Beiträge von Rosamunde

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    Deshalb wohl auch die berühmte Bemerkung Wagners zu mittelmässigen Aufführungen .

    Eben.

    Ich bin mir aber sicher, dass ich eine 100% Überwältigung speziell durch die Tristan Oper nicht überleben würde.

    Lass Dir gesagt sein: Da bist Du 100 % in Übereinstimmung damit, wie der Meister sich sein Publikum dachte ...

    und wie finden wir das? Dass er es sich so vorgestellt hat und es in manchen Fällen auch "hinhaut"? Geht er zu weit? Und wäre es überhaupt in seiner Gewalt "es" weniger intensiv zu gestalten? Das wohl nicht, oder?

    Ich bin nicht ganz sicher, doch ich meine, dass Wagner eine Überwältigung bewusst anstrebte. Verweigert sich der/die Hörende derselben, kann es da nicht sein, dass er/sie einiger Aspekte des Gesamtkunstwerkes nicht gewahr wird?

    Interessanter Gedanke .... dass Wagner etwas in der Richtung beabsichtigte, glaube ich schon. Und wenn man komplett verweigert, fehlt etwas.

    Ich bin mir aber sicher, dass ich eine 100% Überwältigung speziell durch die Tristan Oper nicht überleben würde. Nicht dass ich tot umfallen würde, sondern es würde damit ein selbstzerstörerischer Prozess in Gang gesetzt. Ich bin schon einmal weit genug mitgegangen, um das Ende der Reise am Horizont zu erkennen. Man sollte sich genug im Griff haben, diesen zu erkennen und aufzuhalten, bzw umzukehren.


    Deshalb wohl auch die berühmte Bemerkung Wagners zu mittelmässigen Aufführungen .

    Ich habe mir bei aller Begeisterung speziell für den Ring immer eine gewisse Distanz bewahrt und mag nicht diese totale Überwältigung durch den Klangrausch. Das ist mir unheimlich und es birgt die Gefahr kritikloser Verehrung.

    Alex Ross in "Wagnerism" schreibt sehr interessant über den Effekt von Wagners Musik auf Zeitgenossen und was sie dann per Proxy ihren literarischen Protagonisten andichteten, welche sich unter dem Einfluss Wagners Musik zu Handlungen hinreissen liessen, derer sie sonst nicht fähig gewesen wären. War mir zwar nicht neu, aber passt genau zu deinem Empfinden hier in der Hinsicht, dass eine gewisse Distanz wohl gesund ist.


    ich vom Kopf her sehe und verstehe. "Gänsehaut" ist nie meine Sache gewesen, auch nicht bei Mozart, Beethoven oder Mahler...

    Soviel Distanz kann ich allerdings für mich nicht ganz einleuchtend finden. Musik nur mit dem Kopf verstehen - da ginge mir einiges verloren, obwohl ich den Kopf sicherlich nicht ganz ausschalte (wenn das überhaupt möglich ist) . Ich glaube es ist keine entweder/ oder Entscheidung, sondern eher eine Frage der Proportion und wieviel emotionale Distanz man bewahrt. Ich muss selber zB bei Tristan mehr ganz bewusst Distanz bewahren, als bei zB am Ende des Rings. Aber ganz ohne "Mitfühlen" der Musik bei Tristan? Dann brauche ich gar nicht erst hingehen.... meine ich.

    Noch etwas :

    wenn die Überlebenden am Ende einer Ring Inszenierung bestürzt, verwirrt, ratlos , hilflos umherstehen, ist das für mich sehr schlüssig. Denn es folgt nun erstmal eine Phase der "Verdauung" und des Aufwachens, der Realisation, dass man nun auf sich selbst gestellt ist. Man muss erkennen, wie frei man als Mensch nun eigentlich ist und man muss neue Wege finden die Gesellschaft zu ordnen und das Miteinander zu regulieren. Man muss in die "Freiheit", besser: die neue Geisteshaltung, hineinwachsen. So etwas dauert lange.......ist der Prozess jemals beendet? Und - jedes Kind erlernt ihn neu.

    Die Crux ist das vermaledeite Schluss-Motiv, das eben durch den Bezug auf die Szene in der Walküre einen optimistischen Ausgang suggeriert. Aber es ist in den 16 Stunden zuvor einfach so vieles schief gelaufen in der ganzen Geschichte, und auch Wagner selber hat ja genug jongliert mit den Textfassungen, dass mir dieser Optimismus einfach nicht einleuchtet.

    Ich meine es wird von einigen unterschätzt, was am Ende geschieht. Am Ende werden doch durch das Aufheben des Fluchs UND den simultanen Untergang der Götter alle Überlebenden - also die Menschen - bemächtigt: Ihre Fremdbestimmung ist aufgehoben. Sie sind nun frei. Dies wird von Wagner eindeutig positiv konnotiert, nämlich durch die Kopplung mit der positiven Konnotation des Motivs in der Walküre.


    Wie die Überlebenden ihren Willen einsetzten ist ihnen überlassen. Kann sich selbstverständlich auch negativ auswirken - nur ist das Potential für positive Entwicklung nun endlich gegeben. Man darf bei dieser Überlegung nicht vergessen, dass es dieses positive Potential mit der Existenz Göttern und Fluch-belastetem Ring nicht gab - für niemanden der Beteiligten.

    Ich meine das dies die positive Konnotation der Musik des Endes erklärt.

    volle Zustimmung. Mutterglück ist nicht der Punkt des Motives, sondern das Wunder, welches sich vollzieht. Dieses Wunder wird von Sieglinde angesagt, als das Motiv zum ersten mal erklingt.

    Was ist nun das Wunder?

    ein Siegfried wird als hehrster Held der Welt geboren werden, der wird auch die zerschlagene Waffe neu fügen und sich des Siegs erfreuen. Letzteres stimmt zwar nicht ganz, doch das ist ja nur ex post klar.

    Hier liegt der Hase begraben. Wenn man die letzten Worte Brünnhildes in der GD liest, dann wird klar, dass die Heldentat des Siegfrieds sehrwohl stattgefunden hat. "Mich mußte der Reinste verrathen, daß wissend würde ein Weib!" Und nur das wissende Weib kann den Fluch des Ringes brechen. Sie ist kräftiger, die herrliche Maid, obwohl sie nur ein Mensch ist. Siegfried hat sie bemächtigt. Das war seine Heldentat. Die Bemächtigung Brünnhildes und die Handlung, die sie dadurch vollziehen kann, und die Konsequenzen, die sich daraus für die Menschheit ergeben, sind das Wunder.

    volle Zustimmung. Mutterglück ist nicht der Punkt des Motives, sondern das Wunder, welches sich vollzieht. Dieses Wunder wird von Sieglinde angesagt, als das Motiv zum ersten mal erklingt.

    Was ist nun das Wunder?

    ein Siegfried wird als hehrster Held der Welt geboren werden, der wird auch die zerschlagene Waffe neu fügen und sich des Siegs erfreuen. Letzteres stimmt zwar nicht ganz, doch das ist ja nur ex post klar.

    Hier liegt der Hase begraben. Wenn man die letzten Worte Brünnhildes in der GD liest, dann wird klar, dass die Heldentat des Siegfrieds sehrwohl stattgefunden hat. "Mich mußte der Reinste verrathen, daß wissend würde ein Weib!" Und nur das wissende Weib kann den Fluch des Ringes brechen. Sie ist kräftiger, die herrliche Maid, obwohl sie nur ein Mensch ist. Siegfried hat sie bemächtigt. Das war seine Heldentat. Die Bemächtigung Brünnhildes und die Handlung, die sie dadurch vollziehen kann, und die Konsequenzen, die sich daraus für die Menschheit ergeben, sind das Wunder.

    Beethoven Romanze F Dur


    James Ehnes

    Royal Liverpool Philharmonic

    Andrew Manze



    und dann musste doch noch der langsame Satz des Violinkonzerts folgen. Auf der selben CD. Da hatte Beethoven "eternity on his lips".

    Klar, man muss erst erkennen, was DAS Problem ist. Dafür muss man klar sehen. Das ist schon nicht so leicht. Aber nicht unmöglich. Man braucht ausserdem nicht 100% klar sehen, sondern eine kritische Masse an Klarsicht reicht. Und man braucht die Geduld , es sich genau zu überlegen und dann die Fähigkeit, alles, was man meint bis jetzt gewusst zu haben, zu hinterfragen.


    Ich sagte es ja schon. The Human Condition ist das Problem, aber nicht so, wie man eventuell meint. Alles andere leitet sich daraus ab. Sogar die Lösung.

    Führt zu weit. Machen wir mal mit einer Flasche Wein.


    Und ich muss mich jetzt Eddie Izzard widmen, oder vielleicht erst ein wenig Joe Rogan.

    wissen schon, nur am Tun haperts

    :/ Wie meinstn Du das?

    oh sorry, habe falsch zitiert.


    wüsste er für einen kurzen Moment, wie die Probleme dieser Welt zu lösen seien.

    kombiniert mit

    Aber er bietet vielleicht die Gewissheit, dass eine solche Lösung existieren könne.

    Ich meinte wir wissen eine Lösung; wir wissen was wir machen müssen/können, nur tun wir es nicht.


    Utopie kann man per Definition nicht erreichen, das ist klar. Aber man kann Probleme lösen.