Beiträge von Pizzicato

    Ich glaube, die meisten haben es inzwischen erraten:

    Es geht um das Streichquartett e-moll op. 121 von Gabriel Fauré, fertiggestellt 1924.

    Ich finde, Fauré macht es seinen Hörern hier nicht so leicht. Mich hat das Quartett aber von Anfang an fasziniert, und es gewinnt mit jedem weiteren Hördurchgang ein bisschen hinzu.

    Kennengelernt habe ich es vor ca. einem halben Jahr in dieser Aufnahme, die ich wirklich gut finde:

    Preview gefällig? Für nächste Woche habe ich ein Streichquartett des 20. Jahrhunderts ausgewählt, das allerdings von einem Komponisten stammt, der nur wenige Jahre jünger ist als Tschaikowsky.

    Obwohl die Musik in vieler Hinsicht im 19. Jahrhundert verwurzelt ist, hätte ich beim Blindhören sicher auf 20. Jahrhundert getippt. Das Quartett ist nach 1918 entstanden.

    Vielleicht könnt ihr ja mir diesen wenigen Angaben es bereits erraten?

    Ich fürchte, dass Korngold oft als Alternative für die „ungenießbare“ Neue Musik hochgehalten und überschätzt wird, ähnlich wie bei Martinu.

    Als ich Schönberg und die zweite Wiener Schule entdeckt habe, hatten viele Komponisten aus dieser Generation, die weitgehend tonal komponiert haben, erst mal keine Chance mehr bei mir. Erst viel später habe ich entdeckt, dass das eigentlich total schade ist, z.B. gibt es bei Martinu viel tolle Musik zu entdecken. Ich finde Martinu eigentlich eher unterschätzt, seine besten Stücke sind nicht viel schlechter als die Musik der damaligen Avantgarde-Komponisten (wie z.B. Bartok).

    Das Korngold Streichquartett habe ich vor einiger Zeit mal gehört und fand es sehr ansprechend. Überschätzt ist dieses Quartett in meinen Augen nicht, um überschätzt zu sein, müsste es viel berühmter sein.

    1. Mozart

    2. Verdi

    3. Brahms

    Diese 3 populären Requiems bedeuten mir tatsächlich am meisten .

    4. Dvorak

    5. Lassus: Requiem für 4 Stimmen

    6. Poulenc: Stabat Mater (das ist zwar kein Requiem, Poulenc hat es aber anstelle eines Requiems zum Andenken eines Freundes geschrieben.)

    7. Fauré

    8. Saint-Saens

    Damit lasse ich es mal bewenden. Das Berlioz Requiem hat mich vor längerer Zeit mal beeindruckt, ist mir aber gerade nicht so nah, ähnlich geht es mir mit Cherubini c-moll Requiem und Ligeti Requiem.

    Da Oper in diesem Jahr bei mir (leider) keine große Rolle gespielt hat, stelle ich hier ähnlich wie Braccio eine Liste der Opern ein, die ich gerne mal wieder hören würde:


    1. Verdi: Don Carlos
    2. Mozart: Don Giovanni
    3. Mozart: Entführung aus dem Serail
    4. Verdi: La Traviata
    5. Offenbach: Les Contes d‘Hoffmann
    6. Janacek: Z mrtveho domu
    7. Martinu: Julietta
    8. Schönberg: Erwartung
    9. Janacek: Katja Kabanova
    10. Mozart: Zauberflöte
    11. Verdi: Rigoletto
    12. Janacek: Jenufa
    13. Puccini: Tosca
    14. Dvorak: Rusalka
    15. Monteverdi: L‘Incoronazione di Poppea

    Ich habe mir das zweite Schumann Quartett jetzt auch mal angehört, und zwar in dieser schönen Aufnahme:

    Obwohl ich das Quartett sehr schön finde, bedeuten mir die Schumann Streichquartette deutlich weniger als seine großen Kammermusikwerke mit Klavier. Die Originalität Schumanns ist auch im Streichquartett zu spüren, aber die Musik ist nicht so zupackend wie beispielsweise in den Klaviertrios, oder nicht so eigenartig (im positiven Sinn) wie in den späten Violinsonaten.

    Ich habe mir mal die fünfsätzige Version des Kronos Quartetts angehört. Obwohl Minimalismus in der Musik eigentlich nicht so mein Ding ist, fand ich das Streichquartett hörenswert. Es klingt für mich ein bisschen wie Jazz im Streichquartettgewand. Außerdem ist es gekonnt instrumentiert.

    Ich finde es immer wieder erstaunlich, welch verschiedenartige Musik sich mit der klassischen Streichquartettbestzung überzeugend realisieren lässt. Vielen Dank an putto für die Auswahl diese Woche, das hätte ich sonst wohl nie gehört.

    für mich ist dieses "Andante moderato" in seiner demütigen Schlichtheit ein Höhepunkt des brahms'schen Kammermusikschaffen

    Ganz so begeistert bin ich zwar nicht von diesem Satz, aber ich finde schon, dass es große Kunst ist, wie Brahms hier aus dem eigentlich unattraktiven Beginn einen wunderbaren Satz gestaltet. Wie hier Brahms aus fast nichts etwas macht, ist schon erstaunlich. Den Schluss mag ich übrigens besonders, wie er sich in den letzten anderthalb Minuten so langsam von dem Satz wieder löst, das ist für mich schon großes Kino.

    Diese Woche gehen wir in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ich habe für diese Woche folgendes Streichquartett ausgesucht:

    Johannes Brahms: Streichquartett a-moll, op. 51,2

    Aus unerklärlichen Gründen stand das Quartett bei mir lange im Schatten anderer Kammermusik von Brahms, was aber jetzt den Vorteil hat, dass es bei mir keinerlei Abnutzungserscheinungen beim Hören gibt. Vor kurzem habe ich das Quartett mit dieser schönen Aufnahme des Artemis Quartetts so richtig schätzen gelernt:

    Bekanntlich hat sich Brahms mit der Gattung Streichquartett schwer getan, weil die hohe Qualität der klassischen Vorbilder ihn in seinem Streben Ebenbürtiges zu schaffen belastet hat.

    Ich finde etwas von dieser Last ist auch im a-moll Quartett zu spüren, obwohl es deutlich gelöster ist als das c-moll Quartett (was jetzt aber nichts über die Qualität des c-moll Quartetts aussagen soll).

    Mich fasziniert am a-moll Quartett mit wie viel Liebe zum Detail es komponiert ist, wie schön die musikalischen Phrasen ausgestaltet sind. Ob das Quartett tatsächlich an die klassischen Vorbilder heranreicht, die Brahms so wichtig waren, ist eigentlich gar keine Frage, die einen heute bei der Rezeption dieser Musik wirklich weiterbringt. Obwohl die Musik von Brahms Vergleiche mit Beethoven oder im vorliegenden Fall mit Schubert oft geradezu herausfordert, stehen mir solche Vergleiche eher im Weg, wenn es darum geht, diese Musik in ihrer eigenen Wesensart erfassen.

    Viel Spaß beim Nachhören!