Beiträge von Bramante

    Was die Haltung des 18. Jahrhunderts betrifft: Händel hat den 42. Psalm auch vertont, als Nr. 6 der Chandos Anthems "As Pants the Hart". Ich kann nicht finden, dass das kontrastreicher als Mendelssohn ist.

    Ja, man kann es natürlich nicht pauschalisieren. Ich hatte bei der Aussage solche Momente im Sinn wie z. B. Erdbebenszenen in Passionsmusiken oder auch die Naturbilder in anderen Psalmen, die oft ziemlich plastisch vertont wurden, z. B. bei Bach (Passionen), Zelenka (Invitatorium), Hadyn (Sieben Worte) usw. und bezog das vor allem auf diese Textstelle (die in Händels englischer Textfassung nicht vorkommt):

    "Deine Fluten rauschen daher,
    dass hier eine Tiefe und dort eine Tiefe brause,
    alle deine Wasserwogen und Wellen gehn über mich."

    Eine meiner liebsten Psalmvertonungen!

    Ich nehme den Eröffnungschor nur sehr bedingt als heiter und freundlich wahr, sondern vor allem als Ausdruck von Demut und Sehnsucht und insofern passend zum Sinn des Textes, auch wenn das Bild vom schreienden Hirsch weitgehend außen vor bleibt. Wenn dann später nach der anfänglichen Zurückhaltung, v. a. Takt 50 bis 65, eine gewisse Schärfe und ein Drängen dazukommt (und dann vielleicht am ehesten dem Bild entspricht), finde ich das umso wirkungsvoller, ein wirklicher Gänsehautmoment.

    Ganz undramatisch würde ich das Werk nicht nennen, aber es meidet offensichtlich die Tonmalerei, die Darstellung von Naturgewalten und scharfe Kontraste, wofür gerade das zweite Rezitativ mit seinen Fluten und Wellen sich angeboten hätte. Das unterscheidet sich fraglos von der Haltung des 18. Jahrhunderts und Mendelssohns eigener z. B. im Elias, aber ein Psalm wie dieser ist auch etwas anderes als ein dramatisches Oratorium. Ich würde es nicht unbedingt am „am Text vorbeikomponiert" nennen, eher einen Verzicht auf musikalische Verdopplung der Bilder des Textes und eine Konzentration auf seine allgemeine Aussage.

    Meine Aufnahmen sind übrigens Bernius und Herreweghe gewesen, wobei ich letzteren vorziehe.

    Johann Zach (1713-1773): Stabat Mater und Missa Solemnis

    Werke mit innovativen Zügen, in denen der Komponist zu Lösungen jenseits der Konventionen findet, z. B. Entlehnungen aus der weltlichen Musik, Verzicht auf die üblichen Schlussfugen.

    Bernardo Pasquini: Toccata per organo

    Orgel: Domenico Mangino, 1719

    Marco Vallese

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    Die Faszination für Lain teile ich, es bringt ordentlich ins Grübeln und das Thema ist heute eigentlich aktueller denn je.

    Und Donald ist halt einfach Donald, mehr muss man nicht sagen. Grins1

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    Mein nächster Anime wird übrigens Staffel 2 von "Hibike! Euphonium" um ein Schulorchester und seine Mitglieder zwischen Üben, Konzerten, Wettbewerben und Alltagsthemen. Es gibt da also auch Sachen, die nicht übermäßig seltsam sind! ;)

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    Gibt's derzeit aber nur OmU bei Crunchyroll. Auf Disk erschien bisher in Deutschland nur der filmische Ableger "Liz und der blaue Vogel" mit einer eigenständigen Nebengeschichte.

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    Was einen berührt und was nicht, ist natürlich ganz subjektiv, von den eigenen Lebenserfahrungen abhängig und darüber lässt sich nicht streiten, ist von daher so OK.

    Mich persönlich hatte NGE sofort gefangen und das ist immer so geblieben, eigentlich mit jedem Ansehen mehr. Das liegt gerade auch an dem Postmodern-Zusammengewürfelten, so unterschiedlich können die Sichtweisen sein ... Da war ich übrigens auch schon über 30 und ich glaube nicht, dass der mir mit 15 oder so gefallen hätte. Nostalgie spielt da jedenfalls keine Rolle. Es ist trotz seines legendären Status aber auch ein Extremfall und eigentlich kaum repräsentativ. Im Prinzip machen die Japaner alles als Anime, was man als Genres aus dem Realfilm kennt. Und dazu Sachen, die nicht wirklich ein reales Gegenstück haben.

    Animes sollen ja sehr beliebt sein, habe ich gelesen.

    Ja, das Interesse wächst ständig und nochmals sehr verstärkt seit Corona.

    Kann man sicher so sehen, aber ich finde, damit wird man der Sache nicht so ganz gerecht. Rein nach der Handlung zu urteilen sind selbst manche wichtige Klassiker aus Literatur, Theater, Film usw. die reinste Seifenoper, mit überzogenen Charakteren, willkürlichen Konstruktionen, unglaubwürdigen Wendungen, hanebüchenen Inhalten und immer wieder den gleichen Themen wie Liebe, Rache, Macht, Lebenssinn. Die verdanken ihren hohen künstlerischen Rang auch eher der Art der Umsetzung als den Themen selbst. Bei dieser Umsetzung seiner Themen muss man NGE lassen, dass es fast unmöglich sein dürfte, etwas wirklich Vergleichbares zu finden, auf all diese Ideen muss man erst mal kommen. Und wenn man über ein Werk auf Dauer kontrovers diskutieren kann, hat es schon irgendetwas richtig gemacht. Zur Rezeption steht ja auch einiges bei Wikipedia.

    Klamauk, Frivolität, Moral, sicher entspricht das hier nicht dem gutbürgerlichen Geschmack. Aber persönlich sehe ich nicht, warum ich das hier grundsätzlich anders bewerten sollte als z. B. bei Goethe, Shakespeare, Monteverdi, die auch eine Menge fragwürdige Handlungen einfach so stehen lassen, zur Unterhaltung ihres Publikums. Über Sexualisierung von Charakteren kann man sicher streiten und ich schätze das allgemein auch nicht so sonderlich. Ich finde das aber weniger übel als in Realfilmen, bei Konzertauftritten usw., wenn echte Menschen auf solche Art regelrecht vorgeführt werden.

    Bei Beethoven 9 "Gejammer" und "Mozartscheisse" denke ich mir auch sofort wieder meinen Teil, so in die Richtung, dass es sich hier um Leute handelt, die das Recht auf freie Meinungsäusserung mit respektlosem Umgang verwechseln

    Richtig. Aber wehe, man würde umgekehrt das Gleiche über ihr Lieblingsthema sagen. Auch deinen Beitrag #1.153 fand ich übrigens treffend.

    Übrigens ist es ja in bestimmten Kreisen sogar cool, anderen alles mögliche an den Kopf zu schmeissen. "Sieh mal, wie toll ehrlich und unerschrocken ich bin. udn was fpür ein offenes Verhältnis wir pflegen"

    Das nennt man heutzutage "Authentizität".

    Seicht finde ich die spirituellen Ansprüche mit ihrem Mischmasch, um dem ganzen einen tiefere Bedeutungsebene zu geben, einen höheren Anspruch? Ich fand es eigentlich etwas peinlich. Die Handlung vor diesem Hintergrund bleibt trotz der Schemenhaftigkeit irgendwo nebulös im negativen Sinne, da sie mich nicht angeregt hat, sondern einfach durch ihre Behandlung und Bebilderung nur gelangweilt. Es wird mit Dingen wie Adam, Lilin, Seele und Speer des Longinus um sich geworfen und die "Feinde" sind die "Angels" aus den Dead Sea Scrolls. Verschwörungstheoretiker im Publikum werden auch bedient....Naja.

    Nun ja, NGE sorgt auch unter Animefans immer noch für Irritation. Die Leute erwarten eine herkömmliche Sci-Fi-Action mit allen Klischees, kriegen sie auch zeitweise, werden aber bewusst in die Irre geführt und haben dann eine Geschichte vor sich, bei der im Grunde alles, Handlung und Motive, metaphorisch ist, manchmal eher zu erahnen als zu verstehen. Ich habe übrigens die Bluray-Box, da ist ein Buch mit 160 Seiten Erläuterung dabei, und auch die beantworten keineswegs alles.

    Wer sich gern in Analysen verliert, hat hier ein gefundenes Fressen. Die eigentlichen Themen sind die psychischen: Einsamkeit, Abnabelung, Eltern-Kind, unerfüllte Wünsche usw. und der Versuch, diese Probleme im Kleinen wie im Großen zu überwinden. Ohne zu viel zu spoilern kann ich vielleicht sagen, dass die Mechas hier als Bild für den Mutterleib stehen, was immer wieder offen oder hintergründig präsent ist. Solche Beispiele gibt es viele.

    Man mag nun moralisieren oder den hemmungslosen Eklektizismus kritisieren, aber das könnte man z. B. auch einem Wagner vorwerfen. Ich habe kein grundsätzliches Problem damit und wundere mich nicht darüber, dass manche Kenner es für eine der herausragendsten Sci-Fi-Produktionen überhaupt halten, es in die Nähe von Metropolis oder 2001 rücken. Auch eher anime-ferne Filmrezensenten kann es durchaus überzeugen:

    Zitat

    Dadurch sowie durch die existenziellen Momente hat Neon Genesis Evangelion etwas Zeitloses, ist auch 20 Jahre später immer noch sehr empfehlenswert, wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen, einen Bezug zu Philosophie hat und bei kryptischen Szenen nicht gleich das Handtuch wirft. [...] Bald 20 Jahre später hat „Neon Genesis Evangelion“ nichts von seiner Faszination eingebüßt. Was als unterhaltsame Mechaserie mit religiösen Elementen und bizarren Wesen beginnt, wird im weiteren Verlauf zu einer zunehmend kryptischen Auseinandersetzung mit der menschlichen Natur.

    https://www.film-rezensionen.de/2015/08/neon-genesis-evangelion/

    Florian Schreiner sagt beispielsweise, dass ein Mythos keinen Gegensatz zur Wahrheit bildet, sondern eine "sinnstiftende Erzählung", die gewisse Funktionen innerhalb einer Gesellschaft oder zumindest doch in Gruppen ausüben kann.

    Deshalb sind solche Mythen auch so hartnäckig und die Vorstellungen wohl nur schwer zu ändern. Sie erfüllen ein Bedürfnis, Leute ziehen sozusagen einen Nutzen daraus und es hängen ganze Weltbilder dran, die zusammenbrechen könnten.

    stimmenliebhaber Genau diese Problematik hatte ich im Aussterb-Thread #1.139 auch schon erwähnt.

    Felix Meritis Angeblich dienten ja auch die Tutti-Schläge am Beginn vieler Werke des späten 18. Jahrhunderts unter anderem dazu, das Publikum ruhig zu kriegen.

    Das Problem ist, dass man es hier nicht beiden Haltungen recht machen kann. Spontane Begeisterung mittendrin und ungestörtes Hören sind beides verständliche Wünsche, schließen sich aber gegenseitig aus. Und dass es früher andere Gepflogenheiten gab, muss ja für heutige Bedürfnisse und Verhaltensweisen nichts zu sagen haben.

    Wo wir bei persönlichen Erlebnissen sind: Ich hatte vor ein paar Jahren mal zwei Spinner ein paar Sitze neben mir, die meinten, nach Beginn des Parsifal noch über eine Minute lang ihren Smalltalk fortzusetzen.

    Beide Formen des Musizierens haben unterschiedliche Anforderungen an das Publikum.

    Das stimmt, aber die Gepflogenheiten sind auch innerhalb der klassischen Musik nicht einheitlich. Zwischenapplaus nach Arien vor allem in der italienischen Oper ist völlig üblich und die Werke entsprechend angelegt; wobei auch das natürlich feste Stellen für Applaus sind, an die man sich halten soll.

    Artikulieren von spontaner Begeisterung mittendrin würde mich bei vielen Werken wirklich stören und damit bin ich sicher nicht allein. Man muss sich nur vorstellen, wie z. B. nach einem Höhepunkt mitten im Satz eine anschließende pp-Stelle im Geklatsche untergeht. Solche Regeln wirken vielleicht tatsächlich exkludierend, aber sie haben eben auch mit der Art der Musik zu tun und der Frage, wie man sie sinnvollerweise präsentieren und anhören sollte. Das ist etwas ganz anderes als solche Äußerlichkeiten wie tatsächliche oder vermeintliche Kleiderordnungen.

    Ich denke auch. Ist alles ne Frage von Identitäten und Gruppenzugehörigkeiten. Leider

    Ja, das sollte man nicht unterschätzen und scharfe Abgrenzung ist auch kein spezielles Merkmal der Hochkultur. Musik ist ja (gerade bei Jüngeren) in vielen Szenen und Subkulturen ein Abgrenzungsmerkmal und wehe, man hört das "falsche". Auch so manche populäre Medien haben eine Anhängerschaft mit ziemlich elitärem Gehabe, die z. B. ganz genau erklären kann, wer ein „wahrer“ Fan ist und wer nicht und warum Du keiner bist.