Beiträge von Honoria Lucasta

    Bevor die obige CD in's Umzugsgut entschwindet (bald fangen wir an zu packen...), habe ich sie mir heute nun einmal angehört. Der Eindruck bei den orchestral begleiteten Liedern (Mariss Jansons R.I.P.) ist teils überwältigend, vor allem bei "Im Abendrot" und "Morgen!" - die Stimme ist souverän geführt, die Phrasierung perfekt, an den richtigen Stellen (vor allem bei "Morgen!") scheinen Brillianz und Ekstase auf, und Frau Damrau singt mit soviel Silber, daß man ewig zuhören könnte. Reines Silber, wohlgemerkt: hier scheinen keine Manierismen à la Schwarzkopf o.ä. auf, es ist nur ein berückend edles Material.


    Die anderen Lieder werden von Helmut Deutsch begleitet. Natürlich ist das dann der Olymp der Liedgestalterkunst: den Klavierpart von "Malven" (wohl Strauss' -vertracktes!- letztes Werk ?), "Die Nacht", "Ruhe, meine Seele" etc. wird man wohl kaum jemals so kongenial ausgeführt hören wie bei diesem Künstler. Diana Damrau singt auch diese Lieder souverän, aber für mein Empfinden strahlt sie weder in der Stimmführung noch in der Textgestaltung so wie bei den Orchesterliedern. Bisweilen mag man auch die stimmliche Anstrengung ein wenig erahnen: nicht alles liegt in einem angenehmen Register, auch nicht für einen hohen Sopran. Textverständlichkeit und Phrasierung sind aber hier auch wieder hoch beeindruckend: bisweilen bekommt man fast Atemnot, weil sie den ihren so unendlich lange halten und gestalten kann. :clap:


    Eine schöne Scheibe, für's Immer-mal-wieder-Hören.


    Grüße!


    Honoria Lucasta

    Ihr Lieben,


    ich habe die CD nun in zwei Raten angehört. Der Eindruck ist ein bißchen zwiespältig.


    Das sehr Positive zuerst: Gerhaher hat eine unter deutschen Sängern rare idiomatische italienische Aussprache und vermittelt den Eindruck, daß er die Sprache nicht nur annähernd beherrscht (die natürlich deutsch gesungenen Papageno - Arien auf der selben CD stehen eher ein bißchen daneben). Es macht Freude, ihm bei der rein textlichen Gestaltung zuzuhören: kein Halbsatz ist nur so dahin gesungen, alles hat eine Bedeutung - trotzdem wird der Zuhörer nicht genervt wie bei manchen "can't hear the music for the interpretation" - Übungen anderer Sänger, auch legendärer. Seine Phrasierung ist vorbildlich, wirklich intelligent. Er gestaltet zentrale und auch nebensächlichere Phrasen spannend, in einem natürlichen, sängerisch eloquenten Duktus, und man hört ihm bisweilen fasziniert zu: "Hai già vinta la causa - Vedrò mentr'io sospiro" aus der Nozze (eine meiner unbedingten Lieblingsarien :kuss2: ) ist psychologisch spannend, zwingend gestaltet. Überhaupt sind die Arien aus der Nozze für mein Empfinden die besten auf der CD.


    Selbst bei diesen Arien, die von Gerhaher auch mit einiger Verve gestaltet werden, bleibt aber ein kleiner Punkt, an dem sich jedenfalls bei mir keine Euphorie einstellen will. Es ist dies der Umstand, daß der Sänger den Eindruck vermittelt, er singe vieles mit gebremster Energie, ein wenig nebenbei fast. Textliche und sängerische Gestaltung sind überragend, trotzdem gebricht es für mein Empfinden ein wenig an innerer Beteiligung. Ich kann dies fast verstehen, nachdem ich in einigen Interviews mit Christian Gerhaher gelesen habe, wie sein Ansatz bei der Liedgestaltung ist: sich immer zurücknehmend, ein fast demütiger Diener von Komponist und Dichter zu sein und sängerische Nuancen und textliche Farben dem Zuhörer quasi nur als Angebot zu präsentieren, ist seine Grundhaltung. Dies ist bei einem Liedsänger aller Ehren wert. Oper spielt aber immer noch in einer anderen Dimension. nämlich der des Engagements -quasi vorn auf der Bühne!-mit einem gut Teil persönlichster Beteiligung. Die fehlt mir vor allem bei den Arien aus Don Giovanni, weniger, wie gesagt, bei denen aus Nozze di Figaro.


    Man kann die CD natürlich trotzdem mit Vergnügen anhören. Aber das Metier von Christian Gerhaher ist dann doch recht eigentlich der Liedgesang, wo es derzeit nur sehr wenige Konkurrenten für ihn geben wird. Die Oper ist, auch nach seinem eigenen Bekunden, eher ein Ausflug, den er durchaus bemerkenswert absolviert - teuer wird der Sänger uns aber doch durch seine meisterhafte Gestaltung der Werke Schuberts, Schumanns und Mahlers.


    Grüße!


    Honoria Lucasta

    Lieber Wolfram,


    das ist tatsächlich eine Entdeckung! Ich hatte Bernheim schon auf dieser DVD gesehen und gehört (Tebaldo)


    ,


    wo er organischer Teil eines luxuriösen Ensembles ist; die von Dir genannte CD bietet sicher ein besseres Gesamtbild- bin gespannt, sie mal ganz zu hören. Vom Stimmcharakter scheint mir in den von Dir beigelegten Aufnahmen manchmal etwas Gedda auf, aber die Stimme ist doch eine Idee schlanker und eleganter. Es lohnt sich sicher, ihn weiter zu hören und vielleicht auch einmal zu sehen.


    Grüße!


    Honoria Lucasta

    Wie recht Du hast,

    lieber Wolfram!


    Ich habe -leider!- viele große Sänger erst live erlebt, als sie den Zenith ihrer Laufbahn schon sehr lange überschritten hatten - Domingo, Norman, Nucci, Raimondi, und etliche andere mehr. Ein extremes Erlebnis war Maria Biesu, im Jahre 1964 in Tokio zur besten Cio-Cio San der Welt gekürt, und von diesem Ruhm zehrte sie bis an ihr Lebensende. Ich hörte sie irgendwann um 2004/2005 in der moldauischen Hauptstadt Chisinau eben als Butterfly: scheppernd, schräg, akustisch und optisch eine Zumutung - eine 75 jährige Butterfly paßt irgendwie nicht. Und doch: es gab Abschnitte, in denen sie so göttlich sang, daß man geneigt war, ihr alles Ungenaue und Ungefähre und auch klar falsche Töne zu verzeihen, weil die Reste immer noch überwältigend waren.


    Dame Gwyneth gehört, denke ich, in die nämliche Kategorie. Ihre Norma in Solothurn in den 90ern war ertrotzt, an manchen Stellen schneckenhaft langsam gesungen, weil die Stimme einfach nicht (mehr) schneller einschwingen wollte, und trotzdem: es war ein großartiges Erlebnis.


    Es steht jedem frei, Sänger und Sängerinnen auch nicht hören zu wollen - auch ich könnte solche nennen (tue ich aber in einem anderen Faden :saint: )- aber, Freunde, lasset und gönnet uns unsere seligen Erinnerungen; eine goldene Gegenwart findet sich leider nur schwer.


    Grüße!


    Honoria Lucasta

    Ihr Lieben,


    ein Zufallskauf war das hier:



    Es handelt sich um den Mitschnitt einer Aufführung aus Covent Garden aus dem Jahre 1975. Guadagno dirigiert - man ist bei ihm in sicheren Händen, ich kann mir vorstellen, daß Sänger sich ausgesprochen wohl bei ihm fühlten.


    Ich war sehr überrascht, wie substanzreich und schön Carlo Cossutta als Manrico singt; ich gestehe, ich hatte ihn nie richtig auf dem Schirm. Selbst die Stretta (allerdings auf eine homöopathische Dosis verkürzt... :pfeif: ) singt er ohne hörbare Anstrengung. Seine Stimme klingt für mich voll und angenehm; vielleicht fehlte ihm das Unverwechselbare, sonst wäre er an der Spitze des Tenorzirkus wohl präsenter gewesen.


    Montserrat Caballé singt eine schöne Leonora, engagiert, wohltönend. Es beeindruckt vor allem ihre absolute Vertrautheit mit der Partie. Vielleicht war es nicht ihre beste Leonora, aber man wird trotzdem mitgerissen.


    Ich bin ja einer der größeren Fans von Sherrill Milnes, aber sein Luna begeistert mich hier nicht - kein Vergleich mit der Mehta - Aufnahme. Obwohl - vielleicht ist das unfair; Letzteres ist ja eine Studio-Aufnahme, da kommt seine besondere Art des Singens vielleicht besser heraus. Hier macht er den Eindruck, als sei er nur irgendwie dabei und müsse immer Lautstärke und Ausdruck fein- und nachjustieren.


    Star der Aufnahme ist für mich Irina Archipova als Azucena. Ich habe sie nur einmal live gehört - irgendwann nach 2001 in Chisinau bei einem Konzert zu ihren Ehren, da sang sie die winzige Szene der Gräfin/Fürstin aus Pique Dame, mit den Resten einer Stimme, wie man sie halt mit 80 Jahren gemeinhin so hat. Kein Vergleich mit der Spitzenleistung in dieser Aufnahme. Azucena klingt von anderen oft wie aus einer Tonne, dunkle Stimmen werden oft noch dräuend-dramatischer gemacht. Die Archipova hat das nicht nötig; sie singt volltönend, mit hervorragend verblendeten Registern, textverständlich, engagiert, wirklich bis zum Ende dabei: höchst eindrucksvoll. Alleine ihretwegen lohnt der Kauf dieser Aufnahme.


    Das Publikum tobt und jubelt ausgiebig - und ich dachte immer, die Briten warteten vornehm den Aktschluß ab, um zu applaudieren? :sleeping:


    Klanglich ist der Live-Mitschnitt in Ordnung, aber nicht mehr: wahrscheinlich war vor fast 50 Jahren mehr nicht wirklich drin... Also: eine willkommene Ergänzung der Trovatore-Sammlung.


    Grüße!


    Honoria Lucasta

    Liebe alle,


    wir kritisieren hier natürlich auf hohem Niveau: eine Stimme wie die von Frau Davidsen ist so außergewöhnlich, daß sie auch gut das Telephonbuch singen könnte, und es wäre immer noch ein starker Eindruck. Aber es fehlt halt -noch?- das, was uns in hörende Extase treibt.


    Könnte es sein, daß Lisa Davidsen vor Wagner/Strauß zu wenig Verdi und Puccini gesungen hat?


    Grüße!


    Honoria Lucasta,


    die tief berührt ist von dem freundlichen Willkommen nach langer Abwesenheit - Dich teure Halle grüß ich wieder und mit ihr alte und neue Korrespondenten. My pleasure. :verbeugung2:

    Lise Davidsen

    Ihr Lieben,


    diese CD:



    hatte ich mir für dieses Wochenende aufgehoben. Eigentlich hatte ich große Erwartungen, denn die Besprechungen der CD bei Amazon sind überwiegend enthusiastisch. Aber so ganz stimme ich nach dem ersten Hören mit den Autoren nicht überein.


    Zuerst das Positive: Frau Davidsen hat eine volle, substanzreiche Sopranstimme, die so viel Körper hat wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe. Sie verblendet alle Register vortrefflich, so daß sie auch in der Höhe niemals auch nur ansatzweise schrill wird: da sie vorzugsweise das hochdramatische Repertoire pflegt, ist das eine ziemliche Leistung. Auf der Bühne wird sie so überwältigend wirken, und es ist kein Wunder, daß Bayreuth ruft: so viel Stimme ist auch dort nicht (mehr) selbstverständlich.


    Trotzdem will sich Begeisterung bei mir nicht einstellen, vorerst jedenfalls. Auf der CD singt Lise Davidsen u.a. die Leonoren-Arie, dazu "Ah perfido", Verdi (Pace, Ave Maria) und zum Schluß die Wesendonck-Lieder. Es klingt alles gleich, und es klingt alles so, als verstehe sie nicht wirklich, was sie da singt und als sei sie sie innerlich und auch sonst nicht wirklich beteiligt.
    Bei den Wesendonck-Liedern ist darüber hinaus die Aussprache nicht wirklich erstklassig; es hört sich fremd an. Das wäre nicht schlimm, wenn ein wenig mehr Wille zur Gestaltung hörbar wäre, aber daran fehlt es (man höre, was die auch nicht deutsch als Muttersprache singende Agnes Baltsa aus diesen Liedern machte - Feuer und Flamme...). Diese Lieder vertragen es nicht, daß man sie so unbeteiligt singt.


    Es bleibt der Eindruck einer fast monumentalen Stimme mit großen Anlagen, hinter der ich die mitreißende Künstlerpersönlichkeit noch entdecken muß.


    Grüße!


    Honoria Lucasta

    Ja, goldene Zeiten waren das...

    Liebe alle,


    zufällig las ich den Beitrag von Wolfram eben über Dame Gwyneth - ist nun auch schon drei Jahre her. Und natürlich denken wir alle wehmütig an solche Sängerinnen, die sich auch einfach nur auf die Bühne stellen konnten, ohne etwas zu singen, und es war schon ein memorabler Auftritt. Sie war natürlich mit diesem eindrucksvollen Schopf weißer Haare auch eine Erscheinung, immer elegant - wer sie gesehen hat, wird sie nicht vergessen. Und sie war selbst dann noch zum Hinknien, wenn sie -quasi nur aus Daffke- Partien sang, die NICHT ihr Repertoire waren: "Norma" in Solothurn irgendwann in den 90ern gehörte dazu.


    Mein liebster Clip mit ihr ist dieser : https://www.youtube.com/watch?v=YKWOewG-pwM -
    Turandot im Konzert, 1986 in Wien. Sie singt wirklich alles, jedes Detail, sie hudelt sich nicht über Stellen hinweg - "quel grido" ist auch genauso, ein Schrei, mit Wucht und Macht. "Mai nessun m'avrà" -m'avrà in höchster Höhe zum Schluß nicht verbunden, sondern das "ah!" danach sauber neu angesetzt wo es anderen schon die Kehle zerreißt. Und dann -mangels eines Tenors, der ihr antwortet- 3 x, i.W. dreimal, "gli enigmi sono tre, la morte è una!" souverän bis zum Schluß, wirklich majestätisch. Das Publikum rast, Maestro Levine küßt die Hand. Das ist eine meiner Aufnahmen für die einsame Insel. :verbeugung1:


    Grüße!


    Honoria Lucasta

    Erinnerungen

    Ihr Lieben,


    zu den Zeiten, als man Opernhäuser noch bis auf den letzten Platz mit dicht an dicht sitzenden lebenden Menschen füllen durfte (vulgo: mit Publikum), gab Joyce DiDonato ein Konzert in der Lütticher Oper - eine Kollegin und ich pilgerten dorthin und ließen uns encharmieren. Es war wirklich großartig. Wir hörten letztlich nichts anderes als man auf diversen CDs der Sängerin auch zu hören bekommt, so wie auf dieser hier:



    aber das Live-Erlebnis war schon ganz besonders. Und die Sängerin scheint auch eine Menschen zugewandte Persönlichkeit zu sein, jedenfalls war die Kommunikation mit dem Publikum sehr nett. Zum Abschluß gab's, wie auf der CD, "Somewhere over the rainbow" - ein Gänsehautmoment.


    Von Joyce DiDonatos Opernauftritten gibt es zum Glück auch zahlreiche Aufnahmen. Einige DVDs haben für mich Ewigkeitswert:


    eine zu Herzen gehende Maria Stuarda


    eine Norma in einer inspirierten Inszenierung


    und eine in der Inszenierung verstörende, stimmlich aber überragende Inszenierung der Capuleti .


    Ich hoffe sehr, daß es demnächst noch einmal eine Gelegenheit geben wird, diese große Sängerin live zu hören und zu sehen - operabase kündigt immerhin Theodora von Händel auf verschiedenen europäischen Bühnen an.


    Grüße!


    Honoria Lucasta

    Beispiele

    Ihr Lieben,


    zumindest bei Verdi findet man in den verschiedenen Sprachversionen einzelne Passagen auch jeweils anders ausgeführt, bisweilen sogar deutlich unterschiedlich. Als Beispiel diene Don Carlos, wo man im übrigen bei Hören der französischen Version oftmals "ja, natürlich, so klingt es richtig!" denkt, weil sich alles viel natürlicher fügt als in der italienischen Fassung. Beim Duett Don Carlos-Marquis Posa weicht die französische Version für jeden hörbar von der italienischen ab, und das ist nur eine einzelne Passage.


    Grüße!


    Honoria Lucasta

    Marina Rebeka, Sopran

    Ihr Lieben,


    wahrscheinlich kannte nur wieder ich diese bemerkenswerte Sopranistin nicht. Marina Rebeka kommt aus Lettland, singt anscheinend schon eine ganze Weile auf wichtigen Bühnen und hat einige CDs veröffentlicht. Ich lernte sie kennen beim Hören dieser Aufnahme:



    Eine sehr schöne Auswahl des ureigensten Belcantorepertoires: Bellini, Donizetti, Spontini - Norma, Pirata, Maria Stuarda, Anna Bolena, Vestale. Marina Rebeka hat eine ausnehmend modulationsfähige, substanzreiche Stimme, die ahnen läßt, daß die Sängerin sich an der Callas zumindest ein wenig orientiert: so viel Mut zur engagierten Darstellung ist heute selten geworden. Rebeka singt pointiert und meistert alle heiklen und auch für Könnerinnen grausamen Stellen souverän. Wollte man einen Tropfen Wasser in den Wein gießen, müßte man mäkeln, daß Pianissimi (Norma, aber auch Stuarda, Deh tu di un umile preghiera) schon schwebender gesungen wurden, aber das schmälert den sehr schönen Gesamteindruck nicht. Was Rebeka auf jeden Fall auszeichnet, ist die bewundernswerte Technik, die Läufe und Koloraturen absolut natürlich und gewiß hören läßt.


    Also: eine schöne Entdeckung. Marina Rebeka singt im Juli beim Festival in Aix in den Foscari von Verdi; früher hätte man sich überlegt, dorthin zu fahren, um sie mal live zu hören, aber das fällt in diesem Jahr wegen Corona und Ortswechsel aus. Vielleicht im Juli 22 Norma in Barcelona? Ich denke, es würde sich lohnen.


    Grüße!


    Honoria Lucasta

    Irrtum!

    Ihr Lieben, die im vorigen Beitrag erwähnte CD ist leider exakt die selbe wie die von mir (!!! X( ) am 25. Dezember 2012 in diesem Faden beschriebene, es ist nur ein anderes Cover. Das kommt davon, wenn man nicht ständig und ausgiebig alles, was man hat, immer wieder durchhört.


    Grüße!


    Honoria Lucasta

    Liedsänger

    Liebe alle,


    diese CD mit balladenhaften Werken von Schubert, Schumann, Jensen und Loewe habe ich erst einmal hören können, aber sie gefiel mir auf Anhieb wirklich sehr gut.



    Konstantin Krimmel ist erst 28 Jahre alt, war als Junge Chorknabe, studierte Gesang in Stuttgart und hat auch schon ein bißchen Oper gesungen. Sein Hauptaugenmerk scheint aber zumindest derzeit auf dem Lied- und Konzertgesang zu liegen - so kann man es dem wikipedia-Eintrag und auch seiner eigenen Seite im Internet entnehmen.


    Ich habe die CD, wie gesagt, erst einmal hören können, aber schon der erste Eindruck ist erfreulich. Krimmel verfügt über eine ausnehmend wohlklingende, schön gerundete und modulationsfähige Stimme, die man wohl am zutreffendsten als Kavalierbariton bezeichnet. Sie klingt schon jetzt -bemerkenswert mit Ende 20!- reif und souverän. Der Sänger gestaltet die pièces de résistance des Balladenrepertoires -Tom der Reimer, Tartarus, Prometheus und die beiden Grenadiere- mit feiner Textverständlichkeit, langem Atem und so vielen Farben, wie eine kultivierte Darstellung es erlaubt. Bezwingend der Schubert'sche Zwerg - mich schauderte bei diesem Drama schon immer, diesmal aber besonders.


    Also: es wird sich lohnen, die Karriere dieses Sängers ein wenig aufmerksamer zu verfolgen.


    Grüße!


    Honoria

    Sänger - Entdeckungen neuerer Zeit

    Liebe alle,


    ich wage nun einmal die Eröffnung eines neuen Fadens, um Aufnahmen mit Sängern vorzustellen, die noch nicht gar so bekannt und arriviert sind, von denen ich aber meine, es könne sich lohnen, ihre Entwicklung aufmerksam zu verfolgen. Ich merkte irgendwann einmal, daß ich den Anschluß an neuere Entwicklungen zu versäumen drohte - da begann ich planvoll nach neuen Stimmen und Gesichtern zu suchen.


    Mein erster Fund ist die "The Path of Life" betitelte Zusammenstellung von Schubert-Liedern des Tenors Ilker Arcayürek, der begleitet wird von Simon Lepper.



    Eine überaus erfreuliche Entdeckung. Arcayürek singt mit hervorragender Textverständlichkeit und intelligenter Gestaltung. Seine Phrasierung ist kultiviert, angenehm zurückhaltend und doch schöne Farben schaffend. Fischerweise, Alinde, Willkommen und Abschied habe ich lange nicht mehr so souverän gestaltet gehört. Einiges begeistert gar: Auf der Bruck (D 853a) ist ein stimmlicher Parforce-Ritt, den Arcayürek mit Mut und Energie auch in den letzten, schwierigen Takten noch gestaltet.
    Die Lieder sind thematisch geordnet: Liebe, Sehnsucht, Streben nach innerem Frieden, Resignation, Erlösung - im 2. Teil wird der Ton verhaltener, konzentrierter. Man hört weiterhin mit großem Gewinn zu, über "Du liebst mich nicht" bis hin zu dem doch versöhnlichen "Des Fischers Liebesglück".


    Also: ein vielversprechender Sänger, von dem man mehr zu hören hofft, wenn das musikalische Leben jetzt doch irgendwann wieder erwacht. Arcayürek hat wohl auch schon einige CDs veröffentlicht und singt sowohl Oper als auch Konzert; möge er den Faden bald wieder aufnehmen können. :top:


    Übrigens ist die CD ausnehmend schön und sorgfältig gestaltet, mit von Richard Stokes verfaßten einführenden Texten zu den einzelnen musikalischen Themenblöcken.


    Grüße!


    Honoria Lucasta

    Vielen Dank, lieber Brunello,

    ...für diesen Hinweis, habe die CD gleich geordert. Maria Stuarda ist eine meiner absoluten Lieblingsopern, und die Caballé verkörpert die schottische Königin in Perfektion. Begeisternd das Video mit dem "Deh tu di un umile" und einem endlosen pianissino -Ton (youtube Caballe Maria Stuarda, da kommt es gleich). Man wünscht sich, dabei gewesen zu sein... :(


    Grüße!


    Honoria Lucasta