Beiträge von Peter Jott

    So, ist ein bisschen was dazugekommen.

    Di. 23.04.2024 19 Uhr Nationaltheater München

    5. Akademiekonzert: JOANA MALLWITZ

    [...]

    einen dermaßenen Run auf Karten wie hier habe ich lange nicht mehr gesehen bei der Bayrischen Staatsoper.

    Ja, das ist hier in Berlin bei ihren Konzerthaus-Terminen auch so. Selbst das bisher einzige Programm (an zwei Terminen), bei dem ich war – Weill 2. Symphonie + 7 Todsünden, also nur für einen begrenzten Kreis attraktiv – war frühzeitig ausverkauft.

    Neinneinnein, das ist mir im Kopfsatz zu sehr auf der kulinarischen Seite, auch wenn es in einem fast schon forsch zu nennenden Tempo losgeht ...

    Als kulinarisch hatte ich das zwar nicht empfunden (wie vorher schon geschrieben, eher als luzide und abgeklärt), aber ich ziehe von den beiden Faust-Versionen ebenfalls die mit Belohlavek vor.

    Die Zimmermann-Harding-Aufnahme hab ich jetzt auch gehört (allerdings unterwegs).

    Äußerst bewegt, fast schon furios an manchen Stellen - hätte ich Harding gar nicht zugetraut ;)! Im ersten Satz schien mir das Orchester gegenüber dem souveränen Zimmermann ab und an noch agogisch etwas unbeweglich (das muss ich nochmal konzentrierter nachhören, was sich bei dieser Aufnahme lohnt), aber spätestens im fließend-unsentimentalen 2. Satz finden Solist und Orchester wunderbar zusammen. Gefällt mir sehr.

    Ich bin mit dem Solti-Ring sozusagen aufgewachsen und ohne dass ich viele (und vor allem umfassende) direkte Vergleichsmöglichkeiten hatte, wuchs mein Unbehagen mit vielem an diesem Ring doch stetig. Wie anders (und mehr meiner Vorstellung entsprechend) ein Ring-Orchester klingen kann, wurde mir dann anhand einer LP mit den einschlägigen Orchesterszenen unter George Szell bewusst. Das führte mich dann folgerichtig zum Karajan-Ring, den ich dem von Solti immer noch eindeutig vorziehe (heute gibt es eine Reihe weiterer verfügbarer Alternativen). Das Orchester ist für mich bei Ring-Aufnahmen der entscheidendste Faktor, bei den Sänger/innen kann ich (mit gewissen Grenzen) einiges aushalten - und da halten sich die Defizite bei Solti und Karajan nach meinem Empfinden in etwa die Waage.

    So, gehört. Auf jeden Fall lohnenswert, die Abbado-Version! Aus der Erinnerung heraus (an Bělohlávek) würde ich die Abbado-Aufnahme als die etwas abgeklärtere, luzidere, die mit Bělohlávek als die etwas zupackendere, an einzelnen Stellen auch etwas schroffere, Herangehensweise sehen. Der Gefahr des Gemütlich-Pastosen entgehen in jedem Fall Beide. Und Isabell Fausts schlanken, "unzuckrigen" Geigenton mit (wie ich meine) sparsam und gezielt eingesetztem Vibrato mag ich sehr.

    Isabelle Faust, Violine
    PKF — Prague Philharmonia
    Jiří Bělohlávek

    Noch eine Aufnahme, bei der die Beteiligten erfreulicherweise (aus meiner Sicht) versuchen, eine neue Balance zwischen Lyrik und Straffheit zu finden - mit Erfolg imho. Im langsamen Satz gibt es sogar (fast) fahle Klänge. Ja, es geht auch ohne satten Sound und Verliebtheit in den schönen Klang. Und im Finale wird es noch frecher. Herrlich.

    Auch eine meiner absoluten Favorites für op. 61! Ich wollte sie letztens schon im Werk-Thread nennen, als jemand - ich glaube sogar du - nach weiteren straffen, in Richtung der Kolisch-Metronom-Angaben gehenden Aufnahmen gefragt hatte.

    Am Ende des Rheingolds hatte ich eher den Eindruck, dass sie mit dieser ganzen "Burg erst bauen, dann nicht bezahlen"-Geschichte doch d'akkord war, solange sie ihre Schwester zurück hat.

    Das stimmt schon, im Rheingold sind die alle (abgesehen von Loge und Erda) ziemlich eindimensionale Pappmaché-Figuren, das ändert sich nun schon. Liegen ja auch grob geschätzt 20 Jahre zwischen Rheingold und Walküre. Ein bisschen Reife bringt das Älterwerden manchmal vielleicht doch mit sich.

    ist der zweite Akt Schwarzbrot. Mein Tipp auch hier wieder: Lies den Text mit, sonst wird es lang und zäh. Wotan wird dir in der nächsten Stunde sehr lang und ausführlich Dinge erzählen und Probleme erörtern, während musikalisch nicht besonders viel passiert.

    Und für den 2. Akt möglichst nicht die Solti-Aufnahme mit Wotan Hans Hotter von 1966. (Hat für mich den 2. Akt jahrelang ungenießbar gemacht, bevor ich mit Thomas Stewart gehört habe, dass es auch anders geht.)

    Ich wollt's ohne probieren, um die Handlung quasi beim Hören erst zu erfahren.

    Guter Plan, finde ich. Ich hab es bei meinem ersten LP-Ring-Durchgang auch so gemacht, meine ich (und später bei anderen Opern auch). Und es hat einiges für sich, ohne zu viel Wissens-Ballast da ranzugehen. Den kann man sich dann immer noch aneignen. (Ein Forum, das mir pädagogische Hilfestellung hätte geben können, gab es damals eh noch nicht.)

    Vielen Dank, Wieland, für deinen aussagekräftigen Bericht! Ich werde die Belceas mit leicht abweichendem Programm (Bartók I statt op. 18/4) am Sonntag im Boulez Saal in Berlin erleben und freue mich jetzt noch mehr drauf.

    Cosima: Ich würde bei den Nuberts aber auf jeden Fall ausgiebig von der Möglichkeit Gebrauch machen, sie 14 (?) Tage zu testen, um sie im Zweifelsfall auch wieder zurückzuschicken. Vielleicht hast du ja auch die Möglichkeit, dir zum Vergleich noch andere Aktive zu ordern (Neumann, Dynaudio o.ä.).

    Ich hatte vor einigen Jahren die NuPro A-500 zum Testen bei mir (Vorgänger der neuen Reihe, aber ich vermute, die Klangcharakteristik wird sich nicht wesentlich verändert haben). Während sie mir bei Nicht-Klassik schon gut gefielen, wurde ich bei Klassik (insbesondere Klaviermusik) gar nicht glücklich mit ihnen. Ich habe mir dann zum Vergleich (nach weiterer Recherche in Bezug auf Klassik-Eignung) ein Paar Passiv-LS (in ähnlicher Preislage) eines anderen Boxenbauers bestellt und die schlugen die Nuberts nach meinem Empfinden bei Klassik ganz deutlich. Mit denen bin ich heute noch sehr glücklich (die Nuberts gingen wieder zurück).

    Na schau, dachte ich doch, dass Toscanini weit weg ist. Und dass Dudamel, Currentzis und Petrenko weiter vorne. Aber dass die Lebenden so weit hinter Karajan, Bernstein und Abbado kommen, hätte ich weniger gedacht.

    Nicht vollkommen außer Acht zu lassen ist bei der Interpretation dieser Zahlen, wie viele Aufnahmen dieser Dirigenten jeweils auf Spotify (und überhaupt) verfügbar sind. Und da gibt es bspw. zwischen Karajan und Petrenko ein signifikantes (quantitatives) Gefälle.

    Wie in der Meldung zu lesen, ist das ja keine endgültige oder absolute Absage für das Stück, sondern eine augenblicksbezogene, sozusagen "atmosphärische". Vielleicht hat es auch Diskussionen im bzw. mit dem Orchester gegeben. In der Meldung ist nur von der "derzeitigen Weltlage" die Rede. Den Krieg in der Ukraine gab es zum Zeitpunkt der Programmierung des Konzerts schon, seitdem ist der aktuelle Nahostkonflikt hinzugekommen sowie auch gewisse Entwicklungen in der politischen Landschaft in Deutschland. Das kann durchaus dazu beitragen haben, dass sich die Interpreten mit dem rezeptionsbedingten Nimbus des Stücks (der Petrenko ganz sicher schon vorher geläufig war) im Moment nicht ganz wohlfühlen. So lange das keine Entscheidung von außen (auch nicht etwa der Intendanz) ist, kann ich das akzeptieren.

    In jedem Fall bin ich sicher, dass sich die Entscheidung nicht auf den dem Werk immanenten Gehalt bezieht (wie auch immer dieser zu fassen ist), sondern ausschließlich auf den beschriebenen Missbrauch der Fanfare in der NS-Zeit.

    Mein nächstes Konzert:

    Berlin, Philharmonie Großer Saal
    15. Februar 2024, 20:00 Uhr

    Lisa Batiashvili, Violine
    Berliner Philharmoniker
    Kirill Petrenko

    Ich sehe/höre das gleiche Programm am Mittwoch. Die Programmänderung hatte ich noch nicht mitbekommen. Ein bisschen schade - die (rezeptionsgeschichtlich bekanntlich leicht "kontaminierten") "Les Préludes" waren eine meiner ersten Klassik-Erfahrungen von einer Karajan-LP meines Vaters, hätte ich gerne mal live gehört. Die Domestica wiederum habe ich in meinem ersten Petrenko-Konzert (ich glaube 2015) schon mal mit dem Bayerischen Staatsorchester unter ihm gehört.

    Dann noch zwei weitere Konzerttermine bei mir im Februar:

    Fr 23.2., 19.30 Uhr // Pierre Boulez Saal Berlin
    Kammerakademie Potsdam, Collegium Vocale 1704, ML: Antonello Manacorda
    Maria Bengtsson (Sopran), Corinna Scheurle (Mezzosopran), Mauro Peter (Tenor), Dimitry Ivashchenko (Bass)
    Beethoven Symphonie Nr. 9

    So 25.2., 16 Uhr // Pierre Boulez Saal Berlin
    Belcea Quartet
    Bartók Streichquartett Nr. 1
    Anderson Neues Werk für Streichquartett
    (Ich vermute mal das Streichquartett Nr. 4, das Wieland an anderer Stelle für das Hamburger Programm der Belceas genannt hat.)
    Beethoven Streichquartett op. 127