Beiträge von Hans Pork

    In der Tat ein wunderbares Werk, das ich gerne häufiger live erlebt hätte. Ich weiß auch nicht warum, aber: Ich habe es nur ein einziges Mal auf der Bühne gesehen, vor 20 Jahren an der Berliner Staatsoper. Kurioserweise hat damals auch Barrie Kosky (noch als junger Regisseur) inszeniert, aber es handelt sich um eine komplett andere Produktion als die von "stimmenliebhaber" an der KOB erlebte. René Jacobs dirigierte. Der Orfeo von Stéphane Degout ist mir dabei in guter Erinnerung. Wenn ich das Werk auf CD höre, dann auch die Jacobs-Studioaufnahme. Hier singt Laurence Dale. Ein Urgestein der Barock-Interpretation. Inzwischen ist er vermehrt als Regisseur tätig. Aber auch er gefällt mir.

    Contessa:

    historisch:

    1. Jessye Norman - In der ohnehin hervorragenden Davis-Studioaufnahme ein abolutes Highlight. Kein Mozart-gesang, wie er heute der historisch informierten Praxis entsprechen würde, aber Stimmschönheit, Ausgeglichenheit, ewiger Atem und zarteste piani sprechen für diese Ausnahemsängerin.

    2. Karita Mattila - Die immer ein bisschen unterkühlt wirkende Finnin hatte in der Contessa neben der Jenufa wahrscheinlich ihre beste Partie gefunden. Sehr kontrolliert verzückt sie mit gestalerischer Freiheit und großem, aber nie pathetischen Ton. Das Highlight auf der ohnehin unterschätzten Sony-Studioaufnahme unter Zubin Mehta.

    3. Elisabeth Grümmer - Der legendäre Mitschnitt eines Japan-Gastspiels der Deutschen Oper Berlin 1963 in Tokio zeigt die große Sängerin auf der Höhe ihres Schaffens. Schöner, klarer, aristokratischer, kontrollierter und doch darstellerisch freier kann man die Rolle wahrscheinlich nicht singen.

    live erlebt:

    1. Anja Harteros - Führt man sich das frühe (wahrscheinliche) Karriere-Ende dieser Ausnahmesängerin vor Augen, werden die Erinnerungen an große Abende mit dieser Sängerin umso wehmütiger. Einer von diesen: Eine Serie "Figaro" im Mai 2012 am Nationaltheater München, wo Harteros alle Register ihres Könnens zog und sich als große Mozart-Sängerin erwies.

    2. Adrianne Pieczonka - 2003 an der Berliner Staatsoper unter Daniel Barenboim live erlebt. Großer, fülliger, runder Mozart-Klang, immer souverän und nie um individuelle Darstellungs-Momente verlegen.

    3. Krassimira Stoyanova - Erlebte ich ebenfalls 2003 in Berlin, allerdings an der Deutschen Oper. Das erste Mal, dass ich diese Sängerin erlebte (viele weitere Male sollten folgen). Der schöne, runde, souveräne Ton der Bulgarin begeisterte mich sofort. Auch auf der Bühne immer mit einer dezenten aristokratischen Autorität.

    Ebenfalls live erlebt: Camilla Nylund, Michaela Kaune, Regina Schörg, Janice Watson, Emma Bell, Maria Bengtsson, Bettina Jensen, Sinéad Mulhern, Brigitta Kele, Caroline Melzer, Rena Harms, Melba Ramos

    Heute folgt eine Rolle in einer Sprache, die bisher hier nicht zum Zuge gekommen ist. Gleichzeitig handelt es sich um eines der bedeutendsten Werke des 20. Jahrhunderts. Ich nenne heute die Titelpartie aus A kékszakállú herceg vára (Herzog Blaubarts Burg) von Béla Bartók.

    historisch:

    1. Obwohl das Werk von vielen bedeutenden ungarischstämmigen Dirigenten eingespielt wurde, hat für mich persönlich die Aufnahme unter Antal Dorati und dem London Symphony Orchestra Ausnahmerang. Der Titelrolleninterpret Mihály Székely hat das Werk mehrfach aufgenommen, hier aber überzeugt er besonders durch seine idiomatische Vornehmheit, seine aristokratische Farbgestaltung sowie seine dramatischen Ausbrüche. Hier kann man die ganze Aufnahme nachhören:

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    2. Dietrich Fischer-Dieskau - Auch er hat das Werk mehrfach eingespielt, mit forschreitender Karriere auch auf Ungarisch. Dennoch liebe ich vor allem die deutschsprachige Aufnahme unter Ferenc Fricsay aus dem Jahr 1958. Fischer-Dieskau ist kein bassgewaltiger Sänger wie Székely, aber ein brillianter Wort-Gestalter. Durch seine kühle, fast artifizielle Sprachbehandlung wird die Figur in ein pathologisches Licht gerückt, was das Zuhören enorm spannend macht:

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    3. Samuel Ramey - Eine ganz andere Herangehensweise als die beiden Erstgenannten. Hier entsteht die Gefährlichkeit der Figur durch die großen vokalen Mittel. Mit Ádam Fischer steht ihm ein kompetenter Partner zur Verfügung, der darüber hinaus großen Wert auf stilistische Sauberkeit legt:

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    live erlebt:

    1. Johannes Martin Kränzle - Erlebte ich 2013 sehr überzeugend an der Oper Frankfurt in der genialen Inszenierung von Barrie Kosky. Keine genuine Blaubart-Stimme, aber ein fantastischer Singdarsteller, der sich fast jede Partie zueigen machen kann. Hier Ausschnitte von ihm in einer konzertanten Aufführung mit den Berliner Philharmonikern:

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    2. Bálint Szabó - Ihn erlebte ich 2016 an der Staatsoper Hamburg in der Neuinszenierung von Dmitri Tcherniakov unter der Leitung von Péter Eötvös. Eine psychologisch hochinteressante Deutung fernab von der üblichen Brutalität, die Abgründe ergaben sich hier aus einer detaillierten Innenbetrachtung. Hier der Trailer der Produktion, kombiniert war das Werk übrigens mit dem von Eötvös als Ergänzug zu "Blaubart" komponierten Einakter "Senza Sangue":

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    3. Robert Hale - Ihn erlebte ich 2003 an der Deutschen Oper Berlin in der letzten Serie der Friedrich-Inszenierung. Darstellerisch und vokal wie immer zuverlässig, man merkte ihm die mehrjährige Erfahrung mit der Partie positiv an. Leider in dieser Rolle nicht zu verlinken, statt dessen ein bisschen Wotans Abschied:

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    Ebenfalls live erlebt: Bogdan Talos

    Leonore:

    historisch:

    1. Sena Jurinac - Mit ihrer überaus beweglichen Stimme sowohl unter Klemperer als auch unter Knappertsbusch eine der am schönsten anhörbaren Leonoren. Keine große dramatische Stimme, aber voll Anmut und Agilität.

    2. Kirsten Flagstad - Unter Bodanski und vor allem unter Bruno Walter live aus der Met eine der ganz großen Interpretinnen. Große alte Diven-Schule, ohne jedoch zu irgendeinem Zeitpunkt unnatürlich zu wirken.

    3. Birgit Nilsson - Perfekt kontrollierte Leistung, nicht nur in der Studio-Aufnahme unter Maazel, sondern auch in zahlreichen Live-Mitschnitten, aber auch in der Römer Rai-Radioaufnahme unter Leonard Bernstein. Der typische Nilsson-Klang ist immer hörbar. Nicht die wärmste Herangehensweise, aber in ihrer Unbestechlichkeit dennoch sehr überzeugend.

    live:

    1. Waltraud Meier - Die Tessitura dieser Rolle machte ihr immer Schwierigkeiten. Zum einen geht das aber den meisten Interpretinnen so, zu anderen machte sie das kraft ihrer Persönlichkeit immer wieder wett. Die wahrscheinlich charismatischste Leonore. Mehrfach and er Staatsoper Berlin live erlebt.

    2. Angela Denoke - Live erlebt unter Simon Rattle mit den Berliner Philharmonikern. Näherte sich der Partie mit leichten Höhen aus dem Geist der Spätklassik. Hatte immer eine kühlere Ausstrahlung als die Meier, das passte hier aber gut, da sie eine Frau zeigte, die permanent um Selbstkontrolle rang.

    3. Evelyn Herlitzius - Live erlebt an der Deutschen Oper Berlin. In der Höhe oft offen und wenig wohlklingend, aber mit unglaublichem Willen und nie versiegender Energie.

    Ebenfalls live erlebt: Kirsi Tiihonen, Janice Baird, Ann Petersen (in der 1805er Fassung), Christiane Libor, Camilla Nylund, Eva Johansson, Petra-Maria Schnitzer, Nadja Michael

    Gilda:

    historisch:

    1. Bidù Sayao - an den 45er Met-Mitschnitt kommt in puncto Besetzung für mich wirklich nichts heran. Sayao hat genügend Biss, um die Partie nicht ins Puppenhafte abgleiten zu lassen. Trotzdem: gestochen scharfe Koloraturen in "Caro nome".

    2. Lily Pons, die in den 30er/40ern an der Met zahlreiche Vorstellungen als Gilda absolvierte ist zwar etwas mädchenhafter als Sayao, verfügt aber über so viel gestalterische Raffinesse, dass die Figur dennoch stark bliebt. Vokal ohnehin herrlich, alte Schule, toller Verdi-Gesang.

    3. Erna Berger - Machte natürlich nicht zu Unrecht in dieser Partie Weltkarriere. Beide Gesamtaufnahmen (unter Heger auf deutsch, unter Cellini originalsprachig) zeugen von der hohen stilistischen und technischen Kompetenz dieser hervorragenden Sängerin. Gestalterisch liegt mir persönlich Sayao näher, aber das ist Geschmackssache.

    live:

    1. Olesya Golovneva - Wirkt auf der Bühne immer ein bisschen crazy, identifiziert sich aber bis zur Verausgabung mit den dargestellten Rollen. Als ich sie 2013 als Gilda an der Rheinoper erlebte, kam vokale Qualität (mittlerweile klingt sie mir häufig zu maniriert) und aufopferungsvolle Darstellung bewundernswert zusammen.

    2. Ekaterina Siurina - Live erlebt 2005 an der Deutschen Oper Berlin. Tolle, technisch einwandfreie Gesangsleistung, mühelose Koloraturen und mädchenhafte Ausstrahlung. Unter einigen Interpretinnen, die ich in der Neuenfels-Inszenierung erlebte, sicher die beste.

    3. Olga Peretyatko - In einer fantatisch besetzten Wiener Serie 2016 (neben Flórez und Carlos Álvarez) eine schönstimmige, selbstbewusste Gilda, die technisch allen Anforderungen gewachsen war. Dazu ein selbstbewusstes Rollenportait, trotz der eher mauen Inszenierung (Pierre Audi).

    Ebenfalls live erlebt: Gwendolyn Bradley, Leah Partridge, Valentina Farcas, Brigitte Geller, Ofelia Sala, Marta Torbidoni, Nadine Sierra, Luiza Fatyol, Patrizia Ciofi, Albina Shagimuratova

    Boccanegra:

    historisch:

    1. Lawrence Tibbett - Der wohl größte Interpret dieser Partie. Hier passt alles: vokale Autorität, Farben, Linien. Beide Met-Mitschnitte unter Panizza (35 und 39) sind ein must-have.

    2. Leonard Warren unter Stiedry 1950 - Vaterliebe und Politik finden in Warrens anrührender Darstellung beidermaßen wieder. Harmoniert wunderbar mit Varnay und Tucker.

    3. Tito Gobbi - In der Santini-Aufnahme aus dem Jahr 1957 auf der Höhe seiner gestalterischen und voaklen Mittel. In "Plebe patrizi, popolo" wird einmal die gestalterische Dimension vom Himmel bis zur Hölle ausgereizt.

    live:

    1. Franz Grundheber - Ein wunderbarer Interpret der Partie, die ihm aufgrund seiner natürlichen Autorität immer besonders gut lag. Erlebte ich 2009 in Wien mit 72 Jahren noch mal wirklich atemberaubend in dieser Rolle.

    2. Plácido Domingo - Die erste genuine Bariton-Partie, in der ich ihn live erlebte. Bei ihm merkte man in jeder Sekunde, welche eine Herzensangelegenheit diese Figur für ihn war. Der wahrscheinlich leidenschaftlichste Interpret.

    3. Christopher Maltman - Sang in Frankfurt einer Wiederaufnahme der sehr gelungenen Loy-Inszenierung. Weniger väterlich als Domingo und Grundheber, aber ein scharfer politischer Beobachter. Ein großer Moment, wie er Paolo dazu zwang, sich selbst zu verfluchen.


    Außerdem live erlebt: Roberto Frontali, Anthony Michaels-Moore, George Gagnidze

    Nun zu Billy Budd:

    nicht live erlebt:

    1. Peter Glossop - Theodor Uppmann, der Titelrolleninterpret der Uraufführung, ist in einem Mitschnitt aus der ersten Serie 1951 (und in einem Film aus demselben Jahr) zwar auch dokumentiert, aber wirklich bekannt gemacht hat die Rolle Glossop. Das liegt an dem höheren Bekanntheitsgrad der Studio-Aufnahme unter Leitung des Komponisten. Auch die Mackerras-Verfilmung ist bekannt. Nicht ganz der jugendlich-naive Vortoppmann, durchaus kernig, aber sprachlich und auch gestalterisch überzeugend.

    2. Thomas Hampson - In der Nagano-Aufnahme ein überaus schönstimmiger, beinahe schon edler Titelheld. Überzeugt mit einer am Liedgesang geschulten klaren Artikulation.

    3. Bo Skovhus - Beeindruckte mich in der 3Sat-Übertragung der Decker-Inszenierung aus Wien vor allem darstellerisch. Hatte nie Hampsons schönen Klang, machte aber einen ungezügelten jungen Mann mit großen körperlichen Kräften glaubhaft.

    live erlebt:

    1. Simon Keenlyside - 2002 in Wien live erlebt - er brachte eigentlich alles mit: (damals) Jugendlichkeit, tolle darstellerische Präsenz, Muttersprachlichkeit und fantastische Gesangslinien. Ein echtes Erlebnis.

    2. Adrian Eröd - Sang 2011 eine Wiederaufnahme-Serie in Wien. Ganz anders als Keenlyside und Skovhus. Ihm ging jede Naivität ab, dennoch aber lieferte er ein im Rahmen seiner Möglichkeiten interessantes Rollenportrait.

    3. Lauri Vasar - In der tollen Düsseldorfer Produktion von Immo Karaman ein überzeugender Titelheld. Eine beinahe kafkaeske Interpretation der Figur: Ein Mensch der schuldlos ist die Fänge einer großen Maschinerie gerät und dieser nicht mehr entrinnen kann. Hier wurde vor allem die Ausweglosigkeit von Billys Schicksal sehr deutlich.

    Rodolfo:

    historisch:

    1. Beniamino Gigli - in der 38er Aufnahme unter Umberto Berrettoni kein ganz jugendlich-schwärmerischer Dichter mehr, aber stilistisch-gestalterisch eine echte Wonne. Harmoniert wunderbar mit Licia Albanese.

    2. Luciano Pavarotti - Auf der zu recht gerühmten Karajan-Aufnahme der wohl schönstimmigste Poet der Aufnahmen-Geschichte. Verlässt sich aber nicht allein auf seinen unverwechselbaren Klang, sondern durchdringt Text und Musik.

    3. Carlo Bergonzi - Die 58er Studio-Aufnahme unter Serafin hat wegen der von einigen als (zu) reif empfundenen Mimì von Renata Tebladi keinen uneingeschränkt guten Ruf. Ich persönlich mag Tebaldi in der Aufnahme sehr, höre sie aber ebenso gerne wegen des kultivierten, klangschönen Rodolfos, den Bergonzi darstellt.


    live:

    1. Marcelo Álvarez - 2006 an der Wiener Staatsoper im Vollbesitz seiner vokalen Möglichkeiten und noch mit einer gehörigen Portion jugendlicher Naivität ausgestattet. Der Tod vom Mimì traf ihn sicht- und hörbar wie ein Blitz.

    2. Piotr Beczala - mehrfach an der Wiener Staatsoper live erlebt. Wenn er gut in Form war, konnte er einen strahlenden, mühelosen Poeten verkörpern. Weniger ungestüm als Álvarez, dafür eigentlich immer mit vokaler Kontrolle.

    3. Rolando Villazón - Alternierte in Berlin 2001 mit dem damals wesentlich berühmteren Roberto Alagna und begeisterte das Publikum aufgrund seiner Natürlichkeit und seines Charmes. Sang die Partie auch 2002 an der Berliner Staatsoper.


    Ebenfalls live erlebt: Stephan Spiewok, Harrie van der Plas, Timothy Richards, Fernando de la Mora, Franco Farina, Roberto Alagna, Tito Beltrán, Fernando Portari, Stefano Secco, Giuseppe Sabbatini, Miroslav Dvorský, Yosep Kang, Jonas Kaufmann, Ramón Vargas, Ho-yoon Chung, Oliver Kook, Pavel Cernoch, Richard Leech, Massimo Giordano, Francesco Liberatore, Felipe Rojas Velozo

    Filippo II

    historisch:

    1. Boris Christoff - Wenn man einen Lexikoneintrag zum Thema "vokale Autorität" verfassen würde, könnte man einfach daneben sein Bild abdrucken. Trotz der knorrigen Stimmfärbung, die nicht jedermanns Sache ist, ein toller, differenzierter Monarch. In beiden Studio-Aufnahmen gut, aber beispielsweise auch im 58er Londoner Mitschnitt unter Giulini.

    2. Cesare Siepi - die edlere Variante zu Christoff, interpretatorisch nicht ganz so ausgefeilt, aber stimmlich beinahe unangefochten. Zahlreiche Live-Mitschnitte unter den verschiedensten Dirigenten. Auch die 54er Cetra-Aufnahme hat ihre Meriten. Kurioserweise gingen die großen Studio-Gesamtaufnahmen an ihm vorbei.

    3. Nicolai Ghiaurov - nicht der größte Interpret unter der Sonne, aber ich mag die Karajan-Studioaufnahme mit ihm als Filippo so gerne, dass ich ihn hier nenne. Großer, runder Klang auf hohem Nieveau.


    live:

    1. Matti Salminen - 2008 an der Wiener Staatsoper live erlebt - da war er stimmlich noch im Vollbesitz seiner Kräfte. Große, monumentale vokale Darstellungskunst, die es einem kalt den Rücken hinunterlaufen ließ.

    2. Ferruccio Furlanetto - live 2006 an der Wiener Staatsoper erlebt. Sein Hang zu vokaler Larmoyanz störte mich in den meisten anderen Partien, als Filippo war er aber eine Bank. Idiomatische Sprachbehandlung, Wohlklang und Wille zur Gestaltung kamen hier zusammen.

    3. René Pape - an der Staatsoper Berlin, der Wiener Staatsoper, der Bayerischen Staatsoper und am Nationaltheater Mannheim live erlebt. Steigerte sich über die Jahre zu seinem wissenden, gefährlichen König Philipp. Wechselte wie kaum ein anderer zwischen balsamischen und aggressiven Tönen und rückte die Figur in eine beinahe pathologische Richtung.

    Ebenfalls live erlebt: Alastair Miles, Ain Anger (beide sowohl italienisch als auch französisch), Giacomo Prestia, Kwangchul Youn, Roberto Scandiuzzi, Ildebrando d'Arcangelo, Sung Ha, Marko Spehar, Alexander Vassilev, Balint Szábo, Liang Li, Adrian Sampetrean

    Als heutige Rolle nenne ich trotz der vielen Tenor-Rollen der letzten Tage den Eléazar aus "La Juive" von Fromental Halévy. Eine der vielschichtigsten Tenorpartien den Repertoires, einer der widersprüchlichsten und interessantesten Charaktere dieses Genres. Früher einer der selbstverständlichsten Gipfelpunkte in der Karriere großer Tenöre. In den letzten Jahren findet sich das Werk wieder vermehrt auf den Spielplänen großer Opernhäuser. Trotzdem ist es erstaunlich, dass es beispielsweise in Berlin keine einzige Produktion an einem der großen Opernhäuser nach dem Krieg gegeben hat.

    historisch heißt in diesem Fall auch die Brüche der Rezeption mit abzubilden:

    1. hier müsste eigentlich Enrico Caruso stehen, aber das Material, was von seiner Interpretation überliefert ist, ist zu gering, um daraus tatsächlich auf eine Rolleninterpretation seriös schließen zu können. Ich nenne statt dessen, gewissermaßen stellvertretend für die Tenöre der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Giovanni Martinelli, der mit einem kompletten zweiten Akt aus San Francisco sowie den üblichen Arien-Ausschnitten dokumentiert ist. Von der großen Arie gibt es sogar einen Videomitschnitt aus dem Jahr 1928 (!), den ich hier verlinke. Ein großer Tenor der alten Zeit, der diese Partie neben Otello als seine beste angesehen hat. Ein Sänger mit einer großen, noch am Belcanto geschulten Technik und großem Gestaltungswillen. Über die fast durchgängig falschen französischen Vokale hören wir gnädig hinweg auch weil Singen in der so genannten Originalsprache damals einfach nicht üblich war:

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    2. Als DEN großen Interpreten dieser Figur nach dem Zweiten Weltkrieg nenne ich hier selbstverständlich Richard Tucker. Er hat sich auch mit großem persönlichen Einsatz für Aufführungen dieses Werkes stark gemacht, seine explosive, höchst leidenschaftliche Interpretation dieser Figur ist immer wieder mitreißend und wahrscheinlich so nie wieder erreicht worden. Das existenzielle Drama im Inneren des zwischen Tochterliebe und Rache zerrissenen Mannes wird hier deutlich wie kaum woanders. Es gibt zahlreiche Mitschnitte, auch einen Studioquerschnitt, die liebste Aufnahme ist mir aber ein Mitschnitt aus der Royal Festival Hall 1973 unter Anton Guadagno. Hier die große Arie mit dem unbeschreiblichen, großen Jubel des Publikums, der zeigt, wie sehr Tucker in dieser Rolle elektrisiert hat:

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    3. Als dritten "historischen" nenne ich einen Interpreten, der auf der Bühne die Partie gar nicht verkörpert hat. Zur Geschichte der Brüche der Rezeptionsgeschichte gehört auch die Tatsache, dass es nur eine "echte" Studioaufnahme davon gibt und zwar die 1989 von Philips produzierte Aufnahme unter Antonio de Almeida. Hier singt José Carreras den Eléazar und man hört ihm trotz aller idiomatischen Schwierigkeiten und technischen Unzulänglichkeiten durchaus gerne zu. Verdienstvoll war dieses Unterfangen alle mal und deshalb verdient es, hier genannt zu werden:

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    live:

    1. Neil Shicoff - Ihn erlebte ich 2010 und damit reichlich spät in Wien in der auf ihn zugeschnittenen Inszenierung von Günter Krämer. Er sparte sich damals schon einige Nummern, die er zur Premiere noch gesungen hatte (u.a. die Cabaletta nach der großen Arie im vierten Akt), war aber natürlich in dieser Partie nach wie vor ein Erlebnis. Der ruhelose Goldschmied lag dem begnadeten Sängerdarsteller aufgrund ihrer Emotionalität und ihrer Widersprüche und das konnte er hervorragend dem Publikum vermitteln:

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    2. Michal Lehotský - Er sang diese Rolle 2017 am Nationaltheater Bratislava in der Inszenierung Peter Konwitschnys und war ein sängerisch wie darstellerisch hervorragender Interpret, wenn auch nicht von Natur aus mit der schönsten Stimme gesegnet. Außerhalb Tschechiens und der Slowakei ist dieser wirklich gute Sänger leider zu wenig bekannt. Sein Eléazar zeigte einmal mehr, welche Schätze in den Ensembles einiger Häuser schlummern:

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    3. Roberto Saccà - Ihn erlebte in Gent und in Straßburg ebenfalls in der Konwitschny-Inszenierung. An Mozart geschult, sang er diese Partie mühelos und legte sich im Rahmen seiner Möglichkeiten auch darstellerisch ins Zeug, ohne jetzt an die Intensität von Shicoff heranzureichen. Dennoch eine kultivierte und sängerisch durchdachte Interpetation dieser schweren Partie:

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    Ebenfalls live erlebt: Jean-Pierre Furlan, Roy Cornelius Smith, Zurab Zurabishvili

    Max historisch:


    1. James King - Sowohl auf dem Wiener Mitschnitt unter Karl Böhm 1972 als auch auf dem ein Jahr später entstandenen italienischen Radiomitschnitt unter Wolfgang Sawallisch vokal eine echte Wohltat. Verliert trotz heldischer Power nie die Stimmschönheit.

    2. Lorenz Fehenberger - Der heute fast in Vergessenheit geratene Sänger (und Gesangspädagoge) stattet die Figur auf dem Dresdner Mitschnitt unter Karl Elmendorff mit einer gehörigen Portion Jugendlichkeit aus. Gleichzeitig ist sein obertonreiches Singen und seine vorzügliche Sprachbehandlung ein Zeugnis gestalterischer und sängerischer alter Schule.

    3. Hans Hopf - Das Naive dieser Figur arbeitet kaum ein zweiter Interpret derart plastisch heraus... Vokal äußerst eindrücklich, wobei ich die Kleiber-Aufnahme besser im Ohr habe als den Salzburger Mitschnitt. Die frühere Ackermann-Aufnahme kenne ich tatsächlich gar nicht.


    live:

    1. Peter Seiffert - Behielt diese Partie über lange Zeit im Repertoire, selbst als er bereits der Tristan und Tannhäuser vom Dienst war. Behielt sein unverwechselbares Timbre stets bei, mühte sich manchmal in der Tiefe etwas. Dennoch ein durch und durch überzeugender Vertreter dieser Partie, was auch an seiner Textbehandlung lag. Live erlebt in Salzburg und in Köln.

    2. Herbert Lippert - Auf seinem Weg vom lyrischen Tenor mit Weltkarriere hin zum soliden Interpreten schwererer Partien lag ihm der Max sehr gut. Arbeitete mit seinen stimmlichen Möglichkeiten das Abgründige der Figur stärker als Seiffert heraus. Live erlebt an der Wiener Volksoper in der Marelli-Inszenierung.

    3. Reiner Goldberg - Ihn erlebte ich noch in der alten Ruth-Berghaus-Inszenierung an der Berliner Staatsoper. Ein heldischer Max, den ich aber aufgrund seiner vokalen Autorität in guter Erinnerung habe.

    Ebenfalls live erlebt: Maximilian Schmitt, Burkhard Fritz, Torsten Kerl, Kor-Jan Dusseljee, Robert Künzli, Mark Adler, Tobias Haaks, István Kovácshází, Endrik Wottrich, Will Hartmann

    Hoffmann

    historisch:

    1. Neil Shicoff - Die Gesamtaufnahme unter Cambreling ist ihm aus meiner Sicht überragend gelungen. Er ruht sich nicht auf Schöngesang aus, sondern arbeitet das Zwanghafte, Neurotische der Figur eindrücklich heraus.

    2. Plácido Domingo - ist als Hoffmann sehr gut dokumentiert, auch in verschiedenen Gesamtaufnahmen. Ich höre ihn am liebsten unter Seiji Ozawa, wo er neben seiner herrlichen Stimmfärme auch genügend Farbfacetten zeigt.

    3. Roberto Alagna - Die auf einer Aufführungsserie in Lyon fußende Gesamtaufnahme war damals die erste, die die "neue" Fasssung von Kaye einem breiten Publikum zugänglich machte. Gesanglich, aber auch gestalterisch ist Alagna hier über jeden Zweifel erhaben.


    live:

    1. Sergej Khomov - Ihn erlebte ich sowohl an der Volksoper Wien deutschsprachig als auch an der Deutschen Oper am Rhein originalsprachig. Insbesondere die Loy-Inszenierung an der Rheinoper war praktisch auf ihn zugeschnitten, wie kein Zweiter zeigte er den schmalen Grat zwischen Genie und Wahnsinn.

    2. Jean-Pierre Furlan - Sowohl an der Deutschen Oper Berlin als auch an der Oper Graz in dieser Partie live erlebt. Keine schöne Stimme, aber ein überragender Darsteller, der es verstand, an den entsprechenden Stellen ordentlich die Sau rauszulassen.

    3. Robert Watson - Mittlerweile auch im Heldenfach unterwegs. War aber 2018 an der Deutschen Oper Berlin in der verspielten Pelly-Inszenierung ein stimmlich souveräner Interpret dieser heiklen Partie.

    Ebenfalls live erlebt: Keith Olsen, Julian Gavin, Rolando Villazón, Timothy Richards, Andreas Conrad

    Tristan historisch:

    1. Ludwig Suthaus - unter Furtwängler etwas schwergängig, aber in der Leipziger Aufnahme unter Franz Konwitschny trifft er genau den richtigen dunkel-melancholischen Ton. Ansonsten ein wunderbarer Heldentenor alter Schule mit großer, schwerer Stimme und dennoch der Fähigkeit, piano zu singen.

    2. Lauritz Melchior unter Fritz Reiner aus London und einigen Met-Mitschnitten. Stimmlich strahlender als Suthaus, insgesamt mit weniger Depression und mit mehr hellen Tönen.

    3. Ramón Vinay - natürlich auf dem wohl aufregendsten aller Mitschnitte 1952 aus Bayreuth unter Karajan. Unfassbare Chemie mit Martha Mödl im zweiten, krasse, erschütternde Ausbrüche im dritten Aufzug.

    Live:

    1. René Kollo - An der Deutschen Oper Berlin mein erster live erlebter Tristan, der großen Eindruck hinterließ. Trotz fortgeschrittenem Alter auch darstellerisch ein glaubhafter Held.

    2. Peter Seiffert - Häufig an beiden Berliner Opernhäusern erlebt. Nachdem er sein Debüt 2006 noch mit Teleprompter und zahllosen Schmissen absolvierte, wuchs er immer mehr in die Partie herein. Bis zum Ende seiner Karriere behielt er trotz zahlreicher Tristan-Abende seine herrliche, charakteristische Stimmfärbung.

    3. Stephen Gould - live erlebt in Berlin und Wien. Rein gesanglich der souveränste Vertreter. 2014 an der Deutschen Oper eine absolute Sternstunde an der Seite von Nina Stemme.

    Ebenfalls live erlebt: Siegfried Jerusalem, Christian Franz, Ben Heppner, Ian Storey, Clifton Forbis, Jyrki Niskanen, Stig Andersen, Alfons Eberz, Robert Dean Smith, John Treleaven, Lance Ryan, Andreas Schager, John Uhlenhopp, Michael Weinius, Daniel Frank, Jeffrey Dowd, Erin Caves, Jon Fredric West, Robert Gambill

    Live habe ich nur Laura Aikin in der Mussbach-Inszenierung an der Staatsoper erlebt und nominiere sie, da sie mich damals überzeugt hat. Leider habe ich trotz mehrfacher Besuche nie eine der Aufführungen mit der alternierenden Christine Schäfer erwischt.

    Wenn ich das richtig im Kopf habe, kam die Produktion 1995 in Salzburg mit Christine Schäfer heraus, in Berlin sang ab der Premiere (1997) eigentlich immer Aikin bis auf die letzte Serie der Produktion 2003, in der Schäfer sang.

    Lulu - das geht schnell bei mir:

    Historisch:

    1. Teresa Stratas in der Aufnahme unter Pierre Boulez - eine ideale Verkörperung dieser Grenzgängerinnen-Partie

    2. Evelyn Lear in der Berliner Gesamtaufnahme unter Karl Böhm - weiblicher als die androgyne Stratas, aber dennoch beeindruckend

    3. Julia Migenes im Wiener Mitschnitt unter Lorin Maazel - das Kindliche der Figur wird hier zugleich plastisch wie erschreckend herausgearbeitet

    Live erlebt habe ich nur drei Interpretinnen, von denen zwei hier nicht in Frage kommen: Alexandra von der Weth an der Deutschen Oper Berlin, stimmlich leider weit über den Zenit, sowie Mojca Erdmann, die in der misslungenen Breth-Inszenierung ziemlich verloren war. Also nenne ich ausschließlich Christine Schäfer, die ich 2003 noch in der Mussbach-Inszenierung an der Staatsoper unter Michael Gielen erlebte. Stimmlich zwar nicht ganz rein, aber mit Wille zu Gestaltung und Identifikation mit der Figur.

    Zur Küsterin:

    historisch:

    1. Margarete Klose im Kölner Mitschnitt 1949 unter Richard Kraus - nach dem großen Ausbruch im zweiten Akt wächst buchstäblich kein Gras mehr. Tolle, existentielle Sprachbehandlung.

    2. Marta Krásová in der nur ein Jahr nach Klose entstandenen Prager Aufnahme unter Jaroslav Vogel. Ähnlich existentiell wie Klose mit einer Spur mehr mütterlicher Liebe gegenüber ihrer Stieftochter.

    3. Nadezda Kniplová in der Studioaufnahme unter Bohumil Gregor, sehr ausgewogenes, präzise durchdachtes Rollenportrait einer Sängerin auf der Höhe ihrer stimmlichen Möglichkeiten.


    live:

    1. Agnes Baltsa - eine Wucht in der Wiener Pountney-Inszenierung (als diese noch auf deutsche gespielt wurde). Fast nie schön anzuhören, aber erschütternd und von einer szenischen Präsenz, dass man, wenn sie aufgetreten war, niemand anderen auf der Bühne mehr anschaute.

    2. Anja Silja - kannte ich bereits vom Glyndebourner Video als ich sie mit dem zweiten Akt unter Rattle in der Berliner Philharmonie und dann später als die Lehnhoff-Inszenierung nach Berlin kam, erlebte. Für mich eine der prägenden Figuren auf der Bühne, mit durchdringender, wissender Gestaltung.

    3. Evelyn Herlitzius in einer Wiederaufnahme der Loy-Inszenierung an der Deutschen Oper. Großes Kino mit der ihr eigenen Stimmführung und der unbedingten Identifikation mit der dargestellten Figur.

    Weitere live erlebte Interpretinnen: Deborah Polaski, Hedwig Fassbender, Julia Juon, Karan Armstrong, Jennifer Larmore, Katrin Kapplusch