Beiträge von Wolfram

    Gilda:

    Keine Oper, die mich ständig ins Opernhaus gezogen hat, bzw. von der ich besonders viele Aufnahmen besitze. Von daher bei mir keine vollständigen Nennungen.

    Historisch:

    1 - Maria Callas
    2 - Renata Scotto (in der frühen Live-Aufnahme mit Pavarotti)

    Live:

    1 - Viktoria Loukianetz (ähnlich wie Quasimodo habe ich sie als Gilda und Violetta, dazu noch als Adina live erlebt, alles bereits 1997, war extrem begeistert, habe sie dann aber aus den Augen verloren, auch weil sie in Hamburg nicht mehr auftrat)

    2 - Lucia Aliberti (immer auch eine schwache Callas - Kopie, aber sie hatte trotzdem starke Momente als Gilda)

    :wink:Wolfram

    Blaubart:

    Historisch:

    1 - Dietrich Fischer-Dieskau
    2 - Walter Berry
    3 - Samuel Ramey

    Live:

    1 - Kolos Kováts (konzertant in Hamburg unter Dorati)
    2 - Robert Hale (szenisch in Hamburg unter Metzmacher)

    Nummer drei muss noch offenbleiben. In Mailand in der RAI habe ich noch einmal eine konzertante Aufführung erlebt, die ungemein intensiv war. Allerdings erinnere ich mich überhaupt nicht mehr an die Namen, dafür müsste ich erst einmal das Programm wiederfinden. Dann werde ich aber den letzten Kandidaten nachreichen.

    :wink:Wolfram

    Billy Budd - eine Oper, die ich schon sehr liebe und trotzdem kann ich recht wenig dazu beitragen. Live habe ich sie einmal in Hamburg erlebt, habe den Sänger aber nicht mehr parat. Und als Aufnahmen habe ich auch nur zwei, die genügen mir aber eigentlich, weshalb es bei den folgenden Nennungen bleibt:

    Historisch:

    1 - Peter Glossop
    2 - Thomas Hampson (in einer fantastischen Live-Übertragung aus der Met unter Mackerras)

    :wink:Wolfram

    Ich werfe heute mal die Leonore aus dem 'Fidelio' von Beethoven in den Ring. Keine Oper, keine Rolle, die nur spärlich dokumentiert wäre und auch an den Häusern ist sie weiterhin mehr als populär. Aus der Überfülle der Interpretationen stechen für mich aber vor allem drei Sängerinnen hervor.

    Historisch:

    1 - Martha Mödl

    (1953)

    Für mich geradezu eine Idealinterpretin, weil sie einerseits den heroischen Impetus hat, andererseits aber die warme Menschlichkeit in und mit ihrem Timbre verkörpert.

    2 - Christa Ludwig

    (1962)

    Mehr Frau als Heroine, insgesamt gefährdeter als Mödl, aber vielleicht gerade deshalb unglaublich eindringlich. Dazu eine edel geführte, leidenschaftliche Stimme, die Fragen nach 'Grenzpartie' eigentlich nicht aufkommen lässt, auch wenn es für Ludwig live immer eine Qual gewesen ist.

    3 - Kirsten Flagstad

    (1941)

    Nun das Gegenbild, die strahlende Verkörperung der Idee. Flagstad überwältigt mit Größe, Mühelosigkeit, Selbstverständlichkeit. Bigger than life!

    Live haben die von mir erlebten Sängerinnen da nicht mithalten können, auch wenn ich tolle Aufführungen erlebt habe. Gesehen habe ich das Werk vor allem in Hamburg in drei Inszenierungen, einmal dann in Berlin. In Hamburg gaben sich lange v.a. Ingrid Bjoner und Lisbeth Balslev sozusagen die Klinke in die Hand, wechselten sich also ständig darin ab, bzw. ersetzten sich gegenseitig. Weder mit Balslev, noch danach mit Ana Pusar in der Folgeinszenierung konnte ich sonderlich viel anfangen. Die Bjoner war schon weit über ihren Zenit hinaus und trotzdem konnte sie aufgrund ihrer langen Erfahrung immer noch ein besonderes Ergebnis herbeizwingen. Das war schon beeindruckend. In Berlin war es dann Chatherine Malfitano, die mich sehr fasziniert hat, aber die Nr. 1 ist trotzdem Gwyneth Jones, die in Hamburg überwältigend mitreißend war. Ihre stimmlichen Mängel traten natürlich hervor, aber live heißt eben auch Bühnenpräsenz und raumfüllende Persönlichkeit zu haben. Und da machte ihr so leicht niemand, von den von mir gehörten Sängerinnen, etwas vor.

    Live:

    1 - Gwyneth Jones
    2 - Catherine Malfitano
    3 - Ingrid Bjoner

    :wink:Wolfram

    Interessant, dass einer der großen Rodolfos noch gar nicht genannt wurde, der immerhin von di Stefano und Pavarotti sehr geschätzt wurde. Aber vielleicht liegt es daran, dass es von ihm leider nur einen Querschnitt gibt. Ich nominiere ihn aber trotzdem. ;)

    Historisch:

    1 - Giuseppe di Stefano
    2 - Fritz Wunderlich
    3 - Luciano Pavarotti

    Obwohl ich Pavarotti auch live erlebt habe, kann ich ihn da nicht nennen, weil das, was er damals in Hamburg ablieferte, wirklich nur ein 'Abliefern' war. Und dafür hatte man nächtelang angestanden. X( Domingo war stimmlich längst kein idealer Rodolfo mehr, aber die Leidenschaft, die er auf der Bühne rüberbringen konnte, war wirklich erlebenswert. Ähnliches gilt für Lima, der eigentlich immer mit einem Herzblut an jede Rolle heranging, die hinsichtlich des Rodolfo kaum ein anderer von denen, die ich gehört habe, erreichte. Neil Shicoff ist hinsichtlich meiner Nennung ein wenig problematisch. In den ersten gut zehn Jahren sagte er stets alle seine Auftritte in verschiedenen Opern ab. Als Rodolfo erwischte ich ihn offensichtlich einmal an einem relativ guten Tag, sang er doch immerhin drei Akte, dann wurde er durch John Fowler ersetzt. Die drei Akte waren aber wirklich toll!

    Live:

    1 - Placido Domingo
    2 - Luis Lima
    3 - Neil Shicoff

    :wink:Wolfram

    Zur Isolde:

    Historisch:

    1 - Kirsten Flagstad
    2 - Martha Mödl
    3 - Frida Leider

    Live:

    1 - Gabriele Schnaut
    2 - Waltraud Meier

    Und dann verließen sie mich leider. Gehört habe ich noch einige mehr, darunter auch Sabine Hass oder Eva Marton, aber so richtig haben sie mich wirklich nicht überzeugt. Nun hätte ich allerdings auch die Meier an die erste Stelle setzen können, aber die Schnaut war halt meine erste Isolde, sie habe ich am häufigsten gehört und sie steht mir in der Rolle einfach sehr nahe.

    :wink:Wolfram

    The Sun Shines Bright - John Ford, USA 1952

    Ein eher unbekannter Ford, aber eine Geschichte, die ihm offensichtlich sehr am Herzen lag, handelt es sich doch um eine (erweiterte) Neuauflage seines eigenen 'Judge Priest' von 1934.

    Eine Kleinstadt in Kentucky 1905 in der die Wahl des amtierenden Richters wieder einmal ansteht. Amtsinhaber ist Judge Priest (Charles Winninger), immer noch Anhänger der Konförderierten und (so lässt sich aus Andeutungen schließen) als Demokrat auch Befürworter der Sklaverei. Gegen ihn tritt ein Republikaner an, aus dem Norden kommend, sehr effizient, sehr betont modern.

    Die Welt des Judge Priest ist dagegen ein wenig südstaatenhaft verlottert (viel erinnert an Steinbecks 'Straße der Ölsardinen'), man lässt gerne Fünfe gerade sein, ab und an ein Schluck aus der Pulle (gereicht vom schwarzen Diener) ist notwendig, um das Herz in Gang zu bringen, Gerichtstermine müssen warten, weil erst einmal den weiblichen Honorationen Komplimente gemacht werden müssen. darüber hinaus aber ist alles geordnet, hat jeder seinen festen Platz in der Gesellschaft, oben und unten, d.h. die Position von Weißen und Schwarzen, ist eindeutig festgelegt.

    Was diesen Richter hingegen aber auszeichnet, ist seine Menschlichkeit, sein Glaube an die Gerechtigkeit vor dem Gesetz und auch an ein einiges Amerika ('one country, one flag) und dessen Werte. So riskiert er seine Wiederwahl, weil er einen Schwarzen vor dem Lynchen rettet (eine Episode, die Ford in der ersten Verfilmung nach Druck durch die Fox nicht bringen durfte) und v.a., weil er das Begräbnis einer moralisch als zweifelhaft angesehenen Frau organisiert, als erster hinter ihrem Sarg geht, direkt gefolgt von der Kalesche mit den städtischen Huren.

    Nein, Ford war kein Sozialrevolutionär, beileibe nicht. Rollen sind immer klar verteilt und eigentlich möchte oder konnte er das auch nicht infrage stellen. Wenn die Kutsche mit einer Frau darin durchgeht, dann ist klar, was passieren wird. Bei Hawks hätte sie versucht, die Zügel zu ergreifen, bei Ford fällt sie in Ohnmacht. Das ist alles sehr konservativ und für ein heutiges Publikum vielleicht alles andere als politisch korrekt.

    Aber was diesen Film auszeichnet, ist eine unglaubliche Menschlichkeit und der Glaube an eine bessere Gesellschaft, auch an ein besseres Amerika. Ford, als fast lebenslanger Wähler der Demokraten, bewunderte wiederum den Republikaner Abraham Lincoln für seinen Kampf um die Abschaffung der Sklaverei. Und in der Figur des Judge Priest verbindet er beides. Da geht es noch lange nicht um die rechtliche Gleichstellung, immerhin befinden wir uns noch im Jahre 1952, aber es geht um Gleichheit, Menschenwürde, Toleranz, es geht um Gemeinsamkeit (trotz immer wiederkehrenden, feststehenden Hierarchien), um menschliches Miteinander, um Gerechtigkeit über alle Gesellschaftsschranken hinweg.

    Sein Südstaatenporträt ist natürlich kein historisches. Es bleibt, trotz aller Widerwärtigkeiten, eine herbeigeträumte Idylle, ein Wunschbild, es ist damit auch (s)eine Idee einer menschlichen (amerikanischen) Gesellschaft, in der es immer um Zusammenführung, nicht um Trennung geht. Nein, Sozialrevolutionär war er nicht, aber Humanist mit einem Glauben an das Bessere. Und das macht dieser kleine, liebenswerte Film sehr deutlich.

    :wink:Wolfram

    Der 'Carlos' ist nun eine der Opern, die ich sehr häufig gesehen habe, v.a. in der grandiosen Ponnelle - Inszenierung (italienisch, nach Bühnenunfall nur noch vieraktig) in Hamburg, in der immer wieder grandiose Sänger auftraten. Historisch wiederum ist die erste Position für mich (auch) ganz klar, bei Nummer drei musste ich allerdings eine Zeitlang nachdenken, habe mich dann aber für einen Vertreter der französischen Fassung entschieden.

    Historisch:

    1 - Boris Christoff
    2 - Cesare Siepi
    3 - José van Dam

    Live:

    1 - Ruggiero Raimondi
    2 - Nicolai Ghiaurov
    3 - Samuel Ramey

    Paul Plishka, Matti Salminen, Ferruccio Furlanetto haben für mich (mehr oder weniger) knapp den dritten Platz nicht erreicht, Kurt Moll allerdings (leider) ziemlich eindeutig.

    :wink:Wolfram

    Auch eine meiner allerliebsten Opern, die mich in ihrer Folgerichtigkeit, Wucht und menschlicher Fallhöhe immer an griechische Tragödien erinnert. Und vielleicht liegen auch deshalb zwei Griechinnen bei mir ganz vorne.

    Historisch:

    1 - Maria Callas
    2 - Giuletta Simionato
    3 - Zinka Milanov

    Live:

    1 - Agnes Baltsa
    2 - Julia Varady
    3 - Fiorenza Cossotto

    Platz drei war schwierig, da die Cossotto, als ich sie in Verona sah, sich altersmäßig schon sehr Lucia annäherte, vokal leider auch. Trotzdem war ihre Bühnenpräsenz und ihre Erfahrung in dieser Rolle überwältigend, weshalb sie auch Waltraud Meier für mich dann verdrängte.

    :wink:Wolfram