Beiträge von ira

    Vielen Dank, lieber thomathi, für diese farbige Schilderung!


    Ich habe vom Decker-"Ring vor 20 Jahren, im Jahr 2003 den "Siegfried" gesehen.

    Die musikalische Leitung hatte damals Michael Boder. Wanderer war Robert Hale, für mich immer noch unübertroffen als Wotan / Wanderer, sowie als Holländer.

    Siegfried - Alfons Eberz

    Mime - Robert Wörle

    Alberich - Hartmut Welker

    Fafner - Kurt Rydl

    Erda - Christa Mayer

    Brünnhilde - Deborah Polaski

    Waldvogel - Christiane Hossfeld


    In ihrer Entstehungszeit dem Regietheater zugeordnet, kommt Deckers philosophische Behandlung des „Ring des Nibelungen“ als großes Welttheater nahezu klassisch daher und gilt für viele konservativen Wagnerianer inzwischen als Meilenstein, während sie die Verfechter des Regietheaters als verstaubt verteufeln.

    Klassisch heißt nicht "verzopft", antiquiert" oder "plüschig", wie von den RT-Fans gerne behauptet.

    Die RT-Verfechter verteufen alles als "verstaubt", was den Stoff nicht auf den Kopf stellt.

    Ich kann mich an Einzelheiten nicht mehr erinnern, wohl aber daran, daß mir die Inszenierung sehr gut gefallen hat. Alles war stimmig, nichts verfremdet. Und der "Siegfried" war witzig. Ich erinnere mich noch an die Szene Alberich / Wanderer, wie die beiden - wie in einem Theater nebeneinander in den Stuhlreihen sitzend - Siegfrieds Kampf mit dem Drachen zusehen und ihre Kommentare abgeben.

    Der "Siegfried" hat ja durchaus etliche komische Elemente und die hat Willy Decker sehr schön zur Geltung gebracht.

    OT: nach der Aufführung waren wir im Taschenberg Palais und hatten einen Tisch neben Wolfgang Wagner. Wir kamen ins Gespräch und ich fragte ihn, wie ihm die Aufführung gefallen hat. Daraufhin sagte er einen denkwürdigen Satz, den ich nicht vergessen habe, aber immer noch nicht weiß, was er damit eigentlich sagen wollte:

    "Wagner gefällt einem nicht, mit Wagner beschäftigt man sich." :/

    Weiß jemand aus dem Forum, ob Anja Harteros ihre Karriere offiziell aufgegeben hat?

    Das glaube ich nicht, denn in München ist sie mehrmals in der Saison angekündigt (genau neunmal). Im April drei Isolden, in den Festspielen zweimal Desdemona, ein LA, und nochmal drei Isolden.

    Möglicherweise singt sie nur mehr in München.


    Harteros Anja
    Anja Harteros zählt seit ihrem Sieg beim Wettbewerb BBC Cardiff Singer of the World 1999 zu den führenden Sopranistinnen ihres Fachs und ist
    www.staatsoper.de

    Richard Wagners Intention bestand darin, dass er Stücke, die er ausdrücklich als Musikdramen mit Bühnengeschehen konzipiert hat, rein konzertant aufgeführt haben wollte?

    Eben, genau das wollte er ja mit seinem "Geamtkunstwerk" nicht. Bühne und "Mucke" ;) gehören bei ihm zusammen. Nur so wollte er seine Werke aufgeführt sehen.

    Ich glaube nicht, dass das mit irgendwelchen allgemeinen Lehrsätzen möglich sein wird, weshalb zu empfehlen ist, dass man die entsprechende Einschätzung am Einzelfall begründet.

    Natürlich. Da es mir aber vorhin darum ging, in etwa zu formulieren, was ich meine, und gerade kein Einzelfall da war....

    Ich meine mich zu erinnern, dass ich einen "Tannhäuser" von ihm vor vielen Jahren in München gesehen habe. Genauer: selbstverständlich erinnere ich mich daran, dass ich seinerzeit "Tannhäuser" in München gesehen habe, nur war die Inszenierung so nichtssagend, dass ich mir nicht mehr sicher bin, ob sie von Pountney war. Ich drücke Dir die Daumen, dass es heute für Dich szenisch spannender wird!

    Kann es sein, daß Du David Alden meinst? Dessen "Tannhäuser" hatte 1994 im Nationaltheater Premiere. Aber "nichtssagend" stimmt.... ;)

    Von David Pountney hatten wir: Die Ausflüge des Herrn Brouèek, Aida, Katja Kabanova, Faust, Moses und Aron.

    Alles gesehen, alles unspektakulär, aber direkt langweilig würde ich nicht sagen.

    Trotzdem drücke auch ich Dir die Daumen, lieber Sadko und wünsche Dir einen schönen Abend!

    Das kann ich nicht beantworten, weil ich ja nicht in den Kategorien "Klassiker" vs. "Regietheater" denke.

    Danke für Deine Antwort!

    Damit hast Du klar recht, lieber Sadko, das läßt sich nicht punktgenau trennen, die Übergänge sind fließend.

    Aber es gibt natürlich Tendenzen.

    Andreas Dresen und Adolf Dresen habe ich auch lange verwechselt. Adolf Dresen hat, wenn ich mich recht erinnere, den Wiener "Ring" 1992 gemacht. Ich weiß noch, wie Karl Löbl das "Rheingold" verrissen hat. Und mir hat's gefallen, der ganze "Ring". Sehr gut erinnere ich mich noch an Siegfried Jerusalem als Loge, das war eine großartige Darstellung. Und an sein "Kappl" als Anlehnung an Herbert Kapplmüller, den Bühnen- und Kostümbildner, dessen (passendes) Markenzeichen ja dieses Kapperl war;)

    Ja, der Wiener Stehplatz, der ist einzigartig auf der Welt. Aber das System hat sich ja wohl mittlerweile geändert, wie ich irgendwo gelesen habe.

    Den Link werde ich mir bei Gelegenheit anschauen (Karl Löbl ist ja da auch dabei), danke dafür!

    Ich glaube, das paßt jetzt hierher:


    Die (Opern-)Welt ist eben nicht schwarz-weiß 8)


    Das ist aber doch - Spaß beiseite - mein Punkt. Es kommt nicht primär darauf an, nach welchen Prinzipien eine Inszenierung gemacht ist, ob sie strikt dem Libretto oder irgendeiner ominösen Werktreue folgt, sondern lediglich darauf, was - mit Helmut Kohl gesprochen - "hinten rauskommt".

    Da habt Ihr beide absolut recht.

    Ich habe ja auch schon Amfortas gesagt, daß ich nicht zu den RT-Phobikern gehöre (ich glaube fast, darüber war er ein bißche enttäuscht Grins1 ).

    Mir gefallen natürlich auch Inszenierungen nicht, die zopfig, plüschig, ideenlos und einfach gestrickt daherkommen, und hauptsächlich aus Rampensingen bestehen.

    Aber es gibt bei mir halt Grenzen. Um das Wort "Kernaussagen" zu vermeiden: die wesentlichen Inhalte sollten schon klar und deutlich rüberkommen, ohne all zu viel Brimborium.

    Noch etwas zu Simone Stone: was ich sehr gut fand in der "Toten Stadt", er hat auf seine sonst so von ihm geliebten Video-Einspielungen verzichtet. Mit denen stehe ich nämlich (meistens, nicht immer) auf Kriegsfuß.

    Noch eine Frage: ist Andreas Dresen eigentlich zu den Klassikern zu zählen oder zum "RT"?

    Wir haben nämlich nächsten Sonntag "La Fanciulla del West" (Malin Byström, Jonas Kaufmann, Claudio Sgura, Dirigent Daniele Rustoni), das hat er inszeniert. Wir haben es schon mal gesehen, und um mit Hänschen Rosenthal zu sprechen: "Es war Spitze!" :)


    Schönen Sonntag!

    Lieber Sadko,


    es war 2019. Ich muß sagen, wir hatten damals natürlich tolle Bedingungen mit Kirill Petrenko, Jonas Kaufmann und Marlis Petersen. Ich hatte damals auch einen Bericht geschrieben, aber der ist ja nun leider weg.

    Ja, mir hat die Inszenierung gefallen! Die Personenregie von Simon Stone traf natürlich auf großartige Sängerdarsteller. Der Frank war ein gewisser Andrzej Filonczyk, den ich nicht kannte und der nicht ganz auf dem Niveau der anderen war.

    Ursprünglich sollte Stefan Herheim die Inszenierung machen, aber der sagte ab. Simon Stones Inszenierung war vorher schon 3 Jahre in Basel gelaufen. Unter seiner Ägide wurde das Stück fast zum Psychothriller. Nicht Brügge ist der Schauplatz, sondern ein gleißend heller, fast aseptischer Bungalow. Pauls Traum wird hier als Psychose gedeutet. An Krebs gestorben ist Marie, aber in seiner Verwirrung verwischen sich Wirklichkeit und Traum. Er sieht Marietta unter der Chemotherapie mit kahlem Kopf und dann mit Perücke. Diese Szenen nehmen einen ziemlich mit. Die psychische Verfassung Pauls ist vollkommen desolat. Das wird großartig gespielt von Jonas Kaufmann. Er schenkte sich nichts, hängte sich vollkommen rein in die Rolle. Ebenso Marlis Petersen. Bei seinem Erwachen aus der Psychose verläßt Marietta ihn (sie ist also nicht in Wirklichkeit gestorben) und Paul kann nun endlich mit der Trauerarbeit beginnen.

    Ein handwerklicher Fehler ist dem Regisseur unterlaufen, das Bungalow dreht sich immer wieder, aber leider so, daß man von bestimmten Plätzen aus die Seiten nicht mehr einsehen kann.

    Aber es war trotzdem ein Abend, der hängen bleibt.

    Wenn man darüber schreibt, kommt auch die Erinnerung - zumindest in Teilen - wieder zurück, und das ist wunderbar. Darum danke ich Dir nochmals für Deinen Beitrag.


    Einen schönes Wochenende + LG!


    ira

    Wenn du lesen kannst, es ging um Jonas Kaufmann!

    Wenn Du lesen kannst, um Jonas Kaufmann ging es gar nicht. Den nannte ich nur ganz nebenbei, als Beispiel für Fangemeinden und kritiklose Verehrung.

    aber du hast ja mittlerweile eine tolle Freundin an deiner Seite, :etsch1: frag sie doch mal wie das mit den Seitenhieben ist sie kennt sich das bestens aus!

    Was soll eigentlich dieses ganze Gift? Faß Dich in puncto Seitenhiebe am besten an die eigene Nase!