Beiträge von Kater Murr

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    (gestern abend)


    Mendelssohn op.13 + 44,1 Juilliard Quartett; aus ihrer vielleicht besten Zeit. Mir im Kopfsatz des a-moll wieder etwas zu atemlos, anders als das Artis Q lassen sie sich aber im langsamen Satz mehr Zeit.


    Mendelssohn op.13 a-moll



    Das Artis Quartett spielt brillant und klangschön, aber durchweg sehr zügig bis rasant, was mir ein bißchen einseitig erscheint.


    Das Cherubini Q. geht in eine deutlich andere Richtung, teils eher zu gewichtig (und in den Eckteilen des Intermezzo zu behäbig, das klingt fast wie ein langsamer Satz), aber differenziert und ausdrucksstark im langsamen Satz und den Einschüben im Finale.

    Eine "konservative" Option nach GBV wäre zB Gigue/Fuge oder ein anderer Satz (oder die letzten 2-3 Sätze) aus der G-Dur Partita. Oder was aus der Rachmaninoff-Bearbeitung der Violinpartita E-Dur.
    (Gulda hat vor den weniger passenden Zugaben bei einem Konzert mit u.a. Beethoven's op.110 und 111 P&F As-Dur aus WTK 1 (glaube ich jedenfalls, ist auch bekannter als aus Bd. II) gespielt und angesagt, dass im Hauptprogramm schon eine Fuge in As-Dur vorgekommen sei.)

    (Gestern)



    Schubert a-moll und d-moll mit dem Endellion String Quartet. Gute, aber nicht überragende Aufnahmen; das a-moll-Quartett m.E. besser gelungen, im d-moll fehlt die Wdh. im Kopfsatz und insgesamt ein bißchen Ausdruck und Spannung.

    Wurde denn eigentlich das Verhalten der Geigerin, die am Anfang zu den Polizisten kommt, geklärt? Meinem Verständnis nach war das doch ein "red herring" und wohl durch die Kombination von Lampenfieber, Ritalin und der "Traumschule" ausgelöst. Oder war sie teilweise in den Plan der anderen Geigerin eingeweiht? Denn das konspirative Treffen mit den beiden etablierten Musikern galt doch nur dem Ausschalten des Oboenkandidaten, oder?


    Die Ingredienzien waren nicht schlecht. Aber es gibt halt schon einen über 70 Jahre alten Film mit verwirrenden Träumen und voreiligen Geständnissen (Spellbound/Ich kämpfe um dich) und mindestens einen sehr krassen Film über Konkurrenzdruck und Wahnsinn in der professionellen klassischen Musik (Die Klavierspielerin). Natürlich ist das eine andere Liga als Tatort, aber an beide Filme musste ich schon in der ersten Viertelstunde denken und vom Finale abgesehen, war die gute Stunde dazwischen m.E. langatmig und insgesamt wenig überzeugend.

    Das Musikstück, oder den Krimi?


    O.k. vgl. mit berühmteren Stücken wie Nymans in Das Piano (oder auch verglichen mit dem Krimi) war das Stück gar nicht so schlecht. Mich wundert es dennoch.
    Anscheinend hat man nach wie vor viel zu viel Geld zum Verbrennen oder sieht das als Förderung. Es wäre doch sicher viel billiger gewesen, eine Brahms- oder Tschaikowsky-Sinfonie oder das Mendelssohnkonzert oder was weiß ich zu nehmen.

    Nun habe ich seit Wochen zum ersten Mal wieder Tatort gesehen, ungeachtet einer durchwachsenen Vorab-Kritik, weil ich die Münchner zum 30jährigen nicht hängen lassen wollte und weil es u.a. um klassische Musik gehen sollte. Die Idee mit den Träumen war auch nicht ganz schlecht, aber insgesamt war die Kritik eher noch zu nachsichtig. Und es kam nicht einmal richtige Musik, sondern ein eigens komponiertes Stück (eine Art Dies irae Paraphrase, aber ad nauseam wiederholt und wenig überzeugend).

    Beethoven macht zB im langsamen Satz von op.47 oder op.97 oder 111 auch (fast) "nur" Figuralvariationen; es kommt halt darauf an, was ein Komponist erreichen will.
    Ich vermute, Schubert will die träumerisch-sehnsüchtige Stimmung des "Sei mir gegrüßt"-Lieds nicht zu stark beeinträchtigen.
    Mir hat das Stück seit je spontan gefallen, aber ich finde es nach wie vor schlüssig und sehr originell. Ich habe mich hier schon mehrfach in die Nessel gesetzt, wenn ich spekuliert habe, dass Schubert in seinen späten Sonaten etwas freier, mehr Richtung der Violin- (oder Wanderer)Fantasie hätte komponieren sollen.

    o.k. es war gestern abend: Beethoven op.95; Smetana Quartett



    Eine sehr klangschöne Interpretation. Funktioniert überraschend gut in den Sätzen 2-4, obwohl ich den langsamen Satz deutlich "fahler" bevorzuge, hier erhält er in manchen Passagen einen schwärmerischen Charakter. Der erste Satz ist mir aber zu langsam (4:50 ggü. den üblichen ca. 4:00, während die folgenden Sätze alle im üblichen Bereich liegen) und auch abgesehen davon, kommt das Herausfahrende, die Kontraste nicht deutlich genug heraus.


    Quartette 2 und 4


    Den ersten Satz des 4. Quartetts fand ich etwas zahm, aber die Folgesätze sind sehr atmosphärisch und im Finale lassen sie es angemessen krachen.




    Beethoven op.95, Skampa Q.


    Ebenfalls eine sehr gute Aufnahme.


    Nr. 4 und jetzt Nr.5
    Ich höre mich langsam, unystematisch und nichtexklusiv durch meine vier Einspielungen der Bartok-Quartette (Ungarisches/DG, Juilliard 1962, Tokyo/DG, Hagen (Newton, zuerst DG), witzig, dass die DG nicht weniger als vier (Emerson ist die chronologisch 3.) hoch angesehene Einspielungen dieser Quartette aus vier Jahrzehnten gemacht hat, aber meines Wissens bis heute nur eine der 2. Wiener Schule (LaSalle) und Schostakowitschs (Emerson)). Diese Aufnahme genießt einen gewissen Klassikerstatus, ist auch sehr schön und recht klassisch ausgewogen, mir manchmal etwas zu wenig intensiv. Am besten hat mir vermutlich ihre Interpretation des 2. Quartetts gefallen.

    Als Kind habe ich Tom Sawyer geliebt, aber Huckleberry Finn anscheinend einige Jahre zu früh gelesen und mich eher durchgequält, etliches vermutlich kaum verstanden. (Vage Erinnerungen habe ich auch an eine Fernsehserie aus den frühen 1980ern?) Vor 8 oder 10 Jahren habe ich dann beide auf Englisch nochmal gelesen und da fand ich den Unterschied schon sehr deutlich, nur mit umgekehrter Wertung als als Zehnjähriger. Huckleberry Finn ist, von dem etwas albernen Ende, wenn Tom Sawyer wieder auftaucht, abgesehen, ein großartiges Buch, Tom Sawyer schon eher ein Kinder/Jugendbuch. Das Ende hat HF für mich damals etwas heruntergezogen, selbst wenn ich einsehe, dass die Jim-Geschichte irgendwie glimpflich gelöst werden muss und Twain auch den Bogen zu Tom Sawyer schlagen wollte.
    Was mich immer wieder etwas wundert, ist, wie selbstverständlich "meine Kinderbücher" um 1980 (natürlich waren die Bücher oft älter, aber die meisten nicht aus dem 19. Jhd.) Gewalt und Grausamkeit der Kinder gegen Tiere (wobei das noch am klarsten verworfen wird, außer beim sadistischen Thoma-Lausbub), untereinander (zB Fliegendes Klassenzimmer) und natürlich reichlich körperliche Züchtigungen der Kinder enthalten, ohne dass es damals mich oder die Erwachsenen, die die Bücher als kindertauglich befanden, gestört hätte.

    Ich bin mir relativ sicher, dass ich die zyklischen Elemente, als ich das Stück vor 25 Jahren oder so zum ersten Mal hörte, kaum oder gar nicht bemerkt habe. Von den vier großen (ich klammere mal aus, ob die Symphonischen Variationen oder Prelude, Choral & Fuge auch noch dazu gehören) späten Instrumentalwerken Francks finde ich, dass die Sinfonie das Zyklische gar nicht so demonstrativ herausstellt bzw. am "natürlichsten" in den mehr oder weniger gängigen Ablauf einer Sinfonie einfügt.
    Ich persönlich mag die Violinsonate und das Quintett vermutlich ein bißchen mehr, v.a. weil ich den Mittelsatz der Sinfonie einfach nicht allzu sehr schätze. Gut gemacht, aber wie oben schonmal geschrieben wirkt die scherzando-Variante auf mich etwas statisch, wie manche Figuralvariationen bei Händel. Könnte es sein, dass die Kombination von Englischhorn und pizz. bzw. Harfe von Marguerites "König von Thule" bei Berlioz beeinflusst ist?
    Das für mich unbefriedigendste Stück ist klar das Streichquartett, weil es quasi mit der Apotheose beginnt und danach für mich eher unattraktiver wird und bei dem für mich die thematische und poetische Entwicklung nicht so schlüssig zusammengehen, wie es bei der Sinfonie am deutlichsten geschieht.


    Die Klemperer-Aufnahme, die ich vorhin gehört habe, ist gar nicht schlecht, sehr typisch, wuchtig, mäßig, aber gar nicht langsam (nur im Finale etwas langsamer als Monteux, aber nicht viel), klanglich transparent, zumal für ca. 1960.

    Die Violinfantasie ist eines der besten Werke Schuberts, für mich sein bestes Duo. Ich habe auch Faust, Kremer, Busch, Heifetz, noch eine oder zwei mehr. Zwar war es meine erste, daher vermutlich auch Prägung, aber mein Favorit ist Kremer/Afanassiev, da die die magisch-träumerische Atmosphäre sowohl des Anfangs als auch der "Sei mir gegrüßt"-Variationen so überzeugend einfangen.


    Daraus


    Was wohl?
    Franck-Sinfonie, leider eines von zwei Werken der Kollektion, das über zwei Scheiben gesplittet wurde. (Das andere ist ausgleichenderweise mal die 6. statt der 5. von Tschaikowsky. Da aber eine CD komplett mit Ouvertüren gefüllt ist, hätte man vermutlich zumindest den Franck nicht aufteilen müssen.)

    Der Charaktergegensatz oder allgemeiner motivische Eigenständigkeit des zweiten Themas ist aber nicht unbedingt konstitutiv oder zentral (jedenfalls nicht bis etwa Beethoven). Sonst wären zahlreiche (quasi)monothematische Sätze von Haydn keine Sonatenhauptsätze; wir nennen sie aber normalerweise dennoch so, weil das Modell bzgl. des harmonischen Gegensatzes und der Großform einigermaßen passt.
    Meine Goldmann-Schott Partitur mit Kommentar (Alexander Suder) nennt ebenfalls T. 27 als Beginn des "Seitenthemas".