Beiträge von Alberich

    Lieber Brixus,


    Sie haben völlig Recht. Ohne Zweifel ist die Cosi ein Muster an Teamwork, oder sogar der seltene Fall, dass ein hervorragender Librettist vom Komponisten noch verbessert wird.


    Ich bezog mich nicht so sehr auf die Mikro- und Makroebene, sondern meinte vielmehr das Thema. Frauen betrügen und sind weich, Männer sind dusselig und/oder gefühllos. Oder nicht, oder doch. Eines der ältesten Schlachtfelder der Menschheit, und m.E. nicht entscheidend bereichert. Literarisch.



    Herzliche Grüße, Alberich

    Vor Kurzem waren es bei mir die Mozart-Streichquartette.


    Blöderweise hatte ich mit den "Wiener Quartetten" begonnen und mich dnn vorgearbeitet. Das war dann alles so unglaublich fantastisch, dass das Vorhaben, auch die frühen Quartette zu hören, auf Eis liegt. Lieber no ch ein 10. Mal das Hoffmeister-Quartett.


    Diese Werkreihe wird für mich nie eine.

    Lieber Herr Brixus,


    ich bin begeistert!


    Diese Bestenliste ist m.E. tatsächlich absolut tauglich!


    Natürlich ist etliches diskutabel, allen voran Cosi, aber ich muss ganz begeistert feststellen, dass doch noch bei einigen Menschen ein Gespür für gute Bücherl existiert.


    Ich habe vor 1000 Jahren mal eine Arbeit über Libretti geschrieben ( http://www.amazon.de/Warum-sch…TF8&qid=1336517034&sr=1-3 ) und bin in der ersten Zeit immer weinend ins Bett gesunken, weil die Zuschriften daraufhin immer wieder die alte Metastasio-Nummer als Nonplusultra für die Oper betrachteten - und keinen Gedanken an das mittlerweile soganannte und existierende MUSIKTHEATER verschwendeten.


    Danke für die Klarsicht und den Spaß daran, sie zu veröffentlichen!

    Ich habe hier gerade mal hineingelesen - zugegeben nur kursorisch- und musste feststellen, dass es Freunde von "Intermezzo" gibt. Ich habe dieses Machwerk gerade in der Bibliothek ausgeliehen und durfte mich durch die Bibliothekarin versichern lassen, dass keine Sau sowas hören will. Nachdem ich es gehört habe, muss ich sagen: Auch ich Sau nicht. Nicht mal die Intermezzi.
    Meine Strauss-Liste:
    1. Salome
    2. Elektra
    3. Feuersnot


    lange nix


    4. Ariadne
    5. Frau ohne Schatten


    Rosenkaffelier und Arabella sind m.E. sofort zu kompostieren.
    Der andere Kram (Danae, Capriccio...) sind was für Paläontologen.

    Ich habe in Hannover unfassbar bewegende Momente dank ihr erlebt.


    Alviano hat da schon Einiges geschildert.


    Ich habe es erst vorgestern erfahren und bin sehr traurig. Für ihre noch junge Kinder ist das alles schlimmer als für uns paar Oper-Nerds. Hoffentlich sind sie in guten Händen.

    Ich mache das so:


    In der GP lese ich alles in den Noten mit.


    In der 1. Vorstellung lese ich das Programmheft.


    In der 2. Vorstellung schaue ich auf dem Handy nach den Fußball-Ergebnissen und nach FB.


    Je nach dem, ob ich singe oder spiele, kann das mal variieren - man hat ja auch noch kommunikative Kollegen. Schön war mal eine "Meistersinger"-Vorstellung, die durch eine Bombendrohung um eine ganze Std verlängert wurde. Da fängt man an zu trinken.



    Und dann gibt es Werke, da geht das nicht. Da kaufe ich ne Partitur und lese immer mit. Seltene Werke.

    Ich möchte auch! So ein schönes Thema - fehlt nur noch die optimale Kombination der Missa-Sätze zu einer Super-Messe ;)


    1. Verdi-Requiem


    2. Rossini: Petite Messe Sollenelle


    3/4. Schubert Messe Es-Dur und As-Dur


    5. Mozart Requiem


    6. -10. die letzten 5 Messen von Haydn


    11. Britten: War Requiem


    12. Puccini: Misa di Gloria


    13. -15. die drei letzten Mozart-Messen



    Ja, da fehlt sehr viel. Auch Unsterbliches (Missa Solemnis) - aber dafür ist ja so ein Thread da, oder? Um eine ganz persönliche, seltsame Liste zu erstellen. :D

    Schreker: Der ferne Klang. Staatsoper Berlin

    Das Stück war mir nur sehr oberflächlich bekannt; zwar hatte ich es schon 2-3 mal gehört, aber live noch nie.



    Nun, ich kann keine richtige Kritik liefern, was an meiner schlechten Kenntnis des Stückes und den Begleitumständen liegt. Trotzdem möchte ich meine Eindrücke kurz schildern - mit Sicherheit waren noch andere User dieses Forums dort.



    Das Gute zuerst: Das Orchester spielte einfach göttlich. Diese Partitur ist wahrscheinlich der reinste Horror, aber bis auf einige Unschärfen in nden mehrfach geteilten hohen Streichern war das einfach bewundernswert.


    Sängerisch - was soll man sagen? Alte, zuverlässige Recken wie Bodo Brinkmann sangen erwartungsgemäß unfallfrei, und die Hauptpartie (Annette Schwanewilms) ließ sich als erkrankt ansagen, sang dann aber wahrscheinlich großartig.


    Da die komplette Oper jedoch hinter einem Gaze-Decker stattfand, was man überdeutlich hörte, kann ich nichts über dieStimmen sagen. Der Vorhang wird mehr wissen. Warum Mussbach, dem man eigentlich Opernsachverstand zutraut, so etwas tut, bleibt noch schleierhafter als die Bühne.


    Da ich sehr links saß, kann ich auch nur 1/3 der Vorstellung beurteilen, darf aber vermelden, dass die Ästhetik recht ansprechend 20ger/30ger Jahre bedient und im Prinzip die reine Freudsche Lehre verwurstet (Hysterie-Vorlesungen etc.)



    Zusammengefasst: Ich weiß nicht so recht weiter...

    Obwohl dieser Thread ja irgendwie solipsistische und nahezu narzisstische Züge hat, freue ich mich irgendwie doch, dass er (und sein geistiger Vater) von Nasiewissenschon hierher geschwebt ist. :thumbup:




    Weiter so, ich lese das gerne und überlege, so etwas selbst einmal durchzuführen - allein, es gebricht mir an der Konsequenz.


    Vorerst also: Danke, Florian Voß und weiter so. Ich freue mich auf die Beurteilung meiner Lieblingswerke.

    RE: Bieito

    Da gab es schon noch andere, bemerkenswerte Produktionen: vor allem "Trovatore" von Verdi in der Inszenierung von Calixto Bieito muss da Erwähnung finden, aber auch die "Traviata" von Verdi, der "Don Giovanni" von Mozart, die "Cav/Pag"- Produktion von Leoncavallo/Mascagni, allesamt von Bieito in Szene gesetzt, aber auch "Il gran sole" von Nono in der Konwitschny-Inszenierung, da ist Kosky mit "Peter Grimes" (Britten) zwar in guter Gesellschaft, aber nicht wirklich so herausragend, wie es hier behauptet wird.


    Ja, wobei Bieito für mich extrem berechenbar wurde. Gerade Cav/Pag war geradezu schlecht und erbärmlich langweilig; richtig herausragend fand ich nur Trovatore und Giovanni. Der Nono war ok, nicht vergessen sollte man vielleicht noch Mouchtar-Samorais Billy Budd vor längerer Zeit. Aber in dieser konsequenten Schlüssigkeit ist für mich Koskys Grimes die klare Nr.1.


    Mag letztendlich Geschmackssache sein - ich mag es halt, wenn ein Stück mal auf den Punkt gebracht wird und der Ballast verschwindet. Ob das im Ring auch der Fall sein wird, mag ich noch nicht beurteilen.

    Ich war in der vierten Vorstellung und habe andernorts schon einmal geschrieben, was mein Eindruck war.


    Faul, wie ich bin, hier einfach mal reinkopiert:


    Nachdem Barry Kosky in Hannover mit Peter Grimes die faszinierendste Inszenierung, die dieses Haus in den letzten zehn Jahren zu sehen bekam, vorgelegt hat und für „Totenhaus“ den Theaterpreis des Bühnenvereins einheimste, war die Neugier auf seinen Ring-Zyklus natürlich enorm. Das Rheingold konnte hier allerdings keine Abhilfe schaffen, denn wie so oft hat man am Ende keine klare Vorstellung davon, wo es einmal hingehen soll und kann nur hoffen, dass der Regisseur es weiß.
    Um mich nicht um die Vorfreude zu bringen, hatte ich keine Premierenfotos angeschaut, so dass ich mich tatsächlich hin und wieder von der visuellen Phantasie des Regisseurs überraschen lassen konnte. Die Premiere im Radio hatte ich allerdings gehört, und leider bestätigte sich der Eindruck vom 14. November: Das Staatsorchester klingt während des Vorspiels wie die Blaskapelle der Zwergenfeuerwehr Nibelheim. Zum Glück legt sich das während der Vorstellung im Gegensatz zum Premierenabend rasch, so dass der Gesamteindruck günstig ist. Gut ausbalanciert, nicht zu laut, schöne Einzelleistungen und stimmige Tempi. Aber der Reihe nach:
    Während des anfänglichen Es-Dur-Gewabers strecken drei kecke Rheintöchter mit Federbusch die Köpfe aus dem geschlossenen roten Vorhang. Wenn der sich öffnet, bietet sich dem hörbar raunenden Publikum ein interessantes Bild: Der Rhein ist ein Gewoge aus rhythmisch in Wellen wippenden Federbüschen. 19 Tänzerinnen, unter ihnen die Rheintöchter, tanzen die Rhein-Revue.
    Alberich (beeindruckend und wortverständlich: Frank Schneiders) tritt als Ministrel-Sänger auf, entledigt sich aber nach den Demütigungen durch die Mädchen seiner Schminke und des Kostüms und steht im Metallica- (später Iron-Maiden-) T-Shirt da. Das Rheingold, eine golden eingesprühte Frau (bislang dachte ich ja aufgrund der Erfahrungen mit James Bonds „Goldfinger“ immer, das sei tödlich), die in einen Umzugskarton verfrachtet und abtransportiert wird.
    Die Götter lungern in legerer Strandkleidung auf einer Parzelle Vulkan- oder Tufgestein herum, die nur vorsichtige Schritte zuläßt. Warum sie sich in einer kleinen, geschlossenen Kammer befindet, erschloss sich mir nicht, aber dem Kammerspiel-Charakter tut das ganz gut. Wotan, Tobias Schabel, macht stimmlich und auch als Badehosenträger eine gute Figur. Das trifft auch auf seine Gattin, Khatuna Mikaberidze, zu. Kelly God, Freia, ist in beiderlei Hinsicht darüber hinaus gewachsen.
    Die Götterkollegen Froh und Donner sind rollendeckend mit Brian Davis (schön, wie er dauernd Leuten Prügel androht) und Corby Welch besetzt. Loge (Hubert Delamboye) tritt in der Kleidung eines alternden Entertainers auf und verkörpert wie üblich den Typus des geistig beweglichen Intellektuellen.
    Nibelheim ist wie so häufig eine unterirdische Werkstatt oder ein Labor, wo alles Mögliche hergestellt wird. Alberich, immer noch in Metal-Klamotten, hat seine Sammlung an mit Gold gefüllten Kartons vermehrt. Die Verwandlung in Unsichtbaren, Drachen und Kröte wird durch die Statisterie dargestellt, die zu dreizehnt in Alberichs Ministrel-Maskerade erscheint.
    Zurück in der Oberwelt, wird Freia mit dem Gold aus den Kartons behängt, bis der Deal aufgeht. Die Riesen sind siamesische Zwillinge, die auseinanderreißen, wenn der eine den anderen tötet. Aufregend ist, wie sie sich auf dem gefährlichen Felsen bewegen, fast zu aufregend. Mich hat es jedenfalls abgelenkt. Das Monströse der beiden Gestalten ist aber auch durch die deformierten Köpfe gut visualisiert.
    Ein schönes, eindringliches Bild gelingt Kosky in der Erda-Szene. Die Stimme kommt von der Seitenbühne, während sich eine sehr alte, nackte Frau langsam und würdevoll auf Wotan zubewegt, ihn umarmt, kurz verharrt, und ruhig wieder abtritt.
    Dann ist Party angesagt. Zu Donner Heda-Hedo-Geprahle öffnet der Gott den Schampus und dann kommt endlich Walhall - in Form einer riesigen Torte, die lustigerweise fast wie das klassizistische Opernhaus aussieht. Man langt ordentlich zu, schleckt genüsslich das Messer ab und schreitet aus der sich öffnenden Kammer in einen nachtschwarzen Hintergrund. Loge springt allerdings vorne aus dem Kasten heraus und schlendert durch die Nullgasse fort.
    Wenn die schrecklich bombastischen Schlusstakte erklingen, bleibt, wie einst bei Wieland Wagner, die Bühne leer - abgesehen von einer halben Torte und einem toten Riesen.
    Starker, begeisterter Beifall für alle - nur GMD Wolfgang Bosic muss Buhrufe einstecken.
    Was bleibt? Bei mir pure Neugier. Wohin das Konzept steuert, ist noch nicht zu erahnen, und leider dringt nicht viel nach Außen. Im Mai kommt die Walküre heraus, man darf gespannt sein. Langweilig wird es jedenfalls unter Barry Kosky nicht.
    Und noch Eines sei lobend erwähnt: Man lässt Übertitel laufen, und zwar wie es sich gehört den kompletten Text. Gerade bei Wagner, Strauss und ähnlich stark instrumentierten Werken hilft das dem Verständnis ungemein. Die äußerst zahlreich anwesenden Schüler waren auch dieser Meinung.






    usschnitte gibt es wieder auf Theater TV: http://theater-tv.com/?link=staatsoper_h...heingoldhan.flv