Beiträge von Alberich

    In der heutigen Ausgabe der HAZ können dazu einige Leserbriefe reingezogen werden; auch einer von Marie Louise Gilles (Mezzo und Kuwi).

    Frau Gilles schreibt halt Gilles-Quatsch wie immer.


    Heute war ein wohltuender Gegen-Leserbrief im Blättchen, ich bekomme ihn leider nicht reinkopiert.


    Gerade die von ihr geschmähte Otello-Inszenierung war berührend wie lange keine. Und übrigens (was ihr wohl egal ist) musikalisch hervorragend. Das war übrigens Konsens unter den Besuchern des Abends und Vielen, die ich sonst gesprochen habe.


    Gut, die nächste Spielzeit ist bez. Premieren für meinen Geschmack auch etwas dröge, aber es gibt so viele tolle WA!

    Ergänzung eigentlich OT, aber im Zusammenhang vielleicht interessant: Gerade aus dem RBB-Archiv die "Blindverkostung" von Sibelius' VK gehört - ganz anderes Bild von H.Hahn. Ich kann es fast nicht glauben.


    Auf Abendroths Äußerung hin habe ich die Tage dann doch noch diese Aufnahme gehört, die bei Agravain ja wegen Davis' Dirigat nicht gut wegkommt. Mir hat sie sehr gut gefallen. Hilary Hahn steht hörbar über den technischen Schwierigkeiten, aber das hat ja ohnehin niemand bestritten. Aber mir haben auch Tempodramaturgie, Spannungsbögen und Klarheit im Orchestersatz sehr zugesagt.

    Wobei es ja nicht nur Sir Colins fette Gangart ist, die ich dereinst für unglücklich hielt.
    Vielmehr störte mich bei Hahns Spiel - bei aller technischer Beherrschung (und nicht nur hier) - eine gewisse aseptische Glätte, eine auf mich nur vorgetäuscht, quasi eingeübte, schon fast mechanisch zum Einsatz gebrachte Emotionalität. Gerade bei diesem Stück finde ich das in hohem Maße irritierend.
    Kann natürlich sein, dass nur ich das so höre. Und ich sagte ja auch bereits in meinem ursprünglichen Post, dass man diesbezüglich (wie fast immer) geteilter Meinung sein kann. Vielleicht muss ich die Aufnahme wieder einmal hören. Ist ja nun auch schon acht Jahre her. Da kann viel passieren. :D


    :wink: Agravain

    Mir ist gerade die Hahn-Aufnahme in den Schoß gefallen, sozusagen. Da ich das Stück länger nicht mehr intensiv gehört habe, bin ich mit Partitur auf dem Schoß ins Vergnügen gestartet und möchte kurz meinen Eindruck schildern.


    Ich bin großer Fan von Hilary Hahn - aber hier muss ich sagen: Ich höre ihr Spiel wie Agravain. Aseptisch und unbeteiligt. Die technischen Schwierigkeiten sind ja m.E. nicht exzeptionell hoch, eher ist die Länge (also Kraft) das Problem. Das könnte ein Erklärungsansatz dafür sein, dass Hahn sich nicht verausgabt. Zugegeben: Spekulativ und von Vorurteilen gespeist.


    Davis allerdings finde ich klasse. Ja, es ist "fett", aber jede Stimme ist hörbar, Transparenz in jedem Takt. Und, was nicht selbstverständlich ist, die Temporelationen (besonders in dem unmöglichen dritten Satz) sind für mich völlig logisch und organisch.


    Mein Favorit weiter: Kennedy/Hadley.

    Ich finde diese Bearbeitungen auch absolut hörenswert, für mich keine Frage. Aber wie Felix schon schrub: Nach dem Quintett braucht man manchmal Ruhe, und nicht die Fummelei an der Fernbedienung oder so.


    Aber das ist ja ein nachgeordneter Aspekt. Im Grunde wollte ich diese Einspielung wärmstens empfehlen - das kam wohl rüber.

    Ich habe diese Aufnahme erst jetzt hören können. Sie haut mich um. Für mich noch spannender und emphatischer als das natürlich fantastische ABQ. Der Coda im vierten Satz...die quasi Trio-Teile im Scherzo...so viele Details, die man sonst nur ahnt.

    Schade, dass die CD noch diese Lieder draufpackt. Ich habe gegen diese Bearbeitungen an sich keine Einwände, auch nicht gegen die faire Geste, eine CD voll zu machen, aber nach dem Quintett mag ich nix weiter hören.

    Der Hornist Dale Clevenger, von 1966 bis 2013 Solo-Hornist de Chicago Symphony Orchestras, ist im Alter von 81 Jahren verstprben.


    https://slippedisc.com/2022/01…-dale-clevenger-has-died/

    Hierzulande "underrated", völlig unverständlich für mich, das sein Klang durchaus nicht nut dem Power-Play des CSO verpflichtet war, sondern edel, kontrolliert und leicht sein konnte.

    Seine Aufnahmen der Mozart-Konzerte oder der Britten-Serenade sind umwerfend.

    Nicht zu vergessen: Er war offenbar ein sehr inspirierender Lehrer.

    Ich habe diese CD vor längerer Zeit gekauft und war von den Klavierkonzerten recht angetan. Nach nochmaligem Hören immer noch. Was mir durch den Kopf ging: Wenn ich diese Werke blind verkosten müsste - auf welchen Komponisten würde ich tippen? Mir würde keiner einfallen, einfach mangels Fantasie. Wenn man mir aber eine Liste vorgelegt hätte, einen Katalog zum Ankreuzen, dann hätte ich wahrsch. tatsächlich Flotow gewählt, denke ich. Er hat halt schon seinen Stil.

    Freut mich, dass die Opernmeisterschaft überraschend wieder auftaucht! Vermisst habe ich sie ehrlich gesagt nicht - aber man weiß ja erst, was einem gefehlt hat, wenn es wieder auftaucht, sagt Mao.


    Wohlan. Wie immer und wie gewünscht ohne Rücksicht auf etwaige Qualitätsmerkmale. Nur das, was in diesem erneut merkwürdigen Jahr aus ganz unterschiedlichen Gründen gerne gehört war.


    1. Verdi: Falstaff

    2. Rossini: Il Barbiere...

    3. Rossini: Guillaume Tell

    4. Wolf: Der Corregidor

    5. D'Albert: Die toten Augen

    6. Martinu: Greek Passion

    7. Verdi: Otello

    8. Lortzing: Zar und Zimmermann

    9. Dvorak: Armida

    10. Haydn: Orlando Palladino

    11. Mozart: Cosí fan tutte

    12. Verdi: Ernani

    13. Kienzl: Don Quixote

    14. Wagner: Meistersinger

    15. Briten: The Turn of the Screw

    Die Musik macht wundern, wie solch große Quartettkunst durch's Raster der Musikgeschichte fallen konnte.

    Vollste Zustimmumg! Man (oder ich?) ist ja im Überschwang der Begeisterung oft recht fix mit solchen Aussagen, aber hier finde ich sie auch nach mehreren Monaten, seit dem ich Gernsheims Werk kenne, immer noch absolut zutreffend.


    Wilhelm Kienzl - schon der Name macht vielleicht Pickel, und erst recht die sich einstellende Assoziation "Evangelimann" als Kitsch-Oper, die er so gar nicht ist. (Es sei denn, man nimmt nur das rührselige Finale zur Kenntnis).
    Nachdem ich jahrelang seinem Meisterwerk "Don Quixote" verfallen war, habe ich es jetzt endlich mit den Streichquartetten versucht.


    1x nebenbei währen der Arbeit gehört: Sehr klangschön, mit Zug nach vorne, schöne Themen, und ich wurde nicht ein Mal stutzig wegen etwaiger Redundanz oder prätenziöser Fugenpusseligkeit. Das habe ich selten. Ob das Alles jetzt so richtig nachbrahmsisch gut gearbeitet ist, müsste ich beim wiederholten (unabgelenkten) Hören herausfinden. Zunächst aber: unbedingte Empfehlung für Liebhaber spätromantischer Kammermusik, die nicht ausufert, sondern in alten Bahnen schöne Wege findet.


    Über das "Thomas Christian Ensemble" (ja, mit Deppenleerstellen) weiß ich gar nichts, weil ich das (immerhin lobenswerterweise vorhandene) Booklet nicht gelesen habe, aber ich finde den Klang sauber intoniert, schön dunkel timbriert und akustisch gut abgebildet.


    Dank eines Sonderangebots bei jpc und dank der schönen Einführung in die Thematik durch unseren Mitforianer Felix Meritis höre ich sehr angetan die vier Quartette von Norbert Burgmüller. Natürlich ist das Vierte das absolut interessanteste, aber auch die anderen sind hörenswert. Für einen Komponisten, der nur 26 Jahre alt geworden ist, höre ich da sehr viel Entwicklung und auch Selbständigkeit.

    Ich habe dieses wunderbare Werk gerade erst entdeckt, weil es in einer sehr günstigen Viererbox enthalten war, die ich eigentlich wegen des Kla4konzertes bestellt habe. Was für eine interessante Musik!
    Und, um dem großartigen Posting von F.M. wenigstens deshalb etwas hinzuzufügen, damit der Thread nicht redundant wird: Ich finde das zweite Quartett (d-Moll) auch durchaus hörenswert. Klar, das ist alles geprägt von den Lehrern usw...aber für einen provinziell aufgewachsenen Menschen, der nur 26 Jahre werden durfte, steckt da Erstaunliches drin. Mich hat das etwas an Ariaga erinnert, der zwar früher, aber unter ähnlichen Umständen zu einem erstaunlich ähnlichen Quartettschaffen kam. Klar: Äppel / Birnen bzw Klassik / Frühromantik, aber diese überraschenden Schatten, die da manchmal in die regelkonform gearbeiteten Sätze fallen, die haben was vom jungen (nein, frühen) Schubert,
    Danke jedenfalls an Felix Meritus!