Beiträge von Il Grande Inquisitore

    In jedem Fall dürfte Sinopoli sich in die Reihe der Legenden eingereiht haben, indem er eindeutig einen "famous death" hingelegt hat. Wie zuvor nur wenige Auserwählte (Lully, Leonard Warren) mitten während der Kunst (die Berliner Aida war es doch, nicht wahr, kann mich an entgeisterte Nachopernbesucher im Restaurant erinnern) zusammenzubrechen - Reschpekt!

    Den eher durchschnittlichen Rigoletto würde ich als hochanständig bezeichnen, die Elektra habe ich gerade nochmal gehört und bin leider eher durch die wenig distinkten Stimmen von der orchestralen Feinnervigkeit abgelenkt worden, die Dynamikwechsel sind allerdings sehr effektvoll, vielleicht ein wenig overdosed, aber in jedem Fall fesselnd. Frau Marc aber versteht man nur bei sehr gutem Wind (diese Frau beherrscht nur einen einzigen Buchstaben, so etwas wie o), Frau Schwarz klingt ähnlich, Frau Voigt ebenfalls, "man muß schon sehr genau hinhören". Samuel Ramey gelingt das Portrait eines Mannes, dem es wirklich nicht gut erging, so schwankend ist seine vokale Gestalt. Dennoch sicher eine klasse Aufnahme, ob nun so sensationell, wie einige Kritiker wähnen...

    Jetzt müßt ich aber mal suchen, was ich vom Sepp noch im Schrank habe.

    Solange Grüße
    GI

    Liebe Leute,

    ich werde gern berichten. Habe die älteren Decca-Aufnahmen mit Schiff ebenfalls (inkl. Goldberg, gerade wieder in so einer unglaublich günstigen 12er-Box zu haben), die neueren kenne ich nicht. Als Begleiter mit Bartoli und anderen ist er gewiß berühmt, der Graf hat ihn mal als Winterreisenden mit Peter Schreier erlebt und war hin und weg, wenn ich noch recht weiß.

    LG
    GI

    Andras Schiff spielt Bach

    Gestern im ersten Abokonzert der Reihe "Schiff spielt Bach II" im Kammermusiksaal der Philharmonie gewesen. Programm: Die sechs Englischen Suiten.
    Ich bin beileibe kein Bach-Spezialist, aber die Stilistik Schiffs begeistert mich sehr, ganz im Gegensatz zu Glenn Goulds wenigen Aufnahmen, die ich kenne. Der Anschlag ist so variabel, so rund und dennoch differenziert, das Spiel unerhört geläufig und doch nicht beliebig, Struktur und Variation der Stücke werden nicht nur demonstriert, sondern blühen manchmal regelrecht auf und verlieren in besten Momenten den kunsthandwerklichen Charakter vollends. Wie Schiff ohne Pedal einen orgelähnlichen Klang beschwört und im nächsten Moment mit leichtester Hand perlende Läufe zaubert, wie er das aberwitzige Präludium zur sechsten Suite bewältigt, insgesamt dieses äußerst fordernde Programm besteht und präsentiert, das nötigt mir allerhöchsten Respekt ab.
    Ein schlauchender und dennoch beglückender Abend!
    Ich freue mich schon auf die nächsten zwei Abende, Goldberg-Variationen und Wohltemperiertes Klavier.

    LG
    GI


    Eine überschaubare Menge von Realisierungsmöglichkeiten, die mir angenehm erklängen.

    Kann man's präziser sagen? Nein, Vollendung erreicht. Die GKP greift um sich (Grafen kommode Praxis), oder, für Eingeweihtere, die WIP!

    Ich schätze Dein Urteil nicht, ich verabsolutiere es! Gut, nicht bei Sängern, Dirigenten, Aufnahmen, Werken oder so. Aber sonst immer!

    In Demut
    Dein GI(P)

    Mich hat mal Peter Hofmann in seinem Rolls fast umgefahren, am Ku'damm; und um die Spannung noch zu steigern: René Kollo in einem grünen Bentley zu sehen, aussehend wie das geschminkte Gespenst eines verschmachteten Kinderschänders, des is fei net schee. Immerhin war er stumm.
    Das sind Auto-Erlebnisse, hä?

    Euer GI

    Ich nahm mich zusammen, konzentrierte alle meine Fähigkeiten und fragte also: „Können Sie bitte schreiben: Für Nadine?“. Das saß! Damit konnte er unmöglich gerechnet haben. „Für Elise“, geschenkt, aber „Für Nadine“!?

    Er hatte auch gar nicht gerechnet. Er hatte nicht einmal verstanden. Er drückte nur das Kreuz durch (war jetzt gefühlt dreimal so groß wie ich), und polterte mit seiner mir so lieben, wohlvertrauten, schönen Stimme: „Sie müssen deutlicher sprechen, junger Mann, die Zähne auseinander. Nicht so´n Genuschel….“

    Ich wiederholte ängstlich, aber deutlich - ganz wie in der Schule: „F-für Nadine“, er nickte ärgerlich und trug den Namen ein.


    Alex. :wink:


    Ebenso Oberlehrer und wichtigtuerischer Kleinbürger, wie man ihn kennt. Aber fasse Dich, Graf, heute würde er dieses nicht mehr ungestraft...

    Klein und charmant, und aufgrund der modernen Geschäftsentwicklung nunmehr mit einer Zweitausendeinsfiliale fusioniert (oder nur das Sortiment führend, weiß ich nicht genau, ist ja auch nicht das Schlechteste) ist die Schlosser'sche Buchhandlung in der Augsburger Annastraße. Natürlich auch hier der obligate Kleinkindkitsch, aber auch ein nette Stöberei ist möglich, mit einiger Auslage an moderner Literatur.
    Zum Kaffee danach um die Ecke in den Annahof, Ritual in Augsburg für Inquisitoren und alle, die es werden wollen.

    Zum Schauen und Flairatmen: Ludwig im Leipziger Hauptbahnhof, viele englische Klassiker, natürlich auch viel Edelnippes, von Moleskine bis paperblanks, Reiseführer etc. Ein Muß die Empore mit Café (Ihr seht, worauf es mir ankommt). Die Atmosphäre geht über alles.

    Büchergilde Berlin: Immer wieder Sonderausgaben von Klassikern und Neuerscheinungen, meist etwas aufwendiger gebunden und nicht teuer. Clubzwang à la Anti-Bertelsmann.

    Marga Schoeller's Bücherstube
    Berlin: Eine Fundgrube, insbesondere für englische Originale, mit wunderbar schrulligem, kompetentem Personal.

    Ich will die fnac zurück!!!

    Schleicher's
    in Berlin-Dahlem: Durch Uninähe einiges an Wissenschaft, nett sortierte Kinderbuchabteilung, viel Personal, häufig Lesungen und Vorträge des "Dahlemer Autorenforums" mit mal spannenden, mal peinlich-gelangweilten Stars.

    Boden-Bender
    in Berlin-Lichterfelde: Mein Um-die-Ecke-Buchgeschäft, nett, das Übliche, viel fürs Kind, viele nette Jugendstilpostkarten.

    LG
    GI

    Ovulare Okulare

    Nein! Mitnichten!
    Kein Unterlaß sei!
    Ich kann ja nicht dichten.
    ich fühl mich fast frei!

    Ich schreib's jetzt hier einfach,
    warum nicht? Warum?
    Manch einer findt's scheiße,
    manch einer findt's dumm.

    Doch ich fühl mich supi,
    bar jeden Geschicks.
    Und gleich kommt ein Groupie
    versteh'n tut sie nix.

    Das stört nur in Maßen,
    Hauptsache, sie kommt!
    Konkav sei mein Texten
    bis daß es verstommt!

    Es wird dieses kein Problem sein, denn spätestens nach der nächsten OECD-Statistik können wir uns endlich dem lange bewunderten Vorbild annähern: Venezuela! Da musiziert die Jugend, daß es eine helle Freude ist, völlig unabhängig vom inexistenten Einkommen der Lieben daheim, alle spielen und tanzen den ganzen Tag! Dudamel und seine Vorstadtkrokodile, nicht diese depressiven Finnen, geht und schaut sie Euch an!

    Ob Plato das damals so gemeint hat? Nicht jede Höhle ist gleich!

    GI le fataliste

    Schulljung, was ich sah, war plump und flach, nix für ungut, mit äußerst auf der Ladentheke liegenden Scherzen zu unserem Genpoolverteidiger Nr. 1. Sarrazin ist immer noch seine beste Replik. Thilo mit Safranski wär doch nett, im Duett, Konzept für monatliche Weltbetrachtungsshow hiermit eingereicht: Der Sprachfehler und seine genetischen Auswüchse oder so...

    Lupe!

    Gemach, Comedy-Käse klaro, aber stilistisch gekonnter als das, was ich gerade von Herrn Schmickler sehen mußte, somit weit weniger harmlos als dessen mittelgeistige Sarrazinreplik. Steilvorlage mit verzogenem Abschluß könnte man Letzteres nennen, vielleicht. Nun muß ich zugeben, wenig von Asül zu kennen, des Eindeutschen, die Salvatorrede etwa, das war doch etwas überm Durchschnitt, jedoch ging es mir um das quasi Handwerkliche.

    Gibt es eigentlich "Night Wash" noch?

    Cordialiter
    C.

    Auch auf die Gefahr hin, den Anspruch wiederum um eine Ebene abrutschen zu lassen: dieser Django Asül ist zwar platt, das aber durchaus nicht ungekonnt, die drei, vier Sächelchen, die ich gesehen habe, zeugten von erstaunlichem Timing und einer ziemlich konsequenten Sprechmasche, salopp und mediengerecht formuliert.
    Keine Kunst, aber echte Kleinkunst, das.

    Auf einen Einwurf von Carsten aus den Annalen dieses Austauschs möchte ich bekennen, daß ich die ersten Ausgaben der heute-show nicht gar so erbärmlich fand, sowohl die schrägen Eskapaden des Herrn Sonneborn als auch manchen Einspieler. Der Absturz war dann wohl unvermeidlich.

    Schramm ist - ich wiederhole mich - nur noch eine müde Kopie seiner selbst in besseren Tagen, sein Umfeld im ZDF eine schlichte Katastrophe. Dann doch gleich Hallervordens "Spott Light", dürftig, bräsig, aber ehrlich.

    Euer GI

    Herbstliches

    Trotz gewisser gezierter Gespreiztheit
    herrscht sie derzeit: die große Gereiztheit.
    Mancher schätzt's, mancher krittelt
    und ein Dritter vermittelt.
    doch an Galle wird selten gegeizt, Leit'!

    So, Kumpan, wer schreibt gut, wer schreibt richtig?
    Wessen Threads sind trotz Titelei nichtig?
    Tja, so viele Reflexe
    auf noch ält're Komplexe.
    Doch zum Glück ist des ois: nicht so wichtig!

    Ja, ich liebe den munteren Reigen
    welker Blätter, wenn Jahre sich neigen.
    Deren Irrlichtelieren,
    das Sich-sinnlos-verlieren,
    und doch Rascheln: so vielem zu eigen.

    Bevor ich hörte, daß der auch für die dämlichen Toten Hosen schreibt, habe ich mich ganz nett amüsiert über Funny van Dannen. Die Lacher haben eine kurze Halbwertzeit, sie bergen kein Unmaß an Originalität, doch sind sie manchmal durchaus beherzt. Zaubrisch-kindische Liedl wie das "Okapiposter" singen mein Sohn und ich im Duett, unverstanden, aber glücklich und eingeweiht.

    Tja
    GI

    Also, ich gehe *Hochinteressant-für-alle-Funktion-aktiviert* im Oktober/November zu Hader und Grebe, dann werde ich auch mal wieder Laut geben. Schmickler kenne ich gar nicht, ich kenne ohnehin nix mehr seit Polt, scheint mir, aber der Hirschhausen bietet tatsächlich die abgestandenste, dünnste und am schwiegermutterverträglichwiderlichsten vermarktete Logorrhoe der Klein"kunst"szene. In puncto ubiquitäre Penetranz hat Ecki den rührigen Dieter Nuhr und auch den ach so quirligen Richling locker verdrängt. Des Grafen alttestamentarische Wünsche kann ich nur verdoppeln, nicht nur von Berufs wegen.


    GI

    Übrigens pestelnde Anmerkung an die Moderationisten:
    Wenn jeglicher Ansatz stante pede in den ihm gebührenden offiziösen Rahmen verlegt wird, geht der Bezug komplett flöten, in dem er kreiert ward. Eine Gelegenheitslaune gerät so zu einer neuen, völlig abstrusen Exzentrik. Gibt dem Ganzen teils neuen, völlig unverhofften Wert, negiert aber den Kompositionshintergrund; damit ist Eure Praxis absolut Un-HIP!

    Mir soll es recht sein (aber einen Tag Zeit lassen könntet Ihr Euch schon, damit die oder der jeweilige Adressat(en) selbst noch begreifen, was gemeint war - gilt nicht für den vorliegenden Fall)

    Abendlich dämmernd
    GI