Beiträge von Ecclitico

    Davon abgesehen sind Libretto und Partitur kein Kochrezept, an das man sich sklavisch zu halten hat. Ja, Musiker und Regisseur haben sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, und zwar möglichst intensiv. Aber die Aufführung selbst gestalten sie nach ihrem freien Willen. Und das geht in beiden Fassungen.

    Hallo! Da bin ich ganz Deiner Meinung, aber irgendwie passt das nicht zu dem, was Du letztens hier (siehe folgendes Zitat inkl. meiner Entgegnung) geschrieben hast, oder?

    Die letzte Fassung ist die "gültige". Jedenfalls dann, wenn sie vom Komponisten kommt.

    Das sehe ich komplett anders: Es gibt für mich keine "gültige" Fassung, die deshalb gültig ist, weil sie die letzte des Komponisten ist. Künstlerisch gut muss die Fassung sein, ob sie die letzte oder erste ist, spielt dafür keine Rolle.

    Die Autorität des Komponisten erkenne ich in diesem Fall nicht an. Analog dazu auch auf Komponisten zu übertragen (natürlich nicht völlig, aber die Tendenz stimmt): Roland Barthes, Der Tod des Autors.

    Ich habe das Wort "gültige" absichtlich in Anführungszeichen gesetzt. Was bedeutet: Das ist nicht "gültig" in wissenschaftlicher Hinsicht. Weil, wie du richtig schreibst, das Wort "gültig" hier gar nichts verloren hat. Wissenschaftlich betrachtet.


    Also sagen wir so: Der Komponist ändert hin und wieder seine Meinung. Künstler müssen das. Leute wie du und ich dürfen das. Oder sollten das. Zurück zum Künstler: Was ich oben mit "gültig" bezeichnete, war sowas wie die letzte Willensäußerung des Komponisten. Sie hat also eine gewisse Relevanz in dem Sinn, dass man sich damit auseinandersetzen sollte. So wie man sich mit dem Werk selbst auseinandersetzen sollte.


    Was einen dann besonders inspiriert (Fassung x oder y, Aspekt x oder y Werkes), ist eine andere Frage. Mit der sich vor allem die (Musik-)Theatermacher auseinandersetzen müssen.


    Wir als Rezipienten müssen das nur insofern, als wir uns entscheiden müssen, welche Aufnahme(n) wir uns besorgen. Ich persönlich habe bekanntlich die Angewohnheit, nur eine Aufnahme pro Werk zu beschaffen. Also muss ich mich irgendwie entscheiden. In diesem Sinn ist das oben zitierte Wort "gültig" zu verstehen: Bei "Don Carlos" entschied ich mich für die italienische Fassung. Würde ich übrigens wieder so machen. Das darf aber jeder für sich entscheiden...

    Weißt du, was mich ärgert? Nicht dass du mir rein aus Prinzip widersprichst. Das gehört zu den Dingen, an die man sich mit der Zeit einfach gewöhnt. Aber dass du dir nicht nicht mal Mühe gibst, das nervt:

    Ein Beispiel:

    O don fatal et détesté

    Présent du ciel en sa colère

    Dort hebt Verdi den Zorn (colère) besonders hervor.

    Auf Italienisch befindet sich hier das Wort cielo: der Himmel.

    Und wo ist das Problem? Ja, "colère" ist härter als "cielo". Aber auch bei "cielo" schwingt etwas Dramatisches mit, weshalb die musikalische Betonung dieses Wortes immer noch passt.


    Es hat übrigens keiner behauptet, dass eine Übersetzung gleich gut ist wie das Original. Das ist schon aus Prinzip unmöglich. Aber es gibt hinreichend gute Übersetzungen. Und die von "Don Carlos" ist eine. Man kann immer noch die französische Fassung bevorzugen. Dafür gibt es Gründe. Man kann aber auch die italienische bevorzugen. Auch dafür gibt es Gründe.


    Ist das jetzt dein Ernst??? Im Italienischen ist nur die Reihenfolge vertauscht. Und dass die Erkenntisse des Königs in der "französischen Reihenfolge" zu kommen haben, ist pure Spekulation. Die Arie hat ein Vorspiel von ca. 3 Minuten. In der Zeit sind die Erkenntnisse des Königs gereift, nicht erst ab dem Zeitpunkt, zu dem der Gesang einsetzt. In welcher Reihenfolge sie dann artikuliert werden, ist völlig belanglos. Man könnte sogar mutmaßen, dass er zuerst den schlimmeren Sachverhalt schildert ("nie geliebt"), weil das die brutalere Erkenntnis ist. Aber das wäre genauso Spekulation.


    Davon abgesehen sind Libretto und Partitur kein Kochrezept, an das man sich sklavisch zu halten hat. Ja, Musiker und Regisseur haben sich mit der Thematik auseinanderzusetzen, und zwar möglichst intensiv. Aber die Aufführung selbst gestalten sie nach ihrem freien Willen. Und das geht in beiden Fassungen. Was in tausenden Aufführungen weltweit immer wieder bewiesen wird.


    Zitat

    Der französische Text ist einfach und passt gut zur Stimmung des Königs, der italienische ist verschwurbelt.

    Klar, in Operntexten wird nie "geschwurbelt", in französischen schon gar nicht.


    Ach, lassen wir das.


    Verrate uns lieber mal endlich das Geheimnis mir der Dreifaltigkeitsikone im Film Solaris:


    Ein bisschen weiter nachdenken und dann kommt ihr drauf, warum im Film auch Andrej Rubljows bekannte Ikone zu sehen ist.

    Wir haben inzwischen mehr als 2 Jahre nachgedacht und sind immer noch nicht drauf gekommen...

    Es gibt keine italienische Fassung

    Doch. Einfach mal Wikipedia bemühen.


    Soweit zu den Fakten.


    Subjektiv: Ich bevorzuge die italienische Fassung. Erstens weil Verdi Italiener war und italienisch dachte und komponierte. Zweitens weil es die letzte Fassung ist. Gilt analog auch für andere Verdi-Opern, oder auch für Bruckner. Die letzte Fassung ist die "gültige". Jedenfalls dann, wenn sie vom Komponisten kommt.

    Die einfachsten Beispiele wären, wenn Du mehrere Menschen ein und dasselbe Stück hören lässt oder dasselbe Bild betrachten lässt. Da kommen unterschiedliche Dinge dabei heraus.

    Das ist logisch. Aber du sagst sinngemäß, man ist bei der Wahrnehmung von seinen Erwartungen abhängig, und das stimmt nun mal nicht.


    Du bist natürlich von den Fähigkeiten deines "Messinstrumentes" (deine Sinnesorgane) abhängig, aber das gilt für jedes Messinstrument. Und die Beurteilung deiner Wahrnehmung geht natürlich nur im Kontext deiner bisherigen Erfahrungen. Das gilt für jede Messung, auch in der Technik.


    Meine Ohren sind genauso objektiv wie jedes Messinstrument in diesem Universum: Sie nehmen einen eng begrenzten Teil der Welt wahr, und das Messergebnis unterliegt gewissen statistischen Schwankungen. Selbstverständlich sind viele technische Messinstrumente weniger ungenau als meine Ohren, aber das hat nichts mit Objektivität/Subjektivität zu tun, da geht es nur um Genauigkeit.


    Subjektiv kann die Bewertung des Messergebnisses sein. Oder auch nicht. Was verstehen wir eigentlich unter subjektiv bzw. objektiv? Die Festlegung von "warm" und "kalt" ist logischerweise subjektiv. Die Beurteilung eines Messwertes ist dann aber objektiv. Wenn ich festlege, dass die Grenze zwischen "warm" und "kalt" bei 1000 °C liegt, dann ist das Urteil: "Meine Herdplatte ist kalt" (weil sie nur 500 °C hat) objektiv.


    Das gilt dann auch für den Vergleich zwischen LP und CD. Ich muss eben festlegen, was ich unter "gut" und "schlecht" verstehe. Richtig ist, dass viele Leute Dinge festlegen, die sie mit den Ohren gar nicht überprüfen können. Dann wird es in der Tat albern. Und es passiert wirklich vielen Leuten, gerade auch im Beruf. "Meine Vorgehensweise ist besser." Das hört man häufig, und man hat immer den Verdacht, das Urteil kommt nur daher, dass es halt die eigene Vorgehensweise ist. Es wurde versäumt, messbare Kriterien für "gute" oder "schlechte" Vorgehensweisen festzulegen. Leider gibt es sogar Fälle, da wurde das vorher festgelegt, und der neutrale Betrachter sieht: Gemäß diesen Kriterien ist die Vorgehensweise nicht gut. Nützt aber nichts...


    Wie gesagt: Die Messgenauigkeit und die Reproduzierbarkeit der Messungen unserer Sinnesorgane ist leider suboptimal. Als Weinfreak kann ich ein Lied davon singen. Das heißt aber nicht, dass meine Wahrnehmungen subjektiv sind. Sie sind nur ungenau, und deren Beurteilung ist schwierig, weil man nie genau weiß, ob man ein paar Wochen später zum gleichen Ergebnis kommt.



    Bei der Gelegenheit:

    Welcher Schuh ist besser: Der für 200 Euro, der nach 2 Jahren kaputt geht, oder der für 100 Euro, der 20 Jahre hält?

    Die meisten sagen: Der für 100 Euro. Das ist aber grober Unfug. Die Aufgabe des Schuhs ist, den Käufer glücklich zu machen. Den Grad der Glücklichkeit ist mit dem Geldbetrag zu messen, den er für das Produkt bereit ist auszugeben. Der bezahlte(!) Preis entspricht exakt dem Wert, den der Schuh aus Sicht des Käufers hat. Der teure Schuh ist also mehr wert und damit besser.

    Das Ganze natürlich unter der Annahme, dass die jeweiligen Käufer beim nächsten Mal wieder so handeln würden, die jeweiligen Schuhe also die in sie gesetzten Erwartungen erfüllt haben.

    Klar, ich habe hier festgelegt, dass sich "besser" auf den Grad der Glücklichkeit bezieht. Diese Festlegung muss ich machen. Ich kann stattdessen auch "Haltbarkeit" als Qualitätsmaßstab nehmen. Oder eine Kombination von allem Möglichen.


    Übrigens kann man so auch die Qualität von Kunst messen. Mann muss nur vorher festlegen, wie Qualität gemessen wird. Mein Vorschlag ist bekanntlich, die "Wirkmächtigkeit" zu nehmen. Dafür muss man dann geeigenete Kriterien festlegen (z.B. Musik: Anzahl der Aufführungen, Anzahl der Alben, Anzahl der darüber geschriebenen Bücher, Einfluss auf andere Künstler, etc.). Sobald man das gemacht hat, kann man die "Qualität" jedes Stückes messen. Natürlich nur in der Theorie. In der Praxis wird man an viele Daten einfach nicht rankommen. Und so kann man nur sagen, das Beethoven besser als Bohlen ist, aber zwischen Beethoven und Bach oder zwischen Bohlen und Bushido wird es schwierig.

    Das Problem dürfte sein, dass das mathematische "fast alle" nur bei "abzählbar unendlichen" Mengen Sinn ergibt.


    Die Menge meiner LP-Digitalaufnahmen ist aber endlich, es sind ca. 12. Davon beeindrucken mich 2, und 2-3 weitere sind immerhin überdurchschnittlich gut. Der Rest ("die meisten") bewegt sich im Durchschnitt der restlichen LPs (ca. 80).

    Die meisten in meiner Sammlung beindrucken mich nicht im geringsten. Bis auf die oben erwähnten Ausnahmen.

    Wie wir Mathematiker ja zu sagen pflegen: "fast alle" = "alle bis auf endlich viele". Insofern ist an Deiner Aussage alles völlig korrekt. :)


    maticus

    Hilf mir mal auf die Sprünge: "fast alle" ist kein Zitat von mir. Was ist deine Aussage?


    Dass meine CDs in der Regel besser klingen, ist logisch. Sie wurden später produziert, der Stand der Technik war - durchschnittlich - besser.


    Spielst du auf meine Aussage mit den LP-Digitalaufnahmen an? Ich habe nicht nachgezählt, wie viele LP-Digitalaufnahmen ich habe und von wie vielen ich überzeugt bin oder nicht. Vermutlich ärgere ich mich über eine schlechte "Digitalaufnahme" mehr als über eine schlechte Analogaufnahme. Vor allem aber ärgert mich, wenn eine Firma (hier: "Archiv Produktion") beweist, dass top-Digitalaufnahmen möglich sind, aber eine andere Firma (hier: Decca) dick und fett "Digital Recording" jubelt und nicht liefert.


    Was die Behandlung meiner Platten anbelangt: Da gibt es null Unterschiede. Also nix "fast".


    Jaja, ich habe früher auch einzelne Platten nass abgespielt, andere mit diesem Gummizeug besprüht und damit den "Schmutz" entfernt: Das Gummizeug hat prinzipiell funktioniert, aber aus einer schlechten Platte keine gute gemacht.


    Die früher nass abgespielten Platten knistern heute etwas mehr, aber es hält sich in Grenzen. Auch hier ist der Einfluss auf das Endergebnis, also auf das, was an den Ohren ankommt, überraschend gering.


    Entscheidend ist offensichtlich die ganze lange Kette, vom Aufnahmeraum, den Mikrofonen, den vielen Zwischenschritten, bis zur fertigen LP.


    Wobei ich zu dem Thema schon viel zu viel schreibe. Ich habe ca. 8 Jahre lang (1981-1988) intensiv LPs gekauft, aber ab 1989 nur noch CDs. Ich höre jeden Tag Musik, mittags und abends, also genau 14 mal pro Woche. Davon 1-3 mal von LP, Rest von CD. Die LPs führen bei mir - mathematisch gesehen - ein Schattendasein.


    Was den Klang anbelangt, sind die Boxen eh das wichtigste. Meine waren mal ziemlich gut (Backes&Müller Delta), aber sie sind aus den 80ern und müssten mal überholt oder gar ersetzt werden...

    Nützt aber alles nichts, weil der Mensch nicht in der Lage ist objektiv wahrzunehmen. Wir können ausschließlich subjektiv wahrnehmen.

    Verstehe ich nicht. Warum könnt ihr nicht objektiv wahrnehmen? Also ich kann das. Wie soll ich denn sonst zu neuen Erkenntnissen kommen?


    Kannst du mir mal ein Beispiel geben, wo es schwierig ist, objektiv wahrzunehmen?


    Zum Thema des Threads:

    Die CDs klingen meist besser. Es gibt aber einzelne LPs, die überraschend gut klingen, und das seit Jahrzehnten. Da steht dann "Digitalaufnahme" drauf. Was aber nicht heißt, dass bei den LPs die "Digitalaufnahmen" automatisch gut sind. Die meisten in meiner Sammlung beindrucken mich nicht im geringsten. Bis auf die oben erwähnten Ausnahmen.


    Das Krasse in dem Fall: Auf diesen besonders guten Platten sammelt sich kaum Staub an. Obwohl ich ausnahmslos alle meine Platten geich behandle, und das lückenlos seit dem ersten Kauf von Anfang 1981.

    Hilfreich wäre jetzt eine Begründung der o.g. Vorschläge. Um mal mit gutem Beispiel voranzugehen:


    Abraxas: Ist Nummer 10 in der Liste "Los 10 mejores álbumes de rock latino de todos los tiempos. Ist allerdings die US-amerikanische Sicht.


    Supernatural: Ist sein erfolgreichstes Album. Ist sozusagen das Urteil der "Schwarmintelligenz". Allerdings hängt der Schwarm den Entwicklungen immer etwas hinterher: Ein Künstler wird durch Werk X berühmt, aber richtg viel Kohle macht er erst mit Werk Y, weil er inzwischen bekannter ist.


    Wie auch immer: Was sind die Argumente für die o.g. Alben?

    Neulich in irgendeinem Tatort gehört: Corazón espinado


    Da ich ja ständig auf der Suche nach spanischsprachiger Musik bin, ging ich der Sache nach: Carlos Santana


    Kennt wahrscheinlich jeder. Aber wenn man zusätzlich auch Spanisch üben will, was beschafft man sich dann von dem Kandidaten?


    Generell wird das Album Abraxas empfohlen. Dort gibt's die Superhits "Black Magic Woman" und "Samba pa' Ti". Beides zum Spanisch Üben weniger geeignet. Aber nun gut, das Album gehört wohl zur Allgemeinbildung.


    Aber wie geht Santana auf maximal Spanisch? "Corazón espinado" ist auf dem Album Supernatural. Soll auch ganz gut sein, enthält aber auch einige englischsprachige Songs.


    Was gehört eurer Meinung nach zur Grundausstattung der Santana-Fans?

    1932 schreibt der Tin-Pan-Alley-Texter Mack Gordon zu dem Song Underneath the Harlem Moon einen Text, den als offen rassistischen Scheißdreck übelster Sorte zu beschreiben noch recht nachsichtig ist (Musik: Harry Revel).

    Du müsstest jetzt allerdings noch darlegen, inwiefern der Originaltext nicht auch schon ironisch gemeint sein könnte.


    Zu sagen, dass müsse so sein, weil der Autor weiß ist, wäre rassistisch. Und natürlich ganz böse antisemitisch, er war ja auch "Jude". Er war natürlich kein echter Jude, nur ein nach USA ausgewanderter Pole, der ab der ersten Minute seiner Geburt religiös indoktriniert worden war.


    Aber genau das ist der Punkt: Religiös indoktrinierter Pole landet in den USA, hat vermutlich recht viel Hirn, und kommt aus eigener Erfahrung zum Schluss, dass die ganzen kulturellen "Identitäten" nur das Ergebnis von Sozialisation und/oder Indoktrination sind. Und schreibt dann irgendwann diesen besagten "rassistischen" Text.


    In Wirklichkeit macht er sich nur lustig über das ganze Identitätsgedöns.


    Und jetzt beweise mal das Gegenteil. Es wird dir nicht gelingen.

    Shicoff ist kein "Jude" sondern ein Jude, und hat schon deshalb mehr mit einem Juden des 15. Jahrhunderts zu tun als ein Nichtjude. Zudem entstand die Oper im 19. Jahrhundert, und Halévy wird schon gewusst haben, weshalb ihn der Stoff 400 Jahre später noch interessierte.

    1. Shicoff wurde als Homo Spaiens geboren und anschließend zum "Juden" gemacht, so wie du und ich zum "Christen", "Moslem" oder sonst was. Er hat kein "jüdisches Blut". Sowas gibt es nicht.

    2. Sich mit irgendwelchen Völkern des 15. Jahrhunderts zu identifizieren ist völkisches Denken und Grund der meisten Kriege der letzten Jahrhunderte. Ist also abzulehnen.

    3. Bei den heutigen Juden kommt erschwerend dazu, dass sie die Holocaust-Erfahrung haben, die Juden des 15. Jahrhunderts aber nicht. Und erspare uns jetzt bitte irgendwelche Holocaust-relativierende Einwände. Es gibt nichts Vergleichbares, zumindest nicht aus jüdischer Sicht.

    4. Im übrigen ist es generell abwegig, sich mit irgendwelchen Menschen des 15. Jahrhunderts zu vergleichen oder gar zu identifizieren, selbst wenn es keinen völkischen Hintergrund hat. Die Welt war damals komplett anders.

    Ihr verrent euch hier total. Der Shicoff mag "Jude" sein (genauer: er wurde als Homo Sapiens geboren und anschließend religiös indoktriniert), aber mit dem Judentum des 15. Jahrhunderts hat er nicht mehr zu tun als du und ich. Nämlich gar nix. Zusätzlich trennt ihn noch die Holocaust-Erfahrung vom Judentum davor.


    Er muss seine Rolle also exakt genauso studieren/interpretieren/etc. wie andere auch. Er kann erfolgreich sein, oder scheitern, oder irgendwas dazwischen. Aber hört bitte auf, irgendwas "Jüdisches" da hineinzuphantasieren.


    Nein, das wäre kein Rassismus. Sadko neigt leider zu Übertreibungen.


    Im T-Forum hat mal einer behauptet, der Masaaki Suzuki könne die Bach-Kantaten nicht so ganz "echt" rüberbringen, weil er halt Japaner sei. Ist genauso Bullshit. Das Ergebnis zählt.

    Im Verlauf dieser Diskussion wurde mal gefragt, ob es von den von der kulturellen Aneignung benachteiligten Gruppen so etwas wie Gremien o. ä. gibt, die aus ihrer Sicht eine verbindliche Einschätzung bzw. Meinung abgeben, ob sie sich selbst von der kulturellen Aneignung verletzt und benachteiligt fühlen oder ob das Für-und-Wider nur aus den Reihen der aneignenden Gruppe diskutiert wird.


    Dazu möchte ich auf das Thema der "Indianerverkleidungen" an Fasching/Karneval oder sog. "Indianerfreizeiten" und ob das kulturelle Aneignung bzw. rassistisch ist hinweisen. Es gibt die "Native American Association of Germany e. V." und die lehnt klar irgendwelche "Indianerverkleidungen" oder sonstige Veranstaltungen ab, in denen "Winnetou-typische" geprägte Klischees immer noch eine Rolle spielen, die hier fast schon als eine Tradition an der es festzuhalten gilt betrachtet zu werden scheinen.

    Willst du jetzt alles Ernstes behaupten, dass so ein Spinner-Verein irgendeine Relevanz hätte?


    Das Problem von euch "Woken" ist: Ihr schwingt euch zum Welterklärer auf, habt aber nicht die geringste Lust, euch mit kulturellen Hintergründen auseinanderzusetzen. Die gibt es nämlich überall, nicht nur bei denen, die der aktuelle Zeitgeist gerade zu den "Unterdrückten" zählt.


    Beim Karneval geht es z.B. darum, die Rollen zu tauschen. Nicht um sich über andere lustig zu machen, sondern um temporär deren Rolle einzunehmen. Ja, das gelingt nicht immer. Z.B. wirken schwarz angemalte Männer in Baströckchen definitiv deplatziert, Karneval hin oder her. Aber wer sich als Indianer verkleidet, hat prinzipiell eine positive Einstellung denen gegenüber. So wie jemand, der italienisch kocht, der italienischen Küche gegenüber positiv eingestellt ist. Das Ergebnis mag nicht immer authentisch sein. Das ist aber nicht der Punkt. Die heutigen Nachfahren der Indianer sind genausowenig authentisch, als Indianer. Und erst recht ist es nicht authentisch, wenn sie italienisch kochen. Sie tun es aber trotzdem. Dürfen sie auch.


    Das gilt auch für irgendwelche "bayerischen" Feste, die weltweit veranstaltet werden. Die Bayern sind übrigens sowohl weltweit auch als innerhalb Deutschlands eine Minderheit. Und sie haben nicht mal einen eigenen Staat, wie z.B. die Tschechen.


    Ja, die Kulturen vermischen sich immer mehr. Das Unverfälschte gibt es immer weniger. Aber genau das ist doch gewollt von den Woken. Jeder Afrikaner, der hierher kommt und bleibt, trägt zur Verwässerung seiner Ursprungskultur bei. Er nimmt Dinge von unserer Kultur an und verbreitet sie auf verfälschte Art in seiner ursprünglichen Heimat. Gleichzeitig bringt er Dinge von seiner Ursprungskultur mit, die aber hier zwangsläufig verwässert werden. Egal ob es sich um Essen, Kleidung oder Musik handelt.


    Nebenbei bemerkt:

    Leute, die im Ausland leben und sich dort als Bewahrer ihrer "ursprünglichen" Kultur aufspielen, hab ich eh gefressen. Man muss sich nur mal die ganzen "deutschen" Vereine im Ausland ansehen. Im besten Fall sind es Spinner, die schon lange den Kontakt zu ihrer Herkunft verloren haben. Das Bild, das sie von ihrer vermeintlichen Heimat zeichnen, ist alles andere als authentisch. Wer seine eigene Kultur bewahren will, muss da bleiben, wo er aufgewachsen ist.


    Jaja, die von uns sogenannten "Indianer" heißen in Wirklichkeit nicht Indianer. Aber noch weniger heißen sie "Native Americans". Sie sprechen erstens kein Englisch, und zweitens nennen sie ihr Land ganz sicher nicht "Amerika". Sie sind nicht mal eine einheitliche Gruppe.

    Vereine wie dieser "Native American Association of Germany e.V." sind durchsetzt von "Nicht-Natives". Und selbst bei denen, die irgendeinen Urgroßvater mit "indianischen" Wurzeln im Stammbaum haben, ist das Denken und Handeln komplett von der europäisch-westlichen Denkweise geprägt. Was man schon daran sieht, dass sie einen Verein gründen. Als ob Indianer jemals einen Verein gegründet hätten.


    Ich komme übrigens aus einem Kuhdorf vom Oberrhein, direkt aus dem früheren Überschwemmungsgebiet. Meine Vorfahren waren Entenjäger und Fischwilderer. Selbst mein Vater hatte sich noch der Fischwilderei befleißigt. Damit ist aber schon seit Jahrzehnten Schluss. Und Überschwemmungen gibt es auch schon lange nicht mehr. Dafür Autos, Straßen, Internet, etc. Unsere Ursprungskultur ist futsch. Man kann allenfalls per Museum die Erinnerung daran bewahren. Aber ein Verein "Entenjäger und Fischwilderer e.V." wäre maximal peinlich.


    Dennoch: Als selbsternannter Vertreter der Entenjäger-und-Fischwilderer-Community erlaube ich euch hiermit offiziell, Enten zu jagen und Fische zu wildern. Ihr dürft dabei gerne irgendwelche pseudohistorische Kleidung tragen. Und auch irgendwelche pseudohistorische Rituale abhalten. Wir sind da ganz entspannt.

    Heute morgen und nun schon wieder. Eigentlich so richtig gut.


    Das war für mich so eine Art Erwachung. Ich war 14, und es war das erste neu erschienene Album, das ich mir unabhängig von Kumpels oder sonstigen Fremdeinflüssen kaufte. Damals noch als Cassette. Ich wurde anschließend zum Supertramp-Fan und kaufte nach und nach alle Alben.


    Erwachung noch in anderer Hinsicht:

    Ich komme vom Dorf (ca. 3.000 EW), und Stadtbesuche (Karlsruhe) waren bis zu der Zeit noch elternabhängig. In jenem Sommer machte ich mich nachmittags mal alleine auf den Weg. Einfach auf dem Rheindamm mit dem Rad nach Norden. Irgendwann sollte Karlsruhe kommen. Ich schaffte es nach ca. 15 km bis in die Außenbezirke, dann kehrte ich um. Die ganze Zeit hatte ich "Breakfast in America" in den Ohren. Das klang nach "Weite", "Grenzen verschieben". An diesen Sommertag erinnere ich mich, als ob es gestern gewesen wäre.


    Natürlich dauerte es nicht lange, bis ich die kompletten 20 km in die Karlsruher Innenstadt fuhr. Dort besorgte ich mir nach und nach die Cassetten und (ab 1981) Platten von Supertramp, Queen und Pink Floyd. Ab 1982 dann Haydn, Mozart, Beethoven, etc.


    Aber mit "Breakfast in America" fing alles an...

    1981 gründeten in Irland Christy Moore und Donal Lunny die Gruppe Moving Hearts , um ihre traditionelle Musik in den Rockbereich zu erweitern.

    Diese Kandidaten wurden mir im Irland-Urlaub 1992 empfohlen. Wie ihr inzwischen ja wisst, quengle ich in jedem Urlaub bei den Eingeborenen: "Welche sind eure besten Musiker?"

    Da landet man durchaus den einen oder anderen Treffer. Im Fall Irland war es (u.a.) dieser:



    Hört sich auch heute noch gut an.

    1981 gründeten in Irland Christy Moore und Donal Lunny die Gruppe Moving Hearts , um ihre traditionelle Musik in den Rockbereich zu erweitern.

    Diese Kandidaten wurden mir im Irland-Urlaub 1992 empfohlen. Wie ihr inzwischen ja wisst, quengle ich in jedem Urlaub bei den Eingeborenen: "Welche sind eure besten Musiker?"

    Da landet man durchaus den einen oder anderen Treffer. Im Fall Irland war es (u.a.) dieser:



    Hört sich auch heute noch gut an.

    Ihr kapiert's mal wieder nicht. Dabei gefallen mir persönlich schlanke Sängerinnen auch besser.


    Nur: Weder der Rezipient (also wir), noch der Sänger hat sich über Körpergewicht, eng ansitzende Kostüme oder dergleichen auszulassen.


    Solche Dinge sind Teil des künstlerischen Konzepts, und das ist Sache des Regisseurs und seinem Team. Sänger machen mit oder lassen es bleiben. Zuschauer bewerten das Gesamtergebnis.


    Ich komme aus dem (Bau-)Handwerk, da gibt es ähnliche Diskussionen. Architekt hat "schwachsinnige" Ideen, Handwerker lästert. Hat aber nicht zu lästern. Hat auszuführen, darf auch Ratschläge geben, aber das Konzept legt der Architekt fest. Wenn es dem Handwerker nicht passt (und dafür kann es gute Gründe geben!), macht er nicht mit. Sucht sich andere Aufträge. Wenn er es regelmäßig besser weiß, hat er den Beruf verfehlt. Muss ihn dann wechseln.


    Mit anderen Worten: Sänger bieten eine Dienstleistung an. Dabei haben sie einen gewissen Gestaltungsspielraum und eine gewisse künstlerische Freiheit. Aber die Grenzen setzt der Regisseur. Und die Idee, dass der Regisseur sein Konzept an die Essgewohnheiten des Ensembles anpasst, ist ziemlich abstrus.


    Übrigens lernte ich in der Tat mal eine Sängerin kennen, die u.a. an der Bayerischen Staatsoper engagiert war. Jung, attraktiv, gut. Kam aber mit ihrer Rolle als "Befehlsempfängerin" nicht zurecht. Also also machte sie sich selbständig als Kabarettistin. Das nenne ich Konsquenz. Nicht jammern, machen. Damals (vor 15-20 Jahren) schien sie recht erfolgreich. Künstlerisch jedenfalls sehr gut. Keine Ahnung, was sie heute macht...

    Ihren aktuellen Tatort habe ich noch nicht gesehen. Der Dell (Zeit online) meckert. Ich lese seine Ergüsse nicht mehr, aber wenn er meckert, bedeutet es, dass der Tatort politisch nicht korrekt war. Vermutlich wurde die eine oder andere Frauenfigur zu wenig heldenhaft dargestellt.

    Bin gerade dabei, den besagten Tatort zu sehen. Bisher (nach 35 Minuten) ist er recht gut konstruiert. Entweder hat die Berlinger (also Makatsch) tatsächlich einen gewissen Instinkt. Oder sie verrennt sich in etwas. Ist im Moment noch offen. Aber wenn der Dell meckert, sieht es eher danach aus, dass sie sich in etwas verrannt hat...

    Bei 54:30 hält der Verdächtige das Weinglas richtig. Ab jetzt bin ich auf seiner Seite...

    Er war also tatsächlich unschuldig. Und der Dell wird immer peinlicher.


    Insgesamt von der Story her ein guter Tatort. Aber das Team Berlinger-Rascher ist definitiv ausbaufähig. Beide sind ok, aber keine Überflieger. Die bräuchten viel mehr Folgen, um richtig zueinander zu finden. Die Makatsch sollte sich überlegen, was sie will. Entweder Tatort mit hinreichend vielen Folgen. Oder Tatort komplett aufgeben.