Beiträge von Honoria Lucasta


    Diese DVD ist auch deshalb ein Glücksfall, weil hier die Wiederaufnahme der Inszenierung vom Ende der 80er Jahre abgefilmt wurde, in der damals Mirella Freni spielte. Man kann also hervorragend vergleichen.


    Diesmal also Daniela Dessi als Adriana. Diese Sopranistin hat ja ohnehin immer so einen leidenden Zug um den Mund, das paßt zu der Adriana hervorragend. Es ist aber auch stimmlich eine sehr, sehr gute Leistung: erstens kann Frau Dessi eindrucksvoll deklamieren (3. Akt, Phèdre), dann hat sie die erforderlichen Piani in vielen Abstufungen parat, und sie schafft auch den leidenschaftlichen Ausbruch. Im Finale rührt sie zu Tränen. Außerdem ist sie einfach sehr schön anzusehen in den überlegt und sehr passend zur Zeit des Dramas kreierten Kostümen. Das Publikum bejubelt sie nicht so sehr wie die Freni (in der Scala weiß ich aber auch nie, ob da jemand die Claque üppig, gerade ausreichend oder zu wenig bezahlt hat), aber es spendet ihr warmen, anhaltenden Applaus. Hätte ich auch getan..


    Bei Sergej Larin als Maurizio fällt das schwerer. Er hat ja eine schöne Stimme, und er macht so weit alles richtig, aber ich kann nicht sehen und hören, daß er innerlich besonders stark engagiert wäre. Nun paßt das auch wieder irgendwie zum Charakter - Moritz v. Sachsen hat tendenziell außerhalb des Schlachtfelds nichts wirklich ernst genommen. In der Summe wird seine Leistung ähnlich zu bewerten sein wie die Peter Dvorskys 10 Jahre früher; befriedigend, nicht mehr.


    Dafür ist Olga Borodina als Principessa di Bouillon umso besser. Blendende Erscheinung, satte, runde Töne ohne Glucksen oder sonstiges Mezzo-Gehabe, differenzierte Gestaltung einer eigentlich ein wenig eindimensionalen Rolle. Eine wirklich sehr gute Leistung. Auch hier warmer, aber nicht jubelnder Applaus.


    Den Michonnet singt Carlo Guelfi in einer anrührenden, stimmlich ebenfalls souveränen Gestaltung der Rolle.


    Die übrigen Rollen -allesamt kurz und überwiegend wenig wichtig für den Fortgang der Handlung- sind ordentlich besetzt; die Equipe im Jahr 1989 unter Muti war aber ein wenig besser.


    Roberto Rizzi Brignoli dirigiert unauffällig korrekt.


    Wenn es an der geheiligten Scala so etwas wie Repertoirevorstellungen gibt, dann ist das hier eine sehr gute. Kann man sich unbedingt ansehen, wenn man diese Oper mag.


    Grüße!


    Honoria

    Kim Borg - ein Baß aus Finnland

    Was hat Finnland eigentlich an sich, daß es uns so viele grandiose Bässe geschert ? Ich meine, es sind ja doch fast nur Bässe, an einen finnischen Tenor kann ich mich irgendwie nicht erinnern. Salminen, Talvela sind nur zwei von ihnen


    Mir ist seit Kindertagen Kim Borg bekannt gewesen (wahrscheinlich besaß ich eine 45er-Schallplatte mit etwas Gefälligem von ihm). Soeben kaufte ich in einer privaten Weihnachts-Bescherungsaktion (man gönnt sich ja sonst nichts...) beim Versand mit der Bulldogge für sehr wenig Geld u.a. diese CD



    und höre sie gerade mit großem Vergnügen. Was für eine schöne, wandlungsfähige Stimme! Borg sang das ganze Repertoire, vom Sarastro über den Waffenschmied und Procida bis hin zum Scarpia, der hier auf der CD mit dem Te Deum einen sehr eindrucksvollen Schlußpunkt bildet. Und er sang, soweit ich das feststellen kann, Werke in der Originalsprache idiomatisch genauso korrekt wie in der damals üblichen deutschen Übersetzung.


    Es wird sich lohnen, ein wenig mehr nach Aufnahmen mit ihm Ausschau zu halten.


    Grüße von der kalten Insel - wir haben hier nur 10 °C und schlottern ziemlich, denn es ist hier natürlich so feucht wie im Waschtrog...


    Honoria

    Um mir selbst nach dem Lohengrin - Erlebnis aus der Scla vom letzten Freitag ein abgewogenes Urteil zu ermöglichen, habe ich mir diese DVD am Tag nach dem Mailänder Lohengrin angesehen:



    Als bekennender Staubi kann ich mich mit der szenischen Einrichtung dieser Produktion von der Wiener Staatsoper aus dem Jahr 1990 entschieden mehr anfreunden als mit den neueren Aufführungen unter der Ägide von Guth et.al. Sänger und Chor tun genau das, was in den Regieanweisungen von Partitur und Klavierauszug steht, und das ist schon einmal eine ganze Menge: man mag es kaum glauben, aber es wird auch so eine schöne Geschichte daraus, ohne daß man Lohengrin als Schwanenembryo in konvulsivische Zuckungen befiehlt ;+) .


    Musikalisch überzeugte mich diese Aufführung fast noch mehr als die Barenboim-Aufführung vom Freitag. Dabei weiß ich, daß sich an Placido Domingo in der Titelrolle immer die Geister scheiden werden. Vielen ist er zu unidiomatisch im Deutschen (denken das die Italiener eigentlich auch von deutschen Sängern in italienischen Partien? Würde mich interessieren...), obwohl er sich hörbar allergrößte Mühe gibt und zum damaligen Zeitpunkt sicher viel an seiner Aussprache gearbeitet hat. Die Tessitura des Lohengrin ist m.E. ganz außerordentlich unangenehm, alles im passaggio, der höchste Ton ist zwar nur ein A, aber darunter muß man sich schon die ganze Zeit arg plagen. Das hört man Domingo -es hilft nichts, darüber hinwegsehen zu wollen- auch an, aber er meistert es nach seinen Möglichkeiten sehr gut: und singt intelligent und wo immer möglich auch sehr klangschön. Daß mit ihm ein sehr gut aussehender, immens stattlicher Ritter in einem wunderschönen Kostüm auf der Bühne steht, stört mich, ehrlich gesagt, auch nicht.


    Ich habe, ich gestehe es, ein penchant für Cheryl Studer - zu ihren guten Zeiten (und 1990 war gut) konnte sie alles, alles singen und klang immer berückend. So auch hier. Wo andere einfach irgendwie durchsingen, wird jede Phrase überlegt gestaltet, feinste Piani schweben (so in "Du Ärmste kannst es nie ermessen") wunderschön, und sie hat dieses Element der Zartheit, welches ich ganz persönlich für eine Elsa unverzichtbar finde, heute aber kaum noch finde.


    Dagegen gefällt mir Dunja Vejzovic als Ortrud nicht sehr. Undeutliche Aussprache muß man ihr schon vorwerfen (wenn andere daran arbeiten, warum nicht sie?), und sie singt zwar sehr engagiert, aber es fehlt ein wenig der vokale Funken. Vielleicht liegt mir ihre Stimmfarbe auch nicht, jedenfalls fand ich sie in der Reihe der Sänger als eher schwächeres Element. Schauspielerisch hingegen ist Frau Vejzovic sehr gut und in der großen Szene mit Telramund zeigt sie alle Facetten eines manipulativen Charakters auch eindrucksvoll ohne daß sie sich mit Telramund über die Bühne wälzen muß.


    Grandios ist dieser Telramund von Hartmut Welker! Was er an Textgestaltung in dieser höllisch schweren Rolle zeigt, wäre schon im Sprechtheater ein Erfolg. Er meistert mühelos die -nein: alle!- Höhen der Partie, souverän, ohne sichtbare Anstrengung, völlig souverän auch kleinste Nuancen in Text und Musik vermittelnd. Es lohnt sich schon für ihn allein, diese Aufnahme anzusehen und anzuhören. Die Szene mit Ortrud am Beginn des 2. Aktes ist ein Lehrstück intelligenten Singens!


    Gleichfalls überragend ist der Heerrufer von Georg Tichy, ein Wunder an Textverständlichkeit und Gestaltung. Robert Lloyd als König Heinrich singt klangschön und sicher.


    Daß der Chor der Wiener Staatsoper um Klassen besser singt als der Scala-Chor vom Freitag, liegt wohl auch an dem Umstand, daß er tatsächlich auf der Bühne steht und also dabei ist, nicht nur auf irgendwelchen Galerien fernab des Geschehens wie in Mailand. Claudio Abbado erlaubt dem Orchester der Wiener Staatsoper Temperament, Farben und Nuancen; mehr und intensiver als Barenboim am 7. Dez. in der Scala.


    Mir hat die Aufnahme jedenfalls trotz der schlechten technischen Qualität sehr gut gefallen. Vergleichbares getreues auch szenisches Umsetzen dessen, was im Buche steht, ohne eigene Regie-Ambitionen, wird man heute wohl nicht mehr finden.


    Grüße!


    Honoria


    Zum Vergleich habe ich gestern und heute diese Aufnahme aus dem Jahr 1951 gehört. Diese Aufführung (Mailand, 4. Dezember 1951) hat die Oper recht eigentlich wieder in das allgemeine Bewußtsein zurückgebracht, nachdem sie Jahrzehnte wohl nur sehr selten oder überhaupt nicht gespielt wurde.


    Es ist eine sehr ordentliche Aufnahme, in der alle hörbar bemüht sind, ihr Bestes zu geben. Der junge Carlo Bergonzi läßt schon spüren, was für ein überragender Verdi-Sänger er werden wird; Gian Giacomo Guelfi engagiert sich hörbar als Doge, und Maria Vitale als Lucrezia hat schöne Momente. Trotzdem nimmt mich diese Aufnahme bei weitem nicht so mit wie die weiter oben beschriebene. Das hat mglw. auch etwas mit dem fehlenden optischen Element zu tun (Cds und DVDs sind ja doch auch so etwas wie Äpfel und Birnen), aber nach nochmaligem Nachdenken mache ich diesen Eindruck doch am Dirigat von Carlo Maria Giulini fest. Es ist mir einfach zu weich und gefällig, die Oper klingt hier ein wenig wie "beliebiger Verdi", wenn ich das mal so respektlos sagen darf. Es hat wohl etwas mit der Mode der damaligen Zeit zu tun, an Verdi eher den/das Melos herauszuarbeiten als die Ecken und Kanten, aber der Partitur geht dabei viel von der tragischen Urgewalt verloren, die mich bei Santi und Kollegen so beeindruckte. Als historisches Dokument einer Wiederentdeckung ist diese Aufnahme zweifellos wichtig, aber zwingend wirkt das Werk so leider nicht. Ich bin gespannt auf den Gardelli, den ich mir nach Rideamus' Empfehlung gleich auf die Anschaffungsliste gesetzt habe.


    Grüße!


    Honoria

    Auch ich als RT-Skeptikerin konnte es ertragen, die gestrige Lohengrin- Aufführung zu sehen - entgegen meinen vorherigen Absichten habe ich sogar bis zum Schluß durchgehalten.


    Musikalisch war das schon überwältigend - kann sich jemand einen besseren König vorstellen als René Pape, der mit der Rolle wie verschmolzen zu sein schien? Und eine Stimm-Furie wie Frau Herlitzius als Ortrud findet man auch nicht alle Tage.


    Man merkte allen Beteiligten die Nervosität dieses besonderen Abends allerdings noch recht lange an: der Chor sang zuerst fürchterlich unpräzise, Kaufmanns Stimme war noch gutturaler als sonst, Frau Dasch traute sich irgendwie nicht wirklich: "Einsam in trüben Tagen" ist natürlich auch wirklich schwierig als Anfang einer Partie und dann unter solchen Umständen... Es wurde dann bei allen (außer Thomasson, der für den Telramund die grausam vielen Höhen nicht in ausreichender Zahl und Stärke bereitstellen konnte) sehr viel besser, und man merkte nur im letzten Teil des großen Elsa-Lohengrin-Duetts im 3. Akt an ein paar quäkigen Schärfen in Kaufmanns Stimme, wie unglaublich kräftezehrend diese Partie sein muß. Die Gralserzählung war dann natürlich tadellos, und "Mein lieber Schwan!" muß man dann auch noch mit den letzten Reserven wirklich verinnerlicht singen können; von Kaufmann eine große Leistung.


    Mit Annette Dasch hatte man sicher den souveränst-möglichen Ersatz für Anja Harteros gefunden; ich kann mir auch nicht vorstellen, daß Frau Harteros dieses hysterische Nervenbündel einer Brabanter Prinzessin besser hätte spielen können; was das Singen angeht, so weiß ich es nicht - manchmal hätte ich mir einen feineren stimmlichen Faden gewünscht. Aber das sind nachrangige Überlegungen. Barenboim hat uns einen großen Abend beschert, und daß er zum Schluß -für alle wie zur Erleichterung! - die italienische Nationalhymne spielen und vom ganzen Hause befreit singen ließ, hat dann hoffentlich auch die Skeptiker, die über den deutschen Wagner als unpassend für eine Scala - Eröffnung in der Verdi/(Wagner)-Jubiläumssaison grummelten, versöhnt. Pace e gioia!


    Grüße!


    Honoria

    Verdi: I due foscari - Kommentierte Diskographie

    Nach der relativen Pleite mit der Forza vorgestern griff ich im Regal nach einer weiteren mir weitgehend unbekannten Verdi-Oper und zog diese heraus:



    Das war nun ein großes Erlebnis! Ich hatte I due foscari schon einmal vor Jahren in Moskau gesehen, aber dieses Frühwerk Verdis hatte auf mich damals keinen sonderlichen Eindruck gemacht. Das hat sich nun gestern geändert - was für eine Geschichte! Und was für eine Musik! Man merkt der Oper natürlich an, daß sie zu einer Zeit entstand, in der Verdi aus familiären Gründen eigentlich zu nichts weniger als dem Komponieren aufgelegt war - soviel Unglück mußte er erdulden. Folgerichtig gibt es in dem Werk kaum je einen Moment des Aufatmens, der Erholung, sieht man von der aber auch schon vom Schicksal überdräuten Barcarole im 3. Akt ab. Und es ist einmal eine wirklich tragische Geschichte ohne konstruierte Problematik: egal, wie sich der Doge Francesco Foscari entscheidet - er muß schuldig werden, entweder an seinem Sohn oder an der Republik.
    Die Musik ist aus einem Guß und verlangt insbesondere dem Bariton und noch mehr dem Sopran einiges ab. Für mich war es eine wirkliche Entdeckung.


    Zuerst habe ich also die oben abgebildete DVD gesehen; die Aufnahme der 1951er Aufführung unter Giulini mit Bergonzi wird heute und morgen gehört und besprochen.


    Star der Aufführung aus dem Teatro San Carlo in Neapel aus dem Jahr 2000 ist klar Leo Nucci - er hat schon ein besonderes Geschick in der Darstellung am Schicksal scheiternder Helden. Man merkt ihm an, daß ihm die Partie beileibe nicht leicht fällt (sie ist es auch nicht, man muß gehörig Kraft und stimmliches Differenzierungsvermögen besitzen, um sie zu bewältigen!), aber er zeigt uns auf beeindruckende Weise einen verzweifelten Vater und Staatsmann.


    Vicenzo La Scola als Jacopo hat nicht so sehr viel zu singen, aber auch er singt engagiert, die Verzweiflung dieses unschuldig Verurteilten, die abgrundtiefe Enttäuschung über den Vater, der ihn verbannen muß, auf eindrucksvolle Art verdeutlichend. La Scolas Stimme ist "kernig" genug, um bei Bedarf auch schneidend zu klingen.


    Alexandra Pendatschanska ist für mich der eigentliche Star der Aufführung. Die Partie der Lucrezia liegt für mein Empfinden recht hoch, ist dramatisch, verlangt einige Kraft und von der Sängerin die darstellerische Kraft einer Tragödin vom Schlag einer Elektra - alles das bietet Pendatschanska. Nebenbei gesagt hat sie eine schöne Stimme und sieht blendend aus; Letzteres schadet auch nicht.


    Die anderen Partien sind rollendeckend besetzt, haben aber ohnehin nicht so viel zu singen - als einziger vielleicht noch der Sänger des Jacopo Loredano, Danilo Rigosa hier mit schönem kernigen Baß.


    Die Inszenierung ist sparsam. Ich habe Dekoration und Kostüme als dem Gegenstand angemessen empfunden; man könnte im Straßenanzug ohne Kulisse und Dekoration spielen, denn das Libretto der Oper dieses frühen Meisterwerks Verdis ist stark genug, um auch das aushalten zu können.


    Grüße!


    Honoria


    P.S. Nello Santi leitet die Aufführung gewohnt souverän (kennt jede einzelne Note beim Vornamen, wie auch bei allen anderen Opern, die erdirigiert - der Mann ist ein Wunder!), aber es ist bemerkenswert, wie sehr er die kraftvollen, energischen Passagen betont. Das zeigt sich besonders im Vergleich mit der Giulini-Aufnahme (kommt, wie gesagt, morgen dran).


    Gestern abend wollte ich mal was zur Erweiterung meines Horizonts tun - ich habe mich irgendwie nie besonders mit der Macht des Schicksals von Verdi beschäftigt, und diese DVD lag unangesehen im Regal. Dieser schönen Beschäftigung wird sie auch weiterhin nachgehen. Diese MET-Produktion ist fast unerträglich - wenn ICH schon mal entnervt weiterschalte, und das bei Verdi, muß das Dargebotene schon sehr schlimm sein.


    Um es kurz zu machen: Leontyne Price ist hier nur mehr ein Schatten ihrer selbst. Wie bei vielen Sopranistinnen ist ihr im Alter nicht etwa die Höhe, sondern die Tiefe abhanden gekommen, und das ist bei der ja sonst auch von Mezzi gesungenen Leonora sehr ungünstig. Was aus Ms. Prices Mund kommt, ist quallig, manchmal roh, und die paar schönen Piani in der Höhe machen den schlechten Eindruck nicht wett.


    Der Tenor Giuseppe Giacomini als Alvaro schlägt sich mehr als wacker, er hat eine ganz schöne Stimme und eine gute Höhe - ich weiß nicht, warum aus ihm nicht mehr geworden zu sein scheint, ich hörte und sah ihn gestern jedenfalls zum ersten Mal.


    Leo Nucci als Carlos ist der Star des Abends, er hat eindrucksvolle musikalische Momente, und sein Charakter ist in dieser Oper ja auch der konsistenteste: böse, rachsüchtig, gegebene Versprechen brechend, unversöhnlich bis zum Mord an seiner Schwester - der Bedarf an nuancierter Charakterzeichnung ist hier überschaubar.


    Die anderen Sänger sind in Ordnung - am besten noch die Bässe (wahrscheinlich aus dem Hauspersonal der MET, ich kannte keinen) und Isola Jones als Preziosilla geht ja auch irgendwann vorbei.


    Aber die Inszenierung mutet uns fast drei Stunden Verdi-Nummernrevue aus der ärgsten MET-Mottenkiste zu; schätzungsweise die Hälfte der Zeit geht ja ohnehin für die unendliche Abfolge von Chören, Preziosilla-Einsprengseln, Mini-Duetten von irgendeinem Marketender oder Alcalden mit Carlos, wieder mal einem Kriegslied von Preziosilla, einem erneuten bunten Treiben auf irgendeiner Piazza etc. drauf. Kein roter Faden, auch kein Raum für Charakterzeichnung - dem Publikum dieser Live-Aufnahme gefiel's natürlich trotzdem. Mir aber nicht. Hier wäre ich dankbar gewesen für ein knackiges "Best of" - beginnend mit "Solenne in quest'ora" über Alvaros Arie bis zu "Invano, Alvaro" und "Pace"; dazwischen noch der Miserere - Chor und Schluß. Die anderen Beigaben finde ich wirklich nur schwer erträglich.


    Diese DVD ist im Handel im Moment sehr teuer. Man lege das Geld besser anderswo an. Ich werde noch einen Versuch mit der Forza machen, aber meine Lieblings-Verdi-Oper wird sie mit Sicherheit nie werden.


    Grüße!


    Honoria


    Endlich ist sie mein und da! Auf dieser CD ist das in einem anderen Faden erwähnte "O Richard, o mon roi" aus Richard Löwenherz von Grétry, aber natürlich noch viel mehr Lieder und ein paar Arien, alle aus Liederabenden, die Milnes zwischen 1980 und 1990 gegeben hat. Darunter auch einige Strauss-Lieder - hier erfreut den Puristen eine für einen amerikanischen Sänger, dessen Fach erkennbar nicht der Liedgesang ist, nicht selbstverständliche hochakzeptable deutsche Aussprache. Viel Unbekanntes enthält die CD, und einige schöne Entdeckungen.


    Diesen Faden könnten wir langsam auch "Der von uns heißgeliebte Sherrill Milnes" oder so ähnlich nennen - hier sind so viele seiner schönen Aufnahmen besprochen wie bei anderen Sängern lang nicht. Leider gibt es nicht alles derzeit in moderner Form am Markt.


    Grüße!


    Honoria


    Gar nicht kitschig ist diese wunderbare Aufnahme, des verhaltenen, ganz die Erwartung des Weihnachtsereignisses schildernden Weihnachtsoratoriums (op.12) von Saint-Saens. Christi Geburt wird hier nur durch ein Aufstrahlen des Orchesters und den strahlenden Abschlußchor "Tollite hostias" verdeutlicht. Ich empfehle das Werk, das den schönen deutschen Begriff "Innerlichkeit" sehr schön illustriert, nachdrücklich zum Hören und zum Selbstsingen!


    Grüße!


    Honoria

    und noch eine weitere Trouvaille aus der Kiste:



    Das Bild kommt nicht so schön heraus, aber das ist auch ziemlich egal. Ich hatte mich gefreut, als ich zufällig eine Aufnahme von Grétrys "Richard Löwenherz" fand. Zu LP-Zeiten hatte ich eine ganz hervorragende Sherrill-Milnes-Platte mit berühmten Royalen Arien oder so ähnlich - da gab es neben vielem anderen eher unbekannten auch die Arie "O Richard, o mon roi" aus eben dem Richard Löwenherz, eine schöne Arie, elegant und mit großer Kraft ausgeführt, Sherrill Milnes eben. Da mir die LP entschwunden ist (irgendwo auf dem Weg vom Halb-Ural hierher spätestens), war ich froh, wenigstens diese Aufnahme gefunden zu haben, damit mir die Arie nicht völlig aus der Erinnerung entschwände. Bad mistake :evil: - das Geld hätte ich mir sparen oder es gleich in die ebenfalls erhältliche Aufnahme mit Gedda stecken sollen. Vorliegend musizierte das Orchester des Monteverdi-Konservatoriums Bozen mit dem Gretry-Opernchor (wohl eine anlaßbezogene Gründung, schon zur Zeit der Aufnahme aufgrund der Leistungen völlig ohne jede Zukunft...) und Solisten, deren Leistung bestenfalls bemüht ist, aber der Musik einfach nicht gerecht wird. Man muß schon ein gerüttelt Maß an musikalischer und sprachlicher Souveränität besitzen, um dieses federleichte Opus erträglich rüberzubringen, und das ist hier leider nicht vorhanden. Alle schrummeln und singen ungefähr und nach ihren bescheidenen Möglichkeiten das, was in der Partitur steht, aber vom getreulichen Abfiedeln und -singen bis zu großer Oper ist es eben doch noch ein langer Weg. Wenn Ihr das Teil jemals in der Kiste der Occasionen seht - besser liegenlassen.


    Der CD beigepackt ist eine weitere Grétry-Oper, nämlich "Dénis le Tyran" - die anzuhören, fehlte mir bisher die Kraft.


    Grüße!


    Honoria

    Lieber Rideamus,


    zu dem Guarany kann ich etwas beisteuern - ich war nämlich bei der Aufführung im Bonner Opernhaus seinerzeit 1994 dabei. Um mit meinem ostpreußischen Großvater sel. A. zu sprechen: ERBARRRRMUNG! Selten so viel DM für Überflüssiges ausgegeben.... Das Werk ist doch nur deshalb überhaupt in den Büchern, weil die Brasilianer so etwas wie eine Nationaloper brauchten. Gomez hat aber sicher sein Leben damit verbacht, ein vielversprechendes Talent zu sein, jedenfalls kam es mir so vor: immer, wenn man meinte, jetzt, jetzt schwingt er sich zu einer wirklichen Melodie auf, endete diese Bewegung belanglos in beliebiger Volltönerei. Über die Inszenierung von Werner Herzog muß man kein Wort verlieren, das ist eben so, wie man den Fitzcarraldo in der Oper umsetzt...und Du hast völlig recht, das hat Herzogs Meisterwerk fast ein bißchen entwertet.


    Natürlich wurde die Aufführung stärkstens bejubelt (und Domingo konnte eine weitere Kerbe in die Weltesche seines Operschaffens ritzen...), aber mich hat es nicht wirklich gewundert, daß die ganz große "Il Guarany"-Welle bisher ausgeblieben ist.


    Heute nachmittag mehr aus meiner Grabbelkiste.


    Grüße von der feuchten Insel und einen guten Sonntag einstweilen
    sendet


    schalumschlungen


    Honoria

    Die Opern-Grabbelkiste: CDs und DVDs, die zahlenmäßig wenig Konkurrenz haben und daher keinen eigenen Faden lohnen

    Darf ich einmal einen neuen Faden starten?


    Und zwar einen über Opern-DVDs und CDs, die wenig Konkurrenz haben und daher dem enzyklopädisch orientierten Capriccioso wenig Stoff zur wertenden Erörterung geben - die Oper ist vielleicht gerade zu unpopulär, zu teuer oder schwierig zu besetzen oder lohnt auch ganz einfach nicht wirklich; soll es alles geben.


    Ich sah mir gestern so ein Werk, das im Katalog nicht viel Konkurrenz hat, an, nämlich:



    Ich gestehe, ich hatte die DVD schon lange im Schrank stehen, aber irgendwie stand mir nie der Sinn nach Mirella Freni, und so blieb sie halt bis gestern unangeschaut. Das wird sie, fürchte ich, auch künftig wieder bleiben. Dabei ist die Musik ja nicht uninteressant -wuchtiger Giordano, eben- aber man merkt der Handlung doch zu sehr an, daß Sardou das Original-Theaterstück als Vehikel für Sarah Bernard geschrieben hat, die hier nach Herzenlust leiden, toben, giften, lieben, zürnen und um Verzeihung flehen konnte. In der musikalischen Umsetzung und in der Besetzung ist das Teil auch hier wie geschaffen für eine alternde Diva (Fedora ist Witwe, kann also so blütenzartjung nicht mehr sein), und Frau Freni badet hier im eher nostalgisch bewegten Jubel des MET-Publikums, das sich einfach an bessere Zeiten erinnert - die Aufnahme entstand 1995. Mirella Freni singt bisweilen schrill, fast keifend; der Gefühlsausbruch im großen Duett mit Loris gelingt zwar ganz gut, aber es bleibt halt doch eine Stunde und mehr nur ein Anklang an goldenere Zeiten.
    Domingo singt versammelter und besser, aber das wahre Gefühl bringt er angesichts von chubby Mirella nach meinem Gefühl auch nicht wirklich auf. Allerdings gibt es einen einzigen Moment, der ein Grund dafür sein könnte, die DVD doch noch einmal einzulegen: In der Arie "Amor ti vieta" phrasiert Domingo perfekt, und man denkt, sein Atem hat bei dieser Ansammlung halber Noten kein Ende, bis er gegen Schluß in einem verzeihlichen Moment einer vielleicht nur inneren Irritation es bei "la tua pupilla esprime" nur bis "Pupilla" schafft, Atem holen muß, aber dann "esprime" und das anschließende "T'amo, se il labro dice: non t'amero" auf einem einzigen souveränen Atem singt: rasender Jubel, zu Recht. Eigentlich der sängerisch einzige große Moment dieser Produktion.


    Soviel zu diesem Werk aus meiner Grabbelkiste. Habt Ihr auch Beiträge?


    Grüße!


    Honoria

    Lieber Peter,


    das ist eine der Toscas, die die Welt nun wirklich nicht braucht. Lieblos-schrecklich inszeniert (wie leider nicht selten in Bregenz), größtenteils schaurig gesungen und gespielt. Ich war sehr enttäuscht. Ich glaube, es gab nur mehr hype darum als gewöhnlich, weil das Bühnenbild in einer Szene eines James-Bond-Films zu sehen war. Geld muß man dafür wirklich nicht ausgeben.


    Grüße von der Insel


    Honoria

    Oh ja, eine Liste - die bei mir aber nach den ersten drei Nennungen immer nur einen momentanen Stand wiedergibt:


    - Verdi, Simone Boccanegra
    - Verdi, Ernani
    - Mozart, Don Giovanni
    - Giordano, Andrea Chénier
    - Donizetti, Maria Stuarda
    - Donizetti, L'elisir d'amore
    - Rossini, Il viaggio a Reims
    - Mozart, Le nozze di Figaro
    - Puccini, Tosca
    - Wagner, Die Walküre
    - Mascagni, Cavalleria rusticana
    - Beethoven, Fidelio
    - Puccini, La Bohème
    - Bellini, Norma
    - Bellini, I Puritani


    Ich wünschte, ich fände die Zeit, mir alle nacheinander wieder einmal anzuhören... :wink:


    Grüße!


    Honoria

    Liederabend Son Bauló auf Mallorca, 11. Okober 2012

    Nach einem sehr arbeitsreichen Sommer :faint: singe ich jetzt noch diesen Liederabend und darf dann auch 2 Wochen in Ferien fahren :klatsch: -hier der Ankündidungstext, graphisch zu sehen auf "www.son-baulo.com"



    "Donnerstag 11. Oktober 2012 - 19:30h
    Liederabend
    Regina Lochner Mezzo -Sopran & Gregor Vidovic am Flügel
    Großartige, Musikwerke der klassischen Weltliteratur. Ausgewählte musikalische Delikatessen!
    * Schumann-Lieder der Maria Stuart
    * Richard Wagner Wesendonck-Lieder
    * Manuel de Falla: Siete canciones populares españolas
    Regina Lochner, Konsulin der Bundesrepublik Deutschland in Palma de Mallorca.
    …Sopranistin aus Leidenschaft
    Gregor Vidovic (geboren in München, bosnischer Abstammung) Presse:... Bosnien-Herzegowina ist auf dem Wege, einen Pianisten von Weltrang zu bekommen. Dnevni Avaz, Bosnien-Herzegowina"


    Vidovic und ich sind schon konzertierend durch die bosnische Provinz getourt und dachten uns, diesen Abend müßten wir uns jetzt mal leisten.


    Gestern habe ich übrigens in einer winzigen Kapelle in Inca (Zentral-Mallorca) BWV 170 - Vergnügte Ruh' , beliebte Seelenlust gesungen - war auch ein schöner Erfolg.


    Also, wer am Donnerstag zufällig auf Malle ist, ist herlich willkommen bei einem Liederabend in entspannter, freundlicher Atmosphäre.


    Grüße!


    Honoria Lucasta