Beiträge von Kater Murr

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.

    Das Problem ist wohl ein anderes. Es kann eigentlich nicht bloß die Vorhersagbarkeit sein, die uns stört, denn wie oben schon gesagt wurde, haben wir viele Stücke so oft gehört, dass wir sie passagenweise beinahe auswendig können. Ganz unabhängig davon, wie vorhersagbar ein Stück beim ersten Hören gewesen sein mag, jetzt ist es für uns vorhersagbar, weil wir es so gut kennen. Komischerweise verlieren viele Stücke dennoch nicht ihren Reiz dadurch, dass man sie sehr genau kennt. Sonst würden wir sie ja nicht immer wieder hören wollen. Und es scheint Arten musikalischer Überraschung zu geben, die ebenfalls funktionieren, wenn man die Pointe eigentlich schon kennt.
    (Einige kennen vielleicht das Erlebnis, außerstande sein, einen Witz zu Ende zu erzählen, weil man selbst immer schon über die bekannte Pointe in Lachen ausbricht und deswegen nicht artikuliert sprechen kann.)


    Kater Murr

    Ben Becker war nie ein wirklicher Tatort-Ermittler; Ermittlerin bei "Tod im Häcksler" (zu recht ein Klassiker!) ist Lena Odenthal, Becker ein gewöhnlicher Polizist. Ich glaube, er kommt dann ein paar Folgen später noch einmal vor, aber er erhält nie den Rang eines regulären Mitarbeiters oder so.

    RE: Pfitzners Kammermusik

    Kater Murr, ich besitze eine alte LP-Aufnahme mit dem damals noch jungen Trio Fontenay (existiert das eigentlich noch?), die mir besonders gut gefällt. Die in der JPC-Box enthaltene Einspielung mit dem Robert-Schumann-Trio ist aber nicht wesentlich schlechter und unbedingt eine Empfehlung wert, wenn man das Trio op. 8 noch nicht kennt (eventuell eröffne ich heute abend nach der Arbeit einen eigenen Thread zu diesem mich immer wieder aufs Neue faszinierenden Meisterwerk).


    Sicherlich macht man auch keinen Fehler, wenn man die ganze Kammermusik-Box bei JPC ersteht. Man sollte sich aber darüber im Klaren sein, dass in ihr wichtige Kammermusikwerke Pfitzners wie das Klavierquintett op.23 und das Sextett op. 55 NICHT enthalten sind.


    Wie gesagt, findet sich online sehr wenig. Fontenay gar nicht (weiß auch nicht, ob es die noch gibt und ob der Pfitzner je auf CD erschienen ist), nur eher unbekannte Ensembles. Ich kenne von Pfitzner bisher überhaupt gar nichts. Schade freilich, dass die Kammermusikbox wichtige Werke nicht enthält; so die Cellosonate anscheinend auch nicht... (es heißt allerdings auch nicht Komplette Kammermusik)


    Kater Murr

    Bin erst in den 1990ern zunächst sporadisch eingestiegen, daher kenne ich von den älteren Sachen nur sehr wenig (außer Reifeprüfung :D).


    Top 10 Ermittler-Teams:


    1 Batic/Leitmayr (München) (nur schade, dass der Carlo Menzinger geerbt hat... und sie sind, meine ich, etwas schlechter geworden)
    2 Stoever/Brockmöller (Hamburg)
    3 Schenk/Ballauf (Köln) (hier habe ich gleich die erste als Hammerfolge in Erinnerung)
    4 Börne/Thiel (Münster)
    5 Odenthal/Kopper (Ludwigshafen)
    6 Ritter/Stark (Berlin)
    7 Ehrlicher/Kain (Leipzig/Dresden)
    8 Dellwo/Sänger (FFM)
    9 Blum (Konstanz)
    10 Bienzle (Stuttgart)


    (Zwar mag ich Klara Blum selbst nicht besonders, aber es waren gute Fälle dabei und der Assistent ist unterhaltsam. Ebenso ging mir Bienzles Hannelore auf den Keks und der Assistent war total blaß, aber von denen mit deutlichem Lokalkolorit, die ich kenne (Bayrhammers kenne ich zB nicht), sind die letzten beiden die überzeugendsten (außer natürlich Batic/Leitmayr).
    Für 9 oder 10 kämen ebenfalls noch die etwas unterschätzten Düsseldorfer Ermittler aus den frühen 90ern Flemming mit Assistentin Miriam Koch und ab und zu K.J. Behrendt als Wachtmeister Ballauf in Frage. Auch den Eisner kann ich inzwischen ganz gut leiden, wenn nicht gerade die Tochter dabei ist. Lokalkolorit kann zwar nach hinten losgehen und albern wirken, aber ein wenig schade finde ich doch, dass es oft gar keine Rolle mehr spielt.


    Einzelne gute Fälle, aber nervende Protagonisten:
    - Lürsen (die Tochter ist zum Glück weg, aber es bleiben genügend Albernheiten)
    - Specht (also Atzorn, wie immer er hieß), der Sohn war noch schlimmer als Lürsens Tochter, auch wenn die Folge mit dem entführten Flugzeug gut war, ebenso Thilo Prückner als Assistent
    - Diese siebengescheite Supergermanin Furtwängler nervt einfach, Jaennicke zwischendurch war auch ganz schlimm; ein paar Fälle aber ganz gut
    - Axel Milbergs Borowski finde ich ja ziemlich gut, aber die Sache mit der Psychologin geht inzwischen gar nicht mehr


    Noch kein rechtes Urteil will ich mir über die neueren in Hamburg (mit dem Undercovertypen), Stuttgart (Richy Müllers Vorgeschichte mit Undercover und gemetzelter Familie war a bit much) Saarbrücken (da habe ich nicht viele gesehen und Stefan ist halt Stefan, kein Kommissar) und Leipzig? erlauben. Wuttke ist ein cooler Typ, aber das gegenseitige Angezicke mit Thomalla übertrieben.
    Von den vergangenen habe ich Palü, Brinkmann (FFM) und das frühere Berliner Team (Roiter/Zorrowski) entweder zu selten gesehen oder doch als eher mäßig in Erinnerung.


    Gastauftritte von Prominenten könnte man noch sammeln. Rio Reiser spielt anscheinend gleich zweimal mit (die oben erwähnte kenne ich nämlich nicht), dann einmal der Modefatzke mit dem Hündchen und Berti Vogts mit einem Kaninchen in einer Szene, die so unsäglich mies ist, dass sie schon wieder gut ist.


    Kater Murr

    Von Dohnanyi gibt es auch noch drei Streichquartette und mindestens ein Klavierquartett oder -quintett (teils aber schon in den 1890ern geschrieben). Und ein sehr klangschönes Sextett oder Septett mit Horn u. Klavier. Korngold hat auch ein wenig Kammermusik geschrieben.


    Was wäre denn eine empfehlenswerte Aufnahme des Pfitzner-Trios? Viel Auswahl gibt es nicht gerade... Taugt die Cpo-Box mit Quartetten, Trios etc. (Die entsprechende Einzel-CD gibt es auch noch gebraucht)?


    Aber das war wohl nicht eigentlich das Thema hier...



    Kater Murr

    Giulini ist sehr langsam, allerdings einer der wenigen, die die Wdh. ausführen, was bei diesem langsamen Tempo vermutlich gut 3:30 min. ausmachen dürfte. Was die Wuchtigkeit und rhythmische Präzision betrifft, gebe ich Dir hier völlig recht, wobei das m.E. freilich einfacher bei einem breiten Tempo zu bewerkstelligen ist. Klemperer ist ein ähnlicher Fall, wobei seine Tempi bei Brahms aus heutiger Sicht oft recht zügig scheinen. (Im Finale ist er knapp 3 min schneller als Giulini und da gibt es keine Wdh.)


    Kater Murr

    Mit dem neuen Hamburger Ermittler kann ich auch nicht viel anfangen; Frau Lindholm gefiel mir anfangs schon wegen der Orts- und Menschenbeschreibungen, mit fortdauernder Zeit und sich entwickelndem Privatleben der Kommissarin sagt mir diese Reihe aber immer weniger zu. Ja, die Kölner werden bedauerlicherweise immer schwächer. Ballauf ist schwer zu ertragen, Schenk immerhin hält das Niveau. Stuttgart mit Richy Müller ist ein Hoffnungsschimmer für die Zukunft.


    Klara Blum hat mich überrascht. Eigentlich hatte ich das nie gesehen, dann doch mal durch Zufall, und es gefiel mir recht gut. Borowski natürlich schon allein wegen der Umgebung, ich bin ja Holsteiner.


    Dass Tukur selbst in die Ermittlerrolle schlüpfen wird, gefällt mir natürlich. Ebenso, dass Nina Kunzendorf es ihm gleichtut (sie ist mir beispielsweise bei einem Münchener Tatort mit Edgar Selge in Erinnerung geblieben).


    Polizeiruf 110. Und Tauber/Obermeier ist dort das einzige sehenswerte Team gewesen, meiner Ansicht nach, wenn auf oft extrem düster wie einige der Frankfurter Tatorts.
    Lindholm mochte ich noch nie; Lürsen mag ich auch nicht (wobei es erträglich ist, wenn die beknackte Tochter nicht dabei ist, die allerdings von Specht/Atzorns Sohn noch an Nervigkeit übertroffen wurde), Klara Blum mag ich auch nicht besonders, aber es sind ziemlich viele gute Fälle dabei gewesen. Und der schnöselige Assistent hat was. (Hier hat man ja noch eines der Teams, wo eine klar die Chefin ist). Allerdings kenne ich praktisch keine alten Tatorts vor Stoever/Brockmöller (Außer Reifeprüfung :D )


    Kater Murr

    Ich habe, was CD-Erscheinungen betrifft, eigentlich eher den gegenteiligen Eindruck. Zwar mag das auch an zufälligen oder Marketinggetriebenen Entscheidungen im beginnenden CD-Zeitalter gelegen haben und sicher auch an meiner Interessenlage damals, aber als ich Ende der 1980er begann, Kammermusik zu hören, beschränkte sich die Auswahl selbst bei bekannten Werken oft auf wenige CDs der bekanntesten Labels.
    Heute scheint mir dagegen beinahe jedes Jahr ein neues, relativ junges Quartettensemble ins Rampenlicht zu treten, wenn natürlich auch nicht alle bei großen Labels.
    Es ist sogar kürzlich eine CD mit Bearbeitungen von Popsongs (nicht so mein Fall) mit dem Faure Quartett herausgekommen. Allein die Tatsache, dass ein fixes Klavierquartett überleben kann, zeigt, dass es um die Kammermusik nicht so extrem schlecht bestellt sein kann. Und einzelne Künstler, wie zB Isabelle Faust haben meinem Eindruck nach mehr Kammermusikaufnahmen vorgelegt als Konzerte. Dann gibt es alle diese Boxen von Argerichs Lugano-Konzerten oder dem "Spannungen"-Festival. Von den etwas jüngeren (ca. 25-50jährigen Künstler scheinen mir sehr viele ein immenses Interesse an Kammermusik zu besitzen.


    Das Selberspielen von Kammermusik ist sicher wieder eine ganz andere Sache. Aber was die Rezeption beim "Normalhörer" betrifft, so scheint sich die Situation m.E. eher verbessert zu haben. (Es kann natürlich sein, dass nur eine kleine, aber sehr aktive Untergruppe diese vielen neuen CDs kauft und die Konzerte besucht usw.)


    Kater Murr

    Bin auf mein Gedächtnis angewiesen, ist teils schon lange her (selbst die Zweitlektüren), daher erstmal auch keine 10, sondern nur die Spitzenreiter


    1. Dostojewskij: Der Idiot
    2. Dostojewskij: Die Brüder Karamasov
    3. Dostojewskij: Verbrechen und Strafe
    4. Dostojewskij: Die Dämonen
    (Die Abstände sind sehr gering; die Brüder K. sind grandios, aber teils etwas weitschweifig (Starez Sosima...), die Dämonen enthalten einige der intensivsten Szenen, aber am Beginn auch ein paar Längen; den "Jüngling" habe ich auch gelesen, aber nur einmal und keine präzise Erinnerung daran, ebenso einige der kürzeren Romane/Erzählungen, davon aber auch mindestens einen (Arme Leute?) abgebrochen) daher nenne ich als 5. noch
    5. Dostojewskij: Der Spieler
    6. Tolstoi: Krieg und Frieden
    (was ich aber ebenso wie Anna Karenina noch einmal lesen müsste, um die Erinnerung aufzufrischen. Kreutzersonate und Auferstehung haben mich nicht allzusehr begeistert. Irgendjemand schrieb treffend über Auferstehung, dass Tolstoi hier versucht, ein Dostojewskij-Sujet umzusetzen und im Grunde scheitert. Die frühen Erzählungen sollte ich mir vielleicht noch mal ansehen.)
    Die Toten Seelen habe ich ebenfalls nicht mehr gut in Erinnerung; Turgenjew, Gorki und Bulgakow fehlen leider noch ganz. Ein paar Sachen habe ich vielleicht auch vergessen.
    Die Geier-Übersetzung kenne ich nur im Falle von Verbrechen&Strafe. Es ist sicher richtig, dass die Sprachniveaus dort deutlicher nachgebildet werden, aber ich fand das Buch vorher und die anderen in anderen Übersetzungen (Röhl,. Rahsin, was immer die verbreiteten Ausgaben sind) sehr packend und den Unterschied letztlich für die Lesefaszination nicht besonders relevant.


    Kater Murr

    Diese Zapfenstreichsignale (?) sind bei Mahler allgegenwärtig und haben m.E. mit Beethovens 5. nicht viel zu tun. Da ist das nämlich keine Triole...
    Abgesehen davon ist das 3-Achtel-Klopfmotiv schon in der Klassik vor Beethoven so verbreitet, dass man es ab und zu mal sogar mit dem korrekten Intervall finden wird.
    (Nicht mit der fallenden Terz, aber satzbeherrschend z.B. in Haydns Quartett op.50,4)


    Kater Murr

    Ich kenne zwar nicht alles, was genannt wurde, aber ungeachtet einem gewissen Faible für Action wie Alias, Lost, Prison Break (auch wenn alle in späteren Staffeln teils deprimierend schlecht wurden, doch oft noch spannend), ist die beeindruckendste Serie, die ich kenne "The Wire".



    Den Kern bildet hier der Kampf des notorisch unterausgestatteten und unter opportunistischen und teils korrupten Vorgesetzten leidenden Baltimore Police Departments gegen die Drogenkriminalität. Von Staffel zu Staffel werden neue Bereiche eingeführt, die zu diesem Kern in Beziehung stehen. In der 2. Staffel ist es die Gewerkschaft der Hafenarbeiter, die aussichtslos gegen veränderte Bedingungen kämpfen (so dass Schmuggel ein attraktiver Nebenerwerb wird), in der 3. kommt die Politik ins Spiel, in der 4. die öffentlichen Schulen, ohne Chance gegen Strukturen, in denen bereits Kinder zu Dealern und Kurieren herangezogen werden und in der 5. die Presse.


    Die 5 Staffeln sind nicht alle gleichermaßen gelungen; die 5. finde ich zB relativ schwach, aber immer noch sehenswert.
    Ingesamt stellenweise deprimierende Kost (zumal keine Skrupel bestehen, auch relativ zentrale Personen eines gewaltsamen Todes sterben zu lassen), aber eigenartigerweise gelingt es den Autoren ohne plump aufgesetzten Humor die menschliche Seite deutlich zu machen; obwohl sicher keine edlen Gauner auftauchen erwecken etliche Figuren nicht nur Mitleid, sondern auch Sympathie. "Dickensian" ist kein völlig verfehltes Attribut.


    Problem: Man muss es eigentlich auf englisch mit Untertiteln sehen. Ohne ist der Slang der schwarzen Gangs und auch der hartgesottenen Cops kaum zu verstehen (außer Fuck, was ohnehin ungefähr jedes zweite Wort ist.) Man gewöhnt sich zwar ein wenig daran, aber es kann frustrierend sein, ohne Untertitel. Auf deutsch habe ich es nicht geschaut, aber da dürfte die Atmosphäre weitgehend verloren gehen; der grobe Slang, die mitunter erstaunlich weisen Binsenweisheiten gehören wesentlich dazu.


    und schließlich eine geile Titelmusik: "Down in the Hole", von Tom Waits, wobei mir die für 3-5 verwendeten Coverversionen allerdings nicht gefallen.


    Kater Murr

    Die finale Folge der aktuellen Staffel 6 kommt irgendwann im Mai....


    Leider ist die Serie m.E. im Verlauf deutlich schlechter geworden; es gab zwar schon in der 3. Staffel einige Aussetzer, aber die war noch sehr gut. Ab 5 mit den Zeitsprüngen gibt es zunehmend Probleme mit der Logik insgesamt und von der aktuellen 6. bin ich bisher ziemlich enttäuscht.


    (Die neuere Serie von JJ Abrams, "Fringe" ist aber noch wesentlich schwächer als Lost at its worst).


    Am besten waren die ersten 2 Staffeln Alias (die dritte ist auch noch o.k., aber der Rest vernachlässigenswert) und die ersten vier von Lost.


    (Auf die Musik habe ich freilich nie besonders geachtet...)


    Kater Murr

    Weiß man, ob Mozart diese Bach-Stücke überhaupt schon kannte, als er die a-moll-Sonate schrieb?
    (Ich bezweifle das, sonst wäre er, als er wenige Jahre später von Van Swietens Bach-Begeisterung angesteckt wurde, nicht so fasziniert gewesen. Ergo bezweifle ich, dass es sich um Anspielungen handelt)


    Zitat != "klingt so ähnlich"


    Beethoven zitiert vielleicht die Johannespassion in dem Rezitativ in op.110, vielleicht ist es aber auch nur der allgemeine Gestus, auf den angespielt wird.


    Der größte Zitat-Verwurster vor der Postmoderne dürfte wohl Schumann gewesen sein. Eine Phrase aus Beethovens "An die Ferne Geliebte" bildet beinahe eine Signatur, die in zig Werken auftaucht, aber das ist nur die Spitze des Eisberges. Im Rondo des "Faschingsschwank aus Wien" wird angeblich vor dem Marseillaise-Zitat auf Chopin, Mendelssohn und Beethoven angespielt (in den Zwischenteilen), ich weiß aber nicht, ob auf konkrete Stücke.


    Kater Murr

    Ich auch nicht. Hast auch nicht viel verpasst, meiner Meinung nach. Sie ist so unglaublich schnell, dass man so gut wie nichts mehr versteht, vor allem in den schnelleren Passagen...


    naja, Du bist von der Gesamtspieldauer nur ein paar Sekunden langsamer, damit ganz klar zügiger als viele andere unterwegs und mit dem eher harten, geradlinigen Zugriff nicht so weit von MAs Sichtweise entfernt... Was, wie schon gesagt wurde, freilich teils an dem geringen Rubato und dem zügigen Mittelteil liegt. Dennoch bleibt der Kontrast innerhalb dieses Abschnitts, der am Ende ja richtig "ausartet" erhalten. Gefällt mir ziemlich gut (ebenso wie Argerich :D) Mein Favorit ist wohl immer noch das düstere 1. Scherzo, aber das hier geht auch richtig ab. :thumbup:


    Argerich ist schon oft sehr schnell unterwegs, aber bei den beiden Scherzi gefällt mir das gut; den Rest müsste ich erstmal wieder hören. Das e-moll-Konzert mit Abbado ist allerdings ganz normal im Tempo.


    Kater Murr

    Die erste Harnoncourt-Aufnahme hat vermutlich die bestaufgelegten Knabensolisten, die man je zu hören kriegen wird, einen überragenden Equiluz, ebenso grandios van Egmond und Ridderbusch und die Contratenöre sind auch nicht unterdurchschnittlich. Ich glaube nicht, dass es insgesamt eine bessere Version mit nur männlichen Sängern gibt. Das ist m.E. wesentlich mehr als ein historisches Dokument, selbst wenn die spätere Einspielung Harnoncourts dramatischer geraten sein mag.


    Kater Murr

    Steht "ante" nicht cum accusativo? Oder ist "ante bellum" eine verkehrte spätere Prägung?


    Egal. Ich habe kürzlich begonnen, die Fernsehserie "Rome" /"Rom" anzuschauen. Kann jemand mal ein brauchbares Buch zur röm. Geschichte empfehlen? Erstmal keine Originaltexte oder Übersetzungen auch keine Monumentalwerke, aber vielleicht doch etwas ausführlicher als Fernau oder Becksche TB-Kompakteinführung. Besonders, nicht nur der Serie wegen, würde mich das 1. vorchristliche Jahrhundert interessieren, also das Ende der Republik, sowie dessen Vorbedingungen und Nachwehen, aber gerne auch einen Gesamtüberblick.


    Bzgl. Philosophie: Da dürfte wohl der wichtigste Lateinischschreiber der Antike Augustinus gewesen sein (und dann natürlich all die Scholastiker, aber das ist ja keine Antike mehr). Cicero, Seneca usw. bringen gegenüber der hellenistischen Philosophie der Zeit vorher wenig neues, wenngleich einige von ihnen wichtige Quellen sein dürften. (Lukrez' De rerum natura ist gewiss die ausführlichste Quelle zum Atomismus in der epikuräischen Version.)


    Valete!

    Die Geschlossenheit einiger Liedzyklen spricht m.E. doch oft gegen eine Auswahl. Abgesehen davon geschieht das ja durchaus bei solchen, bei denen es gut geht, z.B. Schumanns op.39 oder "Myrten". Angesichts der Tatsache, dass selbst der Lieder-Mainstream ein Nischenrepertoire ist, finde ich jedenfalls es nicht verwunderlich, wenn Frauen sich teils auch auf die Handvoll Schlachtrösser stürzen. Ihnen zuzumuten, nun auch noch Neues, Unbekanntes innerhalb der Nische aufzutun, wäre nicht ganz fair.
    Bei den Männern dürfte jedes Jahr etwa eine neue Winterreise auf CD erscheinen, die graben auch nicht die Raritäten aus.
    Ob mein Eindruck überhaupt stimmt, dass die Männer viel präsenter sind und ob das vielleicht daran liegt, dass die Schlachtrösser alles "Männerzyklen" sind, wäre freilich zu überprüfen. (Ich habe den Eindruck im Liedbereich jedenfalls sehr deutlich, anders als bei Opern oder auch bei Instrumentalsolisten.)


    Kater Murr

    Ist der "Abschied" nicht ein Fall wie "Waldesgespräch" oder Erlkönig, nur dass sich eben der Dialog auf eine kurze Stelle beschränkt. (Dazu gibt es ja wieder auch einen "Erzähler": "Er stieg vom Pferd" usw.?


    Bestätigt, dass es eine ganze Reihe Lieder gibt, bei denen sich durchaus für die eine oder andere Rolle argumentieren ließe, es uns aber "egal" ist. Bei anderen, die vielleicht sogar neutraler oder offener verstanden werden können, bevorzugen wir dagegen sehr deutlich Männer- oder Frauenstimme.


    Bei dem Mahler-Zyklus, der gewöhnlich abwechselnd gesungen wird, den Wunderhornliedern ist es angeblich klar gegen die Vorschrift Mahlers, die Dialoge _innerhalb_ der Lieder nachzustellen. Wenn dieser Zyklus komplett von einem einzigen Sänger gesungen wird, dann wohl meistens ein Mann. (Hampson hat sogar Urlicht und Das Himmlische Leben aufgenommen...) Wenn die Dialoge innerhalb der Lieder mit verteilten Rollen gemacht werden, komischerweise nicht bei allen; so habe ich z.B. Wo die schönen Trompeten blasen und Das irdische Leben noch nie als Dialoge gehört, wohl aber Der Schildwache Nachtlied, Lied des Gefangenen im Turm, Trost im Unglück.
    Wenn der Zyklus zwischen Männer- und Frauenstimme aufgeteilt wird, scheint es ebenfalls gewisse Üblichkeiten zu geben, die nicht immer eindeutig nachvollziehbar sind. Revelge und Tamboursgsell klar von einem Mann, Das irdische Leben und Wo die schönen Trompeten blasen gewöhnlich von einer Frau. Aber Fischpredigt, Rheinlegendchen (kenne ich eigentlich mit Frauenstimme, dabei scheint mir hier der Erzähler klar ein Mann und "das Schätzel" eine Frau zu sein), Kuckuck, Nachtigall und Esel usw.?


    Wenn das Argument oben mit dem Volkston gilt, dann wäre bei diesen Liedern wohl einige Freiheit möglich.
    (Bei Folksongs angloamerikanischer Tradition kenne ich beides. So hat man "Man of constant Sorow" schon als "Girl of Constant sorow" gehört, ebenso das House in New Orleans als ruin of many a boy/girl and me, alas, am one, aber anderes wird gleichermaßen von Männern und Frauen ohne Anpassung gesungen. Viele Lieder sind freilich auch Balladen, Dialoge usw., bei denen keine klare Zuordnung möglich ist)


    Kater Murr

    Anders als bei Opernrollen kann ich durchaus nachvollziehen, dass Sängerinnen an diesen Zyklen Interesse haben.


    Von den bekanntesten Zyklen ist nur ein einziger frauenspezifisch (Frauenliebe + leben), aber mindestens 4 männerspezifisch (Müllerin, Winterreise, Dichterliebe, Schumann op.24).
    Relativ häufig von Frauen gesungen, ohne dass es jemandem unangenehm aufzufallen scheint, werden Mahlers Zyklen, obwohl die Gesellenlieder ganz klar ein männliches lyrisches Subjekt haben (passenderweise heißt es oft nur "Schatz") und auch die Kindertotenlieder (obwohl hier mit Ausnahme von "Wenn dein Mütterlein" alle Lieder ebensogut aus der Perspektive der Mutter verstanden werden könnten).
    Interessanterweise scheinen mir Zyklen, die nicht klar an ein durchgehendes Subjekt gekoppelt sind, ebenfalls häufiger von Männern gesungen werden. Etwa Schuberts op.35, 39 oder auch der Schwanengesang Schuberts (wobei es hier meistens ein männliches Subjekt gibt).


    Insofern scheinen im Liederrepertoire die Frauen ein wenig benachteiligt zu sein, wenn man die allerbekanntesten Zyklen betrachtet. Andererseits gäbe es eine Menge "neutraler" Lieder, die dennoch seltener von Frauen gesungen werden. Ist es nur meine Wahrnehmung oder sind, wenigstens auf dem Plattenmarkt, Männer beim Lied ohnehin wesentlich präsenter als Frauen. (Spontan würde ich schätzen, dass ca. 70% der Einspielungen von Männern gesungen werden.)


    Kater Murr

    Op. 40/1 ist wirklich eines der plakativsten Werke Chopins, so flach hat er sonst fast nie komponiert. Man könnte versucht sein, bedauernd einen Konnex zwischen der politisch-militärischen Intention und der Simplizität herzustellen, wäre da nicht op. 53 mit nochmals gesteigerter Effektwirkung bei gleichzeitig weitaus höherer Komplexität.


    Einige frühe Werke, wie die Polonaise mit dem andante spianato sind ähnlich plakativ. Ungeachtet dessen ist es kein schlechtes Stück. Eine Zeitlang war die A-Dur-Polonaise sogar mein Lieblingsstück von Chopin. Mein Vater hatte zugleich mit dem CD-Player drei Scheiben einer Billig-Reihe der DG gekauft: Opernchöre, Kleine Nachtmusik u.ä. und eine Chopin-Auswahl. "In mir klingt ein Lied" oder der cis-moll-Walzer war mir damals zu lyrisch, die Revolutionsetüde zu kurz (und "keine Melodie"), von dieser CD gefiel mir diese eingängige und faßliche Polonaise erstmal mit Abstand am besten. (Die "heroische" war auch mit drauf, sogar die erste Ballade, aber das war damals noch nicht so mein Ding). Es gibt die CD sogar noch!



    Kater Murr