Beiträge von Pizzicato


    In meiner frühesten Kindheit liefen die beiden Schubert-LPs von Jörg Demus so oft, dass mich später nie eine andere Interpretation so wirklich überzeugen konnte.
    Leider hat die Deutsche Grammophon sie nie wiederveröffentlicht. Weder auf LP, noch CD.
    Doch nun gibt seit einiger Zeit von der umtriebigen australischen Filiale endlich eine offizielle Doppel-CD in der Reihe ELOQUENCE.
    (Eine Digitalisierung der französischen Nationalbibliothek hatte ich schon gekauft, aber da ķlangen meine alten LPs besser)
    Mir gefällt sie wirklich gut!

    Diese Empfehlung habe ich mir zum Glück gemerkt und habe mir die CD vor wenigen Tagen gekauft. Demus lässt die Musik ganz natürlich fließen. Er spielt schnörkellos und mit wunderbarer Intensität. Nochmals danke für den Tipp.

    Hier meine Liste, die widerspiegelt, mit welchen Opern ich mich dieses Jahr beschäftigt habe:


    1) Janacek: Aus einem Totenhaus

    2) Verdi: La Traviata

    3) Weber: Freischütz

    4) Janacek: Katja Kabanova

    5) Verdi: Falstaff

    6) Händel: Alcina

    7) Janacek: Jenufa

    8 ) Janacek: Osud

    9) Verdi: Macbeth

    10) Verdi: Il Trovatore

    11) Dvorak: Rusalka

    12) Janacek: Vec Makropulos

    13) Debussy: Pelleas et Melisande

    14) Dukas: Arianne et Barbe Bleu

    15) Matthus: Judith

    Ich habe mir angeregt durch diesen Thread die Symphonie auch nochmal vorgenommen (Wiener Philharmoniker / Giulini). Ich fand dabei die Symphonie weniger überzeugend, als ich sie in Erinnerung hatte. Es gibt zwar ein paar tolle melodische Einfälle, aber formal ist mir das zu verwurstelt. Obwohl Frank eigentlich recht ökonomisch mit dem Material umgeht, kommt mir die Symphonie überladen vor - liegt wahrscheinlich an den Ohrwürmern, die er hier so intensiv verarbeitet. Wenn Franck den Themen freieren Lauf gelassen hätte, würde mich das Ganze wahrscheinlich glücklicher machen. Diese Mischung aus emotionaler Ansprache und formalen Kunststücken lässt mich jedenfalls mit gemischten Gefühlen zurück. Wenn ich emotionale Musik hören will, greife ich lieber zu Tschaikowsky. Wenn ich formal gebändigte romantische Musik hören will, lieber zu Brahms.

    Ich bin kein Experte für Pianisten und habe darum gezögert, hier meine Stimme abzugeben. Aber da music lover ja geschrieben hat, dass man auch eine subjektive Liste abgeben darf, habe ich meine Bedenken über Board geworfen :pfeif: . Hier die Liste der Pianisten, die mich bisher am stärksten beeinduckt haben:


    Pierre-Laurent Aimard
    Rudolf Buchbinder
    Robert Casadesus
    Nikolai Demidenko
    Annie Fischer
    Wilhelm Kempff
    Radoslav Kvapil
    Vladimir Horowitz
    Arturo Benedetti Michelangeli
    Swjatoslaw Richter
    Artur Schnabel
    Dina Ugorskaja


    Bei zwei Namen (Ugorskaja und Kvapil) war ich mir nicht sicher, ob ich sie auf die Liste setzen soll, weil ich jeweils nur eine einzige Aufnahme kenne. Aber Ugorskajas Interpretation der Kreisleriana gefällt mir ausgesprochen gut, und wer weiß, was da noch hätte kommen können, wenn sie nicht so früh verstorben wäre. Bei Kvapil sind es seine Janacek Aufnahmen, die mich so berührt haben, dass ich entschieden habe, ihn mit auf meine Liste zu setzen.

    Brahms aus Novosibirsk:



    Ich tue mich mich dem Doppelkonzert von Brahms nicht so leicht. Oft klingt es mir zu oberlehrerhaft und bedeutungsschwer. Ausgerechnet diese russische Live-Aufnahme hilft mir, mich von meinen Vorurteilen zu befreien. Hier klingt für mich vieles charmant, manches humorvoll und einiges versöhnlich. Die beiden Solisten sind erste Klasse (Oleg Kagan und Natalia Gutman), das Orchester (das vermutlich kaum einer kennt) spielt wunderbar musikantisch. Eine Aufnahme, die mir viel Spaß macht!


    NB: Bis vor kurzem war mir gar nicht klar, dass es neben dem Geiger Kogan auch noch einen Geiger Kagan gibt. Ich habe die beiden tatsächlich verwechselt. :versteck1:

    Brahms: Serenade Nr. 1 D-Dur op. 15
    Gewandhausorchester Leipzig
    Kurt Masur
    aufgenommen 1981



    Masur dirigiert das nicht als verkappte Symphonie, sondern trifft den Serenadenton ganz hervorragend. Das Verspielte und der Humor des Stücks kommen wunderbar zur Geltung, dabei kommen aber auch die poetischen Elemente nicht zu kurz, beispielsweise im Adagio. Der Tonfall erinnert mich ein bisschen an die Mendelssohn Aufnahmen, die Masur zu einer ähnlichen Zeit mit dem gleichen Orchester gemacht hat (und die ich auch ganz exzellent finde). Jedenfalls hat mich die Aufnahme heute begeistert.


    Ich finde die erste Serenade sogar noch schöner als die introvertierte zweite, sie ist fröhlicher, hat eine größere Farbpalette und einen leichteren Tonfall, den man bei Brahms sonst nicht so häufig findet (bei den Orchesterwerken am ehesten noch in den Haydn Variationen).

    Normalerweise mag ich es nicht, wenn Interpreten relativ frei mit dem Notentext umgehen. Aber was Kirill Gerstein mit der Rhapsodie in blue und dem Concerto in F macht, wirkt auf mich absolut stimmig. Er übersetzt die Stücke für meine heutigen Hörgewohnheiten und hat meine Ohren erst so richtig dafür geöffnet.



    Gerstein bewegt sich auf der ganzen CD stilsicher auf dem schmalen Grat zwischen klassischer Musik und Jazz. Ich komme mit dieser modernen Interpretation viel besser klar als mit Geshwins eigener Aufnahme oder als mit der durchaus gelungenen Aufnahme von Earl Wild. Das irritiert mich selber ein bisschen, weil ich bei älterer Musik den HIP Ansatz oft bevorzuge. Hier, wo es die Möglichkeit gibt, mit einer Aufnahme des Komponisten zu vergleichen, ist mir die historisch korrekte Spielart eigenartigerweise nicht so wichtig. Da kommt mir der Gedanke, dass HIP einfach mehr meinen Hörgewohnheiten entspricht und nicht so viel mit historisch korrekt zu tun hat.


    Viele Grüße


    Pizzicato :wink:

    Gestern gehört:



    Schönberg: Pelleas und Melisande
    BPO, Herbert von Karajan


    Ich besitze die Aufnahme schon seit vielen Jahren - es ist die einzige Aufnahme die ich von dem Stück habe.


    Beim jetzigen Wiederhören bin ich überhaupt nicht damit klargekommen. Die Art, wie Karajan die Musik phrasiert, bietet mir wenig Orientierung in diesem komplexen Werk. Es klingt zwar alles wunderschön, aber ich glaube, ich würde mich leichter tun, wenn die Klänge charakteristischer herausgearbeitet wären.


    Ich werde mich bei Gelegenheit nach einer Alternative umschauen.

    Sibelius: Symphonie Nr. 4
    BBC Philharmonic Orchestra
    John Storgårds



    Ich besitze diese Gesamtaufnahme der Sibelius Symphonien seit ca. einem Jahr und sie begeistert mich jedesmal, wenn ich sie wieder hervorhole.


    Storgårds wählt keinen besonders emotionalen Zugang, er schafft aber eine besonders klare Interpretation, bei der die Architektur der Symphonien deutlich herauskommt. Er bringt die Musik mit wunderbaren Orchesterfarben gleichsam zum Leuchten, was für viele berührende Momente sorgt.


    Bei den diversen Einzelaufnahmen von Sibelius Symphonien, die ich sonst so kenne, erlebe ich das nicht so (Rattle, Jansons, Barbirolli, Colin Davis, Karajan, Bernstein). Einzig Alexander Gibson mit dem Scottish National Orchestra hat mich ähnlich bewegt. Seine Aufnahme der zweiten Symphonie habe ich allerdings lange nicht mehr gehört, weil ich sie nur auf LP besitze.

    Brahms: Doppelkonzert mit dem Team
    Oistrach / Rostropowitsch / Szell



    Ich muss gestehen, dass ich ein gespaltenes Verhältnis zu dem Stück habe. Es enthält soviel wunderbare Musik, doch dann gibt es immer wieder Stellen, die mir kalt und abweisend vorkommen. Vielleicht sind diese Kontraste von Brahms ja beabsichtigt?


    Die Aufnahme ist jedenfalls toll und lässt die melodischen Höhenflüge voll zur Geltung kommen.

    Richtig! Rätsel gelöst.


    Mahler hat in seiner Funktion als Direktor der Wiener Hofoper im gleichen Brief Strauss darüber informiert, dass Salome von der Wiener Zensur abgelehnt wurde. Es ist Mahler offensichtlich schwergefallen, sich damit abzufinden, und er hat viel Energie versenkt, um den Zensor doch noch zu überzeugen. Allerdings ohne Erfolg. So blieb Feuersnot die einzige Strauss Oper, die Mahler dirigiert hat.


    Gruß Pizzicato :wink:

    Mendelssohn: Lieder ohne Worte, Roberto Prosseda



    Mir ist schon klar, dass Mendelssohn mit den Liedern ohne Worte eine eigene Kunstform geschaffen hat. Ich werde jedenfalls nicht warm damit, obwohl ich Mendelssohns Orchester- und Kammermusik sehr mag. An der Interpretation liegt es vermutlich nicht, die erscheint mir tadellos. Vielleicht steht mir im Weg, dass ich die Klaviermusik von Schumann und Chopin viel besser finde, und dass ich mich mit Liedern mit Worten (auch mit den Liedern von Mendelssohn) viel leichter tue.