Beiträge von Cherubino

    Eigentlich müsste ich jetzt ja die "Walküre" hören, aber das ist ein größeres Projekt.

    Nein, ich höre heute Abend Musik von Ernest Chausson. Paris, 1890er:

    Sinfonie B-Dur op. 20
    Konzert für Violine, Klavier und Streichquartett D-Dur op. 21
    Poème op. 25

    Kann meine kritische Textausgabe gerade nicht finden, bin aber zu 99,9 % sicher, dass Dein Libretto fehlerhaft ist. Ist aber für die Stelle nicht wirklich wichtig.

    Das schon gut sein. Ich habe die im Schott-Verlag erschienene Ausgabe "Der Ring des Nibelungen. Vollständiger Text mit Notentafeln der Leitmotive", die ich eben wegen der Markierung der Leitmotive neben dem Text sehr mag, die aber absolut nicht historisch-kritisch ist: Es ist ein Reprint der entsprechenden von Julius Burghold 1913 herausgegeben Ausgabe, was man aber nur sehr klein im Innenteil erfährt.

    Weiß jemand, wann der Stuttgarter Ring aufgenommen wurde? (Ich frage wegen Renate Behle.)

    In der Datenbank "Operaclass" ist für die "Walküre" 2002 angegeben. Kann das jemand von den CD-Covern verifizieren?
    Renate Behle sieht auch in der Tat nicht wie Wotans Tochter aus, sondern eher wie seine angejahrte Ehefrau.

    Darüber bin ich anfangs auch gestolpert. Ich dachte erst, das sei eine andere Geliebte von Wotan bis er ihr sie Tochter nennt oder sie ihn Vater. Sie sieht auch (ich gucke gerade den dritten Akt) neben ihren Schwestern etwas älter aus..

    Ich habe gerade mal bei Wikipedia nachgeschaut. Renate Behle war zum Zeitpunkt der Aufnahme 57 und ist sogar fünf Jahre älter als Wotan-Darsteller Jan-Hendrik Rootering. Ich finde, man hört und sieht ihr dieses Alter auch durchaus an, was nicht so ganz zu meiner Vorstellung von Brünnhilde passt.

    Frau Behle war damals und bis zur Pensionierung 2010 übrigens auch Gesangsprofessorin an der Hamburger Musikhochschule. Der Name begegnet dadurch immer mal wieder in Sängerbiographien. Ihr Sohn Daniel Behle, den sie ausgebildet hat, macht gerade im Moment eine ziemlich gute Karriere als lyrischer Tenor.

    Ein Nachtrag noch: Was mich am Anfang echt gewundert hat, ist die Vehemenz, mit der Fricka sich Wotan zur Brust nimmt.

    Diese (musikalisch gar nicht so besonders interessante) Wotan-Fricka-Szene ist auch eine dieser Stellen, wo es echt witzige Dialogzeilen gibt. Schon direkt am Anfang: Wotan bekommt mit, dass seine Frau im Anmarsch ist und weiß, jetzt gibt es Ärger: "Der alte Sturm! Die alte Müh! Doch stand muss ich ihr halten". Diese Götter sind sehr menschlich; ein altes Ehepaar, das sich gegenseitig auf die Nerven geht. Auch so ein Satz, wenn im Alltag nervige Verwandte oder Vorgesetzte auf der Matte stehen: "Der alte Sturm! Die alte Müh! Doch stand muss ich ihr halten".
    Und ein Stück weiter hinten, als Fricka genau so moralisch empört über diesen Inzest ist wie du, wann hat man das schließlich schon erlebt, "dass leiblich Geschwister sich liebten"! - und Wotan einfach nur ganz lapidar antwortet: "Heut - hast du´s erlebt". Tja. Wo er recht hat, hat er recht. ^^

    Und für den 2. Akt möglichst nicht die Solti-Aufnahme mit Wotan Hans Hotter von 1966. (Hat für mich den 2. Akt jahrelang ungenießbar gemacht, bevor ich mit Thomas Stewart gehört habe, dass es auch anders geht.)

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    Der hier soll's sein.

    Ich habe mir gerade die ersten fünf Minuten angeguckt und empfinde es als extrem störend, dass Bild und Ton nicht synchron sind. Ich weiß nicht, ob ich so eineinhalb Stunden durchhalten wollte...

    Aber der Fürst geruhte, sein ursprüngliches Ersuchen zu präzisieren, und die gemeinen Untertanen werden dieser höchstnotdürftigen Erläuterung die schuldige Folge zur höheren Ehre und zum höheren Vergnügen des Fürsten leisten.

    Der Fürst nickt würdevoll und erteilt Absolution. Er wird alsdann zur Tat schreiten, den zweiten Akt der Walküre zu erkunden. Wem die Konditionen einer gemeinsamen Wanderung durch die Irrungen und Wirrungen menschlicher wie göttlicher Fehler weiterhin zusagen, möge ihm bitte erhalten bleiben. ;)

    Hui, jetzt wird´s hart! Während der erste Akt der "Walküre" zum süffigsten, eingängigsten und dramatischsten gehört, was der ganze "Ring" (eigentlich der ganze Wagner) zu bieten hat, ist der zweite Akt Schwarzbrot. Mein Tipp auch hier wieder: Lies den Text mit, sonst wird es lang und zäh. Wotan wird dir in der nächsten Stunde sehr lang und ausführlich Dinge erzählen und Probleme erörtern, während musikalisch nicht besonders viel passiert. Dafür kommt am Ende mit einer anrührenden Szene zwischen Brünnhilde und Siegmund nochmal ein musikalischer Höhepunkt.
    Überhaupt Brünnhilde: Die hat jetzt ihren ersten Auftritt und muss direkt mit Trillern und einem hohen C beginnen. Für die schweren Stimmen, die man für die Partie braucht, ist das ohnehin schon eine große Herausforderung - und das quasi als "Kaltstart". Da merkt man gleich in den ersten Takten, was die Sängerin drauf hat. Merk dir das Motiv, mit dem sie einsteigt ("Hojotoho!"), das wird dir später noch öfter begegenen!

    Gabalier (Hulapalu) und Helene Fischer (Atemlos) finde ich akzeptabel.

    Gabalier kann ich nicht leiden, was aber auch außermusikalische Gründe hat. Fischer finde ich auch völlig akzeptabel. Die kann schon was und das, was sie macht, macht sie wirklich gut. Ihre Fernsehschow zu Weihnachten oder "Atemlos" auf Hochzeiten und Familienfeiern finde ich absolut in Ordnung. Da passt diese Art von Musik eben auch einfach hin, wie Fürst Emmerich schon schrieb.

    Ich finde eher schlimm, wenn man gar nicht wahrnimmt, was diese erfolgreichste deutsche Sängerin produziert und dann sagt "vielleicht ist das ganz wertvoll".

    Wie oft hörst du denn da rein, wie viele Alben kennst du und bei wievielen Konzerten warst du? Kennst du dich genug aus, um dir ein Urteil zu machen?

    Außerdem ist Helene Fischer viel relevanter..

    Hinzu kommt ja auch noch, dass ein Jegliches seine Zeit hat - und seinen Ort. Im Konzertsaal und Opernhaus möchte ich weder Andrea Berg hören noch Helene Fischer. Zu Hause auch nicht. Bei Volksfesten, Gartenpartys oder Geburtstagsfeiern passen hingegen Monteverdi und Wagner nicht.

    Welch eine weise Entscheidung von Felix am Mittag, als er sagte ein von mir geschriebener Beitrag gehöre hier hin. Über was sollten wir denn sonst hier diskutieren? Übrigens, ich warte immer noch auf die Antwort von putto auf meine Frage nach dem Andrea Berg-Hit :wink:

    Ich kenne da nichts Besonderes. Dürfte alles gleich scheiße sein.

    Man stelle sich einmal diesen Satz (z. B. in einem Schlagerforum) über Wagner-Opern vor...
    Damit sind wir genau im Thema.

    Darüber mal zu reden und nachzudenken - auch hier - ist ein guter Schritt, um zu verstehen, warum simples Entkräften à la "aber der Tristan in Wuppertal" eben nicht funktioniert.

    Das einzige, was meiner Erfahrung nach funktioniert, ist ein direkter "Multiplikator", jemand, der weiß, dass diese Veranstaltung stattfindet (daran scheitert es ja schon bei ganz vielen) und der fragt: "Ich gehe nächste Woche in den Tristan hier im Opernhaus, kommst du mit" und der dann noch erzählen kann, warum der Tristan toll ist und wie man an Karten kommt. Gewissermaßen jemand, der den Freund oder die Freundin an die Hand nimmt und mitnimmt und der die eigene Begeisterung vermittelt. Ob dann der Funke überspringt oder nicht, das ist noch eine ganz andere Sache. Aber die liegt nicht in unseren Händen.

    die hohen Preise halte ich für einen Witz, oder vielleicht ein Vorurteil.

    sind sie auch. Das haben ja der Fuerst, Bramate und Cherubino ausgeführt. Aber es ist für das Argument in dem Framing in dem es ausgesprochen wird, total egal, ob es wahr ist oder nicht, dass Klassik teuer ist. Es ist wichtig, das es plausibel erscheint und als Distinktionsmarker Sinn macht. Und: Man kann die Plausibilität des Arguments nicht mit Fakten widerlegen.

    Adieu
    Algabal

    Und man muss für das vollständige Bild noch zwei Aspekte ergänzen.
    Erstens: Vorstellungen, wie die, von den Algabal spricht, bilden sich langsam und halten sich lange. Sie gründen in einer Zeit, in der Opern- und Konzertveranstaltungen gegenüber anderen Arten der Freizeitgestaltung durchaus noch teuer waren. Das betrifft nicht nur die Eintrittskarten, sondern auch die Anreise zum Veranstaltungsort, die Kleidung etc. Die starke Subventionierung von Hochkultur ist ja schon eine Reaktion auf dieses Phänomen und stammt aus der gleichen Zeit wie auch die Gründung von Universitäten und Gesamthochschulen in ländlichen Regionen, die Einführung des BAföGs etc.
    Zweitens: Es gibt bei Klassik-Veranstaltungen wie bei den meisten anderen Freizeitbereichen eine große Preisspanne. Oben wurde der Vergleich zu Karten für ein Bundesligaspiel gezogen. Auch da kann man umsonst zum Kreisligaverein vor Ort gehen oder für sehr viel Geld zum BVB. In der Klassik kann man für sehr wenig Geld (oder sogar umsonst) in den "Tristan" in Wuppertal gehen oder für sehr viel Geld in den "Tristan" in Bayreuth. Die Veranstaltungen, die in Filmen vorkommen, die in Medien vorkommen, die das Bild prägen, sind Bayreuth, Salzburg oder die Met, sind Staatsoper oder Arena von Verona, sind also die teuren, luxuriösen Veranstaltungen.

    die hohen Preise halte ich für einen Witz, oder vielleicht ein Vorurteil. Der Tristan am Samstag kostet im 2. Rang 32 €. Rein zufällig hatte ich auch mal nach Fußballkarten gegoogelt - BVB in der Championsleague kostet ca. 250 € - 1000 € für EINE Karte in EINEM Spiel.

    Es hat ja auch niemand behauptet, Klassik wäre teuer. Im Gegenteil: Bramante hat von dem Angebot für Studierende an seiner Uni erzählt. Ich habe in meiner Heimatstadt ganz ähnliche Erfahrungen gemacht, auch hier gibt es seit kurzer Zeit ein Kulturticket, das nicht gut angenommen wird. Wir sehen also: Selbst wenn es umsonst ist, gehen die meisten Leute nicht in klassische Konzerte.

    Ich denke gar nicht in diesen Kategorien. Wenn jemand Klassik nicht mag, dann ist mir das wurscht, bzw ich denke mir "schade, was sie alles verpassen", aber ich bin mir bewusst, dass ich auch Dinge veroasse, also U Musik oder bestimmte Filme etc. Und auf keinen Fall gruppiere ich die Leute alle irgendwie zusammen. Das fände ich seltsam, eine Welt aufgeteilt in Klassikhörer und Nicht -Klassikhörer.

    Mir ist das auch wurscht, wenn jemand Klassik nicht mag. Jeder hat seine Leidenschaften und ich habe da keinen missionarischen Eifer. Gesellschaftlich gesehen sollte einem das als Klassik-Liebhaberin aber nicht egal sein, denn wir können Konzerte und Opern nur besuchen, weil die Allgemeinheit diese Angebote finanziert und zur Verfügung stellt. Wenn diese Allgemeinheit irgendwann der Meinung ist, dass klassische Musik irrelevant ist und man jetzt nicht unbedingt allen Menschen den Zugang zu klassischer Musik ermöglichen muss, dann gehen in den Konzert- und Opernhäusern die Lichter aus.

    Anders gesagt: Klassische Musik lebt davon, Menschen zu vermitteln, dass man sie braucht.

    Das sind eben die alten, weißen Männer, die wir aus vielen Medien kennen. Die, die die Welt zerstört haben und nicht mal dafür büßen müssen, weil sie zu früh abtreten, um den Klimawandel mit voller Wucht zu erleben.

    Was ich nicht verstehe: weshalb werden dann Hochschulen besucht und Studien belegt? Auch die "akademische Welt" ist doch eine Emanation der alt-weißen Männlichkeit?

    Nein, eigentlich nicht: Studierende sind meistens jung und inzwischen in der Mehrheit weiblich.

    Aus Gründen, die ich hier im Thread nicht näher erläutern werde, möchte ich auf Capriccio eigentlich nichts mehr schreiben. Aber absolute Konsequenz in eher unwesentlichen Punkten des Lebens war nie meine Stärke - daher werde ich ab und an mal eine Ausnahme machen:

    Den Plan hatte ich auch mal gefasst, deshalb nutze ich diesen Satz, um mich einzuklinken mit etwas, was ich schon die ganze Zeit vorhatte: Mich ganz herzlich bei euch zu bedanken für das liebe, ermunternde und verständnisvolle Willkommen, als ich mich vor zwei oder drei Wochen hier im Thread gemeldet habe, um von den Konzerten zu erzählen und doch wieder virtuell mit euch zu quatschen. Ich habe mich sehr darüber gefreut und nehme aus den Reaktionen auch mit, dass viele hier meinen und Bernds Impuls verstehen können, auf Capriccio eigentlich nichts mehr schreiben zu wollen. Und weil das so ist, dass es hier vielen immer wieder so geht, darf es dann auch gerne beim "eigentlich" bleiben.

    Zu Vorhobeln kann ich nun nichts sagen, da ich meine Rohre nicht selbst baue. An mir ist einfach kein Heimwerker verloren gegangen. Da im Moment keine Proben stattfinden, liegt meine Oboe seit den Konzerten, von denen ich erzählt habe, gut verpackt und unbenutzt in der Ecke. Das werde ich aber sicherlich bald wieder ändern.