Beiträge von ira

    aber wieso springt er in München in der doch eher kleinen Rolle des Swallow ein (Brindley Sherratt war vorgesehen gewesen)?

    Für Freitag steht auch Brindley Sheratt drin. Von einer Umbesetzung gestern habe ich auch nichts mitbekommen.

    Ich glaube, dass es nicht unbedingt leichter ist, Operette aufzuführen als Oper

    Das ist es ganz bestimmt nicht, völlig richtig. Es heiß sogar, Operette gut zu machen, sei schwerer als Oper.

    aber wenn eine Annette Dasch, die an der Wiener Staatsoper immerhin Elsa gesungen hat, dann für die Volksoper ein Mikrophon bekommt, dann ist das aus meiner Sicht total absurd.

    Bei Annette Dasch ist das sicher so. Aber in einem größeren Haus ist es vielleicht für nicht genuine Opernsänger nicht leicht, ohne Mikro rüberzukommen. Das ist es, was ich dachte.

    Der Satzteil, der die Gleichsetzung (!) mit einer "Vergewaltigung der Musik" enthält, offenbart, dass Du entweder keine Ahnung hast, was eine Vergewaltigung ist, oder dass Du dieses abscheuliche Verbrechen kleinredest

    Lieber Sadko, ich finde das Wort ja in diesem Zusammenhang auch nicht passend. Aber es ist einfach so, daß es in der Alltagssprache (leider!) in solchen oder ähnlichen Zusammenhängen oft ganz locker verwendet wird. Ich glaube nicht, daß brunello dieses Verbrechen kleinreden wollte.

    Also es gibt eine Radioübertragung vom Simone, die hab ich auf Cd eingespielt. also sollten wir hier irgendwie Kontakt aufnehmen können , dann schicke ich dir gerne eine Kopie!

    Danke für das Angebot, aber ich habe die Radioübertragung von einem der "Simones" von München, auf einer Video-Kassette, das ist tadellos.

    Was mir an Franz Grundheber auch so gut gefällt, daß er in italienischen Opern genauso gut ist wie in den deutschen. Da fehlt nichts an Italianitá.

    Kennst Du eigentlich das Radiointerview, das er vor Jahren einmal im Bayr. Rundfunk gegeben hat? Das war sehr interessant und sympathisch.


    Lučić,

    Den hatte ich in der Nachfolgeinszenierung (die viel schlechter ist) in München, das war leider kein Vergleich.

    die ganze Oper ist von vorne bis hinten ein einziger Genuss!

    Ja, ich finde auch, der "Simona Boccanegra" ist rundum eine großartige Oper, seltsamerweise bei vielen Leuten nicht bekannt.


    Ich habe sie zum ersten Mal in den Sechzigerjahren im Apothekenhof der Residenz in München gesehen, unter der Leitung von Giuseppe Patané. Wer da gesungen hat, weiß ich gar nicht mehr. Aber ich war sofort begeistert.

    Vielen Dank brunello, für Deine Sicht!

    Natürlich, wir fahren immer gerne nach Wien, aber bei dem Wetter gerade ist es auch nicht so prickelnd.

    Ich fand die Inszenierung wenig (und das ist sehr vorsichtig formuliert) werkkonform

    Ja, und das ist bei mir dann schon der "killing point". Dann lassen wir das.


    Aber auch Sadko war ja nicht rundum begeistert.

    Liebe Ira, das einzelne zitieren schaffe ich grad nicht so gut

    Liebe Amelia, paßt doch perfekt!

    und danach hat er aber die Aufnahme aus 1992 genannt.

    Das ist mir dann irgendwie entgangen.

    Oh ja.. das "Filia".... und fast jedes Mal beim Finale kamen mir die Tränen, wobei ich sagen muss ich heule normal nie in der Oper, nur bei seinem Simone... eine Oper die ich besonders mag, da mich die Duette zwischen Simone und Fiesco immer sehr berühren.

    Das ging mir auch so! Leider gibt es diesen "Simone" nicht auf DVD, immerhin habe ich die Audio-Version noch auf einer alten Videokassette.

    Der "Simone Boccanegra" gehört auch zu meinen Lieblingsopern, auch wegen der vielen tiefen Männerstimmen.


    Franz Grundheber hat den Peter Besenbinder auch noch im Dezember 2017 an seinem Stammhaus Hamburg gesungen, damit man noch sein 50.Bühnenjubiläum feiern konnte. Das war sein letzter Auftritt in dem Haus in dem er 50 Jahre von den kleinsten bis zu den großen Rollen gestaltet hatte.

    Ich hatte eine Karte für Hamburg, den "Macbeth" mit ihm. Leider hatte er abgesagt. Wer eingesprungen ist, weiß ich gar nicht mehr. Aber ich bin nicht nach Hamburg nur wegen der Oper gefahren, sondern habe auch eine Freundin besucht. Insofern war es nicht so schlimm.


    P.S.: Du nennst Dich "Amelia" nach der "Simone"-Amelia? ;)

    Sonntag, 25. September 22, Nationaltheater München

    Giuseppe Verdi, Don Carlo


    Diese Produktion ist ein richtiges Kunstwerk, die Premiere war in den Opernfestspielen 2000, am 1. Juli.


    Für mich ist sie unter den etwas neueren Inszenierungen derzeitig die beste am Haus.

    Jürgen Rose war schon immer ein begnadeter Bühnenbildner, und ebenso gelungen sind seine Regiearbeiten, im Münchner Nationaltheater waren das "Das schlaue Füchslein", "Norma", "Werther" und eben "Don Carlo", alles sehr gute Arbeiten, die beste von allen m.E. "Don Carlo".

    Die Atmosphäre von Verdis wohl dunkelster Oper ist genial getroffen.


    Immer wieder bin ich beeindruckt von der Ausstattung durch den vielseitig variablen Einheitsraum, dominiert von einem riesigen, an die Wand gelehnten Kruzifix eines (nackten) Christus, als Symbol für die Allgegenwart und Allmacht der katholischen Kirche. Jürgen Rose zeichnet in dieser Produktion für alles selbst verantwortlich, die Bühne, die Kostüme und die Lichtregie. Mit letzterer zaubert er die unterschiedlichsten Räume auf die Bühne: Kloster, Park, Schlafzimmer, Kerker. In ihrer Abgeschlossenheit symbolisieren diese Einheitsräume die seelische Isolation der Protagonisten, die seitlichen hohen Türen zerstören dabei jegliche Privatsphäre.


    Das imposanteste Bild ist die Autodafé Szene, die als einzige nicht im Einheitsraum spielt. Auf der Rückwand ist das Emblem der spanischen Inqusition zu sehen, mit dem Rundum-Schriftzug: "Exurge Domine et judica causam tuam".


    Auf einem hohen Podest werden König Philipp der II. und Elisabeth hereingefahren, dahinter steht der Großinquisitor.


    Den mancherorts bizarren, bigotten und düsteren Katholizismus der spanischen Inquisition stellt Jürgen Rose dann in einem Festzug dar, in dem der ganze religiöse Pomp mit zahlreichen Heiligen und Märtyrern aufscheint. Die sich drehenden Figuren fahren auf vorüberziehenden Wagen vorbei wie Spielfiguren, umgeben von zahlreichen blinkenden Lämpchen. Dahinter laufen Engelchen und Büßer mit der charakteristischen Spitzhaube aus der Semana Santa, so wie der ganze Zug an die Prozessionen der Semana Santa erinnert.


    Brutal realistisch wird es dann bei der Ketzerverbrennung. Auf einem riesigen brennenden Scheiterhaufen zappeln blutverschmierte Statisten (keine Puppen!). Dazu die pseudo-fröhliche, makabre Musik: dieses Bild läßt einem das Blut in den Adern gefrieren.


    Bild wg. Urheberrecht entfernt. motiaan für die Moderation


    In den letzten Bildern ist wieder der riesige Quader zu sehen, mit wenigen, charakteristischen Ausstattungsstücken oder Requisiten als Merkmal.


    Sehr subtil bringt Jürgen Rose Essentielles zum Ausdruck (ich würde ja sagen, "Kernaussagen", aber das Wort mag man hier ja nicht so ;-). Z.B. bedient er sich der Kostüme, um auf die unterschiedlichen Mentalitäten der Länder Frankreich und Spanien aufmerksam zu machen: die französische Damen tragen verspielte Kleider in Pastellfarben. Ganz anders die Spanierinnen in strengem Schwarz mit Goldborten. Überhaupt ist die vorherrschende Farbe bei den Spaniern schwarz, wie es ja zu dieser Zeit authentisch war.


    Personenregie: In dem fast kammerspielartigen Ambiente können sich in Roses Konzeption die Darsteller glaubhaft und überzeugend entwickeln.


    Diese Inszenierung ist ein ganz großer Wurf und ich hoffe, daß sie uns noch lange erhalten bleibt.


    Beim musikalischen Teil kann ich mich ziemlich kurz fassen, denn hier traf das zu, was man selten erlebt: alle Sänger waren großartig.

    Im Vorfeld gab es zwei Umbesetzungen, statt Krassimira Stoyanova sang Anna Maria Martinez die Elisabetta, statt Ildar Abdrazakov sang Dmitry Belosselsky den König Philipp II. Vor Beginn trat ein Herr vor den Vorhang (leichtes Aufstöhnen im Publikum) und sagte den Sänger des Posa Igor Golovatenko als erkältet an (kein Corona!).


    Ich fange gleich mal mit ihm an: wir haben uns gefragt, wie singt denn der gute Mann, wenn er gesund ist? ;) Das war eine Power, dazu ein schönes Timbre, liedhaft bei Posas Tod, ein wunderbar fließenden Bariton. Zum Niederknien.

    Der amerikanische Tenor Stephen Costello (Don Carlo) verfügt über eine freiströmende, leicht metallische Stimme mit sicherer Höhe. Auch darstellerisch war er ein anrührender Carlo.

    Eine Wucht im wahrsten Sinne des Wortes war Clémentine Margaine als Prinzessin Eboli. Die durchschlagkräftige Stimme hebt einen fast von den Sitzen. Leise und lyrisch zu singen ist ihr allerdings nicht so sehr gegeben.

    Dmitry Belosselsky verfügt über einen profunden "schwarzen Baß", dunkler timbriert als Ildar Abdrazakov. In puncto Darstellung hat letzterer allerdings die Nase vorn.

    Ein alter Bekannter ist Rafal Siwek als Großinquisitor, schwarze Stimme, unheimlich und bedrohlich.

    Und last but not least die Einspringerin Anna Maria Martinez als unglückliche Elisabetta. Ihr "Tu che la vanitá" erntete einen Reisenapplaus. Sie sang sehr expressiv, mit schöner mezza voce und berührender Phrasierung.

    Dazu kam noch, daß beide Damen bildschön aussahen.


    Dirigiert hat Andrea Battistoni, ein aufstrebendes Talent. Er hat nicht nur Temparament und Leidenschaft, sondern kann auch feine Klanggewebe spinnen. (Extra für Mauerblümchen ;) : das ist z.B. ein Dirigent, der KEINEN Frack trug, sondern ein schwarzes, etwas längeres Hemd).

    Ein einfühlsamer Sängerdirigent. Den Namen muß man sich merken.


    Großer, langanhaltender Beifall, Getrampel und Jubel. Der Saal war bis auf einige wenige Plätze ausverkauft.


    Kurzes Fazit: Reines Opernglück.


    Noch ein paar Anmerkung zu Verdis Verhältnis zur Kirche. Wie man ja weiß, war er der katholischen Kirche nicht sonderlich wohlgesonnen.


    Das Programmbuch meint dazu:


    Zitat

    Die Geistlichkeit tritt nicht nur am Rande auf, sondern steht im Zentrum des Geschehens. In wenigen Opern spielt die Kirche eine so grundlegende Rolle wie in Verdis "Don Carlo". Bemerkenswert ist vor allem der Blickwinkel. Die katholische Kirche ist hier nicht so sehr eine religiöse Autorität oder eine Zuflucht für leidende Seelen, sondern ein politischer Machtfaktor - für ein Opernwerk des 19. Jahrhunderts reichlich unkonventionell. Verdi stellt eine auf religiösem Fanatismus basierende Institution dar, die im Spanien des 16. Jahrhunderts die Menschen und auch die Monarchie vollständig kontrolliert (Anm.: "Dunque il trono piegardovrà sempre all'altar!") und in deren eisernem Griff alles Leben verdorrt.



    Die "Peter Grimes" Besprechung ist wirklich interessant, danke Giovanni di Tolon !

    Von einer Bekannten (großer Kaufman-Fan) habe ich natürlich über Kaufmann (Aufführung von letzter Woche, Mittwoch) nur das Allerbeste gehört.

    Ich werde mir noch überlegen, ob ich am Freitag reingehe.

    Daß Kaufmann besser ist als Stuart Skelton, kann ich mir vorstellen, ist vermutlich auch nicht schwer ;)

    Danke Dir, lieber Sadko, für Deine Dubarry-Besprechung! Wir hatten tatsächlich schon überlegt, deshalb nach Wien zu fahren, da wir Operettenliebhaber sind, was sagst Du, ist es das wert?

    Was die Mikrofone betrifft: in Operetten wird ja die Stimme zurückgenommen, es soll ja gerade nicht mit Opernstimme gesungen werden. Und Harald Schmidt braucht ganz sicher ein Mikro.

    Liebe Amelia, danke für Deinen Beitrag und die Gurre-Lieder, die interessieren mich natürlich schon!

    Lieber Gruß nach München, da war auch auch sooo oft zb viele Simone Boccanegra,

    Danke, Gruß zurück!

    Von den "Simones" habe ich keinen ausgelassen, allein sein "Filia" war zum Niederknien!

    Bei dieser Produktion durfte ich Franz Grundheber etwas näher kennenlernen, das habe ich hier im Thread schon geschrieben, da meine Tochter bei dieser Produktion Hospitantin war, das waren alles sehr nette Gespräche. Und seine Briefe (einen habe ich hier eingestellt) und Photos, die er mir geschickt hat, hüte ich wie meinen Augapfel!


    Mit dem Peter Besenbinder hat sich der Moderator wohl vertan. Ich glaube nicht, daß ich das falsch in Erinnerung habe, er sprach von 2018.


    Ja, viele schöne Erinnerungen! In Wien hörte ich ihn als Rigoletto und als Kardinal Borromeo. Beides großartig!

    Herzlich willkommen, liebe Amelia, alles bestens!


    Gestern habe ich noch an seinen Geburtstag gedacht, aber heute leider vergessen :(


    Umso besser, daß Du daran dachtest und danke für den youtube Eintrag.

    Und vor allem natürlich für den Hinweis auf die Sendung heute Abend!

    Auch in facebook wurde seiner gedacht, ebenso mit der "Liebe der Danae". Velleicht bist das ja Du? ;)


    Franz Grundheber Fanpage
    Franz Grundheber Fanpage. Gefällt 1.971 Mal · 1 Personen sprechen darüber. Fanseite für den Bariton Franz Grundheber
    de-de.facebook.com


    Happy Birthday, Herr Grundheber! :cincinsekt:


    Viele Grüße von München nach Wien!

    Ich habe ein SZ Abo als Digital Abo.

    Koschtet 9,99€ pro Monat oder 99€ pro Jahr.

    Das ist natürlich deutlich billiger. Umso ärgerlicher, daß bei dem teuren Papier-Abo das SZPlus nicht dabei ist.

    Und das mit dem vielen Papier ist schon wahr. Aber die SZ gehört bei uns einfach zum Frühstückstisch dazu, also die echte. Aber vielleicht werden wir doch mal umstellen. Auch schon deshalb, weil ich mich zunehmend über das Feuilleton ärgere.

    Danke für den Tip mit der Hotline!

    Aber ich lebe ja auch nicht um München, insofern interessiert mich das weniger. Wohl aber die jeweils neuesten Peinlichkeiten von Söder.

    Grins2


    Viele Grüße aus dem tiefen Süden nach dem hohen Norden!

    Kurz: ich halte die These, dass "der überwiegende Teil der Einnahmen der großen Zeitungen und Zeitschriften [...] von Steuergeldern kommt" für vollkommen unhaltbar.

    Wie schaut es mit der fast täglich beiliegenden zahlreichen Werbung aus? Was bringt das ungefähr ein?

    Dumm nur bei den papierhaften Zeitungs-Abos ist, dass diese stark abhängig sind von den jeweiligen Zeitungszustellern ... und wenn hier andauernd unzuverlässige Leute arbeiten oder es massiv gehäuft zu krankheitsbedingten Ausfällen kommt und man die Zeitung dann statt morgens erst abens lesen kann, dann hat man als Abonnent irgendwann keine Lust mehr darauf ....

    Das kommt bei uns schlimmstenfalls einmal im Jahr vor. Unser langjähriger Zusteller ist absolut zuverlässig.