Beiträge von Honoria Lucasta

    Ein Problem im Bereich "Popularität von Kirchenmusik" stellt sicher auch die Konzentration vieler Aufführungen auf sehr wenige Werke des Repertoires dar. Wenn man aber immer nur die Höhepunkte aufführt (Bachs Passionen und das Weihnachtsoratorium, den Händelschen Messias, als Exot vielleicht noch mal einen Mendelssohn) und dafür natürlich erheblichen Aufwand treiben muß, vergißt man über derlei Konzentration auf, sagen wir mal im übertragenen Sinne, Sahnetorten das Schwarzbrot, welches die nicht so berühmten Komponisten für den quasi täglichen Gebrauch in großer Menge geschrieben haben. Dadurch entsteht der falsche Eindruck, Kirchenmusik sei nur etwas für Konzerte - das ist das eigentlich Verheerende. Wenn Kirchenmusik im Normalfall nicht organischer Bestandteil des Gottesdienstes ist, reduziert sich ihre Bedeutung dramatisch.


    Eine mögliche Lösung zur Entspannung der Situation ist die Recherche bei Autoren, die im besten Sinne Gebrauchsmusik geschrieben haben, und die "Aufführung" solcher Schätze im Rahmen normaler Gottesdienste - vorbereitet muß es allerdings sein, ohne Üben geht auch da nichts. Es haben z.B. französische und italienische Autoren des 19. und frühen 20. Jhdts. soviele Werke für Solo mit ein paar Zeilen Choreinsatz geschrieben, daß es jedem Organisten und Chorleiter möglich sein müßte, bei ihnen Geeignetes zu finden. Der Schwierigkeitsgrad überfordert meist auch Veteranen-Chöre nicht - Saint-Saens, Vierne, Sandré, Gounod, Franck, Fauré waren sämtlich als Organisten in Gemeinden tätig und haben eine reiche Literatur und auch für Laienchöre und Laiensolisten leicht zu bewältigende Werke hinterlassen. So etwas kommt bei Gottesdienstbesuchern regelmäßig sehr gut an, wie ich aus eigener Erfahrung weiß - natürlich ist es auch der Reiz des Neuen, aber wo Qualität regelmäßig angeboten wird, bekommt man vielleicht auch mal Lust auf mehr und im günstigsten Fall entschließt man sich doch mal zum Mitsingen...


    Grüße!


    Honoria