Beiträge von wes.walldorff

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    < = = oha - ist das eine Ulrich Seidl Opus, das ich auf DVD habe; jetzt würd' mich schon interessieren, was da ein Forumskollege drüber schreibt (muss ja nicht morgen/übermorgen resp. nä. od. übernä. Woche sein!)


    :wink:

    - - - du brauchst nicht vor mir in Deckung zu gehen ;) ;) mich betreffend hat Mr. Bean da wohl durchaus recht - warum auch nicht; selbst ein Hans Heinz Stuckenschmidt ist 1920 Teilnehmer an der Ersten Internationalen Dada-Messe gewesen


    ob resp. inwiefern - SRY so auf die Schnelle ist das jetzt sicher fürchterlich simpel und allgemein formuliert! - manches schräge Zeugs mehr/eher Realität beschreibt (resp. ihr nahe kommt) als so manche vorgeblich ''realistische'' Darstellung, dürfte btw ein seit Jahrzehnten geführter Diskurs sein, auch wenn er eher im Verborgenen blühen mag....


    im Übrigen bleibe ich voll umfänglich bei meinen in Beitrag 522 getätigten Äußerungen :) :)

    < - - - eine (vermutl. sehr frühe) Fotografie von Man Ray - ja und? (Voila: manray-photo.com, Man Ray official digital photographic library manray-photo.com, Man Ray official digital photographic library) Ich sehe nicht, was daran 'grauenvoll' sein soll (...schulterzuck-smiley...)


    KLAR bleibt die Frage, was surrealistische Fotokunst mit der auf der CD zu hörenden Musik zu tun haben soll!! Dieser 'Dissens' ist dann allerdings m. E. gar zu lachhaft u. peinlich als dass man ihn noch mit einem Negativ-Etikett wie ''grauenvoll'' schmücken könnte....


    :wink:

    kleine Schote am Rande ;) besagter Eberhard Fechner hat auch einen der allerersten 'Tatorte' in Szene gesetzt - einer der ganz wenigen (wenn nicht gar die einzige??) Folge/n, in der nicht wg. Mord+Totschlag ermittelt wird!! Diese Episode sechs ('Frankfurter Gold' v. April '71 - gleichfalls zur Gänze auf yT zu betrachten) ist m. E. stilistisch gar nicht s o o weit von der 'Klara H.' entfernt!


    aber zurück zum Doku-Film - - - der andere dt.sprachige Klassiker jener Jahre (jedenfalls v. denen, die eine Spieldauer von weniger als 60min. haben) dürfte Erika Runges ''Warum ist Frau B. glücklich?'' sein! Runge ist inzwischen vergl.weise nahezu unbekannt, nachdem sie sich schon seit Mitte der 70er mehr und mehr aus der Öffentlichkeit zurückgezogen hatte. Ihre bekannteste Arbeit - besagte 'Frau B.' - ist nicht bei yT hochgeladen, kann aber für sehr kleines Geld (zusammen mir ihrer Textsammlung 'Bottroper Protokolle' - auf einem dieser Protok. beruht der Film!) bei Zweitausendeins erworben werden: https://www.zweitausendeins.de…rotokolle-dvd-152150.html


    :wink: :wink:

    22.11.1959 - im ''Dt. Fernsehfunk'' geht ''Unser Sandmännchen'' auf Sendung....


    Die literar. Figur des Sandmanns ist seit Jahrhunderten aus verschiedenen Erzählungen bekannt, zum Beispiel...Hans C. Andersens >im Dez. 1841 erstmals erschienene< Ole Lukoje (übers. z. B. mit Ole Augenschließer) / v. wikipedia.org ... Hier c. die Hälfte d. Textes in der Übers. v. Julius Reuscher, zitiert nach der Ausgabe des Verlags Abel & Müller (Leipzig: um 1900).

    Einleitung... Er kommt die Treppe sachte herauf, denn er geht auf Socken; er macht ganz leise die Thüren auf und husch! da spritzt er den Kindern süße Milch in die Augen hinein, und das so fein, so fein, aber immer genug, daß sie die Augen nicht offenhalten und ihn deshalb auch nicht sehen können. Er schleicht sich gerade hinter sie, bläst ihnen sachte in den Nacken, und dann werden sie schwer im Kopf. Aber es thut nicht weh, denn der Sandmann meint es gut mit den Kindern; er will nur, daß sie ruhig sein sollen, und das sind sie am schnellsten, wenn man sie zu Bette gebracht hat; sie sollen still sein, damit er ihnen Geschichten erzählen kann...

    Dienstag... Nun hob der Sandmann den kleinen Friedrich gegen den Rahmen empor und stellte seine Füße in das Gemälde, gerade in das hohe Gras, und da stand er, die Sonne beschien ihn durch die Zweige der Bäume. Er lief hin zum Wasser und setzte sich in ein kleines Boot, welches dort lag; es war rot und weiß angestrichen, das Segel glänzte wie Silber, und sechs Schwäne, alle mit Goldkronen um den Hals und einem strahlenden blauen Stern auf dem Kopf, zogen das Boot an dem grünen Walde vorbei, wo die Bäume von Räubern und Hexen und die Blumen von den niedlichen, kleinen Elfen und von dem, was die Schmetterlinge ihnen gesagt hatten, erzählten.


    Die herrlichen Fische, mit Schuppen wie Silber und Gold, schwammen dem Boote nach; mitunter machten sie einen Sprung, daß es im Wasser plätscherte, und Vögel, rot und blau, klein und groß, flogen in langen Reihen hinterher, die Mücken tanzten und die Maikäfer sagten: ''Bum, bum!'' Sie wollten Friedrich alle folgen, und alle hatten eine Geschichte zu erzählen.


    Das war eine Lustfahrt! Bald waren die Wälder ganz dicht und dunkel, bald waren sie wie der herrlichste Garten mit Sonnenschein und Blumen. Da lagen große Schlösser von Glas und von Marmor; auf den Altanen standen Prinzessinen, und alle waren es kleinen Mädchen, die Friedrich gut kannte; er hatte früher mit ihnen gespielt. Sie streckten jede die Hand aus und hielten das niedlichste Zuckerherz hin, welches je eine Kuchenfrau verkaufen konnte, und Friedrich faßte die eine Seite des Zuckerherzens an, indem er vorbeifuhr, und die Prinzessin hielt recht fest, und so bekam jedes sein Stück, sie das kleinste, Friedrich das größte. Bei jedem Schlosse standen kleine Prinzen Schildwache, sie schulterten mit Säbeln und ließen Rosinen und Zinnsoldaten regnen...

    Mittwoch... Sie segelten so lange, bis kein Land mehr zu erblicken war, und sie sahen einen Flug Störche, die kamen auch von der Heimat und wollten nach den warmen Ländern; ein Storch flog immer hinter dem andern, und sie waren schon weit, weit geflogen! Einer von ihnen war so ermüdet, daß seine Flügel ihn kaum noch zu tragen vermochten... zuletzt sank er mit ausgebreiteten Flügeln tiefer und tiefer, er machte noch ein paar Schläge mit den Schwingen, aber es half nichts; nun berührte er mit seinen Füßen das Tauwerk des Schiffes, glitt vom Segel herab, und bums! da stand er auf dem Verdeck. Da nahm ihn der Schiffsjunge und setzte ihn in das Hühnerhaus zu den Hühnern, Enten und Truthähnen; der arme Storch stand ganz befangen mitten unter ihnen.

    ''Sieh den!'' sagten alle Hühner. Der kalekutische Hahn blies sich so dick auf, wie er konnte, und fragte, wer er sei. Die Enten gingen rückwärts und stießen einander: ''Rapple Dich, rapple Dich!'' Der Storch erzählte vom warmen Afrika, von den Pyramiden und vom Strauße, der einem wilden Pferde gleich die Wüste durchlaufe; aber die Enten verstanden nicht, was er sagte, und dann stießen sie einander: ''Wir sind doch darüber einverstanden, daß er dumm ist?'' ''Ja, sicher ist er dumm!'' sagte der kalekutische Hahn... ''Das sind ja herrlich dünne Beine, die Ihr habt... Was kostet die Elle davon?'' ''Skrat, skrat, skrat!'' grinsten alle Enten, aber der Storch that, als ob er es gar nicht höre. ''Ihr könnt immer mitlachen,'' sagte der Kalekute zu ihm, ''denn es war sehr witzig gesagt, oder war es Euch vielleicht zu hoch? Ach, er ist nicht vielseitig, wir wollen für uns bleiben!'' Und dann gluckte er, und die Enten schnatterten: ''Gikgak! Gikgak!!'' Es war erschrecklich, wie sie sich selbst belustigten.


    Aber Friedrich ging nach dem Hühnerhause, öffnete die Thür, rief den Storch, und er hüpfte zu ihm hinaus auf das Verdeck. Nun hatte er ja ausgeruht, und es war gleichsam, als ob er Friedrich zunickte, um ihm zu danken. Darauf entfaltete er seine Schwingen und flog nach den warmen Ländern...

    Donnerstag... ''(Die kleine Maus) ist gekommen, um Dich zur Hochzeit einzuladen. Hier sind diese Nacht zwei kleine Mäuse, die in den Stand der Ehe treten wollen. Sie wohnen unter Deiner Mutter Speisekammerfußboden; das soll eine schöne Wohnung sein!'' ...und er berührte Friedrich mit seiner Zauberspritze, wodurch dieser sogleich kleiner und kleiner wurde; zuletzt war er keinen Finger lang. ''Nun kannst Du Dir die Kleider des Zinnsoldaten leihen; ich denke, sie werden Dir passen, und es sieht gut aus, wenn man Uniform in Gesellschaft hat!''


    ...zuerst kamen sie...in einen langen Gang, der nicht höher war, als daß sie gerade mit dem Fingerhut dort fahren konnten; und der ganze Gang war mit faulem Holze erleuchtet. ''Riecht es hier nicht herrlich?'' sagte die Maus, die ihn zog. ''Der ganze Gang ist mit Speckschwarten geschmiert worden! Es kann nichts Schöneres geben!'' ...(im Brautsaal) standen zur Rechten alle kleinen Mäusedamen, die wisperten und zischelten, als ob sie einander zum Besten hielten; zur Linken standen alle Mäuseherren und strichen sich mit der Pfote den Schnauzbart. Aber mitten im Saal sah man das Brautpaar; sie standen in einer ausgehöhlten Käserinde und küßten sich gar erschrecklich viel vor aller Augen...


    Es kamen immer mehr und mehr Fremde; die eine Maus war nahe daran, die andere tot zu treten, und das Brautpaar hatte sich mitten in die Thür gestellt, sodaß man weder hinaus noch hinein gelangen konnte. Die ganze Stube war ebenso wie der Gang mit Speckschwarten eingeschmiert, das war die ganze Bewirtung, aber zum Nachtisch wurde eine Erbse vorgezeigt, in die eine Maus aus der Familie den Namen des Brautpaares eingebissen hatte, das heißt den ersten Buchstaben. Das war etwas ganz Besonderes.


    Alle Mäuse sagten, daß es eine schöne Hochzeit und daß die Unterhaltung gut gewesen sei. Dann fuhr Friedrich wieder nach Hause; er war wahrlich in vornehmer Gesellschaft gewesen, aber er hatte auch...Zinnsoldatenuniform anziehen müssen...


    Sonnabend... Der ganze Regenschirm sah aus wie eine große chinesische Schale mit blauen Bäumen und spitzen Brücken und mit kleinen Chinesen darauf, die dastanden und mit dem Kopfe nickten. ''Wir müssen die ganze Welt zu morgen schön ausgeputzt haben,'' sagte der Sandmann; ''es ist ja morgen Sonntag. Ich will die Kirchtürme besuchen, um zu sehen, ob die kleinen Kirchkobolde die Glocken polieren, damit sie hübsch klingen; ich will hinaus auf das Feld gehen und sehen, ob die Winde den Staub von Gras und Blätter blasen, und was die größte Arbeit ist, ich will alle Sterne herunterholen, um sie zu polieren. Ich nehme sie in meine Schürze; aber erst muß ein jeder numeriert werden, und die Löcher, worin sie da oben sitzen, müssen auch numeriert werden, damit sie wieder auf den rechten Fleck kommen, sonst würden sie nicht festsitzen und wir würden zu viele Sternschnuppen bekommen, indem der eine nach dem andern herunterpurzeln würde!''


    ''Hören Sie, wissen Sie was, Herr Sandmann?'' sagte ein altes Bild, welches an der Wand hing... ''ich danke Ihnen, daß sie dem Knaben Geschichten erzählen, aber Sie müssen seine Begriffe nicht verdrehen. Die Sterne können nicht heruntergenommen und poliert werden! Die Sterne sind Kugeln, ebenso wie unsere Erde, und das ist gerade das Gute an ihnen.'' ''Ich danke Dir, Du alter Urgroßvater,'' sagte der Sandmann... ''aber ich bin doch älter als Du! Ich bin ein alter Heide; Römer und Griechen nannten mich den Traumgott! Ich bin in die vornehmsten Häuser gekommen...; ich weiß sowohl mit Geringen wie mit Großen umzugehen! Nun kannst Du erzählen!'' Und da ging der Sandmann und nahm seinen Regenschirm mit. ''Nun darf man wohl seine Meinung gar nicht mehr sagen!'' brummte das Bild...


    zit. v. zeno.org

    20.11.1907 - Todestag von Paula Modersohn-Becker


    Ich muß mich ganz im stillen mit meiner Außenwelt reiben, sonst werde ich...so eine Art Molluske, die ihre Hörner immer einzieht. Oder hat diese Tier Fühler? Einerlei, ich habe mir vorgenommen, meine Hörner oder Fühler zu brauchen, nicht zum Stoßen, sondern zum leisen ruhigen Schieben meines Lebensweges.


    Malen, malen, malen...ist die begleitende Melodie zu meinem jetzigen Leben. Oft klingt es leise, traumverloren, märchenhaft. Das nenne ich meine ''Versunkene-Glocke-Stimmung''. Oft laut und fein und groß. Dann möchte ich auf einem hohen Berge stehen und möchte laut, laut schreien. Da ich das aber nicht kann, bin ich innerlich und äußerlich ganz still. Es ist, als ob,,,nur meine Seele lebte. Das ist sehr, sehr schön. Man wagt sich kaum zu rühren, um den Zauber nicht zu verscheuchen. Es ist wie die Berge in Abendstimmung. ((Bremen, 14.07.1897))


    Schönes braunes Moor, köstliches Braun! Die Kanäle mit den schwarzen Spiegelungen, asphaltschwarz. Die Hamme mit ihren dunkeln Segeln. Es ist ein Wunderland, ein Götterland. Ich habe Mitleid mit diesem schönen Stück Erde, seine Bewohner wissen nicht, wie schön es ist...


    (Mackensen) malt Charakterbilder von Land und Leuten; je charakteristischer der Kopf, desto interessanter... Mir deucht, er könnte (den Bauern) nicht so gut verstehen, wäre er nicht selbst in kleinen Verhältnissen aufgewachsen. Es klingt hart von mir, grausam hart, es liegt ein großer Dünkel darin, und doch muß ich es sagen. Dies ''In Kleinen Verhältnissen Aufgewachsensein'' ist sein Fehler, für den er ja selbst nichts kann. Daß der Mensch es doch nie abschütteln kann, wenn er mit den Groschen gekämpft hat, auch später nicht, wenn er im Wohlstand lebt; der edle Mensch wenigstens nicht. Dieser Kampf läßt Spuren zurück. Sie sind fast unsichtbar, aber ihrer sind viele, viele... (Vogeler) ist nicht so ein Wirklichkeitsmensch wie Mackensen, er lebt in einer Welt für sich. Er führt bei sich in der Tasche Walther von der Vogelweide und des Knaben Wunderhorn... Er liest jedes Werk so intensiv, den Sinn des Wortes so träumend, daß er das Wort selbst vergißt. So kommt es, daß er...keins der Gedichte auswendig weiß. Im Atelier...steht seine Gitarre. Auf ihr spielt er verliebte, alte Weisen. Dann...träumt er mit seinen großen Augen Musik... Er hat sich die altdeutschen Meister zum Vorbild genommen. Er ist ganz streng, steif streng in der Form... Und doch ist es für mich etwas Rührendes, zu sehen, wie dieser junge Kerl seine drängenden Frühlingsträume in diese gemessene Form kleidet... ((Fritz Mackensen gilt als Gründer der Künstlerkolonie W. // Mit >WK I< geriet seine Karriere ins Wanken... Am Ende vertrat er gar die nationalsoz. Kunstauffassung / v. volksstimme.de)) ((Heinrich Vogeler >gründete 1908< die 'Worpsweder Werkstätten', in denen Möbel und sonstiges Interieur entworfen wurden... Der Ausbruch >v. WK II< führte...zu seiner Zwangsevakuierung nach Kasachstan. / v. lempertz.com))


    (Modersohn habe ich) nur einmal gesehen und da auch leider wenig gesehen und gar nicht gefühlt. Ich habe nur in der Erinnerung etwas Langes in braunem Anzuge mit rötlichem Bart. Er hatte so etwas Weiches, Sympathisches in den Augen. Seine Landschaften...hatten tiefe Stimmung in sich. Heiße, brütende Herbstsonne, oder geheimnisvoll, süßer Abend. Ich möchte ihn kennenlernen, diesen Modersohn. Nun kommt der Overbeck. Ihn habe ich versucht, fühlend zu sehen... Seine Landschaften sind tollkühn in der Farbe, doch ich glaube, sie haben nicht das Modersohnsche Empfinden. ((Worpswede, Sommer 1897))


    Die Klassen Hausmann und Bauck bilden sich immer mehr zu Extremen aus. Ich bin sehr glücklich bei beiden zu arbeiten. Er hat ein echtes Künstlergefühl, ganz feine Anschauung, man merkt das, wenn er spricht, bis in die Fingerspitzen. Er ist aber unpraktisch... Er kann sich selbst nicht fassen, nicht sammeln. So geht es vielen, die alles haben, bis auf - ein bißchen Energie. Jeanne Bauck hingegen ist äußerst praktisch... ((Jeanna Bauck; 1840/1926 // In den Pariser Salons v. 1881 u. 82 zeigte sie ihre Bilder. 1893 war sie mit einem Gemälde auf der Weltausstellung in Chicago vertreten. / v. catplus.de)) (Sie hat sich übersprudelnde Jugend) bewahrt trotz ihrer fünfzig Jahr. Ich liebe sie sehr. Mit ihr zu sprechen ruft ein Gefühl des Wohlbehagens in mir hervor. Sie ist so reizend arglos, von jener Arglosigkeit, die einfach entwaffnend wirkt. ((Berlin, 28.10.1897))


    Ich habe in Wien herrliche Bilder gesehen. Unvergeßlich bleibt mir Morettos ''Divina Justina'' und die wundervollen Farben der noblen Tizian-Porträts und Rubens mit all seiner Pracht. ((Alessandro Bonvicino, gen. il Moretto; verst. 1554 in Brescia)) Die alten Deutschen nahmen mich ganz gefangen. Der Dürer hat bei aller Kraft und Männlichkeit so viel Rührendes, Zartes. Dann der Lukas Cranach mit seinen kleinen, halb kindlichen, halb koketten Evas und dem lieben Herrgott, der den Paradieseskindern ernst mit den Fingern droht. Ein ganz besonderes Lichtlein steckte der Holbein mir an...: die große Wirkung nobler Einfachheit.


    In der Galerie Liechtenstein hat es mir ein Köpfchen Lionardos ((?)) angetan und die glänzenden van Dycks. Ich habe geschwelgt. Da kriegt man eine gewaltige Ehrfurcht vor dem Menschen. Und das tut gut, denn die sinkt im Leben der Großstadt oft leider zu einem Minimum herab. Aber ich sträube mich dagegen, denn das macht andere nicht glücklich und mich unglücklich. ((Berlin, 04.12.1897))


    Es ist nur grün und blau, was hier in der Natur spricht. Sprechen kann man es eigentlich gar nicht nennen, sondern singen, flöten, jubilieren. Denn beim Anblick hüpft einem das Herz in freudigen Sprüngen. Oder...es schreitet sacht und leise...und träumt von Böcklinschen Gefilden. In der Ferne liegen die blauen Berge, von Fichten bestanden, die von der Abendsonne in ein strahlend goldenes Braun gekleidet werden. Jene holde Stimmung dauert ungefähr von neun Uhr bis elf. Alles geht hier mit himmlischer Ruhe vor sich. Es ist nicht, wie unser Abendroth, das im Nu verschwindet...


    (Der Namsen) hat die Breite der Weser und ist, wenn er sich gut benimmt, klar. Er kann aber sehr viel Unarten haben, und das Wetter kann die scheußlichsten Tricks spielen. Dabei ist der Lachs das denkbar launischste Geschöpf der Welt. Meine Seele schreit Petrus an nach Erfolg... Da soll man drei, vier Stunden warten, bis so ein Kerl anbeißt, um dann zehn Minuten das arme Tier zu Tode zu quälen. Ich finde es so recht einen Sport um schlechte Laune zu kriegen. Bis jetzt geht es noch ganz gut. Und es ist ganz entzückend zu sehen, mit welch knabenhafter Leidenschaft Onkel Wulf sich für die Sache begeistert. Ich behalte meine Antipathien natürlich auch weise für mich...


    Ich ging auf meine Klippe, ganz nahe hin zum Wasser und sang hinein in das wirbelnde Gesprudel. Und schlanke große Fichtenstämme kamen das Wasser hinuntergeschwommen, tauchten unter, tauchten wieder auf und leuchteten mir zu... Und die kleine Bachstelze kam mit ihrem schwarzen Käpplein und ihrem schwarzen Brüstlein und wippte und piepte, und wir...saßen ein Weilchen ruhig nebeneinander und freuten uns. ((Lilleon / Norwegen, 20.08.1898))


    Getreulich (wandle ich) morgens und nachmittags zu meiner Mutter Schröder ins Armenhaus... Mit diesem steinalten Mütterlein sitze ich in einem großen grauen Saale. Unser Gespräch verläuft ungefähr so. Sie: ''Jo, komt se morgen wedder?'' Ich: ''Ja, Mudder, wenn Se's recht is?'' Sie: ''Djo, is mir einerlei.'' Nach einer halben Stunde beginnt das tiefsinnige Gespräch von neuem. Dazwischen kommen aber höchst interessante Episoden. Dann hat die Alte eine Art von Halluzination. Dann beginnt sie irgendwelche Jugendbilder zu erzählen. Aber so dramatisch in Rede und Widerrede, mit verschiedenem Tonfall, daß es eine Lust ist, zuzuhören... Leider verstehe ich nicht alles. Und fragen darf man nicht, sonst kommt sie aus dem Konzept und kehrt in ihr Jammerdasein zurück...


    Neben dieser Sibyllenstimme klingt noch ein liebliches Gezwitscher an mein Ohr. Das ist das kleine fünfjährige blonde Mädel, das seine Mutter ungefähr zu Tode prügelte und das jetzt zur Erholung die Armenhausgänse hüten darf. Nun hat sich dies Persönchen in ein Gewebe von Traum und Märchen eingehüllt und hält liebliche Zwiegespräche mit ihrer weißen Schar. Dazwischen kräht sie langsam ''Freut euch des Lebens'' - und versetzt einem naseweisen Huhn eins mit der Gerte. / /


    Mackensen kommt alle paar Tage und gibt eine famose Korrektur. Es tut mir gut, mit ihm umzugehen. Es brennt solch ein Feuer in ihm für seine Kunst. Wenn er davon spricht, hat seine Stimme einen warmen vibrierenden Klang, daß es in mir selber bebt und zittert. Wenn er Dürer zitiert, so tut er es mit einer Feierlichkeit in Ton und Gebärde, als wenn ein frommes Kind seine Bibelsprüche hersagt. Sein Gott ist Rembrandt... Inbrünstigen Schrittes (folgt er) seinen Spuren. / /


    Abends zeichne ich jetzt Akt, lebensgroß. Die kleine Meta Fijol mit ihrem kleinen frommen Cäciliengesicht macht den Anfang. Als ich ihr sagte, sie solle sich ganz ausziehen, antwortete das kleine energische Persönchen: ''Nee, dat do ick nich,'' ich brachte sie zu Halbakt und gestern, durch eine Mark, erweichte ich sie ganz. Aber innerlich errötete ich und haßte mich Versucher. Sie ist ein kleines, schiefbeiniges Geschöpflein, und doch bin ich froh, wieder einmal einen Akt in Muße zu betrachten.


    Ich lese jetzt das Tagebuch der Marie Bashkirtseff. (( < = verst. 1884 in Paris // Ihr Tagebuch...wurde in einer von der Mutter gekürzten und zensierten Fassung...1897 ins Deutsche (übersetzt) / v. wikipedia.org // Obschon eine große Anzahl >ihrer< Werk(e) von den Nazis...zerstört wurden, können etwa 60 Gemälde und Skulpturen noch identifiziert werden / v. artinwords.de)) Es interessiert mich sehr. Ich werde ganz aufgeregt beim Lesen. Die hat ihr Leben so riesig wahrgenommen. Ich habe meine ersten zwanzig Jahre verbummelt. Oder wuchs ganz in der Stille das Fundament, auf dem die nächsten zwanzig Jahre aufbauen sollen? / /


    Es ist ein sonderliches Gefühl. wie all das Bunte, Anerzogene, Geschauspielerte, was ich besaß, wegfällt, und eine vibrierende Einfachheit entsteht... Mackensen sagt: ''Die Kraft ist das Allerschönste.'' Am Anfang war die Kraft. Ich denke und erkenne es auch. Und doch wird in meiner Kunst die Kraft nicht Leitton sein. In mir fühle ich es wie ein leises Gewebe, ein Vibrieren, ein Flügelschlagen, ein zitterndes Ausruhen, ein Atemanhalten: wenn ich einst malen kann, werde ich das malen...


    Ich lese die ''Wahlverwandtschaften'' und bin durchwärmt von der Anmut dieses Buches. Zum ersten Male tritt mir der Mensch Goethe nahe. Ich fühle ihn als durch und durch ästhetischen Menschen, innerlich und äußerlich. Die Anmut der Unterhaltung, dieser Frauenliebreiz... Ich fühle mich wohl in dieser Atmosphäre. ((Worpswede, 18.09. / / 18.10. / / 11.11.1898 / / 19.01.1899))


    zit. v. projekt-gutenberg.org

    < < = = wer ist ''wir''??? ich habe dergleichen nie gesehen.....
    u. im ''Opernfreund'' schrieb der Herausgeber vor ein paar Wochen, ''Pretty Woman'', ''I will survive'' oder ''Lady Marmalade'' kenne jeder......


    erfreulich ist es nicht gerade, wenn man sich selbst in Klassik-Foren inzw. als Randfigur fühlen darf :| :| :|

    besagtem Ehrentag ist auch dieses Konzert im Mozartsaal der ''Alten Oper'' in Mainhattan gewidmet:
    Minguet Quartett (alteoper.de)


    habe längst meine Karte dafür (sowie davor für die Rembrandt-Ausstellung im Städel) - zu befürchten ist freilich, dass die Hütte noch nicht mal halbvoll sein wird :| :|
    < = aber viell. klappts ja bei einigen von denen (bei ''Capriccio'' und Draußen im Lande), die das hier jetzt lesen -------------------------


    :wink:

    24.10.1885 - Im 'Theater an der Wien' wird die Operette ''Der Zigeunerbaron'' von Johann Strauss d. J. uraufgeführt


    Dieser - hier um etwa ein Viertel gekürzte - Nachruf auf deren Librettisten Ignaz Schnitzer erschien am 26.06.1921 im illustrierten Familienblatt ''Wiener Bilder''.....


    Seine Wiege stand...an der ''blonden'' Donau, wie die ungarischen Poeten von dem gemeinsamen Strome singen, wohl der letzten Gemeinsamkeit der arg gestutzten Hälften der zertrümmerten Monarchie. Aber der geborene Budapester ist in Neigung(,) Lebensweise...und künstlerischem Ausdruck ein Vollblutwiener geworden. Wenigen sind Wiener Weisen von so unverfälschtem Klange gelungen wie ihm, den man wohl den letzten Meister des Wiener Couplets im Geiste der Raimund und Nestroy nennen darf. Kein Geringerer als Alexander Girardi hat ihm in dankerfüllten Briefen und Bildwidmungen diesen Ruhmestitel verliehen. Und als seinen Schwanengesang hat er uns auch ein monumentales Buch in echt wienerisch reizvoller Gewandung geschenkt..., daraus die süßesten Walzertöne klingen, das zweibändige Prachtwerk ''Meister Johann, Bunte Geschichten aus der Johann Strauß=Zeit'', das literarische Denkmal für den klassischen Barden des Wiener Blutes, aber auch für J. Schnitzer selbst, seinen Freund und getreuen Mitarbeiter.


    Das Schicksal selbst hat ihn mit dem Walzerkönig verbunden, dem er in der, einer Novelle ((von Mor Jokai von Asva))...sehr frei nachgestalteten Operettenkomödie ''Der Zigeunerbaron'' ein wahres Musterlibretto schuf. An dem Welterfolge diese Werkes, der...sogar den der ''Fledermaus'' übertraf, ist gewiß die von Schnitzer ersonnene grotesk=komische Prachtfigur des bildungsfeindlichen Schweinezüchters Zsupan nicht unbeteiligt gewesen. Und gerade diese Gestalt sowie ihr...witziges Antrittslied gingen dem Komponisten lange gegen den Strich, und er ließ sich nur schweren Herzens herbei, den ''Schweinkerl'', wie er ihn nannte, in dem Stücke zu dulden. Als aber gerade dieser den Sieg entschied..., in allen Ländern und Zungen, auf Hofbühnen ebenso wie auf kleinen Provinztheatern, ...da war Johann Strauß seinem Librettisten doch für den Starrsinn dankbar, mit dem er seine Antipathie bekämpft hatte. Die beiden blieben Freunde, bis der eine die Augen schloß...


    ((Zu einer)) lange(n) Reihe interessanter Schöpfungen...gehören seine mustergültigen Nachdichtungen ungarischer Poesie jeder Gattung, insbesondere die herrliche dreibändige Petöfi=Ausgabe, die ihm hohe Ehrungen brachte, darunter die Ehrenmitgliedschaften der beiden vornehmsten literarischen Gesellschaften Ungarns... Der leichten, aber auch der ernsten Muse der Töne hat er eine...große Zahl gediegener Bücher gewidmet, die Meister wie Robert Fuchs, Ernst Bachrich, Josef Hellmesberger, Edmund Eysler...und andere anregten. Als er nach langem, schmerzlichstem Leiden...starb, war er trotz seiner 81 Jahre...kein Ausgeschriebener. Er hatte soeben eine mehrbändige Ausgabe seiner kunstvollendeten Uebersetzung der lyrischen und epischen Dichtungen ((vermutl. Janos)) Aranys, des wuchtigsten und europäischesten unter den Poeten Ungarns, druckreif gemacht... ((verf. v. Heinr. Glücksmann >1864/1947<)); zit. v. anno.onb.ac.at


    Auf der Donau. Wie oft, du stolzer Strom, verwundet deine Brust * Des Bootes scharfer Kiel, des Sturmes wilde Lust!


    Wie ist die Wunde tief, wie tief ist da der Schmerz, * Wie schneidet's da so weh und grausam dir ins Herz!


    Und doch, -- enteilt das Schiff und schweigt des Sturmes Wut, * Dann ist die Wunde heil, und alles, alles gut.


    Fürs Menschenherz jedoch, ward einmal es verwundet, * Gibt's keinen Balsam mehr, durch den es je gesundet!


    In der Wildnis.
    Nacht senkt sich auf die tiefe Wildnis,* u. ziellos irr' ich für und für, *Nach rechts u. links zweigt sich die Straße, *Wo wird ein treuer Führer mir?


    Wohl seh' ichSterne niederleuchten *v.Himmelsdome, ohneZahl, * Doch werd' ich auch meinZiel erreichen,* Wenn ich vertraue ihrem Strahl?


    Mir strahlte einst ein Mädchenauge, * Vor dem der hellste Stern erblich, * Und als ich diesem Strahl vertraute, * Da fand ich nur betrogen mich!


    Die Waldschenke.

    Warum nach der Schenk' im Walde * Zieht's, mein Rößlein, immer? * Kehr doch um, - das arme Liebchen * Finden wir dort nimmer.


    Böse Schenke! Deinen Anblick * Kann ich nicht ertragen. * Hast dem Burschen Wein gegeben, * Der mein Lieb erschlagen!


    Heiter strömt es nach dem grünen Wald, * Untergehen wird die Sonne bald,

    Und schon sieht man ihre letzten Strahlen * Rote Rosen in die Wipfel malen.


    Goldnes Leuchten durch die Zweige bricht, * Doch die Menge achtet dessen nicht,

    Horch, da girren Tauben just und kosen, * Das ist lustiger, als jene Rosen.


    Ach, des Waldes grüne Herrlichkeit, * Seine würz'ge Pracht auch mich erfreut,

    Gern seh' ich der Abendsonne Strahlen * Wilde Rosen in das Laubwerk malen.


    Girrten nur dieTauben nicht so sehr! *Leiden macht's mich immer gar so schwer:

    Seh' ich, wie so glücklich sie gemeinsam * Muß ich weinen, daß ich gar so einsam!


    ((nach 'Petöfi, A.: Poet. Werke in sechs Bänden. Übers. v. Ignaz Schnitzr >sic!!<, Halm & Goldmann: Wien, Leipzig 1910')); zit. v. zeno.org

    (SO) 31.10. 11h Residenz Würzburg, Toscanasaal
    Sonja Lampert (Violine) David Todd (Klavier)
    Karol Szymanowski: Sonate op.9 / Edward Elgar: Sonate op.82
    +
    18h Würzburg, Ratssaal des Rathauses
    ''Ich bin wie ihr, ich liebe Äpfel'' (Stück von Theresia Walser)
    Regie: Kevin Bartz; Darstellung: Hannes Berg, Klara Pfeiffer, Stephanie Gossger, Anouk Elias
    ''Die drei Kunstfiguren, die Walser um die einstigen realen Diktatorengattinnen (Leila, Imelda u. Margot) gesponnen hat,
    laden zum Karikieren ein - und die Schauspielerinnen gehen dafür in die Vollen'' (Michaela Schneider in ''Main-Echo'' am 14.10.2020)


    (MI) 03.11. 20h Theater Schloss Maßbach
    ''Welche Droge passt zu mir?'' (Monolog von Kai Hensel)
    Regie: Vanessa Ziems; Darstellung: Anna Schindlbeck


    (DI) 09.11. 20h Alte Oper Frankfurt, Mozart Saal
    Minguet Quartett: 'Sofia Gubaidulina zum 90. Geburtstag!'
    JSB Contrapuncti 1 u.4 aus BWV.1080 / S.G. Reflections on the Theme B-A-C-H / JSB Contrapuncti 6 u.9 aus BWV.1080 / S.G. 1.Streichquartett
    Felix Mendelssohn Bartholdy: Streichquartett f-Moll op.80
    hoffe die Minguets haben sich gehalten ;) - habe sie vor plusminus 20J. dreimal recht kurz nacheinander erlebt u. nie mehr vergessen!


    (FR) 12.11. 20.15h Konzerthaus Dortmund
    Liederabend Marlies Petersen: ''Innenwelt'' (m. Matthias Lademann, Klavier)
    < = war ursprünglich schon für den Frühsommer in Frankfurt vorgesehen - kam dann von dort nur per stream: ich war dabei
    - und derart hingerissen, dass ich meinen nä. Kulturtrip ins Revier um ihren Dortmunder Auftritt herum organisiert habe!!


    (SO) 14.11. 11h Theater Duisburg, Foyer
    Stephan Dreizehnter (Flöte) Henry Flory (Violine) Friedemann Hecker (Viola) Anja Schröder (Violoncello)
    W. A. Mozart: Quartett KV 285b / Max Reger: Serenade op.141 / Ludwig v. Beethoven: Serenade op.25
    +
    18h Prinz Regent Theater Bochum
    ''Faust'' v. Joh. Wolfg. v. Goethe
    Regie: Hans Dreher; Darstellung: Maximilian Strestik, Oliver Möller, Nele Sommer, Laura Thomas
    lt. WAZ ''erstklassig'' - na dann :P

    18.10.1752 - Im Schloss Fontainebleau wird das ''Intermede'' Le devin du village (''Der Dorfwahrsager'') v. Jean-Jacques Rousseau uraufgeführt


    Rousseaus ''Brief über die Musik'' ist 1822 (J. E. v. Seidel Kunst- u. Buchhandlung, Sulzbach) ''mit Anmerkungen versehen von Joseph Schlett'' neu erschienen. Besagte (i. F. ausschnittsweise wiedergegebene) Anmerkungen geraten J.Schlett (1764/1836; lt. weber-gesamtausgabe.de ''Organist, Komponist, Philologe, Gymnasiallehrer'') nahezu zu einer Laudatio auf Rousseaus musiktheoretischen Verdienste..... - etwaige Rechtschreib- u./od. Flüchtigkeitsfehler sind original :P


    Niemand haette geglaubt, daß eine unbedeutende...Gesellschaft italiaenischer Operisten..., welche (im fünften Dezennium des verflossenen Jahrhunderts) in (Paris) angekommen war, und welchen man...das Operntheater zu ihren Vorstellungen überlassen hatte, etwas mehr als einige froehliche vorübergehende Abendunterhaltungen...bewirken sollte. Aber man hatte sich sehr geirrt. Nichts glich dem Beifall, womit sogleich die ersten Auffuehrungen ihrer Operetten aufgenommen wurden. Die Neuheit der Compositionen, deren...originelle Schreibart so sehr gegen den ueberstudirten, ...abgenuetzten franzoesischen Opernstyl abstach; der schoene fließende Gesang, das lebendige Zusammenwirken in Spiel und Ausdruck, gab dem Unternehmen einen Glanz..., der das bisherige theatralische Musikwesen wie verdunkelte, Liebhaber und Kenner bis zum Enthusiasmus hinriß, aber auch die...Anhänger des...eingefuehrten alterthuemlichen Geschmacks und der nationalen Kunst aufregte, und - in der Meinung, daß es um Frankreichs Ehre zu thun sey -, zu erbitterten Gegnern dieser Neulinge umschuf. Paris theilte sich in zwey Parteien...


    J. J. R. (-) damals zwar schon als Verfasser einer gekroenten Preisschrift (ueber die...Frage: Si le retablissement des sciences et des arts a contribue a epurer les moeurs); mehr aber noch seiner musikalischen Kunstkenntnisse wegen bekannt -, blieb diesem Streite nicht fremd. Ein erklärter Freund italienischer Musik, deren Geist er während seines Aufenthaltes in Venedig tief aufgefaßt hatte, widerstand er um so weniger seinem Drang, als Mitkämpfer aufzutreten, als ihn seine Freunde dazu ermunterten, und er...als bisheriger musikalischer Schriftsteller und practischer Tonsetzer (glaubte), sein Wort...geltend machen zu duerfen. Mit gewohnter Offenheit, und in seiner anziehenden Sprache erzählt er uns selbst im achten Buche seiner Bekenntnisse jene Begebenheit, fuehrt uns ein in den Character der damals handelnden Personen ((und)) schildert...die Gährung, welche sein Brief über die franzoesische Musik verursachte, ...welchen wir hiemit unbefangenen Freunden der Tonkunst - jenen, welche im Forschen nach ihrer Wesenheit...auch die Stimme der Vorzeit zu wuerdigen verstehen -, in einer neuen Bearbeitung darlegen... -- ein Unternehmen, welches an sich ganz ueberfluessig...wäre, hätte R. nur durch Witzworte, kuehle Anspielungen, anmassende Urtheile und beschämende Individualitaeten seine Gegner zu entwaffnen gesucht, haette er nicht an der Quelle der Kunst geschoepft, nicht das Wesen derselben untersucht...


    ''Aber was ist Gesang, was ist Musik, koennte man vielleicht auch heute -- ungeachtet so vieles geschehen und sich beydes in so unendlichen Verzweigungen fortgebildet hat -- noch fragen.'' Wo ist hier Ordnung, Richtmaaß, Regel, wie sie fuer Dichtkunst, Mahlerey und andere plastische Kuenste aufgefunden sind? Ist auch Musik eine nachahmende Kunst, wo ist dann die schoene Natur, der sie nachahmt, und die sie darstellt? Wo sind die Vorschriften..., die den Künstler leiten, und dem Urtheile des Gebildeten klare Ansichten darbieten? Und wenn der Anblick eines Gemähldes mein...Gemueth erhebet, ist wohl dieß Spiel der Toene etwas mehr als sinnebelustigend, hat es einen hoehern Zweck als mich zu unterhalten?


    ...Es waere schlimm, wenn diese aus unserm Innern hervorgegangene Kunst (allein aller Principien entbehrte,) allein wie in chaotisches Dunkel (sich huellte) - aus welchem nur ein...beguenstigtes Naturel bloß auf Geradewohl einige Funken hervorbringen koennte. Doch sie sind vorhanden, diese Vorschriften, diese Regeln; sie liegen...in unserm Geiste, unserer Einbildungskraft; aber oft nur zerstreut, nicht immer durch den Buchstaben festgehalten, nicht das ganze Kunstgebiet umfassend; -- nicht selten haben sie (nur durch Tradition erhalten und durch ein uns beiwohnendes Gefühl fortgepflanzt) den Künstler sicher geleitet; manche derselben haben uns die Weise des Alterthums in ihren Schriften aufbewahrt, ueber andere Kunst=Philosophen der neuern Zeit ihre durchdachten Bemerkungen niedergeschrieben. Sie aufsuchen, zusammenfassen, ordnen..., kann besonders in unsern Tagen, wo (dieß Spiel der Tone) unser oeffentliches, so wie unser häusliches Leben wie umschlinget..., kein ganz unnuetzes Streben genannt werden. Und jeder Versuch..., jede...nicht genug gewuerdigte Schrift, welche dahin zielt, diese...unter allen ihren Schwestern am spaetesten gebildete Kunst...weiter zu bringen, sich ihrem Wesen noch mehr zu naehern, um sie den Haenden des oft genug schief urtheilenden Haufens zu entwinden, darf uns erwuenscht sein...


    Die tiefen scharfsinnigen Betrachtungen, in welche R. ()mit so viel Geschmack und Kunstsinn() ueber die innige Verbindung der Sprache mit der Musik, ueber die wichtige Regel der Einheit der Melodie, über die Eigenschaften der begleitenden Stimmen, ueber das Duo, die Arie und das Recitativ in diesem Briefe eingeht, sind nicht nur geeignet, dem denkenden Künstler Aufschluesse...zu geben..., sondern ihn auch anzuregen, daß er durch weiteres Nachdenken zu bestimmten nie irrefuehrenden Resultaten gelange (-) so daß man...mit einigem Grunde behaupten duerfte: keiner habe vor (R.) seit ihrem neuen Wiederaufleben mit mehr philosophischem Geiste ueber (Musik) geurtheilt...


    Im Original heißt es ''Brief ueber die franzoesische Musik''. Der Bearbeiter dieser Schrift glaubte, das Epithet weglassen zu duerfen, da...R. selbst seine wohl nicht ernst gemeinte Behauptung, daß die franzoesische Sprache keiner aechten Musik empfaenglich waere, durch seinen ''Wahrsager vom Lande'' am Besten widerlegt hat. Vielleicht wurde ebn ihres Titels wegen diese seine Schrift bisher zu wenig gewuerdigt. Man hielt sich mehr an die Streitsache, als an die in selber aufgestellten Kunsttheoreme. Am geeignetsten waere wohl die Aufschrift ''Brief ueber die dramatische Musik''. Der freundliche Leser (erinnere sich), daß in dieser Schrift...alles was auf Sinfonie, Concert, ueberhaupt auf Instrumental = ja sogar Kirchenmusik den entferntesten Bezug hat, auf keine Weise auch nur beruehrt ist. Er vergesse dabey auch nicht, daß er daß er eine Streitschrift vor sich hat..., glaube nicht an individuelle Anspielungen und lege kein Gewicht auf manche noch vorkommende seltsame Aeusserung; denn, um mit den eigenen Worten unsers Philosophen zu schließen: ''jene Nation wurde keine vortheilhafte Meinung von sich erregen, welche Ihren Gesängen eine zu grosse Wichtigkeit beilegen...wollte..., und bey welcher man ueber Musik mit mehr Umsicht als ueber Gegen Gegenstände der Sittenlehre und Staatskunst zu sprechen genoethigt wäre.''


    Der Brief erschien 1553 bald nachdem die sogenannten Bouffonisten - sie gaben naemlich nur Farsen, damals Intermezzo's genannt... - Paris wieder verlassen hatten... 1742() hatte R....seinen Entwurf einer neuen musikalischen Zeichenlehre...durch den Druck bekannt gemacht. Auch schrieb er um jene Zeit alle die Musik betreffenden Artikel fuer die große von Diderot unternommene Herausgabe der Encyklopaedie. In seinen ''Muses galantes'', welche aber ungeachtet mehrerer Proben nicht zur Auffuehrung kamen; noch mehr aber in seinem: ''Devin de village'' zeigte er sich zugleich als Operndichter und praktischen Tonsetzer. Letztere Operette, welche schon waehrend der Anwesenheit der Bouffonisten selbst neben der vergoetterten ''serva padrona'' von Pergolesi mit allgemeinem Beifall aufgenommen wurde, und sich bis heute ((= 1822)) auf dem Opernrepertoir erhalten hat, verschaffte ihm Ehre und Ruf...


    An dem() in den Jahren 1773 -- 1776 gefuehrtem Streit der Gluckisten und Piccinisten nahm er keinen Antheil; nur schrieb er noch einiges ueber Glucks Orpheus und dessen italiaenische Alceste, wobei er dem großen deutschen Kuenstler volle Gerechtigkeit wiederfahren ließ...


    zit. v. books.google.de

    17.10.1815 - Geburtstag von Emanuel Geibel


    Lt. ''SWR2 Musikstunde'' v. 28.02.2018 ''(sind) über 3500 Geibel-(Vertonungen) bis heute überliefert''. Namentlich genannt werden die KomponistInnen Clara u. Robert Schumann, Felix Mendelssohn, Liszt, Franz Lachner und Adolf Jensen. Hugo Wolfs ''Spanisches Liederbuch'' fußt auf Übersetzungen v. Paul Heyse und E. G. Max Bruchs Oper ''Die Loreley'' (op.16; UA 1863, Aufführungen 1887 unter G.Mahler, 1916 unter H.Pfitzner) geht auf ein (ursprünglich für Mendelssohn verfasstes) Libretto von E. G. zurück.


    Die folgenden Briefausschnitte sind dem Band ''Emanuel Geibels Jugendbriefe Bonn -- Berlin -- Griechenland (Verl. v. Karl Curtius: Berlin 1909)'' entnommen. Lt. comdeg.eu ''(wird) dessen poetisches Frühwerk entscheidend durch einen Aufenthalt in...Athen...1838-40 geprägt.'' Geibels häufigster Begleiter auf den Ausflügen in die Umgebung dürfte der Archäologe Ernst Curtius >1814/1896< gewesen sein....


    # 26.02.1839 Zum ersten Male ist mir ein südlicher Carneval vorüber gezogen. Vom Morgen bis zum Abend schwärmten die Masken in den Straßen umher und verübten mancherlei Muthwillen, was nicht selten zu den lächerlichsten Scenen Veranlassung gab. Das Costüm war übrigens einfach genug und bestand - wenige Charaktermasken ausgenommen - in mit Goldpapier besetzten Hemden, bunten Schlafröcken und den wunderlichsten Compositionen aus fränkischer, griechischer und orientalischer Tracht. Uebrigens nahm sich das bunte moderne Treiben zwischen den ernsten Tempeln und gestürzten Säulen gar seltsam aus; es kam mir wie eine bittere Ironie vor, daß diese kleinen lustigen Leutchen so ungestört auf jenen Ueberbleibseln der entschiedensten Kraft herumklettern durften. Abends jedoch war das Fest wirklich von zauberischer Wirkung; da wurden auf allen Plätzen der Stadt, ja in jedem Winkel zwischen dem Trümmerwerk große Feuer angezündet, Fackeln schweiften umher, Fahnen flatterten, und das Volk tanzte zum Schall der Cither und der dumpfen Tumba um die lodernden Flammen.


    Wenn (Griechenland) im Winter herrlich war, so ist jetzt, das der üppigste Frühling unaufhaltsam hervorbricht, die Mannigfaltigkeit seiner Reize kaum mit Worten zu beschreiben. Die Luft ist so durchsichtig klar - die deutsche Sprache hat kein Wort für diesen ewig blauen Glanz. Man braucht bloß diesen reinen Aether einzuathmen, um sich heiter und erhoben zu fühlen. Wenn ich bedenke, welcher Anstalten es in Deutschland bedarf, um einmal recht von Herzen vergnügt zu sein und wie oft ein solcher Versuch geselliger Fröhlichkeit mißglückt, wie hoch lerne ich dann diesen Süden schätzen, wo die Freude auf Berg und Thal ausgebreitet liegt. Das deutsche Glück, ich meine das alltägliche Lebensglück, liegt im Reich der Gedanken; es gehören tausend leise Beziehungen, tausend kleine Verständnisse dazu, und vor Allem die rechte Stimmung. Das sind aber lauter Dinge, aus denen man gar zu leicht heraus kommt; ein abgeschmackter Philister, ein brutales Wort, ja eine trübe Wolke kommt dazwischen, und ade Glück, gute Stimmung und Freude!


    Neulich (besuchten wir) vom Piräus aus das Grab des Themistokles. Der Tag neigte sich bereits seinem Ende zu, als wir über die schöne Bucht fuhren, die den von jenem alten Helden zuerst brauchbar gemachten Hafen bildet. An der Mündung des scharf ins Land einschneidenden Busens gelangten (wir) über das unsichere Felsgeröll fortkletternd bald an den Ort, welchen wir suchten. Breite Felsmassen bilden dort einen kleinen Vorsprung in die See; ungeheure Säulentrümmer, von der ewig anspülenden Fluth ihrer Form beraubt, liegen umher, und noch erkennt man im abgeplatteten Gestein deutlich die Vertiefungen, in welche sie eingefügt waren. Das Grab selbst liegt schon im Wasser, doch schimmert der Sarkophag durch die grüne durchsichtige Fluth klar herauf; Deckel und Inhalt sind längst vom Elemente fortgerissen. Es war tiefe Dämmerung, als wir über die denkwürdige Stätte hinschritten, drüben über Salamis lag der letzte Schein des Abendroths, das Meer brüllte an der Felsenbrandung und rollte seine schäumenden Wogen bis zu unseren Füßen.


    Ein alter Lootse im braunen griechischen Gewande gesellte sich zu uns und erzählte, wie er im Freiheitskriege gedient habe und jetzt hier einsam in einer kleinen Hütte wohne und Nachts auf die ankommenden Schiffe achte. Als wir scheiden wollten, gaben wir ihm ein kleines Trinkgeld. Er mochte das nicht gewohnt sein und bat uns, ein Glas von seinem Weine nicht zu verschmähen; darauf brachte er eine große Holzflasche mit dem feurigsten Samos aus seiner Hütte, und wir tranken mit einander auf das Andenken des Themistokles.


    Die Rückfahrt über den Hafen war herrlich, der Mond war über dem blauen Hymettos aufgegangen, und die Ruder blitzten wie vergoldet. In der klaren Nacht fuhren wir darauf nach Athen zurück, das wir fast ganz von jenem silbernen Nebel eigehüllt fanden, der Abends so häufig über der attischen Ebene lagert.


    15.griech.27.röm.03.1839 ((Der russische Gesandte Gawriil A. Katakasi, bei dem E. G. seit Mitte 1838 eigtl. für drei Jahre als Hauslehrer angestellt ist,)) (verläßt) im Mai Griechenland, um nach Rußland zu gehen. Die strenge Zucht einer russischen Cadettenschule wird der verdorbenen Natur seiner beiden Knaben ohne Zweifel zuträglicher sein, als die Leitung eines Hauslehrers, dem obendarein durch tausend kleine Umstände die Hände gebunden sind. Wie sehr ich mich auf meine jetzt in zwei Monaten bevorstehende Erlösung freue, davon hat nur der einen Begriff, der ein Jahrlang von Verhältnissen wie die meinigen sich gedrückt fühlen mußte, und dem sich zugleich, wie mir, die fröhlichste Aussicht eröffnet. Griechenland und Italien liegen vor mir.


    Bis zum Abend bin ich ausschließlich mit Stundengeben und mit der Hütung der Knaben beschäftigt. Nur die Sonntage bringen einen bunten fröhlichen Wechsel in diese Eintönigkeit. Dann geht es zu Pferde hinaus in die Berge oder hinunter an's Meer, oder das weite schöne Kephissusthal hinab. Dörfer und namentlich alte Klöster bilden nach allen Seiten hin bequeme Ruhepunkte; die letzteren sind in großer Zahl durch ganz Attika zerstreut; sie liegen meistens in reizender Umgebung am Abhang der Berge, von wasserreichen Wiesen und rauschen Bäumen umringt. Von ihren Terrassen eröffnen sich die prachtvollsten Aussichten.


    Neulich besuchten wir Seriani, ein in einer breiten blühenden Schlucht des Hymettus gelegenes Kloster. Namentlich der Hof dort, der vor dem byzantinischen Kirchlein liegt, bildet ein liebliches ächt südliches Bild dar. Ein hoher Lorbeer breitet seine dichtbelaubten Aeste über einen Tisch von Marmor, auf dem die Gastlichkeit der Klosterbewohner Brot, Oliven und süßen dunkelrothen Wein nicht fehlen läßt. (Man) sieht über die Thürme und buntverschnörkelten Gallerien des weitläuftigen Gebäudes den Gipfel des Hymettus still und massenhaft in's ruhige Blau hinaufragen; die Sonnenstrahlen spielen durch das dichte Gezweig und hüpfen auf der weißen Tafel, und blinken im purpurnen Weine. Die reiche Phantasie eines Dichters könnte kein lieblicheres Idyll erfinden.


    26.01.1840 Gewiß wird es mir nicht leicht werden, mich an die graue Luft des Nordens wieder zu gewöhnen, allein dafür bietet die liebe Heimath in mehr als einer Hinsicht den reichlichen Ersatz. Was die Studien anbelangt, so ist für diese ein begränzter Aufenthalt in Griechenland zwar unschätzbar, da manche Erkenntnis hier durch unmittelbare Anschauung sich in kurzer Zeit gewinnen läßt; ein längeres Verweilen muß aber, da es hier fast gänzlich an literarischen Hülfsquellen fehlt, dem geregelten Fortschritt in der Wissenschaft nachtheilig sein und zu einer Einseitigkeit führen, wie ich sie nicht selten selbst an vortrefflichen hiesigen Gelehrten bemerkt habe. Dazu kommt, daß ich mich ernstlich vor dem Sommer fürchte; zweimal hat nun die ungesunde Luft von Athen mir in dieser Jahrszeit bedenkliche Krankheiten zugezogen, ich möchte mich ihrem Einflusse nicht zum drittenmale bloßstellen.


    26.02.1840 Nach einem blauen sonnigen Januar, der Blumen die Fülle in Berg und Thal hervortrieb und uns in aller Zeitrechnung irre werden ließ, hat sich nun mürrischer verdrießlicher Februar mit Sturm und Regen eingestellt und läßt seine feuchte Kälte auf das Unbehaglichste durch die dünnen Mauern unsrer Wohnung zu uns hereindringen. Für mich ist es übrigens recht gut, daß das schöne Griechenland sich mir auch einmal von der unliebenswürdigen Seite zeigt; denn ich kann es nicht leugnen, daß das Herz mir von Tage zu Tage schwerer wird, je näher die Zeit des Abschiedes heranrückt. Ist es doch zugleich die Beendigung eines Lebensabschnittes; ich soll manchen Wünschen und Hoffnungen Lebewohl sagen, ja werde mich genöthigt sehen, manche schöne Lieblingsbeschäftigung aufzugeben, der ich mich bis dahin vielleicht nur zu sehr mit ganzer Seele überließ. Aber sei dem wie ihm wolle; ich freue mich, daß es mir vergönnt war, einen Schatz süßer Erinnerungen zu sammeln, die über mein künftiges Leben wohlthätigen Glanz ausbreiten werden.


    11.04.1840 Nach langem bitteren Kampfe habe ich Italien aufgegeben. Meine Verhältnisse würden mir leider nur einen sehr kurzen Aufenthalt in jenem Lande gestatten; ich würde in Rom, das doch wenigstens Monate erforderte, um würdig genossen zu werden, wahre Tantalusqualen erleiden müssen; jede ruhige Freude der Reise würde mir durch das Gefühl der erzwungenen Hast und die nothwendige Berechnung der kleinsten Ausgabe verkümmert werden. # ((zit. v. archive.org))

    16.10.1621 - Todestag von Jan Pieterszoon Sweelinck


    ... Sein Vater war Organist an der ((Oude Kerk)) in Amsterdam und starb 1573; er kann daher auf die musikalische Ausbildung seines begabten Sohnes nur geringen Einfluß ausgeübt haben. Wahrscheinlicher ist es, daß die Ratsherren von Amsterdam für eine gründliche Ausbildung Sweelinck's Sorge trugen und ihn zum Behufe dessen nach Venedig sandten. Doch...wir können nicht mit Bestimmtheit einen der dortigen Meister als seinen Lehrherrn bezeichnen... S. hat zwar mit besonderer Vorliebe sich die Lehrwerke Zarlino's einzuprägen gesucht und umfangreiche Auszüge in der Übersetzung niedergeschrieben, sowie zahlreiche Musikbeispiele über jeden Lehrsatz beigefügt - die Handschriften...liegen auf der Stadtbibl. in Hamburg -; dennoch läßt sich dadurch...nicht beweisen, daß er Unterricht bei (diesem) genossen hat... 1581 - er damals 19 Jahre alt - läßt sich...nachweisen, daß er (in Amsterdam) denselben Posten wie sein Vater bekleidete... (Unter seinen Schülern befinden) sich Namen eins großen Rufes, als Scheidt, Jakob Praetorius, Melchior Schildt, Steigleder u. A. Sweelinck's Ruf...war so bedeutend, daß sich Schüler aus aller Herren Länder um ihn drängten und Mattheson ihm scherzhaft den Namen Organistenmacher beilegte. S. genoß...(nicht nur) von seinen Mitbürgern hohe Verehrung, sondern die reiche Kaufmannschaft...sammelte ein Capital, von dessen Zinsen S. sorglos leben konnte.


    So einfach das äußere Leben Sweelinck's erscheint, so bedeutungsvoll ist sein Leben für die Entwicklung der Instrumentalformen geworden. Der Gesangssatz hatte den Text und den Cantusfirmus zum Führer, während der alte Instrumentalsatz eine Uebertragung eines Gesanges mit hinzugefügter Figurirung, oder ein planloses Durcheinander darbot. Es finden sich zwar hin und wieder bereits Ansätze von einer thematischen Bearbeitung; und die Tänze dieser Zeit lassen manchmal das Bestreben erkennen, eine Dreitheiligkeit der Form einzuführen; doch sind all jene Erscheinungen wie unabsichtlich, nur instinctiv das Richtige ahnend; erst in Sweelinck's Orgel- und Klaviercompositionen tritt mit...völligem Bewußtsein das Bestreben hervor, (den Satz kunstvoll) aus einem Hauptthema mit einigen Nebenthemen auszubauen. Wie vortheilhaft sich (seine) Schreibweise von denen sämmtlicher alte(r) Orgelmeister() bis zu Bach und Händel unterscheidet, wie er durch seine...einschmeichelnde Erfindungsgabe alle anderen in den Hintergrund drängt, beweist am besten die Erscheinung, daß sich seine Compositionen immer mehr in unseren heutigen Concerten einbürgern und stets den erwünschten Erfolg hervorrufen.


    Wir besitzen von ihm eine Phantasie, welche die Urahne aller Fugen genannt werden kann. Sie ist aufgebaut auf einem wuchtigen chromatischen Thema, welches bis zum Schlusse in der Umkehrung, Engführung und Verkürzung den Satz beherrscht; dabei setzt ihm aber S. als Begleiter noch zwei Themen entgegen, die er wieder in der verschiedenartigsten Weise contrapunktisch benützt und dabei...in genialer Weise wie spielend...seine() lebhaft angeregte() Phantasie als Grundlage spielen läßt. Allerdings darf man...nicht den Maßstab einer Bach'schen Fuge anlegen, denn es fehlt ihr hauptsächlich die Abwechslung, die Bach durch die Zwischensätze zu erzielen wußte, ganz abgesehen von den Themen selbst, die...(bei Bach) schon in sich den kräftigeren Keim der Entwicklungsfähigkeit trugen. Dennoch...finden sich (bis zu Seb. Bach) nirgends so bestimmte Bestrebungen wieder, wie sie in obiger Phantasie...zu Tage treten. Selbst seine Schüler - leider sind ihre Compositionen für Orgel außer denen von Samuel Scheidt so spärlich auf uns gekommen, daß man sich kaum über ihre Leistungen ein Urtheil erlauben kann - sind ihm auf diesem Wege nicht gefolgt...


    Bei keinem seiner Vorgänger ist (die Variationen-)Form - gewöhnlich (solche) über ein Volkslied - angelegt. Sie verdient hauptsächlich deshalb eine glückliche genannt zu werden, da sie am ehesten den Weg zur dreitheiligen Form zeigte... Sweelincks's Leistungen sind hier noch schwach; bedeutender ist darin sein Schüler Scheidt, der - mit Vorliebe, als Cantus firmus und zu Variationen, die er mit ''Versus'' bezeichnet - auch den Choral verwendet; doch artet (dessen) Schreibweise oft in eine ellenlange Spielerei mit Tönen aus, die ihn wieder seinem Meister gegenüber zurücksetzt, der...immer wieder durch überraschende Wendungen das Interesse wach zu erhalten weiß.


    Sehr reich ist Sweelinck's uns erhaltene Gesangslitteratur, die schon zu seiner Zeit durch mehrfachen Druck veröffentlicht wurde. (Sie schließt) sich noch eng an die Schreibweise des 16. Jh. an, besonders in seinen Motetten, Psalmen und Hochzeitsgesängen; nur in den bis jetzt bekannt gewordenen Chansons von 1612 - die sich dem Sologesange mit begleitendem Bassus continuus nähern - neigt er (zum Theil) der neuen italienischen Weise zu. Wenn sich seine Motetten und Psalmen von denen seiner Zeitgenossen und Vormänner dennoch unterscheiden, so...in der lebhaften Gefühlsempfindung...und in dem Bestreben, eine motivartige Behandlung in (den) Gesangssätzen durchzuführen, die bei den Meistern des 16. Jh. weniger hervortritt. In Amsterdam hat sich...ein Gesangverein...gebildet, der sich sich die Aufgabe gestellt hat, die alten Meister seines Heimathlandes besonders zu pflegen... Ich hatte Gelegenheit, von dem Chore eine Reihe Sweelinck'scher Gesangswerke in vorzüglicher Weise vortragen zu hören... - was die Klangfarbe und Stimmbildung der Sänger betrifft, als die Sicherheit und Vortragsweise. Bis dahin hielt ich die Gesangscompositionen Sweelinck's für geringere Leistungen... Der Gesang des Amsterdamer Chorvereins hat mich eines Besseren belehrt. Dieselbe interessante und liebenswürdige Motivwelt, die man in seinen Orgelcompositionen findet, kehrt in anderer Behandlung auch in seinen Gesangswerken wieder...


    In wie regem Verkehre man in damaliger Zeit selbst bis zu den weitestentlegenen Punkten Europas stand, beweisen die Hochzeitsgesänge, die S. seinen Freunden und ehemaligen Schülern zur Erhöhung der Feier sandte, so 1608 seinem Schüler Jacob Prätorius in Hamburg und 1617 seinem Freunde Johann Stobäus in Königsberg. ((verf. v. Robert Eitner >1832/1905<; zit. v. wikisource.org))


    Jacob Praetorius d. J. >1586/1651<; Vater u. Großvater waren Organisten an St. Jakobi in Hamburg, er selbst ab 1604 an St. Petri in Hamburg; Lehrer von Matthias Weckmann // // Melchior Schildt >c. 1592/1665<; nach Stellen in Wolfenbüttel u. am dän. Hof unter Christian IV. ab 1629 Nachfolger seines Vaters an der Marktkirche in Hannover // // Joh. Ulrich Steigleder >1593/1635< seit 1616 in Stuttgart tätig (Stiftskirche u. Hofkapelle); möglicherweise Lehrer v. Joh. Jacob Froberger.


    Lt. tamino-klassikforum.at (user musikwanderer am 15./16.08.2012) gibt es für irgendeine Auslandsreise auch des jugendlichen Sweelinck nach wie vor keinen Beleg. Da (der ehemalige Organist der Chapel Royal) John Bull seit 1613 in Brüssel, seit 1615 in Antwerpen tätig gewesen ist, sei ein Zusammentreffen von ihm mit Sweelinck immerhin möglich. Jedenfalls sei auffallend, ''daß S. - als einziger Ausländer - mit einigen Werken Eingang in das Fitzwilliam Virginal Book'' gefunden hat''. // // Bei der im obigen dritten Absatz angesprochenen ''Phantasie'' dürfte es sich um die ''Fantasia chromatica'' handeln. Mit dieser ''werden wir...in die vertrackte Welt mitteltöniger Stimmung geworfen... (S. stellt hiermit) sowohl eine enorme Beherrschung polyphoner Verfahren als auch ein sicheres Gespür für großformale Gebilde unter Beweis''; zit. v. hyperion-records.co.uk

    Jean-Antoine Watteau >1864/1721<; ''seit den 1990er Jahren'' wird verstärkt die These vertreten, ''dass der Aspekt der galanten Liebe in Watteaus Bildinhalten ambivalent zu lesen ist'' (v. wikipedia.org) // // Drapierung = ''Faltenwurf bei Gewandfiguren und weiche Faltenraffung bei Figuren'' (v. wissen.de) // // Giovanni B. Piazetta >1864/1754<; 1703-11 in Bologna - dort u. a. ''geprägt durch das Studium der Werke Caravaggios'' (v. wikipedia.org); beeinflusste u. a. Giovanni B. Tiepolo. // // Gustav F. Waagen >1794/1868< ''besaß...einen für die damalige Zeit großen kritischen Scharfblick.'' (v. wikipedia.org)


    Antonio da Corregio (gen. il Corregio) >1489/1534<; ''Mit der Wiederentdeckung der Camera di San Paolo (1519-21) wurde (er) als gleichwertiger oberitalienischer Protagonist der Renaissance rehabilitiert'' (v. arthistoricum.net) // // ''Mit (Jacques L.) David (>1748/1825<) wird von Kunsthistorikern...der Durchbruch des Klassizismus in der Malerei verbunden''. (v. meisterdrucke.de)


    09.10.1924 - Todestag von Valerij Jakovlevic Brjusov


    Den 1873 geborenen Autoren nennt dewiki.de den ''Exponenten des russischen Symbolismus''. Brjusov übertrug (u. a.!) Vergil, Dante, Goethe und Poe ins Russische. Sein 1908 erschienener Roman ''Ognenny angel'' (dt. ''Der feurige Engel'' mit dem Untertitel ''Erzählung aus dem 16. Jh.'') war die Vorlage für Sergei Prokofjews (1928 uraufgeführte) gleichnamige Oper. Bei seinem Gedicht ''Kr y solov'' (v. 1904) handelt es sich (lt. piedpiper.international) um ''das älteste literarische Zeugnis vom Rattenfänger, das uns bisher auf Russisch bekannt ist''. Rachmaninow vertonte es 1916 als Bestandteil seiner ''Fünf Romanzen op.38''.


    Seine knapp 30seitige Erzählung Rea Silvia (i. F. eine Miniaturversion der ersten vier von insg. sieben Kapitelchen) dürfte 1916 (in einem ''Meistererzählungen des russ. Symbolismus'' benannten Sammelband im Verl. Wilh. Goldmann) erstmals auf deutsch erschienen sein.....


    # (i) Maria kam auf ihren Wanderungen auch in die entferntesten Stadtteile. Sie betrachtete die wenigen auf den Plätzen erhalten gebliebenen Statuen: den riesengroßen Stier auf dem Forum Boacium, die bronzenen Elefanten auf der Heiligen Straße, die Denkmäler berühmter Männer des Altertums, die Säulen, Obelisken und Reliefs und rief sich in Erinnerung, was sie über alle diese Dinge gelesen hatte; und wo ihre Kenntnisse nicht ausreichten, ergänzte sie das Gelesene durch Phantasie. Sie drang in die verlassenen Paläste der einstigen Reichen ein, bewunderte die kläglichen Überreste der prunkvollen Ausstattung, die Mosaikfußböden, die Wände aus farbigem Marmor und die hie und da erhalten gebliebenen Sessel und Leuchter. Maria besuchte auch die riesengroßen Thermen; nun waren sie zu jeder Zeit leer, da es kein Wasser gab, um ihre unersättlichen Röhren zu speisen; in einzelnen Thermen waren noch herrliche marmorne Wasserbehälter zu sehen, Badesessel und Wannen aus kostbarem Alabaster und Porphyr. In der Stille der großen Säle glaubte Maria den Widerhall eines sorglosen und reichen Lebens zu hören, das alltäglich aber Tausende von Besuchern hierher lockte, die hier Freunde trafen, über Literautur und Philosophie disputierten oder die verzärtelten Körper vor einem Festgelage salben ließen.


    Sie war fest davon überzeugt, daß das einstige Rom, wie es die Dichter behaupteten, eine wunderbare Stadt voller Zauber gewesen, wo das Leben als ein ununterbrochenes Fest dahingeflossen sei. Das arme Kind schuf allmählich eine eigene Geschichte Roms, die mit der, die einst der beredsame Livius und nach ihm andere Historiker und Annalisten so schön geschildert, nicht das geringste zu tun hatte. Wenn Maria die erhalten gebliebenen Stauen bewunderte und die halb verwischten Inschriften entzifferte, gab sie allem ihre eigene Auslegung. Sie sagte sich, daß die eine oder andere Statue den jugendlichen Augustus darstelle, und niemand hätte das Kind zu überzeugen vermocht, daß es nur ein schlechtes Bildnis irgendeines Halbbarbaren war, der vor nur fünfzig Jahren gelebt und einen schlechten Steinmetzen beauftragt hatte, seine Züge in einem Stück billigen Marmors zu verewigen.


    (ii) Im Herbst des Jahres 554 sah Maria den Triumphzug des Narses, den letzten Triumph, der in der Ewigen Stadt gefeiert wurde. Alle die Griechen, Hunnen und Perser zogen als unordentliche Horde durch die Heilige Straße mit der reichen Beute, die sie den Goten abgenommen hatten. Die Soldaten sangen lustige Lieder in allen möglichen Sprachen, und ihre Stimmen vermengten sich zu einem wilden, ohrenbetäubenden Geheul. Narses zog durch das halbzerstörte Rom, durch Straßen, wo zwischen mächtigen Steinplatten Gras wucherte. (Am Kapitol) legte er seinen Kranz vor der Statue Justinians nieder, die man zu diesem Zweck irgendwo aufgetrieben hatte. Die Römer sahen diesem Aufzug, dem die Mitwirkenden große Pracht zu verleihen bestrebt waren, ohne sonderliche Begeisterung zu. Der Triumph der Byzantiner war für (sie) eine fremde Angelegenheit, beinahe ein Triumph der Feinde ihrer Heimat. Ohne das Ende abzuwarten, lief Maria zu den Trümmern der Thermen Caracallas, um in der Stille der Marmorsäle nach Herzenslust über die unwiederbringliche Vergangenheit zu weinen. An diesem Tage kam (sie) spät nach Hause und gab keine Antwort auf die Frage, ob sie den Triumph gesehen hätte.


    Maria war um diese Zeit beinahe achtzehn Jahre alt. Hager, mit unentwickeltem Busen, krankhaftem Rot der Wangen und wilden schwarzen Augen, wirkte sie eher abschreckend als anziehend. Sie hatte gar keine Freundinnen. Wenn die Mädchen aus der Nachbarschaft sie ansprachen, antwortete sie ihnen einsilbig und kurz und beeilte sich, jedes Gespräch so schnell als möglich abzubrechen. Was konnten auch alle die anderen Mädchen von ihren geheimen Gedanken, von ihren kostbaren Visionen verstehen! Worüber hätte Maria mit ihnen sprechen können! Man hielt sie halb für einen Närrin, halb für eine Wahnsinnige. Außerdem ging sie niemals zur Kirche. Es traf sich manchmal in einer menschenleeren Straße, daß irgendein Mann Maria nachsetzte und sie am Ellenbogen zu fassen oder zu umarmen versuchte. Maria wehrte sich wie eine Wildkatze, kratze, biß und schlug mit den Fäusten um sich, so daß der Kecke sie in Ruhe lassen mußte. Und doch fand sich in der Nachbarschaft ein Jüngling, der Sohn eines Kupferschmiedes, der um Maria freite. Als() die Mutter in sie drang und sagte, daß sie einen besseren Mann heutzutage unmöglich finden würde, fing Maria so verzweifelt zu weinen an, daß Florentia sie in Ruhe ließ und sich sagte, daß ihre Tochter entweder noch zu jung fürs Heiraten oder wirklich nicht bei vollem Verstand sei. So ließ man Maria ihre Freiheit, und sie durfte treiben, was sie wollte.


    (iii) Von allen Schätzen des unterirdischen Palastes gefiel Maria ein Relief am besten. Es stellte ein hageres, schlankes Mädchen dar, das in tiefem Schlaf in irgendeiner Grotte ruhte; vor dem Mädchen stand ein Jüngling in Kriegsrüstung mit edlem Gesicht von wunderbarer Schönheit; über ihnen war wie in Wolken ein auf einem Flusse schwimmender Korb mit zwei Säuglingen dargestellt. In der schmächtigen Prinzessin erkannte sie sich selbst und wurde nicht müde, sie stundenlang zu bewundern und sich an ihre Stelle zu denken.


    Eines Abends sprach Maria wieder mit ihrem Vater, der lustig und betrunken nach Hause gekommen war. Der alte Rufius nahm den Bericht ebenso auf wie alle ihre anderen Hirngespinste. Wenn sie ihm berichtete, daß sie heute Konstantin dem Großen begegnet und daß er sich mit ihr gnädig unterhalten habe, so wunderte sich Rufus nicht, begann aber von Konstantin zu erzählen. Und als Marie ihm jetzt von den Schätzen des unbekannten Palastes erzählte, kam der alte Kalligraph sofort auf diesen Palast zu sprechen. ''Ja, ja, Tochter!'' sagte er, ''es ist das Goldene Haus des Kaisers Nero, der Herrlichste der Paläste, die hier jemals standen! Nach dem Tode Neros haben die anderen Kaiser diesen Palast aus Neid zerstört und mit Erde verschüttet: er ist nicht mehr.'' Maria wurde kühner und erzählte dem Vater vom Relief , das ihr so gut gefallen. Und der alte Kalligraph wunderte sich wieder nicht. ''Töchterchen, es ist Rea Silvia, die Vestalin. Der Jüngling aber ist Gott Mars, der in Liebe zu dem Mädchen und es in der heiligen Grotte fand. Sie gebar ihm die Zwillinge Romulus und Remus. Rea Silvia wurde im Tiber ertränkt, die Kinder aber wurden von einer Wölfin großgezogen und gründeten die Stadt.''


    (iv) Mit jedem neuen Tage glaubte Maria mehr daran, daß sie jener Vestalin ähnlich sehe, und bald konnte sie in ihren Gedanken die arme Maria, die Tochter Rufius', des Kalligraphen, von der unglücklichen Ilia, der Tochter des Königs von Alba Longa, nicht mehr auseinanderhalten. Sich selbst nannte Maria nicht anders als Rea Silvia. Vor dem Relief liegend, malte sie sich aus, daß auch zu ihr, in dieser neuen heiligen Grotte, Gott Mars kommen und daß sie aus diesen göttlichen Umarmungen die Zwillinge Romulus und Remus gebären werde. Sie würde es allerdings mit ihrem Leben bezahlen und in den trüben Wellen des Tiber umkommen müssen; aber was kümmerte Maria der Tod?! Oft schlief Maria mit solchen Gedanken vor dem Relief ein und träumte von Gott Mars mit dem schönen edlen Gesicht und von seinen göttlichen, sengenden Umarmungen... .... #


    zit. v. projekt-gutenberg.org; (beim Verfasser der obigen Übersetzung müsste es sich um Alexander Eliasberg >1878/1924< handeln - zweifelsfrei habe ich allerdings nicht ermitteln können! Sollte ein Leser den Verdacht hegen, ich hätte mit dem obigen Abdruck gegen das Urheberrecht verstoßen, so bitte ich, mich umgehend über wes.walldorffÄDweb.de zu kontaktieren!!))

    03.10.1722 - Geburtstag von Johann Heinrich Tischbein der Ältere


    # Nicht weniger als fünf Söhne unter den neun Kindern des Hospitalbäckers Joh. Heinr. Tischbein zu Haina in Oberhessen widmeten sich der Malerei, und mit entschiedenem Erfolge der Träger des obigen Namens, der Erste genannt. Graf() Stadion, Vater() des deutschen Gesandten in Stockholm und London, versah (diesen) mit den Mitteln sein Talent auszubilden. Nach damaliger Ansicht konnte dies nur in Paris geschehen, wo die berühmtesten Maler lebten. In seltenem Maaße eignete er sich das Gefällige und Anmuthige der französischen Malweise an, mit Glück das reizvolle Colorit seiner Pariser Vorbilder. Eifrig (studirte er) die Arbeiten von Watteau, dem er besonders die Drapirung der Figuren abzusehen sich bestrebte. Freilich gingen auch die Schwächen und Fehler jener Epoche auf ihn über, die innere Wahrheit, die echte Empfindung fehlen. Nach 13jährigem Aufenthalt in Paris ging T. nach Venedig, hier trat er in das Atelier des damals hochberühmten Piazetta. Bald erkannte indeß dieser Künstler die Ebenbürtigkeit seines Schülers und war großherzig genug, ihm dies selbst zuzugestehen.


    Nach kurzem Aufenthalt kehrte T. in die Heimath zurück. Wenn auch die damaligen Zustände in Deutschland wenig geeignet waren, um einem Künstler wie T. einen bestimmenden Einfluß auf die Entwicklung deutscher Kunst zu gestatten, so galt er doch als einer der besten Maler des 18. Jahrhunderts. Maaßgebend war die Pariser Kritik, und als der strenge Diderot die im Salon von 1761 ausgestellten Gemälde von T. rückhaltlos gelobt hatte, war der Ruhm des Künstlers entschieden. Hundert Jahre später fällte ein deutscher Kritiker - Waagen - ein strengeres aber gewiß richtigeres Urtheil. Bedeutendes schuf T. als Porträtmaler, und man kann den Enthusiasmus begreifen, den namentlich seine Frauenbildnisse erregten. Ueber dem blühenden Colorit, den meisterhaft gemalten Stoffen und Spitzen, über dem bezaubernden Lächeln und den funkelnden Augen dieser coquetten Schönheiten übersah man den Mangel des Charakteristischen, von (dem) freilich in diesen Kreisen nicht viel die Rede war. Hat man sich einmal mit der Auffassung des Menschen, wie sie T. beliebte, befreundet, so wird man hingerissen von (der) brillanten Technik (des Meisters) und seinem reizvollen Colorit. 1776 ernannte (der Landgraf Wilhelm VIII. von Hessen - nachdem er eine Akademie der bildenden Künste gegründet - ) T. zum Director und später zum Professor und Rath.


    Unter den religiösen Gemälden des Meisters ist besonders zu erwähnen das große Altarbild in der Michaeliskirche zu Hamburg. Zahlreich sind seine Historienbilder, deren bedeutendstes, ''Die Herrmannschlacht'', sich im Schlosse zu Pyrmont befindet. Vorzugsweise war es aber die griechische Mythologie, der er die Gegenstände zu seinen Bildern entnahm.


    Joh. Heinr. Wilh. T. I. >1751/1829< (, Neffe des Joh. Heinr. d. Ä.) In seinem 15. Jahre brachte ihn der Vater nach Hamburg. Wenig kunstsinnig waren damals die Bewohner der alten Hansestadt. T. wandte sich nach Bremen, wo er mehr Glück hatte und zahlreiche Porträts zu malen bekam. Der (dortige) Aufenthalt (verschaffte) ihm die Mittel (1772-73) eine Reise nach Holland zu machen. Im folgenden Jahre war es Winckelmann (in Hannover), der die Begeisterung für Homer und die antike Welt in T. weckte. Er wandte sich nun fast ausschließlich der Geschichtsmalerei zu, ging wieder nach Kassel, wo er zwei Jahre lang gemeinschaftlich mit seinem Onkel arbeitete. Besonders förderlich war ihm hier das Studium der prachtvollen Sammlung von niederländischen Gemälden im Cabinett des Landgrafen.


    Eine Kunstreise, die er (1777) nach Dresden und Berlin unternahm, machte ihm zum ersten Male bekannt mit den Meisterwerken der italienischen Schule. Ueber alles fesselten ihn die Gemälde des Correggio. In Berlin wurde T. mit Porträtaufgaben dergestalt überhäuft, daß er seinen jüngsten Bruder Jakob kommen ließ, um ihm zu helfen. Ich bekam so viel Bestellungen, daß ich oft drei Portraits an einem Tag machte. Ich gewann nun auch immer mehr Fertigkeit, in weniger Zeit die Hauptzüge und das Charakteristische eines Gesichts aufzufassen, so daß ich oftmals den Kopf nicht einmal mit Kreide vorzeichnete, sondern gleich mit Pinsel und Farbe anfing.


    1778 finden wir den Künstler wieder in Kassel, wo er zum Mitglied der Akademie ernannt und auf drei Jahre nach Italien geschickt wurde. In Rom fesselten ihn besonders die Werke Raphael's und die Antiken, an welchen, wie er hervorhebt, ihn hauptsächlich die Hände und Füße zum eingehendsten Studium veranlaßten. Zum zweiten Male befand er sich in Rom im Jahr 1782. Eines seiner größten Bilder aus dieser Zeit war ''Konradin von Schwaben erhält die Nachricht von seinem Todesurtheil''. Die interessanteste Episode war die Bekanntschaft mit dem großen französischen Maler David, der eben mit seinem Gemälde ''Der Schwur der Horatier'' beschäftigt war, welches im Salon von 1785 in Paris einen beispiellosen Erfolg hatte. Um (diesen) zu begreifen(,) muß man die damalige Zeitströmung ins Auge fassen. Die Revolution stand vor der Thüre, es gährte auf allen Gebieten des Lebens(, )und nur in der antiken römischen Welt sahen die Franzosen ein würdiges Vorbild. Dieser Stimmung gab (David) einen unvergleichlichen Ausdruck; man hatte kein Auge für den theatralischen Aufbau und die innere Kälte der Composition, man sah nur die todesmuthigen Römer und in ihnen sich selbst. T. wünschte seinen Konradin von competenten Richtern beurtheilt zu sehen, und sein höchster Ehrgeiz war, den großen Franzosen zu einem Besuche in seinem Atelier zu bewegen. So ging ich denn eines Tages ihm einen nachbarlichen Besuch zu machen und ihn höflich zu bitten. Sobald ich die Thür meines Ateliers geöffnet hatte, blieb er wie angewurzelt stehen und rief aus: wie kommt es denn, daß ich noch nie von ihnen gehört habe? Es ist meine erste größere Composition, erwiderte ich. Ich gehe bald wieder nach Paris, sagte David, und bitte Sie, den jungen Malern von der französchen Akademie zu erlauben, Ihr Bild zu sehen.


    Der Ruhm Tischbein's, den David auf diese Weise bestätigt hatte, verbreitete sich nun reißend schnell. 1786 traf Goethe in Rom ein und zog gleich in die Wohnung, in der T. hauste. T., der ihm in Rom zum ständigen Führer diente, folgte ihm 1787 nach Neapel. Während dann Goethe nach Sicilien reiste, blieb T. in Neapel. Eine (dortige) Bekanntschaft, welche großen Einfluß auf sein ferneres Schaffen hatte, war (der englische Gesandte) Sir Hamilton und seine nachmalige Gemahlin, die berüchtigte Emma Harte; nach ihrer Verheirathung (1791) der Mittelpunkt der Gesellschaft am Hofe des Königs beider Sicilien. Lady Hamilton hatte eine so charakteristische Physiognomie, daß sie die lebhaftesten Empfindungen mit der größten Wahrheit ausdrücken konnte. Sitzend, stehend, liegend, immer hätte man sie malen mögen. Hamilton hatte eine große Sammlung von antiken bemalten und gravirten Vasen, über tausend Exemplare, und veranlaßte T., nach diesen Malereien Umrisse zu den Gesängen des Homer zu entwerfen. Schon während seines Aufenthalts in Zürich 1781 hatte der Dichter Bodmer T. auf das Studium Homer's als Fundgrube bildnerischer Stoffe hingewiesen. In Neapel erhielt diese Richtung reiche Nahrung. So erschien das Prachtwerk ''Homer, nach Antiken gezeichnet von H. W. Tischbein, mit Erläuterungen von Chr. Gottlob Heyne'' (Göttingen 1801). Dem classischen Alterthume, dessen Studium bisher fast nur auf architektonische und plastische Ueberreste beschränkt gewesen war, wurde durch die Anzahl der entdeckten Vasengemälde eine neue Seite abgewonnen, die malerische.


    Das Zerwürfnis mit der französischen Republik unterbrach() die erfolgreiche Tätigkeit Tischbein's. Der Hof floh nach Sicilien und 1799 rückte französische General Championnet in Neapel ein. Bei einem Diner der Officire, zu dem T. eingeladen war, machte ihm Pascal, der Erzpriester von Versailles, den Vorschlag, Generaldirector der schönen Künste für ganz Italien zu werden. Die Franzosen betrachteten Italien wie eine ihrer Provinzen. Der Vorschlag erschreckte mich. Ich sah darin eine Falle, um von mir zu erfahren, wo sich die Meisterwerke Italiens befänden. Ich vermied es zu antworten, und sprach immer wieder von Homer, so daß Pascal schließlich glauben mußte, daß ich nichts anderes kenne. So ließ man mich endlich in Ruhe.


    1808 bot ihm der kunstsinnige Herzog Peter von Oldenburg eine sichere Existenz in Eutin an. Hier konnte der alternde aber schaffenskräftige Künstler in aller Muße ausführen, was seiner Seele vorschwebte. Es entstand eine Reihe von Aquarellgemälden idyllischen Inhalts. Die Rührseligkeit der romantischen Zeit äußerte sich in übertriebener Begeisterung vor seinen Werken. Selbst Männer wie Goethe und Wieland blieben darin nicht zurück.


    1829 starb der Künstler in Eutin, 78 Jahre alt. (Seine Thätigkeit) ist nur zu erklären durch die geradezu wunderbare Schnelligkeit, mit der er arbeitete. Er wies in seiner Lehrthätigkeit wieder energisch auf das Studium der Natur und der alten Meister hin. Die gewaltige Bewegung auf dem Gebiete der bildenden Kunst im ersten (Jahrzehnt) diese Jahrhunderts, welche mit dem Eklekticismus und mit dem akademischen Formelkram brach, hat er zum großen Theil anbahnen helfen. # ((verf. v. Louis Katzenstein >1824/1907<; zit. v. wikisource.org))

    01.10. 19.30h Meiningen, Schlosskirche - Ensemble ''La Venexiana''
    Kantaten aus der Anton-Ulrich-Sammlung** des Max-Reger-Archivs Meiningen
    >**ist ein eminentes Abbild der Musik am Wiener Kaiserhof der 1720er und 1730er Jahre; zit. v. gueldener-herbst.de<


    09.10. 18.30h Nürnberg, Sebalduskirche (Einführungsvortrag 18h) - JSBach: das gesamte Orgelwerk, gespielt von Bernhard Buttmann / Teil V
    Das ''Orgelbüchlein'' u. einige freie Werke (i)


    10.10. 19h Würzburg, TheaterWERKSTATT
    ''Rio Bar'' - 8 Monologe über den Krieg für 8 Schauspielerinnen in Brautkleidern (v. Ivana Sajko)
    >aus dem Kroatischen v. Alida Bremer; Regie Cornelia Wagner<


    18.10. 20h Nürnberg, Tafelhalle - The Art of Jazz n° 225: Oli Steidle & The Killing Popes
    Oliver Steidle dr comp Dan Nicholls keyb Frank Möbus guit Philipp Gropper ts Phil Donkin b


    23.10. 18.30h Nürnberg, Sebalduskirche (Einführungsvortrag 18h) - JSBach: das gesamte Orgelwerk, gespielt von Bernhard Buttmann / Teil VI
    Das ''Orgelbüchlein'' u. einige freie Werke (ii)


    :P :P

    Übersetzungen u. deren Reihenfolge wie in Beitr. 373


    Nie ward das Meer beschifft, das ich befahre, * Mich führt Apoll, Minerva schwellt die Segel * Und die neun Musen zeigen mir die Bären.
    Ihr wenigen jedoch, die ihr bei Zeiten * Den Hals gestreckt nach jenem Engelsbrote, * Das Nahrung hier, nie Sättigung gewährt,
    Wohl dürft eu'r Schifflein in die hohe Meerflut * Ihr lenken, haltet ihr nur meine Furche, * Eh sich das Wasser wieder glättet, ein.
    Die Ruhmgekrönten, die nach Kolchis fuhren, * Erstaunten minder, wie zum Pflüger Jason * Geworden war, als ihr erstaunen werdet. --


    Uns trug der anerschaff'ne ew'ge Durst * Nach jenem Reich, das Gottes Stempel trägt, * So schnell fast als der Fixsternhimmel kreis't.
    Beatrix sah nach oben, ich auf sie, * Und in der Zeit, in der ein Pfeil ans Ziel kommt * Und fliegt und von der Nuß sich losmacht,
    Gelangt' ich dorthin, wo ein wunderbares * Gesicht mein Auge auf sich zog; Sie aber, * Der nichts verborgen blieb, was in mir vorging,
    Sie wandte sich zu mir so schön als freudig * Und sagte: Richte dankbar nun den Geist * Zu Gott, der uns dem ersten Stern vereint hat. --


    Mir war es, als bedeck' uns eine Wolke, * Die licht und dicht war, fest und wie geglättet, * Daß Diamant im Sonnenstrahl sie schien.
    Es nahm uns in sich selbst die ew'ge Perle * Nicht anders auf, als wie den Strahl des Lichtes * Das Wasser aufnimmt und in sich geeint bleibt.
    War ich nun Körper, und ist's unbegreiflich, * Daß eine Räumlichkeit die andre zuließ, * Wie wenn ein Körper in den andren schlüpfte,
    Sie sollten drum nur heißer wir verlangen * Die Wesenheit zu schauen, welche zeigt, * Wie Gott sich menschlicher Natur geeinigt.
    Was hier wir glauben, das wird dort man schauen, * Nicht als erwiesen, nein als selbstverständlich, * So wie die erste Wahrheit, die wir glauben.


    Die Fluthen, die ich durchlaufe, sind nie beschiffet worden. Minerva haucht in meine Segel, Apollo ist mein Fuehrer, und alle neun Musen zeigen mit den Pol. --- Ihr andern wenigen, die ihr euren Mund fruehzeitig dem Brodte der Engel naehertet, von dem man hier lebet, und sich nie saettiget, ihr koennet euer Fahrzeug der hohen See sicher anvertrauen. Ihr folget den Furchen meines Schiffes, ehe die getrennten Fluthen wieder in ihre ebne Flaeche zusammenlaufen. Und eure Verwunderung wird ungleich staerker seyn, als die Verwunderung jener Helden, welche nach Colchos schifften, einst war, da sie den Jason das Feld mit den feurigen Stieren pfluegen sahen.


    Das anerschaffene und unaufhoerliche Verlangen nach jenem goettlichen glaenzenden Reiche fuehrte uns eben so schnell empor, als man den Himmel sich bewegen sieht. Beatrix hielt ihre Augen nach der Hoehe, und ich die meinigen auf sie gerichtet. Ungefaehr in der Zeit, in welcher ein Pfeil aufgelegt wird, und abgeschossen dahinfliegt, was ich dort angelanget, da, wo das Wunderbare dieser Gegend meine ganze Aufmerksamkeit auf sich zog. Jene Selige, der mein Innerstes nicht verborgen seyn konnte, wandte sich daher so vergnuegt, als schoen, gegen mich, und sagte: Lenke zuerst dein Herz zur Dankbarkeit gegen Gott, der uns in diese erste Sternenhoehe versetzt hat. -----


    Itzt schien eine leuchtende, dichte, feste und reine Wolke, gleich einem Diamante, den die Sonne durchstrahlet, mich zu umgeben. Diese Wolke, gleich einer so großen Perle, nahm uns ein, wie das Wasser, ohne sich zu trennen, die Strahlen des Lichts einnimmt. Besaß ich nun noch meinen Koerper, und kann man hier auf der Erde nicht begreifen, wie ein Koerper einen andern in sich dulden koenne, welches geschehen muß, wenn einer in den andern auf das innigste eindringt, so sollte dieses in uns ein desto staerkeres Verlangen nach dem Anschauen jenes Wesens entzuenden, in welchem man sieht, wie Gott und unsre Natur sich in eine Person vereinget haben. Hier glauben wir, dort werden wir schauen. Nicht durch Schluesse der Vernunft, sondern durch sich selbst, wird das, was der Mensch hier glaubt, sich einst, gleich einer ungezweifelten Wahrheit, dem Auge offenbaren


    Ich steure hin zu nie befahrnen Meeren; * Minerva haucht, Apoll ist mein Geleit, * Und neue Musen zeigen mir die Bären.
    Ihr andern wen'gen, die zur rechten Zeit * Ihr Euch geneigt zum Engelsbrod, das Leben * Hienieden uns, nie Sättigung verleiht,
    Ihr könnt euch kühn auf's hohe Meer begeben, * Wenn ihr daher auf meiner Furche fahrt, * Eh' wieder gleich das Wasser wird und eben.
    Anstaunen sollt ihr, was ihr bald gewahrt, * Mehr als die Helden, die nach Kolchis zogen, * Anstaunen, daß zum Pflüger Jason ward. -- --


    So schnell fast, als des Himmels Kreise, flogen * Wir fort, zum Reich, dem Gott sein Bild verlieh, * Vom angebornen, ew'gen Durst gezogen.
    Beatrix blickt' empor und ich auf Sie, * Doch kaum so lang, als sich ein Pfeil zu schwingen * Vom Bogen pflegt und fliegt und ruht -- da sieh'
    Mich dort, wo mir der Blick von Wunderdingen * Gefesselt ward, schon angelangt mit Ihr; * Und Sie gewohnt, mein Innres zu durchdringen,
    Sie wandte sich so froh wie schön zu mir: * ''Auf, bring' jetzt Gott des Dankes Huldigungen! * Wir sind durch ihn im ersten Sterne hier.''


    Mir schien's, als hielt' uns eine Wolk' umschlungen, * Von Glanz durchstrahlt, dicht, ungetrennt und rein, * Wie Diamant, vom Sonnenstrahl durchdrungen.
    Die ew'ge Perle nahm uns also ein, * Gleichwie das Wasser, ohne sich zu trennen, * In sich aufnimmt des Strahles goldnen Schein.
    Wenn ich nun Leib war und wir nicht erkennen, * Wie sich in einem Raum ein zweiter fand, * Und wie in Körper Körper tauchen können:
    Sollten wir um so heißer sein entbrannt, * Das Ursein zu erschau'n, in dem wir schauen, * Wie unserer Natur sich Gott verband.
    Dort wird uns das, worauf wir gläubig bauen, * Nicht durch Beweis, nein, durch sich selber klar, * Der ersten Wahrheit gleich, auf die wir trauen.

    14.09.1321 - Todestag von Dante Alighieri


    Aus seiner (v. 1307 - 20 verfassten) ''Göttlichen Komödie'' zunächst zwei kurze Ausschnitte vom Beginn des dritten Gesangs des ersten Teils (''Die Hölle''), dann (Beitrag 374) eine zusammenhängende kurze Passage vom Anfang des zweiten Gesangs des dritten Teils (''Das Paradies'') - jeweils in drei verschiedenen dt. Übersetzungen.....


    Der Eingang bin ich zu der Stadt der Schmerzen, * Der Eingang bin ich zu den ew'gen Qualen, * Der Eingang bin ich zum verlor'nen Volke.
    Gerechtigkeit bestimmte meinen Schöpfer, * Geschaffen ward ich durch die Allmacht Gottes, * Durch höchste Weisheit und durch erste Liebe.
    Vor mir entstand nichts, als was ewig währet, * Und ew'ge Dauer ward auch mir beschieden; * Laßt, die ihr eingeht, alle Hoffnung fahren...


    Hier tönten Seufzer, Schluchzen, laute Klagen * Erschütternd durch die sternenlose Luft, * So daß zu Anfang ich mitweinen mußte.
    Verschiedne Zungen, grauenvolle Sprachen, * Des Schmerzens Worte, zornentbrannte Töne, * Erstickt' und laute Rufe, Schlag der Hände,
    Sie bildeten ein wildverworrnes Tosen, * Das in der ewig düstren Luft sich umtreibt, * Wie bei des Wirbelwindes Wehn der Sand tut.


    Ich aber, dem das Haupt Entsetzen einnahm, * Begann: Was ist das, Meister, was ich höre, * Und was für Volk, das übermannt vom Schmerz scheint?
    Und er zu mir: Solch' jammervolle Weise * Verführen die unwürd'gen Geister deren, * Die ohne Lob gelebt und ohne Schande.
    Der Engel schlechter Schar sind sie verbunden, * Die, ohne gegen Gott sich zu empören, * Ihm treu nicht, sondern unparteiisch waren.
    Der Himmel Schönheit hätten sie getrübt, * Auch nimmt die tiefre Hölle sie nicht auf, * Weil etwas Ruhm sie den Verdammten brächten. --


    Da sprach ich: Meister, was ist denn so quälend * Für sie, daß solche Klagen es hervorruft? -- * Und er: Das will ich kürzlich dir berichten:
    Der Tod hat Hoffnung ihnen nicht zu bieten, * Und so verächtlich ist ihr blindes Leben, * Daß sie jedwedes andre Los beneiden.
    Die Welt gestattet ihnen keinen Nachruhm; * Erbarmen und Gerechtigkeit verschmäht sie. * Kein Wort von ihnen...


    dt. v. Karl Witte >1800/1883<; zit. v. zeno.org

    Durch mich gehet man in die traurige Stadt --- durch mich gehet man in die ewige Quaal --- durch mich gehet man unter das verlorne Volk. --- Gerechtigkeit war der Bewegungsgrund meines erhabenen Schöpfers und die goettliche Macht, die hoechste Weisheit und die ewige Liebe gaben mir meine Wirklichkeit. --- Vor mir waren keine Geschoepfe, außer nur ewige Dinge -- und ich -- ewig daure ich -- ewig. --- Laßt also, die ihr herein gehet, laßt alle Hoffnung fahren...


    Hier schallten Seufzer, Wehklagen und lautes Heulen durch die sternlosen Luefte, worueber mir anfaenglich die Augen uebergiengen. Ganz verschiedene Sprachen, entsetzliche Reden, quaalvolle Worte, Laute voll Zorn und Rache, helle und heisere Stimmen mit ertoenenden Schlaegen in ringende Haende verursachten ein Getoese, welches, gleich dem von einem Wirbelwinde erregten Staube, dort in den zeitlosen Lueften unaufhoerlich herumkreiset.


    Ach! mein Lehrer, rief ich, dessen Verstand wie umnebelt war, o! was ist das, was ich hoere? und was ist das fuer ein Volk, das ganz ein Raub der Quaal zu seyn scheint? Das ist, antwortete er mir, der betruebte Zustand derjenigen Seelen, die in der Welt ohne Schande und ohne Ruhm gelebt haben. Sie sind mit unter dem haeßlichen Chor von Engeln, die weder Rebellen wider Gott, noch auch demselben treu waren, sondern fuer sich neutral blieben. Der Himmel jagte sie also fort, um seiner Schoenheit keinen Abbruch zu thun, und der Abgrund der Hoelle nimmt sie auch nicht ein, weil sie einige Vorzuege vor den Hoellenbuergern haben wuerden.


    Aber mein guetiger Lehrer, sprach ich, was ist es denn also fuer ein so großes Unglueck, das ihnen so harte und wehmuthsvolle Klagen auspresset? Ich will, was seine Antwort, dir alles kurz sagen. Diese Unglueckseligen haben keine Hoffnung zu sterben. Und ihr finsteres Leben ist so niedertraechtig, daß sie ueber ein jedes anderes Schicksal neidisch sind. Die Welt laeßt ihren Ruf nicht aufkommen. Und weder die Barmherzigkeit, noch die Gerechtigkeit bekuemmert sich weiter um sie. Doch gnug von diesen...


    dt. v. Lebrecht Bachenschwanz, Leipzig 1767; zit. v. books.google.de


    Durch mich geht's ein zur Stadt der ew'gen Qualen; * Durch mich geht's ein zum wehevollen Schlund, * Durch mich geht's ein zu der Verdammniß Thalen.
    Gerechtigkeit war der Bewegungsgrund * Deß, der mich schuf; mich gründend, that er offen * Allmacht, Allweisheit, erste Liebe kund.
    Nichts ward vor mir Geschaffnes angetroffen, * Als Ewiges; und ewig daur' auch ich. * Ihr, die ihr eingeht, laßt hier jedes Hoffen...


    Dort hob Geächz', Geschrei und Klagen an, * Laut durch die sternenlose Luft ertönend, * So daß ich selber weinte, da's begann.
    Verschied'ne Sprachen, Worte, gräßlich dröhnend, * Faustschläge, Klänge heiseren Geschreis, * Die Wut, aufkreischend, und der Schmerz erstöhnend --
    Dies Alles wogte tosend stets, als sei's * Sandwirbel, von den Stürmen umgeschwungen, * Durch dieser ewig schwarzen Lüfte Kreis.


    Und ich, im Ungewissen und von Schaur' durchdrungen, * Sprach: ''Meister, welch Geschrei, das sich erhebt? * Wer ist doch hier von Qualen so bezwungen?
    Und Er: ''Der Klang, der durch die Lüfte bebt, * Kommt von dem Jammervolk, geweiht dem Spotte, * Das ohne Schimpf und ohne Lob gelebt.
    Sie sind gemischt mit jener schlechten Rotte * Von Engeln, die für sich nur blieb im Strauß, * Nicht Meuterer und treu nicht ihrem Gotte.
    Die Himmel trieben sie als Mißzier aus, * Und da durch sie der Sünder Stolz erstünde, * Nimmt sie nicht ein der tiefen Hölle Graus.''


    Ich drauf: ''Was füllt ihr Wehlaut diese Gründe? * Was ist das Leiden, das so hart sie drückt?'' * Und Er: Vernimm, was ich dir kurz verkünde.
    Des Todes Hoffnung ist dem Volk entrückt, * Im blinden Leben, trüb und immer trüber, * Scheint ihrem Neid jed' andres Loos beglückt.
    Sie kamen lautlos aus der Welt herüber, * Von Recht und Gnade werden sie verschmäht. * Doch still von ihnen...


    dt. v. Karl Streckfuß im Verl. Ph. Reclam Jr.: Leipzig 1876; zit. v. wikisource.org