ist, war mir nicht bewusst. Aber da sie eine Opus-Nummer hat, ist es dann doch eigentlich klar. Unter den gängigen Filmmusik-CD's, ich habe gerade nachgeschaut, taucht sie eher nicht auf, so weit ich das sehen konnte. Aber es gibt bestimmt eine CD nur mit op.131.

    :wink:Wolfram

    Dann meintest du die 'Machart'. Ich dache an die Interpretation. Aber sei es wie es sei, ich bin gespannt, weil ich, frag mich nicht warum, keine Aufnahmen seiner KK besitze. Eigentlich ein unglaublicher Zustand. ;)

    :wink:Wolfram

    Aufgrund des MStdW-Threads bin ich bei Prokofiev hängengeblieben und habe begonnen Leerstellen in meinem Regal aufzufüllen. Heute kam eine GA mit den KK an.

    Askenazy, Previn, LSO

    Daraus zunächst einmal das erste KK. Keine Vergleichsmöglichkeit, von daher... und trotzdem... und überhaupt... mag ich diese Einspielung. Und auch das Werk, gerade auch das Rhythmisch-Hämmernde darin. Welch eine Zeit bahnte sich da langsam an und wie spiegelte sich das bei Prokofiev schon wieder. Und dann der Rückgriff im langsamen Teil. Schon sehr spannend!

    :wink:Wolfram

    Austerlitz - Abel Gance, Fr,I,Jug. 1960
    Pierre Mondy, Martine Carol, Jean Marais, Orson Welles, Vittorio de Sica, Claudia Cardinale, Rossano Brazzi, Jean-Louis Trintignant, Leslie Caron, Michel Simon, Jack Palance, Anna Moffo

    Es hat seinen Grund, warum ich diesen Film nicht in den 'französischen Meisterwerken' poste.

    Gekauft habe ich ihn mir, weil ich neugierig war, wie und ob Abel Gance seine filmische Kreativität der Stummfilmzeit hinüberretten konnte in die Zeit seiner letzten beiden Filme. Kurze Antwort: Er konnte es nicht.

    Gance zeigte ja mit 'J'accuse', 'La Roue' und vor allem mit 'Napoleon', dass er zu den aufregendsten Regisseuren der Stummfilmzeit zählte. Seine Montagetechnik alleine hatte großen Einfluss auf die der Sowjetrussen um Eisenstein und Pudowkin, sein 'Napoleon' (1927) fasst noch einmal alle großen filmischen Errungenschaften seiner Zeit zusammen und geht weit darüber hinaus. Der Misserfolg dieses Films bewirkte allerdings (es gab kaum Kinos, die diesen maßlosen Film zeigen konnten), dass er in den folgenden Jahrzehnten nur noch sporadisch Kinofilme drehen konnte. Sein vorletzter war dann 'Austerlitz'.

    Nichts, wirklich absolut nichts zeugt hier noch von der großen Klasse dieses Regisseurs. Gut zwei Stunden lang bewegt sich das Geschehen nur in Innenräumen. Es gibt Gespräche und Nichtigkeiten zu verfolgen. Diverse Stars werden in kurzen Sequenzen vorgeführt, eine Relevanz für die gezeigte Geschichte haben sie in der Regel nicht. Dann endlich ein Reitertross in freier Landschaft. Die namensgebende Schlacht bahnt sich an. Wer aber nun hofft, wenigsten hier würde sich die einstige Klasse des Regisseurs einmal zeigen, wird ganz schnell enttäuscht. Reitermassen, nein Scharen, nein Häufchen (Geld war anscheinend sehr knapp) werden von links nach rechts und umgekehrt bewegt, statuarisch werden Kämpfe gefilmt (Kamera immerhin Henri Alekan!), ständig finden wir uns im Studio wieder und ein Interesse an dem Ablauf der Schlacht verliert man sowieso ganz schnell. Und das dauert dann noch gut 50 Minuten.

    Nein, der Film ist ein Flopp, völlig uninteressant und filmtechnisch ein Scherbenhaufen. Aber er ist auch ein Beispiel für den Absturz eines Filmgenies - ich greife jetzt mal hoch - aus welchen Gründen auch immer. Das ist pure Tragik, eine Katastrophe und vielleicht kann sich Stroheim doch freuen, dass er nicht noch, sehr spät, die Möglichkeit für einen weiteren Film bekam. Wer weiß...

    :wink:Wolfram

    Von Rihm habe ich bislang nur die 'Hamletmaschine' live erlebt und das war ein großer Abend. Von daher hätte ich überhaupt nichts gegen einen 'Lenz' in Hamburg, ganz im Gegenteil. Nur gab es bislang keine Chance und so wie ich Hamburg kenne, wird das wohl auch weiterhin so bleiben.

    Ein Aufnahme habe ich auch nicht und von mir von daher leider keine Nennung.

    :wink:Wolfram