Beiträge von Melzer

    Sehr schön. Auf die Antwort (wenn eine kommt) bin ich gespannt.

    Die Antwort kam heute Abend, und lautet wie folgt:

    Ihr Leserbrief ist leider jetzt erst an mich weitergeleitet worden. Allerdings habe ich den Artikel, auf den Sie sich beziehen, vor nunmehr acht Jahren geschrieben. Man spricht bei solchen Recherchen meistens mit einigen Informanten aus dem Betrieb, aber ich kann mich nach all der Zeit beim besten Willen nicht mehr erinnern, wer mir damals mitgeteilt hat, was im Forum in Frage gestellt wurde. Erst recht kann ich nicht sagen, wie valide das (noch) für die Gegenwart ist.

    Es ist ein komplexes Thema, bei dem ich aus Erfahrungen mit Vorstellungen an allen möglichen Orten nach wie vor an der Kernaussage des Textes von damals festhalten würde, dass Aussehen inzwischen spätestens beim Übertritt in den Beruf ein deutlich wichtigeres Kriterium ist als in einem vage gefühlten Früher. Das gilt allerdings nicht oder nur mit Einschränkung für Stimmfächer, die nicht gerade von Aspiranten überlaufen sind, also vor allem im hochdramatischen Fach.


    Mit herzlichen Grüßen

    Michael Stallknecht

    Von einer Chorsängerin der Staatsoper Hamburg wurde mir mal die Geschichte erzählt, dass Hans Knappertsbusch zur Probe mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg erschienen sei und gesagt haben soll: "Meine Herren, Sie kennen die Partitur, ich kenne die Partitur. Wir sehen uns dann im Konzert".

    Die gleiche Geschichte, oder evtl. auch in einer ähnlichen Fassung wie die von Armin Dietrich, kenne ich von einem Orchestermitglied in München. Grins1

    Kam aber vor, daß es an der einen oder anderen Stelle hakte, oder daß die Hörner patzten, dann kam ein hörbares "Sauladen"...

    Eine wahre Geschichte ist die: Robert Hale sollte den Holländer singen, kurzfristig unter Wolfgang Sawallisch in München. Ohne Probe. Hale meinte, aber maestro, ganz ohne Probe? Daraufhin fragte Wolfgang Sawallisch: "Wie oft haben Sie den Holländer gesungen? Auf die Antwort "105 Mal" meinte er, dann singen Sie ihn heute eben das 106. Mal. Und es war überhaupt kein Problem.

    Wobei Wolfgang Sawallisch dafür bekannt war, daß er die Sänger auf Händen trug. Meistens hat er mitgesungen. Er hatte eine durchaus schöne Stimme.

    Und wenn Gatti doch so mies ist, warum haben diese Orchester in so oft engagiert, dass Stimmenliebhaber so ironisch davon sprechen kann, dass "jetzt sicher alles anders wird"?

    Und warum hat die Sächsische Staatskapelle ihn sich dann als Chef ausgesucht?

    Vielleicht sollte Stimmenliebhaber doch mal den von mir eingestellten Artikel lesen. Z. B. das hier:

    Vor Kurzem konnte man den Dirigenten Daniele Gatti bei den Münchner Philharmonikern erleben. Er wirkte ganz anders, als man ihn in Erinnerung hatte, gab sich gelassen, vermittelte dem Orchester Vertrauen, animierte es zu spielen, ohne dass er andauernd eingriff. Er trat auf als entspannter Minimalist, der gemeinsam mit den Musikerinnen und Musikern die Musik empfindet, atmet, versteht. Diese waren danach entsprechend begeistert, manche von ihnen sahen in ihm einen möglichen Nachfolger für Valery Gergiev, ihren geschassten Chefdirigenten, der seiner ostentativen Putin-Treue zum Opfer fiel.

    Staatskapelle Dresden wählt Daniele Gatti zum Chefdirigenten
    Die Staatskapelle Dresden wählt Daniele Gatti zum Chefdirigenten. In Amsterdam wurde er wegen des Vorwurfs sexueller Belästigung entlassen.
    www.sueddeutsche.de

    Hatte jemand hier im Forum mal ein ausgesprochen positives Opern- oder Konzerterlebnis mit ihm?

    In Bayreuth der bewußte Herheim-"Parsfal". Ich hatte nicht wirklich etwas auszusetzen. Die Tempi waren breit (das waren sie bei James Levine allerdings auch), aber trotzdem spannungsvoll. Vielleicht kann man bemängeln, daß das Dirigat etwas zu glatt wirkte, er hat zu wenig Akzente gesetzt. Das war meine Wahrnehmung.

    Positiv überrascht war ich von Hartmut Haenchen als Dirigent des "Parsifal" am gleichen Ort, das war musikalisch hervorragend - leider war die Inszenierung von Laufenberg ein Reinfall.

    Volle Zustimmung zumindest zum ersten Teil. Ich glaube, ich habe noch nie so ein hervorragendes "Parsifal"-Dirigat gehört wie das von Hartmut Haenchen. Das hat mich richtig gepackt.

    Auch fand ich die Inszenierung - com grano salis - gut und einfallsreich. Ich konnte schon damals das Laufenberg-bashing nicht nachvollziehen. Mir gefiel diese Inszenierung besser als die von Stefan Herheim :versteck1:

    Die war mir viel zu überbebildert.

    Ich sehne mich danach, daß es einst wieder zu einer friedlichen Koexistenz der beiden großen slawischen Kulturen Ukrainischer und Russischer Art kommt, wie es naturgegeben sein sollte.

    Das ist - so wie es derzeit aussieht - nicht absehbar. Bei diesem Haß auf beiden Seiten wird das wohl noch viele Generationen dauern. Und "naturgegeben" ist das, wie gerade bewiesen wird, keineswegs.

    Und das in Form einer in meinen Ohren schönen volkstümlichen Melodie.

    In meinen auch.

    Dazu klebrig sentimental und primitiv.

    Da spricht der Fachmann.

    Himmel, natürlich habe ich ihn gelesen, vor 8 Jahren schon, sonst wäre ich gar nicht draufgekommen. Und jetzt wieder, ich habe mich einfach vertan! Mea Culpa! Deine anmaßende Selbstgefälligkeit ist aber noch viel eher zum Fremdschämen! Und Du scheinst auch noch zu glauben, daß die gerechtfertigt ist.

    So, und daß Du zufrieden bist, habe ich jetzt an die SZ, bzw. Herrn Stallknecht geschrieben.

    "I woat auf Antwoat".

    Ein Beleg für die besagte Behauptung in dem Artikel würde mich auch durchaus interessieren.

    Danke für die Korrektur.

    Tja, dann kann ich auch Dir nur raten, Dich an die SZ zu wenden. Allerdings: wenn man alles und jedes hinterfragen würde, was in den Feuilletons geschrieben wird, würde man nicht mehr fertig. Und warum sollte ein Journalist oder Kritiker so etwas einfach so aus den Fingern saugen?

    Der Artikel ist allerdings von 2014, das ist lange her.

    Okay, ich schreibe an Herrn Stallknecht, ich bin Abonnent der SZ.

    "Wer achtet denn nun (angeblich) eher auf optische Aspekte als auf den Gesang?"

    Du.

    Das kommt darauf, was Du unter "optischen Aspekten" verstehst. Bei dem Zitat, das ich eingestellt habe, geht es keineswegs um Figuren, auf die Du Dich jetzt kaprizierst, sondern um Inszenierungen. Vielleicht liest Du nochmal nach, den englischen Text. Und da achte ich drauf, ja. Ich schaue mir nicht nochmal an, was ich schon gesehen habe und mir nicht gefallen hat, und wenn der Kaiser von China singt. Und vermeide solche, von denen ich denke, daß sie mir nicht gefallen würden. Ich schmeiße nicht gern mein Geld zum Fenster hinaus.

    Mit figürlichen Aspekten hat das erst mal ganz und gar nichts zu tun.

    Übrigens war ich (ich vermute im Gegensatz zu Michael Stallknecht und - bitte korrigiere mich, wenn ich Dir Unrecht tue - im Gegensatz zu Dir) bei so ca. 100 Eignungsprüfungen beteiligt, und ich kann Dir versichern, dass die penible Einhaltung aller rechtlichen Vorgaben von der Begrüßung der Bewerber bis zur Entscheidung, Begründung und Bekanntgabe der Ergebnisse extrem wichtig genommen wird. Kein Prüfer, der auch nur einigermaßen bei Verstand ist, würde einem Bewerber sagen, dass er wegen seines Körpergewichts nicht genommen wird, denn damit würde er zu einer Klage geradezu einladen.

    Entschuldigung, das habe ich ganz vergessen. Daß Du an sämlichen Opernhäusern der Welt bei allen Eignungsprüfungen der angehenden Opernsänger dabei warst. Dann sieht die Sache natürlich ganz anders aus und das ist der schlagende Beweis.

    Ich komm nicht mehr mit. Ist jetzt der Intendant dran Schuld, dass Ihr Euch keine korpulenten Sänger ansehen wollt?

    Wie bitte? Wie kommst Du denn darauf? Hat das irgendwer gesagt? Symbol wollte das wissen:

    Ein (sicherlich verdienter) Sänger sagt etwas zu "Optik vs. Stimme", aber wir wissen aus dem eingestellten Auszug aus seinen Ausführungen nicht, auf wen er sich bezieht. Das Publikum? Die Intendanten? Wer achtet denn nun (angeblich) eher auf optische Aspekte als auf den Gesang?

    "Wer achtet denn nun (angeblich) eher auf optische Aspekte als auf den Gesang?"

    Ich denke mal, der Regisseur. Und von wem wird der berufen? Vom Intendanten. Letztendlich ist der Intendant doch dafür verantwortlich wie eine Inszenierung aussieht.
    Nikolaus Bachler hat mal in einem Gespräch gesagt, er sei dann oft "überrascht", wie das Konzept aussieht, aber niemals würde er einem Regisseur dreinreden. Im Gegensatz zu Joan Holender, der das sehr wohl gemacht hat.

    Was hat das denn nun damit zu tun?? Auf continuity achten ;)

    Ist jetzt der Intendant dran Schuld, dass Ihr Euch keine korpulenten Sänger ansehen wollt?

    Das habe ich im Netz gefunden:

    Im Folgenden wurde die Bezeichnung ergänzt mit „I“ für intergeschlechtliche Personen, dann mit „A“ für asexuelle oder agender Personen und schließlich mit einem Pluszeichen + oder Trans-Sternchen * als Platzhalter für weitere Geschlechtsidentitäten (LGBTQIA+).