Beiträge von Graf Wetter vom Strahl

    Ich höre übrigens gerade diese wohlbekannte Musikvereinigung:



    Kam im Forum sicherlich schon vor. Auch recht avanciert, die Leute. Nicht so direkt und in die Eier wie SOAD, aber sicherlich nicht weniger ausgefeilt. Mir gefällt besonders der Gitarrensound, wie genial die abgenommen sind, kann man vielleicht nur wertschätzen, wenn man selbst spielt.


    Zwei Anspieltips, die bekanntesten der Albumsongs:


    "http://www.youtube.com/watch?v=FE1pd-vsP9s"


    "http://www.youtube.com/watch?v=_tcW-j7KFgY"


    :wink:

    Jetzt mal wieder ein bisschen zuhause-Gefühl...



    Hallo Charlotte,


    ich hoffe, Du sitzt, wenn Du das liest. Vielleicht hast Du auch ein Glas Wasser bei der Hand. Denn ich muß jetzt einfach einmal Abbitte tun und mach das gerne innerhalb einer beschränkten Öffentlichkeit… äh, also… jedenfalls in Eurem schönen Musikladen hier.


    Ich habe, liebe Charlotte, naja, ich habe… also ich habe System of a down gehört. Natürlich nicht aufgrund Deiner sozusagen ewigen Empfehlung, dafür war ich mir ja immer viel zu schön, sondern dadurch, daß ein Freund und Mitmusiker das neulich laufen hatte. Ja, ich weiß. Du brauchst nix zu sagen. Mea maxima… Ich habe es jedenfalls erstmals wirklich gehört und – war begeistert! Das ist schlicht großartig. Verdammt gute Musik.


    Was mir ganz besonders gut gefällt, ist die Bandbreite, die sie haben. Neben dem 4/4-Gematsche vieler anderer Heavy-Bands nimmt sich SOAD mit vielen Rhythmuswechseln wirklich äußerst variabel aus. Dynamisch gibt es natürlich auch große Amplituden. Das erlaubt ihnen denn auch, unterschiedliche „Tonlagen“ innerhalb einzelner Songs anzuschlagen: Mal politisch plakativ, röhrend und rotzig, dann wieder süffisant bis sarkastisch, verschmitzt, hintersinnig, hinterfotzig, auch hinterwäldlerisch, wenn sie drauflos speeden wie ein paar Teenager, die sich gerade die ersten Instrumente gekauft haben.


    Das macht Spaß da zuzuhören. Geile und teilweise verstörende Gesangslinien über geistreichem Gebolze. Es groovt natürlich nicht wirklich, aber die Avantgarde braucht auch nicht zu grooven.


    Natürlich gäbe es auch etwas zu meckern – wenn man wollte. Eine Kleinigkeit ist, daß Abgefahrenes und Herkömmliches oft keine wirkliche Verbindung eingehen, sondern als einzeln identifizierbare Songteile nebeneinander gesetzt werden. Wohl um Massenhörerschaft nicht auszuschließen, was ja auch gelungen ist. Sehr bequem zu hören z.B. bei „Chop Suey“ und besonders „Own Bombs“ Beide Songs haben ihre entspannten Ohrwurmpassagen. Das kann noch so ironisch gebrochen sein, Dreiklang bleibt Dreiklang. An demselben „Syndrom“ krankt auch der wohl avangardistischste Mainstream-Song der 90er, „Paranoid android“ von Radiohead, dessen ausgedehnter „rain down“-Teil reichlich nah am Kitsch gepflanzt ist, obwohl ihn, glaube ich, Greenwood verantwortet.


    Zur Spieltechnik: Nimm ihnen die Double-Bass weg und sage dem Gitarristen (dessen Klampfen übrigens bisweilen aussehen, als seien sie von Toys are us) er solle, statt mit den mittleren Fingergliedern auf den Saiten rumzupatschen, mit den Kuppen spielen, und schon hat sich´s was mit Avantgarde. Ich will ja nicht zu sehr auf ihm herumhacken, aber mir macht der Kleine mit den übergroßen Augen Angst, der sieht so aus, als wolle er ein neues (möglicherweise virtuelles) soziales Geschlecht begründen.


    Aber Quatsch, das sind nur Idiosynkrasien, das ist Motzen mit sehr viel Anstellerei. SOAD machen fürchterlich, für mich absolut erschreckend gute Musik. Ich zitiere schon aus deren Texten in e-mails u. dergl. Wieso kenne ich die nicht schon längst! Scheiße noch eins… :faint: :juhu:


    Liebe Grüße,


    Graf Wetter vom Strahl


    Zubin Mehta-Aufnahmen mit den New Yorker Philharmonikern werden übrigens inzwischen so vermarktet:


    Nun, ich denke schon, daß dies ein ziemlich realistisches Bild von Ereignissen gibt, wie sie gewöhnlich neben einer Aufführung so stattfinden. Womöglich nicht an kleineren Theatern, da dürfte es eher so zugehen...


    "http://www.frsw.de/fotos07maerz/theater-basel0703.jpg


    ...doch an den größeren Häusern sollte es sich so ereignen, wie uns das "Sensual Classics"-Cover zeigt. Oder was glaubt Ihr, wie sich Schrott und Netrebko oder Fischer-Dieskau und Varady oder Mutter und Previn kennengelernt haben...?


    Zu forschungsgeschichtlich relevanten Seitenthemen verweise ich gern auf den ersten Teil meiner Habilitationsschrift in diesem Forum, "Darf man in der Oper Buh rufen?".



    :wink:

    JD, wer ist diese Katy Perry eigentlich? Das ist wieder so´n Name, den man mal aufschnappt und unter dem ich mir nichts vorstellen kann. Was macht die hauptberuflich? Ist die sowas wie Lady Gaga? Die hat mir Juli erklärt, aber ich weiß auch da nicht, ob ich das korrekt verstanden habe...


    Und - wenn das verstattet ist zu sagen - ... also eigentlich ist das ja inakzeptabel, über das Aussehen eines Menschen... keiner hat sich selbst gemacht... naja, sagen wir: wenige.... aber kann die Katy Perry so gut singen? Ich meine, die sieht echt aus wie... jedenfalls nicht so, daß man nun denken würde: Klar, sowas gehört auf jeden Fall mal in die Medien.


    Was geht da wieder für ne kranke Kiste ab...?


    Für Infos dankbar,


    Dein Graf :wink:

    Vic Dorn lebt!

    Einen hab ich noch. Darüber werden vermutlich wenige lachen können. Nichtsdestodings...


    Bitte vergleicht die beiden Videos in den von mir genau angeführten Zeitauschnitten.


    1. "http://www.youtube.com/watch?v=3Ay_7nYgm5E&feature=related (Minute 1:29-1:32)


    2. "http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/1449788/nachtstudio-vom-25.-September-2011?bc=saz;saz4;kua476 (Minute 1:51-2:16)


    Und sagt selbst...


    Ich fand das witzig.



    :wink:

    Ein kleiner Nachtrag noch. Das Concerto Köln, welches bei Jacobs´ Cosi (1999) und seinem Figaro (2004) zum Einsatz kommt, klingt nicht auf den Platten per se "schlanker" oder so etwas als das Freiburger Barockorchester.


    Ich habe vorhin nocheinmal beide Da Pontes mit dem Concerto Köln im Player gehabt, danach den Don Giovanni (2007) und Idomeneo (2009) mit den Freiburgern (die Zauberflöte besitze ich nicht und werde sie mir auch nicht zulegen), und mir ist aufgefallen, daß in der Dekade Jacobschen Opernschaffens, die hier bequem im Vergleich hörbar wird, eben jener generelle Trend zur Anhebung der tieferen Frequenzen erkennbar wird, der m. E. neuere HIP-Einspielungen kennzeichnet.


    Ist das Klangbild der Cosi noch eher diätetisch mitten/höhenbetont, so tritt schon beim Figaro, mit Wucht nochmal beim Don Giovanni eine deutlich dunklere Abmischung hervor, die das Klangbild wohl voller erscheinen und an bestimmte Hörerbedürfnisse anpassen soll. Vielleicht soll dieses Gebaren, das ich bei sehr vielen Aufnahmen der letzten Jahre feststellte (extrem und nahezu unnatürlich bei den solistisch besetzten Bach- oder Monteverdigroßwerken verantwortet von Kuijken oder van Veldhoven...), historisch informierte Studioeinspielungen ein wenig gegen den (vor Jahren noch beliebten) Vorwurf eines dünnen und unattraktiven Klangbildes immunisieren - ich weiß es nicht.


    Um das Dirigierstilthema zu verlassen, das hier damals aufkam und das mir nicht sehr weit zu führen scheint, und wieder zum hörbaren Ertrag der Arbeit Jacobs´zu kommen: Musikalisch ist zu Jacobs aus meiner Sicht zu sagen, was schon im Thread zu Mozarts Idomeneo angeklungen ist:


    MOZART: Idomeneo, re di Creta (1781)


    Da habe ich, vielleicht ein bißchen harsch, Jacobs ständige Agogik bekrittelt, die mir immer noch gelegentlich auf den Zeiger geht. Ich weiß nicht, ob man das "romantisierende Einsprengsel" in Jacobs´ Interpretationen nennen kann, es liegt vermutlich ein historisch eher unhaltbares Verständnis von (recht gewaltsam vorgenommenen) Temporückungen vor, wenn wir sie hauptamtlich deshalb ins späte 19./frühe 20. Jhdt. setzen, weil wir (oder die meisten von uns) sie dort erstmals bewußt erlebt haben.


    Man kann schlecht gegen Interpretationen argumentieren, da doch jedem frei steht, wie er oder sie da letztlich vorgehen will. Jacobs auf seine Aussage zu verpflichten, er dirigiere Mozart "neoromantisch" (welchen Begriff er selbst in einem Interview ins Spiel gebracht hat), bringt auch nicht viel, denn stärkere Agogik finden wir auch in seinen Bach-Aufzeichnungen (h-moll, i-wer erwähnte oben noch das W.-Oratorium...)


    So bleibt nur der Versuch einer Begründung, warum man (in dem Falle also ich) so etwas nicht so unbedingt gern hören möchte. Ich schrieb es schon zu Gardiners Musizieren des Mozartrequiems, ich möchte nicht von jemandem über die Darbietungsdauer eines gesamten Werks quasi an die Hand genommen und wie ein Blinder durch Regionen geführt werden, die ich eigentlich ganz gut zu kennen glaubte und die mir nunmehr als etwas Neues, bisher Unbekanntes und höchst "Eigenes" verkauft werden. Und dieses u.a. mittels unerwartbarer Temporückungen.


    Das erscheint mir zu gewaltsam mit der Musik umgegangen, der ich ein Mindestmaß ein Eigenleben schon gern zugestanden sähe. Im Klartext: Laßt die Musik vom Tempo her mehr fließen, liebe Leute, und beschränkt Eure Eingriffe auf andere Parameter. Gardiner und Hogwood tun das ganz ausgezeichnet, wie mir scheinen möchte, und nicht zuletzt deshalb (doch auch nicht allein deswegen) gehören sie zu meinen Lieblingsdirigenten im hippen Segment.


    Was Jacobs toll kann, das ist Phrasierung und das sind Akzente. Bei niemandem sonst habe ich Phrasen derart und ansatzlos* aus einem Guß und sie mit soviel Verve als bedeutsames oder verhalteneres Segment der musikalischen Spannungskurve eingesetzt gehört. Das bringt wirklich Leben in die Bude und ist für mich hervorstechendstes Merkmal seines Musizierens. Ich sehe Leute schon entgegnen, dies sei ja gerade so, weil Jacobs seine Agogik treibe und damit Markierungen setze. Ich sehe es nicht so, daß kluge Phrasierungen vom Tempo abhängig sind. Da gibt es andere Möglichkeiten, Abschnitte als solche zu kennzeichnen und voneinander abzusetzen.


    Und das macht Jacobs selbstverständlich auch, was mir seine Manierismen umso entbehrlicher erscheinen läßt.


    Ich mag zudem, wie dieser Dirigent Sänger atmen und sich entfalten läßt. Sicher ein Vorzug, den er der eignen Sängertätigkeit schuldet. Bei den da Ponte-Opern gestattet Jacobs ja immer wieder improvisierte Verzierungen, Koloraturen der Sänger, die sehr hübsch mit dem Spielwitz des Cembalos korrespondieren.


    Schließlich ist positiv hervorzuheben, daß Jacobs penibel auf Ausgewogenheit zwischen den Instrumentengruppen zu achten scheint. Bei ihm sind nie, wie etwa bei Östman, die (repertoirebedingt meist ja wenigen) Bläser in den Vordergrund genommen oder es knallen auf einmal Pauken ziemlich unmotiviert in der Gegend herum, weil man zu zeigen wünscht, daß man mehr als ein kleines Streichorchester unterhält.


    Ich freue mich meiner recht einigen Jacobs-Platten im Regal (freilich auch solcher, auf denen er mit seiner Stimme zu hören ist), achte jedoch auch darauf, nicht zuviel vom Meister dazuhaben, wenn er am Pult steht. So werde ich bspw. auf Haydn-Symphonien, bei denen ich eine ausgedehnte Auswahl anderer Einspielungen habe, oder erst recht auf Beethoven, wenn er den einmal machen sollte, sicherlich verzichten.


    Desunbeschadet bleibt René Jacobs stets ein interessanter und eigenwilliger musikalischer Gesprächspartner, sozusagen.




    :wink:




    *Dieses "ansatzlos" bezieht sich nicht auf die Technik des Streicherspiels, jegliche karajaneske Assoziation will ferngehalten sein.

    Liebes Symbol,


    bei Dir ist ja recht häufig René Jacobs auf dem Gabentisch. Erst Don Giovanni, dann die Zauberflöte. Du frugst in anderm Thread mich einstens nach der Cosi...


    Zitat

    Edler Graf,


    mich drängt da eine Rückfrage: Ich habe nämlich vom Weihnachtsmann den besagten "Don Giovanni" mit Jacobs erhalten und, was soll ich sagen - ich bin restlos begeistert!!! Was mich nun interessieren würde: Hörst Du, außer der angesprochenen Agressivität, einen deutlichen Unterschied zwischen Concerto Köln und dem FBO als Ensemble? Und behandelt Jacobs die Secco-Rezitative bei der "Cosi" genauso wie im "Don Giovanni", d. h. mit viel Improvisation v. a. von Seiten des Continuo-Fortepiano?


    ...und ich sage: Ja, das Concerto Köln spielt wenigstens genauso spritzig wie die Freiburger (und ebenso im guten Sinne aggressiv), und ja, auch hier erklingt teils exzessives Cembalieren in den Rezitativen. Ich kann und möchte gerade Jacobsens Cosi sehr empfehlen...!


    Sollte da auch in diesem Jahre wieder etwas gehen, wenn St. Stillenacht die Welt in weiße Dunkelheit gelegt, der Baum mit Mühe aufgestellt und liebreich eingepackte Nichtigkeiten bei ihrer Öffnung nur des Satzes harren: "Naja, was zählt, ist schließlich der Gedanke..."?


    :wink:

    Naja, was soll ich sagen, an diesem Ort wird alles das in klarer und knapper Form zur Sprache kommen, was in unserem verzweigten Griechenthread zum Thema Homer verstreut und nur mit Mühe auffindbar geschrieben wurde. Denn wo versteckt man einen sinnigen Beitrag am besten? Richtig, im Archiv.


    Und damit das anders wird, haben der göttliche Areios und ich uns besprochen und Folgendes in der boulé beschlossen.


    Dieser Thread soll zu einem eigenständigen Homer-Thread werden, gleichsam als pendant zu Vés Platon. Die wichtigsten Beiträge, die schon im Thread „Frühgriechische Literatur und Philosophie“ zu lesen waren, wird unser Philhellene irgendwann, wenn ihm der kairos dafür gekommen scheint, hierher kopieren. Dieser Thread wird dann nur noch „Homer“ betitelt sein.


    Der Frühe-Griechen-Thread soll weiterhin als Steinbruch dienen, sich über alles, wie es eben gehen mag, auszutauschen und zu sehen, was daraus werden will. I-wo habe ich den göttlichen Areios einmal über ein kleines Antike-Forum nachdenken sehen. Da der Gute mich nicht nur mittelbar im Sommer wieder hierhergelabert hat (dies übrigens in einem glasklaren, luziden ionischen Stil), als er mich an seinen Vertonungen altgriechischer poemata teilhaben ließ (etwas, das, wie ich finde, auch und gerade in diese Forum gehören würde!) und mich so an meine Homerschulden erinnerte, sondern da ich diese kleinen Threads von eher partikulärem Interesse im Grunde mag, da fürderhin der göttliche Areios mich dabeizusein bat, wenn Homer bequasselt werden würde (klassischer Exordialtopos: „Ich wurde gebeten, und hier bin ich!“), da schließlich einige liebe Mitmenschen ihre Teilnahme an der gemeinsamen Homerlektüre teils mehrfach (teils sogar privat nachts um halb eins!) bekundet haben, da alles dieses so oder doch in etwa so wirklich sich zutrug, deshalb mache ich in diesen kleinen Zirkeln weiter mit von der Partie und freue mich auf interessante Gespräche.


    Alle sind herzlich eingeladen mitzutun, mitzulesen, mitzureden, mitzufragen und mitzuerklären. Ich fände es sehr traurig, wenn ein paar verlorene Gestalten hier die Seminarleiter spielen müssten und die anderen sich eduziert vorkämen. Fachwissen ist ja gut und schön, aber es soll schon auch eine wirklich gemeinsame Lektüre werden, die im Idealfall in einen gleichberechtigten Diskurs mündet. „Argumente“ der Form „Du, entschuldige, ich kenne mich da nun wirklich aus, laß Dir bitte sagen…“ verbieten sich bei vernünftigen Menschen eigentlich von selbst... :rolleyes:



    So schaut´s aus...




    :wink:

    Einladung zu Homers


    Tja, ich weiß nicht, ob Ihr schonmal bei Homers ward? Ich komme da ja öfter hin, sehr nette Leute. Er ist zwar ein wenig wortkarg, wenn man ihn privat kennt, vermutlich weil er schon beruflich so viel Worte machen muß. Fast könnte man denken, daß er mürrisch sei. Aber sie ist nun wirklich eine Seele, Susanne Homer, immer gutgelaunt, immer im Mittelpunkt und immer ein freundliches Wort für alles und jeden. Ich sag immer „Susonne“, so strahlt die Frau den ganzen Tag. Gut – dabei vielleicht ein kleeeeiiiines Bißchen oberflächlich, aber sie ist ja nun auch keine Schriftstellerin, nichtwahr? Sondern Orientalin. Doch, heißes orientalisches Blut, hat er mir mal verraten, so ganz unter uns, hat er gesagt, ich dachte, Ihr wüßtest das? Oh, das ist jetzt aber… Jedenfalls, Susanne Homer, ne?


    Was ich aber eigentlich sagen wollte: Kann man hingehen! Nee, wirklich, also, kann man ohne Bedenken hingegen. Sie ist die Gastfreundlichkeit selbst (Xenophilia, sagen die bei sich da unten, glaub ich…), da bleibst du nicht lang durstig hocken, und er, also wenn er tatsächlich mal in Stimmung kommt, dann rezitiert der stundenlang aus seinen Werken, da machste was mit. Aber gut für die Bildung, jaaaa, sehr gut für die Bildung! Das kann man so nicht selber, äh, … erzählen, ne?


    Und, was ich erstmal selber nicht geglaubt hätte: Das macht sogar Spaß. Dem zuzuhören. Irgendwann fängt das im Ernst an Spaß zu machen. Wenn man das so´n bißchen mal verstanden hat, wie der tickt und wie der das alles so geschrieben und geordnet und gerödelt hat… also einmalig! Ein---malig! Ehrlich.


    Er ist ja auch nicht umsonst so berühmt, obwohl Homers, glaube ich, nicht besonders viel Geld haben. Oder sie geben nicht so damit an, ich weiß es nicht.


    Ist ja auch egal, jedenfalls, ich wollte vorschlagen, daß wir da mal gemeinsam auflaufen, so ganz easy, ganz entspannt, tun wir uns mal so einen Abend zusammen und dann gucken wir mal, vielleicht wird das ja nett und wir gehen da in Zukunft öfter hin. Die haben immer gern Gesellschaft, das weiß ich von seiner Frau, er ist ja doch mittlerweile schon so´n bißchen in die Jahre gekommen und sie meinte, viele verstünden ihn heute nicht mehr. Das muß auch schlimm sein für so´n Mann, nicht mehr verstanden zu werden! Stell ich mir ganz furchtbar vor.


    Aber eitel wie Griechenland´s next Helena. Ja, komm, Homer ist schon ein bißchen eitel, wie viele Schreiberlinge, dochdoch, ein bißchen eitel ist der auch. Er sieht es ja ganz gern, wenn man sich etwas mit ihm beschäftigt hat und mithalten kann im Gespräch. „Ist ja genug geschrieben worden über mich“, sagt er immer süffisant. Hat schon auch Humor, der Homer. Haut der so raus, ne? „Ist ja genug geschrieben worden…“


    Na gut, dann machen wir das so. Ich würd mal vorschlagen, jeder liest so´n bißchen in der Ilias herum, den ersten Song schonmal bestimmt, uuuund dann…, ach so, ich schreib Euch erstmal noch so eine Art von Überblick über Homer, damit Ihr wißt, zu wem Ihr eingeladen seid.


    Alles weitere besprechen wir gemeinsam.




    Liebe Grüße,


    W.

    Nochmal zu Büchern, von denen vorher die Rede war. Ich habe mittlerweile eine veritable kleine Bibliothek über Amazon marketplace verkauft und ich muß - zu meinem gewaltigen Erstaunen - sagen, daß beinahe alles, was ich überhaupt anbot, gekauft wurde. Und ich war nie billig, habe dafür aber immer sehr exakte Beschreibungen bereitgestellt, was offensichtlich auch geschätzt wurde.


    Am allerbesten gingen theologische Fachbücher. Das war manchmal schon weg, bevor ich das Angebot online kontrollieren konnte. Keine Ahnung, ob es soviele Pfarrersleute in der Ausbildung gibt oder soviele Studenten. Was auch sehr gut lief, waren vergriffene Titel, egal aus welcher Fachrichtung. Philosophie und Psychologie ebenfalls stark nachgefragt. Seltsamerweise haben sogar alle meine literaturwissenschaftlichen und linguistischen Titel nach und nach Abnehmer gefunden. Musik war so im Mittelfeld, je nachdem, ob es sich um das neue Vivaldi-Buch aus dem Laaber-Verlag oder olle Noten handelte. Bücher, die m.E. keinen Sinn im Angebot machten, weil sie zu uninteressant oder zu üblich waren, habe ich freilich gar nicht erst eingestellt, sondern verschenkt.


    Was gar nicht gut ging, das waren lediglich die Altphilologie und Alte Geschichte. Da hatte ich Titel drin, die in ganz Europa gesucht werden oder doch sonst von Interesse sein müßten (Krämer: Arete bei Platon u. Aristotles; Gaiser: Platons ungeschriebene Lehre, Nilsson: Geschichte der gr. Religion), da tat sich überhaupt nichts. Gut, die Preise waren auch der Marktsituation angemessen.


    Ich habe die Erfahrung gemacht, daß es ab einem bestimmten Preis schwer ist, Bücher an den Mann oder - bei mir besonders häufig - die Frau zu bringen. Mit zwei Damen, die mal ein Buch bei gekauft haben, pflege ich noch heute Kontakt. Und mit einer, bei der ich mal einen Füller erwarb. I-wie fangen die Leute bei mir ständig an sich auszumähren, obgleich ich keineswegs Angebotstexte im Stile jener eBay-Verkäuferin verfasse, die ihren ollen Seat so wortgewaltig losgeworden ist.


    Ich bekomme teilweise von Antiquariaten aus dem ganzen deutsch-, englisch- und niederländischsprachigen Raum noch regelmäßig Kataloge zugesandt, obwohl ich da teils ein Jahrzehnt nichts mehr bestellt habe. Bücher beruflich zu verkaufen, wird nicht einfach sein. Die kleinen Handlungen sind enorm bedroht durch Monster wie Thalia oder bei uns in NRW die Mayer´sche, Antiquariaten stirbt der Kundenstamm weg und die Plattformen im Netz sind auch nicht immer ganz das Wahre.


    Bei Taschenbüchern will ich z.B. als pot. Käufer immer wissen, ob der Buchrücken geknickt ist oder nicht. Die allermeisten privaten Anbieter von Büchern haben nicht den Schimmer des Hauches einer Ahnung, wie sie mit der Zustandsbewertung umzugehen haben. Da wird ein derart abgegriffenes Zeug noch mit "sehr gut" bezustandet, daß man sich fragt, wie´s wohl bei denen daheim aussehen muß?


    Meine Desideratsliste wird i-wie seit Jahren nicht viel kleiner, allein in diesem Jahr habe ich mehr als die Hälfte der best. Bücher (etwa 10) wieder zurückgeschickt. Falscher Titel (unzureichende Beschreibung im Angebot), schlechter Zustand (Anstreichungen, auf die nicht hingewiesen wurde, Stockflecken bei "neuwertigem Buch"!), Lieferschäden durch unzureichende Verpackung (zu großer Karton, Einwickelung in Zeitungspapier).


    Aus manchem Schriftwechsel kann man ein kleines Kabarettprogamm gestalten, denn diese Leute haben trotz ihrer bisweilen äußerst bescheidenen fachlichen Fähigkeiten nicht selten das Selbstbewußtsein eines Vorzeigekaufmanns. Ein Essay von mir, "Der Antiquar als der natürliche Feind des Buchliebhabers", wird viel. demnächst mal gedruckt. Geschasste aller Fachrichtungen, sagt den Leuten, was sie tun! Sie wissen es nicht immer...



    Graf :wink:

    Ich finde, das ist ein ganz toller Thread, Andreas, drängt er uns doch, uns nicht immer bloß die Titel ganzer Großwerke oder Werkgruppen um die Ohren zu schlagen, sondern wirklich einzelne Werkstücke, Sätze, Phrasen oder Themen herauszunehmen, die uns in irgendeiner Form etwas bedeuten. Jedenfalls verstehe ich Dich so, daß man auch einzelne Stellen anführen darf, ja?


    Das ist bei mir nämlich nötig, sonst müßte ich jetzt schlicht und wenig erhellend "Tristan und Isolde" sagen. Es gibt innerhalb dieses musikalischen Kosmosses für sich, den dieses Werk mir darstellt, eine Stelle, die mehr als jede andere aus aller mir bisher bekannten Musik mich berührt hat und mir vertraut vorkommt. Und zwar folgende:


    3. Aufzug. Tristan:


    [...]
    das kann ich dir nicht sagen.
    Ich war -
    wo ich von je gewesen
    wohin auf je ich geh´:
    [...]


    Das sind die Zeilen 1753-1756 des Textbuches, das Egon Voss bei Reclam rausgegeben hat. Im Netz finde ich keine Partitur mit Taktzählung. Hier ist es im PDF-Doc die Seite 316/317, wo man das nachschlagen kann: Complete score "http://imslp.org/wiki/Tristan_und_Isolde,_WWV_90_(Wagner,_Richard)#Complete


    Nachdem kurz zuvor in diesem insgesamt überwältigen kleinen Tristanmonolog die Holzbläser und ein charakteristisches aufwärtsgerichtetes chromatisches Motiv der tiefen Streicher dominiert haben, ist die folgende "Stille", eingeleitet durch eine herzzerreissende Abwärtsbewegung der Celli und Bässe und aufgelöst durch den Einsatz leiser Blechbläser, eindrucksvoll und schwer. Es geschieht nichts Großes, Aufsehenerregendes, sondern es erhebt sich "still und leise" eine kleine Passage, die ich als eine vollkommene musikalische Innerlichkeit empfinde und beschreiben möchte. Alle weiteren Worte würden wohl nicht helfen, das Phänomen, wie ich es sehe, darzustellen. Jeder höre selbst. Zudem sind meine musikanalytischen Fähigkeiten arg begrenzt, wenn es auch ein Gerücht ist, das Algabal mal in die Welt gesetzt hat, indem er behauptete, ich könne keine Noten lesen. Das kann ich sehr wohl, ich kann sie auf dem Klavier sogar ziemlich vom Blatt spielen (in meinem bescheidenen Rahmen), nur auf der Gitarre eben nicht, die doch mein eigentliches Instrument geworden ist...


    Thomas Mann, aus welchem Grunde soll man das verschweigen?, wurde von seinen Kindern später oft "der Zauberer" genannt. Um wieviel mehr, hätte gewiß auch er in seinen jungen Jahren noch gefunden, verdiente diesen Titel Wagner! Tristan ist sicher eines der leisesten Bühnenwerke, die im 19. Jhdt. abgefasst wurden. Hier hat häufig jede instrumentale Bewegung eine anderswo von mir in dieser Form nicht wahrgenommene Reich-, ja, beinahe schon Tragweite.


    Nun gut, nach solchen hymnischen Worten verwundert es wohl nicht, daß auch meine zweite Lieblingsstelle aus dem Tristan stammt.


    Die eben angeführte Lieblingsstelle wird übrigens thematisch im zweiten Aufzug vorbereitet, ich zitiere rasch die Textstelle:


    Textbuch Voss Zeilen 1605-1610:


    [...]
    Dem Land, das Tristan meint,
    der Sonne Licht nicht scheint:
    es ist das dunkel
    nächt´ge Land,
    daraus die Mutter
    einst mich sandt´,
    [...]


    Nun die zweite, das ist etwas sehr, sehr Wohlbekanntes, wie ich denke. Es handelt sich ganz zu Beginn des ersten Aufzuges um Isoldes intensives gesangliches Vor-sich-Hinstarren:


    Textbuch Voss Zeilen 91-96:


    [...]
    Mir erkoren, -
    mir verloren, -
    hehr und heil,
    kühn und feig -:
    Tod geweihtes Haupt!
    Tod geweihtes Herz!
    [...]


    Wen das nicht anmacht, der hat seine Rezeptoren früh verkümmern lassen, sage ich abschließend in gewohnter Keckheit, aber auch mit vieler Dankbarkeit für dieses musikalische Erlebnis, das uns der wahre Zauberer geschenkt hat.




    Der Graf :wink:

    Aber das wird hier schon wieder zu philosophisch und zerschießt den ganzen Thread.


    Wer hat eigentlich verfügt, daß man in Threads nur bis zu einem bestimmten Punkt denken sollte? Der Audi? Zuzutrauen wär´s ihm... Und warum bestimmen immer andere den bestimmten Punkt und bestimmt nie ich?


    Sagen wir mal so: Das Wesen einer Sache ist doch selten OT, oder nicht? Und auch, wenn ich jetzt nicht andauernd nach den allerletzten Gründen fragen mag und deshalb auch nicht frage (davon bekommt man Fältchen zwischen den Augen), was Du geschrieben hast, hat doch exakt mit den "Langen Wörtern in deutscher Sprache, aber nicht nur" zu tun. Und was ich gechrieben habe, auch. Außerdem ist der Streifenpeter selber Philosoph, dieses "aber nicht nur" ist der genialste Titelzusatz, den man sich nur theoretisch denken kann und der trotzdem etwas bezeichnet.


    In Deiner Signatur deutest Du an, um die Differenzkriterien von Geistreichtum genauer als andere Bescheid zu wissen, in den Threads erklärst Du gern anderen die Grenzen, an die sie Deiner Meinung nach bald stossen. Ich freue mich immer, wenn Hedwig einmal etwas besser weiß als ich, aber so geht es doch nun wirklich nicht weiter.


    Zur Zahl haste eigentlich schon recht, der Vergleich sagt weniger als er vielleicht sollte. Und womöglich siehst Du Dich wieder etwas in Deine foralen Rechte gesetzt, wenn wir uns darauf einigen, daß das von Dir ins Spiele gebrachte Wort, ob es nun ein Protein oder "Alete-Bäuerchen" auf Isländisch bezeichnet, ausgeschrieben ein sehr, sehr langes Wort ist und daß ich ebenso beeindruckt davon bin, daß man soetwas überhaupt kennt, wie ich erleichtert bin, daß man es abkürzt.



    GrüßevomGrafendergarnichtimmersoeinschlimmerKlugscheißerseinmuß :wink:

    Es gab mal eine Untersuchung (leider weiß ich die Quelle im Moment nicht mehr), die sich mit Klangtests beschäftigte, und bei der festgestellt wurde, dass kein Mensch in der Lage ist, sich länger als einige wenige Sekunden detailliert und konkret an ein bestimmtes Klangbild zu erinnern. Allein daran scheitern schon alle persönlichen Vorführungen und Vergleichstests[...]


    Na, immer langsam. Vermutlich liegt hier eine ziemlich gewaltsame Extrapolation von Theorien des Kurzzeitspeichers (Kurzzeitgedächtnisses, Short term memory) vor. In Baddeleys Konzeption eines Arbeitsgedächtnisses, die wohl die prominenteste der gegenwärtigen Gedächtnisforschung darstellt, wenn sie auch alles andere als die Orthodoxie auf dem Gebiet darstellt, gibt es die sog. "Phonologische Schleife" (phonological loop), eine akustische Gedächtniskomponente innerhalb der Ersteintragung eines Reizes, die (modellarisch) in der Tat Einträge nur bis zu wenigen Sekunden speichern kann. Das bedeutet aber nicht, daß durch Rehearsal und schließlich Transformation in langfristiger angelegte Gedächtnisstrukturen nicht Information wesentlich länger Bestand haben kann, sie wird dann eben aus dem Arbeitsgedächtnis verschoben.


    Ein Problem ist bei all dem allerdings, daß wir hierbei wie selbstverständlich von Information in Shannons Verständnis ausgehen und es scheint nicht ganz klar, wie der Informationsgehalt (ja, das ist eine Tautologie) von Tönen oder gar Halbmetaphern wie "Klangbildern" zu denken ist. Er wäre im Moment der Encodierung (Einspeicherung) wahrscheinlich als mit i-welchen shannon-informativen Merkmalen belegt vorzustellen und es wären dann diese, die encodiert, konsolidiert und ekphoriert (abgerufen) werden, nicht das Klangbild, wie es physikalisch vorliegt, selbst...


    Womit weitere Unschärfe in die Angelegenheit käme. Komplexe Kiste, läßt sich jetzt nicht so wirklich mal eben in einem Interntforum abhandeln.


    Das STM wird allerdings auch anders konzipiert, insbesondere der sog. "Levels-of-processing"-effect vermag wichtige Schwachpunkte von Baddeley besser zu explizieren.


    Wen das alles interessiert (es wäre ja nicht ganz so unwichtig für diese Diskussion), der Wikipedia.en-Artikel zu Baddeleys Working Memory ist ganz brauchbar und dieser abstract erklärt recht gut den andern Ansatz:


    "http://picard.montclair.edu/psychology/adams/craik-and-lockhart-1972.htm.


    Alles auf einmal versucht i-wer auf seiner privaten Seite darzustellen, gar nicht mal so übel:


    "http://paedpsych.jk.uni-linz.ac.at/internet/arbeitsblaetterord/lerntechnikord/GEDAECHTNISORD/Kurzeitgedaechtnis.html#kon


    Deutschsprachig gibt es, wer jetzt auch darin freaken will, die Bücher von Andersen: Kognitive Psychologie und neuerdings Gluck/Mercado/Myers: Lernen und Gedächtnis; beide Spektrum-Verlag.


    Aber meine HiFiAnlage klingt prima, muß ich sagen...