Beiträge von Lasse

    Um zu vermeiden, dass die Sammlung binnen kurzer Zeit eine Größe erreicht, in der ich den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehe, gehe ich gerade einen klar strukturierten Weg und habe mir im Rahmen einer jpc-Sonderangebotsaktion (danke an Maurice, der im ›eben gerade billig‹-Thread darauf hinwies) große Teile der Gielen-Edition gekauft. Damit kann ich mir dann erstmal einen Überblick verschaffen und anschließend langsam und vorsichtig weiter vorstoßen. Mal schauen, wie es mich weiterbringt.

    Nachdem es bei jpc Teile der Michael-Gielen-Edition güstig gab, ist mir seine Einspielung aus dem Juni 1988 mit Ellen Shade (Sopran), Márta Szirmay (Alt), Thomas Moser (Tenor), Günther Reich (Bass), Imrich Szabo (Orgel), Slowakischer Philharmonischer Chor Bratislava, Einstudierung: Pavol Procházka und dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg in die Sammlung geraten.


    Besitzt sie zufällig jemand von den Kenner_innen und kann sie ungefähr einordnen?

    Ich schaue mir gerade auch Derrick-Episoden an. Und verstehe langsam, warum diese Serie auch im Ausland so ungemein erfolgreich war.


    Bezüglich der Beliebtheit im Ausland empfehle ich übrigens Die Kühe, eine finnische Parodie auf deutsche Krimiserien. Da deutsche Serien dort im Original mit Untertiteln gezeigt werden, sprechen die Schauspieler auch konsequent eine Sprache, die für Finnen so wie deutsch klingt, was seht lustig ist.


    https://www.youtube.com/playlist?list=PL4EC24891B60F502E

    War es bei den Stones nicht so, dass sie nur in der Zeit gut waren, als Mick Taylor der Gitarrist war, was aber irgendwie niemand auf dem Schirm hat, weil man immer an Brian Jones (weil Original) oder an Ron Wood (weil gefühlt immer schon dabei) denkt?

    Aus eigener Anschauung kann ich nichts beitragen, aber in einem Artikel des ideologiekritischen Kauzes Magnus Klaue gab es doch ein sehr schönes Zitat


    Zitat von Magnus Klaue

    Logik und erzählerische Konsistenz gehen in dieser neudeutschen Form des Fernsehkrimis [gemeint sind aktuelle Tatort-Episoden] aus anderen Gründen vor die Hunde als in »Derrick« und »Der Alte«. Dort führte die berechtigte Furcht, dass Handlungslogik und kriminalistische Spannung die organische Einheit von Verbrechen, Ordnung und gesundem Menschenverstand stören könnten, zu einer 60 Minuten auf Stunden dehnenden Ereignislosigkeit, die mitunter, etwa in den auf ihre Art grandiosen »Derrick«- und »Der Alte«-Episoden des in der Tschechoslowakei geborenen Experimentalfilmers Zbyněk Brynych, geradezu zen-buddhistische Dimensionen annahm, wenn, begleitet von zielsicher deplatzierter Popmusik, von Anfang bis Ende buchstäblich nichts geschah.

    Den gesamten Artikel verlinke ich hier nicht, da die sonstigen Thesen doch etwas sehr wunderlich waren.


    Spherical Disrupted – Null


    Sphärischer Dark Ambient mit ganz vielen Geräuschen, aber ohne größeren (Industrial)-Lärm.


    schöner Witz übrigens ein Lied ›Nichts‹ zu nennen, welches dann aber statt Stille ein kaum wahrnehmbares Summen enthält.


    Nachtrag: Irgendwie funktioniert das Amazon-Bild nicht – Der Direktlink lautet https://www.amazon.de/Null-Sph…-Disrupted/dp/B000UYRY78/


    Oder halt bei Bandcamp: https://audiophob.bandcamp.com/album/null

    Nachtrag aus der Welt des Indiepop: Am 19. Januar verstarb Olifr M. Guz (auch GUZ, eigentlich Oliver Maurmann) im Alter von 52 Jahren an einer langjährigen Herzerkrankung. Am bekanntesten war er vermutlich als Sänger der Aeronauten, solo lieferte er ein breites Spektrum von reduziertem elektronischem Minimalpop bis zu stampfende Covers von Muddy Waters (Rollin' and Tumblin') oder Jimmie Rodgers (Blue Yodel Stomp), die trotz deutschen Texten nicht peinlich waren. Überhaupt waren seine Texte, die es schafften ätzendem Spott gegen rebellische Jugendliche (Freundin), Züricher Hipster (Parisienne People) oder Johnny-Cash-Hörer in der Midlife Crisis (Countrymusik) total sympathisch rüberzubringen derart wunderbar, dass es wirklich eine Schande ist, dass sich nicht rechtzeitig das benötigte Spenderherz finden ließ.

    Um nochmal kurz zu Seligers Bewertung von Beethoven-Sinfonien zurückzukommen. Ich komme endlich dazu, den entsprechenden Teil zu zitieren:



    Ein anderes Bauproblem der klassischen, Sinfonie, also ihre Symmetrie, löst Beethoven in seiner Eroica ebenfalls meisterlich: Die Entwicklung der Sonatenhauptsatzform, also einer Baustruktur für den ersten Satz, hatte nämlich einen Nachteil für den Gesamtbau der Sinfonien: Der erste Satz gelangte zu noch größerer Wichtigkeit als ohnehin schon und dominierte den Rest der Sinfonie. Mozart gelangen traumhafte langsame Sätze, die man auch als einen Mittelpunkt seiner Werke ansehen kann und muss, aber was danach kam, war doch mehr oder weniger ein Anhängsel – der tänzerische Satz (zunächst ein Menuett, später ein Scherzo) und ein Schlusssatz als eine Art »Rausschmeißer«. Mozart war dieses Problem durchaus bewusst man denke an seine späte Jupiter-Sinfonie KV 551, […]. Doch erst Beethoven, und zwar in seiner Eroica, hat eine Sinfonie gleichsam auf den Schusssatz hingeschrieben. Er fügt im Finalsatz nicht nur neue Themen (Gedanken) hinzu, sondern er fasst die Themen und die Probleme des gesamten Werks noch einmal zusammen, korrigiert oder verwirft Lösungen vorhergehender Sätze und erreicht dadurch, »daß das Finale eine Funtion erhält, die mit der Lösung des Konflikts im Drama zu vergleichen ist. Beethoven ist immer Kämpfer für seine Ansichten, Propagandist seiner Ideen, leidenschaftlicher Anwalt dessen, was er als richtig Erkannt hat« (Knepler). Die Lösungen für das Finale spielen daher solch wichtige Rolle in Beethovens Werk, sie sind ihm Mittel der Mobilisierung der Hörer*innen.

    mangels Beethoven-Kenntnisse kann ich nicht beurteilen, ob dies so stimmt.

    Ich bin gerade bei der Lektüre von Berthold Seligers Klassikkampf an der Stelle bin, an der er anhand der Eroica Beethovens Revolutionierung der Musik erläutert. Dort nennt er unter anderem den Spannungsaufbau der Sinfonie zum Finale, während es vorher so gewesen sei, dass alles nach dem Kopfsatz Ausklang gewesen sei [mal frei wiedergegeben]. Irgendwie passt dies ja auch zur Frage, was zwischen Haydn und Mahler Kontinuität und was Bruch war.

    Bei mir war der Mahler-Einstieg über die sechste (in der langsamen Gielen-Einspielung) genau richtig. Durch die Wucht ist das Risiko, dass man unkonzentriert wird, dadurch verloren geht und dann nur anhand der fehlenden Musik feststellt, dass man den Rest der Sinfonie nicht mehr mitbekommen hat.


    Gerade bin ich bei der Ersten und der I. Satz ist in der Hinsicht wirklich sehr gefährlich.


    Wobei ich mutmaßlich auch nicht repräsentativ bin.


    Der laut Wikipedia als legitimer Coltrane-Nachfolger gehandelte, früh verstorbene Saxophonist und Pianist Arthur Rhames im Duo mit dem weithin unterschätzten Coltrane-Schlagzeuger Rashied Ali in einer Live-Ausnahme von 1981.


    Etliche Coltrane-Standards, im Vergleich zum “klassischen Quartett”, recht bebop-hektisch dargeboten. Dazu eine zehnminütige Hommage an Charlie Parker.


    Wer keine Phantasiepreise ausgeben möchte, kann die Doppel-CD auch mittels Bandcamp direkt bei Ayler Records bestellen (https://ayler-records.bandcamp…m/remember-trane-and-bird)

    Der Hintergrund ist, dass mir bereits nach einem ersten Hereinhören in Mahlers 6. bei Youtube (nachdem sie mir in ›Vorstellung der Capricciosi‹ dankenswerterweise von Mauerblümchen empfohlen wurde :verbeugung1: ) durch den Vergleich von Bernstein und Gielen klar wurde, dass die gleiche Komposition durchaus sehr unterschiedlich klingen kann, weswegen vergleichendes Hören durchaus gewinnbringend sein kann (vor allem, wenn man noch dabei ist, sich die klassische Musik zu erarbeiten.


    Die Wahl der Boxen entspang zum einen dem Hinweis auf die Scherchen-Box im ›
    Eben gerade billig‹, zum anderen meiner Begeisterung über Gielens Einspielungen der Sechsten – Die Vermutung, dass jemand auch mit anderen Einspielungen den persönlichen Geschmack trifft, ist ja naheliegend.


    Mahler-Boxen im Vergleich: Scherchen vs. Gielen

     


    Beide Boxen enthalten die Sinfonien 1, 2, 3, 5, 6, 7, 8 und 9, das Adagio der 10. Sinfonie, Lieder eines fahrenden Gesellen und die Kindertotenlieder.


    Die Gielen-Box enthält zudem Symphonie Nr. 10 (in der 5-sätzigen Aufführungsversion von Deryck Cooke); Rückert-Lieder; Des Knaben Wunderhorn (mit dem Blumine-Orchestersatz); Das Lied von der Erde


    Dem Thread zu Mahlers 6. Sinfonie ist zu entnehmen, dass Hermann Scherchen (»Höllenritt«, »…lässt spielen, als habe er im Anschluss an das Konzert einen dringenden Termin mit Gevatter Tod«) und Michael Gielen (»Extrem langsame Tempi«, »Was geht so gerade eben noch, ohne daß die Musik ganz auseinanderfällt?«). Nachdem mich Gielens Einspielung begeistert hatte und Scherchens Mahler-Edition zu einem einsteigerfreundlichen Preis zu haben war, griff ich zu, erschrak mich dann aber derart über den Höllenritt, dass ich doch lieber noch die große Mahler-Box hinterher bestellte, um herauszufinden, ob die Interpretationen bei den anderen Einspielungen auch derart weit auseinandergehen.


    Bis die Bestellung bei mir eintrifft, wollte ich mal in die Runde fragen, welche Erfahrungen es sonst so mit den Boxen gibt bzw. mit welchen überraschenden Unterschieden sonst so zu rechnen ist.