Beiträge von Cherubino

    Auf eine dringende Empfehlung hin höre ich heute Abend die beiden Klaviertrios von Schostakowitsch, gespielt vom bewährten Beaux Arts Trio. Das erste kannte ich schon, das zweite höre ich gerade zum ersten Mal. Was eine g... gute Musik!

    Auch das ist ein Thema, das hier ja schonmal angeklungen ist und über das wir uns unterhalten könnten: Ein extremer Unterschied zwischen Stadt/Ballungsräumen und Land. Dieser Unterschied betrifft das kulturelle Angebot (wenig überraschend), er betrifft aber auch (wie Areios und einige andere hier aus eigener Erfahrung berichtet haben), die Publikumsstruktur.

    Das hatte Cherubino weiter oben ja auch schon (mit ein bissel Polemik) so festgestellt: das Klassikpublikum stirbt nicht aus, weil die Gruppe der Rentner:innen eben stest nachwächst. Ok, du bist jetzt hinsichtlich der Zielgruppe etwas unter Renteneintrittsalter gegangen.

    Die Feststellung, dass Senioren eine stets nachwachsende Bevölkerungsgruppe sind, ist an sich ja noch nicht polemisch.

    Und dass Renterinnen und Rentner bei Kulturveranstaltungen überrepräesentiert sind, hat auch nicht nur mit Habitus und Peer Groups zu tun, sondern auch mit ganz lebenspraktischen Gründen. ich habe auch lange gedacht, dass bei Klassikkonzerten so viele alte Leute sitzen, weil die mit einer anderen Art von Bildungskanon aufgewachsen sind, weil die diese Musik noch kennen und mehr darüber wissen als die nachfolgenden Generationen. Wenn diese menschen dann nach und nach aussterben, wird es leer werden in den klassischen Konzerten. Dann habe ich aber beobachtet, wie Paare, die vorher nur sporadisch in Klassikkonzerte gegangen sind, im Ruhestand sich ein Abo für die Symphoniekonzerte gekauft haben.

    Klar, das sind Leute, bei denen schon ein grundsätzliches Interesse da war. Aber dieses Interesse lebt man dann stärker aus, wenn man beruflich und familiär nicht mehr in der Art eingesspannt ist, wie das die meisten Menschen in ihren Dreißigern und Vierzigern sind. Hinzu kommt, dass Menschen mit zunehmendem Alter lieber zu einer Abendveranstaltung gehen, bei der sie in bequemen Sesseln sitzen können, anstatt den ganzen Abend zu stehen, etwas gesetztere Veranstaltungen.

    All das sind neben anderen Gründen auch (ich schreibe ausdrücklich "auch"!) Gründe für den hohen Seniorenanteil bei Klassikkonzerten. Es sind aber die Gründe, die mich wieder optimistisch machen: Nein, das Klassik-Publikum stirbt nicht aus, nur weil es einen so hohen Altersschnitt hat. Ein hoher Altersschnitt bedeutet nicht automatisch Aussterben. Ruheständler sind eine stets nachwachsende Bevölkerungsgruppe.

    Ich habe ja auch schon mehrmals gefragt. Da die beruflich befassten Personen "vom Intendanten zum Garderobenpersonal" nicht gemeint sind, sind nur die "arroganten Säcke im Publikum" das Problem. Dieses System lässt sich wohl nur durch Umerziehung in den Griff bekommen, Arbeitslager oder so.

    Manchmal frage ich mich, wo du das alles hernimmst, was du ihr so behauptest und anderen Menschen in den Mund legst. Aus diesem Thread zumindest schonmal nicht...

    Ich habe hier niemandem etwas in den Mund gelegt. Das tust Du jetzt gerade, gewissermaßen.

    Du legst Dinge in den Mund und stellst Falschbehauptungen auf, wie sie dir gerade in den Kram passen:
    "Ich habe ja auch schon mehrmals gefragt." - Ja, das ist Teil des Problems
    "Da die beruflich befassten Personen "vom Intendanten zum Garderobenpersonal" nicht gemeint sind" - Doch, sind sie. War hier ausführlich und sehr konkret zu lesen und wurde diskutiert (nicht von dir zugegeben)
    sind nur die "arroganten Säcke im Publikum" das Problem - Nein, sind sie nicht nur. War hier ausführlich und sehr konkret zu lesen und wurde diskutiert (nicht von dir zugegeben)
    "Dieses System lässt sich wohl nur durch Umerziehung in den Griff bekommen" - Nein, lässt es sich nicht. Das hat hier vor dir auch niemand behauptet. Oder sollte das gar keine Zusammenfassung von Positionen aus der Diskussion sein, sondern deine eigene These?
    "Arbeitslager oder so." - Nein. Das hat hier vor dir auch niemand behauptet. Oder sollte das gar keine Zusammenfassung von Positionen aus der Diskussion sein (dann wäre sie polemisch, widerlich und schlichtweg gelogen), sondern deine eigene These (dann wäre sie auch polemisch und widerlich, aber immerhin nicht gelogen)?

    Kannst du wirklich nicht verstehen, dass anderen Diskussionsteilnehmern Beiträge von dir auf den Geist gehen, die, wie ich es gerade an einem kompletten Beitrag Wort für Wort vorgeführt habe, keine einzige wahre Behauptung enthalten, sondern nur aus (ziemlich polemischen) Unterstellungen und In-den-Mund-gelegtem bestehen? Wie soll man diskutieren, wenn du das, was hier geschrieben wird, nicht zur Kenntnis nimmst, und stattdessen einfach falsche Behauptungen aufstellst, was hier geschrieben worden wäre? Wir können doch nur über das reden, was hier steht, nicht über das, was in deinem Kopf passiert.

    Ich habe ja auch schon mehrmals gefragt. Da die beruflich befassten Personen "vom Intendanten zum Garderobenpersonal" nicht gemeint sind, sind nur die "arroganten Säcke im Publikum" das Problem. Dieses System lässt sich wohl nur durch Umerziehung in den Griff bekommen, Arbeitslager oder so.

    Manchmal frage ich mich, wo du das alles hernimmst, was du ihr so behauptest und anderen Menschen in den Mund legst. Aus diesem Thread zumindest schonmal nicht...

    Corelli-Baribirolli Oboenkonzert (5 Sätze)? Zumindest die Saraband ist ein ruhiges, meditatives, kurzes Stück.

    Gute Idee! Ich würde - musikalisch aus der gleichen Richtung - das Cimarosa/Benjamin-Konzert vorschlagen. Der erste Satz ("Introduzione") wäre meine erste Wahl, wenn man mich bitten würde, etwas für eine Andacht in der Kirche zu spielen.
    Bei zwei der in der Mail genannten Texte habe ich direkt musikalische Assoziationen: "Heute, heute wirst du mit mir im Paradiese sein" - das hat Bach in seinem "Actus tragicus" so wunderbar eingängig vertont. Könnte man da nicht die Gesangsstimme auf der Oboe spielen und die Orgel übernimmt den Klavierauszug? Ich habe gerade mal in die Noten geguckt, wenn man die Melodie vom Bass- in den Sopranschlüssel umschreibt und einen passenden Schluss ausmacht, müsste das doch eigentlich gehen. Und bei "O haupt voll Blut und Wunden" reicht es doch eigentlich völlig, die Choralmelodie zu spielen. Es gibt dazu aber auch ein interessantes frühklassisches Originalwerk für Oboe: Eine Sonata da camera in g-moll von Johann Gottlieb Janitsch, deren dritter Satz diesen Choral verarbeitet.

    Filmmusik steht nie alleine und selbst wenn sie im Konzert aufgeführt wird, gibt es entweder a) Projektionen dazu oder b) man erinnert sich an den Film. Herr der Ringe Musik ist nie nur die Musik, sondern immer an die Story, die Figuren, die Szenen gebunden. Das kriegt man nicht weg, nur weil man's konzertant sieht. Leute, die in LotR-live gehen, gehen dahin, weil sie LotR toll finden.

    Ja und Nein. Klar kommt das Interesse für Filmmusik darüber, dass die Leute die jeweiligen Filme kennen und in dieser Welt drin sind. Aber bei den John-Williams-Konzerten oder Hans-Zimmer-Konzerten geht es schon auch um eine Liebe für die Musik der jeweiligen Komponisten, um ihren Stil und um die Inszenierung drumherum. Leute, die John Williams lieben, haben dann oft auch einen guten Zugang zu den Symphonien von Mahler oder zu Holsts "Planeten".

    Aber hier ging's ja eigentlich um was vollkommen anderes, das erstmal wenig mit Präferenzen und Geschmack zu tun hat, sondern viel mehr damit, dass Leute klassische Musik (oder auch Kunstmuseen oÄ) aus strukturellen Gründen ablehnen oder schlicht Angst davor haben. Damit hat die Anzahl der Musiker nichts zu tun.

    Ich glaube, das ist zu kurz gedacht. Hier geht es sehr allgemein um die Frage "Stirbt das Klassik-Publikum aus?" - oder anders formuliert um die beiden Fragen, ob das Klassik-Publikum immer kleiner wird und ob es überaltert. Eine Antwort auf die Frage, warum viele Menschen (gerade auch jüngere Menschen) ungern in klassische Konzerte gehen, liegt in einer Ablehnung aus strukturellen Gründen und in Angst/Fremdheit aus mangelnder Sozialisation heraus. Eine andere Antwort auf die Frage hat aber auch mit der Lebenspraxis zu tun (Thema beruflich und familiär stark eingespannt). Noch eine andere Antwort auf die Frage hat schlicht mit Geschmack und persönlichen Präferenzen zu tun.

    "Ripieno-Horn"? Den Begriff habe ich noch nie gehört.

    Ripieno bedeutet gerade kein Solo-Instrument, sondern Teil der Tutti-Sektion. Das Solohorn bei Mozarts Hornkonzert kann damit nicht gemeint sein.

    Ich hatte den Begriff als Bezeichnung für ein Horn auch noch nicht gehört und deshalb "wohl" geschrieben, und "wie man mir sagte". Überprüft hatte ich das nicht, gehe aber davon aus, dass die Erklärung von leverkuehn vollkommen richtig ist. Nun habe ich mal bei Wikipedia nachgeschaut, was ja aber, wie wir wissen, nicht zuverlässig ist. Da steht zu KV 495: "Dieses Konzert ist eines von zwei Hornkonzerten Mozarts mit Ripieno-Hörnern (Hörner, die neben dem Solisten im Orchester enthalten sind), obwohl das Solohorn in diesem Konzert im Gegensatz zu KV 417 den Part des ersten Ripieno-Horns in den Tutti-Passagen dupliziert".

    https://en.wikipedia.org/wiki/Horn_Concerto_No._4_(Mozart)

    Ja und ?? Genau das hatte ich doch geschrieben…

    Ja, was bei Wikipedia steht, ergibt Sinn und passt genau zu dem, was Leverkuehn geschrieben hat.

    Eben gehört:

    Sergei Nakariakov und die Jenaer Philharmonie unter Andrey Boreyko mit Trompetenkonzerten von Alexander Arutjunjan, Miecyslaw Weinberg und Reinhold Glière.

    Dann hätte ich mal wieder was von Weinberg in der Hand. Arutjunjan wird sehr gerne gespielt und ist auch eine hübsche Nummer. Von Gliere gibt es ein Trompetenkonzert? Keine Bearbeitung eines seiner anderen Solokonzerte, etwa von dem für Koloratursopran?

    Jetzt hab ich's: Das wird gekauft! Danke!

    Ihr habt gestern Abend ja eigentlich schon alles gesagt, was es dazu zu sagen gibt:

    Genau diese CD ist es, die ich gestern gehört habe. Bei jpc gibt es sie nicht, von Amazon kann man keine Bilder mehr verlinken, also musste es in meinem Beitrag ohne Bild gehen. Ich habe die CD vor bald fünfzehn Jahren besorgt, als ich im Orchester bei einer Aufführung von Arutjunjans Trompetenkonzert mitgespielt habe und zum Üben sowie zur Orientierung eine Aufnahme haben wollte. Die Zusammenstellung mit den Konzerten von Arutjunjan, Weinberg und Glière passt sehr gut, die drei Stücke sind alle in der Sowjetunion und in einer Spanne von nur sechszehn Jahren entstanden (zwischen 1950 und 1966). Daher dann auch der kitschige Albumtitel "From Moscow with Love". Beim Konzert von Glière handelt es sich, wie ihr ja schon festgestellt habt, um ein Arrangement des Hornkonzertes, das Nakariakov auf dem Flügelhorn spielt. Da es mir wie dir geht, lieber Andréjo, und ich das Hornkonzert nicht kenne, schon gar nicht im Ohr habe, habe ich dieses Arrangement unvoreingenommen gehört und so hat es für mich gut funktioniert. Trotz seines Namens klingt das Flügelhorn in meinen Ohren kein bisschen nach Horn.

    Ich habe die CD gestern nach langer Zeit wieder hervorgeholt, weil hier in dieser Woche das Trompetenkonzert von Weinberg auf dem Programm stand. Ich war zwar nicht im Konzert, habe aber davon erzählt bekommen und daraufhin ganz hinten im Regal gegraben, ob ich da nicht auch mal eine CD hatte... hatte ich und ich habe sie mit Vergnügen wieder gehört. Ich muss allerdings auch gestehen, dass alle drei Konzerte keinen nachhaltigen Eindruck bei mir hinterlassen haben. Vielleicht sollte ich sie in Zukunft häufiger hören.

    In meiner Stadt gibt es eine Musikhochschule und ein Opernhaus mit dazugehörigem Profiorchester, aber ich sehe hier trotzdem weit und breit keinen Oboisten, bei dem ich gerne Unterricht nehmen würde (tatsächlich habe ich immer mal wieder damit geliebäugelt). Ich müsste auf jeden Fall nach Köln oder Düsseldorf fahren, und dazu fehlt mir zeitlich jede Chance.

    "Keinen Oboisten, bei dem ich gerne Unterricht nehmen würde" - das ist ja schon die bessere Variante. In Städten dieser Größe ohne Musikhochschule und ein Opernhaus gibt es oft einfach gar keine Oboisten, auch keine schlechten. Das mit dem Fahren geht aber vermutlich vielen so und schränkt die Möglichkeit, Unterricht zu nehmen, abseits der Metropolen ein.

    Ich hätte jetzt gedacht, dass man in einer doch nicht sooo kleinen Stadt wie der Deinen auch als sehr fortgeschrittener Hobby-Oboist doch zumindest vielleicht im Umfeld von Profi-Orchestern einen geeigneten Lehrer finden könnte.

    Ich glaube, das ist eine wichtige Einschränkung: "Im Umfeld von Profi-Orchestern". Es kommt gar nicht so sehr auf die Größe der Stadt an, sondern darauf, ob es vor Ort eine Profi-Orchester und/oder eine Musikhochschule gibt. In der 150000-Einwohner-Stadt, in der ich lebe, ist es auch schwer, einen Oboenlehrer oder eine -lehrerin zu finden. Die einzige Möglichkeit ist eine Lehrerin, die einmal in der Woche als Honorarkraft der Städtischen Musikschule anreist. Im deutlich kleineren Detmold mit seinem Opernhaus und seiner Musikhochschule hingegen ist die Situation eine ganz andere.

    Cherubino nimmt Leute mit in die Oper, ich mit ins Balett..

    Ganz genau. Ich finde Giovanni di Tolon hat das in seinem Beitrag vor zwanzig Minuten hier total schön beschrieben. Und aus meiner Erfahrung heraus ist das das Einzige, was funktioniert.

    Denn:

    Aber das, was wir schon die ganze Zeit sagen. Man müsste das System als Ganzes verändern. Das können nicht putto und nicht der Fürst oder Algabal.

    Das System ändert keiner von uns allein in seinem Privatleben. Das ist ein Gespräch über gesellschaftliche Entwicklungen und Zustände, nicht über aktuelle Eintrittspreise oder Kleidungsvorschriften. Das ist meiner Wahrnehmung nach auch kein Gespräch darüber, wie man konkrete Personen in bestimmte Veranstaltungen bekommt. Das funktioniert in der Tat nur so, wie Giovanni di Tolon es beschrieben hat. Und ob dann der Funke überspringt und die Leute nochmal mitkommen, das ist wieder eine andere Geschichte. Wer es mal ausprobiert hat mit der Oper und gemerkt hat, dass das nichts für ihn ist, der hat dann auch alles Recht, lieber irgendwo anders hin zu gehen. Es gibt schließlich auch genug Genres und Veranstaltungen, mit denen ich nichts anfangen kann, da habe ich kein Problem damit, wenn andere mit meinen Leidenschaften nichts anfangen können. Aber da sind wir eben auf der individuellen Ebene.

    Worüber wir in dem Zusammenhang auch sprechen könnten - und da sind wir dann bei den "professionellen Playern" - ist die Frage, worüber wir überhaupt sprechen, wenn wir über klassische Musik, über Theater und über den Kulturbetrieb sprechen. Sprechen wir über die prekären Arbeitsbedingungen im Kulturbetrieb, sprechen wir über Familienfreundlichkeit, sprechen wir über Nachhaltigkeit, sprechen wir über den Umgang mit KünstlerInnen aus Russland, sprechen wir über die Bedingungen, unter denen das hergestellt wird, was wir im Konzerthaus oder auf CD genießen? Oder wollen wir davon nichts wissen und sprechen wir darüber, welchen toten Pianisten wir mit dem Stück welches toten Komponisten besonders gut finden, welche Sängerin sich in ihren Rollen völlig verzehrt, über Stile von Operninszenierungen und so weiter und so fort? Oder schaffen wir es sogar, über beides zu sprechen?

    In diesem Zusammenhang verweise ich gerne auf dieses Gespräch, das wir dazu im Forum schonmal hatten:

    Carola
    29. Dezember 2022 um 14:16
    capriccio-kulturforum.de/forum/index.php?thread/9928/

    Über Defizite bei den "professionellen Playern" wurde hier ja schon viel geschrieben, man muss aber auch - auch das wurde hier schon geschrieben - anerkennen, dass man es mit Faktoren zu tun hat, auf die die Einrichtungen selbst keinen großen Einfluss haben. Auf der institutionellen Ebene passiert ja schon viel, um inklusiv zu sein und niemanden auszuschließen. Niedrige Eintrittspreise sind dazu eine gute Sache, aber wir hatten hier schon das Thema, dass viele die Konzertkarte nicht einmal geschnekt haben wollen (die Studierenden mit dem Kulturticket). Dass man sich für den Konzert- und Opernbesuch anziehen kann, wie man will, ist eine gute Sache, aber wir hatten hier schon das Thema, dass viele auch in Jeans keine Wagner-Oper hören wollen. Migranten, Jugendliche, marginalisierte Gruppen auf die Bühne zu holen, ist eine gute Sache, aber wir hatten hier schon das Thema, dass diese Gruppen als Besucher danach trotzdem nicht ins Theater gehen.
    Also: Es geht um die "professionellen Player", aber es gibt offenbar auch Faktoren, auf die die Einrichtungen selbst keinen großen Einfluss haben. Das meinte ich oben auch mit meiner Erwiderung auf den Beitrag des Fürsten, in der ich geschrieben habe, "auf der einen Seite ist der Kulturbetrieb schon total inklusiv und schließt niemanden aus. Auf der anderen Seite muss der Kulturbetrieb viel inklusiver werden, um seine Relevanz zu behaupten".

    Meine Schule bot zB an, dass man sich während man an der Schule angemeldet war, gratis ein Instrument ausleihen konnte. Das war aber eine Privatschule im Rheinland - das heißt, die Kinder, die da hingingen, kamen sowieso tendenziell eher aus affluenten Familien. Während meine Schule drei Konzertflügel, eine Kirchenorgel, ein Schulorchester, eine Bigband und viele weitere Möglichkeiten unterhielt, regnete es Luftlinie 15km weiter in die Schule rein. Hier in Essen ist an sowas außerhalb der wohlhabenden Bezirke auch nicht zu denken. Klar, wäre natürlich ideal, wenn jede Schule so ausgestattet wäre - aber das Erlernen eines Instruments ist eben ein totaler Statusmarker. Instrumentalunterricht ist nicht günstig und wenn dazu noch ein Instrument erworben werden muss, ist das für viele Familien einfach nicht drin. Das heißt jetzt nicht, dass jede Schule eine Orgel braucht. Aber Musikunterricht wird aktuell eher zugunsten von MINT-Fächern gekürzt. Mein Bruder wäre im Übrigen fast wegen Musik sitzen geblieben, weil er keine Noten lesen konnte (in der 6. Klasse). Da könnte man auch über eine Umstrukturierung des Fachs nachdenken und reflektieren, ob Musik nicht zu allererst für Freude und Genuss da sein sollte und ob es dann wirklich einer strikten, versetzungsrelevanten Prüfung bedarf.. selbiges müsste natürlich für Kunst gelten.

    Musikunterricht an Schulen ist noch einmal ein eigenes Thema über das allein man mindestens so viel schreiben könnte wie über die Fragen, ob das Klassik-Publikum ausstirbt und was man degegen tun könnte/sollte. Ich meine, es gibt hier sogar schon einen entsprechenden Thread zum Thema Musikunterricht. Klar haben beide Themen - Musikunterricht in Schulen und Zugang zu klassischer Musik - viel miteinander zu tun, aber sie sind nicht identisch. Beim Musikunterricht geht es häufig vor allem darum, Freude am eigenen Musikmachen zu wecken, Kinder und Jugendliche vom reinen Konsumieren von Musik weg zum Produzieren zu bringen und darüber nachzudenken, wie man mit Musik einen Weg finden kann, sich selbst auszudrücken. Das Heranführen an klassische Musik spielt dabei für viele Lehrerinnen und Lehrer nur noch eine sehr kleine Rolle, für manche auch überhaupt keine Rolle mehr.