Beiträge von Kater Murr

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.

    Das Musikstück, oder den Krimi?


    O.k. vgl. mit berühmteren Stücken wie Nymans in Das Piano (oder auch verglichen mit dem Krimi) war das Stück gar nicht so schlecht. Mich wundert es dennoch.
    Anscheinend hat man nach wie vor viel zu viel Geld zum Verbrennen oder sieht das als Förderung. Es wäre doch sicher viel billiger gewesen, eine Brahms- oder Tschaikowsky-Sinfonie oder das Mendelssohnkonzert oder was weiß ich zu nehmen.

    Nun habe ich seit Wochen zum ersten Mal wieder Tatort gesehen, ungeachtet einer durchwachsenen Vorab-Kritik, weil ich die Münchner zum 30jährigen nicht hängen lassen wollte und weil es u.a. um klassische Musik gehen sollte. Die Idee mit den Träumen war auch nicht ganz schlecht, aber insgesamt war die Kritik eher noch zu nachsichtig. Und es kam nicht einmal richtige Musik, sondern ein eigens komponiertes Stück (eine Art Dies irae Paraphrase, aber ad nauseam wiederholt und wenig überzeugend).

    Beethoven macht zB im langsamen Satz von op.47 oder op.97 oder 111 auch (fast) "nur" Figuralvariationen; es kommt halt darauf an, was ein Komponist erreichen will.
    Ich vermute, Schubert will die träumerisch-sehnsüchtige Stimmung des "Sei mir gegrüßt"-Lieds nicht zu stark beeinträchtigen.
    Mir hat das Stück seit je spontan gefallen, aber ich finde es nach wie vor schlüssig und sehr originell. Ich habe mich hier schon mehrfach in die Nessel gesetzt, wenn ich spekuliert habe, dass Schubert in seinen späten Sonaten etwas freier, mehr Richtung der Violin- (oder Wanderer)Fantasie hätte komponieren sollen.

    o.k. es war gestern abend: Beethoven op.95; Smetana Quartett



    Eine sehr klangschöne Interpretation. Funktioniert überraschend gut in den Sätzen 2-4, obwohl ich den langsamen Satz deutlich "fahler" bevorzuge, hier erhält er in manchen Passagen einen schwärmerischen Charakter. Der erste Satz ist mir aber zu langsam (4:50 ggü. den üblichen ca. 4:00, während die folgenden Sätze alle im üblichen Bereich liegen) und auch abgesehen davon, kommt das Herausfahrende, die Kontraste nicht deutlich genug heraus.


    Quartette 2 und 4


    Den ersten Satz des 4. Quartetts fand ich etwas zahm, aber die Folgesätze sind sehr atmosphärisch und im Finale lassen sie es angemessen krachen.




    Beethoven op.95, Skampa Q.


    Ebenfalls eine sehr gute Aufnahme.


    Nr. 4 und jetzt Nr.5
    Ich höre mich langsam, unystematisch und nichtexklusiv durch meine vier Einspielungen der Bartok-Quartette (Ungarisches/DG, Juilliard 1962, Tokyo/DG, Hagen (Newton, zuerst DG), witzig, dass die DG nicht weniger als vier (Emerson ist die chronologisch 3.) hoch angesehene Einspielungen dieser Quartette aus vier Jahrzehnten gemacht hat, aber meines Wissens bis heute nur eine der 2. Wiener Schule (LaSalle) und Schostakowitschs (Emerson)). Diese Aufnahme genießt einen gewissen Klassikerstatus, ist auch sehr schön und recht klassisch ausgewogen, mir manchmal etwas zu wenig intensiv. Am besten hat mir vermutlich ihre Interpretation des 2. Quartetts gefallen.

    Als Kind habe ich Tom Sawyer geliebt, aber Huckleberry Finn anscheinend einige Jahre zu früh gelesen und mich eher durchgequält, etliches vermutlich kaum verstanden. (Vage Erinnerungen habe ich auch an eine Fernsehserie aus den frühen 1980ern?) Vor 8 oder 10 Jahren habe ich dann beide auf Englisch nochmal gelesen und da fand ich den Unterschied schon sehr deutlich, nur mit umgekehrter Wertung als als Zehnjähriger. Huckleberry Finn ist, von dem etwas albernen Ende, wenn Tom Sawyer wieder auftaucht, abgesehen, ein großartiges Buch, Tom Sawyer schon eher ein Kinder/Jugendbuch. Das Ende hat HF für mich damals etwas heruntergezogen, selbst wenn ich einsehe, dass die Jim-Geschichte irgendwie glimpflich gelöst werden muss und Twain auch den Bogen zu Tom Sawyer schlagen wollte.
    Was mich immer wieder etwas wundert, ist, wie selbstverständlich "meine Kinderbücher" um 1980 (natürlich waren die Bücher oft älter, aber die meisten nicht aus dem 19. Jhd.) Gewalt und Grausamkeit der Kinder gegen Tiere (wobei das noch am klarsten verworfen wird, außer beim sadistischen Thoma-Lausbub), untereinander (zB Fliegendes Klassenzimmer) und natürlich reichlich körperliche Züchtigungen der Kinder enthalten, ohne dass es damals mich oder die Erwachsenen, die die Bücher als kindertauglich befanden, gestört hätte.

    Ich bin mir relativ sicher, dass ich die zyklischen Elemente, als ich das Stück vor 25 Jahren oder so zum ersten Mal hörte, kaum oder gar nicht bemerkt habe. Von den vier großen (ich klammere mal aus, ob die Symphonischen Variationen oder Prelude, Choral & Fuge auch noch dazu gehören) späten Instrumentalwerken Francks finde ich, dass die Sinfonie das Zyklische gar nicht so demonstrativ herausstellt bzw. am "natürlichsten" in den mehr oder weniger gängigen Ablauf einer Sinfonie einfügt.
    Ich persönlich mag die Violinsonate und das Quintett vermutlich ein bißchen mehr, v.a. weil ich den Mittelsatz der Sinfonie einfach nicht allzu sehr schätze. Gut gemacht, aber wie oben schonmal geschrieben wirkt die scherzando-Variante auf mich etwas statisch, wie manche Figuralvariationen bei Händel. Könnte es sein, dass die Kombination von Englischhorn und pizz. bzw. Harfe von Marguerites "König von Thule" bei Berlioz beeinflusst ist?
    Das für mich unbefriedigendste Stück ist klar das Streichquartett, weil es quasi mit der Apotheose beginnt und danach für mich eher unattraktiver wird und bei dem für mich die thematische und poetische Entwicklung nicht so schlüssig zusammengehen, wie es bei der Sinfonie am deutlichsten geschieht.


    Die Klemperer-Aufnahme, die ich vorhin gehört habe, ist gar nicht schlecht, sehr typisch, wuchtig, mäßig, aber gar nicht langsam (nur im Finale etwas langsamer als Monteux, aber nicht viel), klanglich transparent, zumal für ca. 1960.

    Die Violinfantasie ist eines der besten Werke Schuberts, für mich sein bestes Duo. Ich habe auch Faust, Kremer, Busch, Heifetz, noch eine oder zwei mehr. Zwar war es meine erste, daher vermutlich auch Prägung, aber mein Favorit ist Kremer/Afanassiev, da die die magisch-träumerische Atmosphäre sowohl des Anfangs als auch der "Sei mir gegrüßt"-Variationen so überzeugend einfangen.


    Daraus


    Was wohl?
    Franck-Sinfonie, leider eines von zwei Werken der Kollektion, das über zwei Scheiben gesplittet wurde. (Das andere ist ausgleichenderweise mal die 6. statt der 5. von Tschaikowsky. Da aber eine CD komplett mit Ouvertüren gefüllt ist, hätte man vermutlich zumindest den Franck nicht aufteilen müssen.)

    Der Charaktergegensatz oder allgemeiner motivische Eigenständigkeit des zweiten Themas ist aber nicht unbedingt konstitutiv oder zentral (jedenfalls nicht bis etwa Beethoven). Sonst wären zahlreiche (quasi)monothematische Sätze von Haydn keine Sonatenhauptsätze; wir nennen sie aber normalerweise dennoch so, weil das Modell bzgl. des harmonischen Gegensatzes und der Großform einigermaßen passt.
    Meine Goldmann-Schott Partitur mit Kommentar (Alexander Suder) nennt ebenfalls T. 27 als Beginn des "Seitenthemas".

    Nein, das ist sie gerade nicht. Ihre zyklische Form basiert auf wenigen Themen, die allesamt durch fortlaufende Transformation aus einer einzigen Keimzelle hervorgehen.

    Wie mehr oder minder alle vier späten Franck-Instrumentalwerke, also noch Violinsonate, Klavierquintett, Streichquartett.
    Meintest Du das "Muss es sein" Grave aus Beethovens op.135 als 3 ton-Motiv?


    Warum diese Sinfonie vor 50-60 Jahren ein Standardwerk war, heute aber von Bruckner?, Mahler? verdrängt wurde, oder was auch immer, weiß ich auch nicht. Egal, wie gerne man sie nun mag, ist sie ein hoch originelles, auch klanglich eigenes Werk, das eigentlich nicht "ersetzt" werden kann.

    Die Hälfte der Bewohner in GB sind Nichtweiße?

    Eher ~13-16% (wenn man alle Asiaten als "nichtweiß" zählt)
    Aber Proportionalität hat bei Symbolpolitik noch nie jemanden gestört. Ebensowenig die ethnische Zusammensetzung der britischen 4x100m-Staffel... da nimmt man halt die Schnellsten, was sich relativ objektiv feststellen lässt und nicht so leicht durch falsche Brillen getrübt wird.


    https://en.wikipedia.org/wiki/…ups_in_the_United_Kingdom

    Dass ABBA zu den 70ern und 80ern dazugehört, mag ja stimmen (ich bin ein bißchen zu jung bzw. in dieser Zeit zu abgeschieden von Popmusik aufgewachsen), aber es gut 40 Jahre später für die Kinder und Enkel wiederbeleben? Sozusagen die Zombieversion eines elektronischen Kunstprodukts. Es gibt ja auch C 64 fakes mit einer Anzahl alter Spiele drauf...

    Diese Unterscheidung ist zur Weiterentwicklung des Rechts notwendig, aber man sollte sie nicht mit der Inanspruchnahme von Rechten verwechseln: Wer ein bestehendes Recht für sich in Anspruch nimmt, hat im Wortsinn immer recht. Er nimmt "sein gutes Recht" wahr. Es war mir nicht gerade angenehm, aber ich musste neulich doch feststellen, dass ich einmal einer Meinung mit Jörg Meuthen war, als der im Bundestag sinngemäß sagte, dass Leute, die sich nicht impfen lassen, keine "Verweigerer" sind sondern ihr gutes Recht wahrnehmen.

    Wobei ich sogar die abwertende Konnotation von "Verweigerer" seltsam finde. Den Kriegsdienst mit der Waffe zu verweigern, ist auch ein gutes und bestehendes Recht, und man verwendet meinem Eindruck nach seit einiger Zeit diesen Ausdruck neutral (wer das schlecht findet, sagt "Drückeberger" oder so, nicht Verweigerer).

    Ich war noch auf wenigen Cocktailparties (und dann ging es irgendwie nie um klassische Pianisten), aber ich habe Casadesus in etwa 30 Jahren noch nie anders als dreisilbig und auf der letzten Silbe betont in etwa "Casadsüh" ausgesprochen gehört (also wie die zweite Version auf dem Link von Gurnemanz). Bei mir im Kopf heißt er Casadesus wie Renatus Cartesius oder Rolandus Lassus, geht mir mit den neumodischen Sprachen, die man nicht aussprechen kann...

    Nadeshda war per se nicht besonders gut, aber sie war als eine "normale" und vernünftige Figur ein guter Gegensatz zu den bizarr-skurrilen restlichen (und weit mehr als Alberich). V.a. war auch dieser Nebenstrang mit dem Dicken als Kumpel für Alberich und der kinderbuchartigen Überwindung der Lüge/Unsicherheit m.E. angestoppelt und misslungen.
    Auch Börne war m.E. nicht auf der Höhe (u.a. wegen der Irrelevanz der Plagiatsgeschichte) und es blieb wirklich nur ein bißchen Zickerei zwischen Thiel und Börne. Auch Thiel senior wieder ganz tief aus der Klischeekiste gestaltet. Überhaupt dachte ich schon bei dem Flowerpower-Schriftzug am Beginn, dass die 70jährigen nunmehr wohl das Kernpublikum sein dürften. :versteck1: